MM_Descartes
Zu den Kommentaren
16. November 2005, 17:44 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Unter Hirschen

Das unterschiedliche Machtverständnis von Männern und Frauen zeigt sich vornehmlich in der Freude an der Inszenierung. Übrigens nicht nur in der Politik. Oder kann sich irgendjemand eine Vorstandsvorsitzende vorstellen, die sich à la Jürgen Schrempp mit breitem Grinsen und dicker Zigarre für die Medien ablichten ließe? Das gibt es so nicht – zum einen, weil es keine weiblichen Vorstandsvorsitzenden gibt. Zum anderen, weil die Insignien der Macht aus einer Männerkultur stammen (woher auch sonst?) und für Frauen schlichtweg tabu sind.

Die kommunikative und symbolische Komponente dieses erworbenen Machtbewusstseins kann so bedeutsam sein, dass ein Herrscher lieber sein Reich zerschlägt als nachzugeben. Auslöser dafür ist oft die „gemeine Eitelkeit“, die Max Weber schon in „Politik als Beruf“ als größte Versuchung und Sünde des Politikers identifiziert hat. Wenn das Machtstreben aus dem Dienst an der Sache heraustritt, gerät auch die Verantwortung aus dem Blick. Beispiel Edmund Stoiber: Er hat Merkel immer wieder gemobbt und bereits ihre erste Kanzlerkandidatur in Wolfratshausen verfrühstückt. Irgendwann wollte er dann doch der mächtigste Mann im Bund werden. Aber nicht der mit der größten politischen Verantwortung. Deshalb hat er die Koalitionsverhandlungen erschwert und ist jetzt zurück auf Los gegangen. Es gibt „keine verderblichere Verzerrung der politischen Kraft als das parvenümäßige Bramarbasieren mit Macht und die eitle Selbstbespiegelung in dem Gefühl der Macht“, sagt Max Weber. Punkt.

Beispiel Andrea Nahles. Die Freude an ihrem Sieg währte denkbar kurz. Nur wenige Minuten nachdem der Parteivorstand sie mit 23 zu 14 Stimmen als Kandidatin für den Posten des SPD-Generalsekretärs nominiert hatte, gefror der SPD-Politikerin das Lachen. Franz Müntefering machte aus der kurzzeitigen Siegerin schnell wieder eine Verliererin: Im Nu stand die politische Hoffnungsträgerin als „Königsmörderin“ da.

Hatte dieses irre Intermezzo der SPD mitten in den Koalitionsverhandlungen noch mit politischer Rationalität zu tun? Es hatte. Noch mehr aber mit der Ungehörigkeit weiblicher Machtansprüche. Dabei hat sich Andrea Nahles nur der Muster bedient, die in der männerbestimmten Politikwelt gängig sind. Oskar Lafontaine trug auch keine Samthandschuhe, als er Rudolf Scharping auf dem Mannheimer Parteitag 1995 an den Kragen ging.

Von Frauen in der Politik erwartet man freilich andere Verhaltensmuster. Nahles hat verlangt, dass die Organisation von Macht in der Partei nach den Regeln und in den Gremien erfolgt, die dafür vorgesehen sind. Müntefering hat verlangt, dass diese demokratischen Grundregeln zugunsten seiner persönlichen Machtposition zurückstehen müssen. Damit ist schon ziemlich viel gesagt über das Verhältnis von Frauen zur Macht und Männern zur Macht.

Unterschiede gibt es aber nicht nur im Machtverständnis von Frauen und Männern, sondern vor allem in deren Machtwahrnehmung. Andrea Nahles hat keinen Putsch angeführt, sondern sich lediglich einer geheimen Wahl gestellt. Nun muss sie sich für die Regel entschuldigen, nicht Müntefering für die Ausnahme. Damit ist ziemlich viel gesagt über die öffentliche Wahrnehmung der Macht von Frauen und Männern.

Das Problem hat natürlich auch die nach Einschätzung des „Wall Street Journal“ derzeit weltweit mächtigste Politikerin: Angela Merkel. Sie muss als künftige Kanzlerin alle Situationen des politischen Alltags durchstehen – von der politischen Repräsentation zur politischen Konfrontation –, und sie muss sich für viele dieser Situationen neu erfinden. Kann eine Bundeskanzlerin im Zuge einer engagierten parteipolitischen Rede das Jackett ablegen, die Ärmel aufkrempeln und schwitzend den Saal agitieren? Kann sie Parteifreunde oder nahestehende Staatsgäste mit einem beherzten Schlag auf den Rücken begrüßen? Vermutlich kann sie das nicht. Aus Mangel an Vorbildern gibt es keine weibliche Kultur der Machtinszenierung. Deshalb müssen Frauen sie erfinden, wenn sie denn wollen.

Angela Merkel will augenscheinlich nicht. Jedenfalls nicht nach den bekannten Regeln. Sie hat Freude an der Macht, einen ausgeprägten Machtinstinkt und die gewisse Bissfestigkeit gegen andere (manchmal auch gegen sich selbst), die man in der Politik braucht. Aber sie hat keinen Inszenierungsdrang und auch kein ausgeprägtes Inszenierungstalent. Sie ist nicht besonders kommunikativ, erscheint oft misstrauisch und entspricht so in kaum einer Kategorie den gängigen Unterhaltungsmustern, die längst auch die politische Bühne bestimmen. Sie agiert zwischen den Polen: Wenn sie hart ist, vermännlicht sie. Wenn sie es nicht ist, gilt sie als fimschiges Weibchen. Kurzum: Sie kann machen, was sie will. Richtig wird es nie sein.

