MM_Lasalle
Zu den Kommentaren
15. August 2008, 10:55 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Ein Sommerlochtraum

Auch der Spiegel hat das Internet entdeckt. Als Thema für eine Titelgeschichte, die gleich auch die kulturpessimistischen Dimensionen der kommunikativen Vernetzung ausführlich beschreibt. Es kann schon verwundern, wie stark der Spiegeltitel der aktuellen Ausgabe von „Atlantic Monthly“ gleicht, thematisch und in seiner Aufmachung. Viel verwunderlicher aber ist es, dass es doch tatsächlich gelingen kann, eine seitenlange Titelgeschichte zu machen, in der sich nicht eine einzige neue Information oder Erkenntnis findet. Ich dachte immer, dass Journalismus die Funktion hat, die Gesellschaft mit Informationen zu versorgen, um ihr die zeitliche, sachliche und soziale Selbstverständigung und -vergewisserung zu ermöglichen. Wenn es um Informationen über das Phänomen der Informationen geht, scheint diese funktionale Grundausrichtung außer Kraft gesetzt. Warum wohl?

Schlimm ist es zweifellos, dass selbst intelligente Menschen nicht mehr mehrere Absätze am Stück lesen können. So beschreibt es der US-Autor Nicholas Carr (der häufig Quelle und zufällig auch Autor der Titelgeschichte in „Atlantic Monthly“ ist). Er kann nicht mehr Tolstois „Krieg und Frieden lesen“. Der Arme, was mag mit ihm geschehen sein? Noch schlimmer ist es, wenn Journalisten nicht mehr mehrere Absätze am Stück lesen können – ob gedruckt oder im Web publiziert. Könnten sie das, hätten sie nämlich zahlreiche neue Erkenntnisse über die veränderten Kommunikationsverhältnisse im Internet gefunden, über die Bedeutung von Netzknotenpunkten für Agendasetting im Netz, über die Entstehung von Gegenöffentlichkeiten, über Crowdsourcing und User Empowerment, die unsere gesellschaftliche Kommunikation langsam, aber sicher an einigen Stellen flexibilisieren und enthierarchisieren.

Mensch, da hätte es Informationen im Netz gegeben, aktuell und relevant. Aber sie waren wahrscheinlich alle erst im vierten Absatz eines Weblogeintrags versteckt und da ist das Autorenteam gar nicht erst hin geraten. Sie haben gleich im ersten Absatz ihren Frieden mit den negativen Folgen der Netzkommunikation gemacht, statt im vierten Absatz gegen sie in einen ehrenwerten publizistischen Krieg zu ziehen.

Schlimm ist es auch, dass Studentinnen und Studenten heute aus dem Netz abschreiben, via copy & paste. Früher haben sie aus den ausgedruckten Arbeiten anderer Studenten abgeschrieben. In meinem Jurastudium kursierten vor jeder Klausur Lösungsschemata, die so zugeschnitten und gedruckt waren, dass man sie getrost in die entsprechende Klausuraufgabe legen konnte. Sie sahen identisch aus. Daraus hat jeder abgeschrieben. Übrigens half das nur bedingt. Wer nur kopiert, kommt nicht weit. Aber die Rekombination und Reorganisation von Bestehendem kann – intelligent gemacht – zu etwas spannendem Neuen führen.

Moment noch mal. Kann es wirklich sein, dass dem Spiegel zum Thema Infomation Overload nicht mehr einfällt, als uns mit alten und bekannten Informationen zu überhäufen? Ich glaube, das habe ich etwas übersehen … Als ich den Titel gelesen und mich kurz geärgert hatte, breitete sich ein Gefühl der Zufriedenheit in mir aus. Ich hatte nichts verpasst. Ich kannte alles schon, was dort zu lesen war. Der Spiegel hat mir als Techie und Informationsjunkie einen echten Dienst erwiesen: Ich habe gelesen und kein einziges Mal das Gefühl gehabt, ich müsste neu nachdenken. Dieser Artikel ist ein Sommerlochtraum. Danke.

 

 

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42 Reaktionen

  1. 15. August 2008, 11:20 Uhr, von Fabian Gefällt 2 Lesern
    01

    Yep! Danke dafür!

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  2. 15. August 2008, 11:30 Uhr, von Kate Gefällt 2 Lesern
    02

    … und auch Danke für den Hinweis auf die fehlende neue Information im Spiegel – sonst hätte ich den Artikel vielleicht doch noch gelesen – trotz jahrelangem, häufigem Internetkonsum kann ich durchaus noch lange Texte lesen (sogar dicke Bücher, schau an) – nur dass meine Zeit immer etwas knapp ist und ich sie nicht gern auf diese immer gleichen Wiederkäuungen über das „böse“ Internet verwenden mag.

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  3. 15. August 2008, 13:15 Uhr, von Janine Gefällt 3 Lesern
    03

    Ich lese sehr ungern laaange Texte, dicke Bücher etc. Das liegt aber wohl daran, dass ich mich sehr schnell langweile ^^. Das werde ich wohl auch niee ablegen können. Auch bei anderen Tätigkeiten geht es mir so. Filme finde ich häufig nach der Hälfte auch super langweilig und hoffe, dass sie endlich vorbei sind ^^.

    … … ABER: Ich kopiere eher selten etwas völlig aus dem Internet in meine Texte ^^. Nur bei fehlendem Verständnis kann mir das manchmal passieren.

