MM_Blake
Zu den Kommentaren
8. Juni 2007, 21:44 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Hilfe, mein Avatar ist nackt!

Rechner können mehr als rechnen. Sie entwickeln inzwischen ethische Grundsätze und Leitlinien. Davon bin ich seit heute überzeugt. Nach einer zweiwöchigen Pause habe ich mich wieder einmal bei Second Life eingeloggt, um meinen Avatar ein bisschen spazieren zu führen. Diesmal sah er ganz anders aus als vorher. Er war nämlich – nackt.

Zunächst war er nackt und grau und ich hatte schon kurz ein schlechtes Gewissen. Ich dachte doch tatsächlich, der Avatar sei vermutlich grau geworden, weil ich ihn in den vergangenen zwei Wochen so ganz und gar vernachlässigt habe. Auf so einen Gedanken kommen Menschen, die auch schonmal ein Tamagotchi gefüttert haben (aus wissenschaftlichem Beobachtungsinteresse natürlich). Aber dann wurde seine Haut doch plötzlich hautfarben und ich war ein wenig beruhigt. Nackt blieb er allerdings.

Nun ist es eine etwas ungewöhnliche Situation, wenn man als einziger Nackter in einer Runde Angezogener sitzt. Das ist nicht nur im wirklichen Leben unangenehm, sondern auch in der virtuellen Parallelwelt (ich war schon froh, dass man für den Avatar die primären Geschlechtsorgane ja erst kaufen muss …). Ich habe mich sehr unwohl gefühlt und schleunigst versucht, meinen Avatar wieder anzukleiden. Doch er verweigerte sich standhaft jeglicher Kleidung. Auch nach mehrfachem Versuch, zunächst noch einmal die Funktion „Alle Kleidung entfernen“ zu nutzen, um dann neue anzuziehen (vielleicht hatte sich ja die Clothing Attachment Funktion irgendwie aufgehängt) tat sich nichts. Ich zog daraufhin mehrere Kollegen zu Rate, die Experten im Second Life sind. Keinem gelang es, meinen Avatar aus dem Zustand der vollständigen Entblößung zu retten. Es herrschte Ratlosigkeit.

Ich habe inzwischen noch einmal nachgedacht. Vielleicht ist es kein Zufall, dass mein Avatar sich gerade am letzten Tag des G8-Gipfels der Kleidung verweigerte. Vielleicht protestiert er ab heute auch nackt, so wie einige Gipfelgegner in Rostock. Vielleicht will er mit dem ganzen Konsumrausch nichts mehr zu tun haben, der auch das Second Life dominiert. Was soll es bringen, hunderte von T-Shirt-Varianten aus den Freebie-Stores im SL herunterzuladen, um meinen Avatar ständig neu einzukleiden?

All das bringt – nichts. Und wo nichts ein Resultat ist, da können wir auch mit nichts beginnen. Mein Avatar bleibt ab heute nackt. Wahrscheinlich ist er nicht mehr als ein Systemfehler. Aber ein Systemfehler, der auf einen Systemfehler hinweist. Das wäre dann schon eine ziemliche Leistung für jemanden, der letztlich nicht mehr ist als das Ergebnis einer Rechenoperation. 

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91 Reaktionen

  1. 14. Juni 2007, 14:48 Uhr, von Bette
    051

    „Das Einfache durch das Zusammengesetzte, das Leichte durch das Schwierige erklären zu wollen, ist ein Unheil, das in dem ganzen Körper der Wissenschaft verteilt ist…“ (Goethe)

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  2. 14. Juni 2007, 15:06 Uhr, von Walter
    052

    Wie er das wohl meinte (JWG) ?

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  3. 14. Juni 2007, 15:34 Uhr, von Walter
    053

    Sl ist keine Märchenwelt, eignet sich nicht als Fluchtpunkt, erfüllt nicht die Tolkien’schen Kriterien für eine Ästhetik und Trost spendende Flucht in eine imaginäre Welt. Aus Wikipedia:
    ‚Tolkien sieht als wichtigste Aufgabe des Märchens eine heilsame (und keine moralische) Wirkung für den menschlichen Geist an: die Gesundung der menschlichen Einbildungskraft, die Schärfung des ästhetischen Bewusstseins und den Trost, den die Flucht in die imaginäre Welt bildet. Darunter versteht er nicht den Vorwurf des Eskapismus, sondern die Flucht, die heilsam ist, weil sie hilft, Dinge, die in der realen Welt nicht zu ändern sind, besser und gesünder zu ertragen („escape of the prisoner“).‘
    Ist sl vielleicht nicht ‚escape of the prisoner‘, sondern eher ein selbst gewähltes Gefängnis?

