MM_de-Lillo
Zu den Kommentaren
18. August 2008, 10:37 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Lesen kompakt

Wer von Berlin Schönefeld in den Urlaub fliegt, wird zu Beginn der Reise gleich über die richtige Lesehaltung im Flugzeug aufgeklärt: Das normale Zeitungsformat ist hierfür nicht geeignet, es stört den Nachbarn und reduziert den allemal beengten Raum pro Passagier auf unakzeptable Maße.

Das Format der Zeitung ist also nicht mehr von seinen zu vermittelnden Inhalten abhängig („all the news that’s fit to print“, wie der Claim der New York Times täglich verspricht), sondern von der „convenience“, die ihre Nutzungssituation abverlangt. Ich glaube, hier irrt der Verlag, der seine Kompaktversion einer Zeitung offenbar funktional und formal versteht und auf obigem Bild anpreist.

Diese Kompaktversion kann nur die Leser faszinieren, die noch nichts nachrichtlich gehört und gesehen haben und sich einen knappen Tagesüberblick verschaffen wollen. Wer Hintergrund, Einordnung oder spannende Positionen lesen möchte, wird das Blatt schnell zur Seite legen. Und schließlich hat jede Zeitung auch eine sozialkommunikative Funktion: Gerade im Flugzeug können die schönsten Kontakte zum Sitznachbarn entstehen, im Prozess der vorsichtigen Aushandlung von Lese- und Körperhaltung sowie Neigungswinkel der Zeitung im Normalformat. Und der intime Moment des nachbarschaftlichen Mitlesens entsteht gewiss nie, wenn beide ein Kompaktformat konsumieren.

 

 

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41 Reaktionen

  1. 18. August 2008, 11:17 Uhr, von Isabelle Gefällt 4 Lesern
    01

    Und wieder einmal fühl ich mich in meiner tiefen Abneigung gegen Schönefeld bestätigt. Jetzt wird man da auch noch zum BZ-Lesen ermutigt. *Kopfschüttel*

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  2. 18. August 2008, 11:20 Uhr, von Jon Gefällt 4 Lesern
    02

    Mit „kompakt“ meinen Sie aber nicht Tabloid? Seit einem Jahr ist ja nun die Frankfurter Rundschau im Tabloid-Format zu lesen (geht sehr gut im Flieger), was auf den Inhalt keinen Einfluss hat.

    Und Sie bloggen im Urlaub? Dann ist es Lust-Bloggen, keine Frage (und pünktlich wie die Maurer immer um 10:08 … so stehts zumindest in meinem Feed-Reader)

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  3. 18. August 2008, 11:20 Uhr, von Fabian Gefällt 4 Lesern
    03

    Ups, schon wieder ein neuer Artikel, Frau Meckel tut was gegen Langeweile am Arbeitsplatz :-D Danke dafür!!!!!!

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  4. 18. August 2008, 11:26 Uhr, von Fabian Gefällt 4 Lesern
    04

    Dieser Herr macht es vor, wie es auch ohne Kompaktformat geht – einfach einmal mehr falten. :-)

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  5. 18. August 2008, 13:42 Uhr, von Gabi Gefällt 4 Lesern
    05

    Ich mußte auch gleich wieder an diese Story aus dem letzten Jahr denken… der Herr im Flugzeug und die Frage: Wollen Sie mit mir lesen ; )

    Mich wundert manchmal wirklich, wer sich diese Schilder einfallen läßt… ob man dazu wohl ne ganz spezielle Berufsausbildung braucht?

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  6. 18. August 2008, 14:16 Uhr, von Isabelle Gefällt 4 Lesern
    06

    Bevor man dann im Flugzeug nur noch BILD-Zeitung ließt, sollte man sich vielleicht doch lieber ein „Amazon Kindle“ zulegen:
    http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/245/143922/

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  7. 18. August 2008, 14:27 Uhr, von Gisela Gefällt 4 Lesern
    07

    Was ist ein „normales“ Zeitungsformat?