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  4. 15. August 2008, 13:17 Uhr, von Liesel Gefällt 3 Lesern
    04

    Das ist ja witzig. Den Spiegel-Artikel habe ich soeben in Papierform gelesen. Auf das Posting komme ich gerne später zurück…

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  5. 15. August 2008, 13:32 Uhr, von jette Gefällt 3 Lesern
    05

    na, hier wird wohl von allen seiten kräftig abgekupfert, vor allem in sachen emotionen. warum plötzlich so aufgeregt, mit herrn meyer vom schweizer fernsehen gingen sie viel sanfter um? ;-)

    für mich liegt die wahrheit irgendwo dazwischen, die möglichkeiten der vernetzung sehe ich als riesenpotential, der begriff „zeitvernichtungsmaschine“ ist mir aber auch nicht fremd, wenn ich mir mein surfverhalten so anschaue. :-/

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  6. 15. August 2008, 14:53 Uhr, von Kata Gefällt 3 Lesern
    06

    In Bereichen, in denen man sich selbst sehr gut auskennt, kommt es wohl öfter vor, dass man nichts neues mehr entdeckt – das muss aber anderen Menschen nicht unbedingt so gehen.
    Den Artikel von einer anderen Zeitschrift einfach abzukupfern ist natürlich dennoch schändlich!Jetzt muss ich ihn aber mal lesen, sonst kann ich eigentlich nicht wirklich darüber urteilen…

    Oh, doch noch was: ständige Wiederholungen sind ein guter Indikator dafür, dass sich ein Thema erschöpft hat…

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  7. 15. August 2008, 15:39 Uhr, von Tanja Gefällt 3 Lesern
    07

    Wie ich gestern, als ich auf den Spiegelbericht hingewiesen habe sagte/schrieb: manchmal ist ein Artikel nur ein Artikel, den man nach dem Lesen wieder vergißt oder über den nachgedacht wird.

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  8. 15. August 2008, 15:48 Uhr, von anni Gefällt 3 Lesern
    08

    In Sachen copy+paste bin ich ganz bei MM. Geht gar nicht, biringt nicht weiter. Genauso ein Artikel mit bekannten Fakten – im besten Fall – neu verpackt. Ich bekäme sowas um die Ohren geschlagen.
    Zum Thema lange Texte lesen gebe ich aber Folgendes aus der Praxis zu bedenken – was allerdings nicht zwingend für diesen Spiegel-Aufmacher gelten muss:
    Im Journalismus oder in dem, was sich dafür hält, wird die Luft immer dünner, die Zeit immer knapper, der Druck immer größer – vor allem, wenn es ums Nachrichtengeschäft geht. Auch ich kann die Agenturen an einer Hand (naja, vielleicht auch an zwei Händen…) abzählen, die ich täglich komplett gelesen habe. Dafür fehlt einfach die Zeit, wenn in 55 Minuten schon wieder die nächste Ausgabe fertig sein will – im Ein-Mann-Betrieb versteht sich. Von intensiver Recherche müssen wir an dieser Stelle gar nicht reden. Das wäre vielleicht gar nicht sooooo dramatisch, wenn es nur bei mir so wäre – aber auch für Reporter sieht es ähnlich aus. Die sollen mit einem Interviewpartner am liebsten fünf Plätze füllen und aus einem Interview zehn Themen zaubern. Da bleibt man eben an der Oberfläche. Zeit, sich einzufuchsen in ein Thema bleibt nicht. Da setzt sich die Einstellung durch: „Beiträge, die nicht in den ersten 10 Sätzen die neuen und wesentlichen Erkenntnisse präsentieren, sind unbrauchbar.“ So eine Arbeitsweise kann eine Zeit lang gut gehen. So lange vielleicht, bis die Mitarbeiter irgendwann selbst merken, dass das alles mit Journalismus und Recherche nicht mehr viel zu tun hat. Manche merken das nie – und das ist der Grund dafür, dass es zumindest in den schlecht und immer schlechter zahlenden Medien immer so weiter gehen kann und wird. Ich hab’s recht schnell gemerkt – und lese jetzt wieder bis zum Schluss. Ohne Bauchschmerzen, wegen zu intensiver Rechercher und Vorbereitung und damit zu geringen Outputs gleich den Dispo bis ans Limit ausreizen zu müssen.
    Das alles sind wohlweislich nur Sichtweise und Erfahrung einer langjährigen „Freien“, die gemerkt hat, worum es eigentlich geht – und den Absprung aus genau diesen Sphären geschafft hat. :-))

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  9. 15. August 2008, 16:01 Uhr, von Steffi Gefällt 3 Lesern
    09

    Danke für den Beitrag. Werde den Spiegel-Artikel jetzt gleich lesen. Übrigens: Während meines Studiums musste ich einen Artikel von Karl Rahner gelesen. Ein (!) Satz erstreckte sich über 1 1/2 Seiten. Das war manchmal anstregend. Aber es hat auch Spaß gemacht, lange Beiträge (und Sätze) zu lesen. Damals und heute.

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  10. 15. August 2008, 16:14 Uhr, von Susanne Gefällt 3 Lesern
    010

    Ganz offensichtlich – und das freut mich ehrlich – ist das Meckelsche Hirn wieder ON und ihr gelingt auch mal wieder eine differenzierte Medienkritik. Während man bei den PR-artigen Lobhudeleien in Richtung Michael Ringier (Die Zukunft der Zeitung) ja schon eher das Gefühl hatte, dass sie sich im Wachkoma befindet.

