MM_Adams
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30. März 2007, 15:45 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Fast forward

Wir sind Neo-Nomaden, allesamt mobile Subjekte. Nie waren die Menschen der industrialisierten Welt so beweglich wie heute. Allein in Deutschland gibt es 360.000 Wochenendpendler, ein Zuwachs von zwölf Prozent in den vergangenen zehn Jahren.

Wochenendpendler leben zumeist in Partnerschaften, die wir als LAT-Paare bezeichnen („Living Apart Together“). Sie brechen montags Richtung Büro auf, um Ende der Woche zurückzukehren. Dazwischen liegt die „Montagezeit“, in der die Beziehung allein über Kommunikationstechnlogien gelebt und gepflegt werden kann: Emails, sms, Skype und Telefonate verbinden die Partner virtuell, die physisch getrennt sind.

Geht das auf Dauer gut? Nicht immer. Spätestens wenn man schon montags die Woche vorspulen möchte, die Fast-Forward-Taste im Anwendungsprogramm des eigenen Leben sucht, stimmt etwas nicht.

Wir sind immer beweglicher, doch immer weniger bewegt im Innersten unseres Lebens. Der Körper reist, die Seele will verweilen. Schade eigentlich, dass sie so oft nicht mehr darf.

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42 Reaktionen

  1. 30. März 2007, 16:37 Uhr, von Janna
    01

    Wobei das auch eine Altersfrage bzw. eine der momentanen Lebenssituation ist. Ich pendel auch extrem viel bundesweit, momentan macht mir das allerdings nichts aus. Kann natürlich sein, dass das in 10 Jahren anders aussieht aber ich gehöre sowieso schon zu einer Generation, die weder einen Bausparvertrag besitzt noch ernsthaft glaubt, den Rest des Lebens an ein und demselben Ort zu verbringen.
    Die Freunde wohnen auch quer über die gesamte Republik verteilt, und in einer LAT-Beziehung befinde ich mich eh nicht. Mit anderen Worten: Zuhause ist die Autobahn, auch wenn sich natürlich gelegentlich eine gewisse Heimatlosigkeit breit macht!

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  2. 30. März 2007, 18:02 Uhr, von Steffi
    02

    Seit gut einem Jahrzehnt wird nun darüber diskutiert, warum die Deutschen nur so wenige Kinder bekommen. Der Mangel an Betreuungsangeoten wird beklagt – zu Recht. Der „Spaßgeneration“ wird vorgeworfen, sie drücke sich vor der Verantwortung – zum Teil auch zu Recht. Doch es überrascht, dass die rapide steigende Zahl der Fernbeziehungen in dieser Diskussion bisher keine Rolle spielt. Die gängige Politik setzt am Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie an – und greift damit viel zu kurz. Familiengründung beginnt eben nicht erst mit dem ersten Kind, sondern mit der Paarbildung. Was also fehlt, sind Ideen zur Vereinbarkeit von Beruf und Partnerschaft. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Akademiker: Schon heute führt hier jedes vierte Paar eine Beziehung auf Distanz. Tendenz steigend. Die Frage drängt sich auf: Wieviel Globalisierung, wieviel Mobilität und Flexibilität verträgt der Mensch? Wieviel verträgt eine Gesellschaft?

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  3. 30. März 2007, 19:53 Uhr, von Aron
    03

    Hm…, ich kenne welche, denen geht es mit so einem LAT-Modell sehr gut. Das ist schön für sie.
    Aber denen, die montags regelmäßig vorspulen wollen und sonntags die Krise bekommen, wenn sie wieder weg müssen, und die die Woche nur durchstehen, weil es Telefon und Internet gibt, denen rate ich jetzt mal was (und ich spreche da aus eigener Erfahrung): Das Leben ist zu kurz um nur für 2 von 7 Tagen die Woche zu leben. Sowas geht mal temporär, weil es gerade nicht anders geht, aber nicht auf Dauer. Und erfahrungsgemäß geht dann irgendwann die Beziehung oder der Job – oder beides – den Bach runter dabei. Körper UND Seele sollten mit dem LAT-Modell schon d’accord sein, sonst ist das eben nix für einen. Nur weil es IN ist als LAT-Paar zu leben und alle das von einem verlangen, muss man das noch lange nicht machen!

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  4. 30. März 2007, 20:35 Uhr, von Cate
    04

    Aber 43 Prozent der Wochenendpendler, die in einer Partnerschaft leben, berichten über „positive Folgen des Getrenntseins unter der Woche für die Beziehungsqualität“ (laut Norbert F. Schneider – „mobile Subjekte“-Link).
    Das deckt sich auch mit den 52 Prozent, die ihre Situation als Folge einer beruflichen Zwangssituation sehen. Sie können ihrer Lebensweise, besonders der beziehungsbezogenen, sicher weniger Positives abgewinnen, als jede, die vielleicht auch aus charakterlichen Gründen eine mobile Arbeitssituation bevorzugen oder ihr gegenüber nie ganz abgeneigt waren.
    Ich finde, das dieser Umstand viel aussagt über die Zukunft der Mobilität. Sie ist sicher unumgänglich und hat ja offensichtlich auch ihre Vorteile, sowohl beruflich als auch privat. Nur aus Zwang heraus kann sie selten zu glücklichen Umständen führen. Das leuchtet ja wohl jedem ein (und das zeigt die Studie).
    In Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklungen in Bezug auf Familie und Haushalt ergibt sich automatisch eine größere Bereitschaft zur Mobilität in der Bevölkerung. Dieser Trend ist ja auch nur ein kleiner Teil dessen, was insgesamt in den letzten fünzig Jahren mit den Menschen passiert ist. Problematisch wird es eben nur, weil sich diese Entwicklung unterschiedlich stark auf den Einzelnen auswirkt und eine eher traditionelle Einstellung zu Partnerschaft, Familie und Heimat immer öfter als negative Eigenschaft ausgelegt wird, als fehlende Bereitschaft zur Kooperation beispielsweise. Darin sehe ich die großen Konflikte der Zukunft bzw. bereits in der Gegenwart.
    Wie so oft wird hier wieder nur über den Umstand an sich diskutiert und seine negativen oder positiven Auswirkungen, nicht aber über eine ausreichende Flexibilität im Umgang mit individuellen Belangen hierzu.