    Für mich sind deutsche Zeitungsformate eine Wissenschaft für sich. Selbst deutsche Bekannte konnten mir bis anhin nicht erklären, warum gerade ihre Zeitung ein normales Format habe. So betrieb ich selbst Format-Forschung und bin dabei auf die Norm 16604 gestossen, welche die historisch entwickelten Zeitungsformate in drei Hauptgrössen unterteilt: Das Berliner, Rheinische und Nordische Format. Neben den Vollformaten gibt es aber auch Halbformate und Varianten…es wäre ja sonst etwas gar langweilig:-)

    Bei uns in der Schweiz herrscht zumindest in dieser Hinsicht weniger Verwirrung. Hier kommen fast alle Tageszeitungen im selben Format an die Kioske. Aus der Reihe helvetischer Ordnung tanzen die Gratiszeitungen (20min, News, .ch), welche mit ihrem Kompaktformat anscheinend den Zeitgeist unserer Gesellschaft treffen: Nicht viel Zeit haben, nicht viel lesen wollen und schon gar nicht viel nachdenken müssen.

    Übrigens können auch im Zug die schönsten Kontakte zum Sitznachbarn entstehen:-)

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  8. 18. August 2008, 15:12 Uhr, von Dowanda Gefällt 4 Lesern
    08

    @Gabi
    Ich glaube, das sind dieselben die sich in der BILD die intelligenten Texte unter den Fotos der spärlich bekleideten Frauen einfallen lassen.
    So nach dem Motto „Janine freut sich am Format der BZ“.
    Mal eine intellektuelle Abwechslung zu „Fabienne geniesst die letzten Sommertage.“

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  9. 18. August 2008, 15:30 Uhr, von Sandra Gefällt 4 Lesern
    09

    Es wäre meiner Meinung nach durchaus wünschenswert, wenn die ein oder andere große Tageszeitung im Kompaktformat erscheinen würde. Als auf die Bahn angewiesene Pendlerin finde ich es schon schwierig (selbst wenn ich einen Sitzplatz ergattern konnte) eine Zeitung zu lesen die gefühlte drei Quadratmeter misst. Bei verkleinertem Format sollte jedoch der Inhalt nicht weniger Raum beanspruchen.

    Antworten
  10. 18. August 2008, 18:21 Uhr, von Danja Gefällt 3 Lesern
    010

    „Größere Probleme macht die fehlende Kniefreiheit.“ Hey, endlich jemand der die Probleme kennt (@Walter). Es geht nicht ums Lesen. Nein, es gibt wirklich andere Probleme im Flieger. Also ich weiß nicht, wie ich im Flugzeug meine verhältnismäßig langen Beine unterbringen soll. Ich rutsche auf meinem Sitz in der 2. Klasse immer hin und her. Die, die noch lesen können, beneide ich.

    Vorhin habe ich auf den Link im Posting geklickt und einige Kommentare aus dem letzten Jahr gelesen. Ganz schön aufgekratzt die Blog-Community!!!

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  11. 18. August 2008, 19:54 Uhr, von Anja Gefällt 4 Lesern
    011

    Vielleicht irrt der Verlag ja gar nicht, wenn er seine Zeitung nicht über Inhalte, sondern über Funktionalität anpreist. Zumindest, wenn er Profit und Wirtschaftlichkeit an erster Stelle sieht und nicht gut recherchierten und positionierten Journalismus!
    Ich denke, es sagt einiges über die Macher des Blattes aus, aber auch eine Menge über die Leser. Vielen reicht ein kurzer Überblick über die Themen, um sich ein Bild zu machen und mitreden zu können. In diesem Falle hätte die gute alte Seite Drei bald ausgedient, kein schöner Gedanke.
    Ich fliege demnächst mit meinem 2 jährigen Neffen in Urlaub und da gibt es als Bordlektüre „Conni am Strand“. Klein, kompakt und mit vielen Bildern;-)

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  12. 18. August 2008, 21:53 Uhr, von Lizzy Gefällt 4 Lesern
    012

    Erst einmal versuche ich mich bequem hinzusetzen. Die Beine ausstrecken … muß ich gar nicht erst versuchen.

