MM_Franklin
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22. April 2007, 10:17 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Royal Choice?

Die heutige erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist gleich doppelt spannend: politisch und persönlich. Die Kandidaten stehen – mehr oder minder – für ein Programm. Sie stehen viel mehr für die Frage, welcher Politikstil künftig eine größere Rolle spielen wird. Ségolène Royal hat in der vergangenen Woche einen interessanten Satz gesagt: „Die Zeit der Frauen ist gekommen. Ich glaube, dass ich gewinne“. Vielleicht hat sie ja Recht …

Immer mehr Repräsentanten der Volksparteien drängeln sich im dunklen Anzug in der politischen Mitte, versuchen Schulter an Schulter, sich weiter nach vorne durchzuboxen in der Wahrnehmung der Wähler. Die können dann irgendwann überhaupt keine Zwischenräume mehr ausmachen, keine Unterschiede erkennen. Dann kommt die Zeit der anders Wahrgenommenen, der Außenseiter, auch die der Frauen.

Die Repräsentation in der Politik steckt in einer Krise. Immer weniger Menschen haben Lust darauf, sich weiter die Politplatitüden des Establishments anzuhören und anzusehen. Die immergleichen Machtspiele und politischen Rituale langweilen irgendwann selbst den aufrichtigsten Bürger, der für die gute Sache der Demokratie einiges auszuhalten gewillt ist.

Ségolène Royal könnte neue Akzente setzen, einen Politikstil weiterentwickeln, den Angela Merkel Deutschland derzeit vor Augen führt: auch leise Machtworte sind Machtworte.

Vielleicht haben die Franzosen eine „Royal Choice“. Für den Kampf um die französische Präsidentschaft gilt dennoch wohl eher: es ist eine „battle royal“, eine heftige Auseinandersetzung.

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40 Reaktionen

  1. 22. April 2007, 12:15 Uhr, von Cate
    01

    Zuletzt sah es ja eher kritisch aus für Royal. Komisch, wie sich die Wahrnehmungen ändern. Es scheint, als wolle der Mensch in jedem vermeintlich Perfekten unbedingt einen Fehler finden.
    Ich hatte mir mal Gedanken darüber gemacht, warum mir Ségolène Royal eigentlich nicht 100% sympathisch ist, obohl sie mich 100% überzeugt und beeindruckt. Ich kam zu dem Ergebnis, das es gerade dewegen so ist. Vielleicht geht es anderen auch so, vielleicht auch den Medien, den Journalisten, den Radiomoderatoren. In diesem STANDARD-Artikel wird diese Veränderung gut beschrieben. Hier zeigt sich auch, dass die Angelegenheit für Royal wohl noch persönlicher ist, als für andere Politiker. Man könnte fast meinen, sie gehe diesen Weg als Märtyrerin in Mission ihrer eigenen (Leidens)Geschichte. Und in der Tat: STANDARD vergleicht Ségolène Royal auch gleich mit Jeanne D’Arc. Obwohl ich Vergleichen eher kritisch gegenüberstehe, finde ich diesen im metaphorischen Sinne sehr interessant. Er könnte im Falle einer Niederlage erklären, warum es vielleicht nicht klappen konnte mit der eigenmächtig herausbeschworenen „Zeit der Frauen“ in Frankreich.
    Politische Fähigkeiten in Frage zu stellen halte ich zwar für fadenscheinig, aber den Gedankengang der Kritiker kann ich nachvollziehen: Royal kommt aus der Landespolitik einer Region, die wirtschaftlich sehr gut läuft und allgemein Wohlstand und damit verbundene konservative, „geregelte“ Verhältnisse aufweist. Dass dies nicht gerade für ganz Frankreich gilt, ist nun auch kein Geheimnis mehr (obwohl es das mal irgendwie war). Interessant finde ich das Zitat, sie wolle zwar das Land „retten“, wisse aber nicht wie.
    Im Gegensatz dazu hat man bei Sarkozy eher das Gefühl, er habe ganz genaue politische Vorstelllungen, nur, was er eigentlich genau will, das bleibt ungewiss und macht ihn in meinen Augen auch irgendwie gefährlich. Seine Äußerungen zur inneren Sicherheit sind klar und deutlich. Welche Gründe ihn zu diesen Plänen allerdings bewegen, das kann man nur erahnen. Ich halte ihn ehrlich gesagt für einen einäugigen Rechten. Aber ich bin nicht politisch informiert genug, um diese Einschätzung jetzt und hier weiter zu untermauern. ;o)
    Schlussendlich ist es auch ein Kampf um Frankreich. Wir Deutschen können kaum nachvollziehen, was Franzosen für sich und ihr Land empfinden. Meine Erfahrungen sind da teilweise sehr unterschiedlich gewesen und haben mir eigentlich mehr oder weniger die zwei „Fronten“ aufgezeigt. Zur Zeit der beginnenden Amtsperiode Chriracs war ich im Burgund und traf dort auf eine sehr stark ausgeprägte Linke, die irgendwie naiv, aber um so entschlossener wirkte. Einige Jahre später hielt ich mich in der Atlantikgegend auf, genau genommen in der Region Ségolène Royals: der Poitou-Charente. Die Menschen, die ich traf waren auf eine merkwürdige Art abweisend und stark, fast schon krampfhaft, n ihrer Kultur verankert, gleichzeitig sehr verunsichert und von Ungewissheit geplagt (trotz ihres Wohlstandes). Das machte sie in meinen Augen aber auch sehr beinflussbar. Oft bekam ich in politischen Diskussionen allgemeine Phrasen an den Kopf geworfen, die wohlmöglich irgendein Politiker irgendwo gesagt hatte.
    Obwohl ich aber eher linkspolitisch geprägt und verankert bin, bin ich mit beidem unzufrieden, sehe in keiner Richtung eine Chance für Frankreich. Daher stehe ich dem Wahlkampf auch irgendwie neutral und unaufgeregt gegenüber. Einzig die Rolle der Geschlechter ist hier für mich interessant und auch das halte ich eigentlich für falsch, obwohl ich es nunmal so empfinde.

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  2. 22. April 2007, 17:01 Uhr, von Fabian
    02

    Hm, ich grübel die ganze Zeit über die Überschrift „Die Zeit der Frauen ist gekommen“. Ich weiß gar nicht genau warum, aber das klingt grad so, als ob „Frau und Macht“ jetzt so eine Art neues politisches „Label“ ist: Alles Frau, alles neu, alles anders! Das ganze impliziert im Vorweggriff einen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Führungsstil – worin immer diese auch liegen mögen. Mit dem Label „Frau“ wirbt man so reichlich nebulös für einen veränderten Politikstil. Ich weiß nicht, ob das so zielführend ist. Ist der Führungsstil von Angela Merkel weiblich, nur weil sie nicht so sehr mit Machtsymbolen herumprotzt wie ihr Vorgänger?

