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Zu den Kommentaren
16. November 2007, 21:10 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Best of Blogs 2007

Zum vierten Mal wurden gestern Abend im Museum für Kommunikation in Berlin die „International Weblog Awards“ der Deutschen Welle verliehen. Gewonnen hat das Weblog „Foto-Mania“ der 23jährigen weißrussischen Journalistin Xenia Awrimova, in dem sie mit kommentierten Schwarz-Weiß-Fotos den Alltag und das Leben in Belaurus beschreibt. Da die Medien in Weißrussland nicht frei berichten können, ist das Weblog politische Plattform und Ausdrucksform der Menschen, vor allem der jungen Leute.

7.000 Vorschläge in zehn Sprachen wurden diesmal für den Award eingereicht. Eine internationale Jury aus Bloggern, Journalisten und Medienexperten nominierte in einer Vorauswahl zehn Kandidaten in jeder Kategorie, aus denen dann die Sieger bestimmt wurden. Blogger aus aller Welt konnten drei Wochen lang über ihren persönlichen Publikumssieger abstimmen.

Im Vorfeld der Preisverleihung trug sich Folgendes zu: In dem Moment, in dem chinesische Kandidaten mit ihren Blogs nominiert worden waren, verschwanden plötzlich ganze Bloghoster aus dem Netz.

Die Zensur greift längst nach den Weblogs und ihren Autorinnen und Autoren. Umso wichtiger, dass durch Wettbewerbe und andere aufmerksamkeitsträchtige Aktionen immer wieder auf die Blogs und ihre Rolle hingewiesen wird. Sie sind ein Teil einer demokratischen Öffentlichkeit, die es in manchen Ländern dieser Welt auch in Zeiten der Globalisierung ohne sie einfach gar nicht geben würde.

Die Preisträger 2007 lohnen sich:

Best Videoblog

Best Podcast

Blogwurst

Reporter without Borders

Best Weblog Arabic

Best Weblog Chinese

Best Weblog Dutch

Best Weblog English

Best Weblog French

Best Weblog German

Best Weblog Persian

Best Weblog Portuguese

Best Weblog Russian

Best Weblog Spanish

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16 Reaktionen

  1. 17. November 2007, 1:53 Uhr, von Walter
    01

    Mein Russisch ist bescheiden.
    – Interessant ist aber, was Christiane Link zur Preisverleihung und der Reaktion der deutschen Öffentlichkeit meint: ‚An den deutschen Medien scheint der Preis völlig vorbei zu gehen…‘
    – Gut, dass wir jetzt darüber reden.

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  2. 22. November 2007, 18:21 Uhr, von Janna
    02

    Welcome back.
    Wobei ich mich schon frage, ob sich jemand die Mühe gemacht hat, die fremdsprachigen Blog’s auch für die englischsprachige Welt zugänglich zu machen. Der persische Blog sieht ja dekorativ aus, aber es hapert mit dem Verständniss (also bei mir zumindest). Und es würde mich schon interessieren, ob und wie dort gebloggt wird.

    Antworten
  3. 22. November 2007, 20:45 Uhr, von Cate
    03

    Ich hab den russischen Blog an eine russische Freundin weitergeleitet, die hat sich gefreut. „Heimat!“ Ich finde, die Fotos sind aber auch schon sehr überwältigend… Das erinnert mich an eine Ausstellung im Berliner Postfuhramt „Der entblößte Körper“ und die „Sowjet-Collage“ von Boris Mikhailov – skurrile Alltagszenarien aus der Sowjetunion…
    Übrigens nebenbei: Habt ihr von dem Foto einer Kunstaustellung in Russland gehört, auf dem zwei russische Polizisten küssen, eine Hommage an Banksys Bobbys, dass kurzerhand von verboten und verbannt wurde? Dabei sind küssen die sich doch ständig und überall, ganz ohne sexuelle Absichten…

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  4. 22. November 2007, 22:05 Uhr, von Walter
    04

    Eine Schande für Russland
    – Küssen ist subversiv, Cate, denn es stellt Autorität und Machtstrukturen in Frage- das kann sich ein starker Staat mit einer starken Polizei und starker Angst vor Infragestellung und Veränderung nicht zugestehen. Die Rede war wohl auch von Pornographie- diesmal nicht im Sinne Alice Schwarzers.
    Aber interessant: ‚Sämtliche verbotenen Exponate waren dieses Jahr bereits in der staatseigenen Tretjakow-Galerie in Moskau ausgestellt.‘ – Eine Schande für Russland?

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  5. 22. November 2007, 22:35 Uhr, von Andrea
    05

    Lach…ich hab´s immer gewußt und finde heute hier die Bestätigung – Küsse sind zerstörerisch und somit unbedingt zu vermeiden. An alle Mütter: lasst es einfach sein, wenn ihr wollt, dass Eure Kinder Respekt haben sollen. Sorry Walter, aber Küsse empfinde und bewerte ich nicht als zerstörerisch.

