MM_Franklin
Zu den Kommentaren
29. November 2006, 23:54 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Was vom Tage übrig bleibt

Bill Gates wusste schon 1990: “Das Jahr 2000 wird das Ende der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger einläuten”. Es gibt sie aber noch, die Zeitungen und Zeitschriften und ihre Verleger, ebenso wie das Fernsehen und das Radio.

Alle traditionellen Medien werden derzeit heftig herausgefordert durch das Internet und die “Weisheit der Vielen“. Im Netz kann sich jeder Konsument in einen Produzenten verwandeln; “the people formerly known as audience” entwickeln plötzlich ein Sendungsbewusstsein. Die Medien werden demokratisiert.

Die südkoreanische citizen journalism site Ohmy News formuliert das sehr schön: “Traditional means of news gathering and dissemination are quickly falling behind the new paradigm. … We believe news is something that is made not only by a George W. Bush or a Bill Gates but, more importantly, by people who are allowed to think together. The news is a form of collective thinking. It is the ideas and minds of the people that are changing the world, when they are heard.”

Was bedeutet das für den Journalismus? Zwei Antworten gibt es auf diese Frage: Die eine lautet, die Medien müssen endlich kommerzieller werden, sich viel stärker an die Gewohnheiten und Ansprüche der Marktgängigkeit anpassen, um ihre Marktanteile zu halten. Die andere konstatiert, der Journalismus werde als Sinnstiftungsfunktion in unserer Gesellschaft eher wichtiger als unwichtiger werden.

Was vom Tage übrig bleibt, ist Journalismus, denn die Menschen wollen nicht ständig ihre eigenen Programmchefs und Searchengines sein. Sie wollen sich orientieren und sie wollen sich überraschen lassen. Im Netz kann ich suchen, was ich wissen will, aber nicht wissen, was ich suchen könnte.

Was vom Tage übrig bleibt, ist auch ein Journalismus, der sich verändert muss: weniger selbstbezogen, konzentriert auf das, was Journalismus leisten soll: “The values of scrupulous news analysis and brilliant writing are going to have to fight it out with immediacy, unhibited personality and the outer limits of free speech for the attention and trust of audiences.” (The Guardian)

Bei diesem Wettbewerb um Qualität sehe ich gerne zu und lese gerne mit.

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42 Reaktionen

  1. 30. November 2006, 1:34 Uhr, von Sarah
    01

    Auch ich denke, dass zwei Tendenzen die Zukunft der Medienlandschaft prägen werden. Einerseits die zunehmenden Möglichkeiten, selbst zu publizieren, zu kommentieren und sich jene Informationen direkt zu holen, die man gerade braucht. Andererseits wird in dieser Flut das Bedürfnis nach Orientierung um so grösser und Medien – und seien es moderne “Medienhäuser” wie Spreeblick – werden um so gefragter sein.

    Eine Frage stelle ich mir in diesem Zusammenhang besonders:
    Ist tatsächlich eine zunehmende “Balkanisierung” (=Fragmentierung) bezüglich Informationsgrad zu erwarten, wie sie Sunstein in Republic.com voraussagt? Im Sinne von “See only what you want to see, hear only what you want to hear, read only what you want to read.” Und wird sich dadurch die Schere zwischen “gut” informierten und mit irgendwelchem Content abgespiesenen Menschen noch mehr öffnen?

    Hier übrigens ein toller Text zum Thema Web 2.0 und wie dieses den Journalismus verändert: Es waren einmal Zuschauer

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  2. 30. November 2006, 8:07 Uhr, von Cate
    02

    Momentan läuft der Wettbewerb aber noch auf der Service – Ebene: “Der große Gesundheitscheck”, “Die 20 besten Unis” und und und… Was sich offensichtlich auch immer gut verkauft sind “Überblicke”, Tabellen, Datensammlungen oder chronologische Zeitleisten. Auch leicht verständlich dargestellte Studienergebnisse sind der Renner… Problematisch hierbei ist, dass die Nachfrage nach “Einfachheit” und “Übersicht” indirekt den Wunsch nach schnellem Wissenzuwachs enthält, nach der Informationsaufnahme ohne Umwege und im Prinzip auch ohne Eigenleistung. Solange dieser Trend anhält und von den Medien zeitgleich immer wieder der Anspruch an “einfache Lösungen” für vermeintlich “einfache Zusammenhänge” suggeriert werden, sehe ich da kein Licht. Ich bin leider eher pessimistisch, insbesondere was die Printmedien betrifft. Aber ich hoffe auch, dass es ein Umdenken geben wird und neue Aspekte diesen Bereich wieder stärken…

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  3. 30. November 2006, 9:22 Uhr, von Walter
    03

    Ich finde es spannend, wie professioneller Journalismus- gleich ob print oder elektronisch, wächst ja auch zusammen,- und grass root opinion aufeinander reagieren und voneinander lernen. Die Profis haben echte Vorteile in der Informationsbeschaffung und Zusammenführung, auch der bei der Prüfung, Gewichtung uind Präsentation. Grasswurzeln sind gelegentlich näher dran, häufiger selbst betroffen- soziale Entwicklungen, Beruf, Freunde und Bekannte- und durch die mögliche und gewünschte Vielfalt in Foren und Blogs facettenreicher in der Interpretation. Dabei fassen auch Journalisten Informationen zu Meinungen zusammen, betonen, lassen weg. In meiner Wahrnehmung können Journalisten von den Möglichkeiten des Internet erheblich profitieren, wenn sie so ‘gut’ sind die gewonnenen Kenntnisse neu und plausibel zusammenzusetzen und die Aufmerksamkeit der Empfänger zu wecken. Ein nicht geringer Nebeneffekt: der Bekanntheitsgrad von Information und die Darstellung in und mit unterschiedlichen Medien vertieft die Information und fördert das Interesse, sofern Gute Qualität geliefert wird. Von Daher sind wir Konsumenten in Zeiten des Internet sicher kritischer geworden- aber wir haben auch gelernt, ‘Qualität ‘ viel besser zu schätzen.
    Und zu Bill Gates: na ja, er ist ein visionärer Spekulant- immer noch- und überzeichnet um zu betonen. Er hat insofern Recht, dass heute meiner Meinung nach guter Journalismus ohne Computer, von sehr speziellen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr möglich ist- vor allem wegen der kommunikativen Funktion des Internet und weniger wegen der technisch- publizistischen Möglichkeiten, die Bill Gates wohl damals vorschwebten.

