MM_Dickinson
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10. September 2008, 13:00 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Versuch einer ungehaltenen Rede

Es ist wirklich eine gruselige Inszenierung, die die SPD seit Sonntag liefert. Nicht weil ihr der Parteivorsitzende quasi aus Versehen verloren gegangen ist und nun ein neues Führungsduo ran muss. Vielmehr erschrecken die peinlichen Erklärungsversuche, so wie der gebetsmühlenartig wiederholte Appell an die „Geschlossenheit“ einem nicht mehr anderes als ein hysterisches Kreischen zu entlocken vermag.

Nils Minkmar hat das, was in der SPD gerade geschieht, in der FAZ als „surrealistischen Kommunikationsansatz“ bezeichnet. Auf den Punkt. Dieses Kommunikationsmodell gibt es in der Wissenschaft nicht, aber wenn die SPD noch ein, zwei Tage so weitermacht, hat sie gute Chancen, damit in die Lehrbücher einzugehen: als abschreckendes Beispiel für vollständigen Realitätsverlust, dafür wie man Menschen für blöd verkauft und sich selbst auch. Vielleicht sollte die SPD mal den Bundesnachrichtendienst mit der Suche nach den ewigen Verrätern in den eigenen Reihen beauftragen.

Nach Jahren des inneren Zwists in der Partei und der öffentlichen Auseinandersetzung darüber ist das Bühnenstück von Sonntag ff. nicht mal mehr schlechtes politisches Kabarett. Es ist einfach ein Trauerspiel. Eine vergebene Chance – vor allem auch für den neugekürten Kanzlerkandidaten. Er hätte klar benennen sollen, was geschehen ist. Er hätte es erklären und bewerten sollen, um wenigstens in der Kommunikation Verantwortung zu übernehmen. Versuch einer am Schwielowsee ungehaltenen Rede:

„Meine Damen und Herren,

Sie haben lange auf uns warten müssen, viel länger als wir selbst geplant hatten. Dafür gibt es Gründe und die möchte ich Ihnen erläutern. Die SPD hat mich heute zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl gekürt. Ich freue mich über diesen Vertrauensbeweis und werde mit aller Kraft versuchen, die Erwartungen zu erfüllen, die in mich gesetzt werden. Nach diesem Wochenende weiß ich, das wird nicht leicht.

Wir haben in der SPD seit langem ein Problem mit den sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, wofür die Sozialdemokratie in Deutschland heute stehen muss. Sie bezeichnen das in Ihrer Berichterstattung gerne als die Auseinandersetzungen zwischen dem linken und rechten Flügel. Manchmal wünschte ich, die Wirklichkeit in der SPD wäre so klar wie die Einteilung der Lager, die Sie gelegentlich vornehmen.

Ich habe darüber nachgedacht, wie ich Ihnen die derzeitige Situation erklären soll. Ich hätte sagen können, die SPD muss und wird auch mit meiner Hilfe nun zur Geschlossenheit zurückfinden. Wir müssen uns unterhaken und gemeinsam marschieren gen Wahlsieg 2009. Aber mir bleiben diese Sätze im Hals stecken. Wir reden seit Jahren über Geschlossenheit und sind doch nicht in der Lage, sie innerhalb unserer Partei wiederherzustellen. Vielleicht haben wir einfach die falschen Ansatzpunkte gewählt oder Fehler im Umgang mit unseren Kritikern gemacht. Es ist immer leicht, Kritik von außen oder innen mal eben wegzuwischen. Es ist aber auch arrogant. Und die SPD ist nicht mehr in der Position, sich diese Arroganz leisten zu können.

Offenbar haben wir uns auch nicht ausreichend bemüht, den Veränderungsprozess unserer Partei zu analysieren und innerhalb der SPD wirklich zu erklären. Das hat begonnen mit der Agenda 2010, für die ich wesentlich mit verantwortlich zeichne. Ich bin noch heute der Meinung, dass der Weg zu Reformen des Sozialsystems richtig und wichtig war. Aber ich muss auch zugeben, dass dieser Weg unsere Partei erhebliche Kraft und Zustimmung gekostet hat. Das sind Verluste bei unseren Mitgliedern und unseren Wählerinnen und Wählern, die wir nicht weiter hinnehmen können. Deshalb muss es dem künftigen Führungsteam der Partei gelingen, neue Ideen für eine zeitgemäße sozialdemokratische Politik zu entwickeln, sie mit der Partei zu diskutieren und sie innerhalb und außerhalb der SPD zu erklären und zu vermitteln, bevor andere das für uns tun, oft nicht in unserem Sinne.

Es wird deshalb personelle Veränderungen geben. Die SPD hat in Kurt Beck den Parteivorsitzenden gesehen, der die Gräben zwischen links und rechts überwinden kann. Aber auch er hat es nicht geschafft. Ich habe mit Kurt Beck in Vorbereitung auf dieses Wochenende viele vertrauensvolle Gespräche geführt, in denen wir nichts ausgespart haben. Nicht die Fehler, die er gemacht hat, insbesondere was den Umgang mit der Linkspartei angeht. Nicht die Ambitionen, die ich habe, wenn ich mich als Kanzlerkandidat für 2009 nominieren lassen. Ich habe Kurt Beck klar gesagt, dass ich mir Franz Müntefering als Wahlkampfmanager an meiner Seite wünsche. Und ich habe gehofft, dass es gelingen könnte, einen Dreierbund zu bilden, dem auch Kurt Beck weiter angehört. Diese Hoffnung war naiv.