    Für die empfindsameren Gemüter unter uns: Ich entschuldige mich auch gleich prophylaktisch dafür, dass ich meinen Beißreflex wieder nicht ganz bezähmen konnte ;-)

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  11. 15. August 2008, 16:38 Uhr, von Cate Gefällt 2 Lesern
    011

    Tolstois „Krieg und Frieden“ will ich auch noch lesen… Nachdem ich endlich mit „Schuld und Sühne“ (bzw. „Verbrechen und Strafe“) von Dostojewki fertig bin. ;o)
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man zu längerer Konzentrationsfähigkeit zurückkehren kann. Man muss einfach störende Beschleuniger ausschalten. Ich persönlich habe das mal in Schweden gemacht, in einem Haus im Wald ohne Telefon, Internet, Fernseher, Handyempfang gab’s auch nicht, Radio nur auf Schwedisch. Es regnete draußen unentwegt und irgendwann hatte man sich schon kotzsatt gegessen vor Langeweile, dass man einfach nur noch lesen konnte. Lesen, lesen, lesen, den ganzen Tag lesen. Und lesen, lesen, lesen. Nichts als Lesen. Das war so großartig. Ich habe am Ende stundenlang am Stück gelesen.

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  12. 15. August 2008, 16:48 Uhr, von Dowanda Gefällt 3 Lesern
    012

    Ich finds immer äusserst lesens- oder hörenswert, wenn Sie mal austeilen, Frau Meckel. Danke!

    Antworten
  13. 15. August 2008, 17:34 Uhr, von Fabian Gefällt 2 Lesern
    013

    @ Susanne: :-D Aber ich mag es so auch lieber! Mit Hirn, Herz und ordentlich Schmackes :-)

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  14. 15. August 2008, 18:51 Uhr, von Liesel Gefällt 3 Lesern
    014

    Den Spiegelartikel fand ich ganz nett – mehr aber nicht. Warum stammt ein solcher Artikel nicht aus der Feder der Blogbetreiberin? Warum müssen drei Journalisten (!) zu dem Thema „Die Daten-Sucht“ ausführen? Na ja, ich hab´s gelesen.

    Interessant fand ich auf Seite 92 das Thema Google Book Search aufzugreifen. Das Thema wurde mir allerdings zu positiv dargestellt. Wenn Google Book Search in den nächsten Jahren immer mehr eine Alternative zu der klassischen Bibliothekenrecherche darstellen wird, belegt Google bezogen auf das erstellte Wissensarchiv eine Spitzenposition. Momentan können Auszüge aus Büchern gratis abgerufen werden. Welcher Google-Nutzer weiß heute, ob er auch in 10 Jahren auf Gratisangebote zurückgreifen kann? Die Monopolstellung, die Google als Suchmaschine und Archiv einnimmt, kann zu einer gewissen Abhängigkeit des Konsumenten führen. Einerseits können über die Filterung der Sucherergebnisse Google-Präferenzen angezeigt werden, die das Verhalten der Nutzer beeinflussen, andererseits obliegt es Google, zukünftig Angebote nur noch kostenpflichtig bereitzustellen. Fazit: Google gewinnt zu stark an Macht über das Wissen der Menschen.

    Copy & Paste ist eine unschöne Entwicklung. Ok, der ein oder andere ist früher an Insiderinformationen gekommen. Im Posting werden Musterschemata für Juraklausuren genannt. Ich habe auch gehört, dass Studenten, insbesondere mit Kontakten zu Instituten, an diese Infors gelangt sind und natürlich gegenüber den fleißigen anderen Mitstudenten mühelos bestehen konnten. Einen Paragrafen sollte man aber dennoch korrekt zitieren können.

    Um noch mal auf den Spiegelartikel zurückzukommen: Die „Daten-Sucht“ führt offenbar zu bedenklichen Verhaltensweisen und kann Krankheitsbilder hervorrufen. Das dürfte auch dem Durchschnittsspiegelleser, welcher eben kein Medienfachmann ist, klar werden. So ganz verkehrt ist der Artikel im Spiegel nicht. Vielleicht kann es einen Teil 2 irgendwann von einer Fachfrau geben. Im Posting werden viele mir neue Dinge aufgegriffen. Ich kann das ja jetzt nicht alles googeln!

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  15. 15. August 2008, 18:56 Uhr, von Janine Gefällt 3 Lesern
    015

    Interessant find ich, welche Workshops dieses Jahr auf dem „Tag der Talente“ angeboten werden… Zeitung machen für die Internetgeneration ist nämlich auch dabei… Und natürlich Willensfreiheit, Klimawandel und alle populären Themen momentan XD. Hierbei wiederholt sich auch immer alles ^^. Ich würde in jedem Fall was Alternatives wählen ^^ und nicht das, was man immer hört und an dem sich doch inchts ändert ^^.
    So ist das wahrscheinlich auch, wenn man zu viel liest in einem Bereich… Es gibt doch fast niee irgendwas wirklich Neues. Noch ein Grund mehr zur Langeweile. Stillstand ist soo langweilig.

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  16. 15. August 2008, 19:09 Uhr, von Danja Gefällt 2 Lesern
    016

    Vielleicht darf ich auch kurz bloggen, dass ich gar nicht gerne vor dem PC-Monitor hänge. Jetzt muss ich berufsbedingt leider viel vor dem Computer hocken und auf den Bildschirm gucken. Das hat u.a. dazu geführt, dass ich kürzlich eine Brille bekommen habe – und das vor meinem 30. Geburtstag. Ich bin mir sicher, dass sich meine Augen wegen dieses Monitorgeflimmers verschlechtert haben.

    Gerne lese ich ganze Artikel in gedruckter Form. Von Querlesen halte ich gar nichts. Ihr könnt mich auch mit PDF-Dateien jagen, denn dann sitze ich wieder vor dem Computer. Schade eigentlich, dass nur übers Internet am Computer und Monitor gebloggt werden kann.

