MM_Japanische-Lebensweisheit
Zu den Kommentaren
2. Juni 2007, 12:24 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Zu Risiken und Nebenwirkungen …

Medien wirken – davon gehen wir doch mal aus. Die Forschung weiß das bis heute nicht so genau. Schauen wir Jahrzehnte zurück, lernen wir, dass die Wissenschaft erst das eine beweisen zu können glaubt und dann dessen Gegenteil. Von der These der starken Medienwirkungen (Was machen Medien mit Menschen?) über die These der schwachen Medienwirkungen (Was machen Menschen mit Medien?) bis zu Mischformen, die immer gut kommen. Nach dem Motto: Die Wahrheit liegt meist in der Mitte.

Bei Weblogs erleben wir gerade wieder dieselbe Diskussion. Wirken diese neuen Online-Tagebücher und was machen die Menschen damit? Verändern sie unsere Kommunikation und verändern sie unsere Medienlandschaft? Es ist wenig erstaunlich, dass gerade die traditionellen Medien immer besonders schnell bei der Sache sind, wenn es zu behaupten gilt, Blogs hätten kaum Einfluss und Wirkung.

Ein aktuelles Beispiel zeigt etwas anderes: Am 16. Mai postete der Blog Engadget eine Mitteilung, die vermeintlich von Apple kam und über eine Verzögerung bei der Auslieferung des allseits mit Spannung erwarteten iPhone informierte. Nur sieben Minuten später brach der Aktienkurs von Apple spontan um drei Prozent ein (von 107.89 auf 104.63 US$).

Na, das ist doch mal eine Wirkung! Es hat sich herausgestellt, dass die angeblich interne Apple-Email ein Fake war. Und der Kurs hat sich schnell erholt. Dennoch: Dass eine Mail zu einem Produkt eine solche Wirkung zeitigen kann, sagt nicht nur viel über die Erwartungen, die dem iPhone entgegengebracht werden. Es sagt auch etwas über die Diffusionsformen und -geschwindigkeiten von Nachrichten in der Blogosphäre und die Risiken, die damit z.B. für Unternehmen verbunden sind. Schließlich sagt es etwas über die Wirkungen, die sie zeitigen können – auch wenn es manchmal Nebenwirkungen sind.

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43 Reaktionen

  1. 2. Juni 2007, 14:38 Uhr, von sara
    01

    In einigen Jahren werden sich die Bloggs vervielfachen. Dadurch wird es einen weltweiten Austausch aller Informationen geben.
    Das ist die Globalisierung von Meinungen und Anschauung. Schon jetzt kann man aufgrund von Bloggern die Mobilfunknummer eines Dschungelführers in Sumatra ausfinding machen. Das kann sehr hilfreich sein! Und lässt mich fragen: Gibt es ein anderes Medium als das Internet und insbesondere Bloggs, die weltweit diesen Freiheitsgrad erreichen? Mir fällt keins ein. Das ist das Alleinstellungsmerkmal, dass sich durchsetzen wird.
    Allerdings;bei dieser umfangreichen Informationsmöglichkeit, ist die informationelle Selbstbestimmung umso wichtiger und das strikte Verbot, dass der Staat, Arbeitgeber oder dritte Personen, persönliche Daten speichern oder verarbeiten. Denn sobald das geschieht, hilft meines Erachtens kein bloggen mehr.

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  2. 2. Juni 2007, 15:01 Uhr, von Fabian
    02

    Jim Jarvis meint dazu in seinem Blog Buzzmachine: „Welcome to the age of customer control. This isn’t just crowdsourcing. This is crowdmanaging. Companies still fear this. But, hell, if even Dell can lean back and let its customers begin to take charge, anyone can.“

    Ein weiteres Beispiel (ähnlich wie das von Apple) ist ja das songenannte „Dell-Hell“, das bei Jarvis seinen Ausgangspunkt hatte.

    Interessant ja auch letztens diese Geschichte mit der gelöschten Kritik an Kai Diekmann vom Redakteur der Welt Alan Posener – das habe ich auch als nur in Blogs gefunden …

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  3. 2. Juni 2007, 15:02 Uhr, von Fabian
    03

    Link dazu: Nachricht „>“Unobsessive Welt“ – gefunden bei der indiskreten Ehrensache.

