Auf manch eine Überraschung kann man getrost verzichten. So zum Beispiel auf die Erkenntnis, dass Frauen heute noch immer für die gleiche Arbeit weniger verdienen – und das in zivilisierten Gesellschaften, die von sich behaupten, Gleichbereichtigung sei inzwischen ihr Normalzustand.
Das ist nicht so, stellen wir leider mal wieder fest. Eine Studie des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen gemeinsam mit der European Association of Communication Directors hat die Tätigkeitsfelder und das Selbstverständnis von professionellen Wirtschafts-kommunikatoren untersucht. Eine Reihe erfreulicher Ergebnisse sind dabei zu Tage gefördert worden, z.B. dass Frauen und Männer auf den gleichen Hierarchiestufen arbeiten. Das ist wenigstens etwas.
Leider werden Frauen für dieselbe Arbeit deutlich schlechter bezahlt: 50 Prozent der Top-Positionen sind durch Frauen besetzt. 70 Prozent der Topverdiener sind Männer. Nur zur Orientierung: Wir schreiben das Jahr 2007 und die Studie befragte mehr als 1.000 Menschen in Europa.
Rückblick: Die erste umfassende Studie zum Journalismus in Deutschland stellte eine “Nettodiskriminierung” der Journalistinnen von 500 DM im Monat fest. Das war Mitte der neunziger Jahre. Mehr als zehn Jahre später stellt der EU-Gleichstellungsbericht 2007 fest, dass Frauen weiterhin deutlich weniger verdienen als Männer. Deutschland liegt dabei ganz vorn – in der Nettodiskriminierung. Bei uns sind es 22 Prozent geschlechtsbedingter Lohnunterschiede, sieben Prozent mehr als im EU-Durchschnitt.
Ist das zu fassen? Nicht wirklich. Als ich in Brüssel die Ergebnisse für die Kommunikationsspezialisten in Europa vorgetragen habe, ging an dieser Stelle eine Raunen durch den Saal. Es wäre ja schön, wenn aus Verwunderung irgendwann auch mal Veränderung resultierte.







@walter:
Danke für den Link zum Interview. Es ist doch herzerfrischend, so etwas zu lesen. Mehr davon!
Der Artikel der SZ löste bei mir anderes aus. Immerhin schon schön, dass man jetzt reagieren will. Agieren ist ja schwer, wenn man über Misstände nicht informiert ist…
Zu stark wird für meinen Geschmack in der Diskussion um die Gehaltsunterschiede Ursachenforschung betrieben, und dabei viel zu sehr der “Mann-Frau-Partnerschafts-Lebensentwurf” fokussiert. Immer wieder zeigt sich für mich auf diese Art, dass eine Frau über
a) ihre Beziehung zu Männern (auch im Privaten) und
b) die, wenn auch nur so vagen Möglichkeit der ausgelebten gebährfreudigkeit,
definiert wird.
Das langweilt und sollte in keiner Weise Begründung/Ursache für Gehaltsunterschiede sein.
Wie kann ich mir erklären, dass weibliche Berufseinsteiger weniger Geld erhalten als männliche ? Weil sie, zumindest rein potentiell, eines tages Kinder bekommen?
Und falls wir nun wieder zum Thema “sich-selbst-verkaufen” und “hart verhandeln” kommen: Aux armes, Mesdames! Formez vos bataillons! Marchons, marchons. ;-)
Unser westliches Dilemma besteht möglicherweise auch darin, dass der Patriarchalismus (lesenswert: ‘Die macht der Identität’ von Manuel Castells) obsolet wurde- durch die veränderten ökonomischen Verhältnisse und die damit einhergehende Emanzipation der Frauen- aber keine gleichwertigen Alternativmodelle als relevant wahrgenommen oder in nennenswertem Umfang über Sozialisation vermittelt werden. Der Erfolg Eva Hermans und anderer liegt auch darin begründet, dass sie auf traditionelle, scheinbar vertraute, wenn auch verlogene Muster zurückgreift, die als gesellschaftliche funktionsfähig im kollektiven Gedächtnis schon verankert sind. Sop nach dem Motto: Das funktioniert wenigstens, die Welt wird einfacher und leichter zu handhaben. Da spielen Ängste vor der Unvorhersehbarkeit unseres modernen Lebens keine kleine Rolle.
‘Aux armes, Mesdames! Formez vos bataillons! Marchons, marchons.’ Wie auch Jutta Almendinger meint, sollten die Frauen nicht allein marschieren, sondern den Männern die Möglichkeit anbieten mit zu kommen. Nur so können sich unsere westlichen Gesellschaften nachhaltig verändern.