Aus diesem Umgang mit sich selbst schafft Angela Merkel Situationen, die bei vielen Beobachtern des politischen Geschehens Unverständnis oder Geringschätzung auslösen. Sie bietet damit auch Angriffsflächen. „Die kann es nicht“, war einer der meistzitierten Sätze im Wahlkampf, gesagt von Männern, die in den späteren Koalitionsverhandlungen feststellen mussten, dass sie es wohl kann, aber vielleicht anders macht, als bislang gewohnt. Politiker leiden oft unter Selbstüberschätzung. Angela Merkel profitiert von Fremdunterschätzung.

Es mag sein, dass dies das Merkel-Muster der Ausgestaltung politischer Macht ist. Vielleicht ist auch eine weibliche Variante im Entstehungsprozess begriffen. Wenn Angela Merkel im „Spiegel“-Interview sagt: „Ich bin nicht ängstlich“, dann pfeift sie vielleicht im Dunklen. Dass wir das öffentlich hören können, ist nach Ansicht der Polit-Platzhirsche eine fast ungehörige Form der Selbsterklärung. Womöglich täte es der politischen Kultur in Deutschland aber ganz gut, wenn wieder mehr Zwischentöne zu hören wären. Wenn die Kultur des Zweifelns einen Platz in all den Bestätigungsritualen von Personen und Programmen fände. Wenn man mal nichts sagen darf, weil es gerade nichts zu sagen gibt.

Frauen behandeln Machtfragen anders als Männer. Und sie handeln in Machtpositionen anders. Sie handeln verschämter. Verschämt nicht deshalb, weil es Frauen in Machtpositionen an Mut, Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen fehlte. Verschämt nur, weil es bislang keine Orientierungsmuster, keine Rollenvorbilder und keine Instrumentenkästen weiblicher Inszenierung von Macht gibt. Es wird sie bald geben. Die Verschämtheit der Macht wird sich an der Unverschämtheit des öffentlichen Umgangs mit ihr emanzipieren.
(erschienen im Tagesspiegel 15.11.05)

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146 Reaktionen

  1. 7. Dezember 2005, 17:04 Uhr, von Walter
    0101

    Irgendwie liegt es wohl auch ein wenig an uns allen, das mit dem Frieden und mit der Zukunft. Nicht ganz a la ‚Du bist Deutschland‘, aber so ähnlich- vielleicht.

    Antworten
  2. 7. Dezember 2005, 20:38 Uhr, von Cate
    0102

    Ja, juchu!
    Jetzt nur noch die restlichen 79999995 Deutschen überzeugen und dann wird alles gut… :o)

    Aber es stimmt: Es liegt an jedem selbst (Irgendjemand hatte sowas ähnliches auch mal vorher hier in dieses Blog geschrieben…, wer war das gleich?). Ich weiß sogar von ostdeutschen Landwirtschaftsunternehmen, die die Wende, insbesondere die Währungsunion überlebt haben, weil sie sich von ihrem „Ich weiß nicht, wie man Selbstverantwortung schreibt, weil mir das früher niemand beigebracht hat“-Denken gelöst haben…
    Das klingt jetzt sehr hart und vor allem „antiostdeutsch“, aber vielleicht ist es von Nutzen zu erfahren, dass ich in Potsdam geboren und in Brandenburg aufgewachsen bin…

    Antworten
  3. 7. Dezember 2005, 21:35 Uhr, von margo
    0103

    Ich will aber nicht Deutschland sein! Papst und Kanzlerin in Personialunion ist mir schon Aufgabe genug :-)

    Antworten
  4. 8. Dezember 2005, 0:03 Uhr, von Walter
    0104

    nicht alles gleichzeitig, nacheinander!

    Antworten
  5. 8. Dezember 2005, 1:03 Uhr, von Cate
    0105

    In der Reihenfolge??!! hahaha

    Antworten
  6. 8. Dezember 2005, 8:57 Uhr, von Walter
    0106

    Nee, Papst am Schluss.

    Antworten
  7. 8. Dezember 2005, 9:01 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    0107

    Pardon- Päpstin.

    Antworten
  8. 8. Dezember 2005, 13:02 Uhr, von Cate
    0108

    Und was ist mit Parteichef/in? ;o)

    Antworten
  9. 8. Dezember 2005, 14:23 Uhr, von Walter
    0109

    Prima, dann hätten wir ja jetzt alles zusammen. Aber das Thema Frauen als Priester in der katholischen Kirche ist ja wohl noch Utopie- obwohl nicht unmöglich. Und es gehen dem Papst ja wohl auch die Männer aus- und Schwule will er auch nicht mehr.