    Stillstand finde ich auch gaaaanz langweilig, @Janine. XD

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  17. 15. August 2008, 19:27 Uhr, von julia Gefällt 3 Lesern
    017

    Ich habe heute mittag zusammen mit meinem Kollegen den Artikel bei Atlantic Monthly gelesen. Das hat echt einiges an Konzentration gefordert. Der Kollege wollte gleich nach dem ersten Absatz schon die Zusammenfassung liefern und erst nach einiger Überredungskunst haben wir beide den Text gelesen. Wir haben leider festgestellt, dass wir tatsächlich weniger Bücher lesen und auch oft im Netz nur die Headlines verfolgen. Jeder kann sich so unglaublich schnell eine Meinung zu allem bilden und das nervt. Aktuell sind ja alle auf einmal Kaukasus-Experten und ein Sommerloch kann eigentlich nicht beklagt werden. Schlussendlich muss ich sagen, das Internet macht mich zuweilen schon ganz schön gaga. Wir haben bei Google dann nach Internettherapie gesucht..

    Jetzt hat mir Cate aber richtig Mut gemacht, denn morgen verreise ich nach Schweden. Ich habe drei Bücher im Gepäck (was ein Erwartungsdruck) und hoffe es regnet viel.

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  18. 15. August 2008, 20:08 Uhr, von Cate Gefällt 3 Lesern
    018

    Ha de sa kul i Sverige, Julia! :o)
    Ich war letztes Jahr um dieselbe Zeit dort, naja, etwas früher sogar noch. Und es ist (je nach Region) auch schon bisschen frischer da, nur so als Tipp. ;o)

    Diese ganze Sache entspricht doch dem gleichen Prinzip, wie dem des Fast Food. Die großen Ketten haben sich das Take Away-System auch nicht aus lauter Langeweile selbst ausgedacht. Es ist doch so ein bisschen das Wechselspiel aus Gib mir und Nimm dir. Wenn eine Nachfrage besteht, dann wird sie zunächst befriedigend gestillt. Bald aber wird sie sogar gesteigert und zwar von jenen, die zu Beginn lediglich auf sie reagiert hatten. Der Grund ist der Wettbewerb. Und der bewegt sich dann ganz stupide immer weiter in eine Richtung, bis es einfach nicht mehr geht. Aber noch geht’s ja… ;o)

    Genauso mit Informationen: Irgendwann, das liegt vielleicht im Naturell der Menschen, wurden Informationen sortiert und zusammengefasst, auf das Wesentliche gekürzt. Das Wesentliche war und ist hier natürlich eine Frage der Perspektive, aber das hat dem Erfolg dieses Prinzip von Anfang an keinen Abbruch getan. Und nun rast das Angebot „Information“ bedingt durch den Wettbewerb (wurde hier auch schon sehr schön von einigen Kommentatoren beschrieben) in unglaublicher Geschwindigkeit in Richtung einer immer kleinerer, schnell abrufbarer Portionierung. Und auch hier scheint es immer noch zu gehen… Das fatale am Produkt Information ist nur, dass sie selbst es ja ist, die unter anderen Umständen ein differenzierteres Bewusstsein ermöglichen könnte. Mehr Informationen, detailliertere Informationen könnten das Interesse und die Bereitschaft qualitativ höherem Journalismus gegenüber vergrößern. Aber der Großteil steht schon längst außerhalb dieser Wahrnehmung. Eben auch der Großteil der Journalisten. Es ist ja kaum zu glauben, in wieviele Versionen man einen Satz mit sagen wir mal zwei Nebensätzen und zwei drei prägnanten Informationen umstellen kann. Da muss man nur mal die Tagespresse lesen. Es gab ja schon herrliche Beispiele… Da hätte man auch einfach abschreiben können…
    Ich hatte mal in der 7. Klasse einen Geschichtslehrer, der hat am Ende jeder Stunde drei bis vier Sätze mit allen prägnanten Informationen aus dem vorangegangen Unterricht diktiert. Alle haben fleißig mitgeschrieben und in den Klassenarbeiten standen dann genau die Fragen, auf die diese Sätze perfekt als Antwort passten. Alle hatten Superzensuren. Aber ich frage mich, ob auch nur einer wirklich verstanden hatte, was er da hinschrieb. Ich glaube, der Lehrer hätte auch diktieren können: „Und dann begab sich Mickey Maus nach Canossa und traf dort Donald Duck.“ Ich erinnere mich so genau daran, weil ich neulich jemanden aus besagter Klasse traf und wir zusammen mit meinen Freunden ein zwei Bierchen tranken. Irgendwann sagte ein Freund von mir im Zusammenhang mit einer Geschichte über einen Bekannten von uns scherzhaft: „Da muss er wohl nach Canossa…“ Und der ehemalige Klassenkamerad fragte erstaunt, was das zu bedeuten habe. Daraufhin führte mein Freund nochmal den geschichtlichen Zusammenhang an. Und der Typ aus meiner Ex-Klasse meinte dann doch echt: „Ich weiß, das hatten wir ja in Geschichte, aber was hat das denn jetzt damit zu tun…?“ Sowas kann dann dabei rauskommen, wenn Geschichtslehrer es sich einfach machen wollen…….. :o/

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  19. 16. August 2008, 7:49 Uhr, von Tanja Gefällt 3 Lesern
    019

    @ Danja:das mit der Brille ist nicht so schlimm. Es gibt sehr schöne Gestelle für die gläser:-) . Ich bin ein Jahrgang der ohne PC aufgewachsen ist und Bücher noch heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke weiter gelesen hat. Ob es wissenschaftlich als erwiesen gilt, dass zuviel schauen auf den Monitor die Augen schädigt weiß ich nicht, kann es mir aber als weiteren Grund, neben den des genetischen, durchaus vorstellen.

    Die Kunst ist es doch, Informationen aus dem Internet für sich zu filtern und das wirklich Wichtige oder für eine Arbeit Relevante zu gebrauchen und evtl. in seinem Hirn abzuspeichern. Statt sich „vollmüllen“ zu lassen. Egal wieviel angeboten wird- es liegt an uns eine Essenz aus dem Vielen zu gewinnen.

