MM_Japanische-Lebensweisheit
Zu den Kommentaren
16. November 2006, 19:15 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Der Kampf ums Weltbild

Die Fernsehwelt ist um eine neue Stimme reicher: Aljazeera International ist auf Sendung gegangen und strahlt zusätzliche zu seinem arabischen Programm nun auch ein 12-Stunden-Programm in Englisch aus. Der Sender will seinen Zuschauern aus nicht arabischen Ländern die Nachrichten aus einem „arabischen Blickwinkel“ präsentieren.

In fast allen Regionen der Welt werden neue Konkurrenzangebote auf Sendung geschickt oder ausgebaut. Anders als bei CNN stehen in der Regel nicht wirtschaftliche, sondern publizistische oder auch politische Motive hinter diesen Aktivitäten. Zumeist sind es Regierungen oder regierungsnahe Institutionen, die für die Gründungswelle im internationalen Fernsehmarkt verantwortlich zeichnen.

Einige Beispiele: 2003 wurden vor dem Hintergrund des jüngsten Irakkriegs in Dubai „Al Arabiya“ und im Iran „Al Alam“ gegründet. Die USA gingen im Gegenzug Anfang 2004 mit „Al Hurra“ auf Sendung. 2005 haben sich die Regierungen von Venezuela, Argentinien, Kuba und Uruguay zusammengetan, um die panlateinamerikanische „Telesur“ zu gründen; im gleichen Jahr startete „Russia Today“ ein englischsprachiges Programm aus Moskau. Und in Frankreich laufen die Vorbereitungen heiss für einen (u.a. englischsprachigen) Nachrichtensender: „France 24„.

Rund 200 Sender, dabei etwa 20 Nachrichtenkanäle, decken derzeit allein die arabische Region ab – ein Kampf ums Weltbild, auf den Fernsehschirmen und in den Köpfen der Zuschauer.

Ob das hilft, den so oft beschworenen „Clash of Civilizations“ zu verhindern oder zu lindern?

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42 Reaktionen

  1. 17. November 2006, 9:51 Uhr, von Walter
    01

    Dialog der Kulturen, damit von Philosophie, Religion und (Kolonial-) Geschichte. – Ein Megathema.
    ‚Ob das hilft, den so oft beschworenen “Clash of Civilizations? zu verhindern oder zu lindern?‘ – gute Frage.
    Vor der Behandlung dieser wichtigen Frage stellen sich mir weitere:
    Was sind Wahrheit? Toleranz? Angst vor dem Fremden? weltanschaulicher/ religiös verbrämter Fanatismus?
    Worin liegt die diffuse Bedrohung durch ‚Globalisierung‘? Was macht uns Menschen heute Angst?

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  2. 17. November 2006, 10:37 Uhr, von Walter
    02

    Mit Entwicklung der modernen ‚Netzwerkgesellschaft‘ und deren Schattenseiten beschäftigt sich unter anderen Manuel Castells, insbesondere in dem Band Die Macht der Identität.

    Antworten
  3. 17. November 2006, 11:36 Uhr, von Walter
    03

    Und noch eins: Massenmedien sind aufgrund ihrer fehlenden und meist auch unerwünschten Bidirektionalität und Dialogfähigkeit eher ein Instrument der Propaganda und nur im günstigsten Fall einer an Objektivität orientierten Information (zum Begriff der ‚Wahrheit‘) Somit wären diese Sender eher ein Gegengewicht zur allgegenwärtigen US- und Hollywood- Welle, die in Echtzeit einmal rund um unseren Globus schwappt. Sozusagen eine Stimme der Minderheiten, die sich ihrer Identität und Bedeutung versichern müssen. Früher gab es das Schreckgespenst der ‚Überfremdung‘- heute, wo wir oft gar nicht mehr wahrnehmen, was überhaupt ‚fremd‘ ist, gibt es eher Mainstream- Soße und Minderheiten- ‚Kulturkritik‘.- Ich bitte alle Medienschaffenden freundlich um Vergebung ;-).

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  4. 18. November 2006, 10:34 Uhr, von Fabian
    04

    Ich finde es gut, dass es ein englischsprachiges Programm von Aljazeera gibt. So kann man wenigstens verstehen, was dort gesagt wird und sich selber ein Bild machen. Das Schreckgespenst wird sich durch solche Programme vermutlich nicht vertreiben lassen und weiter umhergehen. Stichwort: Verdeckter Rechtsradikalismus, egal, ob auf Schulhöfen, oder in Fußballstadien, bei Stammtischen, etc. Das Problem ist doch, dass die wenigsten dieser Leute sich kritisch mit dem englischsprachigen Angebot von Aljazeera auseinandersetzen werden.