    Und dann lese ich die Zeitung. Und zwar ganz zivilisiert chaotisch. Ich fange an, die erste Seite zu lesen, während die anderen Teile auf meinem Schoß liegen. Da ich aber mehr als nur die Titelseite lesen möchte, beginnt jetzt das Chaos. Ich muß das erste Blatt umblättern (ohne meinen Nachbarn ins Gesicht zu schlagen) und aufpassen, daß die anderen Teile nicht von meinem Schoß rutschen und auf den Boden fallen. Das klappt zwei- bis dreimal ganz gut. Dann müßte ich die restliche Zeitung auf dem Boden weiterlesen, was praktisch nicht funktioniert. Also tue ich so, als ob nichts passiert ist, zücke mein Buch und lese das weiter. Ist ohnehin das Vernünftigste.

    Aber die Tageszeitung möchte ich trotzdem noch lesen. Diese wird dann nach der Landung, einkassiert und ganz in Ruhe zu Hause (oder wo ich gerade bin) gelesen. So schnell gebe ich schließlich nicht auf ;-)

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  13. 18. August 2008, 22:52 Uhr, von Walter Gefällt 4 Lesern
    013

    Als Tipp:
    Die Zeitung präparieren, zwei kaufen und jeweils passend vorfalten, auf ein Viertel des Formats. Der dabei entstehende Stapel ist dann etwa Din A4 groß und 5 cm dick- ein neues haptisches Zeitungsgefühl.

    Etwas ernsthafter: Es geht um eine Qualitätsdebatte. Die BZ, ‚Berlins größte Zeitung‘ und die anderen aus dem Springer- Konzern sind convenient. Wikipedia dazu: ‚Convenience is anything that is intended to save a time, energy or frustration.‘
    Es ist ein Wiesel-Wort (tinyurl.com/6kz99o) …

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  14. 18. August 2008, 22:55 Uhr, von Janine Gefällt 4 Lesern
    014

    @ Dowanda: Ich hoffe, mit Janine war nicht ich gemeint ^^. Obwohl ich ja zugeben muss, dass mir das Format der FR sehr gut gefällt… Nur kompakt ist jetzt auch nicht mein Ding ;).

    Der Beitrag über das nachbarschaftlihce Mitlesen war einer der ersten, die ich hier gelesen habe. Ich fand das unglaublich komisch ^^. Allerdings habe ich auch heute noch keine persönlichen Erfahrunen mit dem Lesen im Flieger. Ich war ja immer noch in keinem ;). Das wird sich auch erst mal längere Zeit nicht ändern. ^^

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  15. 19. August 2008, 0:29 Uhr, von Hanna Gefällt 4 Lesern
    015

    Wie Janna schon sagte: Solche Schilder sind einfach echt beknackt! Die Beschilderung in Deutschland nimmt wirklich absurde Züge an.
    Apropos absurd: Bei „Flieger-Posting“ fiel mir der „Metaflug“ von neulich ein und… da stehen irgendwie krasse Kommentare im Profilkommentar von PhilipaBoa. Alter!

    Antworten
  16. 19. August 2008, 7:58 Uhr, von Mesm Gefällt 4 Lesern
    016

    @Fabian, fabulous! :-D

    I am so happy to see that it seems like this blog has got its sense of humour back. Its not that I don’t like it when it’s serious, I just think a little bit of both is much more interesting ;-)

    Antworten
  17. 19. August 2008, 8:05 Uhr, von Janna Gefällt 4 Lesern
    017

    ich warte gespannt auf den weiblichen Gegenentwurf zum Schild „Männer, hier dürft ihr mit heruntergelassenen Hosen den Playboy lesen“…

    Antworten
  18. 19. August 2008, 8:12 Uhr, von Danja Gefällt 4 Lesern
    018

    Wozu einen Gegenentwurf, @Janna? Die Fabianche-Variante berücksichtigt das schon. Oder?