Dass Frauen weniger Lobby haben belegt auch die neue EU- Studie. Frauen sind ökonomisch in Deutschland immer noch das zweite Geschlecht. Während Männer in ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung für den Export und den Wohlstand arbeiten, machen Frauen mehr so das Drumherum. Dies zu ändern erfordert erheblichen politischen Willen, den ich, abgesehen von Wortblasen in Sonntagsreden nirgendwo erkennen kann.
Frauen sind in ihrem rollenbezogenen Selbstverständnis in Anbetracht der Zustände und Herausforderungen erstaunlich wenig politisch. Liberté, Égalité, Fraternité waren die Schlagworte der Französischen Revolution von 1789, sie könnten es auch heute wieder sein, wenn sich ausreichend viele Frauen und Männer, ob jetzt in Beziehungen oder nicht, endlich mal solidarisch zeigen. Auch da hat Frau Allmendinger recht: Zuerst sollten wir die Strukturen ändern, gemeinsam, im Sinne unserer Gesellschaft. Die individuellen Probleme lassen sich dann erheblich leichter lösen.
jene frauen die auf die barrikaden steigen und “hart verhandeln” kämpfen ja auch für die – na, die, die sich nicht trauen oder die mit gebären und seinen folgeerscheinungen beschäftigt sind.
ich gehöre zu letzteren, deshalb danke an alle die kämpfen.
in einem mittelgroßen bayerischen städtchen in dem ich lebe, sollte die stelle eines tiefbauingenieurs besetzt werden. es fand also eine ausschreibung statt, die 5 in frage kommenden bewerber und eine bewerberin wurden in einer nichtöffentlichen stadtratssitzung den stadtratsmitgliedern vorgestellt. und in dieser sitzung hat eine stadträtIN der einzigen bewerberIN – ich schwöre – die frage gestellt, ob sie jemals kinder zu bekommen gedenke?! WOW!
daraus lernt man doch als frau: lieber wenig geld als gar keines.
Ein Zitat zu den Strukturen:
‘Es gibt aber noch eine zweite Falle, wenn lediglich die kurzfristigen und praktischen Bedürfnisse berücksichtigt werden : Frauen erscheinen dann als „Problemgruppe“ mit spezifischen Schwierigkeiten. Diesen Eindruck bekommt man auch beim Lesen der ESF- Projektbeschreibungen: Frauen sind diejenigen mit dem Vereinbarkeitsproblem, sie haben zudem unterbrochene
Berufsbiographien, veraltete Qualifikationen – mit anderen Worten: kumulierende
Vermittlungshemmnisse. Männer dagegen erscheinen als seltsam geschlechtslose Wesen,
sie sind einfach arbeitslos.
Betrachtet man aber nicht nur unterschiedliche Bedürfnisse, sondern hinterfragt, was die
Ursachen für diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind, so stellt sich schnell
heraus, dass nicht die Frauen das Problem sind, sondern die gesellschaftlichen Strukturen,
die den Unterschieden zwischen den Geschlechtern zugrunde liegen.’
Ich lass mir ein T-Shirt drucken:
“Die EU hat festgestellt, dass Frauen weniger verdienen als Männer, im Haushalt mehr tun und vom Arbeitgeber oft diskriminiert werden.”
Das ist der Hammer! Die Wissenschaft hat festgestellt…
Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine mehrmonatige Studie, die Unsummen gekostet hat und in der man zu demselben Ergebnis gelangte, das der Durchschnittsbürger schon vorher erahnen konnte.
Nicht auszudenken, wenn sie jetzt noch rausfinden das Rauchen schädlich ist….
Schön wär auch:
“…und die Frauen haben nie was gesagt!”
Haben Frauen Höhenangst?
Dass Frauen früher, häufiger und dringlicher die Sinnfrage stellen, spricht eher für eine umfassende realitätsnahe und selbstreflexive Weltsicht. Während Männer tendenziell eher Karriere um der Karriere willen machen, fragen sich Frauen eher: wozu? und was dann? Ja, was dann? Sind ein höheres Einkommen und beruflicher Erfolg möglicherweise nicht irgendwie ein Ersatz für ungelebtes Leben, der Preis für Verzicht? Beim Lesen der Artikel von Tanja Busse, Martin Spiewak und Jan-Martin Wiarda (www.zeit.de/2007/30/C-Streitgespraech-Frauenquote?page=all) kommen solche Gedanken. das erklärt aber noch nicht die Gehaltsunterschiede bei vergleichbarer Position- oder doch? Gibt es vielleicht einen Effekt der kollektiven Verallgemeinerung: Wir seelisch verarmten Männer verkaufen unser Leben an die Firma, die Wissenschaft, den Fortschritt, und so weiter, und wollen dafür wenigstens gut verdienen, um der ganzen Welt und uns selbst zu zeigen, wieviel wir doch wert sind. Ene Art von Sublimation also, im Sinne Sigmund Freuds? Und die Frauen wissen das, kennen die Spielregeln und halten den Preis für zu hoch, lehnen das ab?