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  4. 30. November 2006, 9:36 Uhr, von Walter
    04

    Zwei Nachträge: ‘was vom Tage übrig bleibt’- ein schöner Titel mit vielen Assoziationen.
    Zur Vertiefung von ‘Information und Spekulation':Litwinenko.

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  5. 30. November 2006, 11:05 Uhr, von Walter
    05

    Zum Guardian und der Rolle von Internet und Blogs: ‘In this publication last year we were still carrying helpful little boxes entitled “What is a blog?” This year Comment is Free is an established part of GU and there is barely a newspaper journalist worth their salt who has not joined the worldwide blogathon with readers. The Guardian took the plunge and announced a policy of “web first” for much of its journalism. The first generation of instinctive internet users reached decision-making levels of the media-buying industry and advertising started shifting to the net at a serious pace.’
    Den Haken dabei liefert der Artikel gleich mit: die Unabhängogkeit des Guardian von den ‘Multimediakonzernen’ (‘We see ourselves acting as a counterbalance to the commoditisation of news and entertainment resulting from the consolidation of giant media companies.’) Denn durch Konzentration und Interessenverflechtung kann ein Informationsmonopol auch zur Informationsdiktatur werden. Anklänge werden immer mal wieder mit den Namen Berlusconi und Murdoch verbunden…

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  6. 30. November 2006, 16:08 Uhr, von Fabian
    06

    Viele sagten mit dem Beginn des Internetzeitalters auch das papierlose Büro voraus, das Gegenteil ist eingetreten.

    Ob sich Szenarien wie jenes “Google Epic” durchsetzen, bleibt abzuwarten.

    Bislang weiß keiner eine Lösung: Werden die medialen Dinosaurier als Leuchttürme bleiben? Müssen sie sich verändern (Stichwort, der multimediale – und damit teilweise überforderte – Journalist)? Werden Blogs, Podcasts und Citizen Journalism wirklich die klassischen Medien ersetzen? (@ Sarah: Bitte entschuldige, aber Spreeblick, das ist ein schöner, bunter Gemischtwarenladen, mit ziemlich trivialen Inhalten.)

    Eines bleibt festzustellen: Wissen multipliziert sich, die Menschen wollen in irgendeiner Form mitmachen, hinzu kommt Schnelligkeit und eine völlige Aufsplitterung der Mediennutzung je nach individuellen Bedürfnissen.

    Links dazu:
    Felix Krohn: Multimediale Leser-Blatt-Bindung

    “Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach
    Weblogs, Podcasts und Communities – Verändert sich der Journalismus?

    Dr. Marcel Reichart
    Multimediale Leser-Blatt-Bindung gesucht. Content- und Vernetzungsstrategien der Zeitschriftenverlage

    Ich finde die ZEIT geht einen guten Weg, wie Giovanni di Lorenzo auf dem “European Newspaper Congress 2006″ im Mai sagte: “Wir Chefredakteure und Blattmacher müssen neue Themen finden, mit denen wir die Menschen wieder reichen”, sagte Di Lorenzo in Wien. Der Anspruch vieler Journalisten, eine Zeitung für sich selbst zu machen, sei überholt.

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  7. 30. November 2006, 16:43 Uhr, von Walter
    07

    Heute Abend feiert sich das Medium Fernsehen wieder mal selbst, mit Bambi treten auf der Schöne und das Biest (mal herum gedreht ;-))- oder wie H. Schmidt sagt: ‘Mir fiel wieder auf, dass das Fernsehen im Grunde von zehn Leuten betrieben wird, die wechselweise da oben stehen und ihre Preise kriegen. Schauspieler ausgenommen, die von ihren Rollen abhängig sind. Bei den Entertainern gilt: Nennst du mich Goethe, nenn’ ich dich Schiller, nächste Woche ist es umgekehrt. Das läuft großartig.’

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  8. 30. November 2006, 17:07 Uhr, von Walter
    08

    Mit dem Thema beschäftigt sich auch die Nextpertsrunde am 6. Dezember in München. Auch R. Murdoch hat sich geäußert und sich dabei unter der Hand mit Napoleon verglichen.- Dabei ist er doch sogar ein wenig größer als Putin, immer noch Bonzai- Klasse, (s. Link…), aber ganz schön gefährlich.

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  9. 30. November 2006, 18:34 Uhr, von Fabian
    09

    @ Walter: Bist Du dabei? Am 6.12.?

    Antworten
  10. 30. November 2006, 18:59 Uhr, von Walter
    010

    nein- sagt der Verstand, muss arbeiten, ist ziemlich weit weg- aber es gibt ja Bayern unter uns. Wenn ich in der nächsten Zeit wohin fahren würde, dann am Sonntag nach Hamburg. Geht aber auch nicht…schaue Phoenix.

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  11. 30. November 2006, 20:28 Uhr, von Fabian
    011

    @ Walter: Danke für den Murdoch Link, dafür habe ich schon das halbe Netz umgekrempelt. Für mich einer der Texte mit Signalwirkung in diesen Zeiten.

    Mal ein paar provokante Thesen von mir:

    1. Regionale Tageszeitungen

    Die normale, regionale Tageszeitung wird aussterben! Erstens ist sie im Vergleich zum Internet zu teuer, außerdem wird es in den größeren Städten bald kostenlose Mitnahmezeitungen oder kostengünstige Tabloidformate wie “Welt-kompakt” geben.

    Außerdem sehe ich hier (und vor allem auf dem Land) einen guten Ansatz für Bürgerjournalismus. Ich selber habe keine regionale Zeitung mehr, wenn ich mal wieder ein kostenloses Abo erhalte (derzeit etwa 4 x für etwa 2 Monate im Jahr) bin ich echt erschrocken, wie wenig sich da seit zehn Jahren geändert hat. Nix! Im Gegenteil: durch die Schließung vieler Lokalredaktionen auf dem Land ist die Berichterstattung noch eintöniger geworden. Immer das gleiche: Schützenfeste, Grundsteinlegungen, Ehrungen etc. und zahnlos brave politische Berichterstattung, um die Stadt und die regionalen Werbetreibenden nicht zu vergraulen. Das braucht in Zukunft wirklich keiner mehr – Termine und Pressemitteilungen werden künftig auf einer regionalen, von engagierten Bürgern (das wäre doch was, für unsere vielen Senioren!) betriebenen Internetplattform erscheinen. Todesanzeigen verlinkt bei Trauer.de

    Größere regionale Tageszeitungen werden ihr Angebot auch ins Netz verlagern müssen, wie es wie es z.B. der “WAZ”-Chefredakteur Ulrich Reitz versucht, oder Springer mit seinem Newsroom.