    Insofern: Mir fehlen gute, neue, kontroverse Diskussionensrunden, die vor allem authentisch und international besetzt sind, in den deutschen „Hauptprogrammen“, vor allem im öffentlich-rechtlichen Programm.

    Ich kann mich dummerweise nicht erinnern, aber ich meine die BBC hat eine sehr gute Talkrunde sonntags morgens – auf VOX? Finde den Link und den Titel der Sendung aber nicht. Vielleicht kann jemand helfen?

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  5. 18. November 2006, 12:33 Uhr, von Walter
    05

    Zum Thema Talkrunde, kontroverse Diskussion und ideologische Auseinandersetzung zwischen Islam- vermeintlich klar definierter Begriff und Position, doch was ist der Islam? – und aufgeklärtem Westen: eine Podiumsdiskussion Anfang Oktober unter anderen mit Aayan Hirsi Ali, deren Person und Biografie den Konflikt und Gegensatz mit breiter Öffentlichkeitswirkung verdeutlichen.
    Ich bin – wie wir alle?- parteiisch und voreingenommen, aufgrund meiner Biografie/ Herkunft und meiner Weltsicht, die zumindest erheblich von der Aufklärung und ihren Folgen geprägt ist. Mit AHA teile ich die Beeinflussung durch die Gedanken von Karl R. Popper, dem kritischen Rationalisten aus Wien.
    Geht es uns allen nicht ebenso: wir sind geprägt und voreingenommen durch unsere Sozialisation- wir alle. Ein echter Dialog ist somit nur unter Kenntnis und Beachtung unserer jeweils eigenen Position möglich. Weiterführende Gedanken bei David Bohm.

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  6. 18. November 2006, 20:19 Uhr, von Cate
    06

    Da ich derzeit krank bin, nur eine kurze Anmerkung:
    Was auffällt, sind ganz neue Quellenverweise. „…sagte der britische Premierminister Tony Blair dem englischsprachigen Programm des arabischen Nachrichtensenders Aljazeera.“
    Aha, er sprach also nur mit dem „englischsprachigen Programm“… Schade, dabei ging es in dem Statment um etwaige Fehler des britschen Militärs im Irakeinsatz. Das hätte vielleicht auch die arabisch-sprechende Bevölkerung interessiert… ;o)
    Ich beteilige mich gerne an der neuen Diskusion mit alten bekannten (David Bohm, Karl Popper…), wenn mein Kopf nicht mehr so weh tut und ich mir beim Tippen längerer Texte keine Taschentücher mehr in die Nase stecken muss… ;o)

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  7. 18. November 2006, 20:43 Uhr, von Walter
    07

    „El Dschasira“ sieht sich nicht als Stimme von und für vermeintliche Minderheiten.
    ‚Es geht nicht unbedingt darum, das arabische Programm zu übersetzen. Vielmehr will man mit seinem Angebot, das sich an Menschen in Asien, Europa, den USA und Afrika wendet, CNN und BBC World Konkurrenz machen.‘
    „Wir wollen den Informationsfluss von Nord nach Süd umdrehen“, erklärt der Brite Nigel Parson, Geschäftsführer von AJI, das Projekt.‘
    Interessant ist dieser Kommentar an gleicher Stelle: ‚El Dschasira, dessen arabisches Programm nach Schätzungen bis zu 50 Millionen Zuschauer erreicht, ist eines der bekanntesten und zugleich umstrittensten Medien mit Weltgeltung. Während sich die Regime in der islamischen Welt an der unabhängigen Berichterstattung stören, kritisiert die US-Regierung El Dschasira seit den Anschlägen vom 11. September 2001 als Sprachrohr von Terroristen. Medienkritiker schreiben dem Sender aber zu, für mehr Verständnis von westlicher Demokratie in der arabischsprachigen Welt gesorgt zu haben als jedes andere Medium. Zu einer breiteren Demokratisierung in der islamischen Welt selber hat das unabhängige Fernsehen nach zehn Jahren allerdings noch nicht geführt.
    Also ‚Informationsgleichgewicht‘ innerhalb der islamischen Staaten und zwischen islamischen Ländern und dem Westen- wobei ich mich scheue hier von christlichen Ländern zu sprechen.
    ‚Anders als bei CNN stehen in der Regel nicht wirtschaftliche, sondern publizistische oder auch politische Motive hinter diesen Aktivitäten.‘ Während es uns so viel leichter fällt- aus der Distanz und damit verbunden, zumindest was mich angeht, einer erheblichen Uninformiertheit- dem ‚Islam‘ eine religiöse und politische Identität zuzuweisen, tun wir uns mit unserem Kulturkreis und unserem tagtäglichen Erlebnisfeld deutlich schwerer. Ist CNN nicht politisch- im Interesse der Wirtschaft? Funktioniert die Gleichung: Westen = Wirtschaft + Politik, Islamische Staaten = Religion + Politik ?
    Wenn wir jetzt, mathematisch nicht ganz korrekt, aus beiden Gleichungen die Politik, da in beiden enthalten, herausnehmen, bleibt im Westen die Wirtschaft und im Islamischen Staat die Religion als prägendes Element. Dies ist ein sehr ungleiches Paar mit unterschiedlicher Ideologie und Toleranz? Oder haben beide etwas gemeinsam? Wirtschaft und Religion? ist ‚Wirtschaftsglaube‘ im Westen Religionsersatz? Verhindert ‚Religion‘- im Islam- wirtschaftliche Entwicklung? Ist dies für uns im Westen nicht auch ein Aspekt von Fundamentalismus? Die Krise des Westens als Motiv einer ‚Ersatzreligion‘ ist wohl real.
    Wäre also überspitz formuliert der Zusammenprall der Kulturen die Folge inkompatibler religöser und pseudoreligiöser Systeme? Denn es ist wohl nicht der Konflikt zwischen islamischen und christlichen Überzeugungen, der uns Probleme verursacht. – Angegriffen wurden am 11. September 2001 keine Kirchen sondern die Zwillingstürme auf Manhattan, als ‚Kathedralen‘ der Wirtschaft mit dem Anspruch der Weltherrschaft- World Trade Center.