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  5. 31. März 2007, 11:00 Uhr, von Janna
    05

    Zumal es eher ein kleinerer Prozentsatz sein dürfte, der vor der Wahl steht „nehme ich das Jobangebot in Stockholm, London oder bleibe ich doch in Berlin“. Der andere Teil muß dort hin gehen wo der Job winkt, ob er will oder nicht. Und das wirkt sich natürlich nachhaltig auf die innere Einstellung zum pendeln aus, keine Frage.
    Wenn man die Negativ-Vorzeichen allerdings umdreht, klappt es ganz gut: also nicht 4-5 Tage doofe Arbeit und dann endlich Wochenende, sondern 4-5 Tage konzentriert und ausdauernd arbeiten (ohne dabei dem Partner gegenüber ein schlechtes Gewissen wg. Vernachlässigung haben zu müssen), dann den Krempel in die Ecke schmeißen und in anderer Umgebung ein entspanntes Wochenende genießen.
    In der Tat klappt das allerding nur, wenn die Trennung zwischen Beruf und Privat auch wirklich erfolgt

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  6. 31. März 2007, 18:50 Uhr, von theresa
    06

    Frau Meckel betrachtet Mobilität und LAT-Beziehungen kritisch – aber warum dieses generalisierende “wir“?
    Ob Mobilität als gut oder schlecht empfunden wird, ist individuell.

    LAT-Beziehungen sind vor allem für Personen, die ein bisschen an Kafka erinnern und meinen nicht so wahnsinnig bindungsfähig zu sein, ein guter Kompromiss aus Nähe und Distanz.

    Konzentriertes Erleben bei Nähe, Freiräume durch Distanz. Mit 19 Jahren kann ich auf eine LAT und eine ‚long distance relationship‘ zurückblicken und finde eigentlich gerade die Distanz positiv – Distanz intensiviert bei mir Leidenschaft, Gefühl. Und macht mir das Genießen der Nähe erst wieder möglich.

    Ich möchte das nicht empirisch beweisen (müssen), sondern einfach nur meine subjektive Erfahrung äußern.

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  7. 31. März 2007, 19:52 Uhr, von Cate
    07

    Und Distanz kurbelt Phantasie und Kreativität an.
    Distanz schärft auch die Reflexion. Sie schafft Raum für Exempel, wo sonst viele Menschen wie Quallen durch das Leben schlabbern. Die Angst vor Distanz zu Anderen ist gleich der Angst vor sich selbst. Viele Menschen pflegen einen sehr subjektiven Umgang mit geliebten Menschen, aber einen objektiven mit sich selbst. Das müsste eigentlich umgekehrt sein.
    Noch das obligatorische Bekenntnis: Ja, auch ich hatte einmal eine skurrile Mischung aus Long Distance-, Wochenend- und Berufsschulblockbeziehung. ;o) Es war gut, weil die Konstellation es nur zuließ. Das ist überhaupt das wichtigste: Die Konstellation der Persönlichkeiten.

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  8. 1. April 2007, 9:47 Uhr, von Anja
    08

    Ob eine LAT-Beziehung dauerhaft hält, hängt meiner Meinung nach schon mal davon ab, ob sie als Lebensform frei gewählt wurde, oder ob sie rein beruflich bedingt ist. Es ist schwierig über eine räumliche Distanz beziehungsfreundlich zu kommunizieren. Man neigt dazu, abends am Telefon oder per Mail viel durch die rosarote Brille zu sehen. Wirkliche Probleme, Ängste und Gefühle werden nicht angesprochen, um die wenigen gemeinsamen Minuten am Tag nicht mit Alltagskram zu belasten. Neue Kontakte und Freundschaften werden schon mal verheimlicht, um den Eifersuchtsfaktor nicht zu fördern. Fakt ist, man nimmt immer weniger am Leben des Partners teil. Persönlich halte ich solch eine Lebensform für eine Trennung auf Raten. Habe sie selber mal 2 Jahre gelebt, dann haben wir uns wieder für ein Zusammenleben in der gemeinsamen Wohnung entschieden. Jetzt bin ich Fernpendler, bin aber jeden Abend oder Nacht zu hause. Vermutlich ist es absolut eine Frage des Alters, mit Mitte dreißig möchte ich nicht mehr wie ein Single durchs Leben tingeln;-)

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  9. 1. April 2007, 10:03 Uhr, von Bette
    09

    @Janna: Hm, aber so eine strikte Trennung zwischen Beruf und Privatleben kann u.U. schon schizophrene Züge bekommen – zwei Leben zu führen, mit einer Arbeits- und einer Privatidentität, wo möglichst keine Vermischung stattfinden soll, das kriegen sicher nicht viele hin. Oftmals scheitern solche Fernbeziehungen ja auch an der großen Erwartungshaltung – die wenige gemeinsame Zeit muss dann perfekt sein, Probleme sollen außen vor bleiben. Doch gleichzeitig muss ja an diesem Wochenende auch ein Großteil der „Beziehungsarbeit“ geleistet werden, Konflikte lassen sich nun mal oftmals nicht so leicht am Telefon lösen.
    Das sind dann 7 Tage auf 2 runterreduziert – manchmal eine explosive Mischung. (Wenn auch sicherlich nicht nur im negativen Sinne… (@theresa) ;-))

    Allerdings, manche kennen es ja auch gar nicht anders: Ein befreundetes Paar lebt seit dem Kennenlernen vor ca. 3 Jahren als LAT-Paar (tolles neues Wort gelernt! ;-)) – mittlerweile sind sie seit einem Jahr verheiratet, und sehen sich weiterhin nur am Wochenende. Da hab ich eher Bedenken, ob das „Living Together Together“ dann überhaupt gutgehen würde… ?

    Und noch zum obligatorischen Bekenntnis (@Cate): Klingt alles schön: Phantasie, Kreativität und Reflexion, nicht zu vergessen Flexibilität, angekurbelt und eingefordert durch Distanz.
    Doch auch Nähe fordert m.E. genau diese Komponenten, das tägliche Zusammenleben braucht genau all diese Zutaten, damit es nicht zu langweiliger Routine wird. Eine Herausforderung, der ich mich liebend gerne täglich stelle. :-)

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  10. 1. April 2007, 10:17 Uhr, von Cate
    010

    In der Süddeutschen sind Beruf und Mobiles Leben noch getrennt… ;o)

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  11. 1. April 2007, 10:50 Uhr, von Janna
    011

    Ich meine ja auch nicht komplett strikt getrennt, es ist nur so frustrierend, wenn man sich nach 2-3 Wochen endlich mal wieder sieht und dann zu hören kriegt „ich komme gleich, muß hier noch noch eben was durchlesen oder montieren“.
    Es klappt halt besser, wenn beide sich dann auch darauf einlassen, die freie Zeit gemeinsam zu nutzen und ihre Prioritäten ähnlich setzen.

