MM_Franklin
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8. Juni 2007, 21:44 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Hilfe, mein Avatar ist nackt!

Rechner können mehr als rechnen. Sie entwickeln inzwischen ethische Grundsätze und Leitlinien. Davon bin ich seit heute überzeugt. Nach einer zweiwöchigen Pause habe ich mich wieder einmal bei Second Life eingeloggt, um meinen Avatar ein bisschen spazieren zu führen. Diesmal sah er ganz anders aus als vorher. Er war nämlich – nackt.

Zunächst war er nackt und grau und ich hatte schon kurz ein schlechtes Gewissen. Ich dachte doch tatsächlich, der Avatar sei vermutlich grau geworden, weil ich ihn in den vergangenen zwei Wochen so ganz und gar vernachlässigt habe. Auf so einen Gedanken kommen Menschen, die auch schonmal ein Tamagotchi gefüttert haben (aus wissenschaftlichem Beobachtungsinteresse natürlich). Aber dann wurde seine Haut doch plötzlich hautfarben und ich war ein wenig beruhigt. Nackt blieb er allerdings.

Nun ist es eine etwas ungewöhnliche Situation, wenn man als einziger Nackter in einer Runde Angezogener sitzt. Das ist nicht nur im wirklichen Leben unangenehm, sondern auch in der virtuellen Parallelwelt (ich war schon froh, dass man für den Avatar die primären Geschlechtsorgane ja erst kaufen muss …). Ich habe mich sehr unwohl gefühlt und schleunigst versucht, meinen Avatar wieder anzukleiden. Doch er verweigerte sich standhaft jeglicher Kleidung. Auch nach mehrfachem Versuch, zunächst noch einmal die Funktion “Alle Kleidung entfernen” zu nutzen, um dann neue anzuziehen (vielleicht hatte sich ja die Clothing Attachment Funktion irgendwie aufgehängt) tat sich nichts. Ich zog daraufhin mehrere Kollegen zu Rate, die Experten im Second Life sind. Keinem gelang es, meinen Avatar aus dem Zustand der vollständigen Entblößung zu retten. Es herrschte Ratlosigkeit.

Ich habe inzwischen noch einmal nachgedacht. Vielleicht ist es kein Zufall, dass mein Avatar sich gerade am letzten Tag des G8-Gipfels der Kleidung verweigerte. Vielleicht protestiert er ab heute auch nackt, so wie einige Gipfelgegner in Rostock. Vielleicht will er mit dem ganzen Konsumrausch nichts mehr zu tun haben, der auch das Second Life dominiert. Was soll es bringen, hunderte von T-Shirt-Varianten aus den Freebie-Stores im SL herunterzuladen, um meinen Avatar ständig neu einzukleiden?

All das bringt – nichts. Und wo nichts ein Resultat ist, da können wir auch mit nichts beginnen. Mein Avatar bleibt ab heute nackt. Wahrscheinlich ist er nicht mehr als ein Systemfehler. Aber ein Systemfehler, der auf einen Systemfehler hinweist. Das wäre dann schon eine ziemliche Leistung für jemanden, der letztlich nicht mehr ist als das Ergebnis einer Rechenoperation. 

91 Reaktionen

  1. 9. Juni 2007, 7:31 Uhr, von Andrea
    01

    @MM

    Jetzt mache ich mir aber ernsthaft Sorgen.

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  2. 9. Juni 2007, 9:53 Uhr, von Cate
    02

    Meine einzige persönliche Erfahrung mit dem Second Life endete ebenfalls in der nackten Ausweglosigkeit. Wer weiß, vielleicht ist es eine therapeutische Maßnahme… Ich bin seitdem SL-los glücklich. ;o)

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  3. 9. Juni 2007, 15:22 Uhr, von Cate
    03

    Die nackten Avatare haben recht: Es ist ziemlich pervers, dass unser Wohlstand auch noch ein zweites, künstliches Leben mitfinanzieren kann, oder? Dann wäre die Nacktheit keine Konsumkritik, sondern eine Verweigerung der Verschwendung. Aber wenn man damit einmal angefangen hat, kommt man wohl eher vom μ ins nano.