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  4. 14. Juni 2007, 15:39 Uhr, von Bette
    054

    So geht’s weiter: „…von den Einsichtigen wohl anerkannt, aber nicht überall eingestanden.“
    hier zum Beispiel“

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  5. 14. Juni 2007, 16:49 Uhr, von Cate
    055

    Da muss ich Goethe aber widersprechen. Das ist Larifari, zwar ganz in seinem Stil, aber nun denn doch zuviel des Guten. Das Einfache ist zwar oft nicht das naheliegendste, das stimmt, aber es steht sowohl am Anfang als auch am Ende eines Denkprozesses. Vielleicht ist dieser Prozess ja kreisförmig, aber es spielt meines Erachtens schon eine Rolle, von welcher Seite aus man sich dieser Einfachheit nähert…

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  6. 14. Juni 2007, 16:59 Uhr, von Cate
    056

    „Ein selbstgewähltes Gefängnis“, nicht schlecht… Parallel zur (nicht nur durch Geld) erkauften Freiheit (jetzt mal im relativen Zusammenhang) sucht der Mensch nach einer neuen Identität in einer neuen Struktur. Wenn das stimmt, dann bedeutet das nichts gutes für den Weg, den unsere reale Welt geht. Ein Atom stellt entsetzt fest, dass es ein Ion ist…

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  7. 14. Juni 2007, 21:34 Uhr, von Walter
    057

    Es gibt ja auch Moleküle, Cate. Das Leben besteht daraus.

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  8. 14. Juni 2007, 23:17 Uhr, von Bette
    058

    Sorry, Cate, aber Larifari rules… that’s life. ;-)

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  9. 15. Juni 2007, 7:19 Uhr, von Walter
    059

    Cate, zu deinem Kreisbild- wenn sich das Einfache am Anfang und am Ende wieder berühren- wie sind dann beide auseinander zu halten? Übertragen auf sl- wo ist der Anfang der Künstlichkeit- im Computer als bits und Bytes oder in unserer Vorstellung, Phantasie? Anthropozentrisch argumentiert sollte die Ursache in uns liegen- der Mensch- jeder einzelne- ist das Maß aller- jeweils subjektiv wahrgenommenen- Dinge.
    Folglich konstruiert jeder User, jede Bewohnerin ihr eigenes sl, mit jeweils eigener Bedeutung, eigenem Sinn. Welcher Sinn? Ein selbst gewähltes Gefängnis wird es wohl zu Anfang nicht sein, kann es höchstens werden.
    – Ich drehe mich auch schon im Kreis. ;-)

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  10. 15. Juni 2007, 7:49 Uhr, von theresa
    060

    …ich versuch‘ dem kreis zu entfliehen & weise auf die aktuelle spiegel-serie mit dem mir ZU plakativen titel ‚die alphamädchen‘ hin – jedenfalls wird auch das “glass breaking“ thematisiert u. wer sich dafür + für frau meckel’s vortragsreihe interessiert, ist da bestimmt richtig :)

    kann das sl nicht auch zum goldenen käfig werden? golden, weil man alles und vielleicht noch viel mehr hat als im rl, aber man kann sich dem (lügen?) geflecht nicht mehr entziehen und spinnt das storybook immer weiter – ich glaube, wenn man die persönlichkeiten von menschen aus dem rl & dem sl vergleichen würde, wäre eine große diskrepanz zwischen fiktion und wirklichkeit feststellbar…
    „dichtung oder wahrheit“ – schon wieder goethe (s werk)

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  11. 15. Juni 2007, 11:55 Uhr, von Fabian
    061

    Über Second-Life wurde ja nun ausführlichst diskutiert …

    Was ist denn mit der Tatsache, dass Frau Professor nun in SL (im übertragenen Sinne) ihrer Kleider beraubt wurde?

    Nackt und schamvoll steht sie da, wie einst Eva im Paradies.