Kurt Beck hat heute Morgen den Parteivorsitz niedergelegt. Er hat sich nicht anders entscheiden können in dieser Situation und er hat deshalb richtig entschieden. Auch wenn ich das persönlich bedauere, so hatte ich wiederum keine andere Wahl, als mir für unseren Neuanfang das Team zusammenzustellen, von dem ich glaube, dass es für eine reale Siegeschance bei der Bundestagswahl 2009 stehen kann. Ich danke Kurt Beck für alles, was er für die SPD getan hat. Und ich entschuldige mich bei ihm, im Namen der SPD, aber auch ganz persönlich, dafür, wie die Partei an manchen Stellen mit ihm umgegangen ist. Ein Parteivorsitzender muss immer, egal in welcher Situation, ein Haus durch die Vordertür betreten oder verlassen können. Wie sollen wir sonst unseren Wählern erklären, dass sie bei uns eintreten sollen, dass sie sich bei uns aufgehoben fühlen können?

Der heutige Sonntag war für uns alle schwierig, er kann Folgen haben, die für die SPD wieder einmal schmerzhaft sind. Aber er ist auch ein Warnschuss, den alle, wirklich alle gehört haben müssen. Wenn ich sage, wir brauchen jetzt einen Neubeginn, wir brauchen tatsächlich Veränderung in der SPD und im Umgang der SPD mit sich selbst, dann meine ich das bitter ernst. Es gibt keinen unerschöpflichen Fundus an Neuanfängen, aus dem die SPD sich bedienen kann. Und es gibt auch keine Überlebensgarantie für eine Partei, selbst wenn sie mehr als 140 Jahre alt ist.

Wenn Sie mich fragen, ob ich der richtige bin für diesen Neuanfang, dann antworte ich Ihnen: Ich hoffe es, aber ich weiß es nicht. Ich brauche die Unterstützung der Partei. Die Partei braucht die Unterstützung der Wählerinnen und Wähler. Und die wiederum brauchen das Gefühl, dass die SPD wieder beginnt, sich mit ihren Problemen zu beschäftigen und nicht nur mit sich selbst.

Ich kann scheitern, so wie viele andere vor mir. Diese Chance auf eine persönliche Niederlage riskiere ich gerne. Aber dann scheitere nicht nur ich, dann scheitert der Erneuerungsprozess der SPD, womöglich zum letzten Mal. Vor allem deshalb hoffe ich, dass ich gemeinsam mit der SPD Erfolg haben werde. Und dass heute allen klar geworden ist: Wer will, dass die SPD so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.

Ich danke Ihnen!“

 

Warum diese Rede so nie gehalten worden ist? Nun, dafür mag es viele Gründe geben. Vielleicht haben Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering so einfach nie mit Kurt Beck gesprochen. Vielleicht hat jemand die Chance zum „Spinning“ genutzt um Fakten zu schaffen, mit denen es sich leichter arbeiten lässt als mit den getroffenen Verabredungen. Ob das eine oder andere: Man mag getrost fragen, ob das neue Führungsduo so ein Signal für eine Neuorientierung der politischen Kultur in der SPD senden kann.

 

145 Reaktionen

  1. 11. September 2008, 21:51 Uhr, von Anja
    0101

    Wäre diese Rede so gehalten worden, ich würde noch heute mit offenem Mund dasitzen.
    Es hätte gezeigt, dass aus Fehlern gelernt wird, aber vorallem hätte diese Offenheit gezeigt, dass ein wirklicher Neuanfang geplant ist. Das kann ich, so wie alles abgelaufen ist, gar nicht erkennen. Ganz im Gegenteil, man versucht Wahrheiten unter den Teppich zu kehren, alles schön hinter verschlossenen Türen, als ginge es die Bürger nichts an. Und Schuld haben immer die anderen, aber wer wird nicht verraten. Das kennen wir ja schon aus vergangenen Zeiten.
    So kann man keine Politik machen und erst recht keine soziale. Für mich ist das gerade der Anfang vom richtigen Absturz für die SPD leider, und Herr Steinmeier ist kein ernst zu nehmender Kanzlerkandidat. Absolut nicht. Und Kurt Beck erinnert mich stark an Berti Vogts, der auch nach dem unrühmlichen Ausscheiden gegen Kroatien bei der WM 1998 eine Verschwörung witterte: „Wir müssen nach Hause. Warum auch immer!? Das haben andere Leute zu verantworten. “
    Tja, 0:3 verloren, das war der einzig wahre Grund;-)

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  2. 11. September 2008, 21:51 Uhr, von Antje
    0102

    War nur einTest. Irgendwie gehen die Beiträge gerade nicht durch?

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  3. 11. September 2008, 21:59 Uhr, von Antje
    0103

    n.

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  4. 11. September 2008, 22:02 Uhr, von Antje
    0104

    :-(

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  5. 12. September 2008, 6:16 Uhr, von brigitte Gefällt einem Leser
    0105

    Noch ein kleiner Nachtrag, ohne nachtragend wirken zu wollen. Politik kann man auch „machen“, oder sollte man besser sagen, politisch tätig werden kann man auch, indem man mit Wort und Schrift wirkt, z. B. durch interessante Artikel, Reden (auch solche, die nicht gehalten werden), Bücher, anregende Diskussionen, Filme, Theaterstücke… Man muss nicht immer die Ochsentour im klassischen Sinn durchlaufen. Böll, Grass, Peymann, Schlöndorff, v. Trotta, Broloer sind Vertreter, die mir spontan dazu einfallen. Aktuell will mir da leider so gar keiner über die Tasten gehen. Wo bleibt das gute politische Buch, der gute politische Film?