    Antworten
  19. 19. August 2008, 8:37 Uhr, von Liesel Gefällt 3 Lesern
    019

    Was werden hier für komische Fragen gestellt? Der Häschen-Blogger Fabian hat sich offenbar verdrückt.

    Antworten
  20. 19. August 2008, 11:43 Uhr, von Isabelle Gefällt 4 Lesern
    020

    @ Dowanda
    Die Zeitungen in Österreich sind aber generell kleiner als in Deutschland. „Die Presse“ und „Der Standard“ als Qulitätszeitungen sind ja nur halb so groß wie beispielsweise die „Süddeutsche“. Auch haben beide ja gar keine Sonntagsausgabe, sondern nur die Boulevardzeitungen (naja und der „Kurier“ was ja sowas dazwischen ist).
    Und „Österreich“ ist nicht nur kompakt, sondern hat auch enorme Probleme mit der Rechtschreibung. Ich frag mich ob die überhaupt gekauft wird? Die wird in Wien ja fast täglich gratis verteilt.

    Antworten
  21. 19. August 2008, 11:56 Uhr, von Fabian Gefällt 4 Lesern
    021

    Isabelle: Bei einem Startkapital von 70 Millionen Euro ist der Bestand dieser Zeitung für die ersten 13 Jahre nahezu gesichert. Und da es sie erst seit zwei Jahren gibt …

    Aber sie haben den Markt – laut Wolfgang Fellner – ziemlich aufgerollt. Bleibt abzuwarten, ob das Finanzierunskonzept auf Dauer greift.

    Liest jemand von Euch Tabloid? Oder kennt jemand irgendwen, der so ein Format liest??? Ich meine jetzt außer im Flugzeug o.ä.? Tabloid ist für mich wie die BUNTE beim Arzt. Durchblättern, Bildchen gucken und gut. Aber lesen kann und will ich sowas nicht!

    Antworten
  22. 19. August 2008, 12:18 Uhr, von Hanna Gefällt 4 Lesern
    022

    Ja, ich „kenne“ Leute, die z.B. täglich die BILD lesen. Ich finde es etwas problematisch, solche Leser zu verurteilen. Von einem Standpunkt eines Lesers aus, der eine höhere Schulbildung genossen hat oder sich mit eigenem Intellekt das Zeitunglesen angeeignet hat, ist es leicht, die BILD-Leser zu verpönen. Ich lese sie auch nicht. Aber als ich früher immer Ferienjob bei einer Gebäudereinigungsfirma gemacht habe, haben die Arbeiter in der Mittagspause im Bus immer die BILD gelesen, ich mit. Ich fand es gut, dass sie sich überhaupt informieren wollen, und das Problem ist m.E., dass es einfach keine Zeitung gibt, die aktuelle Probleme in einer sehr einfachen Sprache und verständlich beschreibt. Das macht die BILD, allerdings in einer fatal parteiischen Weise. Fotoillustrationen erleichtern ebenso das Lesen. Wenn es also eine Zeitung gäbe, die Sachverhalte nicht so hochgestochen und anschaulich, aber eben neutral berichtet, könnte das womöglich die BILD ersetzen.

    Antworten
  23. 19. August 2008, 12:35 Uhr, von Isabelle Gefällt 3 Lesern
    023

    @ Hanna
    Ja ich seh das bis zu einem gewissen Grad genauso, aber dennoch muss man sich auch überlegen, über was sich die Leute in einer Boulevardzeitung informieren. Denn diese Art von Zeitung befriedigt ja die Sensationslust der Leser auf Kosten anderer. Ich denke da bloß an die Art der Berichterstattung beim Fall Amstetten, als besagte „Österreich“ auf der Titelseite ein Phantombild von Elisabeth F. brachte. Da ging es mit Sicherheit für die Leser weniger darum sich zu informieren, als viel mehr seine eigen Lust am Voyeurismus zu stillen. Und so ist es ständig, wenn man sich die Schlagzeilen der Boulevardzeitungen anschaut.