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  3. 22. April 2007, 19:21 Uhr, von Walter
    03

    „Die Zeit der Frauen ist gekommen, um das Haus Frankreich wieder in Ordnung zu bringen“.(Welt online) – Das klingt nach Aufräumen aber auch nach Besserwissen.
    Klar ist wohl auch dies: „Ihr Vater ist ein Despot: Die Söhne sollen dem Vaterland dienen, die Töchter ihren Ehemännern. Ségolène passt das nicht. Sie ist rebellisch und wild entschlossen, ihr strenges Elternhaus zu verlassen. Sie geht früh in ein Internat.“ (tagesschau.de)- Das klingt nach Eigensinn und Rebellion.
    Eine Hoffnung ist: „Ségolène Royal könnte neue Akzente setzen, einen Politikstil weiterentwickeln, den Angela Merkel Deutschland derzeit vor Augen führt: auch leise Machtworte sind Machtworte.“ Wenn die Hoffnung aber trügt? Frankreich ist nicht Deutschland. Unsere Erfahrungen in der Geschichte haben uns lange Zeit zu ‚feindlichen Brüdern‘ gemacht, von befreundeten Schwestern war nie die Rede. Angela Merkel und Ségolène Royal sind etwa gleich alt, ähnlich durchsetzungsfähig in ihrer Partei und Frauen. Wenn wir noch eine jeweils überdurchschnittliche Intelligenz vermuten- Intelligenztest- Ergebnisse sind ja bei beiden nicht bekannt, aber die jeweils abgeschlossenen Studien und die wahrnehmbare geistige Präsenz sprechen dafür- dann war es das schon an Gemeinsamkeiten- vielleicht. Was Biografie, soziales Umfeld und Ideen anbetrifft, liegen beide möglicherweise relativ weit auseinander. Angela Merkel bewegt als Vorsitzende und Ideengeberin mit weiblichen und männlichen Verbündeten- nicht nur Herrn Pofalla derzeit die CDU nach links. Ségolène Royal ohne für mich erkennbare Verbündete die PS nach rechts. Sie restituiert nationale Werte, wünscht sich die Tricolore, am besten von den Kindern in der Vorschule eigenhändig genäht, in jedem Haushalt mit Fahnenmast. (Das erinnert an die ‚Schweizermacher‘) An diesem Fahnenmast ist dann morgens und abends die Marseillaise zu singen. – So etwas auf deutsch würde Angela Merkel bei uns eher nicht propagieren.
    Beim Trifften von rechts nach links (AM) und von links nach rechts (SR) könnten sich beide ja in der Mitte treffen- könnten, aber Frankreich ist nicht Deutschland…
    Vorsichtige Wünsche: Die ‚Gazelle‘- so nennt sie sich, im Senegal geboren selbst, möge die Stichwahl am 6. Mai gewinnen. Angela Merkel und Ségolène Royal treffen sich erst zum Wein in Paris, dann zum Bier in Berlin und reden miteinander- lange. Vielleicht werden sie nie Freundinnen, aber Verbündete- nicht gegen ‚die Männer‘ aber für mehr Respekt und Ehrlichkeit in der Politik- diese Schnittmenge haben sie. Frankreich unter Sarkozy wünsche ich mir jedenfalls nicht.

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  4. 22. April 2007, 19:57 Uhr, von Cate
    04

    Die ersten Hochrechungen verheißen ein spannendes Stechen: Sarkozy (um 30%) und Royal (ca. 26%) also im zweiten Wahlgang. Bayrou (ca. 17%) und Le Pen (bis zu 13%) sind zusammen mit den anderen acht rausgefallen. Mal ganz naiv gerechnet: Angenommen alle liberalen wählen Royal und alle rechten Sarkozy, dan kämen beide auf 43%. ;o)

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  5. 22. April 2007, 20:23 Uhr, von Walter
    05

    Nachtrag: ein Zeichen für Demokratie in Frankreich ist die hohe Wahlbeteiligung. Die Sprache, in der die beiden Frauen zusammenfinden Könnten, wäre erstmal wohl englisch, später, wenn es ein später gibt, vielleicht auch französisch und deutsch?- Auch das wäre ein Zeichen.
    Der Wein käme aus beiden Ländern, vielleicht auch das Bier- oder lieber doch nicht? Die französische Küche kennt Angela Merkel jedenfalls schon, von ‚Chez Maurice‘ in Berlin Mitte. Was die Ehrlichkeit angeht, ist François Bayrou näher bei Ségolène Royal als bei Nicolas Sarkozy. Das lässt hoffen. Sie hat sich bis jetzt (21Uhr20) noch nicht zu Wort gemeldet- vielleicht macht sie ja ein Angebot?

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  6. 22. April 2007, 21:44 Uhr, von Cate
    06

    @Walter: Und es heißt, hohe Wahlbeteiligung ist ein Hinweis auf mobilisierte Linkswähler.

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  7. 22. April 2007, 21:45 Uhr, von Anja
    07

    Ségolène Royale ist nur bedingt mit Angela Merkel zu vergleichen. Als Feministin setzt Royale ihre Weiblichkeit gezielt ein und Frauenthemen haben für sie persönlich und auch politisch einen hohen Stellenwert. Angela Merkel hat man nicht nur im Wahlkampf vorgeworfen, dass sie sich gerade als Frau damit zu wenig beschäftigt.
    Royale verkörpert natürlich als Mutter von 4 Kindern, die einen Lebenspartner hat, aber nicht verheiratet ist, ein modernes Frauenbild.
    Gemeinsam haben Royale und Merkel allerdings tatsächlich einen weiblichen Führungsstil, der nun nicht mehr einfach als zu weich und wenig durchsetzungsfähig abgetan werden kann. So langsam (auch dank Frau Merkel) wird bemerkt, dass man nicht nur durch lautes Gepolter und öffentlich ausgtragene Machtkämpfe erfolgreich sein kann.
    Vielmehr sind es die leisen Töne, inhaltliche Kompetenz, Gradlienigkeit, zielorientiertes Handeln und Zuverlässigkeit, die in der heutigen Zeit an Bedeutung gewinnen. Die wenigsten haben noch Lust die immer gleichen Machtspielchen zu etragen, wenn dadurch Sachfragen und Inhalte immer wieder in den Hintergrund rücken. Daher kann ich die Aussage „die Zeit der Frauen ist gekommen“ nur unterstreichen! Die Männer haben es nun lange genug versucht, jetzt sind mal intelligente Frauen dran;-) Und wenn Ségoléne Royale die Wahl gewinnt, wäre das schon mal ein gutes Zeichen.