    Sándor Ferenczi: Nacktheit als Schreckmittel? ;-)

    Lesetipp für Nackedeis:

    G.W.F.Hegel – Vorlesungen über die Ästhetik – Die Skulptur – c.: Bekleidung

    „Die Kleidung überhaupt, abgesehen von künstlerischen Zwecken, findet ihren Grund einesteils in dem Bedürfnis, sich vor den Einflüssen der Witterung zu schützen, indem die Natur dem Menschen nicht wie dem Tiere, das mit Fell, Federn, Haaren, Schuppen usf. bedeckt ist, diese Sorge abgenommen, sondern ihm dieselbe im Gegenteil überlassen hat. Anderenteils ist es das Gefühl der Schamhaftigkeit, welche den Menschen antreibt, sich mit Kleidern zu bedecken. Scham, ganz allgemein genommen, ist ein Beginn des Zorns über etwas, was nicht sein soll. Der Mensch nun, der sich seiner höheren Bestimmung, Geist zu sein, bewußt wird, muß das nur Animalische als eine Unangemessenheit ansehen und vornehmlich die Teile seines Körpers, Leib, Brust, Rücken und Beine, welche bloß tierischen Funktionen dienen oder nur auf das Äußere als solches deuten und keine direkt geistige Bestimmung und keinen geistigen Ausdruck haben, als eine Unangemessenheit gegen das höhere Innere zu verbergen streben. Bei allen Völkern, bei denen ein Anfang der Reflexion gemacht ist, finden wir deshalb auch in stärkerem oder geringerem Grade das Gefühl der Scham und das Bedürfnis der Bekleidung.

    (…)

    Was nun endlich das Prinzip für die Bekleidung betrifft, so ist dies ein vielbesprochener Lieblingsgegenstand, der schon gewissermaßen trivial geworden ist. Ich will deshalb darüber nur kurz folgendes bemerken.

    Wir brauchen es im ganzen nicht zu bedauern, daß unser Gefühl für Schicklichkeit sich scheut, ganz nackte Gestalten hinzustellen; denn wenn nur die Bekleidung, statt die Stellung zu verdecken, sie vollständig durchscheinen läßt, so geht nicht allein nichts verloren, sondern die Kleidung hebt im Gegenteil die Stellung erst recht heraus und ist in dieser Rücksicht sogar als ein Vorteil anzusehen, insofern sie uns den unmittelbaren Anblick dessen entzieht, was als bloß sinnlich bedeutungslos ist, und nur das zeigt, was in bezug auf die durch Stellung und Bewegung ausgedrückte Situation steht.“

    Antworten
  12. 15. Juni 2007, 12:32 Uhr, von Bette
    062

    @Fabian:
    Nacktheit als Schreckmittel auch in dieser Form… :-)

    Antworten
  13. 15. Juni 2007, 13:02 Uhr, von Walter
    063

    Also, dass MMs Avatar ihre/ seine Nacktheit als Schreckmittel einsetzt, oder als solches eingesetzt wird, würde ich bezweifeln. Es hat wohl unter uns zivilisierten, mehr oder weniger neurotisierten Mitteleuropäern eher etwas verschämt peinliches an sich, sein virtuelles Abbild nackt durch eine Kunstwelt laufen zu lassen, wo andere Kunstfiguren , die ihrerseits wieder von realen Menschen beobachtet und dirigiert werden, ‚leben‘ und zugucken. Eigentlich absurd- oder? Die Nacktheit ist vielleicht aber auch eine Metapher für das Fehlen von richtigem Leben, sozusagen ein Avatar ohne Eigenschaften?
    Wie lebt es sich so mit einem virtuellen nackten alter ego, oder eben gerade nicht alter ego- sondern?

    Antworten
  14. 15. Juni 2007, 15:47 Uhr, von Janna
    064

    also von der Theorie, das die Nacktheit eventuell eine Metapher für das Fehlen von richtigem Leben ist, halte ich persönlich nicht so viel. Ich habe viel richtiges Leben in und um mir, und das doch meistens im bekleideten Zustand!
    Mag auch sein, das Nacktheit weniger peinlich ist wenn alle nackt sind, aber ich verspüre trotzdem keinerlei Regung, mich in der Öffentlichkeit entkleidet aufzuhalten. Da lasse ich mich gerne als verklemmten Spiesser bezeichnen, es gibt Dinge, die müssen einfach nicht sein.
    Ich glaube, ein unbekleideter Avatar wäre mir nur peinlich, wenn ich mich wirklich mit ihm und seinen Eigenschaften identifizieren würde. Solang ich ihn aber als das begreife was er ist, nämlich eine Kunstfigur, wär’s mir wahrscheinlich egal, ob er nackt, in Strapsen oder mit Dittsche-Bademantel durch das web schlurft