    Antworten
  24. 19. August 2008, 12:36 Uhr, von Dowanda Gefällt 4 Lesern
    024

    @Isabelle
    Ja, das stimmt – Standard und Presse sind die einzigen bundesweiten Zeitungen in dem Format. Ich meinte jetzt konkret die Krone, den Falter, Österreich, die Kleine Zeitung, die Neue etc.
    Mir fällt einfach auf, dass an einem Zeitungsstand in Bregenz oder Innsbruck mehr A4-Formate zu finden sind wie z.B. in Lindau am Hauptbahnhof oder in Stuttgart.

    Ich glaube, bald kriegt man noch was raus wenn man „Österreich“ liest. Und ein gescheites Lektorat bräuchten die auch mal. Aber ich wette, den meisten fällt das nicht mal auf.

    Meine Liebste, beispielsweise, war als Lektorin in einer online-Redaktion tätig. Sie hat die Anweisung erhalten, es genüge wenn sie die Überschriften prüfe …

    Antworten
  25. 19. August 2008, 13:15 Uhr, von Walter Gefällt 4 Lesern
    025

    Ja, der Playboy. Er wirbt aktuell mit Olympia- Frauen und dem Blick unter die Trikots:
    Wir wollen doch nur spielen.
    Naja, was das mit Sport und Olympia zu tun hat. Sex sells, wie auch BILD täglich beweist.- Eine besondere Form von convenience.
    Damit empfiehlt sich der Playboy immerhin nicht nur für Flüge nach Thailand.
    Die Analogie von Billigflieger und Billigpresse zeigt worum es geht: Um Geld und Profit. Ds ist zunächst nichts Schlechtes. Flüge sind so auch für wenig Geld zu haben, nach der CO2- Bilanz fragen wir später.
    Welt kompakt wirbt mit ihrem Format:
    ‚ WELT KOMPAKT – einfach lesen
    Prägnant, modern, hochaktuell. Die WELT KOMPAKT bietet auf 32 Seiten im Tabloid-Format hochaktuelle Informationen in kompakter Form. Durch Ihren späten Redaktionsschluss ist sie die aktuellste überregionale Tageszeitung des Landes und die effizienteste Form mit einer Tageszeitung umfassend informiert zu sein.‘ (tinyurl.com/5ghobd)

    Hochaktuell, effizient und umfassend- eher Manager- als Journalistensprache? ‚Hintergrund, Einordnung oder spannende Positionen‘ werden nicht angestrebt. Vielleicht ist ja Tabloidlesen wie Fliegen unter beengten Bedingungen? Nachrichtenmedium angepasst ans Transportmedium? Information unter dem Diktat der Geschwindigkeit und der Effizienz- wer immer auch die definiert.
    Die Reaktionen auf die Playboy-
    Version zeigen, was uns Menschen wirklich bewegt- Humor, auch unter der Gürtellinie.
    Doch so etwas verträgt sich nicht mit Qualitätsjournalismus- oder vielleicht doch?

    Antworten
  26. 19. August 2008, 13:24 Uhr, von Lena Gefällt 3 Lesern
    026

    SWie wär es denn mal wieder mit einem Buch? Es hat Vorteile: Man muss sich die schlimmsten Nachrichten des Tages erst einmal nicht reinziehen, kann mit etwas Glück bei der Auswhal vollständig in einer anderen Welt versinken und gerät kaum in die Gefahr, einen Nachbarn zu belästigen. Achtung: Keine zu lustigen Bücher nehmen, das kann schiefgehen!

    Antworten
  27. 19. August 2008, 14:07 Uhr, von Fabian Gefällt 4 Lesern
    027

    @ Hanna: Hm, nochmal zur Frage, Leute verurteilen, die die Bild lesen.