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  8. 22. April 2007, 22:41 Uhr, von Walter
    08

    Frankreich ist nicht Deutschland. Während Angela Merkel, um ihren prognostizierten Wahlerfolg nicht zu gefährden, sich der Insignien der Macht nicht bedienen konnte und wollte, gibt sich Ségolène Royal sehr ’staatsfraulich‘, um bei ihren Landsleuten den Eindruck zu erwecken, dass sie auch in der Zentrale der Macht, dem Élysée-Palast, eine präsidiale Figur machen kann.
    Wenn wir uns an die Diskussion unter Hirschen erinnern, gibt es Parallelen und Unterschiede, was die Rollenerwartung und das Amt angeht.
    Mit ihrer Weiblichkeit, die sie als traditionell erzogene Französin anders sieht und die auch anders gesehen wird als damals bei der Wahl Angela Merkels, vermittelt sie die Botschaft näher beim Volk, bei den Menschen zu sein. Dafür fehlt ihr jetzt in der öffentlichen Wahrnehmung die ‚eigeninszenatorische Selbstverliebtheit‘ eines François Mitterrand oder eines Jacques Chirac, die viele Franzosen von ihrem Staatschef im ‚Ersten Haus Frankreichs‘ (Bernadette Chirac) erwarten. Heute Abend hat sie jedenfalls schon mal geübt.

    Antworten
  9. 23. April 2007, 6:55 Uhr, von Anja
    09

    Pardon, jetzt habe ich der guten Ségolène gnadenlos ein -e- an ihren königlichen Namen gedehnt. Da hat mein Französisch-Abi wohl doch keine Spuren hinterlassen, ich hatte es schon befürchtet;-(

    Antworten
  10. 23. April 2007, 9:25 Uhr, von Cate
    010

    @Anja: Wieso? Grammatikalisch war es doch korrekt. Da hat sein Französisch-Abi wohl eher zuviel Spuren hinterlassen… ;o)

    @Admin: Bitte schalte mein Kommentar vom 22. April um 12h frei. Ich bin´s, Cate! Ich tu nix. Wirklich!

    Antworten
  11. 23. April 2007, 10:00 Uhr, von Walter
    011

    Wirklich?
    Letzten Mittwoch war im Audimax in St. Gallen ein eindeutiges Sympathiebekenntnis für Angela Merkel zu hören. Das finde ich gut. Daneben auch nachdenkliche Worte, fast fragend, zur politischen Korrektheit und Ausgewogenheit in einer Gesprächsrunde.- Gedanken dazu- halb gefragt: völlige Ausgewogenheit landet bei 0, wenn sich zwei gegensätzliche Positionen in der Mitte treffen, entsteht meistens kein Kompromiss, keine Synthese wie beim ‚dialektischen Problemaufsatz‘ sondern eher anhaltender Dissens und je nach Temperament Schreierei.- Das muss man sich Sonntagabends nicht antun, weder aktiv noch passiv. Es genügt doch, den glaubhaften Eindruck zu vermitteln, das eine Sendung von der Intention her ausgewogen ist. Vielleicht tut es manchen Themen ja wirklich besser, etwas einseitiger, deutlicher diskutiert zu werden und nicht immer zum Minimalkonsens bei Neutralnull verwurstelt zu werden?
    Noch ein herzlicher Dank, Anne, auch unsere beiden Jüngsten sind bis jetzt anhaltend beeindruckt.
    – Es bleiben zwei bohrende Fragen: wie kostbar ist der Kugelschreiber im Sprudelwasser von Angela und wie schmeckt ‚Appenzeller Alpenbitter‚?

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  12. 23. April 2007, 10:07 Uhr, von Walter
    012

    Nachtrag aus der Werbung :
    ‚Ist das Fernsehprogramm kläglich: Appenzeller macht’s erträglich‘
    Aha, deswegen…

    Antworten
  13. 23. April 2007, 13:58 Uhr, von Janna
    013

    was mich etwas irritiert hat bei der Berichterstattung zu den Wahlen in Frankreich ist die Tatsache, das in Deutschland (zumindest meiner Meinung nach) wenig über Inhalte und die eigentlichen Parteiprogramme bekannt geworden ist.
    Großenteils wurden nur die ewigen Schlachtrufe der heutigen Zeit gebetsmühlenartig wiederholt, also auf der einen Seite „Frau-4 Kinder-unverheiratet/in wilder Ehe lebend“ und auf der anderen „konservativer Hardliner-aus reichem Vorort stammend- Einwandererkind“. Von der (ich sage mal lieber) „Hochdruckreiniger“-Aussage mal ganz zu schweigen…
    Richtig spannend wird es also in den nächsten Tagen, wenn beide Kandidaten versuchen, sowohl die eigenen partei-internen Hardliner nicht zu vergraulen wie auch die potentiellen Wechsel-Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten unter einen Hut zu bringen. Und ich hoffe sehr, das Frau Royal noch ein paar schlagkräftige Argumente in der Hinterhand hat. Denn nur um des „Frauseins“-Willen wird sie wohl keiner wählen, und für viele Bewohner der Banlieues scheint sie auch eher das geringere Übel als die Wunschkandidatin zu sein, mit der bzw. deren Programm man sich identifizieren kann.

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  14. 23. April 2007, 15:34 Uhr, von Walter
    014

    Das hat möglicherweise mit ihrer eigentlich patriotischen Grundhaltung zu tun, die sie vielleicht doch von ihrem autoritären Vater übernommen hat. Manchmal scheint mir, sie fühlt sich wie Marianne. Frankreich lebt auch in seinen ehemaligen Kolonien.- Interessanter- und bezeichnenderweise führt der Link weit weg. Hier konkret zu Christophe Fontaine, einem Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Lycée Joseph Kessel in Djibouti, Ostafrika. Die Jeunes immigrés sind von solchen Lehrern erzogen worden, die weiterhin versuchen, ihre Schüler im Geiste Frankreichs, der Grande Nation und ihrer Kultur zu erziehen.- Wie viel anders, ernüchternder und deprimierender ist dann die Wirklichkeit in den Vorstädten.

    Antworten
  15. 23. April 2007, 15:40 Uhr, von Walter
    015

    PS: ich finde Tomi Ungerer übertreibt etwas mit der deutsch- französischen
    a href=“http://www.dhm.de/ausstellungen/ungerer/kapitel3.htm“ rel=“nofollow“>Verständigung.- Allerdings, die Elsässer sind und waren immer ‚dazwischen‘.