    2. Überregionale Tageszeitungen

    Die werden es ebenfalls sehr schwer haben, da sie im Grunde einen Tag später etwas ausführlicher das berichten, was man ohnehin schon aus dem Netz weiß: Aktuelles findet man gut aufbereitet überall, Hintergründe sucht sich der Interessierte jetzt bereits in Spezialforen wie z.B. Blogs. Bleibt ihnen nur das Netz. Aber kostenlosen Content – und dann auch noch in Blogform – produzieren? Das können sich wohl nur die wenigsten FAZ-Redakteure vorstellen.

    In der Übergangszeit werden diese Zeitungen eine kleine, aber feine – und leider mittelfristig ausstrebende – Elite bedienen.

    3. Wochenzeitungen

    Diesen bietet sich m.E. die Chance, die “Langsamkeit” neu zu entdecken und ganz bewusst eine Gegenbewegung zur Schnelligkeit und Hast des Internets zu bilden, in Form von fundierter und gesammelter Hintergrundberichterstattung. Blogs sind schnell. Sie sind sehr ausdifferenziert, haben aber den Nachteil, dass der Schreiber oftmals etwas undifferenziert seine News und seine Meinung dazu “reinkloppt”, was schlichtweg an dem Mangel für gründliche Recherche liegt.

    Die Wochenzeitungen können Themen setzen und die Dinge facettenreicher beschreiben, als es in der Schnelle des Internets möglich ist. Allerdings werden diese Blätter in Zukunft einen kleinen elitären Leserkreis bedienen, dem solche fundiert aufgearbeiteten Inhalte wirklich noch was wert sind – auch monetär.

    3. Magazine

    Magazine weisen m.E. ein anderes Lese- bzw. Konsumverhalten als die “normalen” Zeitungen auf: Sie dienen eher der Unterhaltung bzw. dem Entertainment und werden als solche bewusst in der Freizeit konsumiert, sozusagen als “Lean Back”-Medium: Tasse Kaffee, Stück Käsekuchen und dann “Bunte” oder “Brigitte” oder “Cicero” dazu.

    TV

    Im Bereich Fernsehen sehe ich das Nutzerverhalten derzeit noch ähnlich wie bei Magazinen: Nämlich als klassisches “Lean Back” – Freizeit-Entspannungsmedium. Insofern wird sich im TV so rasch nicht allzuviel ändern. Allerdings werden die öffentlich rechtlichen, wenn sie den Trends und der “Jungen Zielgruppe” weiterhin wie blöd hinterhecheln, Schiffbruch erleiden, da sie die für sie eigentlich wichtige Gruppe der an gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Themen interessierten Menschen, an Spartensender wie Arte, 3. Sat, Phoenix, verlieren werden, aber denen kann’s ja egal sein, solange die Gebühren fließen.

    So, nun bin ich gespannt :-)

    Antworten
  12. 30. November 2006, 22:07 Uhr, von Cate
    012

    Wir haben bisher außer acht gelassen, dass sich neue und “alte” Medien auch insofern gegenseitig in die Quere kommen, als dass der traditionelle Journalismus ja diese “Gatekeeper”-Funktion hatte/hat, die schlußendlich die Auswahl dessen trifft, was am Ende publiziert wird, also die Themen der Öffentlichkeit mitbestimmt, auch lenkt und diskutiert. Jetzt wird diese Funktion durch die “neuen” Medien, die, wie schon beschrieben, eher kommunikativ aufgebaut sind, teilweise, vielleicht auch immer mehr, aufgehoben. Sehr gut ist die Entwicklung vieler großer Tageszeitungen und Wochenzeitschriften dahingehend, dass sie erkannt haben, welche Notwendigkeit darin besteht, eine Kombinationslösung zu finden und schließlich auch anzuwenden. Trotzdem ist m. E. damit noch nicht alle Gefahr gebannt. Zwangsläufig ersehe ich diesen Trend als lange noch nicht beendet. Vielleicht ist es auch der natürliche Weg. Allerdings birgt er die Problematik in sich, dass traditionelle und von einer gewissen qualitativen Frage abhängige Berufsparten durch vielseitige Alleskönner verdrängt werden könnten. Im Bereich Film und Fernsehen ist dieses ja schon lange eingetreten. Durch den technischen Fortschritt, der auf der einen Seite sicherlich positiv zu bewerten ist, verlieren aber zahlreiche “Spezialisten” ihre berufliche Grundlage. Gefährdet sind eben immer die, die sich in der Übergangszeit befinden, also ihr Handwerk zu “traditionellen” Zeiten gelernt haben und nun mit den technisch bedingten Veränderungen am Arbeitsmarkt konfrontiert werden. Ich persönlich kenne da viele Beispiele… Daher ist es wichtig in Zeiten von Veränderung und Fortschritt immer nicht gleich alles alte zu verwerfen. Ein junger Filmemacher kann vielleicht mittels moderner Schnittprogramme sein Material selbst verarbeiten, er wird aber niemals über die nötige Erfahrung verfügen, auch tiefergehend zu verstehen und beurteilen zu können, was die technischen Möglichkeiten für “künstlerische” und systematische Bedeutungen haben (können). Gleiches gilt sebstverständlich für den Journalismus. Die, die noch grundlegende Strukturen mitbestimt haben oder zumindest ihre Entwicklung miterlebt haben, können viel besser deren Bedeutung verstehen und mit dem entsprechenden Ernst oder vielleicht auch mit der entsprechenden Lockerheit ans Werk gehen. Letzteres scheint mir eigentlich wichtiger zu sein. Mir sind solche “Mentoren” immer sehr lieb. :o)