    Antworten
  4. 2. Juni 2007, 15:03 Uhr, von Fabian
    04

    Mist, im HTML-war ein Fehler: hier

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  5. 2. Juni 2007, 18:55 Uhr, von Tiffy
    05

    Dann haben wir also belegt, dass Blogs eine – sogar deutliche – Auswirkung haben. Aber für mich bleibt die Frage bestehen: können sie wirklich „Kontrapunkte zu den traditionellen Medien“ darstellen? Ich denke, das Beispiel zeigt eher, dass sie es nicht können. Wie ist es denn mit Klasse statt Masse? Wie ist es mit Glaubwürdigkeit, werden solche Aktionen wie die oben beschriebene auf Dauer nicht sogar zu einer Stärkung der traditionellen Medien führen?
    So lange nicht eine breite Masse der Bevölkerung mit einem gewissen Maß an Medienkompetenz ausgestattet ist, sehe ich viele Internetinformationsquellen eher als gefährlich an, denn als aufklärerisch.

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  6. 2. Juni 2007, 23:29 Uhr, von Cate
    06

    Der „Einfluss“ eines Blogs wird jetzt wohl erstmal zum neuen „Wer hat den Längsten?“-Kriterium der Blogosphäre. Audience Size ist out, Influence Size ist in. Hier kann man schonmal abchecken, wieviel Einfluss das eigene Blog hat. Ausschlaggebend ist hierbei wohl der Traffic out-Grad, im Gegensatz zur ursprünglichen Traffic In-Messlatte. Aber irgendwie hat das was von Kindergarten…

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  7. 2. Juni 2007, 23:32 Uhr, von Cate
    07

    Los, Frau Professorin, bauen sie sich den „MY INFLUENCE!“-Icon in Ihren Blog mit ein! Aber Sie sind ja kein Mann…

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  8. 3. Juni 2007, 0:12 Uhr, von Aron
    08

    Die erste Pishing Email wurde auch noch ernst genommen, die erste Spam vermutlich für eine freundlich Email eines Menschen gehalten…. Am Anfang mögen solche Fakes viell. noch so wirken wie jetzt… je häufiger sie werden, desto weniger Beachtung wird man ihnen schenken. Auch unter der Bloggern wird es irgendwann oder gibt es teilweise schon jetzt „Die Zeit“ und „Die Bild“ und „das Käseblatt von nebenan“ geben und je nachdem WER so eine Nachricht streut, wird man ihr Bedeutung zukommen lassen oder nicht. In den meisten Fällen wird einfach nix passieren…
    Dass mit den Blogs ein neues Medium enstanden ist, ist keine Frage. Aber auch hier ist nicht jeder in der Position, dass seine Fake-Postings den Börsenkurs beeinflussen können. Und ich wette, der Trend geht eher dahin, dass kein Hahn danach schreit, was der Otto-Normal-Mensch so bloggt. Ich vage mal zu sagen, Blogs sind eine nette Sachen, ein schönes, spannendes, schnelllebiges neues Medium, aber sie sind teilweise auch überschätzt und definitiv nicht 1:1 vergleichbar mit herkömmlichen Fernsehen, Radio und Printmedien.

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  9. 3. Juni 2007, 1:11 Uhr, von Na ich
    09

    Die „Nebenwirkungen“ von Blogs erlebte der Bayerischer Journalisten-Verband (BJV) am eigenen Leibe… als ein externer Block einen Angriff auf den BJV startete. Der Pressemensch des BJV, Herr von Schmettow, bestätigt im Interview die Aus-Wirkung der Blogs auf die klassichen Medien: „Eine Eskalation in unserem Falle wäre gewesen, wenn der Verbreitungsgrad des Blogs über unseren Mitgliedschaft hinausgegangen wäre. Wenn es in die Öffentlichkeit, in die klassischen Medien gekommen wäre. (…).“ Und das vom Verband…

    Um die Glaubwürdigkeit in Blogs zur erhöhen, plante Herr von Schmettow bereits letztes Jahr, die Diskussion um die Einführung eines Ehrenkodex für Blogger in Deutschland anzuregen (Interview http://www.corporate-blog.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=32&Itemid=9 vom 26.01.06 mit Corporate-blog.ch).