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  4. 9. Juni 2007, 18:22 Uhr, von Janna
    04

    Also der Tag war bis eben wirklich -naja- bescheiden, aber dann las ich die Problematik mit den nackten Avataren und habe schallend gelacht.
    Der Avatar scheint ein Realist zu sein, Kleidung kostet Geld, macht Arbeit (in den meisten Fällen handelt es sich auch noch Kinderarbeit) und wenn es drauf ankommt, hat man ja doch nicht das Passene im Schrank. Da die Menschen in der realen Welt aber großenteils nicht so aussehen wie die wunschgemäß erstellen Avatare bin ich dennoch froh, das in meiner Umgebung nicht alle nackt herumrennen…

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  5. 9. Juni 2007, 19:54 Uhr, von Fabian
    05

    Herrlich! Ich habe zwar bislang nur den Anfang gelesen bin aber jetzt schon sehr am Lachen dran – das nur als Zwischenmeldung :-)

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  6. 9. Juni 2007, 20:05 Uhr, von Fabian
    06

    Vielleicht hat der Avatar auch gerade nur bei der neusten Spencer Tunick Performance in Amsterdam mitgemacht :-)

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  7. 10. Juni 2007, 8:25 Uhr, von theresa
    07

    man nimmt Ihnen fast eine gewisse Bestürzung über die erzwungene Nacktheit ab :) sehr nett.

    Was sagt uns dann? Mit ein bisserl mehr Ironie, Sarkasmus – wenn’s sein muss ”Hundigkeit” lässt sich die Welt, auch die profane second-life Welt, die nicht mal mehr vom ungewollten Stripteas halt macht, besser ertragen?!

    Antworten
  8. 10. Juni 2007, 9:53 Uhr, von Walter
    08

    Vielleicht fehlt dort einfach das Leben? Als Teil eines Computerprogramms fühlt sich so ein Avatar ja vielleicht auch wie ein Hund? (@ theresa)
    Es bleiben die Fragen: Was macht so ein zweites ich, wenn wir nicht da sind? Auf dem Tisch tanzen? Gibt es Kleiderdiebe in sl? Oder schlimmeres? Kann ein Avatar seine Geschichte erzählen? Und wo kann man Anzeige erstatten? Wird irgendwo die Chronik der Ereignisse in sl aufbewahrt und kann bei solchen existenziellen Fragen LindenLab weiterhelfen?
    So viele Fragen. Es bleibt wohl so etwas wie Verantwortung für die virtuelle Kreatur, die ja mit ihrem rl- Ich in persönlicher Beziehung steht- über Projektion, Selbstdarstellung, Abspaltung, Spieltrieb- was auch immer die Motive sind.
    Ohne unverschämt sein zu wollen: Was waren die Motive, dorthin zu gehen und eine Parallelexistenz zu beginnen? Nur Langeweile, oder Neugier und der Drang nichts verpassen zu wollen, alles mit zu kriegen? Aus dem Grad des Engagements lässt sich dann auch auf das Ausmaß der Betroffenheit schließen, die sich ja ganz real ereignet, unsere rl-existierende Person betrifft. Vielleicht ist die Erfahrung auch nicht so schlimm, da wir ohnehin schon in Parallelwelten mehr oder weniger abstrakt nebeneinander her leben? Dann wären die Ereignisse in sl wirklich (!) als Allegorie unseres rl gültig.
    Vielleicht wollen die Kreatoren von sl genau dies bewirken- ein schlechtes Gewissen, das Gefühl nicht intensiv genug im zweiten Leben gelebt zu haben, sich mehr kümmern und noch mehr Zeit dort verbringen zu müssen. Ein pädagogischer Ansatz.
    Dies erinnert an die Tamagotchi vor 10 Jahren oder an die Sims, um die man sich ja auch ständig kümmern musste, damit es ihnen ‘gut’ ging.
    Aber nachdem uns second life schon vor fünf Monaten beschäftigt hat (153 Kommentare) ist dies hier wohl der ultimative Aufruf an alle real und gleichzeitig virtuell existierenden, sich zu outen und zu berichten.
    Ich war stur, ging nicht hin- trotz Neugier…

