MM_Tagore
Zu den Kommentaren
4. April 2007, 6:16 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Was uns Gesichter sagen …

Wir machen an der Uni St. Gallen derzeit ein Forschungsprojekt zu Gesichterwahrnehmung und Persönlichkeitsbewertung.

Die Wahrnehmung eines Menschen erfolgt bekanntlich zunächst über das Gesicht. Eine Studie des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement sowie des Zentrums für Business Metrics möchte den Wahrnehmungsprozessen auf den Grund gehen, die beim Betrachten von Gesichtern erfolgen und letztlich unsere Bewertung von Person und Persönlichkeit beeinflussen. Für diese Studie haben wir ein Set an „Standardgesichtern“ entwickelt, das anhand einfacher Skalen bewertet werden soll. Selbstverständlich werden alle Angaben anonym ausgewertet. Den Fragebogen finden Sie hier.

Viel Spaß dabei!  

 

 

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124 Reaktionen

  1. 19. April 2007, 16:12 Uhr, von Bette
    0101

    @Theresa: Puh, das ist krass… da wurden ja wohl kaum die Angehörigen gefragt?!?

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  2. 19. April 2007, 16:29 Uhr, von Janna
    0102

    ..etwa genauso intelligent wie das Angebot bei N24, sich das Rechtfertigungsvideo des Täters online nochmal in voller Länge und in Ruhe anzuschauen.
    Ich hoffe, das jetzt endlich einmal eine seriöse Studie erarbeitet wird, warum gerade die USA so stark von Amokläufen betroffen sind. Sicherlich forciert die Glorifizierung von Waffen jeglicher Art in Verbindung mit der „Wir haben ein Recht auf Selbstverteidigungs“-Litanei die Entstehung solcher Gewalttaten, aber da müssen noch viele andere Gründe sein, weshalb gerade Schüler und Studenten dieses Landes dazu neigen. Das war bekanntlich nicht die erste, und wird wohl leider auch nicht die letzte Tat gewesen sein.

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  3. 19. April 2007, 16:53 Uhr, von Walter
    0103

    Die Bilder der Opfer zeigen meist fröhliche Menschen- nur die älteren schauen etwas grimmig. Ich finde es nicht verwerflich, diese Fotos zu zeigen,, denn es kommt auf den Zusammenhang an. Natürlich kann man mit Bildern manipulieren, Stimmungen und Gefühle anfachen.- Nur, diese absurde aber letztlich in der menschlichen Natur mögliche Massenmordsituation in Verbindung mit dem Täter, der sich der Medien auch bewusst bedient hat, zeigt, wie weit sich mediale Selbstdarstellung schon als Instrument der Anklage (der ‚Gesellschaft- von uns allen) und Selbstrechtfertigung etabliert hat. Das ist wohl eine der dunklen Seiten der elektronischen Medien- oder auch eine Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt für einen verwirrten Geist. Ich möchte nicht weiter spekulieren, aber in Zeiten der globalen Vernetzung sind auch Trauer und Terror mit vernetzt.
    Noch mal meine Frage: Muss man jedem alles zutrauen? Gibt es keine Unschuldsvermutung mehr, in Zeiten des Terrors? ‚Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst‘- wenn ich mich selbst aber nicht mehr liebe, folgt dann daraus das Gegenteil? ‚Hasse Deinen Nächsten wie dich selbst‘?
    Ich glaube das nicht.

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  4. 19. April 2007, 17:08 Uhr, von Cate
    0104

    Bilder der Opfer finde ich auch ok. Vielleicht sinnvoll, eine Art letzte Ehrerweisung, auch mahnend und, wenn mit dem nötigen Respekt, eine kleine Genugtuung für die Angehörigen. Ich glaube, deren Kraft sollte man im übrigen nicht unterschätzen – die Kraft zur Anklage, auch öffentlich.
    Sinnlos hingegen finde ich Bilder von 15-stöckigen Hochhäusern aus der Froschperspektive fotografiert, mit einem fetten roten Pfeil zum Balkon links außen auf der 11. Etage unter der Überschrift: „AUS DIESEM FENSTER SPRANG MANDY F. IN DEN TOD“ – Was bringt uns diese Information? Nichts. Ich stelle mir Anwohnerstatements vor, die sagen: „Dat war immer so ein hübsches Häuschen jewesen. Niemand hätte jedacht, dat sowat da jeschehen könnte… Besonders vom Balkon links außen auf der 11. Etage hätten wir sowat nie jedacht!“
    Vielleicht sollen solche Bilder aber auch suggerieren: Wow, die Reporter von der BZ sind wirklich der Hammer. Haben nicht nur dat Haus jefunden, in dem´s jeschehen is, sondern auch noch den jenauen Balkon! Wahnsinn!! Toll.