    Antworten
  10. 8. Dezember 2005, 15:45 Uhr, von Cate
    0110

    Da hat er wohl Pech gehabt…
    Mir soll´s egal sein: Ich glaub nur an die Wissenschaft (hahaha) und mit der hab ich mich mal wieder beschäftigt, insbesondere mit der von Sandra Bem (Achtung, M. Schradi!).
    Das Buch hab ich zwar noch nicht gelesen, aber interessantes über Leben und Schaffen einer wirklich außergewöhnlichen Forscherin in Erfahrung gebracht.
    Interessant ist, dass bereits in frühen Jahren der Weg zur späteren Forschungsthematik geebnet wurde. Wenn man so will, ist das ein Beweis für die Theorie Poppers, denn durch den Einfluss Bems Umfeldes, insbesondere dem ihrer Mutter, begann sie sehr früh zu erkennen, dass der klassische Lebensweg einer Frau zu der Zeit (und größtenteils auch noch heute) wirklich nicht erstrebenswert ist. Später dann die Ehe mit einem scheinbar „fortschrittlich denkenden“ Mann, der den beruflichen Werdegang seiner Frau vollends unterstütze, eigene berufsbezogene Entscheidungen, gegen oder für eine Anstellung an einer Universität etwa, von denen seiner Angetrauten stark abhängig machte, was wirklich bemerkenswert ist.
    Absolut richtig ist ihre Aussage, dass biologische Geschlechtsunterschiede niemals die Grundlage für gesellschaftliche Strukturen sein dürfen. Und das war so und ist auch größtenteils immernoch so, das kann man nicht von der Hand weisen.
    Weitergehenden Theorien will ich noch nicht ganz zustimmen. Natürlich kann auch neorologische Divergenzen zwischen Männern und Frauen nicht hundertprozentig pauschalisieren (Ich würde mich zum Beispiel nicht als „schwach“ im räumlich-mathematischen Denken bezeichnen, bin aber wohl, laut meinem aktuellen Kenntnissstand :o), eine Frau…). Und eben genau darum wäre es nicht nur Frauen gegenüber diskriminierend, diese Forschungsergebnisse als Gesellschaftgrundlage zu nehmen. (Männer, die sprachlich begabt sind wären dann vielleicht auch benachteiligt… :o)…).
    Ich denke, das es irgendwo einen neutralen „PH-Wert“ gibt, wie in so vielen Bereichen, der ein gesundes Gleichgewicht zwischen der Akzeptanz biologischer Unterschiede und dennoch eine ausreichende Freiheit in der Gestaltung unserer Lebenswege und Selbstdarstellung vereint.
    Ich bin nur nachwievor eine strikte Gegnerin einer Zielsetzung der absoluten Freiheit eines jeden. Mal abgesehen davon, dass ich jetzt mit Schopenhauer, Dostojewski oder Freud aufschlagen könnte, die gleich die ganze Existenz eines solchen Zustandes bestreiten, liegt es doch wohl auch auf der Hand, dass die gesamte Menschheitsgeschichte ein offensichtliches Bestreben in Strukturbildung, Uniformierung und Sortierung der hiesigen Masse Mensch auf diesem Planeten belegt.
    Ich glaube auch, dass das Zeitalter des Individualismus bald seinen Zenit erreicht haben wird und es von da an wieder „abwärts“ geht. Bald so vermute ich, könnte der Trend zurück zur Bekundung von Zugehörigkeit und Gemienschaftsindentität gehen. Vielleicht hat er sogar schon begonnen… Jedenfalls ist das Bestreben von individueller Abgrenzung und Eigenartigkeit mittlerweile zum Kollektivstress geworden, so scheint mir. Dann kann nicht mehr lange anhalten…
    Man sollte isch ruhig auch mal gehen lassen, mitschwimmen, macht doch nix, wenn man nicht gegen Prinzipien oder Ideale verstößt… Man sollte sich eben einfach nicht zu ernst nehmen.
    Das ist wie mit den Fischen im Meer:
    Wenn man mal Tauchen war hatte man vielleicht den Eindruck alle schwimmen irgendwo hin, völlig planlos. Aber als ganzes Betrachtet ist das Leben der Meeresbewohner sehr stark strukturiert… Ich glaube kaum, dass sich der Mensch da mit seinem bißchen mehr Denkvermögen und Kommunikationsfähigkeit gänzlich anders verhält…
    Puuh, das war ne Menge. ;o)

    Antworten
  11. 8. Dezember 2005, 19:01 Uhr, von Aron Gefällt einem Leser
    0111

    @Cate: hey, und du hast meine volle Zustimmung!!! Sag mal: Was genau machst du eigentlich beruflich?? Nehme an, irgendwas naturwissenschaftliches, denn irgendwie fühle ich mich in deinem Denken zu Hause :o)… oder liege ich jetzt komplett daneben??
    Achja, und noch eine Anmerkung zum Individualismus-Trent (der mir nebenbei gehörig auf den Keks geht, da ich ihn nämlich in seiner krassen Form eben genau überhaupt gar nicht individuell finde): Ich finde das ganze führt sich selber doch schon wieder ad absurdum. Denn wenn alle so furchtbar individuell sind, dann ist es letztlich eben keiner mehr… und das ganze hat wieder was Kollektives, nur die Nuancen sind evtl. anders ausgeprägt. Eben frei nach einem berühmten Filmzitat: „Wir sind alle Individuen. Ich nicht!!“

    Antworten
  12. 8. Dezember 2005, 19:30 Uhr, von chris mit einem s
    0112

    @cate: auch ich sehe mich als gegner der absoluten freiheit eines jeden einzelnen. sie würde auch nicht funktionieren. ich habe einmal den versuch in meinem beruflichen umfeld gemacht. als führungskraft einer bis dahin straff geführten einheit von 10 sehr unterschiedlichen männern, die es gwohnt waren beständig kontrolliert und angetrieben worden zu sein, ließ ich die zügel lockerer. ich ließ ihnen mehr freie entfaltung, sie konnte eigene ideen selbst umsetzen und initiieren. lediglich das fernziel war von mir vorgegeben, den weg dahin sollte jeder selbst wählen. mit dieser neuen freiheit konnte jedoch keiner umgehen. nachdem die erste freude verraucht war, brachen unstrukturierte aktivitäten aus, manchen taten gar nichts mehr und schließlich hatte ich beinahe das problem die nicht erreichten ziele der gruppe zu verantworten. erst nachdem wieder ein fester rahmen geschaffen wurde, in den jeder eingebunden wurde bzw. an den sich anlehnen konnte funktionierte die gruppe wieder. für mich war es eine interessante erfahrung, da ich mich selbst als sehr individualistisch und selbstverantwortlich bezeichnen würde und dies gern den einzelnen mitarbeitern im positiven sinne weitergegeben hätte. bedauerliche weise verfahre ich jetzt wieder nach alten mustern, sie führen aber zum erfolg und sichern mir den job.