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  20. 16. August 2008, 9:13 Uhr, von Mesm Gefällt 2 Lesern
    020

    Als ein Experiment, ich versuche zu schreiben, dieser Text in deutsch. Der Text ist in danische Sprache geschrieben und dann von Google ins Deutsche übersetzt, ob es funktioniert und ob die Sprache zu verstehen ist, Zeit wird zeigen.

    Ich erinnere mich an die Zeit, bevor Google existierte. Zu dieser Zeit hieß der Suchmaschinen Lycos, Altavista und Yahoo. Ich war online über ein Modem und alles geschah in einem sehr langsamen Tempo.

    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich zum ersten Mal online war, aber es war wahrscheinlich in der Mitte der neunziger Jahre, im Prinzip ist es nicht so furchtbar lange her, aber in einer Weise, fühlt es wie ein Menschenalter.

    Die Welt, und damit mein Leben war anders vor der Erfindung des Internets. Informationen zu finden, war schwierig, aber natürlich nicht unmöglich, es dauerte nur viel mehr Zeit und eine Menge von verschiedenen Quellen. (Telefon-und Wörterbücher, Nachschlagewerke und so weiter). Heute kann ich alles hinausfinden online.

    Ich glaube, es ist mehr Spaß und viel einfacher Wissen und Information zu beschaffen, aber es ist auch mehr verwirrt. Allzu oft bin ich Power-Zapping von Link zu Link, genau wie die Artikel in der “Alantic Monthly? beschreibt.

    Ich kann nicht lange Texte auf dem Computer-Bildschirm lesen. Sollte ich das, mus ich der text ausdrucken, und lesen es auf eine gute altmodische art und weise – off-line.

    (This was scary ;-)….having this post-mortem Saturday morning “dejavou? meeting with my, probably long gone, German teacher. I can still hear him laughing and remember being 12 years old and not having done my homework :-))…..phyyyyy…..)

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  21. 16. August 2008, 9:17 Uhr, von Danja Gefällt 2 Lesern
    021

    @Tanja, ja es gibt ganz schöne Gestelle und es gibt sicherlich Schlimmeres im Leben als eine schwache Brille. Oh ja, man darf sich durch das Internet nicht vollmüllen lassen. Ich surfe eigentlich wenig herum. Wenn, suche ich gezielt Infos über Suchmaschinen und lese Artikel online. Dennoch finde ich, das viel Zeit vor einem Computer als Arbeitsmittel verbracht wird. Die früheren Büromaschinen, die Schreibmaschinen waren nicht so effektiv. Aber ich vermute, dass die Arbeitnehmer früher gesündere Arbeitsbedingungen hatten. Sie waren mehr in Bewegung und mussten nicht auf einen flimmernden Monitor schauen. Ich muss vorwiegend tippen und kann meinen Word-Bildschirm manchmal schon nicht mehr sehen. Ich muss ja auch kaum noch denken beim Tippen. Ich lass das einfach alles hinterher durch die Rechtschreibkontrolle laufen. Die Kommasetzung hat mein Chef selbst nicht drauf. Ok, um eine Brücke zum Thema zu schlagen: Die Portale im Internet und die Suchmaschinen nehmen uns auch das Denken ab. Ich verblöde noch. Mal gucken, ob ich den Spiegel gleich in der Stadt noch käuflich erwerben kann.

    Antworten
  22. 16. August 2008, 9:19 Uhr, von Danja Gefällt 4 Lesern
    022

    „dass“ Sowas erkennt die Rechtschreibkontrolle nicht.

    Antworten
  23. 16. August 2008, 9:24 Uhr, von Danja Gefällt 3 Lesern
    023

    @Mesm, was für eine tolle Idee, den Text über Google übersetzen zu lassen. Das Deutsch habe ich verstanden. Ich habe jetzt einfach mal den ersten Absatz ins Dänische über Google zurück übersetzen lassen. Wie sieht es mit dem Dänisch aus?

    „Som et eksperiment, jeg forsøger at skrive denne tekst på tysk. Teksten er i dansk sprog og derefter oversættes til tysk Google, hvis det fungerer, og om det sprog til at forstå, det vil tiden vise.“

    Antworten
  24. 16. August 2008, 14:32 Uhr, von Liesel Gefällt 2 Lesern
    024
    Antworten
  25. 16. August 2008, 20:31 Uhr, von Liesel Gefällt einem Leser
    025

    @Danja, in der aktuellen Wirtschaftswoche, Heft 34, Seite 121-131, geht es um die zukünftigen Veränderungen in der Arbeitswelt im Informationszeitalter. Hier wird die These aufgestellt, dass die „Creative Industries“ sich in den nächsten 20 Jahren zum größten Wirtschaftsmotor Europas entwickeln.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Creative_industries

    Der Zusammenschluss in virtuellen Netzwerken soll für viele Berufstätige unvermeidbar sein, um die eigenen Kompetenzen und beruflichen Beziehungen darzustellen. Arbeitsplatz und Wohnen wachsen stärker zusammen. Die Bedingungen am eigentlichen Arbeitsplatz werden laut Artikel teilweise verbessert. Als Positivbeispiel wird hier Google genannt. (Ausgerechnet Google.) Videokonferenzen sollen Meetings in 30 Jahren überwiegend ersetzen. Trotz einiger Kritikpunkt wird das www nebst der damit verbundenen Technologien positiv bewertet, als Chance angesehen. Die Artikel sind leider noch nicht online verfügbar.