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  9. 10. Juni 2007, 10:51 Uhr, von Walter
    09

    PS: Eine Soziologie des sl- das wäre ein Projekt- ‘In The Grid’

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  10. 10. Juni 2007, 16:03 Uhr, von Fabian
    010

    Ich bin mir sicher, es ist ein Zeichen: Get naked and rule the world! :-)

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  11. 10. Juni 2007, 23:00 Uhr, von Walter
    011

    Wo wären wir jetzt, wenn wir damals die Idee verfolgt hätten, unsere Diskussionen virtuell (@ Andrea) im sl weiter zu führen? Es ist schon mehr als Künstlichkeit, in einer Kunstwelt zu leben. Das ist auch irgendwie Thema der Biennale von Venedig. Künstlichkeit hat auch etwas Politisches- exemplarisch der Beitrag von Norwegen.

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  12. 11. Juni 2007, 7:15 Uhr, von Aron
    012

    Cool, ich hab mich kringelig gelacht ;-)… Viell. ist der Avatar einfach Nudist???

    Antworten
  13. 11. Juni 2007, 7:46 Uhr, von Fabian
    013

    @ Walter: Das ist schon eine Frage, die mich persönlich beschäftigt:

    Kunst – Künstlichkeit (in welcher Form auch immer) versus Realität? Was ist real, was nicht? Stellt bereits ein Zeitungsartikel eine gewisse Form von “Künstlichkeit” dar? Und ist selbst das reale Leben nicht auch bisweilen künstlich (inszeniert)?

    René Magritte schreibt zu seinen Bildern wie z.B. “ceci n’est pas une pipe”: “Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können Sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dies ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares.“

    Aber dennoch bleibt für mich die Frage: Ich kann die Marmeladenschnitte zwar nicht essen, doch sehe ich sie und in diesem Augenblick ist die gemalte Marmeladenschnitte für mich real – eine andere Form von Realität aber immerhin.

    Ist Künstlichkeit vom Medium (Leinwand, Zeitung, Computer, Grid?) abhängig? Und was unterscheidet diese mediale Künstlichkeit von der Realität?

    Da das Problem des künstlich geschaffenen nackten Avatars Frau Meckel im realen Leben sichtlich beschäftigt, ist der nackte Avatar, obwohl künstlich, doch sehr real existent.

    Aber die Nackte ist nicht menschlich, das ist die Realität. Trotzdem lustige Vorstellung, dass Frau Professor da nackt durchs Second Life irrt … :-)

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  14. 11. Juni 2007, 8:15 Uhr, von Janna
    014

    …wobei das Problem nicht nur in der Nacktheit des eigentlich nicht existenten Avatar’s liegt, sondern eher in seiner Unkontrollierbarkeit. Bis her scheiterten jegliche Ankleidungsversuche, und so wie ich das verstehe, ist das ja das reizvolle am Second Life: eine virtuelle Figur zu erschaffen, die nur man selbst kontrollieren kann.
    Und jetzt nicht mal mehr das ! Ich hoffe, er benimmt sich sonst wenigstens nicht daneben. Mir wäre es zumindest peinlich, auf einer Polizeiwache Anzeige zu erstatten, weil mein nackter Avatar unkontrollierbar georden ist…

    Antworten
  15. 11. Juni 2007, 8:19 Uhr, von Fabian
    015

    @ Janna:

    Das stimmt! Wenn sich die Kunstwelt plötzlich “verselbständigt”, wie bei Frau Meckel, das ist natürlich eine völlig andere Dimension und eine völlig neue Komponente von Kunst bzw. Künstlichkeit. Diese wird die Kunsttheorie völlig auf den Kopf stellen, womöglich sogar revolutionieren: Man stelle sich vor, Mona Lisa spaziert plötzlich nackt durch den Louvre :-)

    Antworten
  16. 11. Juni 2007, 8:57 Uhr, von theresa
    016

    @janna / fabian:
    danke für’s phantasie-beflügeln am (frühen) morgen.

    was mich mal interessieren würde:
    ist frau meckel aus ”berufl. interesse” dann auch (undercover) im studivz etc unterwegs, damit ihr nicht entgeht, sie den medialen zeitgeist ‘spürt’?