Seinem Leben einen Sinn zu geben und dabei auch noch gut zu verdienen ist wohl nicht einfach, aber der Mühe wert.
Fragen über Fragen.
@Lichtbild: Skurrilitäten in der Arbeitswelt. Da gibt es nix zu lachen oder vielleicht gerade… Eine Freundin von mir wollte gerne Industriekletterin werden und musste den Traum aufgeben, weil sie als Frau nie eine Chance gehabt hätte. Die Begründung: Frauen müsssen öfter auf´s Klo und können schlecht “laufen lassen”. Da sehen die Unternehmen Zeiteinschränkungen und Behinderungen im Arbeitsablauf. Tja, dann müssen wir wohl mal lernen, wie man “laufen lässt”…
…ich verweise an dieser Stelle auf Pinki, die Notfall-Toilette für Frauen (erhältlich in jedem guten Outdoorladen, ca. 17€)… Nein im Ernst, diese Begründung wäre ja absurd-lustig, wenn sie nicht Ernst gemeint wäre. Und solange solche eigenwilligen Ansichten in bestimmten Branchen (auf dem Bau ist es oft ähnlich) kursieren, braucht man mit “gleiches Gehalt für alle”-Forderungen erst garnicht anfangen, da eine inhaltliche Diskussion in diesem Fall auf Grund unterschiedlicher Grundvoraussetzungen eh im Vornherein zum scheitern verurteilt ist
@ Walter: Ja, ich denke, da ist in der tat was dran – hatte dazu auch an veschiedener Stelle einen Artikel aus der Fast Company zitiert. Irgendwann muss doch jeder an den Punkt kommen und sich fragen: Kann das wirklich alles im Leben sein? Mein Leben für irgendein Unternehmen hinzugeben? Das neueste Laptop, wichtige Meetings, Geschäftsreisen, tolle Klamotten etc. hin oder her – das ist doch auf Dauer etwas stumpf. Mein Leben nur für Geld und Erfolg? Okay, ja, es ist toll Verantwortung zu übernehmen und mitgestalten zu wollen, aber wie hoch ist der Preis dafür, den man oftmals im Privatleben dafür bezahlt???
Der Preis ist ziemlich hoch – für Frauen vermutlich noch höher als für Männer, müssen sie sich doch vielmals ganz anders durchboxen und haben mit härteren Bandagen zu kämpfen als die Männer (Stichwort Seilschaften). Ich denke, dass dieser “Turning-Point” bei Frauen möglicherweise etwas eher einsetzt – sofern er bei diesen Business-Männern überhaupt einsetzt …
Ich bringe den Link aber auch gerne zum dritten mal, weil ich den Artikel so bezeichnend finde “Where are the Women?”
Meines Erachtens hat das nichts mit Höhenangst zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit Weitsicht und – man mag es mir hier als typisch weiblich deklarierte Charaktereigentschaft verzeihen, es ist nicht so intendiert – Gefühl. Gefühl dafür, dass es möglicherweise nicht richtig sein kann, sein komplettes Leben nur für ein “Unternehmen” hinzuwerfen. Aber das wird heutzutage wie selbstverständlich von Unternehmen verlangt, wenn man Karriere machen will: Verfügbarkeit rund um die Uhr!
Anklagen sollte man die Männer, die sich um ihrer Karriere Willen im Grunde einen Dreck um ihre Familie scheren, weil sie rund um die Uhr nur arbeiten, durch die Weltgeschichte düsen und für die Gleichberechtigung maximal ein chices Lippenbekenntnis ist, weil man ja gegenüber Kolleginnen nicht sagen kann, dass man die klassiche Rollenveriteilung im Prinzip für eine tolle Erfindung hält.
Es gibt auch andere, ja! Zum Glück! Aber das männliche Gros in den Unternehmen, ei, ei, ei … da herrscht nicht nur strukturell, sondern auch mental noch eine ausgeprägte Männerkultur vor, scheint mir.
Nun können die Männer hier zum Gegenangriff übergehen :-)
Herzlichen Glückwunsch, Frau Professorin. Nachträglich, wg. Urlaubs in internetfreier Zone. Außerdem: Über Ihren seelischen Beistand habe ich mich sehr gefreut; danke!!
Kein Gegenangriff Ute, Zustimmung. Die Wirtschaft ist für harte Männer so etwas wie Kampfersatz, die Sprache deutet darauf hin. Ohne zu verurteilen scheint diese Lebensweise vielen nicht gut zu tun, den Tätern wie den Opfern. Es gibt auch viele Männer, die diese Spielregeln nicht akzeptieren, sondern ablehnen.