    Antworten
  26. 16. August 2008, 21:23 Uhr, von Siegmund Gefällt einem Leser
    026

    Wenn jemand nur einen Absatz lesen will, ist das ja auch ein Zeichen dafür, dass ihn das Thema eignetlich nicht interessiert. Wer kann z. B. von einem guten Buch schon genug kriegen ? Da liest man gerne schonma 1000 Seiten.
    Problematisch wird´s, wenn man gerade ein Titelthema schreiben muss ;)
    Die These, dass Internet doof macht, ist ja so neu auch nicht.
    Das Ganze gab´s schon bzgl. des Fernsehens Anfang der 80er.
    Wahrscheinlich war man bereits in Gutenbergs Zeiten der Ansicht, dass Bücher doof machen.
    Ich glaube, das war sogar tatsächlich so. Bis dato war Bildung ein Gut, das nur dem Adel und der Gesitlichkeit vorbehalten war.
    Ist also eine Demokratisierung von Medien immer mit der Annahme verbunden, sie wären zugleich „niveaulos“ ?

    Hm, warum gibt es eigentlich „Spiegel online“ ?

    Antworten
  27. 16. August 2008, 21:41 Uhr, von Mesm Gefällt 2 Lesern
    027

    @Danja…?Som et eksperiment, forsøger jeg at skrive denne tekst på tysk. Teksten er på dansk og derefter oversat til tysk med Google, om det fungerer og om sproget er til at forstå, det vil tiden vise.?

    This is at least one way to make the text correct. What Google sometimes is missing is the ability to decide the correct order of words and often it mixes up the present- and past tense but it still gives you a good understanding of what the text is all about.
    What I did was translate the text via Google, then change the things I definitely knew was wrong either by using a dictionary or trusting my limited German-speaking/writing abilities.

    …and here is the direct Google translation of the above text, hope you get the point ;-)

    “Dies ist zumindest ein Weg, um den Text richtig. Was Google manchmal fehlt, ist die Fähigkeit, zu entscheiden, die korrekte Reihenfolge der Worte und oft vermischt mit der aktuellen und vergangenen angespannt, aber es gibt noch ein gutes Verständnis dessen, was der Text überhaupt geht.
    Was ich tat, war übersetzen den Text über Google, dann ändern Sie die Dinge, die ich wusste definitiv falsch war entweder mit einem Wörterbuch oder vertrauensvolle meine begrenzten Fähigkeiten German-speaking/writing.?

    …..at least this whole thing goes to show that the blog-owner is right in stating that the “copy/paste? phenomena, used in the right way, is not such a bad thing :-))

    Antworten
  28. 16. August 2008, 22:12 Uhr, von Lizzy Gefällt 2 Lesern
    028

    @ Tanja
    Ich gebe ehrlich zu, ich surfe gern. Ich suche anfangs auch nur ein Thema bei Google. Nur findet man nicht sofort das was man sucht. Und dann bleibe ich auf anderen Seiten bei anderen Themen hängen bzw. ich speichere diese Seiten. In dem Moment, in dem ich die Überschriften oder die Inhaltsangabe lese, bin ich neugierig geworden und möchte unbedingt mehr darüber erfahren. Allerdings, so gebe ich ehrlich zu, bleibt das nicht lange in meinem Oberstübchen hängen. Aber für einen kurzen Moment ist meine Neugier befriedigt.

    In einem muß ich @Mesm zustimmen. Alles was mehr als ein oder zwei Absätze hat, wird von mir ausgedruckt. Ich kann den Zettel in der Hand halten (ich vermeide den Ausdruck haptisch) und ich kann den Beitrag lesen, wann und wo ich will. (Vielleicht auch wie in den guten alten Zeiten, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke.)

    Antworten
  29. 16. August 2008, 23:08 Uhr, von Liesel Gefällt 3 Lesern
    029

    (Zeitungen und Internet ergänzen sich, dazu:
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/571/306531/text/ )

    Antworten
  30. 16. August 2008, 23:14 Uhr, von Liesel Gefällt 2 Lesern
    030

    „Die Stärke des Internets ist die Rasanz, die Stärke der Zeitung die Reflexion.“

    Antworten
  31. 17. August 2008, 0:56 Uhr, von Kata Gefällt 2 Lesern
    031

    @ Mesm: funny translations, but just keep writing in English, I like to read and write it so much!

    Antworten
  32. 17. August 2008, 1:23 Uhr, von Danja Gefällt 2 Lesern
    032

    Tak for det sprog test, @Mesm.
    Liesel, das ist mir alles viel zu hypothetisch.

    Antworten
  33. 17. August 2008, 10:54 Uhr, von Tanja Gefällt einem Leser
    033

    @ Lizzy von 22:12 Uhr: ich finde genau da liegt das Problem. Du suchst etwas und bis du es gefunden hast, hat das Internet dich. Von einer Seite zur anderen weiter gereicht. Das kostet Zeit und du mußt.selektieren was du an Information brauchst. Auch ich speicher die Zwischenseiten die mich interessieren, rufe diese aber erst dann ab wenn ich mit meinem Thema durch bin und wenn ICH Lust habe diese Links zu lesen und nicht wann das Internet es mir vorgibt. Das kann manchmal Tage später sein oder gar nicht.