    Antworten
  13. 8. Dezember 2005, 21:27 Uhr, von Cate
    0113

    @Chris: Das ist in der „modernen“ Schule glaub ich momentan das gleiche Problem… Zwangsläufig braucht es wirklich immer sinnvolle (und das ist die wichtige Unterscheidung von sinnlosen und unbegründeten) Regeln.Ich hoffe, in meinem jugendlichen Naivismus (hihihi), dass sich das irgenwann mal am richtigen Punkt einpendelt…
    @Aron: Ich hole zur Zeit mein Abitur nach, auf dem zweiten Bildungsweg, – beim ersten war ich noch nicht so „rational“, wie jetzt… ;o) – nachdem ich eine Ausbildung im Bootsbau abgeschlossen habe. Vielleicht kann ich ab Januar im Berliner Technik – Museum nebenher arbeiten. Das wäre wie ein Spielplatz für mich! :o) Denn du hast zumindest damit Recht: Naturwissenschaften sind echt mein Ding! Aber nicht nur… Eigentlich könnte man allegemein feststellen, dass mich alles interessiert, was
    ich noch nicht weiß. ;o)
    Bist du denn berufstätiger Naturwissenschaftler? Und wenn ja wo?

    Antworten
  14. 9. Dezember 2005, 0:04 Uhr, von Cate
    0114

    A prospos Frauen und Macht…
    Gerade bei POLYLUX gesehen: Bascha Mika, Chefredakteurin der TAZ.
    Tolle Frau, klug, redgewandt und beherrschend, trotzdem gefühlvoll und weiblich.
    Ich bin beeindruckt!

    Antworten
  15. 9. Dezember 2005, 0:36 Uhr, von Aron
    0115

    @Cate: Ja, ich hab Biologie studiert und jetzt promoviere ich in Informatik. In der Schule hatte ich zwar hauptsächlich geisteswissenschaftliche Schwerpunkte (auch sehr interessant, aber ich bin mit den Naturwissenschaften glücklicher).
    @walter: ja, der Papst…. ohjeee… der ist ein Fall für sich. Was der so vom Stapel läßt, ist eigentlich schon nicht mehr feierlich. Ich hoffe, dass ihm wirklich mal irgendwann die Männer ausgehen…

    Antworten
  16. 9. Dezember 2005, 9:03 Uhr, von Walter
    0116

    Was die Katholische (die ‚einzig wahre‘) Kirche angeht, meine ich nicht, dass Frauen jetzt die Männer ersetzen sollten, sozusagen als 2. Wahl, sondern dass es jetzt allmählich Zeit wird für Frauen im Priesteramt. Was diesen Papst angeht, habe ich die Hoffnung (wirklich) noch nicht ganz aufgegeben- es kommen aber so gar keine Signale, bzw. Signale in die andere Richtung. Der Nächste?
    PS: wie wärs damit: http://www.zeit.de/archiv/2001/15/200115_traum_will.xml ? – macht Hoffnung…

    Antworten
  17. 9. Dezember 2005, 11:05 Uhr, von Aron
    0117

    @Walter: Mein Kommentar, dass ich hoffe, dass dem Papst bald die Männer ausgehen, war nicht darauf gemünzt, dass dann endlich die Frauen (quasi als 2. Wahl) ran dürfen. Ich bin natürlich dafür, dass auch Frauen Priesterinnen werden dürfen (gleichberechtigt als 1. Wahl versteht sich), wenn sie wollen, aber ich schätze den Vatikan (und ganz speziell diesen Papst) so ein, dass sowas erstmal nicht kommt. Eigentlich war mein Kommentar eher sarkastisch gemeint, so nach dem Motto, wenn dem Papst die Männer ausgehen, löst sich die Institution katholische Kirche eben einfach von selbst auf, weil es keinen Nachwuchs mehr gibt. Mir ist klar, dass das nicht passieren wird.
    Ich muss mich nur leider oft sehr zurückhalten, dass ich mich über den Papst nicht zu sehr aufrege, denn ich finde es gelinde gesagt unter aller Sau, was ein Mann in seiner Position und in unserer heutigen Zeit an diskriminierenden Statements (sei es bzgl. Männern und Frauen, Aids, Homosexualität, Ehe, künstl. Befruchtung… die Liste ist endlos lang) von sich gibt. Es ist unglaublich und es regt mich auf, weil er damit solche Statements wieder hoffähig macht!!!

    Antworten
  18. 9. Dezember 2005, 11:45 Uhr, von anne Gefällt einem Leser
    0118

    Gerade spricht Angela Merkel beim DFB zur WM 2006.
    Und bei N24 kann man an so tollen Votings teilnehmen wie zb: „Können Sie sich vorstellen, daß Angela Merkel bei einem Fussballspiel in Ekstase gerät?“
    Was soll man nur dazu sagen???

    Antworten
  19. 9. Dezember 2005, 11:50 Uhr, von Walter
    0119

    @Aron: mein Kommentar bezog sich aufs Thema ‚unter Hirschen‘- auch Priester und Päpste sind Männer- und auf die Stellung der Frauen in der katholischen Kirche. Ich achte die Kirche dort sehr, wo sie sich an der biblischen Botschaft- die ja nicht immer ganz eindeutig ist- orientiert. Und ich lehne die Entgleisungen in puncto Macht, Besitz und Diskriminierung ab. ich versuche, hier zwischen ‚Verpackung‘ und ‚Inhalt‘ zu unterscheiden. Und dann gibt es ja noch die Boten, die das Geschenk überreichen…

    Antworten
  20. 9. Dezember 2005, 12:18 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    0120

    @anne: besser- no comment, oder andersrum: was versteht N24 unter Ekstase?

    Antworten
  21. 9. Dezember 2005, 12:30 Uhr, von Cate
    0121

    Was soll man von einer Institution denn anderes erwarten, die auch sowas, wie die BILD-Zeitung verlegt?