Der Motor für ein kompetitives Verhalten um jeden Preis ist paradoxerweise oder auch nicht, das gesellschaftliche Ansehen. Erfolg um jeden Preis, auch den der Selbstaufgabe, ist die Selbstbelohnung für ein lineares Denken, das auf andere Menschen und Wertvorstellungen relativ wenig Rücksicht nimmt. Die Denkfehler im System werden uns mehr und mehr bewusst, ihre Konsequenz ist neben der Zerstörung von menschlichen Beziehungen- von der Familie bis zum Staat- letztlich auch die Umweltzerstörung. Wachstum und Erfolg sind Fetische, die diejenigen, die ihnen nachjagen nur noch weiter anstacheln, aber nicht zur Ruhe kommen lassen. Im Zuge der Globalisierungs- und der Umweltdebatte wird uns immer mehr bewusst, dass dieser Weg vielleicht in eine Sackgasse führt. Auch über das Internet findet eine weltweite Wertediskussion statt. Es beteiligen sich nicht nur die üblichen Verdächtigen, unter anderen Papst und Dalai Lama, sondern viele auf die eine oder andere Weise Betroffene.
Noch einmal gefragt: Gibt es eine kausale Verknüpfung zwischen dieser ‘männlichen Art’ zu denken und der finanziellen Herabstufung von Frauen? Sozusagen ein höheres Einkommen für die Akzeptanz und Befolgung der Spielregeln. Hohes Einkommen als Beleg für heimliches Einverständnis. Dann wären es nicht die Netzwerke als soziale Strukturen, die über Aufstieg und Geld entscheiden, sondern die Adoption einer Ideologie des Erfolgs um jeden Preis.
- Zugegeben einseitig und provokativ formuliert, aber mir scheint etwas dran zu sein.
“Gesellschaftliches Ansehen” wird einfach sehr unterschiedlich definiert – Stichwort Klassentreffen: Da wird man als Frau ohne Kinder mitleidig angesehen. Schlimmer noch: Frau muss sich rechtfertigen. Verkehrte Welt. Männern wird auf die Schulter geklopft…
Ich meide teilweise deswegen solche Veranstaltungen. Vielleicht wird´s jenseits der vierzig besser?
Habe mich etwas missverständlich ausgedrückt – in Bezug auf Karriere natürlich…
Früher nahm man wohl an, dass das „sesshaft werden“ eine höherwertige errungenschaft des menschen sei, auf die wir stolz sein könnten. Da hörte ich nun neulich die theorie, dass der mensch sesshaft WERDEN MUSSTE, weil die großen tiere, deren wanderzügen er bislang folgte VERSCHWANDEN. Um zu überleben, mussten also ganz schnell neue nahrungsquellen erschlossen werden. Das soll der grund dafür sein, wieso der ex-jäger und ex-sammler sesshaft wurde. GEGEN SEINEN WILLEN!
Mir leuchtet das tatsächlich ein. Dem boden mühsam ein paar ähren abringen, mißernten riskieren, grund- und bodenbesitz und der ständige streit darum (kriege aber auch nachbarschaftsstreitigkeiten), wer erbt für die nächste generation…etc. wenn man das mal so schnell andenkt, passt doch auch @utes „durch die weltgeschichte düsen“ hervorragend, als wenn’s uns angeboren wär.
Also mal ehrlich, hätte ich mein kind als jägerIN und SammlerIN geboren, ich würde mit größten vergnügen die männer meiner gruppe ehren und lieben, weil sie nämlich für mich und mein kind: eisbären jagten, mammuts anschleppten, kleine flöten bastelten, abends würden wir zusammen musik machen, vielleicht würde ich mit den anderen frauen der gruppe beerchen sammeln gehen, die ich dann gerne mit den männern teilen würde, obwohl ich ja schon ihre nachkommen auf die welt brächte und großzöge ,weil sie ja unter großer gefahr nur mit lanzen aus stein und steinschleudern elche jagten.
Wahrscheinlich hätten unsere männer sich schon mehrmals zwischen uns frauen mit den babys an der brust und anschleichende säbelzahntiger geworfen. Also ich finde, für so was kann der lohn gar nicht hoch genug sein.
Was will ich damit eigentlich sagen? Na, dass steinzeittechnisch es ja überhaupt niemals „gleiche Arbeit“ gab, also logischerweise auch kein „gleicher Lohn“.
Ehrlicherweise will ich auch sagen, dass auch ich manchmal so ein steinzeithirn habe aber manchmal, da fällt mir ein, dass ich mir heute – trotz einem baby an der brust – meine eisbären selber jagen kann (und muss): nämlich beim lidl um die ecke!!!
Und deshalb ist es vollkommen idiotisch, wenn frauen für die gleiche arbeit weniger geld bekommen.
