MM_Musil
Zu den Kommentaren
21. Juni 2007, 21:46 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Nettodiskriminierung

Auf manch eine Überraschung kann man getrost verzichten. So zum Beispiel auf die Erkenntnis, dass Frauen heute noch immer für die gleiche Arbeit weniger verdienen – und das in zivilisierten Gesellschaften, die von sich behaupten, Gleichbereichtigung sei inzwischen ihr Normalzustand.

Das ist nicht so, stellen wir leider mal wieder fest. Eine Studie des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen gemeinsam mit der European Association of Communication Directors hat die Tätigkeitsfelder und das Selbstverständnis von professionellen Wirtschafts-kommunikatoren untersucht. Eine Reihe erfreulicher Ergebnisse sind dabei zu Tage gefördert worden, z.B. dass Frauen und Männer auf den gleichen Hierarchiestufen arbeiten. Das ist wenigstens etwas.

Leider werden Frauen für dieselbe Arbeit deutlich schlechter bezahlt: 50 Prozent der Top-Positionen sind durch Frauen besetzt. 70 Prozent der Topverdiener sind Männer. Nur zur Orientierung: Wir schreiben das Jahr 2007 und die Studie befragte mehr als 1.000 Menschen in Europa.

Rückblick: Die erste umfassende Studie zum Journalismus in Deutschland stellte eine „Nettodiskriminierung“ der Journalistinnen von 500 DM im Monat fest. Das war Mitte der neunziger Jahre. Mehr als zehn Jahre später stellt der EU-Gleichstellungsbericht 2007 fest, dass Frauen weiterhin deutlich weniger verdienen als Männer. Deutschland liegt dabei ganz vorn – in der Nettodiskriminierung. Bei uns sind es 22 Prozent geschlechtsbedingter Lohnunterschiede, sieben Prozent mehr als im EU-Durchschnitt.

Ist das zu fassen? Nicht wirklich. Als ich in Brüssel die Ergebnisse für die Kommunikationsspezialisten in Europa vorgetragen habe, ging an dieser Stelle eine Raunen durch den Saal. Es wäre ja schön, wenn aus Verwunderung irgendwann auch mal Veränderung resultierte.

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168 Reaktionen

  1. 31. Juli 2007, 22:06 Uhr, von Walter
    0151

    Es ist eben Sommer, die einen sind unerreichbar, die anderen im Exil…
    Gönnen wir MM ihre Sommerpause- ohne Nettodiskriminierung- es war ja einiges los in der letzten Zeit. So eine schöpferische Pause hat ihren Sinn.
    Wir können ja, wie Cate es vorschlägt, in der Bibliothek zelten. Da regnet es zumindest nicht so oft rein.- Hoffentlich.

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  2. 1. August 2007, 6:54 Uhr, von Anja
    0152

    Hm, ich bin den ganzen Tag von Büchern umgeben. Da würde ich doch lieber woanders zelten.
    …auf der einsamen Insel vielleicht;-)

    @Andrea: aber bitte keine gruselige GEMAfreie Überbrückungsmusik…

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  3. 1. August 2007, 7:25 Uhr, von Ute
    0153

    Walter, Du nimmst unsere Frau Professor aber in Schutz. Pause hin oder her. Aber ein bisschen mehr könnte sich um ihre kleinen Bloggerchen ja schon kümmern – und wenn sie uns nur mal schöne Ferien wünschte – wäre ja mal was. Oder ist das schon zu viel verlangt??? Vermutlich … ich gebe es auf!

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  4. 1. August 2007, 8:05 Uhr, von Walter
    0154

    Die Themen und Mitteilungen dieses Jahres zeigen eine gewisse Verbundenheit. Das ist mehr als viele andere Blogs je erreichen (wollen?). Wenn MM als Mehrkämpferin zahlreiche Bereiche und Arbeitsfelder abdeckt und auch diesen Block, dann verdient dies zunächst einmal Anerkennung, wie ich finde. Wenn wir nicht in grundsätzlichen Dingen mit ihr einig wären, wären wir wohl nicht hier. Ich gönne ihr den Urlaub, ob jetzt produktiv oder nicht.
    Dass sie mit liest und auch reagiert, wenn sie es für nötig hält, zeigt dieser Blog. Was gelegentlich auch mich etwas kribbelig macht, ist das Gefühl, dass sich einiges im Hintergrund entwickelt, zum Beispiel auch das Buch, die Dinge aber einfach noch etwas Zeit brauchen. Daher meine Bitte: Geben wir MM einfach noch etwas Zeit. Es wird schon gut werden. ;-)
    Spannend ist es auf jeden Fall.