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  8. 18. November 2006, 23:38 Uhr, von Fabian
    08

    „Offen und Unvoreingenommen“ – ist wohl das Stichwort des Dialogs. Ich bezweifle, dass das zu schaffen ist. In den Diskussionen prallen derzeit Welten aufeinander scheint mir. Wer von uns will diese Fragen denn unvoreingenommen diskutieren? Wenn wir nicht zu unserer Geischichte, den Werten und Rechten stehen, wer dann? Nur denkt die Gegenseite genau so und wir kommen nicht weiter.

    Antworten
  9. 18. November 2006, 23:38 Uhr, von Fabian
    09

    sorry, sind die Stichworte …

    Antworten
  10. 19. November 2006, 12:12 Uhr, von Cate
    010

    Ich hab übrigens noch eine ausführlichere Fassung gefunden…

    Antworten
  11. 19. November 2006, 12:51 Uhr, von Cate
    011

    Also ich will mal ein paar Grundlagen klären:

    Welches oder besser: wessen Weltbild wird denn nun umkämpft?
    Dabei muss vielleicht erstmal klargestellt werden, wie sich die „Welt“ in Zukunft vorfinden lassen könnte. Ist es eine globale Gemeinschaft mit nahezu einem Weltbild? Dann zielte dieser Kampf quasi auf die zukünftigen globalen Grundlagen für Politik, Wirtschaft (schlußendlich kommt der wirtschaftliche Faktor ja von selbst ins Spiel, daher würde ich dieses Motiv nicht ganz ausklammern), auch Religion und gesellschaftliche Normen.
    Oder richtet sich der Kampf eigentlich jeweils gegen andersorientierte Weltbilder? Das hieße dann zwar im Prinzip für das Ergebnis das gleiche: Das eigene Weltbild soll einen größeren Wirkungsraum bekommen, schließlich global dominieren. Der Unterschied wäre hier nur, dass sich daraus eher der besagte „Clash of Civilisations“ ergeben könnte. Allerdings würde dieser m.E. nicht in der Form ausfallen, wie es auf den ersten Blick zu vermuten sei. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang immer gerne an die ostdeutsche Bevölkerung nach der Wende. Die hat den westdeutschen Lebensstil zunächst so umfassend und verständlicherweise gierig aufgesogen, dass sie sich in Wirklichkeit schon wieder von der Gesellschaft der alten Bundesländer entfernt hatte. Der Grund dafür lag auf der Hand: Während in Westdeutschland nahezu alles so blieb, wie es war, wurde in Ostdeutschland ohne Verzug klarschiff gemacht und eine Überschwemmungswelle losgelassen. Man hatte wohl gedacht, das sei die beste Lösung zur Angleichung. In Wirklichkeit aber blieb der Konflikt verstärkt durch die zunehmende Unzufriedenheit aus der Wiedervereinigung auf beiden Seiten bestehen und nahm sogar zu. Eine bessere Idee wäre aus meiner Sicht eine gesamtdeutsche Erneuerung gewesen, in der durchaus beide Kulturen mit ihren Vorteilen hätten Platz gefunden haben sollen. (zu diesem Fall mus ich ernsthaft mal meinen Deutschlehrer befragen…;o)
    Ähnliches sollte es auf der globalen Ebene ZIerl sein. Alles andere wäre zum scheitern verurteilt. Man kann also nur hoffen, dass es schlußendlich darauf hinausläuft…