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  12. 1. April 2007, 11:49 Uhr, von Anja
    012

    @Janna. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr frustrierend ist. Da man aber nicht zu hause war, kennt man ja oftmals die Vorgeschichte nicht. Der Partner hat sich vielleicht vorher beide Beine ausgerissen und richtig Gas gegeben, um Zeit fürs gemeinsame Wochenende zu haben. Und es fehlt nur noch diese Kleinigkeit, um das Wochenende genießen zu können.
    Ich habe auch zu hören bekomen “ Du bist schon da?, ich bin noch gar nicht fertig.“ Aus so einer emotionalen Situation heraus, bin ich dann auch schon mal wieder gefahren.
    Man bekommt in einer Wochenendbeziehung leider nur noch Ausschnitte aus dem Leben des anderen mit. Und Beruf und Privatleben lässt sich heute leider nicht mehr komplett voneinander trennen.

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  13. 1. April 2007, 16:04 Uhr, von Janna
    013

    @Anja
    ich verlange ja auch nicht, daß wegen mir alles stehen und liegen gelassen wird, um Gottes Willen. Bloß wenn ich 600km oder mehr gefahren bin, nervt es mich einfach wenn es dann heißt „du, äh, ich muß noch mal eben ins Büro…“, vor allem wenn ich nicht wußte, das es letztendlich doch nicht so günstig ist mit dem Besuch an dem betreffenden Wochenende. Wie gesagt, Organisation und Prioritäten setzen ist halt alles

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  14. 1. April 2007, 16:23 Uhr, von soos viktoria
    014

    Hallo erstmal…!:-)

    Nur am Wochenenden heimzukehren finde ich viel schlimmer, als
    jemanden 5 Monate nicht zu Gesicht zu bekommen. Wenn man ständig unter den eigenen Druck steht .Wenn man 5 Tage lang in den freien Minuten darüber nachdenkt, dass man eigentlich wo anderes sein möchte.Wenn man Monate lang von ihren liebsten getrennt ist, das ist viel leichter zu ertragen. Da kann man keine richtige Beziehung führen. Deshalb kommt mir das einfacher vor.Eine Beziehung aufrecht zu erhalten ist aufwendiger als einer pausieren.Für die Seele ist es aber wichtig das er sich am Wochnenden ertholt.
    Wir treffen unseren Entscheidungen selbst, und wir haben auch die Möglichkeit das zu ändern. zum Endeffekt bringt jeder sich selber in die Lage, wo man ist. Es ist schön zu wissen .:-)

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  15. 1. April 2007, 16:38 Uhr, von Walter
    015

    An der Quantität und Qualität der Links gemessen ein brisantes Thema für Dinks und andere.
    Auf der Seite von Berit Brockhausen, Desafinado, Berliner Büro für Partnerschaftsberatung:
    ‚Wann ist eine Beratung sinnvoll? Beratung ist für alle Paare sinnvoll, die zum Beispiel sich häufig vom andern missverstanden fühlen, oder den Eindruck haben, über bestimmte Themen nur schlecht miteinander sprechen zu können,
    oder die im Gespräch häufig in Streit geraten, und diesen auch im Nachhinein schwer klären können,
    oder die sich eine Untersützung wünschen bei der Suche nach Zwei-Gewinner-Lösungen für Konflikte,
    oder die bereits eine Menge Groll aufeinander angesammelt haben, und den Eindruck haben, nur schwer aufeinander zugehen zu können oder kaum noch gemeinsam Spaß miteinander haben zu können,
    oder die aufgrund unüberwindbar scheinenden Probleme über Trennung nachdenken, aber denen andererseits die Partnerschaft zu wertvoll ist, sie einfach aufzugeben.‘
    Liebe auf Distanz- ein Wirtschaftszweig? Wenn es stimmt, dass bei unserem Schatz auch unser Herz zu finden ist, lässt sich durchaus vermuten, dass Frau Brockhausen auf ihre Kosten kommt. – Ich kenne sie allerdings nicht und spekuliere nur.
    Also gibt es Probleme- die Angst vor dem Sonntagnachmittag/ Montagmorgen, Zweifel an Ehrlichkeit und Treue, Unsicherheit und hohe Erwartungen- doch eigentlich wie in allen tieferen Beziehungen zwischen Menschen. Ist nicht vielleicht die Selbstwahrnehmung das größere Problem? Das Gefühl, sich ständig- mindestens einmal in der Woche- zwischen Karriere und Partnerschaft entscheiden zu sollen, das eine gegen das andere aufzuwiegen, beidem nicht richtig gerecht werden zu können, das Ab- und Umschalten nicht zuverlässig auf die Reihe zu bekommen?
    Ich habe mir in den letzten Tagen aus einem anderen Grund Gedanken über ‚Beziehung‘ gemacht: ein älterer Freund, der Mann der Cousine meiner Frau ist vor zwei Nächten gestorben. Es war kein leichter Tod. Nicht einer von denen, die in der letzten Ausgabe der ZEIT gewünscht werden. – Einzig Helmut Schmidt, nach dem Alter am nächsten dran, sieht die Dinge wohl realistisch.-
    Wir hatten uns in den letzten Jahren nur selten gesehen, jeder lebte sein Leben, die Berührungspunkte waren großteils weggefallen- seine Kinder erwachsen, weg gezogen, selbst Eltern. Dennoch bestand weiterhin eine Nähe der Gedanken, eine Art von Bezogenheit, die wohl auf den gemeinsamen Erinnerungen beruhte, dem früheren Austausch von Ideen, Gedanken, Hoffnungen. In seinem Nachruf steht, er habe sich großes Vertrauen erworben- das ist es nicht. Eine enge Beziehung zu einem anderen Menschen zeigt uns auch eine Seite von uns, hinterlässt eine Spur in unserer Seele- ich finde es gut, dieses Wort zu verwenden, Miriam.
    So verstehe ich auch eine Beziehung unter Liebenden- eigentlich sind wir doch alle Liebende- oder wären es wenigstens gerne- Liebende des Lebens. Und zum Leben gehört das Schwere, das Leid, der Verlust nun mal dazu. Die Dualität ist eine Grundlage unserer Existenz: Hoffnung und Enttäuschung, Freude und Trauer, Liebe und Hass, starke Gefühle, Verantwortung. Sowenig sich diese Gefühle ungestraft ignorieren oder abtöten lassen, so vergeblich lassen sie sich voneinander trennen. An uns liegt es, sie zu gewichten, in unseren Beziehungskosmos einzuordnen, irgendwie zu harmonisieren, um nicht durchzudrehen. Eine Liebesbeziehung lebt auch von ihrer Fülle, vom Vertrauen, von der Empathie- in guten Zeiten. In schlechten Zeiten bleibt manchmal nur die Erinnerung und die Hoffnung, dass es noch mal werden könnte- eine ganze Menge.
    Daher, eine Beziehung, die diesen Namen verdient beruht auch auf der Kenntnis des anderen, dem Bild, das wir uns von ihm gemacht haben, als Spiegel unserer Seele. Das Heraufrufen dieses Bildes kann, sollte ausreichen, um Verbundenheit zu empfinden, egal über welche Distanz, daraus ergeben sich Bezogenheit und Verantwortung. Wenn das nicht ausreicht, ist vielleicht die Beziehung nicht so viel wert- auf beiden Seiten. Die Entscheidung kann uns niemand abnehmen, denn wo dein Schatz ist, da ist dein Herz.