    Antworten
  22. 9. Dezember 2005, 13:25 Uhr, von Cate Gefällt einem Leser
    0122

    Kaum zu fassen:

    http://www.opinionjournal.com/editorial/feature.html?id=110007646

    …und vom Spielgel auf Deutsch übersetzt:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,
    1518,389295,00.html

    Ich sag dazu nix weiter…

    Antworten
  23. 9. Dezember 2005, 13:26 Uhr, von Cate
    0123

    …hahahahahaha „Spielgel“… hahahahaha… Schöööööööön! :o)

    Antworten
  24. 9. Dezember 2005, 17:35 Uhr, von Walter
    0124

    Zur WM: vorhin gab es auf Deutschland Radio einen Beitrag zum Thema WM und Sicherheit. Ich fürchte da kommt noch einiges auf uns zu. Allein die Wortwahl, die Emotionalisierung und damit die Übersteigerung des Ereignisses lassen nicht nur Gutes hoffen- ein Nachtrag zum Thema ‚Ekstase‘ bei der WM. Auf die Inszenierung und die Wortwahl bin ich mal gespannt, nicht nur bei N24 und Bild- Zeitung. Fußballfanatismus?

    Antworten
  25. 9. Dezember 2005, 18:21 Uhr, von Cate
    0125

    Ich bin besonders auf die „ekstatischen“ Äußerungen von Günther Netzer gespannt oder besser: auf die „ekstatischen“ Reaktionen Gerhard Dellings diesbezüglich! ;o)

    Antworten
  26. 9. Dezember 2005, 18:41 Uhr, von Cate
    0126

    Nochwas:
    Vorhin Tony Blair auf BBC gesehen?
    Der Schelm!
    „Solange ihr die EU-Agrarpolitik nicht reformiert, weil die is ja sooooooo veraltet, bestehen wir auf unseren Rabatt und wir wollen eine Revision des 7 Jahres-Planes in 2 Jahren (???)…. So, ätsch!“
    Man, die Briten haben ja schon seit eh und je Probleme mit einem realistischen Wirtschaftsverständnis, aber hier ist nur noch Dummheit am Werk… :o(
    Schade eigentlich, denn der Ursprung der Wirtschaftswissenschaft liegt in Großbritannien; dort gab es mal sehr kluge Ökonomen. Aber da die nun alle bereits gestorben sind…
    Ick weß ja oh nich…….

    Antworten
  27. 10. Dezember 2005, 16:06 Uhr, von Walter
    0127

    Fußball als Männerdomäne ist auch nicht mehr das, was er mal war:“Weil der deutsche Frauenfußball immer mehr im Kommen ist, würde es ihm, wie ich meine, gut zu Gesicht stehen, wenn wir uns um die Austragung der Weltmeisterschaft 2011 bewerben würden. Ich sage jedenfalls: Sollte sich der DFB zu einer solchen Bewerbung entschließen, werde ich dieses Vorhaben gerne unterstützen.“ Das sagt Angela Merkel mit verschmitztem Lächeln- eins ihrer ‚Markenzeichen‘- sie weiß, sie hat da einen Trumpf im Ärmel, den sie locker ausspielt. Zwischen den Zeilen meint sie wohl, dass Frauen nicht allein den Fußball erobert haben sondern auch das Kanzleramt. Und sie wirkt damit ganz und gar nicht deplaziert und sehr viel zeitgemäßer als so mancher Fußballsenior… Ihre Sprache wird von den jüngeren Sportlern akzeptiert, auch von Jürgen Klinsmann und Co.
    “Da müssen die Männer sich anstrengen, um das einmal wieder zu schaffen, meine Damen und Herren!“ Wenn das kein Triumph ist.

    Antworten
  28. 10. Dezember 2005, 21:57 Uhr, von Walter
    0128

    3 Männer heute:
    – Gerd Schröder- weiß man’s?
    – Bill Clinton- das moralische Gewissen der USA- mit dieser Monica- Vorgeschichte?
    – Mohammed el-Baradei, der sich heute für die vollständige atomare Abrüstung stark gemacht hat.
    Selbst wenn wir jedem von Ihnen die besten Absichten unterstellen, kommt Gerhard Schröder heute am schlechtesten weg, da es so aussieht, als habe er seinen Dienst für Deutschland auch benutzt, um seine persönliche Zukunft zu sichern. Bill Clinton möchte man seinen Altruismus gerne abnehmen. Nur hat er schon einmal gelogen (und es auch zugegeben). Und Mohammed el- Baradei? Das könnte einer sein, der es wirklich ernst meint mit seiner Aufgabe und uns alle einen Schritt weiter zum Frieden hin- und einen Schritt weiter von der Gefahr der globalen Vernichtung wegbringen könnte. Es scheint, er habe den Friedensnobelpreis verdient.
    Es geht hier nicht darum, zu (ver-) urteilen über diese Männer, auch einfach deshalb, weil ich eigentlich zu wenig von ihnen weiß. Aber wird unsere Wahrnehmung unter anderem nicht auch wesentlich von dem Bild bestimmt, dass wir uns von Politikern- meist Männern- machen? Und ist unser Anspruch an sie nicht (viel) höher als der an uns selbst?
    Und Frauen in der Politik?- haben sie nicht einfach den momentanen Vorteil, dass die “öffentliche Meinung“ ihnen im Guten wie im Bösen noch nicht so viel zutraut- wird sich das nicht auch in dem Maße ändern, wie mehr Frauen ‚an die Macht‘ kommen? Sind Frauen wirklich die besseren Menschen? Ich glaube das nicht.