    Antworten
  34. 17. August 2008, 20:28 Uhr, von Walter Gefällt 3 Lesern
    034

    Tanjas pragmatischer Ansatz hat einiges für sich.
    Die sehr großen Datenmengen und die, gerade auch qualitativ sehr vielfältigen Informationen, die über das Internet zur allgemeinen oder speziellen Verfügung gestellt werden, erfordern eine primär quantitative Verarbeitung. ‚Masse statt Klasse‘ bedeutet das gefundene Material zunächst gemäß der speziellen Fragestellung in eine übersichtliche Ordnung zu bringen, auch ohne dabei qualitativ ins Detail zu gehen. Dafür fehlt meist die Zeit. Die copy and paste- Funktion wirkt primär additiv und akkumulierend, nicht erklärend und inhaltlich verknüpfend. Dies ist oft auch nicht notwendig, wenn es darum geht, einen Überblick über ein Thema zu gewinnen ohne auch schon gleich zu werten, zu deuten und zu gewichten. Die primäre Information wird so (fast) unverarbeitet dargeboten und zur sekundären Diskussion frei gegeben.
    Dies erfordert mindestens zwei Einschränkungen:
    Zunächst sollten sich die mit copy and paste Arbeitenden dieser systematisch qualitativen Einschränkung bewusst sein und daraus folgend auf eine inhaltliche Verknüpfung weitgehend verzichten oder diese nur nach allgemeinen Regeln der Logik vornehmen.
    Der Verbündete der Erkenntnis wird dann das Interesse, das zu einer weiteren von Absicht und Vorsatz geleiteten inhaltlichen Durchdringung und Bezugnahme motiviert. Interesse und Neugier sind die ‚intrinsischen‘ Motive, die von einer Aneinanderreihung von Information zum Verständnis führen.
    Dies entspricht auch der Arbeitsweise eines freien Menschen, die sich angesichts eines Übermaßes an Wissen und Information an kontingenten Erkenntnissen und Entscheidungen orientiert und sein Wissen auswählt.
    Diese Denkweise ist uns am Idealismus und der Dualität geschulten Europäern weniger zugänglich als eher pragmatischen Nordamerikanern oder Ostasiaten.
    So bleibt die Entscheidung ob wir in einer globalisierten Welt der Daten und Informationen aus Nostalgie an unseren europäischen geisteswissenschaftlichen Traditionen festhalten wollen, die sich de facto auf philosophischem, soziologischem und politischem Gebiet ihrer selbst entfremdet haben.

    Ein größeres Problem scheint der kritische Umgang mit Information und Internet, das gerade die Geisteswissenschaften zu einer verantwortungsbewussten Handhabung von Information und Wissen herausfordert. Wie die Milch nicht aus dem Kühlregal und der Strom nicht aus der Steckdose kommt, so entsteht Information eben auch nicht im Netz.
    Die Verknüpfung von künstlicher Intelligenz der Suchmaschinen mit Dyslexie ist jedenfalls konstruiert und nicht nachvollziehbar.
    Dass Medien uns verändern und nichts bleibt wie es war ist eigentlich eine Binsenweisheit.
    Passend ist das Nietzsche- Beispiel mit dem Malling-Hansen Writing Ball: “You are right,? Nietzsche replied, “our writing equipment takes part in the forming of our thoughts.? Under the sway of the machine, writes the German media scholar Friedrich A. Kittler, Nietzsche’s prose “changed from arguments to aphorisms, from thoughts to puns, from rhetoric to telegram style.?

    Das Internet und die Globalisierung verändern uns- ob wir das jetzt wollen oder nicht. Wir könnten uns auch sinnvollerweise darauf einlassen.

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  35. 17. August 2008, 22:40 Uhr, von Liesel Gefällt 2 Lesern
    035

    „Das Internet und die Globalisierung verändern uns- ob wir das jetzt wollen oder nicht. Wir könnten uns auch sinnvollerweise darauf einlassen.“

    Achtung, jetzt wird´s schwülstig:
    Ja, wir sollten uns drauf einlassen, @Walter. Die Jüngeren müssen sich auf die globalisierte Welt im Informationszeitalter einlassen! Sie kommen, wenn sie ihren Lebensunterhalt zukünftig bestreiten wollen, gar nicht an den Eigentümlichkeiten der globalisierten, im Internet vernetzten Welt vorbei. Sprachbarrieren müssen über bessere Fremdsprachenkenntnisse überwunden werden. Die lokalen Barrieren werden mit Hilfe des Technologiefortschritts nicht nur überschritten – wir sind miteinander verbunden/vernetzt.

    Die Entwicklungsschritte in den vergangenen 10 Jahren sind rasanter als je zu vor. Ich kenne noch die Anfänge der Computertechnik. Als Schülerin hatte ich einen IBM-PC mit DOS-Betriebssystem, einer 5 MB-Festplatte (eigentlich 10 MB, die anderen 5 MB waren defekt), einem Monochrommonitor und habe kleine Programme in Turbo Pascal für ein IT-Unternehmen geschrieben. Es war alles neu und faszinierend. Dann die Vernetzung mit anderen über Mailboxen.

    Und wo stehen wir jetzt? Das ist nicht zu fassen, wie schnell sich alles entwickelt hat. Der Mensch wird extrem gefordert, um sich den Entwicklungen anpassen zu können. Hier geht’s um Evolution!

    Über die negativen Folgen der Globalisierung werden wir täglich informiert: plötzlicher Abzug von Unternehmensteilen in Schwellenländer, steigende Preise für Biomasse (Lebensmittel, Energie), auftretender Hunger, Schwankungen am Aktienmarkt (Panikverkäufe), Fusionen von Konzernen (Marktbeherrschung weniger Konzerne), Zerschlagung von Unternehmen und Verkauf der lukrativen Bereiche an Heuschrecken, Sicherung von Know-how über Patente von Konzernen ebenfalls mit der Folge der Marktbeherrschung, stärkere Spaltung der Gesellschaft in Arme und Reiche. Das www ist ein „wunderbares Hilfsmittel“, um die Globalisierung perfekt zu machen. Es liegt in der Natur des Menschen, überleben zu wollen. Die, die sich an die rasante Entwicklung anpassen, werden die besseren „Überlebenschancen“ haben.