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  17. 11. Juni 2007, 12:43 Uhr, von Walter
    017

    Stimmt in sl gibt es ja wohl keine Sittenpolizei und die Frage »You wanna make sex with me?« scheint von Wildfremden öfter gestellt zu werden als die nach der Uhrzeit. Da kann frau oder man ja wohl schon etwas erleben, wenn sie ihren/ seinen weiblichen Avatar ob jetzt mit oder ohne primäre Geschlechtsmerkmale ausführt. Es soll nicht wenige Männer mit weiblichem Avatar geben und umgekehrt- warum nicht?
    Die Welt des zweiten Lebens hat ja offensichtlich so ihre eigenen Probleme, auch Avatare scheinen sich über Konsum zu definieren, wenn sie dann keine Kleider mehr anhaben ist das besonders peinlich weil sie dann die ganze tolle Idee in Frage stellen. Die Nackedeis in Heiligendamm wollten dagegen eher Aufsehen erregen und mal in die Zeitung kommen, oder so. Aber ein nackter Avatar im Konsumparadies- das ist krass. Da zu vermuten ist, dass erstens ein nackter weiblicher Avatar ohne primäre Geschlechtsorgane in sl nicht so ganz ernst genommen und eher mitleidig betrachtet wird. Sie ist ja im doppelten Sinn nicht vollständig- und zweitens dieser Avatar nicht seinem Frauchen- um im Bild zu bleiben- zugeordnet werden kann, bleibt die Frage, was wird aus ihr? Lässt sich ein Avatar wieder löschen, gibt es eine ‘Absterbefunktion’? Möglicherweise ja, denn es waren ja schon Zeichen des Verblassens feststellbar und der Verlust der Kleider ist ja vielleicht das erste Zeichen des Abschaltens? Aber so wie es damals schwierig war ein Tamagotchi ‘sterben’ zu lassen. Unsere Jüngste hatte eins und ich habe damals mehrmals versucht, ‘es’ am Leben zu erhalten, wobei ich mich nicht sehr geschickt anstellte…
    Das ist schon ein Entschluss, ideelll und virtuell aus second life über ein Paria- oder outcast- Zwischenstadium auszusteigen und sein zweites unvollkommenes Ich digital sterben zu lassen. Soll man sein Beileid bekunden, wenn der Avatar stirbt?
    Fragen über Fragen…

    Antworten
  18. 11. Juni 2007, 12:48 Uhr, von Walter
    018

    sorry, der ging verloren.

    Antworten
  19. 11. Juni 2007, 13:06 Uhr, von Walter
    019

    Was ist davon zu halten:
    ‘Das wahre Gesicht der Avatare!
    Am 14. Juni findet im SL eine kleine Revolution statt: Denn dann öffnet Avatar Island: Mit einer Software, die jedem Avatar mit ein RL-Gesicht vom Passfoto verpasst! Unser Reporter Draxtor Despres war der erste und einzige, der schon jetzt hineindurfte und: den Selbstversuuch gewagt hat! Weltexklusive Bilder von einer heiklen OP!’ ?

    Antworten
  20. 11. Juni 2007, 13:08 Uhr, von Nora
    020

    @ Theresa:

    Vielleicht können wir Ihr ja da weiterhelfen!?! ;O)

    Du bist doch auch “drin” oder?