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  16. 1. April 2007, 16:55 Uhr, von Cate
    016

    Aber lernt man sich nicht auch auf einer anderen Ebene neu kennen, die der Alternativkommunikation nämlich? Also, da muss man doch auch ein bißchen Kind bleiben, finde ich… ;o)
    Ich kann eine Fernbeziehung, die aus beruflichen Gründen zustande gekommen ist, nicht ganz zu meinen Erfahrungen zählen, vielmehr war da schlicht und ergreifend der unterschiedliche Wohnort ausschlaggebend… Daher kann ich viele Kritikpunkte, die hier explizit zu beruflichen Störfaktoren geschildert wurden, natürlich nicht realistisch nachempfinden, obwohl mir das Problem einleuchtet. Trotzdem: Anstatt zuhause auf dem Sofa nebeneinander zu liegen (was vielleicht nix besonderes ist, weil man das jeden jeden jeden Abend machen kann – vielleicht sagt man sich noch: „Geh weg, du machst dich so fett. Geh rüber zum Sessel!“;o), kann die wenige Zeit miteinander und all die Alternativkommunikation eine sehr spannende, lustvolle und wohltuende sein. Wichtig ist doch, nicht zwanghaft zu werden und Erwartungen zu haben. Man muss auch den Mut haben, sich überraschen zu lassen und ein bißchen dem Abenteuer hinzugeben. Aber, wie Bette es bereits sagte, das ist doch irgendwie auch das A und O in einer „normalen“ Beziehung. Wer Probleme damit hat, sich auch mal etwas gehen zu lassen, nicht zuviel zu planen und Glück und Entspannung erzwingen will (das gilt im übrigen auch für alle Freizeitaktivitäten, oder?), wenn er seine Fernbeziehung am Wochenende sieht, der wird auch keine glückliche örtliche Beziehung hinbekommen. So ein Verhalten kann auch einen Partner und die Beziehung mit ihm belasten, mit dem man zusammenlebt. Oder seh ich das falsch?

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  17. 1. April 2007, 19:17 Uhr, von Anja
    017

    Sofa liegen finde ich ein schönes Bild;-) Ich schätze, es gibt Beziehungen, in denen es kriselt, weil man jeden Abend nebeneinander auf dem Sofa liegt, durchs Fernsehen zappt, miteinander reden könnte, es aber nicht tut. Gemeinsame Aktivitäten sind da oftmals Mangelware.
    Menschen aus Fernbeziehungen tun ja gerne das Gegenteil. Bloß keine Gelegenheit auslassen, etwas zu unternehmen. Alles Verpasste muß aufgeholt werden, Freunde besuchen, Kino, Theater, Einkaufen und vieles mehr. Die Seele darf schon wieder nicht verweilen, der Körper reist immer noch. Dann möchte die Seele wirklich montags die Fast-Forward-Taste drücken, da sie schon wieder nicht bekommen hat was sie braucht. Muss sie doch damit leben, kein richtiges zuhause zu haben, die Lieblingsbilder an den Wänden nur am Wochenende zu sehen, das Bücherregal nur hin und wieder mal zu betrachten und das Lieblings-T-Shirt befindet sich sowieso immer am falschen Ort. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein!“ Vielleicht gerade jetzt vor Ostern gar kein schlechter Zeitpunkt diesen Ort zu definieren und zu finden! …und die Seele hofft wieder aufs nächste Wochenende…

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  18. 1. April 2007, 19:50 Uhr, von sandro
    018

    zuerst ein kompliment an MM, super, dass sie häufiger mit beiträge präsent sind. ich beobachte den blog schon seit monaten und bin froh, dass die grauenhaften einwürfe gewisser personen bis jetzt unterblieben sind. interessant finde ich, dass sie dieses thema ansprechen, es scheint sie ja in irgendeiner form zu bewegen ;-)).

    nun zum thema:
    reflektiere ich meinen bekannten und freundeskreis liegen die 2 hauptkomponenten eines beziehungsmodus im lebensalter und des typs. den typus unterscheide ich in distanz-liebende oder nähe- liebende menschen.
    mit 25 jahren, mitten im studium war der erste heiratsantarg ein greul, da die welt aus meiner sicht noch auf mich wartete. jedwede enge verbindliche partnerschaft wirkt eher erstickend als belebend. es war kein platz für zuviel nähe, die neugierde auf das fremde, das leben nach dem studium etc. überwiegte eindeutig.

