MM_Kettering
Zu den Kommentaren
26. September 2008, 15:06 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Ninja Kapitalismus

In Japan bezeichnet „Ninja“ unter anderem eine Filmgattung: Ehrlose Helden kämpfen gegeneinander und um das Böse in der Welt. Das Waffenarsenal, das dabei zum Einsatz kommt, ist gewaltig. Und irgendwie überleben diese Negativhelden meist den Kampf, auch wenn zwischenzeitlich alles zu Bruch geht.In den USA bezeichnet „Ninja“ eine Kreditgattung. Helden des amerikanischen Traums kämpfen dabei ohne jede Waffe für seine Verwirklichung: das Eigenheim, koste es, was es wolle. Es kostet. Aber die Bedienung der Kosten für dieses unbedingte Wollen war in der US-amerikanischen Ausführung des Heldenepos nachrangig. „No income, no job or asset“ lautet denn auch die Langversion des Ninja Kapitalismus. Seine Helden haben den Kampf um den amerikanischen Traum inzwischen verloren.

Der real existierende Kapitalismus steht derzeit so nackt und entzaubert da, wie kaum jemand sich dies hätte vorstellen können. Entzaubert wurde vor allem die Vorstellung, es könne unendliches und unbegrenztes Wachstum geben, das zudem noch von den realen, materiellen Wertschöpfungsdimensionen des Wirtschaftssystems abgekoppelt ist. Entblößt werden derzeit fast alle Akteure und Institutionen, die als Repräsentanten dieser Vorstellung gelten oder zumindest nicht früher dazu beigetragen haben, über die Risiken dieser zerstörerischen Vision aufzuklären.

Da wird ein US-Finanzminister, der früher als Chef von Goldman Sachs selbst eine der Leitfiguren des Systems war, nun zum öffentlichen Retter der Enteigneten. Banken, Immobilienfinanzierer und Versicherungen gehen in staatliche Zwangsverwaltung über. Dann kauft der Staat faule Kredite auf und setzt dafür 700 Milliarden Dollar ein.

Da ruft der Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zum Handeln auf: „Das Problem muss angegangen werden – und zwar sofort!“ Merkt er, dass er den Appell an sich selbst gerichtet hat? Oder wo war dieser Mann, ähnlich wie all die anderen Vertreter der Aufsichts- und Regulierungsbehörden, die die seit mehr als einem Jahr vorhandenen und heute sauber nachvollziehbaren Anzeichen für die Katastrophe am US-Kapitalmarkt nicht erkannt haben?

Da verstummen die Diskussionen an den Kapitalmärkten und in ihren Institutionen von heute auf morgen als klar wird, dass das System der faulen Kredite, windigen Absicherungen und Phantasieprodukte sich nicht aus der Logik und Selbstorganisationsfähigkeit des Marktes wird retten können. Stattdessen nehmen sie, die bei jedem Anflug von institutioneller oder staatlicher Kontrolle „Regulierungswut, bäh!“ geschrieen haben, den Systemwandel schweigend hin.

Dieser Kapitalismus ist wirklich nackt bis auf die Knochen. In denen steckt noch das Mark, das es nun wiederzuentdecken gilt. Es ist nicht Schuld des besten aller schlechtesten Wirtschaftsformen, dass sie so entgleist ist. Die Verantwortung tragen die Protagonisten, die aus dem Kapitalismus einen Mummenschanz gemacht haben, einen Kampf aller gegen alle. Der ist irgendwann so unübersichtlich geworden, dass nur noch ein Gebot galt: Rette jeder für sich, was er kann.

81 Reaktionen

  1. 28. September 2008, 17:17 Uhr, von Jon
    051

    Dann erklär uns doch mal die Welt.
    Du glaubst sicher, es zu können?

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  2. 28. September 2008, 17:25 Uhr, von Noisa
    052

    Ja, Jon hat Recht. Ich will´s auch wissen, @Koks (!?) schnecke.

    Antworten
  3. 28. September 2008, 17:39 Uhr, von koksschnecke
    053

    eine koksschnecke ist ein bauteil bei der holzgasproduktion.

    Antworten
  4. 28. September 2008, 18:11 Uhr, von Noisa
    054

    Danke! Und welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf die Wirtschaft, @Koksschnecke?