    Wie steht es denn um diese Diskussion zu einem Ehrenkodex? Wird nur diskutiert oder auch gehandelt? Und wenn es denn einen Ehrenkodex gibt, können wir sicher sein, dass derjenige, der von sich behauptet, sich daran zu halten, dieses auch tatsächlich tut? Kann der Leser dann sofort – ohne weitere Recherche, ohne weiteres Abwarten, den Informationen trauen, dem Schreibenden vertrauen? Ich denke nein. Denn was Herr Shakespeare bereits über die (reale) Welt schon gesagt hat, stimmt auch für die virtuelle Welt:

    All the world’s a stage,
    And all the men and women merely players;
    They have their exits and their entrances,
    And one man in his time plays many parts

    Auch die virtuelle Welt wird von Menschen gemacht, die eine Rolle einnehmen. Hier jedoch haben sie doch die Möglichkeit, eine Rolle zu wählen, die ihnen – ungeachtet eines mittelbaren sozialen Drucks/Regelwerkes im Moment des Schreibens am besten gefällt (zu Identitäten im Netz war ja Sherry Turkle mal ganz nett zu lesen http://web.mit.edu/sturkle/www/Life-on-the-Screen.html oder auch Elizabeth Albrycht http://ringblog.typepad.com/corporatepr/2006/05/thinking_about_.html)

    Die „Blogstudie 2007“ der Uni Leipzig http://www.blogstudie2007.de/inc/blogstudie2007_ergebnisbericht.pdf liefert übrigends auch Ergebnisse zu Aspekten wie Glaubwürdigkeit, Einfluss auf die öffentliche Meinung, Gründe für die Blognutzung, etc. Leider wurden „nur“ >>heavy user

    Antworten
  10. 3. Juni 2007, 1:12 Uhr, von Na ich
    010

    oha, zu wenig Platz….

    also, die Zweite:

    Die „Blogstudie 2007“ der Uni Leipzig http://www.blogstudie2007.de/inc/blogstudie2007_ergebnisbericht.pdf liefert übrigends auch Ergebnisse zu Aspekten wie Glaubwürdigkeit, Einfluss auf die öffentliche Meinung, Gründe für die Blognutzung, etc. Leider wurden „nur“ >>heavy user

    Antworten
  11. 3. Juni 2007, 8:38 Uhr, von Fabian
    011

    Ich bin überzeugt, dass Blogs bzw. das „Mitmachnetz“ die Medienlandschaft langfristig umpfügen werden. Ich persönlich finde derzeit so manches Blog unterhaltsamer als das Fernsehprogramm. Fernsehen gucke ich ohnehin kaum noch, dagegen sind einige Blogs wirklich spannend, eben weil sie so vielfältig sind.

    Interessant dazu ist die Zusammenfassung 10 Jahre ARD/ZDF Online-Studie (.pdf):

    95 % der 14-19jährigen sind Internet-Nutzer. Die Nutzung multimedialer Anwendungen verschiebt sich langsam aber sicher ins Netz – wobei alles natürlich selektiver wird.

    Zum Interesse an der Möglichkeit, aktiv Beiträge zu verfassen und ins Netz zu stellen sagt die Studie auf S. 18 etwas: Das Interesse ist bei den 20-29jährigen mit 15% Prozent am höchsten, gefolgt von den 14-19jährigen mit 14 % – von Hype kann also keine Rede sein.

    Weblogs werden am meisten von den 14-19jährigen genutzt 11%, Fotogalerien mit jeweils 20% am meisten in den Altersgruppen 14-19jährige und 20-29jährige.

    @ Tiffy: Weblogs sind m.E. sehr stark abhängig von den Personen, die sie betreiben. Ein Weblog von Hans Leyendecker wäre sicherlich spannend, einer von Tom Kummer kritisch – will sagen: Ist der Weblogbetreiber glauwürdig, ist auch sein Blog glauwürdig und kann ebenso Orientierung und Informationsgehalt bieten wie ein klassisches Medium. Man muss nur erstmal in der Masse die richtigen Weblogs für sich finden.

    Antworten
  12. 3. Juni 2007, 19:31 Uhr, von Cate
    012

    @Tiffy:
    Scott Karp stellt fest, dass Journalisten traditioneller Printmedien die Chance ergreifen sollten, in der Blogosphäre selbst für journalistische Standards zu sorgen, anstatt aus der Ferne zu meckern. Gute Idee, finde ich!