    Antworten
  16. 23. April 2007, 17:08 Uhr, von theresa
    016

    wieviel patriotismus steckt in frau royal?
    ich möchte daran erinnern, dass sie nicht die marseillaise mitgesungen hat, nach einer wahlkampfveranstaltung, mit den worten, sie wolle nicht die chorleiterin der nation sein.

    >
    Je crains que c’est seulement le temps des ‚grandes femmes‘.

    Ich meine damit, dass die Gesellschaft, zwar langsam lernt, von Frauen repräsentiert, regiert … zu werden; aber ich sehe auch, dass diese Entwicklung auf großer Bühne einfacher ist, als beispielsweise im kommunalpolitischen.
    Letzten Herbst fand Jugend & Parlament in Berlin statt; ein durchaus interessantes Planspiel;
    allerdings bekam ich in meiner konservativ-christlichen Fraktion (Lospech!) schon Gegenwind zuspüren, als ich zur Fraktionsvorsitzenden zur Wahl stand. („Muss das eine Frau machen?“)
    Und das NUR in einem Planspiel ;-)

    Nur weil ich ab und an in die Emma schaue, es nicht akzeptieren möchte, dass Frauen weniger verdienen (ihr kennt den mittlerweile zur Plattitüde verkommenen Sachverhalt…), bin ich eine ‚Emanze‘. Aha wie einfach.
    Nein. Ich möchte nur Gleichberechtigung. Scheint schwer zu sein.

    Walter, was haben denn Frau Will (& Frau Meckel) jungen Menschen (v.a. Frauen) auf den Weg gegeben in Richtung berufliche Zukunft / das ‚Zurechtkommen‘ mit den Männern in der Wirtschaft…?

    Uui der Eintrag klingt sehr negativ; dann sei noch gesagt, dass diese Aussagen nicht pauschal alle Männer treffen sollen – es gibt schließlich Hoffnung in Form von netten Gegenbeispielen… ;)

    Antworten
  17. 23. April 2007, 19:23 Uhr, von Cate
    017

    Naja, die Zahlen des amtlichen Endergebnisses sehen dann ja doch etwas anders aus. Le Pen hat es nur auf ca. 10% gebracht. Da bin ich beruhigt, obwohl so ein Ergebnis einer rechtpopulistischen Partei in Deutschland einen Aufschrei auslösen würde. Da sieht man auch mal den Unterschied…

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  18. 23. April 2007, 20:59 Uhr, von Walter
    018

    @theresa: Deine Frage könnten die beiden besser selbst beantworten. Es wäre eine gute Gelegenheit für einen Gastkommentar.
    Anne Will sprach über die Entscheidungen und Klippen ihres Berufsweges, von der Unentschlossenheit und Lethargie (ist das richtig?) mit 16, über den Plan rasend schnelle Reporterin zu werden, den ersten Studientag in Germanistik zu Köln mit der provozierenden Frage eines älteren demotivierten (?) Professors, was denn alle hier wollten, wo jeder der ins Mediengeschäft möchte ja doch arbeitslos sein wird. Eine Studentin in der ersten Reihe meinte dann, sie wolle Schriftstellerin werden und den Nobelpreis gewinnen. Es war diese Mischung aus einfachen Geschichten, ironischer Deutung und Humor, die in meiner Wahrnehmung eigentlich alle Zuhörer, geschätzt 200 Frauen und 50 Männer gleichermaßen für Anne Will eingenommen hat. Sie hatte keine Rezepte oder konkreten Vorschläge außer ’nicht locker lassen‘ und ‚Du schaffst das‘- zu sich selbst gesagt, während der ersten Sportschau. Auf die Frage, ob sie die gläserne Decke jemals selbst erlebt hätte, antwortete sie mit nein, sie könne sich an eine solche Erfahrung nicht erinnern- wir nahmen ihr das ab. Nach ca. 30 Minuten Vortrag, beantwortete sie eine Stunde lang Fragen, sehr empathisch und sehr respektvoll. Zum Abschluss gab es Hochprozentiges in zwei Kisten- ist wohl in der Schweiz so üblich, so auch den ‚Appenzeller Alpenbitter‘ im Roten Karton.
    Für mich und unsere beiden Jüngsten- 14 und 20 Jahre alt, war es ein Erlebnis, auch wenn unsere 14- jährige Tochter sich dann partout nicht persönlich vorstellen wollte und auf raschen Aufbruch drängte.- Sorry.
    Gerade für Lea war das Beispiel Anne Wills wichtig, da sie sich in einer krisenhaften Orientierungssituation befindet und nach Zielen und Vorbildern sucht, um Zukunft über die Schule hinaus erahnen und sich vorstellen zu können. Sie war und ist immer noch beeindruckt und froh.
    Interessant für mich sind die laut gedachten Gedanken über Ausgewogenheit und die sehr ernsthafte Darstellung der Verantwortung für das neu gegründete Unternehmen und die Mitarbeiter. Das war einfach ehrlich und gut. Danke Anne.

    Antworten
  19. 23. April 2007, 21:15 Uhr, von Walter
    019

    Und die Männer: Als Männer an sich, ohne Identität, waren wir eindeutig das zweite Geschlecht, mehr noch für Miriam Meckel als für Anne Will. Wenn es dann konkret wurde: Annes Vater, der sie drängte bei den Geisteswissenschaften zu bleiben und der dann selbst Kunstgeschichte studierte und Jochen Sprentzel, der ihr Moderationstalent erkannte und sie gegen ihren anfänglichen Widerstand förderte. Da kamen die Männer, ganz konkret schon deutlich besser weg. Wie ich aus eigenem Erleben finde, dass die Väter von Töchtern, wenn sie ihre Töchter lieben- und das tun alle, die ich kenne- ganz von selbst für Chancengleichheit der Geschlechter und Emanzipation eintreten. Das ergibt sich so.

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  20. 23. April 2007, 21:15 Uhr, von Cate
    020

    Ich sollte meinen Eltern Vorwürfe machen, dass sie nicht mit mir zu solchen Vorträgen geflogen (?) sind, als ich 14 war… Die würden sich bedanken.

    Antworten
  21. 23. April 2007, 21:19 Uhr, von Walter
    021

    Mit dem Auto gefahren, Cate. Wir waren in den letzten Monaten schon mehrere Male unterwegs, Eindrücke und Beispiele sammeln. Manchmal muss das sein. Und interessant ist so etwas auf alle Fälle.