    Antworten
  29. 10. Dezember 2005, 22:01 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    0129

    3 Männer heute:
    – Gerd Schröder- weiß man’s?
    – Bill Clinton- das moralische Gewissen der USA- mit dieser Monica- Vorgeschichte?
    – Mohammed el-Baradei, der sich heute für die vollständige atomare Abrüstung stark gemacht hat.
    Selbst wenn wir jedem von Ihnen die besten Absichten unterstellen, kommt Gerhard Schröder heute am schlechtesten weg, da es so aussieht, als habe er seinen Dienst für Deutschland auch benutzt, um seine persönliche Zukunft zu sichern. Bill Clinton möchte man seinen Altruismus gerne abnehmen. Nur hat er schon einmal gelogen (und es auch zugegeben). Und Mohammed el- Baradei? Das könnte einer sein, der es wirklich ernst meint mit seiner Aufgabe und uns alle einen Schritt weiter zum Frieden hin- und einen Schritt weiter von der Gefahr der globalen Vernichtung wegbringen könnte. Es scheint, er habe den Friedensnobelpreis verdient.
    Es geht hier nicht darum, zu (ver-) urteilen über diese Männer, auch einfach deshalb, weil ich eigentlich zu wenig von ihnen weiß. Aber wird unsere Wahrnehmung unter anderem nicht auch wesentlich von dem Bild bestimmt, dass wir uns von Politikern- meist Männern- machen? Und ist unser Anspruch an sie nicht (viel) höher als der an uns selbst?
    Und Frauen in der Politik?- haben sie nicht einfach den momentanen Vorteil, dass die “öffentliche Meinung“ ihnen im Guten wie im Bösen noch nicht so viel zutraut- wird sich das nicht auch in dem Maße ändern, wie mehr Frauen ‚an die Macht‘ kommen? Sind Frauen wirklich die besseren Menschen? Ich glaube das nicht.

    Antworten
  30. 10. Dezember 2005, 22:02 Uhr, von Walter
    0130

    3 Männer heute:
    – Gerd Schröder- weiß man’s?
    – Bill Clinton- das moralische Gewissen der USA- mit dieser Monica- Vorgeschichte?
    – Mohammed el-Baradei, der sich heute für die vollständige atomare Abrüstung stark gemacht hat.
    Selbst wenn wir jedem von Ihnen die besten Absichten unterstellen, kommt Gerhard Schröder heute am schlechtesten weg, da es so aussieht, als habe er seinen Dienst für Deutschland auch benutzt, um seine persönliche Zukunft zu sichern. Bill Clinton möchte man seinen Altruismus gerne abnehmen. Nur hat er schon einmal gelogen (und es auch zugegeben). Und Mohammed el- Baradei? Das könnte einer sein, der es wirklich ernst meint mit seiner Aufgabe und uns alle einen Schritt weiter zum Frieden hin- und einen Schritt weiter von der Gefahr der globalen Vernichtung wegbringen könnte. Es scheint, er habe den Friedensnobelpreis verdient.
    Es geht hier nicht darum, zu (ver-) urteilen über diese Männer, auch einfach deshalb, weil ich eigentlich zu wenig von ihnen weiß. Aber wird unsere Wahrnehmung unter anderem nicht auch wesentlich von dem Bild bestimmt, dass wir uns von Politikern- meist Männern- machen? Und ist unser Anspruch an sie nicht (viel) höher als der an uns selbst?
    Und Frauen in der Politik?- haben sie nicht einfach den momentanen Vorteil, dass die “öffentliche Meinung“ ihnen im Guten wie im Bösen noch nicht so viel zutraut- wird sich das nicht auch in dem Maße ändern, wie mehr Frauen ‚an die Macht‘ kommen? Sind Frauen wirklich die besseren Menschen? Ich glaube das nicht.

    Antworten
  31. 10. Dezember 2005, 22:57 Uhr, von Walter
    0131

    3 Männer heute:
    – Gerd Schröder- weiß man’s?
    – Bill Clinton- das moralische Gewissen der USA- mit dieser Monica- Vorgeschichte?
    – Mohammed el-Baradei, der sich heute für die vollständige atomare Abrüstung stark gemacht hat.
    Selbst wenn wir jedem von Ihnen die besten Absichten unterstellen, kommt Gerhard Schröder heute am schlechtesten weg, da es so aussieht, als habe er seinen Dienst für Deutschland auch benutzt, um seine persönliche Zukunft zu sichern. Bill Clinton möchte man seinen Altruismus gerne abnehmen. Nur hat er schon einmal gelogen (und es auch zugegeben). Und Mohammed el- Baradei? Das könnte einer sein, der es wirklich ernst meint mit seiner Aufgabe und uns alle einen Schritt weiter zum Frieden hin- und einen Schritt weiter von der Gefahr der globalen Vernichtung wegbringen könnte. Es scheint, er habe den Friedensnobelpreis verdient.
    Es geht hier nicht darum, zu (ver-) urteilen über diese Männer, auch einfach deshalb, weil ich eigentlich zu wenig von ihnen weiß. Aber wird unsere Wahrnehmung unter anderem nicht auch wesentlich von dem Bild bestimmt, dass wir uns von Politikern- meist Männern- machen? Und ist unser Anspruch an sie nicht (viel) höher als der an uns selbst?
    Und Frauen in der Politik?- haben sie nicht einfach den momentanen Vorteil, dass die “öffentliche Meinung“ ihnen im Guten wie im Bösen noch nicht so viel zutraut- wird sich das nicht auch in dem Maße ändern, wie mehr Frauen ‚an die Macht‘ kommen? Sind Frauen wirklich die besseren Menschen? Ich glaube das nicht.

    Antworten
  32. 10. Dezember 2005, 22:59 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    0132

    sorry schon wieder! liegt wohl an firefox.