    Antworten
  13. 4. Juni 2007, 9:29 Uhr, von Elli
    013

    @Aron
    Ich glaube du hast prinzipiell recht. Nicht jeder Blog hat den gleichen Einfluss und wird einen Börsenkurs verändern können. Aber gerade diese online „Käseblätter“ sind trotzdem nicht zu unterschätzen. Gerüchte lassen sich über`s Internet sehr schnell verbreiten ohne „gegengeprüft“ zu werden. Solcher „Klatsch“ birgt immer die Gefahr irgentwann auch in anderen Medien wie dem Fernsehen oder Zeitungen herausgekramt zu werden, wenn die Person, die der Klatsch betrifft, gerade mehr im Blickpunkt steht. Und dann kann so ein unbedachter Kommentar schnell eine Lawine ins Rollen bringen.

    Antworten
  14. 4. Juni 2007, 10:49 Uhr, von Cate
    014

    Aber der Umstand, dass immer wieder „Unfug“ von bestimmten Medien oder eben auch Börsenkreisen aufgeschnappt wird, liegt doch nicht am Unfug selbst oder an denen, die ihn produzieren. Wer heute noch durch´s leben geht und denkt, dass ein Wort was zählt, der muss ja ziemlich viel Heidi geguckt haben. Aber vielleicht brauchen viele Medien und Informationskreise diesen Unfug, denn mit knallhart recherchierten und eindeutig bewiesenen Fakten arbeiten ja alle… Da wird sich immer immer eine Quelle finden lassen. Mommentan ist das Internet eben sehr reizvoll. Aber das wird sich wohl auch relativieren (siehe Aron). Um den Unfug auf Dauer zu unterbinden, hat es ein Zweck, nur seine Quellen zu beseitigen. Und wieder einen Bogen gespannt zu meinem vergangenen Kommentar aus dem letzten Posting: Wenn sich das Bewusstsein der Informierten verändert, dann verändert sich auch die Qualität der Information. Nur dann und sonst nicht. Den Anspruch, den ein Informant, sprich Journalist Blogger, etc, an sich und sein Medium hat, den könnte er sich sonstwohin stecken, wenn der nicht mit dem seiner Abnehmer konform geht. Ich glaube leider daran, dass Menschen auch nur das wissen wollen, was sie eben wissen wollen. Wenn sie nur wissen wollen, wieviele Demontranten verhaftet und wieviele Polizisten verletzt wurden, dann werden sie auch nur das wissen wollen! Da kann man ihnen dann noch tausend akribisch recherchierte Fakten liefern, man kann ihnen das ganze Programm vorsetzen: Globalisierung, Klimaschutz, wirtschaftliche Subventionen, Verfassungsschutz… Das einzige, was vielleicht noch ankommt ist: Die Globalisierung ist doof und macht alles kaputt. Die Regierung ist schuld. Und das Klima geht kaputt. Bush macht wenigstens was…
    Das ist ein Trugschluss, dass die gute Wahrheit immer die erste Wahl sein wird.

    Antworten
  15. 4. Juni 2007, 10:56 Uhr, von Tiffy
    015

    @ Cate: gute Idee, leider bin ich keine Journalistin, sondern arbeite in der Schule und bekomme täglich mit, was für haarsträubende „Weisheiten“ besagte Gruppe der 14-19-jährigen („Weblogs werden am meisten von den 14-19jährigen genutzt“) aus dem Netz ziehen. Daher meine Bedenken!

    Antworten
  16. 4. Juni 2007, 11:00 Uhr, von Tiffy
    016

    … die Anmerkung bezieht sich auf den Kommentar vom 3. Juni.

    Antworten
  17. 4. Juni 2007, 11:54 Uhr, von Janna
    017

    bin sonst kein Freund von Utopien, aber manchmal stelle ich mir vor was wohl passieren würde, wenn durch irgendeinen Defekt weltweit alle Server lahmgelegt werden würden und wenn plötzlich alles nicht mehr existent wäre, was je im www veröffentlicht worden ist. Ob es wohl ein Fluch oder Segen wäre ? Momentan wohl eher ein Segen, um die Fluten an Halbwahrheiten und Informationsbruchstücken zu löschen, die uns tagtäglich umgeben

    Antworten
  18. 4. Juni 2007, 12:30 Uhr, von Cate
    018

    @Tiffy: Ja, mein Aufruf ging auch in deinem Namen an Journalisten. ;o)

    Antworten
  19. 4. Juni 2007, 14:47 Uhr, von Tiffy
    019

    @Cate: Oh du, meine Heldin … ;-)