    das berufsleben, karrieregerangel, städtewechsel, immer wiederkehrende neubeginne, einsamkeiten und das festellen, dass der bekanntenkreis sich zunehmend verheiratet oder verpartnert lassen einen als frau spätestens mit stark mitte 30 darüber nachdenken , wie man sich die private zukunft vorstellt. mal abgesehen von der frage nach dem kinder bekommen und groß ziehen, was die wenigsten frauen gern in einer fernbeziehungen durchführen beziehe ich mich hier mehr auf die karriere-orientierte person. hier nun die frage nach dem typ. liebe ich die distanz zu einem menschen? reicht es mir aus nur intensiv mit dem anderen am we. zu kommunizieren, weil ich in der woche mich meinem job und anderen personen widmen möchte. trage ich die eindrücke der woche vielleicht am we. in die beziehung mit rein und belebe sie u.u. damit? möchte ich während der woche mein „single-dasein“ ausleben, tun und lassen wie es mir beliebt ohne rücksichtnahme auf einen partner? nehme ich in kauf, dass vieles was einen während der woche bewegt mit anderen während der woche besprochen wird und nicht mit dem partner, den man telefonisch oder per mail während der woche nur erreicht ? oder bin ich eine nähe-typ, der am liebsten jeden abend mit dem partner direkt kommunizieren möchte, das erlebte mitteilen, und die verbleibende abendliche zeit mit ihm verbringen möchte, der die nähe zum partner mehr in den vordergrund stellt, als die zeit mit anderen. diese fragen kann sich jeder nur selbst stellen und beantworten und sollte klugerweise einen partner finden, der der gleichen „typ-klasse“ angehört, sonst ist die beziehung über lang zum scheitern verurteilt, da einer von beiden emotional immer zu kurz kommt. bedauerlicherweise zwingt einen heute zunehmend die jobsituation dazu diese LAT- verhältnisse aufnehmen zu müssen, meine erfahrung mit diversen kollegen jenseits der 34, die freitags mit ihren trollys ins büro anreisen ist nur die, dass spätestens nach 2-3 jahren die beziehungen auf dem prüfstein stehen, da es den wenigsten gelingt eine ausgewogene balance ihres gefühls- und joblebens herzustellen und diese im gleichmaß auch von ihrem partner wiedergespiegelt zu bekommen, so dass diese lebensform befriedigend für beide ausfällt.

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  19. 1. April 2007, 19:51 Uhr, von Steffi
    019

    @ Cate, ich sehe das tatsächlich anders. Dagegen kann ich den Erfahrungen, die Anja geschildert hat nur zustimmen.
    In einer Fernbeziehung MUSS einfach viel geplant werden, das bringen die Umstände mit sich. Wenn es zur Trennung von Arbeits- und Privatleben kommt, fällt die Entspannung, die man nach einer intensiven Arbeitswoche braucht eben auf die Zeit, die man mit der Partnerin verbringt. Das hat dann meines Erachtens nichts mit Erzwingen wollen zu tun. Irgendwann muss man sich regenerieren. Wenn man sich dann endlich wieder sieht, möchte man auf der anderen Seite nicht nur auf dem Sofa abhängen, sondern auch „wertvolle“ Zeit miteinander verbringen und dann ist sie schon da, die angesprochene Erwartungshaltung. Eines der Probleme liegt einfach darin, dass man eben nicht spontan und wenn einem gefühlsmäßig danach ist, gemeinsam Entspannen oder gemeinsam Erleben kann. Vielmehr werden diese Momente durch äußere Vorgaben initiiert.
    Die Gefahr dabei empfand ich nicht nur in der Angst, die Partnerin zu vernachlässigen. Auch die Zeit, die man einfach mal nur für sich hatte, wurde bedenklich gering. Was wiederum auch wenig beziehungsförderlich ist. Und schließlich gibt es dann noch andere Beziehungen, nämlich die zu den Freunden, die bei einer solchen Lebensform schnell auf der Strecke bleiben. Denn die wollen schließlich auch gepflegt werden.
    Diese Zerrissenheit, die ich damals empfunden habe, würde ich nicht noch einmal erleben wollen. Aber wie Janna bereits anmerkte, wer kann sich das schon aussuchen. Wo die Liebe hinfällt … und der Beruf einen hin verschlägt … wie war das mit der Luft und der Liebe, von der alleine man nicht lebe kann?

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  20. 1. April 2007, 20:47 Uhr, von Cate
    020

    @Steffi: Ich verstehe deine Einwände und ich kann in der Tat nicht auf entsprechende Erfahrung zurückgreifen, um meine Thesen zu untermauern. Jedoch sehe ich in deinen Ausführungen die Unterscheidung zwischen „wertvoller Zeit“ und „nur auf dem Sofa abhängen“. Aber muss es diesen Unterschied geben? Ich kann mir gut vorstellen, dass die regelmäßige Zusammenkunft Planung erfordert. Aber wie wäre es, wenn man mal nur sagt: Wir sehen uns also von Freitag Abend bis Sonntag Nachmittag. Alles andere überlässt man dem Vertrauen (und nicht der Erwartung) in sich und den Partner. Eigenes spontanes Verhalten gibt dem Partner die Zuversicht, seinerseits Spontanität mit in die gemeinsame Zeit einfließen lassen zu dürfen. Das kann auch mal heißen, dass man müde ist und seine Ruhe haben will…
    Nichtsdestotrotz respektiere ich deine Erfahrungen. Vielleicht sind meine Vorstellungen auch etwas naiv. Ich werde vielleicht mal rausbekommen, wie es sich tasächlich anfühlt und welche Probleme unter Umständen auftreten. Bis dahin allerdings weiche ich vor einer solchen Herausforderung nicht zurück, wenn sie mir duch die Irrungen und Wirrungen des Lebens und der Liebe begegnet. :o)

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  21. 1. April 2007, 22:00 Uhr, von Steffi
    021

    Aua! Cate, da hast du genau den Finger in die Wunde gelegt. Das war exakt das, was bei uns nicht geklappt hat. Rational klingt das wunderbar, na klar kann man auch mal müde sein und seine Ruhe haben wollen. Aber wenn du die ganze Woche hart geackert hast, um das Wochenende tatsächlich keine Arbeit mit „nach Hause“ zu bringen und womöglich doch noch im Hinterkopf hast, was alles liegen geblieben ist und was noch hätte erledigt werden müssen und dann seht ihr euch endlich und der andere möchte seine Ruhe haben … selbst wenn man noch so verständnisvoll ist, ist es dennoch schwer in solchen Situationen nicht enttäuscht zu sein. Zumal derjenige, der in die jeweils nicht eigene Wohnung kommt, dann ja auch auf dem trockenen sitzt, weil er sich dann alternativ nicht so beschäftigen kann, wie er es in seinen eigenen vier Wänden tun würde. Hockt dann an einem Ort, den man ja nur aus EINEM Grunde aufgesucht hat. Darüber hinaus war es ja noch nicht einmal so einfach festzustellen, wann man wirklich Zeit für sich brauchte und alleine sein wollte. Vielleicht war es tatsächlich diese Ambivalenz: Zeit für sich zu brauchen, heißt ja nicht, dass man nicht trotzdem die Partnerin vermisst und sie bei sich haben will. Ich merke gerade, dass diese Überlegungen mehr Worte brauchen als man sie in einem solchen Rahmen verwenden kann, möchte oder sollte.
    Passt eher in den Rahmen: die Nacht durch bei einem Glas Rotwein in lagen Gespräche auf der Couch herum zu philosophieren.
    Aber Cate, in einem sind wir uns ja einig: auch ich würde auf keine Beziehung verzichten wollen, nur weil es sich um Fernbeziehung handelt ;-) Und bestimmt gibt es Menschen, die solche Herausforderungen besser meistern als andere. Und ich befürchte, ich gehöre zu den anderen ;-)))

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  22. 2. April 2007, 11:28 Uhr, von Janna
    022

    halten wir fest: schwierig wird es dann, wenn nicht mehr die Distanz unter der Woche das Problem ist, sondern die Nähe am Wochenende

    Antworten
  23. 2. April 2007, 12:47 Uhr, von Steffi
    023

    Nö, das finde ich zu sehr reduziert!