    Antworten
  21. 11. Juni 2007, 13:11 Uhr, von Walter
    021

    Und Heiligendamm fand auch in sl statt:
    ‘Das ist der Gipfel!
    Nicht nur im Real Life hat der G8-Gipfel in Heiligendamm für eine Menge Aufregung und Aufsehen gesorgt: Auch im Second Life gab es Diskussion und Protest. Und: Die Demonstranten hatten sich ausgerechnet da breitgemacht, wo in Real Life die Präsidenten tagen! Roob Robbiani war für LIFE 4-U da – und hat mit den Initiatoren gesprochen.’

    Antworten
  22. 11. Juni 2007, 13:11 Uhr, von Nora
    022

    Sorry zu schnell abgeschickt.

    Zum Thema studivz auch ein Artikel auf http://www.emma.de:

    http://emma.de/hier_werden_sie_gegruschelt_3_2007.html

    Antworten
  23. 11. Juni 2007, 15:21 Uhr, von Walter
    023

    StudiVZ und sl sind eher sehr verschieden- auch von der Intention her. Gemeinsam haben beide eine phantasievolle Komponente, auf die ja ansatzweise auch der Emma- Artikel abhebt. Wahrscheinlich treiben Neugier und ‘Zeitgeist’ vorwiegend junge Leute ins Netz…
    Nochmal die Frage- besonders auch an so kritische Leute wie MM: Warum? – Diesmal nicht andersrum. Wirklich nur für die Phantasie? Oder den Konsum? Oder den Zeitgeist- Hype? Oder doch nur aus Neugier?

    Antworten
  24. 11. Juni 2007, 15:44 Uhr, von Fabian
    024

    Also ich finde das im Prinzip gut, dass MM da ist, schließlich sollte man schon wissen, worüber man redet. Ich allerdings finde alles mittlerweile viel zu viel, jede Woche wird eine neue Web 2.0-Plattform durch die Blogosphäre gejagt. SL halte ich für maßlos überschätzt, da haben sich ein paar Leute eine goldene Nase dran verdient mehr nicht. Das waren schöne PR Gags, aber mal ehrlich, was soll die Landesvertretung Baden-Württemberg in Second Life???

    Bin (aus Überzeugung) weder im SL unterwegs noch Twitter oder StudiVZlere oder Flickr ich (guck aber gerne mal anderen dabei über die Schulter). Mir reichen XING, diverse Blogs und YouTube – man verliert ja mittlerweile echt den Überblick bei all’ den Plattformen und all den virtuellen Identitäten, wo man sich angemeldet und die man sich inzwischen zugelegt hat – brutal sage ich Euch, nee, irgendwas muss auch ohne mich gehen. Ich fände es auch irgendwie gespenstisch, wenn mein Avatar da irgendwo unkontrolliert herumgeistern würde – na ja, kommt wohl drauf an, wie sehr man sich mit dem indentifiziert.

    Aber im Game Bereich z.B. bei WOW hängen die Ersteller schon sehr an ihren virtuellen Charakteren (war letztens ein Bericht im SZ-Magazin darüber), ich finde das alles zwar seltsam, aber durchaus nachvollziehbar.

    Brave New World!

    Antworten
  25. 11. Juni 2007, 15:47 Uhr, von Fabian
    025

    Hier der Link zu den Abbildungen im SZ-Magazin (das im übrigen immer besser wird, habe ich den Eindruck, tolles Ding!!!): “Meine wilde Seite”

    Antworten
  26. 11. Juni 2007, 16:13 Uhr, von Janna
    026

    @ Fabian, zu deinem letzten Link: das sind Leute, die mich irgendwie etwas befremden. Ich für meinen Teil habe genug damit zu tun, mein “real life” auf die Reihe zu kriegen, da habe ich weder Zeit und Lust, mich noch um sowas kümmern. Aber das wird wohl gerade der Kick dabei sein: im SL das zu verwirklichen, was im RL nicht funktioniert. Ich hoffe nur, das der Großteil der dort umtriebigen Menschen die Unterscheidung zwischen RL und SL auf die Reihe kriegt.
    Andererseits- eröffnet es doch viele neue Möglichkeiten. Vielleicht sollte ich ein Buch herausgeben: Der kleine Erziehungsratgeber für Avatare…