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  6. 12. September 2008, 6:33 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    0106

    Haben Menschen, die aus ‚einfachen Verhältnisse‘ stammen und in einer Hierarchie unter harten und offensichtlich, wie wir jetzt wieder sehen auch gnadenlosen Bedingungen bis zur dünnen Spitze aufgestiegen sind, sich von ihrer Herkunft und inneren Wurzeln sehr weit, manchmal zu weit, entfernt?
    Sind ein Prickel, Acker und Münte wirklich noch einfache Leute, als die sie sich bewundern und wählen lassen?
    Ich glaube nicht.
    Wer gelernt hat, hart gegen sich selbst zu sein und alte Freunde sozial und intellektuell hinter sich zu lassen, läuft Gefahr, die Regeln des sozialen Aufstiegs über die persönlichen Beziehungen und die sozialen Regeln des inneren Ich zu stellen, läuft auch Gefahr, Menschen, die bei diesem Wettlauf mit sich selbst nicht mehr mithalten können oder ihn gar nicht erst antreten, heimlich und öffentlich zu verachten.
    Der Respekt vor dem Menschsein um seiner selbst Willen und dem Wert eines Menschen kann beim Aufstieg in Gefahr geraten, wenn Leistung und Erfolg zur Maxime des eigenen Strebens und der persönlichen Beziehungen werden. Zur Ruhe kommen diese Menschen nicht, da sie auch ständig mit sich selbst kämpfen und sich selbst der größte Feind sind.
    Dies klingt jetzt hart und kompromisslos-aber könnte diese Deutung nicht einiges von dem erklären, was wir zur Zeit erleben?
    In abgeschwächter Form beeinflusst sozialer Aufstieg wohl jeden Menschen, der versucht, sich zu ‚verbessern‘. Dieses Verbessern ist sogar möglicherweise ein konstitutives Prinzip des Menschseins.
    Die Aufgabe läge dann allerdings darin, dieses Streben nach Leistung, Erfolg und damit auch Macht in einem einigermaßen harmonischen Verhältnis mit unseren übrigen menschlichen Bedürfnissen zu halten und ihm nicht das absolute Primat , das es sich so leicht aneignen möchte, zu erlauben.
    Mir fällt in Bezug auf die Politik dazu Jürgen Leinemanns Buch über den ‚Höhenrausch‚ ein, in dem er den Suchtcharakter des politischen und sozialen Aufstiegs analysiert.
    Vorstellbar ist, dass die Fragwürdigkeit und die Ambivalenz der persönlichen Ideologie der Selbstperfektion zum Zweck des Erfolgs ihrerseits zu Selbstzweifeln und zur Verunsicherung führen, genau in dem Moment, in dem andere soziale Strebungen- Liebe, Geborgenheit, Altruismus, sich zu Wort melden und die genommene Entwicklung in Frage stellen.
    Dann kommt es darauf an, wie sich der Mensch als Mensch entscheidet. Entscheidet er sich für Ausgleich und Selbstachtung leidet der Erfolg, doch die Persönlichkeit und die psychische Gesundheit wachsen. Im anderen Fall beginnt spätestens dort die Pathologie.
    Diese Sichtweise lässt sich auf alle Menschen der Macht, Männer wie Frauen anwenden.
    Kurt Beck hat sich entschieden, Franz Müntefering, Frank- Walter Steinmeier und- einmal wieder- Gerhard Schröder auch.
    Angela Merkel hat das Verhalten der SPD- Führung kommentiert und als Maßstab die (menschliche) Würde benannt. Sie wird sehr gut wissen, worum es geht.

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  7. 12. September 2008, 6:46 Uhr, von Fabian
    0107

    @ brigitte: Ganz aktuell: Der „Baader-Meinhof-Komplex“? Dann empfehle ich die Filme von Heinrich Breloer, z.B. das Todesspiel.

    Und natürlich die Klassiker: „Wag the dog“ – oder „Thank you for smoking“ :-)

    Und zu lesen gibt es doch jetzt diese ganzen tollen Politiker-Biographien!

    Kleiner Lesetipp: Sebastian Turner, Chef der Werbeagentur Scholz & friends im ZEIT-Sommerinterview über Parteien und Werbung. Titel: „Image nicht so wichtig“

    ZEIT: Ist das der einzige Unterschied zwischen Joghurt und Parteien?

    Turner: Nein. Es gibt bei Waren normalerweise keinen öffentlichen Streit, es gibt nur eine einzige veröffentlichte Meinung. Kritik bleibt intern. Ein Autohändler, der öffentlich erklären würde, was sein Konzernchef da sage, sei großer Unsinn, hätte seine Entlassung in der Hand, ehe er zurück in seinem Autohaus wäre. In der Wirtschaftskommunikation haben wir weitgehende Kontrolle über das öffentliche Bild, weil die Dinge, für die wir werben, in der Regel irrelevant sind.

    Ist Politik dementsprechend wirklich so viel anders als eine Autowerbung?

    Das Problem ist doch generell, dass die alten Wählermilieus völlig verschwinden und die meisten Wähler eine ziemlich fluide Masse geworden sind. Wie will man die Menge der Wechselwähler einfangen, wenn nicht mit griffigen und eingängigen Parolen? Mit einer selbstkritischen Nabelschau in der heutigen Zeit wohl eher nicht mehr … so sehr ich das auch persönlich bedauere …

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  8. 12. September 2008, 8:31 Uhr, von Walter
    0108

    ‚Und zu lesen gibt es doch jetzt diese ganzen tollen Politiker-Biographien!‘

    Warum schreiben Politiker Biografien?

    Um sich vor der Geschichte zu rechtfertigen?
    Um andere an sich zu erinnern?
    Um sich zu verstehen?
    Um sich neu zu erfinden?
    Alles zusammen?