    Antworten
  22. 23. April 2007, 21:44 Uhr, von Cate
    022

    Mit dem Auto? Na gut, wahrscheinlich wohnt ihr in der Nähe. Ich bin mal mit dem Auto von Hamburg nach Zürich gefahren, also als Mitfahrerin. Das war mal was… ;o)

    Antworten
  23. 23. April 2007, 22:45 Uhr, von Walter
    023

    Wir fahren gerne Auto, wenn es sein muss. Es war nicht Hamburg- Zürich, aber auch so rund 400 km einfach, gutes Wetter, gute Stimmung.
    Vielleicht mal zurück zum Thema: Emma titelt:
    Sex & Macht, Kopf oder Körper- Müssen Frauen noch wählen zwischen ’sexy‘ und ‚emanzipiert‘? Oder ist die Kleiderfrage in Wahrheit eine Frage der Macht? Sven Hillenkamp über Staatschefinnen und ihre Selbstinszenierung
    – Die gibt es natürlich auch bei Frauen. Hätte aber eine Journalistin dasselbe über (männliche) Politiker geschrieben? Ségolène Royal und Angela Merkel erscheinen als ‚die Schöne und die Sachliche‘. Mir erscheint das etwas oberflächlich und am Wesentlichen vorbei gehend- gerade auch beim Betrachten des Fotos. Mir erscheinen beide eher gleich begeistert, jede auf ihre Art.

    Antworten
  24. 24. April 2007, 8:10 Uhr, von Walter
    024

    theresas Zitat: „Je crains que c’est seulement le temps des ‘grandes femmes“ gibt zu denken. Wenn es jetzt außergewöhnliche Frauenpersönlichkeiten sind, die in der Politik und Öffentlichkeit in Erscheinung treten, weil sie durch eine Kombination von intellektueller und emotionaler Intelligenz hervorstechen? Das politische Geschäft aber weiterhin nach den Regeln der Männer funktioniert? Wie könnten die Regeln umgeschrieben werden, um eine Gleichheit und damit in meinen Augen mehr Gerechtigkeit und Menschlichkeit in unserem Zusammenleben zu erreichen? Hier ist ein Ansatz für einen gesellschaftlichen Diskurs, der weit über die Politik im engeren, nicht im weiten Sinne, hinausgeht.
    Die Reihe in St. Gallen geht weiter, morgen mit Dr. Ursula Wyss, Fraktionschefin SP, stellvertretende Parteivorsitzende. Sie erscheint auch in EMMA…

    Antworten
  25. 24. April 2007, 9:35 Uhr, von Fabian
    025

    „Walters Willage Voice“ :-)

    Antworten
  26. 24. April 2007, 14:11 Uhr, von Cate
    026

    Die Regeln sollten nicht umgeschrieben, sondern entfernt werden. Wenn man sie den Frauen „zuliebe“ umschreibt, dann ändert das nichts an den Verhältnissen, finde ich. Wenn eine Frau in Zukunft die Previlegien und Beachtungen der Männer bekommt, weil Regeln umgeschrieben wurden, dann bleibt der Unterschied trotzdem bestehen. Eigentlich sollte sich eher der Focus ändern. Stellt sich nur die Frage, ob sich Wahrnehmungen auch mitverändern können, damit der Focus ein anderer wird. Daran bleibt das ganze Vorhaben schließlich hängen: Sind Frauen nun ganz anders als Männer, so dass der Blickwinkel sich automatisch entsprechend ändern muss, wenn unterschiedliche Geschlechter agieren? Das ist doch irgendwie das Dilemma. Wir Frauen wollen ja garnicht wie Männer sein/werden. Wir wollen nur bitteschön auch die gleichen Möglichkeiten bekommen. Die bekommen wir, wenn der Focus vom Geschlecht ablässt, doch dann müssen wir uns trotzdem irgendwie als „neu“ eingliedern. Das ist ja der zweite Anspruch, den wir mit Recht haben. Wir wollen also auch Präsidentin oder Bundeskanzlerin werden können, ohne dass man uns dann zärtlich nachsagt, wir seien ja auch ganz klug oder wir täten unser Bestes. Eigentlich hat es mit Berührungsängsten zu tun, die man nur abbauen kann, wenn man dauerhaft präsent ist. Präsenz kann aber nur vorhanden sein, wenn uns die Chance dazu geboten wird und zwar unvoreingenommen. Nur diese Chance kriegen wir nicht, solange die Vorurteile herrschen. Ein kreisförmiges Dilemma. Die alleseintscheidende Frage ist doch: Wo versuchen wir diesen Kreis aufzubrechen? An welcher Stelle setzen wir an?

    Antworten
  27. 24. April 2007, 15:26 Uhr, von Walter
    027

    Braucht unser Zusammenleben nicht Regeln, geschriebene und ungeschriebene, Cate? Es geht sicher nicht darum, für Frauen eine Nische in den Regeln von und für Männer einzubauen, sondern Regeln zu definieren, die nicht trennen, urteilen und werten. Die aber auch Eigenart und Verschiedenheit anerkennen und schätzen. ‚Einigkeit in Vielfalt‘ zum Beispiel. Einigkeit nicht über Details, sondern das Wesentliche: Selbstbestimmung als Voraussetzung für Freiheit, Wertschätzung und Respekt für jeden Menschen.
    In diesem Zusammenhang lesenswert- schon wieder in Emma- ist die Selbstbeschreibung eines alten Menschen von Benoîte Groult, ‚Ich, die alte Schachtel‘ über ihr Buch, das auf Französisch so viel schöner klingt- ‘La Touche étoile’.
    Die meisten von uns werden mal alt. Es ist nicht egal, wie wir jetzt und dann miteinander umgehen.
    Und noch eine Frage in der Rückerinnerung an die Kanzlerkandidatur Angela Merkels vor 1 1/2 Jahren: Sind wir eigentlich weiter, was das Selbstverständnis und die Selbstverständlichkeit weiblichen Politikstils angeht? Oder ist Angela Merkel ein Sonderfall und ihr Beispiel nicht übertragbar? Vielleicht wird die Reihe breaking glass ja im Wintersemester fortgesetzt, auch mit ihr?