    Antworten
  15. 15. Juni 2007, 15:56 Uhr, von Janna
    065

    ähm, nochmal kurz nachgedacht:
    in Strapsen würde ich den Avatar dann doch nicht losschicken. Da könnte ich mir ja gleich ein Schild „nimm mich, ich bin billig und willig“ auf die Stirn kleben…

    Antworten
  16. 15. Juni 2007, 16:15 Uhr, von Walter
    066

    Gut, dann ist der Entschluss die Existenz des nackten Avatars zu akzeptieren und zu lassen auch Ausdruck der Absicht, sich innerlich der Idee zu entziehen, den Bezug aufzugeben und sl wie einen Bus oder eine U-Bahn, die man- mit dem Avatar darin- verlässt und weiterziehen, weiterfahren lässt. ‚Ohne mich‘. Bleibt der Systemfehler. Avatare können nichts dafür, aber Menschen immer(?): Hype? Hysterie? Mode?
    Wie hieß es damals:
    ‚Ich glaube, es wird Zeit, dass ich einen wesentlichen Teil meines Lebens ins Second Life verlagere. Warum soll man sich ständig mit der Wirklichkeit herumschlagen, wenn es das zweite Leben gibt – das Second Life als Fluchtpunkt einer entnervenden Gegenwart im First Life?‘
    Das funktioniert also nicht.

    @theresa: Die ‚Alphamädchen’ im Spiegel hab ich gelesen. Breaking glass ist für die kein Thema, sie tun es einfach, auf ihre Art. Und Lisa Marie und Lea Marie sind sich irgendwie ähnlich.

    Antworten
  17. 15. Juni 2007, 17:01 Uhr, von Fabian Gefällt einem Leser
    067

    Ich finde, gerade die Nacktheit im SL zeigt die Absurdität dieser künstlichen Welt!

    Wer es einmal erlebt hat, weiß, welch‘ herrliches Gefühl es ist, in der realen Welt nackig herumzuspringen (und ich tue das gern und oft), nur sich, seinen Körper und die Natur zu fühlen. Wie albern und absurd ist dieser Zustand in der virtuellen, völlig gefühlslosen Welt.

    Aber vielleicht brauchen manche Leute das so. Das wirft allerdings im Umkehrschluss ein erschreckendes Bild auf die reale Welt.

    Die politische Botschaft: Wir brauchen eine neue Reformbewegung!!! Ich bin dabei :-)

    Antworten
  18. 15. Juni 2007, 17:50 Uhr, von Walter
    068

    Nee, Fabian eher nicht. Außerdem hat MM die primären Geschlechtsmerkmale nicht dazu gekauft. Also vielleicht doch ein Avatar ohne Eigenschaften und ohne Geschlecht. Ein Kunstprodukt in einer künstlichen Welt. Das erinnert an

    Antworten
  19. 15. Juni 2007, 21:55 Uhr, von Na ich
    069

    Mein Eindruck ist, dass dieser nackte (genderless?) Avatar ein recht schlaues Wesen aus 0en und 1en ist….

    Be-Rauschen… das ist vermutlich sehr facettenreich

    Antworten
  20. 15. Juni 2007, 22:07 Uhr, von Cate
    070

    Ich hab´s: Der Avatar is`n Ossi!

    Antworten
  21. 16. Juni 2007, 8:29 Uhr, von Fabian
    071

    @ Walter: Das bezog sich ja nicht auf MM, sondern auf die vielen anderen Hirnis in SL, die das irgendwie als Selbsterfahrungstrip brauchen:

    Juch und hei,
    ich lauf‘ nackig durch mein Leben zwei!
    Im Leben eins trau ich mich –
    sowas nämlich nich‘!

    Vielleicht auch ganz gut so, sollen sie sich da austoben und nicht im realen Leben!

    Ich denke, SL ganze ist einfach nur ein riesengroßer virtueller Spielplatz – der aber einen guten (mitunter auch erschreckenden) Einblick in die menschliche Natur gibt:

    Beim Spiel kann man einen Menschen besser kennenlernen, als im Gespräch in einem Jahr. (Platon)

    Und einmal mehr zum Homo Ludens

    Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. (Friedrich Schiller, 1795)

    Das Leben ist ein Gänsespiel…

    Das Leben ist ein Gänsespiel:
    Je mehr man vorwärts gehet,
    Je früher kommt man an das Ziel,
    Wo Niemand gerne stehet.

    Man sagt, die Gänse wären dumm,
    O glaubt mir nicht den Leuten:
    Denn Eine sieht einmal sich rum,
    Mich rückwärts zu bedeuten.