Die deutschen Steuergesetze schreiben die Ungleichheit mit fest. Das Ehegattensplitting stammt aus einer Zeit, als Beruf und Familie noch staatsideologisch (Adenauer) nach Geschlechtern getrennt gesehen und gewertet wurden. Wenn wir Emanzipation beim Wort nehmen wollten, hätten wir dieses Denken abzulegen- auch bei den christlichen Parteien- und Frauen und Männer endlich auch steuermäßig gleich zu behandeln. Dann hätte die Diskriminierung auch auf dem Gehaltszettel ein Ende.
Wenn es unseren Politikern tatsächlich und nicht nur in Sonntagsreden, um die Familie geht, dann sollten sie sinnvollerweise die Familien, die Kinder fördern. Damit könnten sich auch die Väter emanzipieren, die unter allen Alleinerziehenden zwar mit unter zehn Prozent noch einen kleinen, aber stetig wachsenden Anteil ausmachen.
Frauen und ihr Selbstbewusstsein- ein Thema?
Frauen erscheinen wohl nicht nur mir häufiger als Männer sehr kritisch, auch selbstkritisch, reflexiv. Vielleicht drückt sich auch hier die Asymmetrie der Geschlechter aus: Im Selbstzweifel. Da kann politisches Bewusstsein und überhaupt Nachdenken über die eigene Person hinaus weiter helfen. Meist sind es die Zustände und die Umstände, die unsere Lebenssituation bestimmen und unser Bewusstsein steuern. Also noch einmal: Aux armes, Mesdames! Formez vos bataillons! Marchez…
PS: Wenn Männer sich früher (heute?) nicht gut fühl(t)en, gab es ja immer noch die Frauen als das zweite Geschlecht. Die Umkehrung dieser Sichtweise hilft uns nicht wirklich weiter. (@ihr wisst schon wer)
Meines Erachtens würde mehr Transparenz bei den Gehältern in Deutschland die Lösung des Problems enorm beschleunigen – jemand äußerte dies bereits am Anfang der Diskussion. Für mich ein zentrales Argument.
In Amerika ist es absolut kein Problem, sein Jahresgehalt offen mitzuteilen. In Deutschland tut man sowas nicht (steht sogar in den Arbeitsverträgen) – warum eigentlich nicht? Neid? Angst vor Mißgunst? Was ist das für eine Unternehmenskultur, die hinter dieser Geheimniskrämerei steckt? Ich finde das äußerst unbefriedigend.
Ich persönlich habe damit überhaupt kein Problem und würde mir sogar wünschen, öfter von anderen zu hören, wie viel sie verdienen, um mich einfach besser einordnen zu können – gerade und speziell von meinen männlichen Kollegen in gleicher oder ähnlicher Position. Aber irgendwie traut sich keiner, sein Gehalt offen auf den Tisch zu legen, seltsam (spezifisch deutsch wg. Neiddebatte?) – und sehr schade überdies, hier könnte man bereits im Kleinen sehr viel bewegen.
Woher soll ich denn sonst wissen, wieviel mehr mein Kollege nebenan verdient? Und wie hoch mein Benchmark eigentlich liegt? :-)
also gut, dann mach’ ich halt auch mit bei der revolution.
wann und wo treffen wir uns, welche waffen wählen wir?
zählt auf mich, ich bin dabei!
nennt zeit und ort und ich werde da sein!
Besser keine Revolution… Da werden auch Unschuldige sterben- wenn es die gibt- und danach kommt Napoléon oder Joséphine und dann gibt es Krieg. Diese Zeiten würde ich mir nicht wünschen.
Eigentlich ist ja schon alles da und wir haben auch vieles zusammen getragen wie Bausteine: Gleichwertigkeit von Männern und Frauen, nicht nur vor dem Gesetz, sondern auch in unseren Köpfen und Herzen, Entwicklung von menschen- und familienfreundlichen Strukturen, Relativierung rein wirtschaftlicher Interessen, Beachtung des Sinns von Beruf und der Lebensplanung überhaupt, Respekt vor anderen Meinungen und Lebensentwürfen.
Über dies alles wird von unserer Gesellschaft schon sehr lange und immer wieder diskutiert- eine Endlosschleife. Wir wären damit eher bei einer Utopie, die vielleicht doch ganz langsam Gestalt annimmt. Auch dass wir hier über das Thema gerechten, transparenten (@Ute) und adäquaten Lohn für Arbeit diskutieren, ist ein Schritt auf diesem Weg. Also keine Revolution sondern res publica semper reformanda…
- Das liegt an uns, den Bürgern unserer Republik.
In diesem Sinne geht auch Alice Schwarzer ‘unters Volk’, mitten hinein, auf den Boulevard. Damit provoziert sie immerhin und erregt mehr Aufmerksamkeit als mit einem Emma- Artikel: ‘Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht‘.