    Antworten
  13. 1. Dezember 2006, 1:46 Uhr, von Sarah
    013

    @ Fabian:
    Stimmt natürlich, dass Spreeblick durchaus breit orientiert ist. Allerdings ist der Untertitel des “Gemischtwarenladens”, wie du es nennst, “Kommentare zur Politik in Deutschland, Musik und privaten Erlebnissen.” Damit wird auch die Kommentarfunktion von Medien unterstrichen. Gerade inmitten anschwellender Informationsfluten kann es auch wieder glaubwürdiger sein, wenn man weiss, hinter dieser Meinung, dieser Position steht eine bestimmte Person steht, die eine klare politische Linie vertritt. Ich fände es nicht erstaunlich, wenn z.B. ein Beitrag wie dieser durchaus meinungsbildend wirkt, auch wenn er nicht klassischen journalistischen Kriterien entspricht.
    Zudem wird zum Beispiel im Spreeblick-Verlag auch das Polit-Blog lautgeben.de herausgegeben. Und andere Medienhäuser sind schliesslich auch Gemischtwarenläden. Die ARD sendet schliesslich auch nicht ausschliesslich “Tagesthemen”. Spreeblick sollte insgesamt bloss als Beispiel eines zukünftigen Medienhauses herangezogen werden, wo sehr unterschiedliche Inhalte und auch zunehmend multimediale Formate eine Art umfassendes Internetmedium werden, die in den Weiten des WWWunderlandes einen Wegweiser bieten.

    Zur “Weisheit der Vielen” hatte ich im Übrigen noch auf das sehr interessante Projekt von Publizistikprofessor Jay Rosen Projekt namens “New Assignment Net” hinweisen wollen. Dieses soll eine “neue Ära des Netzwerk-Journalismus” eröffnen. Gestützt auf die Informationen, die Blogger im Netz zu einem Thema von öffentlichem Interesse bereitstellen, sollen professionelle Journalisten sich an gründliche Recherchen machen. Sie finanzieren ihre Arbeit durch projektbezogene Spenden und publizieren ihre Ergebnisse auf der Website von New Assignment Net. Die Amateure liefern erste Informationen und übernehmen mit ihren Spenden Verantwortung. Die Profi-Journalisten können damit unabhängig arbeiten und garantieren handwerkliche Solidität. (Quelle: NZZ)

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  14. 1. Dezember 2006, 12:15 Uhr, von Walter
    014

    Sarah: ‘Ist tatsächlich eine zunehmende “Balkanisierung? (=Fragmentierung) bezüglich Informationsgrad zu erwarten, wie sie Sunstein in Republic.com voraussagt? Im Sinne von “See only what you want to see, hear only what you want to hear, read only what you want to read.?

    Fabian: ‘Die normale, regionale Tageszeitung wird aussterben!’

    – Ich meine nicht so schnell, aber sie wird sich ändern. Was wir vom Internet lernen können ist die Verbindung eines Kommentars mit einem Namen- sozusagen die persönliche Marke. Im günstigen Fall, wenn Interesse, Gründlichkeit der Recherche und klarer, lesbarer Schreibstil zusammenkommen, verknüpfen wir Leser positive Eindrücke und greifen neugierig und gespannt zur Tageszeitung. Nach meinen persönlichen Erfahrungen ist dies eher die Ausnahme. Allzu oft sind Artikel nicht ausreichend ausgearbeitet, recherchiert und formuliert, Namen falsch geschrieben, Personen verwechselt… Da macht das Lesen dann keinen Spaß. Wer sich weiterhin relativ umfassend über lokale Ereignisse informieren möchte kommt an der Regionalzeitung mit Lokalteil nicht vorbei. Es sei denn die Muße erlaubt es, sich auf den Markt oder in die Gasse zu stellen und durch Klatsch und Tratsch auf dem Laufenden zu bleiben. – Dann gibt es auch Dinge zu erfahren, die nicht in der Zeitung stehen.
    Und zur ‘Balkanisierung': unsere menschliche Neugier treibt uns zur Nachricht. Dies tun wir auch, um an der Gemeinschaft teilzuhaben. Es mag zwar eine- vielleicht zunehmende- Spezialisierung und Selektionierung von Information geben, aber nur Psychopathen werden sich soweit isolieren wollen/ müssen, dass sie nichts mehr von der Welt um sie herum mitbekommen. Eine ernsthafte Konkurrenz für Lokalzeitungen wäre in meinen Augen das Lokalfernsehen- auch übers Internet. Gute umfassende Information wird auch zukünftig Geld kosten, denn die Menschen, die regelmäßig ihre Zeit, auch abends und am Wochenende, dafür hingeben müssen auch ihre Miete und ihr Essen bezahlen oder wollen für ihre Arbeit wenigstens einen Gegenwert sehen.
    Also es besteht weiterhin ein Bedürfnis nach lokaler Information, zumal wir Menschen weniger als vorher Auge in Auge kommunizieren und das Internet zunehmend (web 2.0) zum öffentlichen Raum und Marktplatz wird. Eine Regionalzeitung kann ebenso gut und leichter zugänglich im Internet publiziert werden- ist auch alters- und gewohnheitsabhängig. Das Bedürfnis nach Orientierung ist wie eh und je vorhanden. Autorität wird aber nur als solche erkannt, wenn sie auf Sorgfalt und Qualität beruht.

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  15. 1. Dezember 2006, 13:09 Uhr, von Hans Meise
    015

    Herzlichen Dank für Ihren hoch interessanten Vortrag “Was vom Tage übrig bleibt” im Aachener Kurhaus.

    Freundliche Grüße

    Antworten
  16. 1. Dezember 2006, 13:21 Uhr, von Walter
    016

    Ein Schlüsselbegriff: Vertrauen- wie entsteht es? wodurch wird Vertrauen ‘zerstört’?
    Und ein zweites: wo findet in unserer Gesellschaft Öffentlichkeit statt? Nach meiner Wahrnehmung überwiegend in den Medien. Doch die sind als beschreibende Struktur auch außerhalb der Gesellschaft und in Form der Massenmedien selbstreferenziell und nicht dialogisch aufgebaut, nehmen also an Gesellschaft nicht direkt teil- Verfremdung. Hierin liegt die Aufgabe und Chance der ‘neuen’ Medien: Im web 2.0 erzeugen sich die Nutzer (User) als Gemeinschaft (Community) eine Öffentlichkeit, die ihnen (uns!) durch die Medialisierung von Öffentlichkeit genommen wurde. Dies war wohl eher keine Absicht der Medienkonzerne a priori, sondern hat sich eher im Rahmen des genommenen und gewährten Bedeutungszuwachses ‘ergeben’.
    Hierin sehe ich ein Zeichen und einen Appell der ‘Öffentlichkeit’ und auch eine Chance für die ‘traditionellen’ Medien in einen Dialog mit ihren Nutzern (Kunden) zu treten. Einige haben es schon erkannt.