    Antworten
  9. 12. September 2008, 8:50 Uhr, von Siegmund Gefällt einem Leser
    0109

    Rita Süßmuth hatte eine andere Art der Rhetorik, die den Eindruck erwecken ließ, sie sei ein anderer Typus von Politiker. Diese Attitüde hat sie auch sorgsam gepflegt.
    Sie kommt tatsächlich aus der katholischen Landfrauenbewegung, und ich finde auch sie muss man an den Ergebnissen ihrer Politik messen.
    Die AIDS-Aufklärungskampagnen stammen nicht von ihr, und sonst fällt mir auch nichts Weltbewegendes ein.
    Viel Gestus, wenig Konkretes.
    Und sich mal mit Helmut Kohl angelegt zu haben – das reicht nicht.

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  10. 12. September 2008, 9:46 Uhr, von Fabian
    0110

    @Walter: Ich weiß es nicht. Aus Selbstverliebtheit? Vielleicht, weil sie meinen damit meinen, einen historischen Beitrag zu leisten? Ich habe kein sonderlich großes Interesse an Politiker-Biographien.

    Letztens allerdings wurde ich auf ein Buch von Hillary Clinton aufmerksam, das neu aufgelegt worden ist: Eine Welt für Kinder – Hoffmann und Campe 2008.

    Laut FAZ-Rezensionsnotiz geht es um folgendes: „Im Kern sieht er in dem Buch den Versuch, eine Antwort zu geben auf die Auflösung der traditionellen Familienstrukturen, die die sozialen und technologischen Veränderungen in den letzten Jahrzehnten nach sich gezogen haben. Er hebt hervor, dass Clinton – die einstige Kinderschutz-Anwältin – nicht für ein konservatives Zurück zu den traditionellen Familienwerten argumentiert, sondern für eine weiter gefasste Gemeinschaft, eine Art moderne Dorfgemeinschaft, in der neben den Eltern auch Nachbarn, Lehrer, Geistliche und Politiker mehr Verantwortung für die Erziehung der Kinder übernehmen.“

    Moderne Dorfgemeinschaft – das ist zum Beispiel ein aus meiner Sicht richtiger Ansatz, den gesellschaftlichen Veränderungen zu begegnen. Ein Gedanke, den ich voll unterstützen kann – man müsste nur sehen, wie man ihn ganz praktisch vor Ort umsetzt, bzw. welche Hilfestellungen die Politik leisten könnte. Gute Frau, finde ich ja nach wie vor.

    Voraussetzung einer solchen Dorfgemeinschaft ist allerdings gelebte Solidarität, soziales Engagement und Uneigennützigkeit im Dienste der Gesellschaft. Nur: Wer leistet das heutzutage noch? Beruf und eigenes Weiterkommen stehen bei den meisten an erster Stelle, für soziales Engagement ist da wenig Platz.

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  11. 12. September 2008, 10:11 Uhr, von julia
    0111

    @Fabian: Vielleicht sollte man den Begriff soziales Engagement aber auch weiter fassen. Ich verstehe darunter zum Beispiel auch Verhaltensweisen in öffentlichen Räumen. Türaufhalten, etc. eben Aufmerksamkeiten des Alltags..Muss sagen, dass ich schon froh wäre wenn das besser klappen würde im sozialen Miteinander. Die U-Bahnfahrten z.B. in New York sind wesentlich angenehmer als in Frankfurt!

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  12. 12. September 2008, 10:21 Uhr, von Fabian
    0112

    Walter: Politische Parteien sind Schlangengruben – schon auf Orts-, Kreis- und Bezirksebene werden taktische Allianzen zur Wahl eines geeigneten Kandidaten geschmiedet und hinter dem Rücken „herumtelefoniert“. Oder sogar geheime Wahlen nachkontrolliert. (ist mir alles schon passiert.) Jene spießige „Vereinsmeierei“ nimmt doch immer stärker zu in den Parteien, es fehlen die Charakterköpfe, die noch in den 80er Jahren aus Überzeugung in die Politik gingen..

    Okay, als junge (hübsche und halbwegs intelligente) Frau hast du sicherlich noch gute Chancen, relativ unbeschadet und schnell Parteikarriere zu machen, aber oben wird die Luft dann auch dünn.

    Natürlich ist das eine tolle Erfahrung, als junger Mensch vor einem Saal von 300 Leuten aufs Podest zu steigen und eine schmissige Rede zu halten und bewundernde Blicke und Applaus zu ernten und zu meinen, weil man plötzlich Abgeordneter ist, gestalte man gottweißwasfürwichtige Fragen des Landes. Und natürlich verführt einen das dazu, zu glauben, man stehe über den Dingen. Genau deshalb ist Politik ja zum einen so verführerisch und zum anderen so gefährlich, gerade für junge Politiker, die leiden wirklich früh unter totalem Realitätsverlust (siehe Philipp Mißfelder)

    Walter, un dschau dir doch schon die meisten Politiker auf Ortsebene an, was für patriachalische Dorffürsten das sind, obwohl die wirklich noch nah an den Menschen sein müssten. Die haben ein Selbstverständnis, als gehöre ihnen die Stadt oder Gemeinde höchstpersönlich. Kommen sich allesamt vor wie Graf Koks und meinen, man müsste ihnen besonderen Respekt zollen, weil sie ja im Stadtrat oder im Bezirksvorstand sitzen. Man muss aber auch dazu sagen, dass die meisten außer „Partei“ gar nichts kennen und erleben und auch diese Existenz in einer absolut homogenen Gruppe ist natürlich enorm gefährlich, weil es den Horizont total einschränkt und zu einer seltsamen unausgewogenen Wahrnehmung des Lebens führt.