- Aber was ausspricht?- Wie lautet die Botschaft?
mir ist diese werbung auch gleich ins auge und auch kurz ins herz gestochen – die argumente wie angelika behnk sie formuliert hat, wollten in mir hochsteigen, aber ganz ehrlich habe ich mir dann nur gedacht: “wie frech, diese werbekampagne so für sich und die eigene sache, zu nutzen!”
diese werbung verfehlt bei mir ihr eigentliches ziel; mir scheint es ausschließlich so, als werbe alice schwarzer alleine für die sachen der frauen. es hört sich ja fast so an, als wären frauen die bewahrer von wahrheiten.
ach?
Die Tatsache, dass alle anderen Teilnehmer, wie ich woanders lesen konnte, bereits verstorbene Herren sind, die interessanterweise nicht mehr sprechen können, legt diese Vermutung nahe… ;o)
@cate
der harry meyen hat mal in den 70iger jahren bei einer talkshow im tv im beisein seiner frau romy schneider auf eine frage geantwortet: “romy ist überhaupt nicht rational, sie ist reine emotion, nur emotion!”
da hat sie total verletzt reagiert.
(wer würde das nicht, wenn er als blöd hingestellt wird). diese bilder gehören zu den lebendigsten die ich von romy schneider habe.
(assoziation: Alice Schwarzer: Romy Schneider, Mythos und Leben)
ich freue mich, wenn @cate die dinge auf den punkt bringt, dann brauche ich mich nicht so anzustrengen und kann weiterhin emotional reagieren ;-))
in gewisser weise ist romy schneider auch das opfer einer nettodiskreminierung, einer verdeckten sozusagen, etwas abgewandelt von dem uns vorgestellten beispiel aber dafür noch gemeiner: bei ihr verhielt es sich so, dass sie etwa (ich recherchiere da jetzt nicht, das sind so “bauchzahlen”, cate ;-)) 8 millionen mark (francs?), egal, einen haufen geld auf alle fälle verdient hatte mit ihren letzten filmen, welches sie auch zu vererben gedachte, ihrer tochter und ihrem lebensgefährten laurent pétain nämlich, es war jedoch bereits von ihrem damaligen ehemann, daniel biasini, ausgegeben worden.
@Walter:
Noch einmal gefragt: Gibt es eine kausale Verknüpfung zwischen dieser ‘männlichen Art’ zu denken und der finanziellen Herabstufung von Frauen? Sozusagen ein höheres Einkommen für die Akzeptanz und Befolgung der Spielregeln. Hohes Einkommen als Beleg für heimliches Einverständnis
Ich denke, das kann man in der Tat so sehen. Kurz die Frage:Wer hat denn die Spielregeln aufgestellt? Na, die Männer doch. Und diese Spielregeln, bis hin zur Selbstaufgabe, sind doch nur mit Familie zu vereinbaren, wenn aus Männersicht eine Frau “zu Hause” ist, die ihnen den Rücken freihält.
Und genau die momentane Wertediskussion, Rückbesinnung auf Familie, stärkeres Umweltbewusstsein, Fragen nach dem eigentlichen Sinn des Lebens, zeigen doch gerade, dass diese einseitige Fokussierung langfristig keine Befriedigung/Lebenssinn sein kann.
Trotzdem versuchen wir Frauen jetzt, wenn wir erfolgreich sein wollen, genau diese (Männer-)spielregeln einzuhalten, auf dem Weg zum Erfolg. Nur, dass die wenigstens von uns einen Mann zu Hause haben (wollen), der im Gegenzug uns den Rücken freihält.
Also muß Familie, Beruf, Freizeit?, Selbstverwirklichung alles unter einen Hut. Da muß man, glaube ich, nicht lange philosophieren, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass das auf gar keinen Fall (auf Dauer) funktionieren kann.
Um bei Deinen Spielregeln zu bleiben, Walter, müssen endlich neue her. Mit denen sich die unterschiedlichen Säulen unseres Lebens, die von Frauen und Männern gleichermassen, vereinbaren lassen.
Eine der wichtigsten Spielregeln, die auf den Prüfstein muss, ist die Arbeitszeit. Mit wirklich großem Erfolg, wichtigen Positionen, ist heutzutage eine Arbeitszeit von mind. 60-70 Std. /Woche verbunden, kombiniert mit einer permanenten Erreichbarkeit. Über das Thema haben wir hier kürzlich auch schon disskutiert.
Ich möchte provokant in den Raum werfen, dass da mind. 20 Std./Woche eingespart werden könnten. Niemand, auch Männer nicht, kann lngfristig 12/14 Std. täglich strukturiert, konzentriert, zielgerichtet, zufrieden und erfolgreich arbeiten.