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  5. 28. September 2008, 18:16 Uhr, von koksschnecke
    055

    die auswirkungen der finanzkrise auf die wirtschaft sind glaub ich unbestritten und höchstens in ihrem ausmaß umstritten.

    es geht wohl mehr um die auswirkungen von kontrollen und vermeintlich „ethischen“ zielen denen sich wirtschaftliches verhalten unterzuordnen hat nach der auffassung vieler hier. und da muss man sagen, dass alle forderungen in eine unfreiheit führen, die so niemand wollen kann, der liberalisierte märkte, privateigentum, wettbewerb, auswahl und eine zukunft unserer volkswirtschaft möchte.

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  6. 28. September 2008, 18:21 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
    056

    Hm, versteh´ ich nicht. Irgendwie ein ziemlich pauschaler Kommentar oder meine Hirnzellen sind abgestorben.

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  7. 28. September 2008, 18:22 Uhr, von Noisa
    057

    „forderungen in eine unfreiheit führen,…“ Was soll das heißen?

    Antworten
  8. 28. September 2008, 18:23 Uhr, von Ramona
    058

    Oh Gott: ‚Sie streift umher, irrt durch die welt, verläuft sich, sucht den weg, grübelt und grübelt wohin sie finden will.‘
    Ja, ist klar, ein Irrlicht!

    Antworten
  9. 28. September 2008, 18:24 Uhr, von Noisa
    059

    Mach das Licht an, @Koksschnecke. Bitte, nur für uns!

    Antworten
  10. 28. September 2008, 18:29 Uhr, von koksschnecke
    060

    ja, ist klar, ne echte inhaltliche diskussion *G*

    Antworten
  11. 28. September 2008, 18:39 Uhr, von Noisa
    061

    Ja, ganz ohne Quatsch. Jetzt erklär´ uns mal die Welt…

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  12. 28. September 2008, 18:59 Uhr, von Ramona
    062

    Ach @Noisa *lol*, ich kann nicht anders! Einen schönen Abend, der in Bayern ja noch recht spannend wird.

    Antworten
  13. 28. September 2008, 19:02 Uhr, von Noisa
    063

    @Ramona, ich kann auch nicht anders. Ich nehme mich gerade total zusammen! Auch einen schönen Abend nach der ganzen Schwitzerei.

    Antworten
  14. 28. September 2008, 23:25 Uhr, von koksschnecke Gefällt einem Leser
    064

    was soll ich euch denn noch erklären, ihr seit mir doch LICHTjahre voraus…

    Antworten
  15. 28. September 2008, 23:45 Uhr, von Noisa
    065

    Ich sicher nicht. Und die Blogbetreiberin kommentiert nicht mit. Morgen früh möchte ich hier gerne was ganz Vernünftiges lesen, @Koksschnecke.

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  16. 29. September 2008, 13:10 Uhr, von Antje
    066
    Antworten
  17. 29. September 2008, 13:16 Uhr, von Ramona
    067

    Ehm….., hallooo ist hier noch einer? Wenigsten Du @Antje.
    Warum seid Ihr so schweigsam, oder müsst Ihr den Wahlausgang in Bayern noch verdauen?
    Nach verheerenden Stimmenverlusten muss die CSU in Bayern künftig die Macht teilen. Die absoluten Wahlgewinner sind die Freien Wähler! Auch die CSU hat jetzt ein Führungsproblem. Wer hätte das vor wenigen Tagen gedacht. So schnell geht das!

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  18. 29. September 2008, 14:02 Uhr, von Dowanda
    068

    Also ich war gestern in München – und die Erde hat nicht gebebt. Oder anders auf den Punkt gebracht:
    Gesoffen wird immer.

    Antworten
  19. 29. September 2008, 14:32 Uhr, von Sylvia Entenmann
    069

    Spannend zu diesem Thema ist auch der Artikel von Helmut Schmidt in der letzten Ausgabe der ZEIT.

    Es ist doch der blanke Hohn, dass sämtliche Geschäftsbanken der Bankenaufsicht unterliegen. Investment-Banken aber nicht. Die waren von diesen Regelungen ausnommen! Dabei sind deren Transaktionen mit den größten Risiken behaftet. Darüber hinaus gibt es noch die Basel II Richtlinie die urpsrünglich von den USA initiiert wurde und die jetzt in der EU umgesetzt wird. Die USA jedoch verzögert die Umsetzung seit 2006 und hat das ganze erst mal bis 2009 verschoben.