    Antworten
  6. 22. November 2007, 22:53 Uhr, von Walter
    06

    Subversiv im Sinne Michel Foucaults und Georges Batailles- nicht zerstörerisch sondern infrage stellend
    . Küssen und Gummiknüppel passen eben nicht zusammen.
    Der Link bezieht sich auf die Geschichte der Sowjetunion- auch entlarvend, wenn sich die eigene Tradition gegen einen wendet, Herr Putin.

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  7. 22. November 2007, 23:02 Uhr, von Janna
    07

    Aber Andrea, du wirst doch wohl nicht die Küsse einer liebenden Mutter mit dem „Geferkel“ von zwei Männern vergleichen wollen :) Dieses scheint schließlich ohne Sinn und Zweck, nicht wie beim sowietischen Bruderkuss. Der war schließlich unabdingbar, um das freundschaftliche Verhältniss zwischen den Ländern aus dem ehemaligen Ostblock zu demonstrieren. Wobei ich nach dem Zerfall des ehemaligen Sowietreiches auch nie wieder groß was vom Bruderkuss gesehen hat…
    Wenn zwei Polizisten sich dagegen küssen, wird das wohl als anrüchig und beleidigend dem Vaterland gegenüber ausgelegt, weil man damit ja auch die Staatsmacht nachäffen könnte.
    Und mit dem Verbot von Gegenständen seien es Bilder oder Bücher, ist es so eine Sache: China konfisziert momentan auch Lonely-Planet Reiseführer, weil Taiwan dort als eigenständiges Land abgebildet ist. Allerdings nur an kleineren Grenzübergängen, in größeren Städten ist das „Mitbringsel“ angeblich kein Problem…

    Antworten
  8. 22. November 2007, 23:06 Uhr, von Walter
    08

    Subversiv auch in Berlin-Mitte (Cate?)
    Kennt jemand die ‚berüchtigte 23er-Polizeihundertschaft‘?

    Antworten
  9. 22. November 2007, 23:45 Uhr, von Cate
    09

    Da hab ich schon mal aufgelegt, Walter… ;o) Aber die 23er Polizeihundertschaft kenne ich trotzdem nicht persönlich. ;o)

    In der Jungen Welt könnte man es nachlesen, wenn man ein Online-Abo abschließt. Davon sehe ich aber ab. Ich verabscheue Arnold Schölzel. Stasi. Da kann man nix machen. Bin ich unerbittlich…

    Antworten
  10. 22. November 2007, 23:59 Uhr, von Gabi
    010

    . . . endlich wieder online !

    Ich finde den Blog von Christiane Link „Behindertenparkplatz“ toll. Auf der Seite wäre man bzw. ich sonst wohl nie gelandet.

    Antworten
  11. 23. November 2007, 13:21 Uhr, von einer stimme aus dem volk
    011

    der französischsprachige blog-sieger kommt ja aus dem kongo!

    man stelle sich das vor: ich bin dort gewesen, vor 18 jahren, wir sind über algerien, niger, benin, togo, nigeria, kamerun, gabun, nach 8 wochen in brazzaville angekommen.

    Wir waren von jeglicher Information abgeschnitten, kein telefon, kein gar nichts, irgendwo auf der reise habe ich einen 3 monate alten „Spiegel“ gekauft, den ich zuhause längst gelesen hatte, aus verzweiflung und nachrichtenentzug.
    und jetzt kommen informationen notfalls in sekundenschnelle aus dem kongo in mein wohnzimmer. unzensiert. macht mich richtig froh.

    in yaoundé, glaub ich, waren damals alle kanaldeckel geklaut.
    letzen november aus libyen habe ich zwei briefe abgeschickt. davon ist keiner angekommen. (also so optimistisch wäre ich nicht gewesen, aus dem kongo einen brief zu versenden – aber müßte ich gar nicht mehr, wahrscheinlich gibts in brazzaville nun auch internetcafes)

    mir erscheint es wirklich wie ein wunder, dass die leute in kinshasa oder sonstwo so richtig gleichberechtigt teilnehmen können (solange man die bloghoster nicht vom netz nimmt), das war mir bisher nicht bewußt, vielleicht auch, weil weit weg meist auch sehr fremde sprache heißt (pakistanisch ;-)), aber dort französisch, kommt mir nun fast familiär vor.
    den werde ich mir merken.
    „das werde ich mir merken“?

    Antworten
  12. 23. November 2007, 14:10 Uhr, von Cate
    012

    @Stimme:
    Schreib weiter, schreib mehr! Ich lese dich so gerne… ;o)

    Antworten
  13. 23. November 2007, 15:00 Uhr, von Janna
    013

    huch, irgendwie wird’s hier schon ganz adventlich:)
    @Stimme: das kommt mir bekannt vor. Als ich vor gerade mal 11 Jahren länger unterwegs war, hatte ich die Order, mich alle 2 Wochen bei der Familie telefonisch zu melden. Internet gab’s zwar schon, war aber noch nicht so verbreitet (zumindest hatte wir keins). Ebenso wenig ein Handy. Irgendwie ging’s aber auch.
    Liest man aber die Berichte von Menschenrechtsorganisationen und humanitären Gruppen (z. Bsp. Ärzte ohne Grenzen) erscheint es mir trotzdem surreal, das man in vielen Regionen zwar Internet-Zugang hat, die Bevölkerung aber immer noch mühsam persönlich über die Risiken von Krankheiten aufklären muß.