Wir Frauen müssen neue Spielregeln aufstellen, eine familienfreundliche Arbeitswelt schaffen und ich denke, es wird genug Männer geben, die sich darüber freuen werden.
Bislang gilt das Burnout-Syndrom irgendwie als spannende, gesellschftsfähige Modeerkrankung von Erfolgsmenschen. Das immer mehr Frauen davon betroffen sind, gilt gerne als Folge der Emanzipation. Das sagt eigentlich schon alles.
Habe neulich in einem Seminar eine Frau getroffen, die in der sogenannten “Vorstellungsrunde” nicht ohne Stolz erklärte, dass sie vermutlich vor kurzem an einem “Burnout” so gerade vorbei gekommen ist. Sie war für einen Traumjob in eine andere Stadt gezogen, hatte Familie, Beziehung, soziale Kontakte zurückgelassen. Obwohl sie einräumte, dass sie auch nach Monaten in der neuen Stadt keine neuen Kontakte hat (keine Zeit), wäre nach den anfänglichen Schwierigkeiten jetzt alles super und in ihrem Job sei sie sehr erfolgreich. Und ich dachte, wieder eine, die von der Männerwelt assimiliert wurde und bewusst oder unbewusst die Messlatte für andere Frauen sehr hoch hängt.
Ich bin mir sicher, wenn mehr Frauen dieses System anzweifeln und ihren eigenen Weg gehen, und trotzdem dabei erfolgreich sind, kann es langfristig ein Umdenken geben. Das geht nicht ohne Unterstützung der Männer und schon gar nicht ohne die der Frauen. Und schlussendlich werden wir alle was davon haben.
Nicht nur das gleiche Gehalt!
@ Anja: Richtig! Und da hätte man das Problem der unnütz am Arbeitsplatz vertrödelten Zeit durch unnütze “Herumsurferei” im Internet auch gleich mit beseitigt :-)
Spaß beiseite. Ich sehe es ähnlich, bei Rupert Lay findet man – was die Arbeitszeit anbelangt – sehr gute Ansätze.
Wobei ich insgesamt der Auffassung bin, dass eine neue unternehmerische Philosophie her muss – die letztlich auch ein neues Arbeitszeitmodell hervorbringt: Weniger Egozentrik, weniger rein leistungsorientiertes und gewinnmaximierendes Denken, mehr Hinwendung zur Gesellschaft, zum Menschen, mehr Moral, mehr gesamtgesellschaftliches Verantwortungsdenken – aber das Gegenteil ist angesichts der rasanten globalen Wirtschaftsentwicklungen der Fall – bedauerlich, aber vermutlich nicht zu ändern. Die “Unmoral” vieler Manager (siehe unlängst WestLB) passt da nur allzu gut ins Bild des aktuellen Zeitgeistes. Es wird viel verlangt, aber wenig gegeben, das stärkt die Motivation der Arbeitnehmer – egal, ob männlich oder weiblich – nicht gerade sehr.
Ich finde es allerdings schade, dass so wenig “gegengesteuert” wird. Nach diesem hektischen Globalisierungshype, werden in Zukunft unternehmerisch wieder andere Zeiten, mit anderen Anforderungen (Umweltschutz, Verantwortung für Staat und die Gesellschaft und die Mitarbeiter etc.) kommen, die dann (aufgrund der niedrigen Geburtenraten) vermutlich auch andere Arbeitszeit- und Berufsmodelle zulassen (müssen!) – ich hoffe es zumindest – nicht nur für die Frauen, ich denke, dass auch viele Männer unter dem momentanen Erfolgsdruck sehr leiden.
Aber zurück zum Thema :-) Meines Erachtens verdienen Männer mehr, weil ihnen in der Tat mehr zugetraut wird – warum auch immer, offen aussprechen tut das ja niemand – Abgründe tun sich auf. Ideologisch haben wir da meines Erachtens noch ziemlich viele Nüsse zu knacken …
Neudeutsch nennt man die ersten zarten Pflänzchen dieser Entwicklung “Corporate Social Responsibility”
Noch ein kleiner Nachtrag. Zu besagtem früheren Blogthema erscheint übrigens im September ein Buch von Miriam Meckel mit dem Titel `Das Glück der Unerreichbarkeit`im Murmann Verlag!
Ich bin gespannt…
Allein die Tatsache, dass es für diese “Entwicklung” bereits eine “neudeutsche” Bezeichnung gibt, sagt unglaublich viel über die Ernsthaftigkeit dieser Tendenz aus…
Video zum Arbeitsplatz der Zukunft – soviel zum Thema neue Arbeits- und Unternehmensphilosophie ;-)
Mist, hier nochmal der Link zum Video
@ Cate: :-))) Ja, da hast du recht, derzeit beschränken sich viele CSR-Aktionen in der Tat auf das Aufpolieren des Images (siehe BP), aber auf Dauer wird es sicherlich ein Umdenken beflügeln – Glaubwürdigkeit ist nämlich auch hier das A und O, sonst funktioniert das nicht.