    Antworten
  17. 1. Dezember 2006, 14:44 Uhr, von Fabian
    017

    @ Walter: Mal sehen :-) Bin immer noch kritisch.

    Wollte eigentlich was über Mediennutzung (täglich zur Verfügung stehendes Zeitbudget) und Rentabilität schreiben (da bin ich im übrigen mal gespannt, wie es ist, wenn solche “Blog-Medienunternehmen” wie die Spreeblicker mal kommerziell werden, bzw. wie sie sich dann positionieren – wenn z.B. Jamba auf Spreeblick wirbt, hach, schöne Vorstellung)

    Aber, gerade beim Aufräumen fiel mir eine alte Ausgabe der Media-Perspektiven aus dem Juli 2006 in die Hände, die einen sehr umfassenden Artikel zum Journalismus beinhaltet und darum geht es hier laut Posting ja auch:

    Journalismus in Deutschland 2005: Zentrale Befunde der Repräsentativstudie

    Sehr umfangreich, sehr empfehlenswert. Spannend wird es, wenn es um die “Journalistischen Tätigkeiten” geht – S. 354ff:

    Immerhin nimmt das Recherchieren mit 117 Minuten noch die meiste Zeit der journalistischen Tätigkeit in Anspruch, allerdings sind bereits 48,4 % der Journalisten mit der für Recherchetätigkeiten zur Verfügung stehenden Zeit unzufrieden.

    Besonders interessant – und da würde mich jetzt mal im Gegenzug der Vergleich mit dem Rollenselbstverständnis der Blogger interessieren – ist das Rollenselbstverständnis und die Frage nach der Handlungsrelevanz bei Journalisten: (S. 356)

    Beim Rollenverständnis liegt mit 88,6 % die Aussage: “Das Publikum möglichst neutral und präzise informieren” an erster Stelle. Dinge wie “Kritik an Misständen üben” mit 57,6 % an sechster Stelle und “dem Publikum eigene Ansichten präsentieren” mit 19,4 % im Rollenverständnis an letzter Stelle.

    Ebenfalls wäre eine spiegelbildliche Untersuchung der “Publikumsbilder Journalisten vs. Blogschreiber” interessant.

    Von Fragen nach “Journalistische Ehtik” vs. “Blogger-Ethik”? Hierarchien in Zeitungsredaktionen (Stichwort: Leitartikel etc.) ganz abgesehen.

    Auch die systemtheoretische Journalismusdefinition vorneweg ist interessant.

    Ist der Journalist im klassischen Sinne eine aussterbende Gattung? Sind Blogger auch Journalisten? Welches Selbstverständnis haben Blogger eigentlich? Welches Ziel verfolgen sie? Verstehen sich Blogger als Journalisten, oder ist Blogger eine eigene “Spezies”?

    Fragen über Fragen, dabei wollte ich doch eigentlich auf Sarah antworten …

    Antworten
  18. 1. Dezember 2006, 15:21 Uhr, von Fabian
    018

    @ Sarah: Nur kurz, da auch mein zeitliches Medienbudget leider etwas begrenzt ist. Ich frage mich, wer soll das alles lesen? Für Blogs etc. benötigt man viel Zeit (70% der Deutschen sind derzeit erwerbstätig und haben so noch viel um die Ohren), vor allem, da man sich als Blogleser ja immer noch ein Querbild verschaffen muss – sorry, aber im Hinblick auf Kompetenz und Glaubwürdigkeit traue ich den klassischen Medien immer noch mehr zu. (Witzig ja auch, dass sich die meisten Blogs im Prinzip aus Links zu klassischen Medien speisen, diese dann kritisch, flapsig, zynisch kommentieren)

    Und: Ist ein Blog, auf den sich pro Tag vielleicht 500 (oder lass es meinetwegen 6.000) Menschlein verirren auf Dauer rentabel?

    Denn am Ende des Tages, seien wir doch ehrlich, will selbst der Toni nicht von paar verkauften Mahoni-T-Shirts leben.

    Antworten
  19. 1. Dezember 2006, 22:07 Uhr, von Walter
    019

    Blogger versus Journalisten? Hobby oder Beruf? Kür oder Pflicht? Amateur oder Profi?
    Die Frage ‘was haben beide gemeinsam?’ finde ich interessanter. Interesse und Neugier, Suche nach der ‘Wahrheit’, Auftrag, Sendungsbewusstsein und Selbstdarstellung- Bekanntheit? Vielleicht sogar Spaß? Recht haben und besser wissen wollen? (eher die Juristen) Warum wird jemand Journalist? 1000 Gründe? Zufall?
    Beim Bloggen ist es einfacher: Kommunikation und Teilhabe? Unsere Erklärung/ Ausrede lautet zur Zeit Web2.0

    Antworten
  20. 2. Dezember 2006, 9:08 Uhr, von Fabian
    020

    Jetzt müssten wir uns einfach mal ein paar gute und schlechte Praxisbeispiele vornehmen.

    Ich denke schon, dass es einen Unterschied gibt zwischen “freien” Bloggern, die sich über ihr Blog profilieren möchten – und eben entsprechend kritisch und zynisch über Themen berichten – und bei einer Zeitung angestellten Bloggern. Das Selbstverständnis ist m.E. schon ein anderes (siehe Media-Perspektiven). Ich mag mich aber auch täuschen.

    Aber fangen wir doch mal bei unserem Lieblingszeitungsblogger an ;-)
    Herr Knüwer vom Handelsblatt derzeit der prominenteste “Zeitungsblogger”. Jung, frech, aufmüpfig, zynisch, ablästernd und in dubio immer pro blogo!

    Etwas anderes sind Blogs wie z.B. der von Markus Kavka auf Zuender.de – Prominenz zieht ja immer, dient aber gut dazu, jüngere Leser an eine Marke zu binden.

    Wissen und das Charisma eines Blogbetreibers sind m.E. ein entscheidende Faktoren für ein erfolgreiches Blog. Vor allem, wenn man eine langfristige Leserbindung erzielen will. Oftmals werfen diese Blogs auch ein sehr entlarvendes Bild auf den Betreiber, dann wird’s schnell peinlich oder langweilig.