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  5. 1. August 2007, 9:36 Uhr, von Janna
    0155

    off the topic und aus dem Kuriositätenkabinett: Das an heute gültige Nichtraucherschutzgesetz im heimatlichen Baden-Württemberg. In meinem Tabakladen gibts auch Espresso und Co, bisher war die Kippe dazu kein Problem, es ist ja schließlich ein Tabakladen. Ab heute ist das Rauchen auch dort verboten. Begründung: Fehlanzeige !
    wahrscheinlich wegen der unglaublich vielen Kleinkinder und Nichtraucher, die immer den ganzen Tag im Tabakladen rumhängen…
    ich sollte auch in den Urlaub fahren.

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  6. 1. August 2007, 9:48 Uhr, von Cate
    0156

    Janna, erinnerst du dich noch an die Zeiten, in denen bei Fernsehtalkshows ungeniert ohne Ende gepafft wurde? Irgendwie sehne ich mich danach. Das Argument mit der Jugend zieht bei mir nicht mehr. Neuhlich sagte mir ein ca. siebzehnjähriger Knirps im Zeitungsladen um die Ecke beim Abkassieren: „Rauchen ist out.“ Na vielen Dank! Und deretwegen kann man in Zukunft nur noch in einer eigens dafür ausgegrabenen Höhle rauchen…
    Nur mal als Denkanstoss: In Schweden ist der Verzehr von Alkohol auf offener Straße verboten und man kann Spirituosen mit über 3,5 % nur in den speziellen System Bolagets kaufen. ABER: Das Land weist eines der größten Alkoholprobleme in der gesamten EU auf.

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  7. 1. August 2007, 10:05 Uhr, von Ute
    0157

    @ Walter: Schön zu hören, dass auch dich mal was „kribbelig“ macht :-)

    Ja, das konnte man durchaus beobachten, dass auch hier (ein wenig) Stoff für’s Buch gesammelt wurde – ich hoffe, es war etwas brauchbares dabei.

    Ich stelle es mir in der Tat schwierig vor, ständig zwischen den Welten zu hüpfen: Professur, Forschung, Beraterin, Journalistin, Bloggerin, Kongressmoderatorin, Autorin, neue Medienwelten, alte Medienwelten, ach ja und ab und wann auch nochmal Privatperson – man fragt sich ja so langsam – gibt es die überhaupt noch, bei all‘ den Aktivitäten?! :-)

    Frage mich manchmal, wie gut (oder schlecht) sich das alles miteinander kombinieren lässt und vor allem wie glaubwürdig – insofern ist es schon spannend zu hören, wie ein Kommunikationsspezialist, der sich in all‘ diesen Welten tummelt, ausgerechnet davon ein wenig abnabeln will. (siehe Buch)

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  8. 1. August 2007, 10:17 Uhr, von Ute
    0158

    Cate zum Thema Sucht und Süchte und deren Ausprägungen (Verfügbarkeit, Restriktionen) in verschiedenen EU-Ländern, könnte ich dir einiges erzählen.

    Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich mit Süchten bzw. den Suchtmitteln umgegangen wird: Drogen (z.B. Niederlande vs. Deutschland), Alkohol (Deutschland vs. Schweden vs. Frankreich – Sonderfall: Bayern :-)), Glücksspiel (Großbritannien vs. Deutschland) etc.

    Kulturhistorisch und soziologisch gesehen schon recht interessant – warum unterscheiden sich die Nationen in ihren Süchten und dem Umgang mit ihnen?!

    Neuestes Thema: Mediensucht – aber das ist wohl definitiv übergreifend.

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  9. 1. August 2007, 12:06 Uhr, von Walter
    0159

    Gelegentlich etwas kribbelig steht für manchmal sehr neugierig, Ute. So ein kleines Lebenszeichen oder einen Wink könnte schon mal kommen, aber Geduld.
    “Rauchen ist out.?- Stimmt Cate, die Zeiten ändern sich und Du nimmst ja auch schon Zuflucht zur Nostalgie. Wenn Diskussionssendungen aus den siebziger und achtziger Jahren wiederholt werden, sieht man schon mal vor lauter Qualm das Publikum nicht mehr. Das wirkt heute wie aus einer fernen Zeit. Damals wurde auch mehr gelacht als heute, finde ich wenigstens. Die Menschen nahmen sich damals- teilweise- gegenseitig ernster, sich selbst aber nicht so furchtbar wichtig. Ich finde schon, unsere ‚moderne‘, besser spät postmoderne Zeit hat einiges an Witz und Leichtigkeit verloren, auch an Bescheidenheit. Das soll aber jetzt keine Kulturkritik sein, eher eine leicht melancholische Feststellung. Rauchen ist für viele deswegen out, da es von einer öffentlichen Handlung zu einer privaten geworden ist- Ausdruck von abweichender Meinung, Eigensinn, vielleicht auch Charakter (?). Wie Jutta Allmendinger in ihrem Tagesspiegel- Interview „Störe ich – oder darf ich Platz nehmen?“ sagte: ‚Geht hin und raucht eine Zigarre mit den Männern.‘ Und mit den Frauen.