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  5. 19. April 2007, 17:35 Uhr, von theresa
    0105

    vielleicht bin ich da zu wenig tolerant, aber war meine subjektive empfindung.
    ich kann eure ansichten schon nachvollziehen, gebe aber zu bedenken, was bette schon aufgeworfen hat:
    wollen die angehörigen das?

    wenn sie das wollen, in ordnung, dann kann man nichts gegen die veröffentlichung dieser bilder über presse & co sagen.

    ohne die medien für gewaltexzesse (allein)verantwortlich machen zu wollen, aber katalysieren die medien, die dem terror, den amokläufen, der gewalt halt, die nötige mediale plattform bieten (s. n24), nicht solche vorgänge?
    attentäter etc wollen doch oft primär ein globales medienecho…

    dass ‚popular press‘ formate wenig differenziert über mord und totschlag, balkonsprung, schicksalsschlag, terror und amoklauf… berichten, ist nichts neues, dass die seriöseren immer reißerischer werden (ist ein gefühl, wenn ich die print- und onlineausgabe des spiegels lese), finde ich befremdlich.

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  6. 19. April 2007, 20:33 Uhr, von Fabian
    0106

    Ich schließe mich Theresa an. Die extreme Medialisierung dieser Amokläufe finde ich schrecklich! Bedenklich finde ich ebenfalls, dass immer mehr Täter ihre Taten medial anküdigen, filmen. posten, etc., als ob das noch der finale Kick sei, sich irgendwie noch der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, nach dem Motto: Hier bin ich! Ich kann es gar nicht beschreiben, wie mich das alles anwidert. Es ist fast so, als giere die Menschheit manchmal nach dem Bösen. „So“ einem ins Gesicht schauen – die kleine Wohnzimmer-Horror-Show für Otto-Normalo.

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  7. 19. April 2007, 20:43 Uhr, von Fabian
    0107

    In Zeiten der Säkularisierung wirken solche Menschen wie der personifizierte Satan, es ist fast so, als stehen sie symbolisch für das Böse. Was sich im Mittelalter und in der frühen Neuzeit auf in Stein gemeißelte Fratzen und Symbole der christlichen Ikonographie beschränkte, nimmt im Medienzeitalter eben andere Formen und Bilder an – sehr Bedenkliche!

    Beispiele für eine Faszination des Bösen gibt es wohl unzählige. Eine sehr gut inszenierte ist der Film: M – eine Stadt sucht einen Mörder von Fritz Lang.

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  8. 19. April 2007, 21:02 Uhr, von Walter
    0108

    Medien transportieren, verbreiten Information- a difference which makes a difference. Mit dieser Logik bedeutet Differenz Information und je mehr Differenz, umso mehr Information. Zu Ende gedacht genügt eine banaler Sachverhalt, um dann durch differente Aus- und Aufarbeitung, ‚Aufmachung‘ die zur Erlangung des Informationsstatus notwendige Differenz zu erzielen. Aktuelles Beispiel auf dem Gebiet der Nachrichten: Harald Schmidt als selbstreferenzielles Medienereignis im heute journal.
    Das Problem liegt möglicherweise im Versuch, Wirkung zu erzielen, Aufmerksamkeit, Quote, Umsatz als Wertmaßstäbe zu benutzen, ohne eine Wertung, Gewichtung einzubauen. Am erfolgreichsten wäre dann die Sensation, das Extrem, der Grenzgang als hard- core- Information. Das imponiert dann auch potentiellen Amokläufern, denn sie bieten sich dann quasi als mediales ‚Futter‘, das keiner verschmäht, verschmähen darf? Das Denkmal in den Medien?
    Ohne Stellungnahme, Urteil, Kritik, -nicht Zensur- geht es nicht.