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  28. 24. April 2007, 15:58 Uhr, von Anja
    028

    Ein guter Ansatz wäre schon mal tolerant und respektvoll miteinander umzugehen. Egal welcher Herkunft, Geschlecht, Lebenseinstellung, Lebensplanung, Erziehung oder Bildung. Momentan focusiert sich zwar alles auf die Frauen- bzw. Geschlechterrolle, ich fürchte aber, dass die aktuellen Diskussionen und Beispiele ein wenig an der Realität vorbeigehen. Wer macht sich stark für die Durchschnittsfrau und Mutter, ohne Karriereambitionen oder Voraussetzungen. Mehr und mehr gewinnt man den Eindruck, es gibt nur noch die Supermutter, die quasi nur auf den Ganztagskindergartenplatz wartet, um sich endlich in ihrem Job zu werwirklichen. (oder Kanzlerin oder Familienministerin werden will) Da frage ich mich doch, wie kommt das bei den Frauen an, die sich ganz bewußt für die Familie, die Arbeit in der Familie entschieden haben?!
    Natürlich sollte jeder/jede die Möglichkeit haben sich bewußt und selbstbewußt für sein eigenes Lebensmodell zu entscheiden, das sollte dann aber auch von der Gesellschaft akzeptiert und anerkannt werden. Nicht nur finanziell.
    Auf der anderen Seite sollte man die „Kinderlosen“ nun nicht alleine für den Zusammenbruch der Sozial- und Rentensysteme verantwortlich machen, wie das zur Zeit geschieht.
    Ich habe zwar keine Kinder, bin aber in einer Großfamilie aufgewachsen und habe mittlerweile mehr als 10 Nichten und Neffen. Und natürlich bin ich ein Teil dieser großen Familie. Nicht nur, dass ich jeden Spielplatz, Zoo, Kindergarten und jede Notaufnahme in der Umgebung kenne oder Bücher, Felixe und Lillifees anschleppe, bin ich auch eine soziale und manchmal auch finanzielle Stütze. Ganz selbstverständlich und leidenschaftlich. Und ohne geforderte Sonderabgabe!
    Also, keine Regeln für die Frauen verändern, sondern jede so respektieren wie sie ist oder sein will, von mir aus als Schöne, Sachliche, Karrierebewusste, Single oder auch Hausfrau.

    Antworten
  29. 24. April 2007, 16:17 Uhr, von Walter
    029

    Wir können Frauen für sich betrachten, als eigene Spezies und unter ihnen- Euch- Gleichheit, Respekt einfordern. Die Frage nach der Selbstverständlichkeit in der Politik geht darüber hinaus, denn es sind die ‚männlichen Regeln‘, an denen auch Frauen immer noch häufig gemessen werden und sich auch selbst messen, das heißt, diese Regeln für sich annehmen, weil es noch keine allgemein anerkannte Regeln der Gleichheit gibt. Auch die Gesetzgebung ist ja nur ein provisorisches, vielleicht doch gelegentlich notwendiges Vehikel um Chancengleichheit zu erreichen.
    Ich finde, Frauen können und sollten diese Regeln der Gerechtigkeit und Chancengleichheit bei uns Männern einfordern, ihren Partnern, Vätern, Söhnen, Brüdern…Möglichst bald. Die Zeit ist reif.

    Antworten
  30. 24. April 2007, 19:11 Uhr, von Janna
    030

    gestern sah ich einen Ausschnitt bei Beckmann (ja, mir war langweilig!), in dem sich eine weitere „Vertreterin der modernen Frauengeneration“ zu Wort meldete. Silvana Koch-Mehrin, die mir gegen meinen inneren Willen durchaus sympathisch erschien und einige vernünftige Dinge sagte, obwohl sie immer was von einer „Über-Frau“ an sich hat, quasi die Superwoman der FDP.
    Nur mit ihrem neuen Buchtitel „Schwestern- Streitschrift für einen neuen Feminismus“ habe ich so meine Probleme. Ich möchte keinen neuen Feminismus, ich wäre schon mit alter Gleichberechtigung zufrieden. Und der Wunsch nach Ausbau von Kinderbetreuungsstätten erscheint mir auch nicht besonders feministisch, er sollte ja nicht speziell der Frau, sondern allen Familienmitgliedern zugute kommen.

    Antworten
  31. 24. April 2007, 20:39 Uhr, von Ute
    031

    @Walter:
    Wow, Du warst auch in St. Gallen!
    Klasse, ich war auch und kann Deine Worte nur bestätigen: Es hat sich voll rentiert, in die Veranstaltung mit Anne Will zu gehen!
    Bin extra nur deswegen auch 350km mit dem Zug getuckelt, Kollegen bestochen, mich zu vertreten…, hat sich alles rentiert!
    Zitat aus dem Vortrag: „… was soll der Geiz…“ :-))

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  32. 25. April 2007, 8:07 Uhr, von Walter
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    Männer neigen in der Politik wie im richtigen Leben eher zum Abstrakten, zur großen Linie, zum Masterplan und übersehen dabei das Naheliegende, die Aufgaben vor ihrer Haustür. Frauen nehmen tendenziell- nicht alle, nicht immer- die Menschen um sie herum intensiver war, haben meist die empfindlicheren ‚Antennen‘, zweifeln deswegen auch häufiger, sind unentschlossen. Durchsetzungswillige Männer rechnen mit dieser vermeintlichen Zögerlichkeit und nutzen sie strategisch aus. Edmund Stoiber nahm Angela Merkel am 11. Januar 2002 beim Frühstück die Kanzlerkandidatur ab, was für sie wohl nicht nur Nachteile hatte. Das ist nämlich die andere Seite: trotz strategischer Niederlagen im direkten Zweikampf bei der Sache zu bleiben, nicht locker zu lassen, um schließlich doch zu gewinnen. Frauen haben nicht selten den längeren Atem, brauchen ihn aber auch.
    Zwei Fragen. Warum sind Frauen nicht so gut im Kämpfen- nicht immer, manchmal- und wie sind die Regeln solcher Kämpfe definiert? Sind es nicht die gleichen Regeln, die in der Kindheit eingeübt sind, beim Streit, Auseinandersetzungen? Wie gehen Frauen mit ihrer Aggressivität um, wie Männer? Das Testosteron als einziges Motiv zu bemühen greift wohl zu kurz, der wesentliche Unterschied liegt eher im sozialen Lernen während der Kindheit. Würde es nicht schon helfen, sich dies bewusst zu machen, um damit auch im Streit besser umgehen zu können? Hier liegen Ansätze für einen ‚praktischen Feminismus‘, der mehrt bringt als schöne Worte und schwesterliche Solidarität.

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  33. 25. April 2007, 8:26 Uhr, von Walter
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    Regieren mit Frohsinn und Leidenschaft‚- dieses Prinzip stammt ziemlich sicher nicht von einem Mann.

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  34. 25. April 2007, 9:22 Uhr, von Nora
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    @ Walter

    Eine Frage, die mich interessiert. Ist Ihre Tochter von sich aus mit nach St. Gallen gefahren oder war es Ihre Idee, weil Sie Frau Will (Meckel) schätzen und die beiden für gute Vorbilder halten?

    Anders fomuliert: Wäre Sie mit Ihrer Tochter auch hingefahren, wenn sie die Referentin (den Referenten) nur durch seinen Lebenslauf (und bildliche Vorstellung) kennen würden?