    Nein, mache ich natürlich nicht, schon aus Gründen der politischen Korrektheit nicht, man ist ja sehr tolerant heutzutage. Aber auf der anderen Seite ist das doch eine gewisse Haltung, die man mit seinem Medienkonsum ausdrückt. Und dass die BILD ein sensationsgeiles, Kleine-Leute-Blatt ist, ist jedem klar, der sie kauft, selbst dem noch so ungebildeten Arbeiter. Und alle, die solch ein Blatt kaufen, wissen auch, dass sie den Sensationsjournalismus indirekt unterstützen. Das ganze nur auf den Anbieter abzuwälzen und die Konsumenten als passive Masse zu sehen, nach dem Motto, die sind eben etwas einfacher gestrickt, da muss man Verständnis für haben, halte ich auch für verkehrt.

    Im Grunde geht es mir genauso mit Tabloids, wie etwa WELT kompakt (ich schätze im übrigen, die oben gezeigte Werbung ist für WELT kompakt), es ist eine Haltung zu Informationen, die man als regelmäßiger Leser mit dem Konsum von Gratiszeitungen oder Kompaktzeitungen ausdrückt: Ich will möglichst unkompliziere, schnelle und entsprechend oberflächliche Information, das reicht mir. Mir ist guter Journalismus (der de facto einiges kostet) nichts wert.

    Die Frage, die sich mir eher stellt: Haben wir Konsumenten überhaupt noch ZEIT und Lust uns mit komplexen Dingen zu befassen und uns in Zeitungen damit auseinanderzusetzen? Schätzen wir überhaupt noch komplexe Hintergrundinformationen? Oder verführt und der (kostenlose) mediale Häppchenjournalismus (sei es durch Internet, Fernsehen und eben Tabloidformate bzw. Boulevard) in gewisser Weise auf Dauer zu einem bequemen Halbwissen?

    Ich bezweifle, dass viele BILD Leser gleichzeitig einen Blick auf das BILDBLOG werfen. Und wie trashig BILD ist, zeigt ein Blick auf die bescheuerten Überschriften auf BILD-online. Wobei, dies sei zur Ehrenrettung der BILD-Leser gesagt, die BUNTE nicht viel besser ist.

    Antworten
  28. 19. August 2008, 14:16 Uhr, von Dowanda Gefällt 4 Lesern
    028

    @Walter
    Ich glaube in jedem/jeder stecken Abgründe, die mit den dazu passenden Medien gefüllt werden könne. Manche Abgründe sind seichter als andere, und manche lassen sich gar nicht erfassen. Darum reicht auch das Range vom Boulevard bis hin zum Qualitätsjournalismus, der diesen Namen auch noch verdient hat.

    Ich gebs zu: Ich muss immer die Klatschspalten auf spiegel.de ersurfen; könnte mir aber auch keine Woche ohne „Finanz&Wirtschaft“ oder „Zeit“ vorstellen.

    Antworten
  29. 19. August 2008, 15:38 Uhr, von Hanna Gefällt 4 Lesern
    029

    Politisch Korrektheit um ihrer selbst Willen halte ich wiederum für sinnlos. Ich glaube schon, dass es wichtig ist, die Situation mancher Leute mit einzubeziehen. Natürlich sollte man sich im Idealfalll die Zeit nehmen, gut recherchierte Hintergrundartikel zu lesen, aber das schaffe ich z.B. auch nicht zu ALLEN Themen. Und das, obwohl ich im z.Zt. im akademischen Bereich arbeite. Der Fokus auf Sensation mag dem Arbeiter wohl klar sein, aber ebenso wie Dowanda andeutete glaube ich, dass der Durst nach Sensation/Klatsch sich durch alle Schichten zieht. Mir kommt es viel mehr auf die verzerrte u. teilweise falsche Berichterstattung der BILD an, die ich bedenklich finde. Aber ich glaube nicht, dass das der breiten Leserschaft der BILD bewusst ist, leider. Ich kann mich noch gut an viele klärende Diskussion in besagtem Mittagspause-Bus erinnern. Davon ab: ich finde kompakte, oberflächliche (aber richtige) Information besser als keine. Und nach einem 10 Stunden Tag körperlicher Arbeit, an den sich häufig ein zweiter Hausmeisterjob und Familienknatsch anschließt, bleibt einfach nicht für mehr Zeit und Lust.