    Antworten
  24. 2. April 2007, 14:09 Uhr, von theresa
    024

    wo wir wieder beim differenzieren wären…
    ich möchte keine gender-study aus dem blog machen; wage aber zu behaupten, dass LAT-Beziehungen / Fernbeziehungen und ihr Gelingen geschlechtsspezifisch sind.

    Man sagt Frauen doch nach, verständnisvoller, rücksichtsvoller zu sein.
    Nicht das physische ist vordergründig, sondern das Gefühl. Das Gefühl zusammen zu gehören etc (nicht, dass Männer solche Gefühle nicht haben / entwickeln können, aber meiner Erfahrung ist eine andere Komponente alles andere als marginal…).
    Ergo müsste es Frauen einfacher fallen, eine solche Beziehung zu führen, weil (wenn richtig geführt) ja über bekannte Kanäle (s.o.) ein Austausch von Empfindungen und Gedanken möglich ist.

    Das einander körperlich nah sein ist dann die wochenendliche Krönung?!

    Antworten
  25. 2. April 2007, 14:46 Uhr, von Cate
    025

    Genau, die Krönung! ;o) Und wenn´s mal nur die Krönung light ist, dann nicht verzagen: Die hat auch das volle Aroma! ;o))

    Antworten
  26. 2. April 2007, 15:18 Uhr, von theresa
    026

    metaphorisch, metaphorisch, die dame ;)

    Antworten
  27. 2. April 2007, 16:17 Uhr, von Walter
    027

    Gender study oder nicht, der Ausdruck ‚Montagezeit‘ stammt aus einer noch nicht vergangenen Arbeitswelt, in der die Männer das Hausfür eine Woche, einen Monat oder länger verließen, um auf Montage das Geld für die Familie zu verdienen. Die Frau, früher zumeist auch die Kinder blieben zu Hause. Ich kannte früher solche Familienkonstruktionen, wo der Vater von Freunden als seltenes Wesen plötzlich am Wochenende auftauchte, auf dem Balkon stand. Solche Beziehungen haben häufig funktioniert, weil die Verteilung der Rollen und der Verantwortung klar war. ‚Er‘ verdient in der Fremde das Geld, ’sie‘ versorgt Haus und Familie. Heutzutage sind Verantwortungen und Aufgaben primär nicht geregelt, müssen ausgehandelt, manchmal auch ständig neu verhandelt werden, spielen sich im Lauf der Jahre irgendwie ein, wenn die Beziehung solange hält. Im ungünstigen Fall wird Verantwortung als lästige Pflicht, Opfer empfunden, im günstigen Fall als Chance, sich gegenseitig gerecht zu werden. Damit aus einer menschlichen Beziehung eine Partnerschaft wird, bedarf es der gegenseitigen Achtung, des Respekts und einem Maß an Toleranz, sich gegenseitig die Freiheit zuzugestehen, sich unter der Woche zu verändern, eigene prägende Erlebnisse zu haben, alleine interessante, auch attraktive Menschen kennen zu lernen, dabei aus gegenseitiger Verpflichtung, in erster Linie aber Selbstverpflichtung treu zu bleiben.
    Achtung, Respekt und Toleranz sind Eigenschaften von Liebe unter eigenständigen Menschen, die für sich selbst bestehen können, es aber schöner, interessanter, erregender und erfüllender empfinden zusammen zu sein.
    Das können Männer so gut wie Frauen- oder auch nicht.

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  28. 2. April 2007, 19:07 Uhr, von Janna
    028

    Da stimme ich dir zu Walter, für mich hat das auch keinerlei geschlechterspezifische Relevanz. Zumal die Schwierigkeiten oder erfolgeichen Modelle ja auch gleichgeschlechtliche Beziehungen betreffen.
    Kurz off the topic: laut Spiegel online soll Carmen Miosga die Moderation der Tagesthemen (eventuell) übernehmen. Fände ich prima und könnte auch gut mit leben, obwohl ich sie nur aus dem NDR-Kultumagazin und ttt kenne, dort aber sehr schätze.
    Da stellt sich doch nur die ketzerische Frage „und wer moderiert jetzt die oben genannten Sendungen“…

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  29. 2. April 2007, 19:58 Uhr, von Walter
    029

    Das Karussell dreht sich eins weiter, nicht schlecht- abwarten.
    Zu den long- distance- Beziehungen, die eher short- time- Partnerschaften sind- jetzt nicht die Dauer der Partnerschaft, sondern die Kürze der Wochenenden gemeint(!)- kommt mir immer mal wieder Bertolt Brecht in den Sinn, der ja auch ein Beziehungskünstler war.- Sein Wort von Herrn K. über den Entwurf und den Menschen steht ja auch hier gelegentlich drüber.