    Antworten
  20. 4. Juni 2007, 17:30 Uhr, von theresa
    020

    @ janna
    wenn das internet wieder zu einer ‚tabula rasa‘ wird, mag man aber vor dem problem stehen, wie vermieden werden soll, dass wieder so viel ‚datenmüll‘ angehäuft werden kann.
    mir fällt da keine möglichkeit ein; eine “kontrollinstanz“ für das internet ist ja gar nicht praktisch umzusetzen…

    dann wäre man wieder bei der instanz gewissen: nur die wahrheit, keine gerüchte blabla.

    ge-wissen, vielleicht wäre das auch was für manche journalisten… ;)

    Antworten
  21. 5. Juni 2007, 6:23 Uhr, von Walter
    021

    Aus dem Papier (Papier?) zur Medienwirkungsforschung von Annika Nestler und Sabrina Ginter, Universität Weimar:
    ‚Die Medienwirkungsforschung widmet sich der Aufdeckung von Bedingungsvariablen für starke bzw. schwache Medienwirkung. Diese Bedingungen werden in 3 Kategorien unterteilt: quantitative Aspekte, qualitative Aspekte und kontextuelle Aspekte.‘
    Am Beispiel G8- Gipfel und Gegengipfel in Heiligendamm und Rostock lassen sich Beeinflussung und Beeinflussbarkeit der Medien gut erkennen. Im Kontext der sich entwickelnden globalen Identität angesichts der Klimaveränderungen und Zukunftsszenarien mit Überschwemmungen, Dürrekatastrophen und Klimaflucht sehen sowohl Kapital wie Politik und Zivilgesellschaft eine auch an den Einzelnen gerichtete Herausforderung. Das Problem ist die gemeinsame Verständigung und deren Blockade, die durch den 12 km langen Zaun mehr als symbolisch dargestellt wird. Das ist im Mikrokosmos von Heiligendamm wie auf der ganzen Erde: es gibt die drinnen und die draußen, die Eingeschlossenen und die Ausgeschlossenen…
    Die Rolle der Medien wäre eigentlich, diese gemeinsam- verschiedenen Positionen darzustellen, gegenüber zustellen. Das findet so nicht statt. ATTAC titelt: ‚G8-Gipfel –
    die 8 mächtigsten Industriestaaten
    treffen sich in Deutschland.
    Ihre Politik ist katastrophal.‘ Die Tagesschau: ‚Weltpolitik hinter Stacheldraht- Ab dem 6. Juni tagen in Heiligendamm die Staats- und Regierungschefs der G8. Beherrschendes Thema im Vorfeld war die Klimapolitik, mit einem Durchbruch beim Gipfel rechnet aber kaum noch jemand.‘ Die einen stehen vor dem Zaun, die anderen sehen dahinter… Was bleibt ist- beides- die offiziell- seriöse Berichterstattung in den Massenmedien, versucht objektiv von den einen, eher subjektiv von den anderen (BILD): ‚GSG 9 soll Chaoten jagen‘ und die alternative Graswurzelarbeit in den Blogs. Beides gehört zusammen. Gestern in den Tagesthemen: ‚…und ich mache mich auf den Weg nach Heiligendamm.‘ – Das ist eine Reise im Kopf, ein weiter Weg…
    Fazit: Medien sind sehr relevant, heute mehr als je zuvor. Sie stiften und zerstören Gemeinschaft, versöhnen und spalten, sind die globale Öffentlichkeit- überall.
    Lesenswert: die Blätter für deutsche und internationale Politik- Der Sound des Sachzwangs- der Globalisierungs- Reader, unter anderen mit Beiträgen von Mike Davis und Naomi Klein- die ist ja heute auch dabei.

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  22. 5. Juni 2007, 17:23 Uhr, von Cate
    022

    Auch gestern in den Tagesthemen und mein Kommentar dazu.
    Die „realen“ Medien können auch Zusammenhänge verklären und falsche Fronten aufzeigen. Das kann nämlich jeder, jeder Mensch. So gesehen ist es eigentlich lächerlich, dass wir uns hier über Falschmeldungen durch Blogs echauffieren. Wir könnten genauso gut bei Tante Emma oder Opa Fritz anfangen. Als wenn die öffentliche Welt außerhalb der Kriterien unserer privaten Leben besteht…