    Antworten
  14. 23. November 2007, 16:22 Uhr, von Walter
    014

    Ich glaube es ist eine besondere Art von Humor, der anderen das Leben leichter macht, bei allen Schwierigkeiten, und uns dafür gelegentlich schwerer, wenn er uns fehlt: In Kinshasa gibt es ja reichlich Probleme, wenig funktioniert, die Reichen und Mächtigen ignorieren den Mangel, der Müll, der nicht eingesammelt wird und liegen bleibt, muss vergraben werden- Kinshasa auf einem Müllberg? Manchmal ist es der Humor der Verzweiflung, aber nicht ohne Würde: „Face à tous ces détails qui devraient d’ailleurs me sembler anodins ou même normaux en bon Kinois, j’ai eu une réaction bizarre aujourd’hui. Au lieu de pleurer ou de râler comme je le fais d’habitude, j’ai plutôt ri, beaucoup ri. Deux explications possibles quant a cette réaction : soit je commence à devenir fou, soit je n’ai plus de larmes ayant déjà tout vidé en pleurant sur le sort du Congo.“
    – Ich glaube verrückt werden sie nicht, im Kongo, aber sehr nachdenklich: „République démocratique du Congo, pays en désintégration“
    Und der Dank: „Le jury du concours international de Blogs the BOBs, organisé par la Deutsche Welle a décerné le Prix du „Meilleur Blog en français“ au Congolais Cédric Kalonji et salue à cette occasion l’émergence de la blogosphère africaine.
    Grande joie de voir que mon travail est reconnu sur le plan international et grande fierté de pouvoir parler au nom du grand Congo. Cette reconnaissance me donne encore plus de force, plus d’énergie pour poursuivre cette aventure et même aller encore plus loin.
    Merci à tous ceux qui ont votés pour mon Blog.“
    – Freude, Stolz und Dank- irgendwie ganz normal. Ein Blog als Lebenshilfe, Versicherung und Gemeinschaft, in dem einen oder anderen Fall auch verschworen gegen die Mächtigen, den Staat oder das Schicksal. Unsere Hauptaufgabe hier in diesem Land mit eigenen Problemen, die uns gelegentlich sehr wichtig erscheinen, es aber beim Vergleich nicht wirklich sind, besteht vielleicht darin, da zu sein, zuzuhören, anzuerkennen. Wir werden die Lebenssituationen und die Ironie des Alltags in Weißrussland oder auch nur in Spanien vielleicht nur erahnen können, doch die Reaktionen auf die BOB- Verleihung zeigt, wie wichtig wir sind als internationale Öffentlichkeit, Spiegel und Projektion der Hoffnung, dass sich irgendwann und irgendwie doch etwas ändern lässt. Solidarität über Sprachgrenzen hinweg. Ich könnte mir vorstellen, dass einige der Preisträger eine kurze Zusammenfassung auf Englisch, Französisch oder Deutsch (Deutsche Welle!) auf ihre Seite setzen, weil sie jetzt wissen, es ist nicht gleichgültig, was sie schreiben oder zeigen und sie sind über ihre Landesgrenzen hinweg nicht allein.

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  15. 26. November 2007, 8:21 Uhr, von Inspirationen aus dem Netz « Wir bewegen gemeinsam
    015

    […] Miriam Meckel berichtet in einem ihrer letzten Einträge über die Verleihung des diesjährigen International Webblog Award der Deutschen Welle. Sie hat alle Gewinner aufgeführt. Ich kann euch nur empfehlen, euch einmal durch diese Liste zu klicken. Viele der Blogs sind in einer anderen Sprache, aber man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie und wofür Blogs alles genutzt werden. Für mich wurde dabei unter anderem sehr fühlbar, welche Brisanz und Relevanz Blogs in autoritären und totalitären Staaten haben…Der Behindertenparkplatz (bester deutscher Blog) und die Gefühlskonserve (bester Podcast) sind zwei sehr lesenswerte Seiten. […]

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  16. 11. Dezember 2007, 14:57 Uhr, von ((( rebell.tv ))) blog - miriam meckel schiesst zurück: das recht am fremden bild
    016

    […] zum heutigen thema unserer „10-uhr nachrichten“. in ihrem eigenen blog habe ich noch den hinweis auf die auswahl der besten blogs der deutschen welle gefunden. wenn schon fotoblog, dann wäre wohl mein favorit dieses hier gewesen ;-) an einem […]

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