    Für mich ist ganz klar wer die Suppe wieder auslöffeln muss. Aber hoffentlich wacht mal jemand auf und schaut den Verursachern auf die Finger. Auch wenn ich mich als Bankerin manchmal über die Regelungswut ärgere, der Markt regelt nicht immer alles alleine.

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  20. 29. September 2008, 14:47 Uhr, von Jon
    070

    Besonders schräg finde ich ja den Wunsch der Bayern-SPD: „Wir wollen jetzt regieren“. Ein Haufen Verlierer möchte einen Haufen Verlierer ablösen.
    Auch so ein Mummenschanz, s.o.

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  21. 29. September 2008, 14:51 Uhr, von Ramona
    071

    @Dowanda, so richtig mit Dirndl im Bierzelt und Maßkrug und so? Da hast Du heute kein Kopfweh?

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  22. 29. September 2008, 15:05 Uhr, von Ramona
    072

    @Jon, ich stimme Dir zu. Aber auf das wilde Stühle rücken können wir noch gespannt sein. Bisher sieht das Führungsduo Huber/Beckstein keine Grund, das Amt niederzulegen. Nur Frau Haderthauer wird sicher der Stuhl rück links weg gezogen.

    Antworten
  23. 29. September 2008, 15:15 Uhr, von Dowanda
    073

    @Ramona
    Ich war genau 20 Minuten am Oktoberfest – solange dauerte es bis ich dem Rettungswagen von einem Tor zum anderen nachgelaufen bin, da der mir freundlicherweise den Weg bahnte *g*
    Nach diesem Flash habe ich mich erst in den botanischen Garten und dann in den Augustinerkeller verzogen und dort ein Bierchen gestemmt. Aber keine Preiss’nmass! Man hat ja seinen Stolz. Ich weiss schon warum München meine zweitliebste deutsche Stadt ist: Nirgendwo ist das Bier besser als in Bayern.

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  24. 29. September 2008, 16:24 Uhr, von Janna
    074

    Also so eine Riesenüberraschung war das Wahlergebnis nun auch nicht, wobei ich es schon amüsant finde, dass in der CSU bei 43% Götterdämmerung herrscht- alle anderen Parteien würden sich wohl händeringend wünschen, auch nur ansatzweise bei dieser Prozentzahl zu landen. Gleichwohl habe ich das Gefühl, dass die Verluste nicht unbedingt an der CSU selber liegen- momentan scheint es doch relativ egal zu sein, welcher Partei man angehört, es gibt immer weniger Stimmen als bei der letzten Wahl. Wahrscheinlich hat man als parteiloser Politiker momentan die besten Chancen- oder wenn man sich überhaupt nicht festlegt, siehe die Freien Wähler. Kein Parteiprogramm, sondern nur Richtlinien. Im klassischen Sinne auch keine Partei, sondern ein eingetragener Verein mit der weiblichen Promi-Doppelspitze Gabriele Pauli und Schlager-Claudia Jung. Man darf gespannt sein, was diese Gruppierung im Bayerischen Landtag zustande bringt. Bzw. was sie überhaupt erreichen will, das ist mir nämlich noch nicht so ganz klar.

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  25. 29. September 2008, 17:31 Uhr, von Antje
    075

    Dafür, dass Herr Steinbrück die Tage noch sagte, dass bei uns alles stabil bleibt, geht es aber jetzt ganz schön rund. Wer hat das, bei den Verflechtungen der Kreditinstitute, auch ernsthaft anders erwartet?

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,581104,00.html

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  26. 29. September 2008, 17:41 Uhr, von Walter
    076

    Jede Kanone, die gebaut wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel gelassen wird, jede abgefeuerte Rakete bedeutet letztlich einen Diebstahl an denen, die hungern und nichts zu Essen bekommen, denen, die frieren und keine Kleidung haben. Eine Welt unter Waffen verpulvert nicht nur Geld allein. Sie verpulvert auch den Schweiß ihrer Arbeiter, den Geist ihrer Wissenschaftler und die Hoffnung ihrer Kinder.
    Dwight D. Eisenhower

    Selbstkritik?