    Antworten
  33. 11. Dezember 2005, 1:18 Uhr, von Aron Gefällt einem Leser
    0133

    Oder am Doppelklick auf den „Veröffentlichen“ Button? Ich firefoxe auch und hab da keine Probleme…

    Antworten
  34. 11. Dezember 2005, 13:21 Uhr, von paula
    0134

    @walter: nein, frauen sind nicht besser, nur schöner, intelligenter und charmanter …

    Antworten
  35. 11. Dezember 2005, 18:50 Uhr, von jan
    0135

    nochmal zur freiheit,

    ich wiederum habe sehr gute erfahrungen damit, meinen mitarbeitern freie hand bei der arbeitsaufteilung zu lassen.
    auch hier gebe ich das endziel vor
    wie und wann sie dieses jedoch erreichen, ob sie nun samstag und sonntag durchprogrammieren und dafür bis donnerstag daheimbleiben
    ist mir egal.
    das funktioniert hervorragend und meinen mitarbeiter sind zufrieden.
    vielleicht war es ja bei deinen mitarbeitern einfach zu früh. kann man denn erwarten, dass deine mitarbeiter einfach so den hebel umlegen können?
    im prinzip findet ja ein ähnlicher wechsel von schule zu studium statt. und auch da benötigen doch die meisten so ein zwei semester, bis sie sich in den verhältnissmäßig freien strukturen zurechtfinden und ihr ziel erstens definieren, zweitens erreichen.
    diesen prozess des selbständig werdens, welcher z.b auch an der uni st. gallen durch das „selbststudium“ welches einen nicht unerheblichen teil des ganzen studiums bildet, gefordert und gefördert wird, findet ja auch niemand schlecht und ruft gleich wieder du schulstruktur auf den plan, oder!!!

    zustimmen kann ich auch in der masse der angeblichen individualisten, da will wirklich keiner mitmachen,
    aber freiheit mit gegen den strom zu schwimmen zu verwechseln/gleichzusetzen ist nicht richtig.l
    ich würde mir z.b auch eine gesellschaft wünschen in der einfach mal gefragt wird was macht denn dein freund, (und ich bin keine frau)
    und umgekehrt.
    schon dass würde ich als freiheit empfinden, also hier entspricht dass ja durchaus denm wunsch nach normalität/mit dem strom schwimmen.und jetzt komm mir keiner damit, dass das doch schon längst vom tisch ist!;-)

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  36. 11. Dezember 2005, 19:29 Uhr, von Aron
    0136

    @Jan: Ja, und was macht denn jetzt dein Freund?? ;-) Und: ja, natürlich hast du ja soooo recht.

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  37. 11. Dezember 2005, 20:15 Uhr, von Walter
    0137

    @paula: Das ist wohl so ähnlich wie mit dem vernetzten Denken: tendenziell kannst Du Recht haben- nur ich kenne auch Gegenbeispiele (s. Popper)
    @Aron: es liegt sicher nicht am Doppelklick, vielleicht eher an einer Art Aktualisierungsfunktion (Version 1.07), die möglicherweise im Hintergrund alle paar Minuten die Seite neu lädt. Ist mir immer nur passiert, wenn ich die Seite mit meinem Kommentar offen ließ, weil ich weggerufen wurde z.B. – scheint auch in der Frequenz zeitabhängig zu sein. Das letzte Mal wurde zweimal zusätzlich hochgeladen, ich war ca. 30 Minuten weg. Ich verbringe aber das bisschen Zeit, das mir so ‚zwischendrin‘ bleibt, mit anderem als software- Pflege, z.B. mit Lesen oder Posten…
    @jan: Freiheit ist ein sehr offener Begriff, den vielleicht jeder von uns ein wenig anders versteht und in seinem Leben für sich persönlich zu verwirklichen versucht. Ich finde wir Menschen als soziale Wesen definieren uns eher über die Art unserer ‚Unfreiheit‘- z.B. Werte, Rechte, Pflichten, Wünsche, Zwänge. Schon durch unsere Geburt und unsere Individuation verlieren wir die uneingeschränkte Freiheit. Als Grundidee hat das u.a. Aristoteles beschrieben: Leben ist die Umwandlung von Potentialität, d.h. der Summe aller Möglichkeiten zur konkreten Erscheinungsform. Wenn man so will haben wir damit als Neugeborene oder sogar als befruchtete Eizelle die größte Freiheit, die wir dann, dadurch dass wir leben, immer mehr ‚verlieren‘, d.h. in je eine konkrete reale Form umsetzen, je älter wir werden. – aber wir gewinnen ja auch viel dafür…
    Vielleicht ist uns mit den Begriffen Respekt und Achtung im zwischenmenschlichen Bereich, um den es Dir wohl in erster Linie geht, mehr geholfen- hierher passt dann wohl auch die Metapher von der Realisation von Freiheit in einer Gesellschaft als der ‚Freiheit der anders Denkenden‘

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  38. 11. Dezember 2005, 21:03 Uhr, von Frank
    0138

    Man sollte Individualismus nicht verwechseln mit Egoismus oder Hedonismus. Grundsätzlich ist es doch toll, dass sich heutzutage jeder individuell und frei entfalten kann (auch wenn das für viele, gerade junge Menschen, ziemliche Orientierungsprobleme mit sich bringt) und nicht mehr in den starren gesellschaflichen Schranken leben muss.