    Antworten
  23. 6. Juni 2007, 0:19 Uhr, von Walter
    023

    Massenmediale Öffentlichkeit versus bloggende Gegenöffentlichkeit- ein sich selbst stabilisierendes System? Wirken Blogs wesentlich nicht schon dadurch, dass es sie gibt? Hat sich mit der Verbreitung des Internet und seiner Nutzung als social web nicht auch unser Denken verändert, unser Verhalten der Öffentlichkeit gegenüber? Vielleicht geht es nicht in erster Linie darum, konkrete Blog- Wirkungen oder Rankings zu analysieren, sondern uns darüber klar zu werden, wieweit sich unser früheres Bild von öffentlicher Kommunikation durch das Web2.0 verändert hat. So ist es auch nahe liegend, dass sich eigene soziale Systeme entwickeln aus Machern und Konsumenten von Massenmedien, die sich jetzt als Gemeinschaft unter dem Dach einer bestimmten Sendung oder einer Zeitung verstehen. Blogs sind Gemeinschaft- und Identität- stiftend und Legitimation- spendend, denn sie ermöglichen zumindest in unserer Selbstwahrnehmung und Interpretation die Konstruktion von Öffentlichkeit und Dialog. Anschaulich romantisch wird das Bild des Lagerfeuers bemüht- bis zu Gottschalk.
    Ob jetzt BILDblog, Medienrauschen, die Blogs der Tages- und Wochenzeitungen und Zeitschriften, der Blog der Tagesschau- sie alle konstruieren und beschwören Öffentlichkeit und Dialog. Und es ist wirklich besser und versichernder, auf eine Meinungsäußerung auch eine Antwort zu bekommen und sei es auch eine kritisierende, solange sie einigermaßen respektvoll ist.
    Die Wirkung von Blogs auf Unternehmen und umgekehrt sind wir seit Corporate blogs vertraut, wenn auch die konkreten Wirkungen und Nebenwirkungen im einzelnen wohl eher nicht vorhersagbar sind, denn hin und wieder geht der Schuss nach hinten los.
    Blogs sind schnell und nicht notwendig politisch korrekt, sie sind Ausdruck einer diffus wahrgenommenen öffentlichen Meinung, sie können ungerecht sein und sie können irren, sind immer auch ein wenig unberechenbar. -Bloggen ist menschlich…

    Antworten
  24. 6. Juni 2007, 16:20 Uhr, von Cate
    024

    Man man, wenn ich hier Administrator wäre… Diese langen Links müssen raus, hauen das Layout kaputt und mein Kommentar ist noch immer nicht freigeschaltet. :o( Kinder nee…

    Antworten
  25. 6. Juni 2007, 18:04 Uhr, von Anna
    025

    Schon wieder so ein interessantes Thema … .

    Blog-Tagebücher wirken m.M.n. wie Nachtschranktagebücher: Sie formulieren Gefühle und machen diese „greifbar“, ordnen Gedanken und verhelfen zu Selbstreflektion … online-Tagebücher vielleicht noch zur Selbstdarstellung für alle kleinen ADSler.

    Das schöne am bloggen ist. Man kann aber muss nicht. Weder schreiben noch lesen. Es herrscht die vollkommene Freiheit – irgendwo für eine gewisse Zeit – bis der Administrator einschreitet … oder auch nicht.

    Es ist zunehmend interessant wie diverse Blogs gezielt von Firmen und Einrichtungen aufgesucht werden um simultan mit dem Zahn der Zeit zu nagen. (Tut man bei uns auch. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht.)
    Hat man mal untersucht wieviel bezahlte Arbeitszeit dahintersteckt? Beziehungsweise eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht? Wieviel Ideen / Innovation / Change / Input geht in eine Stunde bloggen? Wieviel Reflektion / Google / Kombinieren / Synthese rechtfertigt den Aufwand?

    @Cate: Jeder Journalist seinen eigenen Blog? Erstens bräuchte dann jeder Journalist auch seinen eigenen Osteopath und zweitens wäre eine eigene Web-Space für Patrick Bahners eine Resourcenverschwendung hoch drei (ähnlich der Formel 1).

    Weil wir grad bei Osteopathie sind: Es kursiert viel Unfug, der funktioniert. Es kursiert wahrscheinlich bei weitem mehr Unfug, der nicht funktioniert. Aber so einfach, nach Fakten und Unfug, ist die Qualität von Blogs nicht trennbar. Und damit bleibt es wohl dabei, dass die Wahrheit im Auge des Betrachters liegt.