    Doch eine Feststellung zum Abschluss: Zum Glück sind die autoritätsgläubigen Zeiten mehr und mehr vorbei – zumindest bei den meisten jüngeren Menschen. Wenn ich daran denke, wie autoritätshörig noch meine Eltern waren. Da war der Pastor fast ein Heiliger.

    Daran werden sich, da bin ich mir sicher, im übrigen noch viele Politiker sehr gewöhnen müssen, vor allem diejenigen, die an Autorität und Respekt qua Position glauben, die Zeiten sind vorbei. Der Politiker der Zukunft wird sich komplett anders geben müssen, um dauerhaft das Vertrauen der Wähler zu gewinnen – darauf freue ich mich persönlich schon, sehr sogar!

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  13. 12. September 2008, 10:33 Uhr, von Noisa
    0113

    (Genau, @Julia. Im Straßenverkehr spiegelt sich das Verhalten unserer Gesellschaft gut wieder, finde ich. Regelmäßig muss ich mit dem Pkw durch eine verengte Straße fahren. Ich habe wirklich keine Probleme damit, meinem Gegenüber zu signalisieren, zuerst vorbeizufahren. Auf eine freundliche Reaktion kann ich meistens vergeblich warten. Mal kurz die Hand zu heben, ist schon zu viel verlangt. Einmal hatte mir jemand die Vorfahrt genommen und mich noch kolerisch angeraunzt. Ich habe ihm dann mit meinem Pkw den Weg versperrt, das Fenster runtergelassen und gefragt, ob ich helfen könnte…)

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  14. 12. September 2008, 10:36 Uhr, von Fabian
    0114

    Julia stimme dir zu! Jene oftmals als altmodisch verstandenen Verhaltensweisen und Regeln erleichtern das menschliche Miteinander ungemein, ja sie sind aus meiner Sicht überhaupt die Basis eines sozialen Miteinanders!

    Ich hatte da letztens auch so ein Schlüsselerlebnis. Ich habe mich gewundert, warum es bei uns im Unternehmen so extrem wichtig ist, dass sich alle immer über die Maßen höflich grüßen, vor allem mit dem Nachnamen (ich fand das immer ein bisschen übertrieben und antiquiert) – bis mir einfiel, dass das natürlich was mit Unternehmenskultur und letztlich auch Unternehmensbindung zu tun. Ein Mitarbeiter, der durch einen höflichen Umgang im Miteinander derartig integriert und von seinen Kollegen wertgeschätzt wird und sich dementsprechend wohl fühlt, ist natürlich viel, viel loyaler seinem Arbeitgeber gegenüber, als ein Mitarbeiter, der glaubt, in der Menge der Angestellten gar nicht aufzufallen. Für ein Unternehmen sind solche Umgangsformen so gesehen nicht nur „nice to have“ sondern sogar ein entscheidender Sicherheitsfaktor. (Stand auch letztens im Zusammenhang mit dem Datenklau irgendwo geschrieben.)

    Halte Werte und Umgangsformen für unerlässlich, weil sie letztlich bedeuten, dass man andere Menschen in seiner Umgebung wahrnimmt, Empathie zeigt. Ich hatte am Sonntag wieder so ein Erlebnis mit einem antiautoritär erzogenen Kind (grrrrr….) also wie Eltern Kindern ein solch asoziales und egomanes Verhalten aneignen können, ist mir ein absolutes Rätsel …

    Aber wir hoppeln und galoppeln hier gerade kreuz und quer durch die Themen …. na ja, es gibt Schlimmeres, Durst zum Beispiel – ich brauche Wasser!!! ;-)

    Antworten
  15. 12. September 2008, 10:39 Uhr, von St
    0115

    nur interessehalber:

    Hat der „Tick“ (wenn ich so frei sein darf) die Minute des Blogbeitrages mit dem laufenden Monat abzustimmen, eine tiefere Bedeutung oder ist das nur aus Jux und Dollerei?

    Antworten
  16. 12. September 2008, 10:44 Uhr, von julia
    0116

    @Noisa: schöne Reaktion aber dafür muss man echt immer ziemlich ausgeglichen sein;-)

    Zum Thema Dorfkönig: Michael Paris (SPD Lokalpolitiker in Frankfurt) ist mit der Pferdekutsche (Anlass war seine Hochzeit) durch den Stadtteil Bornheim gefahren und hat sich feiern lassen. Das war soo peinlich wie er dem „Volk“ gewunken hat und keiner wusste wer der Typ eigentlich ist.

    Antworten
  17. 12. September 2008, 10:49 Uhr, von Fabian
    0117

    :-DDDD Super Geschichte!!!! Ich liege hier fast auf dem Boden vor Lachen!!!!

    Antworten
  18. 12. September 2008, 10:59 Uhr, von Noisa
    0118

    Früher stand ich mal an einem CDU-Stand. Ich hatte einen CDU-Luftballon in der Hand. (Wie peinlich, wenn ich das heute betrachte.) Es war windig und Herr Ruprecht Polenz bekam den Ballon auf den Kopf. Wie böse der mich zunächst angeguckt hat. Als ich ihm dann vorgestellt wurde, war er plötzlich freundlich. Das war jetzt nur ein einfaches Beispiel für die Verwandlungsfähigkeit unserer Politiker. *plong*

    Antworten
  19. 12. September 2008, 11:01 Uhr, von Antje
    0119

    Dann hören wir doch mal auf diesen Frankfurter:

    „Der Worte sind genug gewechselt,
    laßt mich auch endlich Taten sehn;
    Indes ihr Komplimente drechselt, kann etwas Nützliches geschehn.“ (Goethe, Faust I)

    Oder, um es knackig mit einem Werbeslogan zu sagen:
    „Just do it“

    Denn, wenn das hier weitergeht
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,577807,00.html, dann wird sich dauerhaft der Schlusssatz aus Frau meckels Rede bewahrheiten:
    Wer will, dass die SPD so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt.