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  9. 19. April 2007, 21:44 Uhr, von Cate
    0109

    Im Gegensatz zur Veröffentlichung der Bilder von Opfern (unter humanen Umständen versteht sich!) bin ich gegen die öffentliche Zur-Schau-Stellung der Täter. Nicht unbedingt, weil auf sie so Ängste, Wut und das personifizierte Böse projeziert werden. Das macht die Kirche schon seit langer langer Zeit, das machen Menschen seit es sie gibt. Wenn es keine rellen Gesichter gibt, dann sind es Mythen und phantasierte Geisterbilder. Das halte ich für normal.
    Kritisch finde ich diese Handhabe hingegen aus Perspektive der potenziellen nächsten Täter. Dieses Verhalten der Öffentlichkeit verheist die Chance auf kurzen Ruhm als das, was die meisten Täter ohnehin von sich selbst denken: Ausgeschlossene und verwahrloste Seelen, die sich rächen und unfassbares Leid über ihre Opfer und deren Angehörige bzw. die so verhasste „schöne, heile“ Welt bringen, „begründet“ Böses in sich tragen und (vor allem!) in einem kleinen Moment „schlauer und schneller“ waren, als der „Rest“ der Gesellschaft. Darin sehe ich eine sehr große Gefahr. Daher bin ich gegen die Veröffentlichung der Täterfotos und vielleicht auch deren Namen. Klar, die Öffentlichkeit WILL diese Fotos und diese Namen und es wäre schwierig an diesem Punkt unserer Gesellschaftsgeschichte, vielleicht auch der Geschichte der Menschheit, den Riegel plötzlich zuzuschieben und sich den mittlerweile „normal“ erscheinenden Rechten der Öffentlichkeit den Medien und den Behörden gegenüber zu entziehen. Aber es gab schon ganz andere Verhaltensweisen der Medien, die aus heutiger Sicht hier und jetzt undenkbar wären. Auch hier findet eine Entwicklung statt. Leider findet diese Entwicklung aber auch in der Welt als ganzes statt, so daß es immer neue Herausforderungen geben wird, die Fehlverhalten mit sich bringen MÜSSEN, um klare Verhältnisse zu schaffen. So funktionert dieser Komplex nunmal.
    Trotzdem bleibt bei aller theoretischer Betrachtung eine ganz simple Trauer und auch Angst. Dazu kann man auch keine weiteren Erklärungen abgeben und machen wir uns nichts vor: Uns ist alles längst über den Kopf gewachsen. Wir können das System nur noch in zahlreiche Teilbereiche aufteilen und diese mehr oder weniger fähigen „Führungskräften“ überlassen. Die entscheiden dann eben, ob Waffen im Privatbesitz erlaubt sind oder nicht. Die schaffen Regeln, Rechte und Pflichten, die setzen die Maßtäbe und bestimmen die möglichen Wege.

    Antworten
  10. 20. April 2007, 5:08 Uhr, von Fabian
    0110

    Zur Darstellung der Opfer zwei Gedanken:

    Erstens: Wem nützt es? Außer den Medien selber? Und zwar als Alibi. Denn machen wir uns nichts vor. Die Medien stecken in dem moralischen Dilemma, aus den Tätern (Anti-) Helden zu machen. Die Opfer gehören spätestens nächste Woche zum Altpapier, an das Foto des Täters werden wir uns noch Jahre erinnern, wie an das Foto von Mohammed Atta.

    Zweitens: Wäre so ein Attentat an der Universität in Kairo geschehen, hätte man auch die Opfer abgebildet? Gibt es eine mediale Zwei-Klassen-Opfer-Gesellschaft?

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  11. 20. April 2007, 9:06 Uhr, von Bette
    0111

    Komisch, dass das alles so zu „Was uns Gesichter sagen“ passt, oder?

    Ich stelle mir gerade vor, wie es gewesen wäre, sich durch 2.973 Fotos der Opfer des 11.September zu klicken. Oder sich täglich die Bilder von Opfern der Selbstmordattentate im Irak anzusehen…
    Nein, ich denke auch nicht, dass es irgendeinen Nutzen hat. Außer vielleicht die Befriedigung menschlicher Sensationsgier.

    Tja, und Tätervideos nützen v.a. den Nachahmungstätern

    Antworten
  12. 20. April 2007, 9:08 Uhr, von Bette
    0112
    Antworten
  13. 20. April 2007, 9:12 Uhr, von Walter
    0113