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  35. 25. April 2007, 10:55 Uhr, von Walter
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    @Nora: Nein. Unser entscheidendes Motiv war schon die Neugier und ein bei uns beiden vorhandenes Interesse an der Meinung und den Gedanken von Anne Will. Das hat seine Geschichte im Sommer und Herbst 2005, auch hier im Blog. Ich habe damals mit Lea und den anderen in unserer Familie darüber gesprochen, auch unter dem Aspekt einer Vorbild- oder Orientierungsfunktion, da sich schon im letzten Winter und Frühjahr abzeichnete, dass sie sich auf ihrer Schule nicht mehr so wohl fühlte und von einigen Lehrern objektiv ungerecht behandelt wurde. Mit dem jetzigen Schuljahr ab Herbst 2006 wurde das Problem akut, ging mit einer Selbstwertkrise und Zukunftsängsten zusammen. Ich habe den Eindruck, dass Jugendliche in der Pubertät es heute nicht leichter haben, sich einen Platz in unserer Gesellschaft für die Zukunft vorzustellen und dass Mädchen tendenziell anders reagieren und leiden als Jungs. In der Folge begaben wir alle uns noch stärker auf die Suche nach Alternativen und ‚Vorbildern‘, zu denen neben anderen auch Anne Will gehört, die übrigens als eine der wenigen von allen in unserer Familie geschätzt wird. Mittlerweile hat sich Lea an einem Internat angemeldet und dort als eine der Besten die Aufnahmeprüfung bestanden- da darf ich ja mal stolz sein- Lea ist dabei sich von ihrer Schule zu emanzipieren, hat über das Internet Kontakt zu einigen Mädchen und wenigen Jungs an ihrer zukünftigen Schule und hat meine Frage, ob wir nach St. Gallen fahren und uns Anne Will anhören sollten mit Begeisterung angenommen. Gern mitgefahren wären auch meine Frau, unsere ältere Tochter und die Freundin unseres jüngeren Sohnes. Die konnten leider nicht wegen dringender Verpflichtungen an Arbeitsplatz Universität und wegen Abiturs. Aus Sympathie und Interesse ist lediglich noch unser 20- jähriger mitgefahren, sozusagen auch im Auftrag seiner Freundin.
    Ich habe unsere Situation etwas ausführlicher dargestellt, weil ich wahrnehme, dass ähnliche Krisensituationen in diesem Alter keine Ausnahme, sondern die Regel sind und dass Mädchen Kompensationsmechanismen, also Bestätigungen in der Außenwelt eher fehlen und sie sich dann zum Beispiel vermehrt über Leistung definieren. Das ist zwar für Eltern und Lehrer erstmal gut, aber das dicke Ende kommt oft später…
    Und auch hier kann Anne Will als Vorbild gelten, da sie ja selbst mit 15, 16 in einer ähnlichen Situation war, darüber redet- nicht nur für sich- und einen Weg aus dieser Krise herausgefunden hat, den sie als ihren persönlichen Masterplan bezeichnet.
    Auch daher finde ich Miriam Meckels Veranstaltungsreihe in St. Gallen ausgezeichnet, wobei gezielt auch jüngere Mädchen (15 bis 20) angesprochen werden könnten, denn für die 40- und 50- jährigen, die neben erfreulich vielen Studenten den Hörsaal bevölkerten, kam das Thema etwas zu spät. Dennoch kann auch unsere Altersgruppe noch etwas lernen und sei es, uns der Problematik bewusst zu werden und uns zu fragen, wie etwas zu ändern ist. Und genau das ist ja auch das Thema jetzt.

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  36. 25. April 2007, 11:03 Uhr, von Walter
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    PS: Besonders interessieren würden mich noch die Vorträge von Katharine Le Thierry und Prof. Dr. Juliane Kokott. – Doch für die beiden bekomme ich wohl keine Mehrheit zusammen. Für Angela Merkel kämen wir alle.

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  37. 25. April 2007, 13:41 Uhr, von theresa
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    Ich denke Anja’s letzte Sätze sind eine hervorragende Quintessenz – es geht um Respekt.
    Respekt für jedes Individuum, v.a. (und das scheint das neue zu sein ;) für jede Frau – also ein Recht auf ein selbstverwirklichtes, selbstbestimmes Leben.

    Mir wurde nie direkt indoktriniert, dass es de facto keine Gleichberechtigung gibt – das erfährt man z.T. durch die Medien, durch seine Umgebung.
    Daher hoffe ich, dass meine und die nachfolgenden Generationen sich in zweifacher Hinsicht emanzipieren;
    einmal von dem Gedanken, dass Männer auf Teufel komm raus eine Gesellschaft dominieren müssen und zweitens, dass Frauen endlich so leben wie sie möchten. Ich denke gar nicht so viel über das ‚glass breaking‘ nach; (glass breaking in daily life, wohlgemerkt;) – ich mach’s (anscheinend) einfach.

    Ich kann ganz gut nachvollziehen, was Walter über Orientierungslosigkeit und fehlende weibliche Vorbilder schreibt;
    (bin schließlich selbst in so einer Phase) –
    aber es ist nicht zwangsläufig hilfreich, wenn Eltern ‚mit Suchen‘. Mein Vater wollte mir mal sein Metier, die Physik, schmackhaft machen.
    Konkret waren das dann Aktionen wie ein Besuch beim leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger in Hamburg etc. Furchtbar!
    (also cate, wer weiß, wo es dich hinverschlagen hätte ;) )
    Ich persönlich suche & ’schnuppere‘ ganz gerne selbst – und treffe hoffentlich später eine fundierte Entscheidung.

    Ach ja: Müssen die Vorbilder denn unbedingt weiblich sein?
    Geht es nicht auch um die Leistung + Inhalt?
    Wenn ich als Frau ein männliches Vorbild habe, reizt es mich dann nicht zusätzlich auf den Spuren meines Vorbildes zu wandeln?

    Im Übrigen: Was sind Vorbilder? Pioniere, Projektionen? Ich glaube, dass es gar nicht von Vorteil ist, sich auf ein Vorbild zu fixieren – was ist denn dann das Ziel? Ein Abzieh-Bild zu werden? (Scheitert meist und ist evtl. frustrierend…)

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  38. 25. April 2007, 15:49 Uhr, von Walter
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    Ich glaube die meisten Männer sehen das mit den Vorbildern nicht so kompliziert.
    – Schon wieder ein Unterschied…
    Miriam Meckel meinte nach einer Studie der Universität von Columbia- da waren sich beide nicht so ganz sicher, Hauptsache USA- würden Männer bei einer attraktiven Nachrichtensprecherin in den ersten 40 Sekunden rein gar nichts von dem mitbekommen, was sie sagt, vor lauter glotzen. Sie schlug dann vor, in den ersten 40 Sekunden ein schwarzes Bild zu senden. Soviel zum Thema zweites Geschlecht.
    Zugegeben ich habe auch gelacht, aber es war wohl ernst gemeint, ebenso wie das mit der Antifaltencreme (?)