    Antworten
  12. 19. November 2006, 12:55 Uhr, von Cate
    012

    Korräkschn:
    „Ahnliches sollte auf der globalen Ebene Ziel sein.“
    Zu dem speziellen Konjunktiv dreihundert Plusquamdingens ist mir noch keine bessere Lösung eingefallen…

    Antworten
  13. 19. November 2006, 14:01 Uhr, von Walter
    013

    Zum Begriff des ‚Weltbildes‘:
    Mir drängt sich die Inkompatibilität der ‚Weltbilder‘ auf- im Westen wirtschaftsorientiert auf dem Fundament eines aufgeklärten säkularen Staatsbegriffes- zur Geschichte. Eine detaillierte Ausarbeitung– recht umfangreich aber informativ- mit der Feststellung:
    Diese Möglichkeit der Differenzierung von Zeithorizonten ist zu verstehen als Folge der Ausdifferenzierung handlungsfähiger Teilsysteme der Gesellschaft.
    Die resultierende operative Komplexität, die Überproduktion an
    spezialisierten Möglichkeiten stellt die Gesellschaft vor schwierige
    Entscheidungs- und Selektionsprobleme. Solange ein bestimmter Teil – sei es
    Religion, Staat, Partei oder Ökonomie – die ganze Gesellschaft qua Tradition, Autorität oder Macht repräsentiert, treten diese Probleme nur latent als Frage des internen Arrangierens von Prioritäten in Erscheinung. Die Entscheidungsprobleme werden manifest und erzeugen mithin einen
    offengelegten Selektionsbedarf, sobald die divergierenden Optionen von relativ autonomen Akteuren vertreten werden, die eine eigene Identität ausbilden und aus sich heraus eigenständige Handlungsziele formulieren können. Das staatlich organisierte Gesellschaftssystem, das unter dem Aspekt der inneren Pazifizierung, der Beherrschung oder Domestizierung der Umwelt, sowie der relativen Autonomie gegenüber Ereignissen der Außenwelt eine einzigartige evolutionäre Lösung darstellt, wird nun aufgrund der auf eben dieser Leistung aufbauenden operativen Komplexität seiner
    Teilsysteme sich selbst zum schwierigsten Problem.‘
    Das Problem der Inkompatibilität läge dann nicht primär bei der Politik, sondern wäre in der unterschiedlichen Ausdifferenzierung ‚handlungsfähiger Teilsysteme‘ der westlichen und islamischen Gesellschaften begründet- im konkreten Fall der unterschiedlichen Entwicklung und Relevanz von Wirtschaft und Kultur bzw. Religion.
    Verkürzt: Westen und Islam sprechen nicht die gleiche Sprache. Die sich daraus ergebenden Missverständnisse verschärfen die Konflikte, die sich aus dem Globalisierungsanspruch des Westens einschließlich der erwünschten Kontrolle über Rohstoffe (Erdöl) ergeben.
    Dem stehen die islamischen Länder teils als ‚Objekt der Begierde‘- Golfstaaten, Nigeria- teils als ‚Verlierer der Globalisierung‘ entgegen. Ich mache hier erstmal Pause, mit dem Gefühl noch nicht wirklich weitergekommen zu sein.
    PS: auch die Zeit dialogisiertkontrovers.

    Antworten
  14. 19. November 2006, 15:21 Uhr, von Cate
    014

    @Walter: Die „ausführliche Ausarbeitung“ werde ich mir mal beizeiten (oh Mann, das allerschwierigste in der Deutschen Sprache, finde ich, ist die Frage, ob ein Wort, dass aus einer Präposition und einem nominalen Bestandteil besteht nun zusammen oder auseinander geschrieben wird! Aber der Duden hilft…) zu Gemüte führen… Ich kann deiner Zusammenfassung nicht ganz folgen, glaube aber zum Ende hin verstanden zu haben, worum es in etwa geht.
    Ich denke, die „Objekt der Begierde“-Staaten lassen sich auch anders betrachten. Ein Objekt der Begierde kann auch Bestandteil einer gewünschten Weltordnung sein und zwar mit all seinen Problemen und all seinem Konfliktpotezial. Verfolgt man beispielsweise die Nahostpolitik der USA mal etwas langfristiger, könnte man sich schon fragen: Was wollen die eigentlich?! Hier zu glauben, dass es der US – Regierung zwangsläufig darum ginge, denen ihr Weltbild aufzudrücken und sie sich unterwürfig zu machen, wäre einäugig. Und im übrigen: Krieg ist auch ein Geschäft. Schlecht stünde es um die Weltwirtschaft, wenn ab morgen überall Frieden herrschte…
    Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube, man will hier bestimmt Konsellationen entweder verstärken oder verschieben, niemals aber aufheben.