    Antworten
  27. 11. Juni 2007, 18:13 Uhr, von Cate
    027

    @Janna: Mir geht´s ähnlich. Ich finde es twar spannend, mal auszuprobieren, was das SL so auf den ersten Blick zu bieten hat (hab ich auch gemacht – dann war ich nackt. ;o), aber schlussendlich zieht´s mich viel viel mehr ions wahre Leben. Wohlmöglich hätte ich auch sehr schnell Interesse daran, Begegnungen aus dem SL im RL kennenzulernen. Der rein fiktive Aspekt löst bei mir irgendwann eine Ungeduld aus. Ich liebe das reale Leben einfach zu sehr, um es dafür (wenn auch nur “zwei bis drei Stunden täglich”, was ich aber auch schon ziemlich viel finde) links liegen zu lassen. :o)

    [This Comment is Property of the Indians]

    Antworten
  28. 11. Juni 2007, 20:17 Uhr, von Fabian
    028

    Da uns MM ja nun aktiv um Hilfe bittet, hier mein Vorschlag: Sie lasse ihre Nackte in die Baden-Württembergische Landesvertretung marschieren und beantrage dort temporäres Nudisyl – die können doch alles, außer Hochdeutsch.

    Antworten
  29. 11. Juni 2007, 20:39 Uhr, von Walter
    029

    Gibt es eigentlich Pflegeheime für vernachlässigte Avatare? Oder Gesprächsgruppen, oder Avatarotherapie, oder…
    Da tut sich ja ein Riesenmarkt auf, mindestens so groß wie der für Haustiere.
    Aber die arme Frau (?) Avatar will ja nach MMs Deutung etwas ausdrücken, nämlich einen ‘Systemfehler, der auf einen Systemfehler hinweist.’ Wie lautet dann die Botschaft des Systems? Sl bringt nichts, mit seinen sonderbaren Nichtbeziehungen und seinem Konsumzwang? Was sind die Konsequenzen hieraus? Wie geht es weiter?

    Antworten
  30. 11. Juni 2007, 21:27 Uhr, von Cate
    030

    Das System will wohl eher sagen: Mich hat ein Idiot geschrieben!

    [This Comment is Property of the Indians]

    Antworten
  31. 11. Juni 2007, 21:39 Uhr, von Walter
    031

    Cate was bedeutet der Zusatz: ‘[This Comment is Property of the Indians]‘ ?
    Bist Du jetzt bei den Indianern?

    Antworten
  32. 12. Juni 2007, 2:03 Uhr, von Cate
    032

    Mit Link:

    [This Comment is Property of the Indians.]

    :o)

    Antworten
  33. 12. Juni 2007, 9:23 Uhr, von Janna
    033

    @Fabian
    als “Einheimische” eines Bundeslandes das behauptet “alles außer Hochdeutsch zu können”, kann ich nur sagen, daß die Nacktheit mit der traditionell doch eher konservativen Haltung der Landesregierung kollidieren wird und wenn es dumm läuft, virtuellen Knastaufenthalt wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses nach sich ziehen wird.
    Aber ich glaube, die schwedische Botschaft ist auch im SL vertreten. Und hey, die aufgeklärten Schweden…

    Antworten
  34. 12. Juni 2007, 9:52 Uhr, von Fabian
    034

    @ Janna: *lach* ja! Der große virtuelle Toleranztest :-)

    Ich kriege jetzt seit drei Tagen wiederkehrend einen Kicherflash bei der Vorstellung, dass die Nackte da in die BW-Landesvertretung spaziert und einem deutschen, konservativen Behördianer (der war jetzt @ Cate) ihr Leid klagt. Ist das ein witziges Posting, wirklich!

    Wie viel Verantwortung hat man für sein virtuelles “Ich” eigentlich? Ich meine, jetzt mal rein medienethisch gesehen. Frau Professor, sie haben recht, das ganze ist ein Skandal.