    Antworten
  20. 12. September 2008, 11:13 Uhr, von Dowanda
    0120

    Bei uns verteilte Jörg Haider mal Kochlöffel an die Frauen als Wahlkampfgeschenk und Schraubenzieher an die Männer … Es war lustig zu sehen, wieviele ihn angeblafft haben – und das im katholischen Österreich.

    Antworten
  21. 12. September 2008, 11:16 Uhr, von jette
    0121

    @Antje: mir hat die sendung gestern gefallen. beide flügel der spd streiten offen via tv über ihre positionen, eine transparenz, die wir doch ständig einfordern. jetzt liegt es am parteivorsitzenden, diese beiden flügel wieder so an den rumpf zu transplantieren, dass die möve kräftig geradeaus fliegen kann, um mal bei mms metapher zu bleiben. ;-)

    Antworten
  22. 12. September 2008, 11:19 Uhr, von Antje
    0122

    Ist schon richtig, was du sagst, aber ich würde jetzt auch langsam gerne mal wissen, welche Position die SPD als Partei zu den dringend anstehenden Entscheidungen vertritt.

    Antworten
  23. 12. September 2008, 11:32 Uhr, von Fabian
    0123
    Antworten
  24. 12. September 2008, 11:40 Uhr, von Walter
    0124

    Der Name Paris verpflichtet möglicherweise zur Aufdringlichkeit.
    (parishilton.com/)…

    Unser Thema ist im weiteren Sinne die soziale und psychische Erosion einer leistungsorientierten, entgrenzten Gesellschaft.

    Wenn Hillary Clinton (myspace.com/hillaryclinton) eine Welt für Kinder fordert, meint sie damit uns Erwachsene. Wenn sie über Afrika spricht versteht sie darunter einen Gegenentwurf zu den USA (und Europa).

    Was wir heute mit unseren sozialen Modellen versuchen, ist die Familie, wie sie einmal war- das heißt wie wir sie sehen- nachzubilden und durch Netzwerke zu ersetzen.- Weil wir einfache und verlässliche Strukturen kaum noch zustande bringen?
    Weil dem Erfolg und dem Ansehen die Menschlichkeit geopfert wird?

    Die Blüte unserer Leistungsgesellschaft erleben wir gerade in Peking: Bei den Paralympics wird gekämpft, gelitten und gedopt.
    Die Frage drängt sich auf: Wer ist hier eigentlich behindert: Wir als Menschen oder die Gesellschaft, die wir produzieren?

    Dies ist auch das Dilemma in der öffentlichen und privaten Diskussion über die SPD und Kurt Beck: Wir sehnen uns, gehalten wie ungehalten, nach Offenheit und Verlässlichkeit und verlernen sie zu leben.

    Antworten
  25. 12. September 2008, 11:45 Uhr, von Walter
    0125

    Ja, die Dreigroschenoper…
    (faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E34E6C094F07E4E24B4E40D83FAB63B65~ATpl~Ecommon~Sspezial.html)

    Antworten
  26. 12. September 2008, 11:47 Uhr, von Noisa Gefällt 2 Lesern
    0126

    „Wir sehnen uns, gehalten wie ungehalten, nach Offenheit und Verlässlichkeit und verlernen sie zu leben.“ Völlig richtig, @Walter, so traurig es ist. Aber ist unsere Gesellschaft nicht immer mehr eine Gesellschaft von Einzelkämpfern geworden, bei der das Misstrauen untereinander gewachsen ist? Halt und Vertrauen finden sich bei Partner und Freunden, immer weniger bei der Familie. Ein Auswuchs der Leistungsgesellschaft.

    Antworten
  27. 12. September 2008, 12:02 Uhr, von Siegmund
    0127

    Irgendwie ist das ja auch ein Gegensatz: Politiker müssen -wenn sie die „Ochsentour“ machen wollen- möglichst ortsverbunden sein. Es ist ja auch heute noch so: Beim Schützenfest dabeisein, mittrinken, Vereinsmeier sein.
    Und das widerspricht ja eigentlich dem Leben des „Normalo“, der möglichst flexibel und mobil sein muss.
    Die „Globalisierung“ geht völlig an der Politikerauswahl vorbei. Folge sind vielleicht solche Auswüchse wie der Paris (komischer Name :o) ), der sich Queen-like auf Bornholm feiern lässt und meint, er wäre dadurch nah am Bürger.

    Antworten
  28. 12. September 2008, 12:04 Uhr, von Siegmund
    0128

    Bornheim, nicht Bornholm … ;)

    Antworten
  29. 12. September 2008, 12:10 Uhr, von Noisa
    0129

    `Vereinsmeier sein´ und Wahlkampf führen, sind nicht jedermanns Sache. Es wäre wünschenswert, wenn die Parteien Quereinsteigern mehr Möglichkeiten eröffnen würden, politisch aktiv zu sein – ohne Parteimitglied sein zu müssen, sich anbiedern zu müssen und ein Verwandtschaftsverhältnis zu einem bekannten Politiker vorweisen zu müssen.

    Antworten
  30. 12. September 2008, 12:28 Uhr, von Fabian Gefällt einem Leser
    0130

    Dowanda: Bei uns wurden im Wahlkampf 1990 vom hiesigen Abgeordneten Schälmesserchen als „Give aways“ verteilt – die kamen nach den Attentaten gegen Schäuble und Lafontaine auch nicht mehr so gut irgendwie …

    Siegmund: Ja, so ist es. Politiker müssen bei jedem Jubiläum – sei es der AWO, sei es dem Dackelzuchtverein anwesend sein – könnte ja sonst Wählerstimmen kosten. Jene „Ochsentouren“ auch und gerade Abends und am Wochenende hielten mich persönlich davon ab, als Abgeordneter zu kandidieren.