    Antworten
  15. 19. November 2006, 15:49 Uhr, von Fabian
    015

    Säkularisation und westliches Demokratieverständnis steht dem religiös motivierten Politik- und Staats- und Selbstverständnis vieler arabischer Staaten fundamental gegenüber. Religion wird dort überdies instrumentalisiert, wie bei uns im Mittelalter und der frühen Neuzeit.

    Als problematisch sehe ich vor allem die wirtschaftliche Situation der allgemeinen Bevölkerung in diesen Staaten an. Stecke aber wirklich zu wenig in dem Thema, als dass ich fundiert über die Verhältnisse der Staaten, deren Bevölkerungsstruktur, Wirtschaftssystem und Bildungssystem diskutieren könnte.

    Also zurück zu den Medien: Ich denke, dass das englischsprachige Angebot von AJ Gefahren, aber auch Chancen beinhaltet. Sicherlich ist es auch ein Propagandainstrument, aber: Man ist nun in der Lage, Propaganda und Meinungen zu verstehen und zu sezieren und kann vielleicht die Denkmuster und Denkstrukturen besser nachvollziehen. Ob und inwiefern das zu enem Dialog führt, sei zunächst dahingestellt.

    Wichtig erscheint mir der direkte, ungefilterte Blick auf die Meinungen und Strömungen in der arabischen Welt, insofern ist AJ eine Chance, aber natürlich gleichzeitig auch eine große Gefahr, das wissen wir spätestens seit dem 2. WK, welche Macht Medien auch besitzen.

    Problematisch, um Josef Joffe, zu zitieren ist in der Tat die Agitprop und mögliche Hetze in scheinbar seriösem Gewand. AJ international kann aber auch sogesehen eine Art „Frühwarnsystem“ sein.

    Auf der anderen Seite können und sollten westliche Medien und Beobachter nun falsche oder mögicherweise hetzerische Berichterstattung beobachten und entsprechend entgegensteuern, das könnte ein spannender Prozess werden.

    Tja, schwieriges Thema.

    Antworten
  16. 19. November 2006, 15:53 Uhr, von Fabian
    016

    sorry, stehen dem religiös motivierten …

    Bitte hiermit um Generalablass für alle Fehlerchen – Tippsenleid … :-(

    Antworten
  17. 19. November 2006, 18:36 Uhr, von Walter
    017

    Stimmt, Cate, bei der Interpretation der ‚Inkompatibilität der handlungsfähigen Teilsysteme‘ – Wirtschaft im Westen, Religion und Schari’a im Islam- habe ich zu verkürzt auf die Unvereinbarkeit der Sprache, d. h. Denkweise, Motivation und Zielsetzung- als Kontext gezielt. Dies ist wohl nur ein Teilaspekt des Konflikts. Dennoch finde ich eine Analyse von Sprache, Sprachregelung, Wortwahl spannend unter dem Aspekt der Informationsvermittlung und/ oder auch Propaganda in den Massenmedien, hier Fernsehen, neben der ‚Macht der Bilder‘. Dies gilt besonders gerade für das Fernsehen: ‚Vor allem das Fernsehen sei gefährdet, der Macht der Bilder zu erliegen, betonte Anne Will… „Man muss daher noch kritischer mit Informationen und Bildern umgehen.“ Daher sei es wichtig, der Macht der Bilder mit Worten zu begegnen. „Das Bild hat mehr Macht als tausend Worte, aber malen sie diesen Satz mal.“ (?:-))

    Antworten
  18. 19. November 2006, 21:49 Uhr, von Walter
    018
    Antworten
  19. 19. November 2006, 21:51 Uhr, von Walter
    019

    Da ist eben irgendetwas passiert. Mein Kommentar sah anders aus.