    ‚Die Verantwortung tragen die Protagonisten, die aus dem Kapitalismus einen Mummenschanz gemacht haben, einen Kampf aller gegen alle. Der ist irgendwann so unübersichtlich geworden, dass nur noch ein Gebot galt: Rette jeder für sich, was er kann.‘

    Wer sind diese Protagonisten? Wie sind sie, was denken sie, was fühlen sie?
    Die wenigen Investment- Banker, die ich kenne, sind freundlich, reden gerne über die Familie und wenig über ihren Job, so als sei dies eine andere Welt.

    Richard Sennett hat in den letzten 15 Jahren die Angestellten in Investment- Banken und Hightech- Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten interviewt und darüber Bücher geschrieben und Vorlesungen gehalten.
    In ‚Die Kultur des Neuen Kapitalismus‘ (single-generation.de/usa/richard_sennett.htm) schreibt er über die Menschen in diesen Unternehmen:
    ‚Es gibt ein Klischee, wonach die Amerikaner im Geschäftsleben ein aggressives Konkurrenzdenken an den Tag legen. Doch unter dieser Klischeevorstellung verbirgt sich eine andere, passivere Mentalität. Amerikaner aus der Mittelschicht, wie ich sie im letzten Jahrzehnt befragt habe, neigen dazu, die strukturellen Veränderungen resigniert hinzunehmen, als wäre der Verlust an Sicherheit am Arbeitsplatz oder in den wie Unternehmen geführten Schulen unausweichlich: An solchen grundlegenden Veränderungen könne man wenig ändern, auch wenn sie wehtäten. Die Zerschlagung großer Institutionen, [GE, IBM] von denen oben die Rede war, ist jedoch kein gottgegebenes Schicksal. Und sie ist nicht einmal die Norm in der amerikanischen Arbeitswelt. Die New Economy umfasst erst einen kleinen Teil der Gesamtwirtschaft. Allerdings übt sie einen beträchtlichen moralischen und normativen Einfluss aus, da sie die Maßstäbe setzt, an denen auch die Entwicklung der übrigen Wirtschaft sich orientieren soll. Ich hoffe, die Amerikaner werden diese Ökonomie in ähnlicher Weise behandeln, wie es Außenstehende meist tun: als einen Veränderungsvorschlag, der wie alle Vorschläge einer strengen Kritik bedarf.‘

    Sennett fordert einen sozialen Kapitalismus, der den lebensgeschichtlichen Zusammenhang und die Nützlichkeit der Arbeit respektiert und eine handwerkliche Einstellung propagiert, nämlich den Wunsch, etwas um seiner selbst willen gut zu tun.
    Die Beobachtung, dass die New Economy als Muster dient und entscheidend dazu beiträgt, unsere Arbeits- und Lebenswelt in ihrem Sinne zu verändern, zu ‚entmenschlichen‘, stimmt nachdenklich. Aber vieles deutet darauf hin. Unter diesem Blickwinkel wäre die Krise der Immobilienkredit- Spekulanten vielleicht gar nicht so schlecht, weil sie laut und unübersehbar zeigt, worauf die schöne neue Welt der Börsenspekulation hinausläuft und wie weit es schon gekommen ist, ohne dass wir es wussten, wenn wir es vielleicht auch ahnten.
    Jetzt liegt die Chance darin, nicht die Banken zu retten, sondern die Art wie wir respektvoll miteinander umgehen, im globalen und im lokalen Maßstab. Dazu gehört vor allem, aus dieser Krise zu lernen und sich zu besinnen. Ich habe leise Zweifel, ob die Regierung Bush dazu noch fähig ist. Bei John McCain und Barack Obama besteht wohl mehr Grund zur Hoffnung.

    So gesehen ist auch der Stimmenabsturz für die CSU heilsam, die sich heftig ‚verspekuliert‘ hatte.

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  27. 29. September 2008, 17:41 Uhr, von Siegmund
    077

    Die Bayern-Wahl zigt einmal mehr an, dass das Parteiensystem einem deutlichem Wandel unterzogen ist.
    Es findet ein zunehmendes Ausfransen der Parlamente statt.
    Im bayerischen Landtag gibt es also inzwischen 5 Parteien, beinahe wären es sechs gworden.