    Ich denke aber auch, dass es positive Tendenzen geben wird. Die Umweltindustrie erlebt einen Aufschwung. Der Einzelne tendiert mehr zu einem umweltbewussteren Handeln. Durch den Netzaustausch können kulturelle Unterschiede aufgeweicht werden.

    Es geht mir persönlich aber dennoch alles zu schnell. Bei einigen jungen Erwachsenen bekomme ich mit, mit welchem Eifer sie versuchen, ihre zukünftigen Chancen am Arbeitsmarkt zu verbessern. Einige ackern enorm, um später in vernünftigen Verhältnissen leben zu können. Ich finde auch, dass die Berufstätigen um die 40 eine Menge leisten müssen, um einigermaßen vernünftig leben zu können. Die Zeiten sind derzeit nicht besonders rosig und ich befürchte, dass sich die ökonomischen Verhältnisse eher verschlechtern werden. Aus dem Lot kann einiges schnell gelangen, da nun nicht mehr das kleine Land, in dem man selbst wohnt, betrachtet wird, sondern die Weltwirtschaft. Eine plötzliche, möglicherweise politisch veranlasste Entscheidung in einem anderen Land, kann Prozesse weltweit zum Wanken bringen. Die Welt ist wie das Web vernetzt. Mit der Zensur im Internet haben wir uns befasst. Einschränkungen bei Web und Welt sind – um bei diesem banalen Vergleich zu bleiben – schnell möglich.

    Es müsste von Seiten unserer Politiker Initiativen geben, die die Globalisierung inkl. Netzkommunikation positiv beeinflussen können. (Vielleicht gibt es sie und ich bin nicht informiert.)

    Und wie sieht es mit den Werten aus? Mit Religionen? Ich bin auch für Gerechtigkeit nach dem Prinzip der Fairness. Aber dieses mögliche Minimum an gesellschaftlichen Verhaltensregeln wird in verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgelegt. Andere Kulturkreise funktionieren für sich betrachtet auch. Vielleicht kann das informationsreiche Web mit den vorhandenen Kommunikationsformen ein wenig zu einem einheitlicheren Prinzip der Fairness führen. Eigentlich könnte der Mensch mit den vorhandenen Möglichkeiten und dem enormen Wissen eine bessere Welt schaffen. Dann müsste Macht hinter Vernunft treten. Das Machtprinzip widerspricht dem Prinzip der Fairness.

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  36. 18. August 2008, 16:47 Uhr, von Mesm Gefällt 2 Lesern
    036

    @ Kata, miten tästä, Googlen kanssa kaikki on mahdollista? ;-))

    Antworten
  37. 18. August 2008, 17:45 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    037

    ‚Aber dieses mögliche Minimum an gesellschaftlichen Verhaltensregeln wird in verschiedenen Kulturen unterschiedlich ausgelegt. Andere Kulturkreise funktionieren für sich betrachtet auch.‘ (Liesel am 17. August 2008 um 22:40 Uhr)

    Gerechtigkeit als Fairness verstanden ist eine Eigenschaft, die wir mit anderen Primaten und sogar Nicht- Menschenaffen teilen. Bei den Protesten und Demonstrationen in anderen Kulturkreisen geht es meist um Gerechtigkeit. Fast nichts empört uns so wie eine erlittene Ungerechtigkeit.
    Könnte Fairness daher nicht doch zu einem Globalisierungs- kompatiblen Common sense taugen, Liesel?

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  38. 18. August 2008, 17:48 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    038

    Die Charakterisierung von Kurt Tucholsky taugt dagegen eher weniger:

    ‚Mensch:
    ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen läßt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.‘

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  39. 18. August 2008, 18:56 Uhr, von Liesel Gefällt 3 Lesern
    039

    „Könnte Fairness daher nicht doch zu einem Globalisierungs- kompatiblen Common sense taugen, Liesel?“ Das wäre wünschenswert, @Walter.

    Ich habe meinen Zweifel daran, ob Dinge, die wir mit Fairness und Gerechtigkeit verknüpfen, in autoritären Strukturen ebenso empfunden werden. Ganz interessant finde ich Funk, Harmonie um jeden Preis? 2. a):
    http://www.fairness-stiftung.de/pdf/Funk_Konfliktmasken.pdf

    Bedenklich stimmt mich auch der Blick auf die Karte „Regierungsformen der Welt“, Staaten mit Einparteiensystem, Militärdiktaturen unter: de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rdiktatur

    Verhält sich die Masse der Bürger in einem autoritären Staat fair und gerecht, wenn sie vom Staat profitiert? Interessant, wenn auch kritisiert das Kommunikationsmodell nach Lazarsfeld unter: de.wikipedia.org/wiki/Kommunikationsmodell_nach_Lazarsfeld
    (Problem Mitläufermentalität)

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  40. 19. August 2008, 19:15 Uhr, von Kata Gefällt 2 Lesern
    040

    @ Mesm: Kiitos tästä – sounds great to me, but my Finnish grammar is awful, so I can’t really judge…

    Antworten
  41. 20. August 2008, 7:59 Uhr, von Mesm Gefällt 2 Lesern
    041

    @Kata, I thought your mother was from Finland? (Miriam Meckel vent to the sauna with her clothe on somewhere in the United States, and I we had at conversation about that – remember? :-))

    ……by the way, I find the translation programs fascinating, but I haven’t been able to find one which is really good. I have thought of buying one, just to find out if it´s better than the ones you can find on the internet for free. But they seem to be quite costly, the last one I found was 150 Euro, and I thought that was a little too much, considering its was supposed to be an experiment :-)

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  42. 20. August 2008, 10:11 Uhr, von Danja Gefällt 2 Lesern
    042

    Du har en god hukommelse, Mesm.

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