    Ganz anders ist’s in dieser Welt.
    Wo alles vorwärts drücket,
    Wenn einer stolpert oder fällt,
    Keine Seele rückwärts blicket.

    Goethe

    Antworten
  22. 16. Juni 2007, 11:53 Uhr, von Walter
    072

    Schon wieder Goethe…
    Der Systemfehler:
    Konstruktivisten in einer konstruierten Welt, ein nackter Avatar ohne Geschlecht, der sich weigert Kleider anzuziehen. Eine Frau und sieben Männer in Heiligendamm, die sich sehr wichtig nehmen und das auch deshalb sind, weil wir sie in dem ‚System‘, das wir als unser System akzeptieren- die Mehrheit- oder bekämpfen- eine Minderheit- über ihre Stellvertreterfunktion mit dieser Wichtigkeit ausstatten. Diese acht Staatsmänner und Staatsfrau nehmen uns auch unsere Verantwortung und einen Teil unseres schlechten Gewissens ab, dem ‚Rest‘ der Welt und eigentlich auch dem Leben gegenüber.
    Eigentlich gehen die meisten unter uns ziemlich schlecht, das heißt unbedacht und verantwortungslos mit dem Leben an sich, mit uns und unseren Mitmenschen um. Mal ehrlich: ‚Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst.‘- Was bleibt davon? Bräuchten wir ein zweites Leben, wenn wir im ersten anders leben und handeln würden? Ist es etwas anderes als Gewissensberuhigung, die Verantwortung für unsere Lebensumstände und in letzter Konsequenz unsere Umwelt und unsere Zukunft anderen Menschen, zum Beispiel Politikern zu überlassen? Wollen wir das wirklich? Oder tun wir es nur, weil es bequem ist und weil es viele, vermeintlich alle, tun? Ist sl nicht eher eine Art Droge, die uns ablenkt, uns über das wirkliche Leben und unsere Rolle darin Gedanken zu machen? Liegt darin vielleicht der Systemfehler, auf den laut MM ihr nackter Avatar hinweist?
    Bei der Nachbetrachtung von Heiligendamm- es ist gerade mal eine Woche her und erscheint schon ferne Geschichte, im rasenden Stillstand- liefern die Tagesthemen vom 7.Juni eine gute Erinnerungshilfe: Der Deutschlandtrend, Angela Merkel, Lisa Marie Ullrich, Herbert Grönemeyer (deutliche Worte, provokativ, aggressiv den Dialog einfordernd) wollen alle das Gleiche, eine bessere Welt. Die Frage für mich: Wie kommen wir weiter? Indem wir das Trennende betonen oder das Gemeinsame versuchen? Was wohl MMs Avatar dazu sagen würde?

    Antworten
  23. 16. Juni 2007, 15:14 Uhr, von Fabian
    073

    Prometeus – The Media Revolution.(auf YouTube) ??? Man is god – Tja ja, Szenarien …

    Antworten
  24. 16. Juni 2007, 15:15 Uhr, von Fabian
    074
    Antworten
  25. 16. Juni 2007, 15:16 Uhr, von Fabian
    075

    So, ich bin jetzt mal raus. Ich glaube, es ist ganz gut, wenn hier mal andere diskutieren und nicht immer nur die gleichen :-)

    Antworten
  26. 16. Juni 2007, 16:31 Uhr, von Janna Gefällt einem Leser
    076

    nochmal ganz off the topic, aber zum Thema Feminismus bzw. Frauen, Karriere + Kinder. Gestern Abend war tatsächlich mal ne interessante Diskussion zu diesem viel diskutierten und dennoch selten befriedigend dargestellten Thema: Thea Dorn hatte im SWR drei „Vorzeige-Frauen“ zu Gast, Petra Gerster, Silvana Koch-Merin und Iris Radisch. Und da wurde wirklich munter und konstruktiv über Karriere und Familie diskutiert, da alle drei (möglicherweise auch durch verschiedene Lebensalter) ihre ganz eigenen Ansichten zu diesem Thema hatten.
    Einziger Kritikpunkt meinerseits, die zu wenig massenkompatiblen Lösungsansätze. Wenn Fau Koch-Mehrin ihre Arbeitszeit splittet und um 16h das Büro verläßt, zur Familie fährt, dann gegen 22h nochmal hinfährt um den Rest zu erledigen ist das schön und gut, aber wer bei Daimler am Band arbeitet, wird das in dieser Weise kaum in der Belegschaft durchsetzen können.
    Ich kann jetzt nicht alles wiedergeben was da thematisiert wurde, dennoch war ich angenehm überrascht über die Art und Weise, wie da diskutiert wurde. Denn ich muß zugeben, so manche Talkrunde in letzter Zeit fand ich eher nervend als hilfreich und das Thema daher etwas überstrapaziert