    Es zeigt sich auch, dass nicht nur die SPD durch Protestparteien bedroht wird. Schaut man mal auf die Österreich-Wahl, wird deutlich, welches Potential diese Parteien haben. Dort haben 30 % (!) rechts gewählt.

    Nimmt die Finanzkrise zu und schlägt sie bis zum Verbraucher durch, dann hat das Konsequenzen.

    Man führe sich vor Augen, dass auch 1929 die extremen Parteien keineswegs stark waren. Das kam plötzlich, mit umso fataleren Folgen.

    Deswegen kann man eher nachdenklich auf die gegenwärtigen Wahresultate schauen.
    Den Jubel der FDP finde ich da eher kurzsichtig.

    Antworten
  28. 29. September 2008, 20:29 Uhr, von Noisa
    078
    Antworten
  29. 30. September 2008, 7:20 Uhr, von Dowanda
    079

    @Siegmund
    Ja, das Protestpotential angesichts des zunehmenden Konturverlustes der Volksparteien ist rapide am Wachsen. Grosse Koalitionen befruchten das auch noch. Siehe das von Ihnen angesprochene Beispiel bei uns in Österreich.
    Ob es jetzt eine kluge Alternative ist, deswegen populistische Parteien (das österreichische Pendant zur LINKE) zu wählen, stelle ich in Abrede. Ob es viel klüger war diesmal bewusst zu hause zu bleiben, so wie ich es zum ersten Mal in fast 20 Jahren getan habe – auch darüber lässt sich streiten. Nur hätte ich beim besten Willen nicht gewusst, wo ich das Kreuzchen machen soll.

    Denn im Gegensatz zu Deutschland gibts in Österreich nicht einmal wirkliche Mitteparteien. Während in der BRD sogar Teile der CDU (von der Leyen, Wulff & Co) sowie der SPD (Steinbrück, Steinmeier) der Mitte zugerechnet werden können, sind wir in Österreich in zwei Lagern festgefroren.
    … Im Prinzip ist selbst die CSU im Vergleich zur österreichischen Volkspartei noch linksradikal :-) Und dann gibts hier nur noch die Grünen und die Roten bzw. die Liberalen. Letztere kamen wieder nicht ins Parlament weil man genauso gut „Rot“ draufschreiben könnte. Denn ihr Programm hat rein gar nichts mit liberaler Politik zu tun.
    Bleiben die Rechten, wie die FPÖ und das BZÖ. An einen Rechtsrutsch von knapp 30 % der Bevölkerung allerdings glaube ich nicht; das Klima hier ist sehr viel offener geworden. Das merke ich nicht zuletzt als Lesbe.

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  30. 30. September 2008, 10:41 Uhr, von Walter
    080

    Krankheiten befallen uns nicht aus heiterem Himmel, sondern entwickeln sich aus täglichen Sünden wider die Natur. Wenn sich diese gehäuft haben, brechen sie unversehens hervor.
    Hippokrates

    Die gewinn- ebenso wie die machtorientierten Spekulanten, sprich Banker und Politiker verzocken die Leitwährung der Gesellschaft, das Vertrauen. Diese ist dann auch mit den großzügigst geschnürten ‚Rettungspaketen‘ nicht wieder herzustellen. Wo ist das Vertrauen hin? Hin!

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  31. 30. September 2008, 10:54 Uhr, von Dowanda
    081

    @Walter
    Vertrauen ist die Leitwährung, da gebe ich Dir recht.
    Vertrauen ist aber auch schon das, was im zwischenmenschlichen Bereich zunehmend als erstes reklamiert und als letztes investiert wird.

    Das äussert sich in solchen Peanuts wie der neu in Mode gekommenen „losen Abmachung“.
    Ein Beispiel:
    Frage von mir: Du, können wir uns nächsten Donnerstag zum Abendessen im XY treffen. Antwort meistens: Ich schreibs mir mal auf, wir können uns ja noch zusammenrufen.
    Umgekehrt wird die gleiche Pseudounverbindlichkeit aber als Ablehnung aufgefasst. Ich beobachte das mit zunehmendem Unwillen und gleichzeitiger Faszination. Die Lust des Menschen sich alle Optionen offen zu halten „Select all … frei nach Miriam Meckel im Glück der Unerreichbarkeit“ kollidiert mit dem Wunsch nach Geborgenheit.

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© Miriam Meckel 2002 bis 2018