    Gibt es herausragende Beispiele aus Amerika oder England? Die scheinen ja schon viel weiter zu sein. Interessant wird es, wenn die altgedienten Herren Chefredakteure bloggen – gibt es ein Beispiel in Deutschland? Auf der anderen Seite, kommentieren kann man Herrn Joffes Leitartikel ja auch jetzt bereits. Aber Leitartikel ist wohl nicht gleich Blogbeitrag.

    Antworten
  21. 2. Dezember 2006, 9:10 Uhr, von Fabian
    021

    Sorry, für alle, die ihn noch nicht kennen sollten ;-) hier der Link zum Handelsblattblog Indiskretion Ehrensache von Herrn Knüwer

    Antworten
  22. 2. Dezember 2006, 9:23 Uhr, von Fabian
    022

    Huch, sehe gerade, Kavka hat gar kein Blog, das ist eine Kolumne. Auch so ein Thema: Unter welches journalistische Genre fällt ein Blog eigentlich? Ich finde die Kolumne trifft es so ziemlich gut, oder Kommentar, hin und wieder sogar Glosse, je nach Blogbetreiber. Insofern: Neuer Wein in alten Schläuchen, nee, alter Wein in neuen Schläuchen???

    Antworten
  23. 2. Dezember 2006, 10:51 Uhr, von Walter
    023

    Knüwer?

    Antworten
  24. 2. Dezember 2006, 15:28 Uhr, von Fabian
    024

    :-)

    Antworten
  25. 2. Dezember 2006, 15:34 Uhr, von Walter
    025
    Antworten
  26. 2. Dezember 2006, 16:59 Uhr, von Walter
    026

    Zur Hypothese, dass Öffentlichkeit infolge stetiger Reklamation durch die Massenmedien und durch Verlust von öffentlicher nicht medienvermittelter Kommunikation- Stichwort Marktplatz- der Gesellschaft verloren geht und als Spielort der medialen Präsentation im Rahmen der medialen Selbstkonstruktion zum Bestandteil der Medien wurde, hat sich auch Niklas Luhmann Gedanken gemacht. Dabei stellt er im folgenden Zitat den Begriff der Freiheit ins Zentrum:

    ‘Die von den Massenmedien angebotenen Realitätskonstruktionen haben deshalb durchgreifende Auswirkungen auf das, was in der Gesellschaft als Freiheit beobachtet werden kann und damit vor allem auf die Frage, wie Chancen personal zurechenbaren Handelns in der Gesellschaft verteilt sind. Wenn man Freiheit immer noch als Abwesenheit von Zwang definiert, bleibt diese freiheitskonstituierende Funktion der Massenmedien latent, sie wird zumindest nicht diskutiert. Man kann nur vermuten, dass die Massenmedien zur Überschätzung der Freiheit anderer führen, während jedem Einzelnen die kognitiven Schranken des eigenen Freiheitsspielraums nur allzu bewusst sind. Und diese Disbalancierung der Freiheitsattribution mag in einer Gesellschaft, die Entscheidungsspielräume auf allen Ebenen immens erweitert und entsprechende Unsicherheiten erzeugt hat, viel folgenreicher sein als die Frage, wer nun definitiv zu bestimmtem Handeln oder Unterlassen gezwungen wird.’ (S.156 ff. 3. A. Opladen)

    Noch einmal- die Chance des Internet, siehe Blogosphäre, liegt darin,dass wir den individuellen Freiheitsbegriff in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Kommunikation demokratisch und gleichberechtigt an allen medialen Hierarchien vorbei neu definieren und uns damit die Freiheitsgrade wieder erwerben können, die wir durch die mediale Konstruktion von Öffentlichkeit und die damit verbundene Entfremdung verloren haben.
    Die Frage zum Thema ist jetzt allerdings: Ist eine Koexistenz beider Formen von Öffentlichkeit in unserer Wahrnehmung und kommunikation möglich, oder bleibt es bei der Spaltung in Konsumenten der Massenmedien- mehrheitlich passiv, unidirektional, isoliert- und Community- aktiv und passiv im Wechsel, Wahlmöglichkeit, bi- oder multidirektional, auf den Marktplätzen des Internet.
    Die Entscheidung liegt bei uns Usern als Wahl und in der Nutzung der Medien, besonders aber auch bei den Massenmedien selbst, nämlich wie weit sie sich öffnen und Kommunikation und Austausch zulassen, das heißt, in ihr Angebot integrieren. Eine solche Entscheidung berührt möglicherweise auch das Selbstverständnis der ‘Medienschaffenden’ und ihren Umgang untereinander.(?)

    Antworten
  27. 2. Dezember 2006, 17:30 Uhr, von Fabian
    027

    @ Knüwerlink: Da war wenigstens noch gut was los bei ihm im Blog. Bisschen müde und schlapp gerade bei dem Herrn.

    @ Walter: Aber wie soll der Umgang der Medienschaffenden miteinander aussehen: Ringelpitz mit anfassen?

    Ein Blog macht doch erst dann Spaß, wenn der Blogbetreiber seine ganz persönliche Meinung zu den Dingen und Personen kundtut, je deftiger er austeilt, desto quirliger wird die Diskussion (siehe Knüwer, siehe Spreeblick etc.). Allgemeine politische Themen kann der Leser auch an anderer Stelle finden und kommentieren.

    Im Prinzip füllen Blogs derzeit ein paar kommunikative bzw. thematische Lücken, die die etablierten Medien mit ihrem Angebot nicht zu stopfen vermochten. Und sie kommen damit den Bedürfnissen, einiger Menschen, die durch die etablierten Medien nicht abgedeckt worden sind nach.

    Es wäre allerdings wünschenswert und gut, wenn die neuen Kommunikationsformen dazu dienen könnten, (Meinungs-) Hierarchien zu durchbrechen und zu einer Demokratisierung der Medien beitragen. Der Bildblogist sogesehen ein gutes Instrumentarium.

    Blogs als kritische Medienwächter, das scheint sehr gut zu funktionieren – zumindest so lange sie nicht kommerzialisiert sind. (insofern: Welche Funktion sollen Zeitungseigene Blogs erfüllen, außer diese?)