    Antworten
  30. 19. August 2008, 15:45 Uhr, von Hanna Gefällt 4 Lesern
    030

    „Hochaktuell, effizient und umfassend- eher Manager- als Journalistensprache?“
    Ich finde, um einen kurzen Überblick zu bekommen, z.B. nach ein paar Tagen Verreisens, nehme ich das Angebot gern an. In der Schnelllebigkeit und der Hektik finde ich es sinnvoll, einen raschen Überblick über wichtige Ereignisse zu bekommen. Wenn mich dann eins besonders interessiert, lese ich es natürlich bei nächster Gelegenheit in verschiedenen Tageszeitungen und Wochenmagazinen und amerikanischen von Wissenschaftlern betriebenen Blogs nach. Ich finde, es hängt immer davon ab, dass man ein Medium richtig einzuschätzen weiß. Es wird einem – wie seit jeher – natürlich nicht abgenommen, die Quelle selbst einzuschätzen und Informationen selbst zu vertiefen.

    Antworten
  31. 19. August 2008, 15:58 Uhr, von Janna Gefällt 4 Lesern
    031

    ich glaube auch nicht, das allen Lesern die Absurdität so mancher Bild-Schlagzeilen klar ist. Mit Erschrecken stelle ich immer wieder fest, das doch so mancher fast dogmatisch an dem Glauben festhält, Bild sei das einzige Medium, welches die viel zitierte Wahrheit schonungslos aufdeckt.
    Ich stelle dagegen öfters fest, das ich einfach keine Zeit habe, die ZEIT vollständig zu lesen. So sehr hier -auch zurecht- über die Komprimierung und Zusammenfassung vieler Inhalte geschimpft wird, ich suche noch nach einer Variante, bei der ich kompakt UND journalistisch ansprechend informiert werde

    Antworten
  32. 19. August 2008, 16:42 Uhr, von Lena Gefällt 4 Lesern
    032

    Haha, ich finde es allein schon total lustig, aus Gründen der „politischen Korrektheit“ Bild-Leser nicht zu verurteilen. Ist das nicht ein sehr vertrackter Widerspruch in sich?

    Antworten
  33. 19. August 2008, 17:21 Uhr, von Fabian Gefällt 4 Lesern
    033

    „Und nach einem 10 Stunden Tag körperlicher Arbeit, an den sich häufig ein zweiter Hausmeisterjob und Familienknatsch anschließt, bleibt einfach nicht für mehr Zeit und Lust.“

    Hanna, da muss ich spontan an Susanne denken und bemerken, dass es früher es mal sowas wie Arbeiterbildungsvereine gab – und ich glaube nicht, dass die Menschen damals nach der Arbeit entspannter waren.

    Antworten
  34. 19. August 2008, 18:11 Uhr, von Tanja Gefällt 4 Lesern
    034

    Ich darf alles lesen! Ich fahre ja Bahn und das von 5 Uhr morgens bis 12:30 Uhr mittags mit 2X umsteigen. Dafür darf ich aber alle Formate lesen die ich will. Gibt es den Playboy auch in einer Vision für Frauen? Playgirl? Natürlich nur wegen den Artikel:-D
    Ich habe zwar ein Buch für die Fahrt geliehen bekommen, bin mir aber nicht so sicher wie der Titel „Der Arsch auf dem Sessel“- Böse- Chef-Geschichten, bei den Anderen im Abteil ankommen wird!

    Antworten
  35. 19. August 2008, 18:59 Uhr, von Walter Gefällt 4 Lesern
    035

    Voilà Playgirl.

    Wikipedia meint:
    ‚Playgirl ist ein monatlich in den USA erscheinendes Erotik- und Lifestylemagazin, in dem Männer mit nacktem Oberkörper oder ganz nackte Männer abgebildet sind. 1973, auf dem Höhepunkt der Feminismus-Bewegung, wurde es als Gegenstück zu Erotik-Magazinen für Männer (z. B. Playboy und Penthouse, welche entsprechende Fotos von Frauen veröffentlichen) gegründet. Obwohl es als Magazin für heterosexuelle Frauen vertrieben wird, räumen die Herausgeber ein, dass rund 75 % der Leser homosexuelle Männer sind.‘

    – Ist mir im Flieger noch nicht begegnet.