    Na ja, und mal ehrlich, wo sind denn die ganzen Individualisten? Okay es gibt mehr Nischen als früher, aber dort sind doch auch alle fast schon wieder gleich. Da ist ein Millionenheer von Angestellten mit ziemlich gleichen Interessen (Skiurlaub, Mallorca, bißchen Sex and the city und Robbiiiieeee und U2 – mit pseudoreligiösem Gutmensch Bono an der Spitze), total junge hippe Unternehmungsberatungstypen, mit Hornbrille, die jetzt irgendwie in Kunst machen und nicht zu vergessen, die vielen ganz total und ungemein unkonventionell lebenden Künster- und Sonstwaslindividuen im Dutzend in Szenevierteln wie der Schanze oder Friedrichshain zusammengepfercht, na ja und auch noch die karrieerbewußten Businessfrauen mit ebenso einer abgespeckten Damenversion der Woody Allen Intellektuellen-Gedächtnisbrille, im Jil Sander Zweiteiler, mit Louis Vuitton Schmicktasche und Manolo Blahnik Schühchen, etc. etc. wie gesagt, sooo sonderlich individualistisch finde ich det janze nisch … Selbst Veranstaltungen wie die Love Parade und CSD sind doch in ihrer möchtegern-andersartigen Uniformität schon wieder bißchen spießig …

    Aber zum Thema Einsatz für die Gesellschaft und Rückkehr zum Sozialwesen im Sinne, wie kann ich mich aktiv in die Gesellschaft einbringen etc. gibt es ein schönes neues „Geo-Heft“: Die Abkehr vom Egoismus, ist sehr zu empfehlen!

    Ich denke ohnehin, dass da auf jeden Fall wieder der Trend hingeht. Nach diesen hedonistischen 90er Jahre Tendenzen scheint es jetzt ja wieder Weg vom Hedonismus hin zum Einsatz für den Nächsten zu gehen und das „Wir-Gefühl“ endlich wieder im Vordergrund zu stehen.

    Schön!

    Antworten
  39. 11. Dezember 2005, 21:37 Uhr, von Vicky
    0139

    Applaus!

    150 Kommentare innerhalb einen Monat!
    Wahnsinn, dass nicht nur Fernsehen 3 Millionen Menschen zum Stuhl fesseln kann…
    Velcher Sendung meine ich wohl???
    lg

    Antworten
  40. 11. Dezember 2005, 21:39 Uhr, von Cate
    0140

    Allgemein könnte man also sagen:

    Vorgegebene Strukturen sind funktionsnotwendig, aber Innovation lebt von Freiheit und die wiederum verbessert die Funktionsbedingungen, da ihr gewöhnlich Unzufriedenheit vorausgeht.

    Das ist bei der technischen Entwicklung bestimmt immer so gewesen…

    Läßt sich das aber nicht auch auf gesellschaftliche Strukturen anwenden?

    Antworten
  41. 11. Dezember 2005, 21:40 Uhr, von Cate
    0141

    @Vicky:

    3 Millionen? Hmmmmm, Telekolleg? ;o)

    Antworten
  42. 11. Dezember 2005, 23:48 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    0142

    Zum Tagesabschluss noch zwei Links zu den Stichworten- Abkehr vom Egoismus- Rückkehr zum Sozialwesen- Verbesserung der vorgegebenen Strukturen: zur Agenda 21– Leitspruch ‚global denken- lokal handeln‚ :http://www.scb.ecolo-bremen.de/frames/frame_service.htm
    und zu den Bündnissen für Familie– sowas wie ‚alle Betroffenen in einem Boothttp://www.lokale-buendnisse-fuer-familie.de/
    PS: am 15. Mai 2006 findet der erste ‚Deutsche Familientag‘ statt, in Berlin.

    Antworten
  43. 4. Januar 2006, 14:52 Uhr, von paula
    0143

    „Unter Hirschen“ mal anders:
    Mit dem Zeitgeist röhren
    auf Welt Online

    Antworten
  44. 14. Januar 2006, 0:21 Uhr, von Walter
    0144

    Angela Merkel in Washington, mit George Bush- sie kann’s.
    Neben Tony Blair, Jacques Chirac und jetzt auch George Bush macht sie einfach die bessere Figur. Da stört es auch nicht mehr, wenn sie die Schultern hochzieht, beim Weggehen vom Rednerpult. Wichtig ist, sie zieht den Kopf nicht ein wenn sie neben Bush steht und frei formuliert. Und sie ist auch nicht nett, sondern sachlich und verbindlich (im Sinne des Wortes: Verbindungs- stiftend und wertorientiert verpflichtend).
    Jetzt ist Bush derjenige, der sich bemüht und offensichtlich beeindruckt ist. Für mein Gefühl war das ein starker Auftritt, selbstbewusst aber nicht selbstgerecht. Die Idee, Guantanamo vor den Vereinten Nationen zu behandeln, ist genial und weist – hoffentlich- Bush und seine Falken in die Schranken. Angela Merkel hat ihren Vorschlag so nonchalant ausgesprochen, dass George Bush nicht eine Bemerkung dazu machen konnte, zumindest nicht vor den Mikrofonen. Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht.
    Und noch etwas: Condoleeza Rice wirkte währen der Pressekonferenz ziemlich angespannt- wahrscheinlich hat sie Angie die Daumen gedrückt. – Pfarrerstöchter müssen halt zusammenhalten…
    Auf ein gutes, nicht mehr ganz neues Jahr für uns alle.

    Antworten
  45. 22. November 2009, 8:54 Uhr, von Miriam Meckel » Blog Archiv » Symbolische Selbstverleugnung
    0145

    […] männlich besetzt sind und Frauen es daher schwer haben, für sich neue und adäquate Repräsentationsmodi zu […]

    Antworten
  46. 9. Dezember 2009, 17:19 Uhr, von Inszenierung weiblicher Macht « Feminine Lesbians
    0146

    […] Meckel schreibt auf ihrem Blog in ihrem Beitrag von 2005 „Unter Hirschen“ über Angela Merkel, dass die Problematik für Frauen in politischen Machtpositionen darin liegt, […]

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