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  39. 25. April 2007, 20:09 Uhr, von Walter
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    Die Schöne und die Sachliche: Während Angela Merkel bei ihrem Wahlkampf Themen setzte und auch vor neuen Ideen wie einer radikalen Steuerreform nicht zurückschreckte -wobei ihr der Professor aus Heidelberg dann leider abhanden kam, abgesägt von den Strategen der eigenen Partei- aber ihr Frau- sein in den Hintergrund stellte, versucht es Ségolène Royal jetzt gerade umgekehrt: ‚Die Zeit der Frauen ist gekommen‘, aber es fehlt an einem eindeutigen linken politischen Profil, programmatischer Aussage, einem klaren Plan.
    Ségolène Royal wird das wohl wissen, die Kunst des Lächelns ist ihr vertraut, die des Schweigens wohl weniger, dafür ist sie schon zu oft ins Fettnäpfchen getreten, wenn sie sich partout berufen fühlte, über Dinge zu reden, von denen sie keine Ahnung hatte. Da geht es dann wohl mit ihr durch, das Charisma.
    Sie wirkt anders als unsere Kanzlerin gleichzeitig strahlend, stahlhart und stark.- bei Angela Merkel erscheinen diese Eigenschaften zunehmend häufig, aber einzeln, gepaart mit einem verschmitzten Lächeln, einem nachdenklichen Blick oder einem relativierenden Wort, denn sie will ja nicht immer schweigen. Madame Royal fehlt in meiner Wahrnehmung in kritischen Situationen die Nachdenklichkeit und Vorsicht, die ihre Landsleute und potentiellen Wähler sogar noch an Jacques Chirac entdecken konnten. Ich finde, sie könnte durchaus etwas von Angela Merkel lernen- es bleibt ja noch etwas Zeit.
    Das Angebot an François Bayrou im Rahmen ihrer Sendezeit mit ihr zu debattieren liegt seit heute vor. Dieser möchte aber eine dritte Kraft, eine Partei der Mitte gründen, die es traditionell in Frankreich bisher nicht gibt. Es bleibt sehr spannend.
    Ich würde mir wünschen, dass die Ehrlichkeit der beiden Kandidaten einmal zum Wahlkampfthema wird.

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  40. 25. April 2007, 21:01 Uhr, von Cate
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    @Walter: Deine Einschätzung der Unterschiede von Frauen und Männern in der Politik habe ich anders erlebt, allerdings im Handwerk. ;o) Das Naheliegende war da eher Männersache, oft in Form von bloßem Zupacken oder Drauflossägen, Draufrumschlagen oder gleich mal den großen Turboschleifer Anschmeißen. Mein Chef schätzte daher Frauen sehr. Er selbst war auch eher ein Tüftler und Theoretiker. Der Umgang mit den gängigen physikalischen Gesetzen war ihm nicht fremd und mir auch nicht und seiner Meinung nach den wenigsten Frauen im Handwerk, offensichtlich im Gegensatz zu den Männern… Boah, was hab ich schon für Bandscheiben bemitleidet! :o(
    @Theresa (und noch @Walter als Entschuldigung für meine zynischen Bemerkungen zum St. Gallen-Ausflug): Meine Eltern sind keine Akademiker. Sie sind daher wohl auch eher pragmatisch ausgerichtet, wenn es um Orientierungshilfen für unsere Ziele und Interessen geht. Nicht, dass es immer hieß: „Malochen gehn und Jeld verdienen.“ Nein, so pragmatisch nun auch wieder nicht. ;o) Aber ihnen ging es eher immer darum, dass es uns (meiner Schwester und mir) einfach gut geht. Sie scheinen selbst nicht so genau gewusst zu haben, welchen konkreten Weg wir dann gehen könnten. Es war ihnen natürlich nicht egal. Aber vielleicht fehlte ihnen so ein bißchen der gedankliche Anschluss an das, was heute möglich ist. Das klingt etwas nach weltfremden Blödianen und das wollte ich auf gar keine Fall sagen! :o/ Es ist eben nur so, dass meine Eltern sich ganz bestimmt nicht mit den Dingen auseinandersetzen und auseinandergesetzt haben, mit denen du, Walter, beispielsweise wohl eher zu tun hast. Oder besser noch: Sie betrachten das ganze aus einer anderen Perspektive. Das muss überhaupt gar nichts mit dem Beruf oder der Position zu tun haben. Meine Mutter hat Karriere bei einer Bank gemacht (das geht wohl auch mal ohne akademischen Grad – naja, bis zu einem bestimmten Punkt zumindest), bewegt sich in Chefetagen und Gremien, hat sogar eine ganze Abteilung konzeptioniert und leitet diese. (Will auch mal stolz sein!;o) Nur komischerweise kenne ich sie so eigentlich gar nicht. Berufliche Telefonate, die sie zuhause bei meinem Beisein führte, führte sie als mir fremde Person. Vielleicht sind wir eine Familie von Menschen, die ihre beruflichen und privaten Leben trennen. Vielleicht empfinden wir Berufliches in zwischenmenschlichen Dingen als störend. Wir sind eine Familie aus drei Frauen und einem Mann, der sicher auch seine weiblichen Seiten hat ;o). Daher glaube ich, dass das vielleicht eine weibliche Eigenschaft ist: Sich nicht volkommen über das Berufliche zu definieren und dort auch keine Erfüllung bis ins Private zu suchen, quasi bis in die vollkommene Identität hinein. Ist das vielleicht eine Erklärung dafür, warum Frauen weniger verbissen (ob nun negativ oder positiv gesehen) in der Berufwelt agieren und eher zum Naheliegenden tendieren? Vielleicht auch verantwortungsbeswusster sind? Ihre Aufgabe mehr als soziale Leistung denn als Selbstverwirklichung sehen? Da kann ich auch mal Anne Will zitieren, die meinte, dass Männer in Interviews oft nur mit eigenem Wissen protzen wollen, anstatt ernsthaft neugierig und somit auch im Sinne der Leser oder Zuhörer/bzw.-schauer nachzufragen. Das sähe sie eher bei Frauen…
    So, dieser Exkurs ist echt privat ausgefallen. ;o) Ob das so gut ist… ;o)

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