    Antworten
  27. 16. Juni 2007, 17:28 Uhr, von Walter
    077

    @Janna: Einverstanden, ich konnte nur Ausschnitte sehen- Thea Dorn finde ich witzig und provokativ – Die neue F-Klasse-. Iris Radisch ist ziemlich kritisch aber sehr konstruktiv (schon wieder konstruktiv), ihren Beitrag in der Zeit zum Frauenstreit: ‚Schluss mit dem Streit!‘ war entlarvend, ihr Buch ‚Die Schule der Frauen‘ ist es umso mehr- lesenswert!- Die beiden anderen finde ich sympathisch, mit Petra Gerster bin ich mir nicht so ganz einig. Was will sie eigentlich- große Dame sein, Grundsatzreden halten- habe sie im März bei ihrer ‚Weimarer Rede‘ gehört- oder doch Altfeministin- oder alles zusammen? Vielleicht weiß sie es ja selbst noch nicht so genau, in ihrem Alter…
    Das Diskussionsklima war ruhig, respektvoll und engagiert. Das lag auch an der subjektiven Auswahl der Diskutantinnen- Eva Herman war ausdrücklich nicht eingeladen. Leider war es mal wieder spät.

    Antworten
  28. 16. Juni 2007, 17:29 Uhr, von Walter
    078

    Nachtrag- zu Iris Radisch.

    Antworten
  29. 17. Juni 2007, 15:26 Uhr, von Janna
    079

    Daher auch heute eine Wiederholung der Sendung, glaube auf 3-Sat.
    Die Position von Frau Gerster konnte ich in der Tat auch nicht ganz festlegen, bei mir ist aus der ganzen Diskussion nur hängengeblieben, daß sie sich als Alt-Feministin bezeichnet (aber nicht die mit der lila Latzhose) und das sie alle Details mit dem Gatten in spe bereits in der ersten Nacht abklärte.
    An Frau Radisch nervte mich die zunehmende Erregtheit, die wurde im Verlauf des Gespräches immer lauter und lauter, während sie die 2/3 Arbeitszeit für Eltern über einen Zeitraum von 10 Jahren forderte. Anders Frau Koch-Mehrin, die leise und bestimmt darauf hinwies, das sie ihre 10h Arbeit pro Tag haben muss, um glücklich zu sein. Und ehrlich war sie auch bei der Bemerkung, das die nervenden Kollegen weniger anstrengend seien als schreiende Kinder. Wenn sie das tatsächlich so hinbekommt, 10h Arbeit täglich UND
    Familie, gebührt ihr wirklich mein Respekt.l
    Und über allen Dingen erhaben und gelegentlich diskrekt ironisch grinsend, Thea Dorn.
    Als Gastgeberin einer Diskussionsrunde auf jeden Fall eine gute Alternative zu den (zumindest momentan tätigen) Kolleginnen der öffentlich-rechtlichen Sender.

    Antworten
  30. 17. Juni 2007, 20:30 Uhr, von Cate
    080

    Kann es sein, dass Frau Koch-Mehrin momentan eine, sagen wir mal, Publicityoffensive fährt? Ich meine, nicht, dass es mich stört. Soll sie ruhig, sie macht weitaus mehr her, als so manch andere Gestalt. Mir ist es nur aufgefallen… Was hat sie denn vor? ;o)

    Antworten
  31. 17. Juni 2007, 22:04 Uhr, von Walter
    081

    Vielleicht will sie Guido Westerwelle ablösen, oder Dirk Niebel, oder beide? Darin würde ich sie gerne unterstützen. Ein idealistisches Sendungsbewusstsein ist ihr als liberale Politikerin nicht abzusprechen- Hildegard Hamm- Brücher in jung.
    Politiker sind schon gelegentlich ein wenig populistisch, surfen mit dem Zeitgeist. Aber sie hat auch etwas zu sagen, wirkt engagiert und glaubwürdig und sie wirkt…
    Als berufstätige Mutter macht sie in Deutschland wohl auch so ihre Erfahrungen.- Da waren sich die vier Frauen (drei Mütter, zusammen sieben Kinder) einmal einig- einfach ist es hier für Familien und besonders Mütter nicht, immer noch nicht.
    PS: Thea Dorns Schwerpunkt ist Moralphilosophie- da gibt es reichlich zu tun. Auf ihrer Titelseite erscheint beim anklicken ihres Namens eine Tüpfelhyäne- das ist schon kynischer Humor.