    Zum Betrieb eines solchen Blogs gehört allerdings viel Idealismus und Gestaltungswille – viel Geld verdienen lässt sich damit nämlich nicht. Aber auch als Digitale Bohème lässt es sich anscheinend ganz gut leben.

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  28. 2. Dezember 2006, 17:39 Uhr, von Fabian
    028

    Journalisten-Blogs als Politikwächter? Das geht natürlich auch! Aber mal ehrlich: Welcher beflissene und einflussreiche Journalist, der möglicherweise sogar in den Berliner “Hintergrundkreisen” operiert, wäre so blöd, sein sein Insiderwissen kundzutun (selbst anonym ziemlich heikel) und das ganze auch noch bissig zu kommentieren?! Wobei das wirklich mal interessant und wünschenswert wäre!!! Ein Don Alphonso aus der Berliner-Politikszene! Aber das bleibt wohl ein frommer Wunsch, da zwischen Journalisten, deren Verlegern und Politikern einfach zu viele gegenseitige Abhängigkeiten bestehen. Man umtanzt und bezaubert sich gegenseitig lieber als das man sich kritisch und kaltschnäuzig bebloggt – sehr schade!

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  29. 2. Dezember 2006, 17:40 Uhr, von Fabian
    029

    , als dass …

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  30. 2. Dezember 2006, 17:44 Uhr, von Fabian
    030

    Korrektur:
    …, als dass …

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  31. 3. Dezember 2006, 14:20 Uhr, von Nora
    031

    1.
    Meiner Meinung nach hat „das Jahr 2000 nicht das Ende der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger eingeläutet“, wenn auch es zu einer Verschiebung gekommen ist!
    Es wird auch weiterhin Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehen und Radio geben. Frei nach dem Rieplschen Gesetz in dem es heißt, dass „eingebürgerte Medien “niemals wieder gänzlich und dauernd verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden […], sondern sich neben diesen erhalten, nur dass sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen.”
    [„http://de.wikipedia.org/wiki/Rieplsches_Gesetz“]

    2.
    Eine weitere Gefahr: Inwieweit wird jemand, der in jungen Jahren nur mit Internet und den darin vorhandenen Inhalten und ohne Tageszeitung aufgewachsen ist, seine Medienkonsumgewohnheiten ändern, wenn er älter ist?

    Ich sehe es an den Mediengewohnheiten meiner Freunden und an meinen eigenen!
    Oft höre ich: „Warte ich schau mal schnell bei spiegelonline oder das habe ich heute in einem Newsletter gelesen.“ Kein Wort mehr von Tages- oder Wochenzeitungen oder Fernsehnachrichten.
    Oder das Gegenteil dazu: „Ach du Nachrichtenjunkie, woher soll ich das denn schon wieder wissen. Ich habe heute noch gar keine Nachrichten gehört usw. …“

    Und zu mir selbst muss ich sagen, dass sich meine Mediengewohnheiten vor allem im letzten Jahr verändert haben. Zwar sehe ich immer noch regelmäßig Nachrichten oder lese Zeitungen wie die Zeit oder Regionalzeitungen. Aber ich habe jetzt auch einen eigenen Blog, lese zu diesem noch eine Vielzahl anderer Blogs von Freunden oder Bekannten und ich arbeite mehr als früher mit dem Internet.

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  32. 3. Dezember 2006, 21:47 Uhr, von Walter
    033

    Für das Blogstipendium der SZ sind wir out of limits- macht nichts- im Zuge des demografischen wandels dürfen und werden auch ältere zu Bloggern- vielleicht gibts ja auch bald ein Seniorenstipendium für den hoffnungsvollen Nachwuchs.
    mein Appell an Medienschaffende, besser miteinander umzugehen, war ernst gemeint. Wenn Medien Öffentlichkeit darstellen haben ihre Macher eine Vorbildfunktion und Verantwortung gegenüber ihrer und unserer Gesellschaft. Auch Berufszyniker wie Harald Schmidt und Hobby- Zyniker wie Stefan Raab benötigen Ernst und Respekt, um ihre Gegenbotschaft zu verkünden. Wenn Zynismus und Menschen/ Kollegenverachtung allgemeine Medien- Botschaft wären, könnten auch Karikatur und Satire nicht mehr existieren.- Ein ‘reflexives’ Argument neben Respekt und Anstand. Immer wieder brauchbar ist ja bekanntermaßen die goldene Regel, die sich auch als Blogregel eignet ;-).
    Was’Ringelpietz mit Anfassen angeht’ (@Fabian) finde ich die Anspielung ein wenig geschmacklos- außerdem hängt einem das schon zum Halse heraus.

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  33. 3. Dezember 2006, 21:55 Uhr, von Walter
    034

    Zitat von R. Murdoch:
    ‘Success in the online world will, I think, beget greater success in the printed medium. By streamlining our operations and becoming more nimble. By changing the way we write and edit stories. By listening more intently to our readers.’
    Da wird wieder ein neuer mainstream definiert… Und die, die nicht mitmachen, fallen hinten herunter- eher Diktatur als Freiheit.

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  34. 3. Dezember 2006, 22:17 Uhr, von Walter
    035

    Bei Christiansen wird gerade das hohe Lied der Beteiligung und damit Anteilnahme gesungen- Sujet Mitarbeiterbeteiligung- interessant Meg Whitman, Chefin von Ebay.
    Nach meinem Eindruck sitzen bis auf Herrn Ernst – kein Spaß- nur Blogger in der Runde. Sabine Christiansen gibt die Journalistin, doch Optimismus ist ansteckend. Die Argumente ähneln denen von David Weinberger ;-)

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  35. 4. Dezember 2006, 11:35 Uhr, von Walter
    036