    Armes kleines, virtuelles, hilfloses, nacktes Mädchen, ich bin ehrlich betroffen. Wir sollten ein Hilfsprojekt gründen, für solche wehrlosen Opfer der modernen Systemtechnik.

    Antworten
  35. 12. Juni 2007, 11:55 Uhr, von Janna
    035

    ich entschuldige mich jetzt schon für meine Albernheiten, aber das Thema schreit einfach danach.
    Kann man sich im SL denn auch tätowieren/piercen lassen, also besteht die Möglichkeit, den Avatar auch individuell zu verändern oder gestaltet man denselbigen nur, indem man sich aus einer vorgefertigten Liste was eigenes zurechtbastelt ? Ich kenne mich da echt nicht aus.

    Antworten
  36. 12. Juni 2007, 12:12 Uhr, von Bette
    036

    Ich muss mal kurz eine Lanze für die “befremdlichen” Leute brechen: Ein Freund von mir spielt WOW. Und der hat echt ein normales Real Life, und geht auch mal mit seiner Gilde “real” was trinken. Übertreiben kann man es mit allem, von daher seh ich die ganzen Second-Life-Geschichten ziemlich entspannt…

    Ich hoffe, der Avatar treibt noch eine Weile nackt sein Unwesen, mir gefällt der Gedanke. :-) Aber warum seid ihr euch alle so sicher, dass es ein Mädchen ist? Nur wegen der Besitzerin (hätte schon fast “Frauchen” geschrieben)?
    Mal gucken, ob man hier nicht noch eine Avatar-Gender-Debatte lostreten kann.. ;-)

    Antworten
  37. 12. Juni 2007, 12:21 Uhr, von Fabian
    037

    @ Bette: (kurz dazwischengebloggt)

    Render your gender? In Second Life kommen mir die Kreaturen eher vor wie: Oversexed and underf… Ätzend! Allein deshalb kann ich da schon nicht sein!

    In New York funktioniert das anders: Your gender is a state of mind – das First Life wird mir immer sympathischer :-)

    Antworten
  38. 12. Juni 2007, 12:55 Uhr, von Bette
    038

    Noch ein Link zum nackten Protest.

    @Fabian: Klingt gut… uhhh… I feel female today! And so real…. :-)

    Antworten
  39. 12. Juni 2007, 13:16 Uhr, von Cate
    039

    Darf ich noch Tatatütata schreiben?
    Meine Kommentare werden nämlich nicht mehr veröffentlicht…

    Antworten
  40. 12. Juni 2007, 13:16 Uhr, von Cate
    040

    Ich darf.

    Antworten
  41. 13. Juni 2007, 12:13 Uhr, von Fabian
    041

    Das erklärt manches: “Ladenschluss in Second Life” SZ-Online … :-)

    Antworten
  42. 13. Juni 2007, 14:59 Uhr, von Cate
    042

    Hö. :o)

    Antworten
  43. 13. Juni 2007, 15:04 Uhr, von Cate
    043

    Übrigens, Fabian, da meine vergangenen Kommentare verschollen sind (oder “beschlagnahmt”??), kurz nochmal zu “Render your Gender”:
    Das ist die Queer Theorie, deren Verteterin unter anderem Judith Butler ist. Da gab es mal eine kleine Diskussion im “Unter Hirschen”-Posting. Rememba?