    Harald Schmidt beschrieb diese Haltung von Politikern, sich nämlich nicht mehr mit der Basis abgeben zu wollen, sehr treffend und pointiert als „Basisekel“:

    „ZEIT: Sie haben gesagt, es weht Sie aus der Politik heraus eine Demokratiemüdigkeit an. Können Sie das ein bisschen genauer beschreiben?

    Schmidt: Man hat sich in vielen Sitzungen in Berlin zu etwas durchgerungen. Im Grunde könnte man zügig entscheiden, wenn man über die Parteigrenzen hinweg die Sache mit den Fachleuten abdealen könnte, aber jetzt muss ich raus und muss es meiner Basis erklären. Und das wird zäh.

    ZEIT: Das ist der Basisekel?

    Schmidt: Ja.

    ZEIT: Ist der berechtigt?

    Schmidt: Ja. Der ZEIT- Leser ist natürlich zu intelligent, um nach dem starken Mann zu rufen, aber auch er wünscht sich einen aufgeklärten Monarchen, mit anderen Worten: Helmut Schmidt. Der die Mühen der Ebene einfach wegraucht.“

    Antworten
  31. 12. September 2008, 12:52 Uhr, von Walter
    0131

    Wir haben es ja in der Hand @Noisa um 11:47 Uhr) Alle haben es in der Hand. Das ist unser Dilemma: We ought but we don’t. – Kollektives schlechtes Gewissen?

    Antworten
  32. 12. September 2008, 12:55 Uhr, von Fabian
    0132

    Ich nicht!

    Antworten
  33. 12. September 2008, 12:56 Uhr, von Antje
    0133

    @Fabian, schöner Artikel.

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  34. 12. September 2008, 12:58 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
    0134

    Ein wenig, ja. Ich hab jedenfalls vor, irgendwann was `Sinnvolleres´ zu machen (, wenn ich es mir denn wirtschaftlich leisten kann).

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  35. 12. September 2008, 12:59 Uhr, von Fabian
    0135

    Sagen wir mal so, die Positionen, die man hier vertritt kann man doch privat im Familien und Freundeskreis so leben, dafür muss man keine Politik machen – ich tu das jedenfalls. Und wenn ich mal wieder mehr Zeit haben sollte, werde ich mich definitiv wieder mehr ehrenamtlich engagieren – es geht eben nur gerade nicht – deshalb habe ich definitiv kein schlechtes Gewissen, nö!

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  36. 12. September 2008, 13:28 Uhr, von Antje
    0136

    Bei aller Euphorie für Beteiligungen, ist es doch so, dass wir in Deutschland eine
    parlamentarische Demokratie (keine
    plebiszitäre Demokratie) haben.
    Die wichtigen Entscheidungen werden also vom Parlament und seinen Vertretern getroffen.
    Ihre Berechtigung dazu leiten sie aus der Wahl durch die Wählerinnen und Wähler (auch Volk genannt ;-)) ab.
    Deshalb will ich als Bürger auch v o r der Wahl wissen, wie sich die Parteien zu den entscheidenden Fragen positionieren. Und zwar jetzt!

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  37. 12. September 2008, 13:33 Uhr, von Noisa
    0137

    Wenn die SPD-Leute clever sind, präsentieren sie geschlossen ein sozialdemokratisches Parteiprogramm. Sie würden sich von den anderen Parteien positiv abheben und diese womöglich ebenfalls zu mehr inhaltlichen Aussagen veranlassen.

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  38. 12. September 2008, 14:36 Uhr, von Walter
    0138

    ‚Deshalb muss es dem künftigen Führungsteam der Partei gelingen, neue Ideen für eine zeitgemäße sozialdemokratische Politik zu entwickeln, sie mit der Partei zu diskutieren und sie innerhalb und außerhalb der SPD zu erklären und zu vermitteln, bevor andere das für uns tun, oft nicht in unserem Sinne.‘

    Geschlossen ein Parteiprogramm zu entwickeln wird schwierig. Die Agenda steht dazwischen. Die SPD ist gespalten.

    Aber gut wäre es schon, wenn sie es schaffen würden, gemeinsam ein Programm für Gegenwart und Zukunft hinzubekommen:
    Rente wahlweise mit 67- nicht um mit 65 weniger, sondern um mit 67 mehr zu bekommen. Hartz IV- Sätze mit denen man leben kann und Mindestlohn, Atomausstieg mit Alternativen auf lange Sicht, eine integrative und Demokratie- basierte europäische Friedenspolitik, klare Positionen gegenüber den USA, Russland und China, freien Welthandel zu fairen Bedingungen ohne Protektionismus, wirtschaftliche Führung unter Beteiligung der Großkonzerne, Bildung und Integration für alle…

    Wenn die SPD es wirklich wollte, könnte sie es schaffen.
    Will sie wirklich?
    Wirklich?

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  39. 12. September 2008, 14:45 Uhr, von Antje
    0139

    Das Parteiprogramm (Hamburger Programm) ist ja da. Es hat das Berliner Programm von 1989 und dieses wiederum das Godesberger Programm von 1959 abgelöst. Will sagen: Da wird es jetzt kein neues Programm geben. Das Programm gibt ja auch nur die Leitlinien vor.
    Diese gilt es jetzt, bei den aktuell anstehenden Fragen, mit Leben zu füllen, damit die Wähler klar erkennen können, was die SPD will und wofür sie steht. Gelingt ihr dies im nächsten Jahr nicht und verharrt sie weiterhin in Flügelkämpfen, ist das ihr sicheres Aus. Max. 20% und weniger.