    Antworten
  20. 19. November 2006, 23:42 Uhr, von Walter
    020

    Nachtrag: Spannend erscheint mir die Betrachtung der Seite von Al Alam

    Antworten
  21. 19. November 2006, 23:44 Uhr, von Walter
    021

    schon wieder: nach dem ersten Link verschwindet der Rest- mysteriös…

    Antworten
  22. 19. November 2006, 23:52 Uhr, von Cate
    022

    Also, ich finde wir drehen uns gerade alle im Kreis. Und zwar jeweils um unseren eigenen. ;o)
    Mal ein Sortierungsversuch:

    Frontendefinition

    Westen – Naher Osten
    ^ ^
    Wirtschaft (Konlikt?) Religion
    + +
    Politik (gem. Nenner?) Politik
    _____________________________
    = Wirtschaft gegen Religion?
    = Ohnmacht der Politik? Oder: Politik als Marionette von Wirtschaft und Religion?

    Zieldefinition

    Kampf ums Weltbild -> Wessen? Welches? Wann?
    – Gesamtweltbild
    – religiöses Weltbild
    – spielt Wirtschaft doch eine Rolle? (siehe obere Gleichung – übrigens ist das mathematisch dann korrekt, lieber Walter, wenn man allgemein von Kürzen, speziell vom Erweitern, in diesem Fall mit dem Kehrwert, spricht. Das ist manchmal mathematisch sinnvoll, z.B. wenn man bei Folgen Grenzwertberechnungen durchführt…;o)
    – kulturelles Weltbild
    – das Bild der „Wahrheit“
    – Informationsgleichgewicht

    Probleme

    – praktisch fehlende Subjektivität -> Inkompatibilität -> Clash

    Hab ich alles irgendwie untergebracht? Haben sich alle wiedererkannt? ;o)

    Antworten
  23. 19. November 2006, 23:53 Uhr, von Cate
    023

    Ok, schon klar. Die Pfeile und die PLuszeichen in der Gleichung sollten eigentlich jeweils unter den entsprechenden „Fronten“ stehen… ;o)

    Antworten
  24. 19. November 2006, 23:55 Uhr, von Cate
    024

    @Walter: Ich finde es mysteriös, dass nur dir das passiert. ;o)

    Antworten
  25. 20. November 2006, 1:41 Uhr, von Aron
    025

    So, jetzt will ich auch mal meinen Senf kurz beitragen:

    1. Zum englischsprachigen Angebot von Aljazeera: Ich finde das zunächst einmal positiv. Und zwar aus folgendem Grund: Der „mysteriöse, böse Islam“ (ich polemisiere absichtlich, aber so ist das öffentliche Bild leider derzeit), seine Interessen und seine Sprachrohre werden für uns, den Westen, transparenter. Man kann nun „sezieren“ (gute Wortwahl Fabian). Was dann dabei raus kommt, wird man sehen, muss man erstmal abwarten. Ob es zum Dialog führt? Ich denke, nein, aber warten wir es einfach ab. Aber bisher war es für den Ottonormaldeutschen/Ami/Europäer doch nicht mal möglich, sich überhaupt eine Meinung selbst zu bilden. Alles war gefiltert durch die Medien, sei es nun eine noch halbwegs „neutrale“(wir haben ja schon festgestellt, dass das nicht geht) ARD-Reportage oder eine Fox-News-Propaganda Sendung. Egal, immer war ein Filter davor, allein der Übersetzung wegen…. man mußte ja entweder selbst Islam-Experte sein oder sich auf die verlassen, die es sind. Jetzt ist zumindest mal die sprachliche Hürde zumindest erstmal weg. Ich finde, es ist ein Anfang. Als Gefahr sehe ich das erstmal nicht, denn es ist mir lieber, ich kann eventuelle islamische Propaganda verstehen und notfalls durch eigene Medien entlarven, als dass sie sich meiner Wahrnehmung und damit auch der Reaktionsmöglichkeit komplett entzieht.

    2. Fronten: Ich denke, man kann und darf hier nicht zwischen Wirtschaft und Politik oder Religion und Politik unterscheiden. Das Problem an der Sache ist ja gerade, dass sich all diese Dinge in diesem Konflikt so dermaßen vermischen, dass sie nicht mehr trennbar sind. In den westlichen Ländern z.B. greifen wirtschaftliche und politische Interessen nahezu fließend ineinander, im nahen Osten vermischen sich hingegen hauptsächlich politische und wirtschaftliche und religiöse mit politische Interessen. Will man diesen Konflikt lösen/bessern, muss man immer alle drei betrachten, bedenken und danach handeln.