    Zwischen der Mondlandung und den Monstrositäten von Auschwitz liegt bezogen auf den ‚Betrag‘ (mathematissch verstanden, ohne Vorzeichen) der Sensation kein großer Unterschied. Unser menscliches Dilemma in der Kommunikation liegt vielleicht auch darin begründet, dass ‚positive‘ Sensationen, die Euphorie, Glücksgefühle auslösen können soviel schwerer zu transportieren, übermitteln sind, als Unglücksgefühle, die aufgrund ihres existenzbedrohlichen Charakters von annähernd jedem Menschen überall vergleichbar wahrgenommen werden. Die menschliche Interaktion ist viel sensibler für Bedrohungen als für Erfolge.
    Wenn das Ziel also nur darin besteht öffentliche ‚Aufmerksamkeit‘ zu erzielen, funktioniert das am eiinfachsten und sichersten über eine lebensbedrohende Handlung.
    Hier setzt in meinen Augen die Verantwortung- ja die gibt es unter erwachsenen Menschen- der Medien ein, nicht reisserisch differente, damit Aufmerksamkeit erheischende Information zu verbreiten, sondern diese Information schon primär zu bewerten. Zugegeben eine Aufgabe und Kunst, ohne moralischen Zeigefinger Wertungen zu vermitteln. Das hat etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun, die ja auch sehr unterschiedlich verteilt ist. Dies lässt sich auch an Personen festmachen. Dazu später mehr…
    Es wäre für uns Zuschauer, Konsumenten‘ dann ein wenig wie im antiken Theater, der Tragödie (1. Buch von Aristoteles ;-) ), wo der Chor die Rolle der moralischen Stellungnahme nicht primär moralisierend, sondern eher in den Ereignis- Zusammenhang, den Gang der Geschichte stellend, übernimmt. Die Griechen der Antike kannten sich mit Gefühlen wie Ehrfurcht und Schrecken schon sehr gur aus- weil sie sich selbst (er-) kannten. Da könnte sich dann auch die gleichnamige Zeitung ein Bild machen.

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  14. 20. April 2007, 15:37 Uhr, von theresa
    0114

    ich bin ehrlich gesagt froh, dass es einen (theater-) reformer wie brecht gab, der die menschen ermutigt hat, durch seine offene form, nach- und mitzudenken.
    jedes mal, wenn ich emilia galotti in die hand nehme, frage ich mich, warum sich der aufklärerische dichter schlechthin so sehr an der arisotelischen dramentheorie (mitleid, furcht -> katharsis) festgebissen hat.
    es ist weder aufgeklärt, noch subversiv (und das wollten v.a. die jugendlichen im 18.jh. sein…), sich zu ändern, zu reflektieren, als konsequenz der katharsis. wenn das sollte das doch ein autonomer vorgang sein und nicht nach dem motto wir folgen dem leithammel?!

    mir jedenfalls fehlt da der emanzipationsprozess…
    ich denke, medien sollten keinesfalls die leser erschrecken o.ä.; besser finde ich den brecht-weg; wege eröffnen, steine ins rollen bringen; letztendlich ist jeder gezwungen seine schlüsse zu ziehen…
    vielleicht sind wir dann mehr als ein chor zwischen den protagonisten.

    zu bette’s erstem link:
    es ist nach amokläufen ja schon öfter gefordert worden: ein frühwarnsystem. aber mal ganz pragmatisch an die sache gegangen: wie soll das funktionieren?
    es kann weder jeder blog noch chatroom noch sonstige seiten umfassend kontrolliert werden, noch – bei persönl. kontakt – steht es den menschen ins gesicht geschrieben… klar erkennt man emotionen, aber nur weil ich in einem menschen resignation o.ä. entdecke, kann ich doch nicht befürchten, dass dieser durchdreht u. amok läuft?
    frühwarnsystem, ja bitte nur ich habe zu wenig phantasie um mir vorstellen zu können, wie.

    [wahnsinn, welches spektrum ‚gesichter und was sie uns sagen‘ abdecken kann…]

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  15. 20. April 2007, 16:11 Uhr, von Walter
    0115

    @theresa: die Medien halten es aber überwiegend mit Aristoteles.
    Ich wäre auch für Brecht, aber beim Thema Terror gibt es multiple Beschützerreflexe, um dem eigentlich mündigen Bürger das Denken und das Urteilen abzunehmen. Das fängt bei Claus Kleber an, wobei ich ihn sehr schätze und hört bei Wolfgang Schäuble noch lange nicht auf.
    Du hast Recht- ich wäre sehr gespannt, was Bertold Brecht sagen würde, oder Immanuel Kant, oder…

    Antworten
  16. 20. April 2007, 16:56 Uhr, von theresa
    0116

    walter, du spielst auf die vorgestrige heute journal ausgabe an?
    inwiefern hat claus kleber da eine grenze überschritten?

    mir ist von dem gespräch v.a. präsent, wie taktvoll der hr. kleber eine sehr persönliche frage an herrn schäuble gestellt hat…

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  17. 20. April 2007, 17:45 Uhr, von Cate
    0117

    Komisch. Hier heißt es andauernd, dass die Bilder der Opfer der Sensationsgier dienen. Für mich nicht. Ehrlich gesagt stören sie mich. Ich fühle oft eine Beklommenheit, der ich mich dann eine Weile nicht entziehen kann. Doch obwohl sie mich emotional eher negativ berühren, sehe ich moralisch einen Sinn in der Veröffentlichung dieser Bilder. Wie gesagt, man sollte de Position der Angehörigen und Betroffenen nicht unterschätzen. Das nennen von Namen und Zur-Schau-Stellung von Bildern der Opfer hat doch auch in der öffentlichen Anklage Tradition, ganz ohne Sensationslust und Mediengier.