    Antworten
  26. 8. Juni 2007, 14:10 Uhr, von Walter
    026

    Von Cherry Turkle:
    ‚Life on the Screen:
    Identity in the Age of the Internet
    RL is just one more window, and it’s usually not my best one.“ These are the words of a college student who considers the worlds he inhabits through his computer as real as RL–real life. He’s talking about the time he spends „being“ four different characters in three different MUDs–multi-user domains–as well as the time he spends doing his homework on the computer. As he sees it, he splits his mind and „turns on one part“ and then another as he cycles from window to window on his screen. The computer and the Internet allow him to explore different aspects of himself. As another user puts it, „You are who you pretend to be.“
    Identität und Bezug zum Real Life- die Herausforderungen des Computer- Zeitalters. Journalisten und Blogger neigen dazu, ihre Beschreibung der Vorgänge und Zusammenhänge ihrem persönlichen Weltbild anzupassen, wie wir alle. Mit den Worten Albert Camus: “Un homme est toujours la proie de ses vérités.“ – Ein Mensch ist immer das Opfer seiner Wahrheiten.
    Durch die Gegenüberstellung und den Dialog unserer unterschiedlichen Wahrheiten im social web werden diese Wahrheiten jedoch relativiert. Im günstigen Fall werden wir damit etwas weniger zur Beute (la proie bedeutet eher Beute eines Raubtiers als Opfer einer Handlung oder Idee). Vielleicht ist es ja genau das, was die Profi- Journalisten fürchten- dass ihre Prämissen, ihre Deutungen und vielleicht sogar ihre Weltsicht in Frage gestellt werden könnten, wie furchtbar.
    Anders herum kann es ja auch sein, dass sich diese Herren (und Damen?) einfach zu wichtig nehmen, arrogant aus Unsicherheit, eitel und selbstverliebt? Dann allerdings wäre Bloggen sogar heilsam und könnte auf Rezept verschrieben werden…

    Antworten
  27. 8. Juni 2007, 15:36 Uhr, von Cate
    027

    Un homme est toujours la proie de ses vérités…
    Et ses vérités sont sa vanité. Sans ses verités chacun était comme l’autre. Alors, un homme n’est pas la proie de ses vérités, mais le résultat indispensable d’eux. Plutôt la vérité véritable (la plus vraie de toutes les vérité on peut dire) est la proie de la vanité d’homme, où simplement d’homme tout seul. Et voilà, le renversement de la citation du Camus. ;o)
    Die Opferfrage ist eben immer auch eine Frage der Perspektive und nicht zuletzt des Willens. ;o) Ne?

    Antworten
  28. 8. Juni 2007, 17:30 Uhr, von Walter
    028

    Alors, on pourrait continuer en français?
    La proie heißt eher Beute als Opfer- damit trifft die Deutung, dass wir Menschen mehr Ergebnis als Verursacher unserer Meinungen und Ideen sind auch im Sinne Albert Camus‘ zu, Cate. Aber der Weg geht in beide Richtungen- unsere Meinungen beeinflussen unsere Wahrnehmung und auch umgekehrt. Problematisch ist es, sich nicht auf Veränderungen einlassen zu wollen, Situationen, in denen das geschehen könnte, zu vermeiden und schlecht zu reden. Es gibt eine gewisse Erstarrung der Gedanken: Je mehr wir uns über die Summe unserer Gedanken und Formulierungen definieren, desto abhängiger werden wir von ihnen und desto weniger wollen wir sie missen. Wir definieren uns ja auch häufig nicht über Gemeinsamkeiten mit anderen- die viel häufiger sind, bis zur genetischen Übereinstimmung, sondern über die Unterschiede, betonen die Differenz. Dies erschwert die Verständigung nicht nur im politischen Raum, wie jetzt in Heiligendamm zu sehen ist, sondern in allen unseren Beziehungen. Lebendiger Austausch, auch in Blogs, der ja auch Öffnung und Angreifbarkeit bedeutet, macht uns auch verletzbar. Menschen die offene und damit auch unberechenbare Kommunikationsformen ablehnen, tun dies möglicherweise auch, um sich zu schützen. Beispiele hierfür finden sich reichlich…
    Das social web kann uns lokal und sogar global zu größerer Offenheit und Dialogbereitschaft hinführen- kann, muss nicht.
    Wie Konsequenzen in die andere (falsche?) Richtung gezogen werden, zeigt das Beispiel von Welt online mit dem Kommentar von Alan Posener- hierzu ein Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung: „Es müssen nicht immer gleich Köpfe rollen“

    Antworten
  29. 8. Juni 2007, 18:05 Uhr, von Walter
    029

    Noch ein Link dazu: „Keine Innere Pressefreiheit“– Freiheit?