    Antworten
  26. 20. November 2006, 1:44 Uhr, von Aron
    026

    Sorry, bei mir stimmt die Grammatik auch nicht immer, liegt wohl an der Uhrzeit. Ich gehe jetzt mal schlafen ;-)…

    Antworten
  27. 20. November 2006, 12:30 Uhr, von Walter
    027

    @ Cate: ja , mysteriös- und 2- mal hintereinander. Vielleicht ist es ja doch nicht egal, welche Links wir verwenden?. Gestern Abend versuchte ich Kommentare mit Links von Al Alam zu veröffentlichen. Beide Male brach der Kommentar nach den ersten Links ab. Eher kein Zufall. Vielleicht passt Blogger.com doch besser auf als gedacht? Aber besser nicht spekulieren- beobachten.
    Ich finde die Seite von Al Alam spannend: hier mischt sich ausgewählte Information mit Propaganda und subtiler Diffamierung des Westens- gestern waren Deutschland und England (Tony Blair) dran. Interessant finde ich es, die Sprache zu analysieren, die Wortwahl und den Informationsgehalt. Da ist schon die Absicht zu spüren- nicht Kampf ums Weltbild, sondern einseitige Information und Angriffe zwischen den Zeilen.
    Ich habe mir vorgenommen, auch bei CNN und BBC auf so etwas achten, wenngleich es mir- wegen der oben genannten Voreingenommenheit- vermutlich schwerer fallen wird, die ‚Haken‘ zu entdecken.- Bin mal gespannt.

    Antworten
  28. 20. November 2006, 13:03 Uhr, von Walter
    028

    @ Aron: Natürlich greifen die Interessen von Wirtschaft und Politik und Religion und Politik ineinander. Aber ich finde schon, dass die Politik in beiden Fällen eher eine moderierende Rolle spielt bzw. nur eine jeweilige Stellvertreterfunktion einnimmt- und sich damit vielleicht gar nicht so sehr unterscheidet. Nach meinem Eindruck lassen sich die Hauptmotive hinter den Interessen schon auf die Ebene der Weltanschauungen übertragen und die sind im Westen von der Wirtschaft mit all ihren überlagerten Ideologien und der zugrunde liegenden liberalen Philosophie und im Islam durch die religiös orientierte und teilweise auch legitimierte Kommunikation bestimmt. Wobei sich manchmal der Verdacht aufdrängt, dass muslimische Staaten Religion als Motiv und Begründung ihres Handelns anführen, weil sie daneben dem Westen keine ausreichend starke Ideologie entgegenzusetzen haben. Das hieße. Religion wird instrumentalisiert, was dann die Geistlichen (Mullas, Immane) nutzen um ihrerseits Politik zu machen?
    Und der Westen- versteckt sich hinter wirtschaftlichen Interessen mangels eines konsistenten einheitlichen Wertegerüsts- der Preis der offenen Gesellschaften und der Demokratie?

    Antworten
  29. 20. November 2006, 21:52 Uhr, von Fabian
    029

    Tschuldigung, kann mir jemand mal kurz erklären, wer genau hinter AJ steckt? Finanzierung? Eigentümerstruktur?

    Antworten
  30. 20. November 2006, 21:54 Uhr, von Aron
    030

    @Fabian: Das weiss ich auch nicht und würde mich auch mal interessieren.

    Antworten
  31. 20. November 2006, 23:39 Uhr, von Cate
    031

    Wie ich diesem Artikel entnehmen konnte, steckt hinter AJI Hamad bin Khalifa al Thani, der Emir von Katar. Er wird an anderer Stelle auch als Scheich bezeichnet. Ich kann den Unterschied nicht ganz ausfindig machen… Jedenfalls war er bereits der Begründer des arabischen Al Jazeera und wurde für seine allzu proirakische Haltung kritisiert. Andererseits pflegt er gute Kontakte zur U.S.-Regierung. Sein Land beherbergt einige amerikanische Hochschulen und die U.S -Regierung prahlt auf ihrer Internetpräsenz mit seinen Staatbesuchen. Auch Frankreich pflegt gegenseitige Besuche und wird zur Belohnung mit Gas beliefert.
    Das hab ich kurz zusammengesammelt. Mir fällt ja schonmal was auf…

    Antworten
  32. 20. November 2006, 23:48 Uhr, von Cate
    032

    Übrigens residierte der Vater des Emir seiner Zeit in Genf. :o) (…“Tribunal Genéve“…)

    Antworten
  33. 20. November 2006, 23:49 Uhr, von Walter
    033

    Der Mann hinter Al Dschasira: Scheich Hamad bin Thamer al Thani al Khalifa. Er gründete den Sender 1996 und finanziert ihn bis heute. (11.10.2001)
    Übrigens: ‚Zu den westlichen Journalisten, die El Dschasira bei den Vorbereitungen für den Start des englischen Senders beraten hatten, zählt «Zeit»-Herausgeber Josef Joffe.‘

    Antworten
  34. 21. November 2006, 13:19 Uhr, von Walter
    034

    ‚Macht und Einfluss eines Staates beruhen schon seit langem nicht mehr nur auf seiner militärischen Schlagkraft, sondern auch auf wirtschaftlicher Potenz, das heißt, es sollte das primäre Anliegen unseres Staates sein, unsere Wirtschaft zu stärken und zu schützen. Bewahrung und Ausbau unserer Wirtschaftskraft also als nationale Priorität?‘ Dies gilt wohl zumindest für westliche Industrienationen und die Wirtschaft bedient sich militärischer Methoden, wie das Militär die Wirtschaft als Waffe entdeckt hat und seit Jahren auch einsetzt. In Frankreich ist man da gelegentlich ehrlicher als bei uns oder in den USA.