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  10. 1. August 2007, 13:26 Uhr, von Ute
    0160

    @ Walter: Ist absolut was dran! Aber der Leistungsdruck ist eben auch enorm – bei den jüngeren sogar noch viel größer als bei uns und ich bin gerade mal Anfang dreißig.

    Aber auch hier glaube ich langfristig fest an eine Trendwende – vor allem, wenn sich alle mal von dem Gedanken verabschiedet haben, dass es der nächsten Generation automatisch immer besser gehen muss – das wird nicht mehr so sein, egal wie man sich abstrampelt, da sollte man frühzeitig nach anderen Lebensentwürfen suchen, die vielleicht nicht reich und erfolgreich, aber ebenfalls glücklich machen.

    Aber davor wird es vielleicht (auch bedingt durch die Selbstinszenierung durch das Web 2.0.) noch schlimmer, zumindest wenn man Jean M. Twenge glauben darf: Generation Me

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  11. 1. August 2007, 13:27 Uhr, von Ute
    0161

    Link zum Buch: Generation Me

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  12. 1. August 2007, 13:31 Uhr, von Ute
    0162

    Ach guck mal, zu dem Buch gibt’s auch ein eigenes Blog – vielleicht plant MM ja ähnliches – Walters nebulöse Ankündigungen (nur Geduld) machen ja direkt neugierig :-)

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  13. 1. August 2007, 15:37 Uhr, von Walter
    0163

    Keine schlechte Idee, Ute. Nur wäre ein Blog über Unerreichbarkeit konsequenterweise metaphorisch nicht selbst unerreichbar?
    Das erinnert an das beredte Schweigen in versammelter Stille.

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  14. 1. August 2007, 17:44 Uhr, von Ute
    0164

    Ich denke nicht, dass MM ein ganzes Buch über Unerreichbarkeit schreibt, das ist in einem Satz zusammengefasst: Stöpsel raus, aus die Maus.

    Ich schätze Frau Professor geht es eher um die bewusste Nutzung der Medien.

    Stille kann ja letztlich auch nicht die Lösung sein, dann müssten wir ins Kloster gehen. Wir wollen doch kommunizieren, uns austauschen und uns mitteilen – mehr denn je!

    Ein gutes Mittelmaß ist – wie bei so vielen Dingen im Leben – vermutlich die Lösung. Lassen wir uns überraschen :-)

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  15. 1. August 2007, 22:59 Uhr, von Walter
    0165

    Und bis dahin noch ein Link zu Gender und Gleichstellung an den Unis: Jana Hoffmann, Referentin für Frauen- und Geschlechterpolitik beim fzs – freier
    zusammenschluss von studierendenschaften. Thema Frauennetzwerke und ein Trost: „Wir nehmen den Jungs nicht die Autos weg“. Warum auch? http://lists.fzs.de/pipermail/fgp-newslettler/2007q1/000001.htm

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  16. 2. August 2007, 12:58 Uhr, von Walter
    0166

    Gute Absichten in Berlin: „Entgeltgleichheit – Fair p(l)ay
    – Das klingt wie ‚Fairer Handel mit der dritten Welt‘. Zweites Geschlecht- Dritte Welt? Vielleicht ist diese vereinfachte Sprache notwendig um Titel zu produzieren?
    – Dann sollten den einfachen Sprüchen auch klare Taten folgen.

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  17. 17. August 2007, 16:42 Uhr, von Milana
    0167

    Artikel 3 Absatz 2 GG http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/gg/gesamt.pdf … (Zitat) „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“.

    Deutschland 2007

    1 Bundeskanzlerin
    1 Bundesministerin für B+F
    1 Bundesjustizministerin
    1 Bundesgesundheitsministerin
    0 Vorstandsvorsitzende „CEO“

    Fakt bleibt: die Werte des Wertes Frau sind unterbewertet, den o.a. Damen nicht oder doch zum Trotze, je nach Betrachtung, je nach Beachtung. Doch wer wertet? Ausschließlich Mann? Der Staat fördert die Tat-Sache, „die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung …“: Gleichheit ist non-existent, es gibt nichts „Gleiches“ einer Sache. Frau ist keine Tat-Sache, wohl die Werte des Wertes Frau in Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft. „Der Staat fördert“, nach dem GG, Deutschland: der Staat mit seinem System Demokratie, der Herrschaft des Volkes, genannt Volksherrschaft – Volk, Herr, Schaft -, der „Herr“ sitzt fest, dito in der „la fraternité“, klammert sich an die eigene Ohn-Macht.

    Zitat aus „Die Wurzeln weiblicher Macht“, Seite 9, Kösel Verlag 1996, ISBN 3-466-36456-6:

    Weibliche Macht für viele ein Reizwort.
    Männliche Macht das Selbstverständlichste von der Welt.

    Weibliche Machtlosigkeit für viele der >>natürlichste

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  18. 28. September 2007, 21:58 Uhr, von Walter
    0168

    Es gibt jetzt den Link zu fair p(l)ay – endlich.

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