    Antworten
  44. 13. Juni 2007, 16:08 Uhr, von Walter
    044

    Cate, bist Du eine Judith- Butler- Versteherin? Respekt. Vielleicht liegt es an meinem Y, dass ich ihr gelegentlich geistig nicht folgen kann. In meinen Augen ist es schon eine Leistung, ein Buch von ihr komplett zu lesen…
    Mit sl waren wir eigentlich schon das letzte Mal durch, fand ich jedenfalls. Einige der Gedanken von damals finden sich auch im SZ- Artikel (Fabians link) wieder. Wenn ich mir Schuhe kaufe, möchte ich sie vorher anprobieren. Es nützt mir wenig, wenn mein Avatar gut damit aussieht.
    Miriam geht es möglicherweise um etwas anderes: Der Ansatz stimmt nicht, ein Kunstleben ist kein Leben, unsere Wirklichkeit, besonders unsere Körperlichkeit lässt sich mit allen ihren Vor- und Nachteilen nicht in eine virtuelle Kunstwelt übertragen oder durch eine ‘humanoide’ Kunstfigur ersetzen. Da ist eine Grenze erreicht, die dann erst wieder eine als psychisch real erfahrenes künstliches Ich überschreiten kann. Zum Beispiel mit Hilfe von Drogen wie bei Huxley (‘Soma’, das heißt Körper!), oder durch nervale Adapter an der Schädelbasis wie in der Matrix. Aber der Schritt von der realen Welt in ein Computerprogramm scheint bei vollem Bewusstsein weder auf Dauer möglich, noch beliebig wiederholbar und schon gar nicht, wie primär vielleicht gewünscht, befriedigend zu sein.
    Doch vielleicht gibt es hier ja anders lautende Meinungen. Denn eigentlich kann ich nicht richtig mitreden, war ja noch nicht dort und habe nur darüber gelesen, so ähnlich wie damals Karl May…

    Antworten
  45. 13. Juni 2007, 19:51 Uhr, von Andrea
    045

    @walter
    Aber vielleicht nimmt MM ja Drogen – Miriam möchte ich nicht sagen.
    Sie zeigt sich schämt sich, weil ihr Avatar nackt ist, das geht doch schon ziemlich weit. Ich war im Sl als Friday Teetime und mir wäre geschilderte Nackheit total schnuppe gewesen.

    Antworten
  46. 13. Juni 2007, 19:55 Uhr, von Andrea
    046

    radieren wir doch “zeigt sich” schnell aus ;-)

    Antworten
  47. 13. Juni 2007, 21:23 Uhr, von jeanne
    047

    Ich versuche gerade, mir den Hilferuf auf
    Schwiizerdütsch vorzustellen:

    Hülfa, miin Avatoar isch nakchchcht…

    Antworten
  48. 13. Juni 2007, 21:30 Uhr, von Cate
    048

    Oder der schweizer Polizist im SL: Ja habn sie denn dafürreine Perrmissionn?

    Andrea: Ich grübele jetzt die ganze Zeit, was du ursprünglich formulieren wolltest… ;o)

    Antworten
  49. 14. Juni 2007, 6:52 Uhr, von Andrea
    049

    @cate
    Das willst Du nicht wirklich wissen :-D

    Antworten
  50. 14. Juni 2007, 12:35 Uhr, von Walter
    050

    Das Posting zeigt eigentlich, dass MM (@Andrea) keine Drogen nimmt… Denn andernfalls hätte sie sich und uns diesen Hinweis auf einen Systemfehler, der auf einen Systemfehler hinweist, wohl nicht gegeben. Aber nicht Drogen im engeren Sinne wie beim Doping oder bei Aldous Huxley sind hier Thema, sondern gerade die Beobachtung, dass mit unserem (?)- welchem? System etwas nicht stimmt. Wenn wir in MM neben (vielem) anderen auch eine Moralistin sehen und das tue ich, dann erhält ihre Aussage eine zusätzliche Dimension.
    Noch eine Anmerkung: Wenn wir nach einem Systemfehler suchen und selbst Elemente, Agierende im System sind, dann sind wir gleichzeitig Täter und Opfer, Akteure und Zuschauer. – Können wir den vermuteten Fehler im System dann überhaupt erkennen? Müssten wir uns dann nicht auch irgendwie selbst hinterfragen? Wie?
    PS: wenn ich ‘Miriam’ schreibe, ist das durchaus respektvoll gemeint. Außerdem kennen wir uns hier schon seit fast zwei Jahren, über unsere Gedanken und Einstellungen- das ist nicht wenig. Da darf man sich dann vielleicht auch respektvoll duzen…

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2012