    Antworten
  18. 20. April 2007, 18:20 Uhr, von theresa
    0118

    zB die hexenverbrennung,
    diente doch auch (nicht nur aber auch) um die sensationslust des “gemeinen volkes“ zu befriedigen (und natürlich dem katharsis-effekt… )

    ich find die passage aus krieg & frieden ganz passend: „Der Pöbel ist ekelhaft, scheußlich. Sie sind wie die Wölfe, die man nur mit Fleisch beruhigen kann.“

    fleisch = bilder …

    Antworten
  19. 20. April 2007, 19:59 Uhr, von Cate
    0119

    Bei der Hexenverbrennung wurden aber keine „Opfer“ im heutigen Sinne zur Schau gestellt! Den Frauen selbst wurde doch das Böse nachgesagt. Keiner hatte Mitleid mit ihnen, man wollte sich ihnen lediglich aus Furcht vor dem Teufel entledigen!
    Ich finde, dass hier mittlerweile aber auch auf Schlachtfeldniveau diskutiert wird…

    Antworten
  20. 20. April 2007, 21:06 Uhr, von Walter
    0120

    @theresa. ich spiele nicht auf das Schäuble- Interview mit Claus Kleber an, sondern darauf, das Deutungen vorgegeben werden. Ich finde das pädagogisch nicht schlecht, nur werden dadurch eben Wege und Richtungen gewiesen, Begrifflichkeiten fixiert, die zwar einerseits durchdacht und schlüssig sind, andererseits aber das Spektrum der Diskussionsmöglichkeiten auf die moralische Ebene einengen. Claus Kleber ist in meinen Augen ein Moralist, ehrlich und glaubwürdig, aber dadurch auch mit einem blinden Fleck behaftet. Das ist jetzt leicht pedantisch, denn unter den TV- Journalisten gehört er für mich zu den nachdenklichsten und informiertesten, die wir in Deutschland haben. Aber gerade beim Thema Terror und dazu gehören auch ‚Amokläufe‘ wünsche ich mir eine primär offenere Diskussion- nicht um Terror zu relativieren, sondern um auch ungewöhnliche Fragen stellen zu können. Denn mir scheint der Ansatz liegt mehr auf einer gesellschaftlich- psychologischen, sogar auf einer politischen Ebene, auf der wir uns mit den Tätern und ihren Opfern auseinandersetzen sollten. Mir kommen da viele Fragen, aber ich habe noch nicht den richtigen Zugang gefunden. Ich halte den rein moralisch- verurteilenden Ansatz für zu kurz greifend. Es ist allerdings in Deutschland schwieriger, eine breite Debatte zu führen als beispielsweise in Großbritannien, wo die Diskussionskultur länger gepflegt und nicht so sehr weltanschaulich- moralisch überlagert ist. Beim Thema Terrorismus und Amoklauf schlagen verständlicherweise, besonders seit dem Juli 2005, auch dort die Wogen hoch .

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  21. 22. April 2007, 9:58 Uhr, von Walter
    0121

    Zum Interview Kleber- Schäuble: Natürlich hat Wolfgang Schäuble Angst- nach dem Attentat. Nur, das darf er ja als Innenminister nicht zugeben. Solch eine Frage darf man nicht stellen, finde ich. Beide können nur verlieren. Entweder Schäuble ist ehrlich, dann nicht mehr tragbar- Oder doch, warum darf ein Innenminister eigentlich keine Angst haben?
    – Oder er lügt, das ist dann eine sehr schlechte Grundlage und Voraussetzung für ein Interview.

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  22. 17. Mai 2007, 16:49 Uhr, von Fabian
    0122

    Habe gerade noch was zu dem Thema bei der BBC gefunden.

    Ziemlich viel sogar: Hier

    Antworten
  23. 17. Mai 2007, 16:49 Uhr, von Fabian
    0123

    Also zum Gender-Thema.

    Antworten
  24. 7. Juli 2007, 23:46 Uhr, von Walter
    0124

    Interessant Fabian. Dass Männer meist weniger reden als Frauen steht in Frage, nach einer mexikanischen Untersuchung. Frauen reden aber mehr über Menschen und Männer mehr über Autos…

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