Mein Lieblingsmotto wird ja mehr und mehr jenes aus dem Wired Magazine: Get naked an rule the world – das wird in Zukunft auch und besonders für Unternehmen gelten – ich bin gespannt, an was die Unternehmen dann gemessen werden von der Gesellschaft: Gewinnmaximierung oder soziale und gesellschaftliche Verantwortung :-)
Übrigens kommt heute um 14.00h auf Pro7 der Film aus Cates letztem Blog-Quiz `L`auberge espagnole` ;-)
Da hat man doch bei dem bescheidenen Wetter einen hervorragenden Grund auf der Couch zu bleiben. Und da ich den Film noch nicht kenne…
Ich hab mir den Film glatt nochmal angesehen! :o)
Ich hab aber noch einen Grund auf der Couch zu bleiben: “freundliche Grippeviren”.
Übrigens nochwas: Am Wochenende durfte ich erneut die Erfahrung eines abendlichen Besuches der Polizei machen. Diesmal war es allerdings sehr lustig und richtig nett! Drei Herren und eine Kollegin waren so angetan von unserer Wohnung, der Musik und dem Würstchenduft von der Terrasse, dass sie fast dageblieben wären. :o) Und die Kollegin sackte diverse Telefonnummern ein… und Ausgehtipps holte sie sich auch noch. ;o)))
Da wollte ich mal ne Lanze für unseren Freund und Helfer brechen! :o)
@ cate
ich will dir deine illusionen keinesfalls nehmen, aber: bayerische polizisten sind im angesicht gebratener würste immer freundlich…
Auch im Angesicht gebratener Würste und sich küssenden Männern? (Sorry, aber der musste jetzt sein…)
erstmal muss ich jetzt festhalten, dass bayerische polizisten niemals schwul sind, niemals! ;-)
wahrscheinlich hatten die am ende der nachtschicht so einen heftigen hunger, dass sie die sich küssenden männer (und frauen?) gar nicht rochen, sondern nur die würste.
außerdem, wenn die schon zu viert auftauchen, hatten die wohl eine niederlassung der el kaida erwartet und waren sehr froh, stattdessen nur liebestaumelnde und gefahrlose homosexuelle vorzufinden.
(den bericht möcht ich lesen!).
:o)))
@Anja:
Danke für den Buchtipp
Unerreichbarkeit ist eine Facette der persönlichen Freiheit: Ingmar Bergmann
Einen schönen (produktiven) Urlaub!
Dieses Blog gleicht so langsam einer Blogger-Bruttodiskriminierung – zumindest, was neue Postings anbelangt …
—————
gez. Ute 2
(Comment mit Signatur wg. Verwechslungsgefahr)
Sie, äh, Du, äh, Walter, ich darf Sie Dutzen, woher die Information? :-)
Duzen …
@Fabian
Könnte man einfach so drauf kommen ;-)
Ob es tatsächlich Menschen gibt, die einen produktiven Urlaub verbringen möchten? Sorry, aber das ist nicht gesund :-/
Urlaub wegen Pause bei n-tv und Semesterferien und weil Sommer ist. Produktiv wegen des Buches und der Pläne, die in einer gewissen Unerreichbarkeit auch in urlaubsgemäßer Muße heranreifen können. Das ist somit weniger Arbeit als Phantasie und durchaus gesund.
Ich kenne das jedenfalls von mir und kann mir das bei MM auch so vorstellen.-
Duzen ist hier erlaubt, Fabian. Schließlich melden wir uns hier mit Vornamen- wirklichen und unwirklichen- und das hat auch seinen Sinn.
Ein “produktiver Urlaub” ist wie ein erfrischendes Dampfbad. Aber ein Urlaub sollte zumindest anregend sein, neue Impulse geben. Daraus kann natürlich wiederum (hinterher) Produktivität entstehen, ja, so kann man das sagen… Also summa summarum (das habe ich heute irgendwie schonmal gelesen) müsste ein Urlaub im Idealfall unproduktiv, aaaber impulsiv und anregend sein. Hmmm…. Zuerst dachte ich da an Iraksafari. Aber zum Glück fiel mir dann noch ein: Ein Urlaub sollte auch stressfrei sein! Und was soll ich sagen? Ich hab`s: Zelten in der Bibliothek! Das wäre doch prima, vor allem, wenn man Bücher mag… ;o)
Aber mal im ernst:
Was wird´n das hier?
Überbrückungsmusik ;-))