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  40. 12. September 2008, 14:56 Uhr, von Dowanda
    0140

    Ich fürchte nur, ein geschlossenes Parteiprogramm der SPD wird es so bald nicht geben. Und falls ja, gibts sofort wieder eine oder einen die in Suppe spucken.

    Euch allen ein schönes Wochenende und der Blogbetreiberin einen guten Semesterstart (Montag solls ja wieder losgehen, wenn das im Tagblatt korrekt tatüüütataaat wird).

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  41. 12. September 2008, 15:26 Uhr, von Walter
    0141

    Der Hamburger Parteitag bedeutete auch den Versuch des linken Flügels unter Aktivierung der Parteibasis die Agenda 2010 auszuhebeln. Franz Müntefering (p3.focus.de/img/gen/E/V/HBEVS76V_Pxgen_r_467xA.jpg) hat mit seiner Rede begeistert, was ihm gut getan hat, weil er ermessen konnte, wie gut er den Grundton der Partei treffen kann. Anschließend zog er seine Konsequenzen.

    Das Hamburger Programm dokumentiert mehr die Krise der SPD als deren Lösung. Und er dokumentiert den Anfang vom Ende Kurt Becks.

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  42. 12. September 2008, 17:10 Uhr, von Antje Gefällt einem Leser
    0142

    Von der Klausurtagung:

    (Zuvor, Warnhinweis an Frau Meckel in Sachen hysterisches Kreischen. denn alle Hauptredner haben mal wieder zur Ge…., nein, ich sage es nicht ;-))

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,577940,00.html

    Antworten
  43. 12. September 2008, 17:45 Uhr, von brigitte
    0143

    Noch mal an @Fabian,

    natürlich Aust und natürlich Breloer (nicht „Broloer“ – entschuldige den Tippfehler) und die ganzen Klassiker:
    Auf deine Frage, ob es einen Unterschied zwischen Joghurt und Parteien gebe, antwortet Radio Eriwan: „Im Prinzip ja, aber…“

    Früher las man auf den Plakaten Sätze wie: „Mit Adenauer für den Frieden, die Freiheit und die Einheit Deutschlands.“ – „Unser Land soll christlich bleiben!“ – „Mit der SPD für ein freies, soziales und geeintes Deutschland.“ Betont wurde die Nähe zum Grundgesetz und zur abendländischen Kultur.

    Heute heißt es: „Wir sind die Mitte.“ – „Für ein besseres Leben.“ – „Grün wirkt.“ – „MEHR UNTERNEHMEN“ –„Weltklasse für Deutschland.“ Da fragt man sich schon, wer bzw. was gemeint ist: die CDU, SPD, FDP, GRÜNEN oder eine Lebensversicherung, eine Waschmaschine, ein Vergnügungspark,…?

    Natürlich gab es auch Alternativen, z.B.: „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen.“ – „Mitbürger! Die SPD will mit immer mehr Windrädern die Landschaften verschandeln.“ – „Wenn´s um Schwarzgeld geht CDU.“ Warum sich diese Art der Wahlwerbung nie so richtig durchgesetzt hat, wird m.E. nicht ehrlich diskutiert.

    Vergleicht man alte und neue Wahlplakate, stellt man außerdem fest, dass sich selbige auch im Bild-Teil in eine ganz bestimmte Richtung hin entwickelt haben. Nicht das parteipolitische Logo oder Symbol dominiert, sondern die retuschierte Portrait-Aufnahme des Politiker/der Politikerin füllt die Stellwände aus. Personalisierter Wahlkampf: Angela Merkel ist die CDU, Frank-Walter Steinmeier die SPD. Das Partei-Programm spielt keine Rolle. In diesem Zusammenhang fällt mit folgendes Graffito ein: „Liebe ist nur ein Wort. Elefantenscheiße auch.“ Erweitern wir den Gedanken, wird einem ganz blümerant, denn Parteiprogramme sind mehr als ein Wort. OHGOTTOHGOTT!!!!

    Ein Plakat, das ein apartes Frauen- und ein markantes Männergesicht zeigt, ergänzt durch einen knackigen Slogan, der auch für Joghurt werben könnte, kommt einfach gut und bringt die Wähler auf Linie. Die Macht manipulierter Bilder und hohler Worte macht Politik einerseits zwar immer beliebiger, andererseits aber auch immer bunter.

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  44. 12. September 2008, 18:20 Uhr, von Fabian
    0144

    :-D Super!

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  45. 12. September 2008, 19:03 Uhr, von Dana
    0145

    Genialer Beitrag von Frau Prof. Meckel.

    Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Humanität sollten jedem Menschen eigen sein. Leider ist das im realen Leben oftmals nicht der Fall. Vor allen Dingen sind diese Eigenschaften bei Politikern selten ausgeprägt. Erfahrungsgemäß wird vor den Wahlen nie die volle Wahrheit gesagt. Das böse Erwachen kommt meistens nach den Wahlen.

    Bisher wurde hier nur von den Wählern gesprochen bzw. geschrieben. Aber was ist mit der großen Anzahl der NICHTWÄHLER? Diese Gruppe wird (leider) immer größer, weil sie sich von keiner Partei bzw. deren Programm angesprochen fühlt.
    Ich bin der Meinung, dass jeder von seinem Wahlrecht Gebrauch machen sollte. Denn:

    „Wer nicht für uns ist, sei wider uns,
    nur nehme er Teil an der Arbeit, auf das die Entscheidung beschleunigt werde.“ G. Keller

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