    Antworten
  30. 8. Juni 2007, 18:13 Uhr, von Walter
    030

    Und noch ein Beispiel für Vernetzung und wie es andere machen: CyberJournalist.Net

    Antworten
  31. 11. Juni 2007, 0:04 Uhr, von Na ich
    031

    Vielleicht sind Blogs ein Mittel zur Veränderung des „Framing“ (in klassischen Medien)?

    Die Journalistin Charlotte Wiedemann schreibt im Artikel „Die gerahmte Welt“ zum Framing (a href= http://www.fachdidaktik-einecke.de/6_mediendidaktik/globale_medien_framing.htm target=’_blank‘)

    Blogs erweitern den Rahmen des Althergebrachten, Bekannten… Einerseits. Sie sind also eine Ergänzung…

    Dabei kann auch einmal Orientierungslosigkeit oder sogar ein Gefühl von Ohnmacht entstehen…

    Angesichts

    – der Vielzahl von zusätzlichen Informationen – (was ist wahr, kann man sich auf die Infos verlassen, wer/welche Persönlichkeit hat geschrieben, aus welcher Motivation heraus, muss/kann ich als Journalist darauf regieren)

    – der Umkehrung üblicher (Macht-) Verhältnisse (zuerst das Issue (http://www.dpunkt.de/leseproben/3-89864-375-1/Kapitel_15.pdf) im Blog, dann in den klassischen Medien)

    nicht weiter verwunderlich.

    Und mit der Zeit wird man sich mit hoher Wahrscheinlichkeit daran gewöhnen, dieses Kommunikationsmittel in das gewohnte Leben (vielleicht auch Schreiben) zu integrieren – in welcher Form auch immer. Heißt auch: Evolution statt Revolution.

    Antworten
  32. 11. Juni 2007, 0:07 Uhr, von Na ich
    032

    Leider, leider klappt es mit dem Verlinken immer noch nicht…

    Könnte bitte jemand eine kurze Info geben, wie ein Link eingebettet werden kann?

    Dann sind sie kürzer und passen in das Layout :-)

    Antworten
  33. 11. Juni 2007, 13:33 Uhr, von Cate
    033

    Linkname zb. Dingens Artikel

    Mein Kommentar wurde immer noch nicht freigeschaltet. :o( Ich bin sauer. Und schmolle. :o{

    Antworten
  34. 11. Juni 2007, 13:36 Uhr, von Cate
    034

    Toll. Da müssen mehr Leerzeichen rein:
    Linkname, z.B. Artikel in der Dings

    Jetzt musst du in den Klammer noch die Leerzeichen weglassen. Zwischen „a“ und „href“ muss aber noch eines bleiben.

    Antworten
  35. 11. Juni 2007, 13:40 Uhr, von Cate
    035

    Boa, das gibt´s doch nicht. Hier ist wohl ne vollautomatische HTML- Erkennung eingebaut… :o/
    Ich mach jetzt überall Kommta zwischen:

    ,Linkname, z.B. Artikel in der Dingens,

    Kopier die Zeile am besten und lösche alle Kommata raus. Dann isses richtig.
    Wenn´s jetzt nicht klappt, ist der Server von http://www.m.de ein Mensch!

    Antworten
  36. 11. Juni 2007, 13:40 Uhr, von Cate
    036

    Er ist ein Mensch! Sorry, Na, ich hab´s versucht! :o(

    Antworten
  37. 11. Juni 2007, 21:35 Uhr, von Na ich
    037

    Danke auf jeden Fall!

    Ich versuchs mal hiermit:

    Test:

    Testlink mainpage

    Antworten
  38. 11. Juni 2007, 21:36 Uhr, von Na ich
    038

    Hurrah, fast perfekt!

    Antworten
  39. 29. Juni 2008, 13:20 Uhr, von Mesm
    039
    Antworten
  40. 29. Juni 2008, 16:40 Uhr, von Mesm
    040

    linkagain…

    Antworten
  41. 29. Juni 2008, 16:41 Uhr, von Mesm
    041

    link again and again…

    Antworten
  42. 29. Juni 2008, 16:42 Uhr, von Mesm
    042

    Victory :-D

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  43. 6. Juli 2008, 22:21 Uhr, von Mesm
    043
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