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  30. 2. April 2007, 20:13 Uhr, von Cate
    030

    Im Prinzip finde ich schon, dass vieles in einer Beziehung geschlechterspezifisch ist. Aber das gilt nur für den Kern dessen, was zwei Menschen zusammenbeingt. Heutzutage ist eine Partnerschaft vollgestopft von ganz anderen Dingen, die ihren Ursprung wer weiß wo haben. Wunschvorstellungen von Liebe und Sex sind stark geprägt von der Außenwelt. Da ist dann wirklich nix mehr geschlechterspezifisch.
    Zum Nachfolgekarussell: Logisch gesehen bedeutet das, dass irgendwo am letzten Glied ein Anfänger oder eine Anfängerin ihre Chance bekommen. Es sei denn, Frau Christiansen möchte jetzt lieber im Regionalfernsehen die Vorabendserien ansagen…

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  31. 2. April 2007, 21:34 Uhr, von Walter
    031

    Ist das Sim TV?
    Bertolt B. hat das Ideal der Realität gegenüber gestellt. Liebende Menschen sind bei ihm grandios gescheitert oder banal glücklich geworden. In diesem Parallelogramm aus Großartigkeit und Banalität, Erfolg und Scheitern spielen sich auch menschliche Beziehungen ab. Vielleicht gibt es ja ein stillschweigend zu Beginn akzeptiertes Drehbuch, einen geheimen Entwurf, in dem der Ausgang schon vorweg genommen ist? Ich bleibe dabei, wir haben grundsätzlich die Freiheit der Entscheidung, ob jetzt Priorität für Liebe oder Karriere- ‚Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz‘. Erforderlich sind Verständigung, Respekt und Toleranz als sinnvolle Ergänzungen der Liebe Und das Dazwischen, die Mühen der Ebene, des Alltags, die Zeit unseres Lebens, ohne fast- forward- Taste? Da ‚müssen‘ wir durch. Müssen wo es heute doch so leicht und üblich ist, unterwegs auszusteigen?
    – Es bleibt die Selbstverpflichtung, das Durchhalten, auch wenn eine Partnerschaft gelegentlich mühsam und nicht so prickelnd ist. So ein gemeinsames Projekt lebt vom langen Atem der Leidenschaft, gerade auch unter widrigen Bedingungen.

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  32. 3. April 2007, 12:34 Uhr, von Janna
    032

    und als Trost kann man sich ja immer noch sagen, so eine Beziehung ohne Herausforderungen und Dingen, die gemeinsam zu erarbeiten sind, wäre auf Dauer auch öde. Für mich jedenfalls.
    Ach ja, Glückwunsch ARD zur neuen Journalistin für die Tagesthemen. Ich hoffe, das jetzt nicht wieder das rummäkeln und analysieren der Qualitäten von Frau Miosga vorab beginnt.

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  33. 3. April 2007, 13:50 Uhr, von Anja
    033

    Wichtig finde ich, dass in einer Beziehung die Kommunikationsmethoden regelmäßig überdacht und angepasst werden. Das ist durchaus in jeder Partnerschaft unvermeidbar, in einer Wochenendbeziehung entscheidet dies allerdings schon mal über das Gelingen oder Scheitern der Beziehung. Gerade dann, wenn man in einer langjährigen Partnerschaft plötzlich mit veränderten Lebensbedingungen umgehen muß. Konnte man sich gestern noch Zettelchen auf den Küchentisch legen mit wichtigen Informationen für den Partner, führt das in der LAT-Beziehung schnell zur kommunikativen Katastrophe. Wobei wir wieder bei Planung und Organisation wären. Natürlich bringt man diese Ausdrücke ungern mit einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung in Verbindung, aber ehrlich gesagt, regelt man doch in einer „normalen“ Partnerschaft das Zusammenleben auch. Nur einfacher und schneller. Ich glaube, im Handy- und „immer erreichbar sein“ Zeitalter verlernt man das Planen im privaten Bereich ein wenig. Man kan ja Verabredungen bis zur letzten Minute per Handy verschieben, verändern, nach hinten verlegen oder absagen. Hat natürlich auch alles Vorteile, aber wehe der Akku geht leer…

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  34. 3. April 2007, 17:37 Uhr, von Walter
    034

    Das Vorwort von
    Arbeitszeit, Leistung, Gesundheit
    Teil 5: Berufsmobilität und ihre Folgen
    von Norbert F. Schneider:
    ‚Leitfigur der Moderne ist das »mobile Subjekt« – flexibel, ungebunden, leistungsstark. Mobilität und Mobilsein eröffnen aber nicht nur Chancen. Damit verbunden sind Belastungen, die die psychische und physische Leistungsfähigkeit der mobilen Beschäftigten nachhaltig beeinträchtigen können, auch zu Lasten ihrer Produktivität am Arbeitsplatz. Eine moderne Personalpolitik wird in Zukunft Antworten finden müssen, wie mobilitätsinduzierte Belastungen der Beschäftigten vermindert und damit auch ihre Produktivität gesteigert werden kann.‘
    Die Maxime des Homo oeconomicus- trifft Männer und Frauen- liest sich wie eine Porsche- Reklame: mobilitätsinduziert leistungsfähig, produktiv belastbar. Wir sind aber nun mal Menschen, keine Hochleistungssportwagen oder Maschinen, auch keine Videorekorder, die sich, so wie es gerade passt vor- oder zurückspulen lassen.
    So wie eine getrennt Zusammenleben- Beziehung einerseits die Möglichkeit bietet, sich im eigenen Rhythmus zu entwickeln, so will dieser eigene Rhythmus erstmal gefunden werden. Wer der Arbeit nach- oder ihr entgegen reist akzeptiert zunächst einmal zwangsläufig deren Anforderungen und Bestimmungen. Fremden und besonders den eigenen Leistungsansprüchen ausgesetzt, wird auch der fremde Rhythmus der Arbeit akzeptiert, aus der vielleicht gewünschten Selbstbestimmung wird ganz von selbst eine Raum und (Lebens- )Zeit ergreifende Fremdbestimmtheit. Das ist eigentlich schon ein hoher Preis für ‚Karriere‘. Die Suche nach einer Beziehung und die gemeinsame Entwicklung einer Partnerschaft ist an und für sich schon ein Ausbruch aus dem Diktat der Arbeit, manchmal sogar ein Stück Anarchie- herrschaftsloser persönlicher freier Raum, im Leben, in der Seele. Schon wieder eine Dualität, ein Spannungsfeld: ‚Wir sind immer beweglicher, doch immer weniger bewegt im Innersten unseres Lebens.‘ – Es bleibt die Wahl- eigentlich, wenn als solche wahrgenommen- sich der Arbeit weiterhin unterzuordnen, als flexibler Mensch (Richard Sennett), mehr Automat und Maschine, auf der Suche nach der inneren Fast-Forward-Taste- doch die gibt es nicht, nur verrinnende Lebenszeit. In der anderen Waagschale liegt das ständige Bemühen um die Qualität der Partnerschaft, auch auf Kosten der Porsche- Eigenschaften. Der Maßstab ist auch meiner Meinung nach unsere eigene Befindlichkeit, der Zustand unserer Seele- wenn wir ihn überhaupt noch wahrnehmen. Wenn nicht, sind wir dabei uns zu verlieren, haben es vielleicht schon, zum Teil. Die Folge sind dann seelische Störungen, denn die Seele, Psyche, lässt sich nicht ungestraft missachten: Burn out, totaler Verlust der auf dem Markt so begehrten Porsche- Eigenschaften. Das ist, auch im marktwirtschaftlichen Interesse kontraproduktiv. So kommen zwei Betrachtungsweisen zum gleichen Ergebnis: die Ökonomie des Marktes und die Ökonomie der Seele stimmen in ihren Schlussfolgerungen überein.
    – Es bleibt die Konsequenz für unser Leben, die müssen wir dann selbst definieren.- Müssen?