    Antworten
  36. 19. August 2008, 19:18 Uhr, von Tanja Gefällt 4 Lesern
    036

    @ Walter: Vielen Dank für Deine tatkräftige Hilfe. Aber ich befürchte das in dieser Zeitung die Artikel fehlen ;-)
    Ich bleibe dann doch bei dem Buch mit dem zweifelhaften Titel. Oder ich schaue mal was ich morgens um 5 Uhr an Zeitungen auftreiben kann.

    Antworten
  37. 19. August 2008, 20:22 Uhr, von Cate Gefällt 4 Lesern
    037

    Ich habe das eher so verstanden, dass das obige Bild einer Werbekampagne entsprungen und kein „echtes“ Hinweisschild ist… Ich habe keine Ahnung wer da wirbt. Ich finde die BILD überhaupt gar nicht kompakt, die ist doch auch ganz schön groß. Die BZ entspricht da eher einem „Kompakt“- oder meinetwegen auch Tabloidformat. Die kleinste Zeitung in Berlin ist glaube ich der Kurier. Nichts für meinen Geschmack, aber wer es eben kompakt mag… :o)
    Mich stört im Flugzeug eigentlich nichts, denn mich stört schon das Flugzeug selbst, der Flug an sich, denn ich habe ja so schreckliche Flugangst. Manchmal lese ich dennoch, wobei es dann völlig egal ist was. Ich muss hinterher ohnehin alles nochmal lesen. Denn ich fange in extremen Angstsituation (z.B. Turbulenzen etc.) nur deswegen an zu lesen, um mich krampfhaft auf etwas anderes zu konzentrieren…
    Und mir wäre es wahrscheinlich auch total egal, ob sich da jemand neben mir mit seiner nichtkompakten Zeitung breit macht. Es sei denn, auf der mir vor die Nase gehaltenen Seite steht was von einem Flugzeugabsturz… ;o)

    Antworten
  38. 19. August 2008, 20:58 Uhr, von Danja Gefällt 4 Lesern
    038

    Oh, bei der betriebenen Aufklärungsaktion über verschiedene Zeitungsformate (Danke, @Walter) versteh´ auch ich den Kommentar von @Janna am 19. August 2008 um 08:05 Uhr endlich. Nun bin ich intensiv über die Bedeutung der kleinen Häschen-Symbole aufgeklärt worden. Ich bin sehr froh, meinen intellektuellen Horizont ein wenig erweitert zu haben. Wie sich das im Alltag auswirkt, weiß ich noch nicht. Aber Danke dafür.

    Antworten
  39. 19. August 2008, 21:16 Uhr, von Janna Gefällt 4 Lesern
    039

    @Danja, willkommen im Leben :)
    Im Stuttgarter Großraum trifft man bisweilen auf mit Hasen verzierte, tiefergelegte 3er BMW’s, vorzugsweise mit dem KFZ-Kennzeichen S-EX… Daher dieses fundierte Wissen

    Antworten
  40. 19. August 2008, 21:21 Uhr, von Danja Gefällt 4 Lesern
    040

    Ja, aber schau, @Janna, ich bin in einer ganz anderen Gegend aufgewachsen. Meine Geburtsstadt wurde hier schon mehrfach genannt. Da gibt es diese S-EX-Kennzeichen nicht. Ich habe da wohl einiges verpasst. Ok, das Wort kenne ich natürlich schon.

    Antworten
  41. 19. August 2008, 21:43 Uhr, von Alex Gefällt 4 Lesern
    041

    Ich wünsche Frau Meckel einfach nur einen wunderschönen erholsamen Urlaub, mit vielen Zeitungen,netter Begleitung…

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2017