    Antworten
  32. 17. Juni 2007, 22:08 Uhr, von Janna
    082

    …Großes Cate, sie hat anscheinend Großes vor. Glaubt man einem heute veröffentlichten Artikel auf Spiegel online, dann hat sie soeben Polen nahegelegt, aus der EU auszutreten.
    Was dort wahrscheinlich nicht zu großer Freude führen wird, so sehr einem diese ignoranten, engstirnigen und unsympathischen Twillinge auch auf den Geist gehen.
    Nein im Ernst, 2009 sind wieder Europawahlen und in einem Interview hat sie schon signalisiert, da sie gerne noch ne Runde im Parlament bleiben würde. Von da her wird das sicher auch eine Strategie sein, die Aufmerksamkeit wieder etwas auf ihre Person zu lenken. Und sowohl mit EU-Querulanten wie auch mit der Kinder/Karriere Frage ist man heutzutage doch ganz vorne dabei, wenn es um Aufmerksamkeit in den Medien geht.
    Sollte ich ihr aber Unrecht getan haben und sie tut dies aus tiefster Überzeugung und Nächstenliebe, entschuldige ich mich hiermit herzlich.

    Antworten
  33. 18. Juni 2007, 7:17 Uhr, von theresa
    083

    bzgl. Koch-Mehrin:
    Sie hat Großes vor? Wenn ja, sollte Sie sich aber aus der Strafkolonie für motivierte Politiker -aka EP- verabschieden – selbst wenn sie Polen den Austritt nahelegt, wirkt das aus ihrer jetztzigen Position für mich nur schaumschlägerisch.

    …aber Walter wollte ihr ja helfen ;-)

    Hat jemand die gestrige Christiansen-Runde verfolgt? Vielleicht ist das nur meine bescheidene Meinung aber das war furchtbar!
    Glich einer Christiansen-Schäfer-Doppelmoderation,
    wobei Frau Schäfer die ganze Zeit
    das Publikum motivierte („Ich finde,
    das ist einen Applaus wert…“)
    und inhaltlich war wenig Neues,
    schien mir wie alles schon mal gehört.

    Ahja: und wenn Frau Christiansen
    dann initiativ wurde, erhielt sie seltenst eine Antwort auf ihre Frage…

    Antworten
  34. 18. Juni 2007, 7:54 Uhr, von birgit
    084

    Zurück zu den Avataren: Am Samstag nachmittag habe ich auf DLF einen interessanten Beitrag über einen Medien- und Kommunikationskongress in Halle (forward2business) gehört – Thema war u. a. die Möglichkeit, mit Hilfe digitaler Handschuhe biometrische Daten wie Körpertemperatur, Hautfeuchtigkeit, Pulsschlag etc. und damit Emotionen auf den Avatar zu übertragen. Vollkommen neue Möglichkeiten tun sich da auf -Liebesdramen, Eifersucht, ich mag gar nicht weiterdenken. Wer braucht da noch langweilige Kleidung??

    Antworten
  35. 18. Juni 2007, 9:02 Uhr, von Walter
    085

    @birgit: Das sind erste Annäherungen an die Matrix. Noch in der Peripherie- möglicherweise nur weil es noch keine zentralnervöse Schaltstelle gibt und daher noch notgedrungen das Ich vom rl aus über Phantasie- und Projektionswege sein zweites Ich beeinflusst.- Von ‚Steuern‘ möchte ich nicht reden, da ich, wir, nicht wissen, was wirklich im ‚Grid‘ von LindenLabs passiert.
    @theresa: Sabine Christiansen will nicht mehr richtig, die Luft ist raus und sie ist mit ihren Gedanken woanders. Verständlich.
    Was macht eigentlich ihr zweites Ich in sl? Nimmt sie es mit?
    Es ist eine Woche des Abschiednehmens.
    Aber es geht ja weiter und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.- Eben.