    Journalismus als Sinnstiftung- ‘Die andere konstatiert, der Journalismus werde als Sinnstiftungsfunktion in unserer Gesellschaft eher wichtiger als unwichtiger werden.’- stellt für mich einen Widerspruch in sich dar. Journalismus beschäftigt sich definitionsgemäß mit dem Tagesgeschäft. Dazu gehört natürlich die Reflexion über die Ereignisse. Bei sagen wir Naturereignissen sind wir dann schnell bei wissenschaftlichen Modellen/ Theorien, natürlich auch abhängig vom Weltbild- abschreckendes Beispiel aus big brother land- god’s own country- Kreationismus. Aber so wie dieser Wikipedia- Artikel als ‘verwieselt’ eingeschätzt wird, sind auch journalistische Interpretationen und Kommentare gelegentlich verwieselt. Interessant und vollends unübersehbar wird es, wenn menschengemachte Ereignisse kommentiert werden, oder noch besser Kommentare über Kommentare kommentiert werden. Häufig gelingt es mir (und anderen?) dann nicht mehr, die Kommentare wieder zu trennen und zum zugrunde liegenden Gegenstand /Ereignis durchzudringen. Wenn dann auch noch die Moral als ultimatives Argument die Konklusion bestimmt wird es endgültig kompliziert.- Denn die moralische Wertung eines Kommentars hat sachlich nichts mehr mit der ursprünglichen Meldung zu tun, die ja in der Regel nicht aus einer moralischen Botschaft der ursprünglich Handelnden bestand. Auch dazu hat sich N. Luhmann in seiner oben erwähnten Betrachtung über das System der Massenmedien geäußert.
    Ich bleibe dabei: Handwerk, Klarheit, Eindeutigkeit, Trennung von Meldung und Kommentar. Sinnsuche dann besser gemeinsam- in einem Forum, Blog- wie hier. – Wir sind doch erstklassige ‘Sinnsucher’. ;-)

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  36. 4. Dezember 2006, 13:35 Uhr, von Thomas Knüwer
    037

    Danke für das “jung”. Stimmt aber nicht mehr.

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  37. 5. Dezember 2006, 9:30 Uhr, von Walter
    038

    ‘Was vom Tage übrig bleibt, ist Journalismus, denn die Menschen wollen nicht ständig ihre eigenen Programmchefs und Searchengines sein. Sie wollen sich orientieren und sie wollen sich überraschen lassen. Im Netz kann ich suchen, was ich wissen will, aber nicht wissen, was ich suchen könnte.’
    Was Journalismus sein kann: Radar- der Ausdruck ‘Radarschirm’ hat es ja bis ins politische Vokabular geschafft, meist in der Form: ‘das war nicht auf meinem Radarschirm’ oder ‘unser Radar hat dies schon früh erkannt.
    Bildlich bedeutet sowohl, den ‘Nachrichtenraum’ nach neuen Entwicklungen abzusuchen , diese zu benennen und – vorläufig- einzuordnen wie auch schon festgestelltes und benanntes in seiner Entwicklung (Flugrichtung) weiter zu verfolgen. Das Bild des Fluglotsen ist gar nicht so schlecht. In dieser Funktion interagiert Journalismus dann auch sehr eng mit Politik- durch wechselseitige Information, Investigation- und Gesellschaft im ganzen.
    Aufgrund von persönlicher Kenntnis, Erfahrung und ‘Kontakten’, sowie mit Hilfe des ‘Nachrichtenapparates’ können Informationen Zusammengestellt, gewertet, gewichtet und in größere Zusammenhänge eingeordnet werden. Das ist Arbeit, verlangt geistige Präsenz, Interesse, Konsequenz und Fleiß. Die Organisation im Hintergrund- Redaktion, ‘Sendeanstalten’- sollte die Bedingungen schaffen, unter denen effektives, konzentriertes Arbeiten möglich ist.
    ‘Können’, ‘sollte’- Wünsche.
    – Für Informationsgewinnung und Aufbereitung dürften Voreingenommenheit, Dogmen und ‘Verflechtungen’ eigentlich keine Rolle spielen (Aber die Wirklichkeit). Auch das Sendungsbewusstsein kann zwar einem Journalistischen Selbstbild zugrunde liegen, darf dann aber nicht zu Überheblichkeit und Elitegefühl führen- ja ja die Eitelkeit, große Falle.
    Das etwas derbe Bild vom ‘Trüffelschwein’ trifft es ganz gut, wobei wir dann schon bei den Methoden der ‘Informationsbeschaffung’ wären…
    – Doch dies ist ein anderes Thema.

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  38. 5. Dezember 2006, 12:19 Uhr, von Walter
    039

    Die SZ rechnet ab: ‘Noch ist Bloggen aber eine Subkultur wie Skateboarden. Die Blogosphäre ähnelt eher einem durch Trackback und RSS hochgradig vernetztem Dorf, das gerade durch die Vernetzung und der Zitat- Gegenzitat- Logik eine Illusion der eigenen Relevanz produziert.’
    Spreeblick schlägt zurück:
    3. Die Süddeutsche wird vor allem von Großmüttern gelesen.
    Schon der Augenschein bestätigt es und tatsächlich beträgt das Durchschnittsalter der Leser: 48,6 Jahre.
    – So kommen wir nicht wirklich weiter- wechselseitige Nabelschau und gegenseitiges Abwatschen hat NULL Informationswert.

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  39. 6. Dezember 2006, 11:49 Uhr, von Fabian
    040

    Und wieder mal was Gutes dazu bei Herrn Eck nachzulesen: Blogs – die wirklichen “neuen Medien”

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  40. 6. Dezember 2006, 12:42 Uhr, von Walter
    041

    Ein Vorschlag zur Güte: Journalisten und (Hobby-) Blogger könnten sich auf ihre gemeinsamen Ziele, Ideale, Erfahrungen berufen und zusammen dazu beitragen, Sachverhalte und Ereignisse zu klären, der Wahrheit näher zu kommen, bewusste oder unbewusste Unwahrheiten zu offenbaren. Aufgrund dieser Darstellungen könnten dann weitere Erklärungen und schließlich Kommentare abgegeben werden.
    Daraufhin könnten wir, als Konsumenten, dann unser persönliches Urteil treffen- und immer mal wieder überarbeiten. ;-) Entscheidend ist dabei für mich nicht, wie nahe wir der ‘Wahrheit’ kommen, sondern dass durch unsere Kooperation ein Klima der Offenheit und Wahrheitssuche- letztendlich auch des Vertrauens- entsteht, in dem in unserer Wahrnehmung Öffentlichkeit und Information wieder näher und stimmiger zusammengehören.
    Damit würde eher geschäftlichen Interessen ein ideeller, bestenfalls glaubwürdiger Ansatz entgegengestellt.
    – Zugegebenermaßen ziemlich idealistisch…?

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  41. 6. Dezember 2006, 13:57 Uhr, von Walter
    042

    PS wann machen wir unsere ‘Huffington Post’?

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© Miriam Meckel 2002 bis 2014