    Antworten
  35. 21. November 2006, 14:08 Uhr, von Walter
    035

    Sorry, der Link ging verloren.

    Antworten
  36. 21. November 2006, 14:38 Uhr, von Walter
    036

    Unter dem Blickwinkel von „economic warfare“ und „information warfare“ geht es nicht in erster Linie um Realitäten sondern um deren Wahrnehmung- d.h. statt ‚objektiver Berichterstattung‘: Werbung und PR.
    Damit lassen sich auch die internationalen Fernsehprogramme als ‚Werbeunternehmen‘ ihres politischen, aber vor allem wirtschaftlichen Systems verstehen.- Sie verkaufen also- von uns als ihren Konsumenten gewollte- Illusion und bestätigen unsere Vorurteile- wider besseres Wissen? Zynismus der Medien?

    Antworten
  37. 21. November 2006, 19:47 Uhr, von Andrea
    037

    Ob denn die Medien schon bemerkt haben, dass auch sie instrumentalisiert werden? Geht es um den Kampf der Kulturen oder um einen Kampf um die Weltreligion?
    Rund eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam. Damit bildet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen nach dem Christentum die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft der Welt. Meines Erachtens wird hier nach mehr gestrebt und mit Hilfe der Medien wird hier ein Krieg ausgeführt. Ein Medienkrieg im Dienste der Religion. Ein heiliger Krieg mit „friedlichen“ Mitteln.

    Antworten
  38. 21. November 2006, 21:48 Uhr, von Cate
    038

    Also, man kann sich ja winden, wie man will und das ganze sicherlich nicht ganz zu unrecht kritisch betrachten, aber solange der Typ, der dieses Land regiert bei Al-Jazeera am Drücker ist, kann man getrost davon ausgehen, dass in näherer Zukunft auch für das Auswärtige Amt in Deutschland das hier im Vordergrund steht, damit das nicht länger bestehen bleibt. Alles andere wird mit Sicherheit der Show halber „beobachtet“, „gründlich analysiert“ und vielleicht sogar mal oberflächlich kritisiert, aber solange diese Abhängigkeiten bestehen, und Prognosen sagen das bis in die weite Zukunft voraus, sehe ich da kein Licht.
    (Ganz schön blöd, dass die einzigen deutschen Unternehmen, die in Katar investiert haben, ausgerechnet den Transrapid auf dem Plan hatten… Und dann auch noch Siemens. Ein Pech kommt selten allein… ;o)

    Antworten
  39. 21. November 2006, 22:50 Uhr, von Cate
    039

    Hier kann man sich den Handelsblattartikel auch vorlesen lassen. Toller und praktischer Service, der sich aber schrecklich anhört… ;o)

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  40. 22. November 2006, 18:02 Uhr, von Walter
    040

    Stimmt Cate, da spricht ‚Frau Computer‘!

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  41. 22. November 2006, 20:56 Uhr, von Walter
    041

    Ein zentraler Begriff ist ‚Identität‘:als individuum und als Gesellschaftswesen. Nach Lothar Krappmann entsteht Identität ständig neu über Kommunikation.
    Und so sind auch mediale Botschaften als ständige mediale Erzählung identitätsstiftend- ob bei CNN, BBC, El Dschasira, AL Alam, in Russland oder Frankreich. Selbstvergewisserung als Zeichen der medialen Existenz- rekursiv und selbstverstärkend. Durch die Ausweitung des Menschheitsbegriffes im Rahmen der Globalisierung, der medial erschaffen und fortgesetzt medial bestätigt wird: Ich oder meinesgleichen erscheine in den Medien, also bin ich/ sind wir. Mediale Darstellung = gesellschaftliche und globale Existenz = Teilnahme auf der großen Erzählung der Menschheit und Hoffnung auf ein kleines Stück Unendlichkeit- als Gegenentwurf zur Tranzendenz und zum Ewigkeitsversprechen der Weltreligionen.

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  42. 29. November 2006, 16:41 Uhr, von Fabian
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