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  35. 3. April 2007, 18:06 Uhr, von Walter
    035

    PS: Living apart together kann man auch, grammatikalisch nicht so ganz korrekt mit ‚apart zusammenleben übersetzen‘. Das klingt dann wieder interessant. Wer möchte nicht apart leben?

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  36. 3. April 2007, 18:16 Uhr, von Walter
    036

    @Janna: ‚NDR-Intendant Prof. Jobst Plog würdigte Miosga als „erfahrene und enorm vielseitige Journalistin. Ihren geradlinigen Weg hat der NDR über viele Jahre gefördert. Auf dem Bildschirm überzeugt sie durch ihre kompetente, frische und sympathische Ausstrahlung. Ich bin sicher, dass sie auch ihre neue Aufgabe hervorragend lösen wird.“- Eine Aufgabe löst man in der Mathematik- auf, nicht bei den Tagesthemen. Mir scheint der ehrwürdige Intendant sieht eher sein Problem gelöst. Wenn er je eins hatte.

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  37. 3. April 2007, 19:59 Uhr, von Janna
    037

    @Walter
    meinte auch eher, das die schreibende Zunft die Dame unter die (mikroskopische) Lupe nehmen wird. Ganz gewitzte Zeitgenossen meinen schon, eine Ähnlichkeit zur Vorgängerin in Bezug auf non-verbale Augenbrauen-Kommunkation gefunden zu haben… Gut, das dieses Land sonst keine Probleme hat.

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  38. 3. April 2007, 20:02 Uhr, von Cate Gefällt einem Leser
    038

    Wenn von „Aufgabe LÖSEN“ die Rede ist, dann setzt man ja ein Problem in der Aufgabe voraus, oder sehe ich das falsch?
    Ach, wenn man jeden Satz auf die Goldwaage legen würde…. Wir Menschen labern vieleicht einen Schwachsinn zusammen. Und kommen uns dabei auch noch sehr wortgewandt und kompetent vor. :o/

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  39. 3. April 2007, 21:07 Uhr, von Walter
    039

    Während die einen noch schwerwiegende Probleme bedeutungsvoll und verantwortungsschwer ausformulieren, haben andere die Probleme schon gelöst, bevor es welche waren. so kommt es jedenfalls mir gelegentlich vor, in den Medien. Das lässt tief blicken. Denn möglicherweise gehört es ja zur Strategie, Probleme als solche zu definieren, sie groß zu reden, um sie dann umso großartiger mit links lösen zu können.
    Nur, Anne Will und Caren Miosga sind doch schon länger da, mussten nicht neu kreiert beziehungsweise erfunden werden. Folglich hätte man, bevor ein Problem daraus gemacht wird, erstmal in Ruhe- soviel Zeit war ja wohl- schauen können, wer geeignet wäre, eine frei gewordene Position zu besetzen, ganz ohne Problem. Offensichtlich geht das nicht so einfach. Mir fallen da die ‚eigeninszenatorischen Selbstverliebtheiten‘ ein- passend nicht nur für die Politik. Aber stimmt ja, ist ja auch (Personal-) Politik.
    Gut, dass unser Land seine Probleme so ernst nimmt, nicht nur die schreibende, auch die sendende Zunft. Ein Medienereignis ist das dann allemal.

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  40. 3. April 2007, 21:31 Uhr, von Janna
    040

    naja, bei vielen Dingen geht es ja nicht nur darum, OB ich eine Aufgabe löse sondern auch WIE ich sie löse (Es kommen gerade ungute Erinnerungen an den Mathe-Grundkurs zu Tage). Da wurden die Aufgaben auch liebevoll Rätsel genannt, um den Ehrgeiz zu schüren- bei mir dennoch ohne Erfolg. Trotzdem ist eben oft der Weg das Ziel

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  41. 4. April 2007, 10:55 Uhr, von Walter
    041

    Zum Abschluss: ich finde das ‚Personalproblem‘ sehr (!) gut gelöst. Caren Miosga hat wohl eine gute Eingebung gehabt oder einen Tipp bekommen, möglicherweise auch beides. Mich stört bei der Sache nur, wie wichtig sich Intendanten, gelegentlich auch Chefredakteure nehmen, die doch öffentlich rechtlich in unserem Auftrag, dem der Bevölkerung, arbeiten. Das erscheint mir manchmal mehr feudalistisch als demokratisch und ganz schön selbstverliebt.

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  42. 11. April 2007, 12:51 Uhr, von Ana
    042

    Ich denke auch, daß es auf die jeweilige Situation und nicht zu letzt auch auf die Menschen ankommt, die es betrifft.
    Ich konnte nie loslassen und hätte am liebsten immer meine Liebsten um mich herum gehabt.
    Seit 2 Jahren führe ich nun eine Fernbeziehung, die wunderbar klappt -meistens-.
    Ich genieße die Zeit, die man zusammen verbringt, aber ich genieße auch das allein sein. Das kann nicht jeder.
    Es kommt darauf an, was für Ansprüche man wert legt. Mein Lieblingsbuch „Die Liebe“ von Peter Lauster gibt da einige Ansätze, von denen ich begeistert bin und sie auch so sehe.
    Es hat alles seine Vor- und Nachteile und ich für mich habe beschlossen, die Zeit so zu genießen, wie sie kommt und wie ich sie mir zurecht lege. Wenn wir zusammen sein können, genieße ich jeden Moment. Können wir nicht zusammen sein, weil wir viel zu tun haben (beruflich, privat), dann sollte man auch diese Zeit genießen.
    Sich zehnteilen zu müssen und jedem gerecht zu werden, bzw. werden zu müssen, weil andere das evtl. erwarten, ist eine Qual und bringt keinem was. Da macht man zwar alles, aber auch alles halbherzig.
    Es muß halt individuell der Mittelweg für jeden selbst gefunden werden …

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© Miriam Meckel 2002 bis 2017