    Antworten
  36. 18. Juni 2007, 10:02 Uhr, von Walter
    086

    Nachtrag zu Frau Christiansen: In der MoPo (Berlin) gibt sie einige ihrer Erlebnisse und Erfahrungen wieder, ein Teil ihres Lebens. Die Frage sei erlaubt, ob es kein ganz normales menschliches Schutzbedürfnis ist, eine öffentliche Figur, ein Bild, von sich zu erfinden, mit Geschichte, Biografie- eben das, was die medial orientierte Öffentlichkeit verlangt. Der Mensch dahinter braucht doch sicher auch seine Raum und einen geschützten Bereich. So gesehen gibt es auch Avatare im rl- mehr oder weniger realistisch, wie man so sagt authentisch.
    Aber mal ehrlich- bringt es irgendetwas, sich der öffentlichen Meinung anzupassen? Nach dem Wort Albert Camus, dass jeder Opfer, Beute seiner Wahrheit ist, gibt es keine objektive Wahrnehmung, unser Blick ist immer verstellt. ob jetzt als Autor oder als Leser, Zuschauer.

    Antworten
  37. 18. Juni 2007, 11:13 Uhr, von Walter
    087

    Noch ein Nachtrag.- Ist das ihr Avatar?

    Antworten
  38. 18. Juni 2007, 19:34 Uhr, von Walter
    088

    Heute im Spiegel:
    ‚Agenda 2017
    Ortstermin: Zukunftsforscher erklären auf einer Burg in Sachsen- Anhalt, wie das Leben in zehn Jahren aussieht.
    …Am Ende steht eine Frau auf und fragt den Professor von der Fraunhofer- Gesellschaft, was langfristig mit einem Menschen geschieht, der einen Avatar zum Regisseur seines Lebens erkoren hat, der sich von einer Software durch den Alltag lotsen lässt?
    Der Professor steht auf, er will antworten, aber er zögert. Dann schüttelt er den Kopf und sagt: „Da haben Sie mich kalt erwischt.“
    – Wie gut! (@birgit)

    Antworten
  39. 19. Juni 2007, 10:03 Uhr, von Walter
    089

    Vorläufiges Fazit: Ein Avatar ist (auch) eine Metapher: für Vortäuschung von Perfektion, zur Ablenkung vom eigenen Ich, Schutz vor Nähe oder Verfolgung, selbst gewähltes Gefängnis, ein Werkzeug zur Instrumentalisierung anderer (realer) Menschen, ein Instrument zur Entdeckung von sl, ein soziales Experimentierfeld, ein virtuelles Spielzeug mit Konsumfunktion und Suchtpotenzial, letzten Endes eine Utopie, vielleicht besser Dystopie, eines anderen fiktiven Lebens. Die Frage dabei ist: Entsteht auch eine gemeinsame- kollektive- Fiktion einiger, vielr aller Bewohner von sl? Oder herrschen Egoismus und Konsum von Avataren/ Menschen und Sachen?
    Fest steht: Wir können unserem rl und unserer Körperlichkeit auf diesem Weg jedenfalls nicht entkommen.

    Antworten
  40. 19. Juni 2007, 14:17 Uhr, von Anja
    090

    Großartig!
    Nach ein paar Wochen Urlaub fernab jedes Internetzugangs konnte ich jetzt mit einiger Verspätung über den nackte Avatar herzhaft lachen.
    Vielleicht hat der Avatar auch gerade Urlaub (wieviele Urlaubstage mag er haben?) und das ist seine Art es zum Ausdruck zu bringen. Weg mit jeglichem Ballast. Tolle Vorstellung! –
    Sollte seine Nacktheit allerdings doch ein Ausdruck der Vernachlässigung durch seine Besitzerin sein, dann ist das jetzt eine gute Abschreckung jemals meine Neugier zu befriedigen und im SL zu landen. Der Gedanke, nachts aufzuwachen, weil ich schon länger nicht mehr nachgeschaut habe, ob mein Avatar auch noch hübsch angezogen ist, ist witzig und abschreckend zugleich;-)
    Übrigens: das Tamagotchi damals hatte wenigstens einen Reset- Button!
    Danke jedenfalls für den netten Avatar Beitrag und die tollen Kommentare als Wiedereinstieg in meine reale Welt

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  41. 8. Juli 2007, 22:45 Uhr, von Frollein Schmitt Gefällt einem Leser
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    huiiih…
    das wird in die Gesichte eingehen. Sehe schon in den Geschichtsbüchern stehen: „Der erste Flitzer in der virtual reality community des 21. Jahrhunderts war eine Schweizerin aus St. Gallen.“
    Oder „…wurde in der Schweiz produziert.“
    Vielleicht braucht er auch ganz einfach etwas länger um sich anzuziehen.

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