MM_Lenz
Zu den Kommentaren
17. Oktober 2008, 22:32 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Lest Hebammenlehrbücher!

Ab heute Abend wissen wir, warum es auf der Buchmesse so voll ist und die Tische überquillen: zu viele Lehrbücher für Hebammen! Man will es gar nicht glauben, dass der Bedarf so groß ist. Aber wenn Marcel Reich-Ranicki das sagt, wissen wir: Es stimmt. Ein Literaturpapst weiß, wovon er spricht. Der Mann hasst die Buchmesse und geht deshalb nicht hin. Irgendjemand muss ihm zugetragen haben, wie es sich mit der Hebammen-Lehrbuchschwemme verhält.

Ganz sicher ist ihm Gleiches auch mit dem Fernsehen widerfahren. Es muss ihm jemand zugetragen haben, wie es sich damit verhält, sonst hätte er sich ja nicht diese dezidierte Meinung bilden können, die heute Abend 30 Minuten lang Gegenstand einer zweiten Inszenierung war. Nach dem Eklat vom Sonntag das Éclair vom Freitag: ein längliches, sehr glasiertes und leider nur schaumgefülltes Dessertgebäck.

Was haben wir gelernt aus dem gedehnten Fernsehaugenblick, in dem ein gedopter Grundschullehrer einen bockigen Fernsehhasser indoktrinierte? Dass man Helge Schneider durch Shakespeare ersetzen soll. Dass es eine große Leistung ist, wie Gottschalk „über die Bühne gehen, guten Abend sagen und die Leute glücklich machen“ kann. Dass der Regisseur Peter Schulze-Rohr für all seine Preise (der Deutsche Fernsehpreis war nicht dabei) „eine anständige klare Lösung gefunden und sie aufs Klo gestellt hat“.

Es ist ja wirklich schlimm, das solche Themen im Fernsehen ansonsten nie stattfinden dürfen. Aus gegebenem Anlass hat sich das nun endlich geändert. Aber wird es auch etwas ändern? Nein, es wird alles noch grausamer werden: „Wenn Du übers Fernsehen weinst, musst Du Dich erschießen, wenn Du ins Internet guckst“, sagte Gottschalk. Manchmal muss man sich auch erschießen, wenn man ins Fernsehen guckt.

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat 1983 sein Buch über die „Kritik der zynischen Vernunft“ geschrieben. Vielleicht hieß es auch „Die Vernunft der zynischen Kritik.“ Das ist von Rüdiger Safranski verfilmt worden, in einem Film mit dem Titel „zur Welt kommen“. Er lehrt uns: Mit der Geburt ist es nicht getan. Man kann sein Leben auch verfehlen. Zur Welt kommen ist eine lebenslange Aufgabe. Dann ist ja auch klar, wofür wir die vielen Hebammenlehrbücher brauchen.

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170 Reaktionen

  1. 21. Oktober 2008, 10:14 Uhr, von Dowanda
    0151

    @Ramona
    Wenn der Taschencomputer noch zusätzlich ne vibracall-Funktion hat, wär er komplett :-)

    Antworten
  2. 21. Oktober 2008, 10:32 Uhr, von Ramona
    0152

    @Dowanda, denkst Du an eine Weckfunktion oder was?:-) (Bitte denk an die 5000 Klicks!!!!!:-)
    Bei mir müsste das Dring richtig laut scheppern!

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  3. 21. Oktober 2008, 10:49 Uhr, von Noisa
    0153

    Was ist denn hier los? Keine Sorge, @Ramona. `Antje´, alles ok? Vielleicht einen Kamillentee?

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  4. 21. Oktober 2008, 10:51 Uhr, von Noisa
    0155

    @Urs, ich melde mich später. Muss jetzt in die Pause…

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  5. 21. Oktober 2008, 11:04 Uhr, von Walter
    0156

    Thank you Mesm.

    ‚Die Kernkompetenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks muss neu definiert werden. Der überstrapazierte Begriff der „Grundversorgung“ trifft nicht mehr den Kern und muss auf ebendiesen Kern zurückgeführt werden. ARD und ZDF müssen Qualitätsprogramme liefern, die im freien Markt nicht refinanzierbar sind. Dazu gehören sicherlich hochwertige Nachrichten- und Kulturprogramme, Dokumentationen und Spielfilme. Die Kernkompetenz des öffentlich-rechtlichen Systems liegt unter den Bedingungen des Medienmarktes also im Angebot der meritorischen publizistischen Güter, die der Markt selbst nicht oder nicht in ausreichender Anzahl hervorbringt.‘

    – Auch Shakespeare und Brecht? (@MM)

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  6. 21. Oktober 2008, 12:10 Uhr, von Walter
    0157

    Es ist ein Kreuz mit der Demokratie, ein stetiger Kampf zwischen Ideal und Wirklichkeit. Die Wirklichkeit sagt uns: Die Leute wollen das nicht sehen, das Ideal: Sie sollten es aber. Und die Quote soll entscheiden? Kann sie das?
    Nach Luhmannschen Kriterien kann sie es nicht, wie auch oben beschrieben. (‚Mit allen Unterscheidungen, die es verwendet, versetzt es sich selbst in den unbeobachtbaren unmarkierten Raum, und das gilt selbst dann, wenn es sich selbst im Unterschied zu anderem bezeichnet.‘)
    Bleibt also die Arbeitsteilung zwischen öffentlich- rechtlichen (das Ideal) und privaten (die Wirklichkeit).

    Da kommt das nächste Problem: Was ist die Wirklichkeit? Auch das hat Luhmann beschrieben: ‚Man akzeptiert die Kontingenz aller Kriterien und aller möglichen Beobachterpositionen. Aber das heißt nur, daß man von jeder Unterscheidung zu einer anderen übergehen kann, zum Beispiel Moden und Wertewandel berücksichtigen kann.‘
    Mode als Wirklichkeit?
    Ja, es scheint so. Vielleicht sind uns die privaten Fernsehunternehmen deswegen suspekt.
    Im Sinne Reich- Ranickis?

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  7. 21. Oktober 2008, 12:39 Uhr, von Noisa
    0158

    Danke auch, @Mesm, für den Link zum Artikel. Zu dem gehaltvollen Artikel wäre ein Posting wünschenswert, zu welchem tiefer ausgeführt werden könnte. „Grundversorgung“, Neudefinition der Kernkompetenz der ÖR als auch Sonderbehandlung des Rundfunks gegenüber anderen Medienformen vs. Wettbewerb erscheinen mir als Themen so ergiebig, dass dazu möglicherweise umfassendere Beiträge von den Diskutanten erstellt werden könnten.

    Ich persönlich habe grundsätzlich nichts gegen eine gebührenfinanzierte „Grundversorgung“ durch die ÖR im Internet, wenn sie qualitativ hochwertig ist. Auch bezweifel ich, dass eine Stärkung des Internetangebots der ÖR die privaten Anbieter daran hindert, ihr Angebot auszuweiten, welches durch Werbemaßnahmen finanziert wird…

    Antworten
  8. 21. Oktober 2008, 12:40 Uhr, von Noisa
    0159

    (Danke, @Urs, ich komm´ natürlich vorbei.)

    Antworten
  9. 21. Oktober 2008, 12:44 Uhr, von Noisa
    0160

    Sorry, bei mir erscheinen die neuen Postings verspätet im Feedreader. Mein vorletzter Kommentar kann geflissentlich ignoriert werden. Da ist ja schon ein Posting. Wie gut!

    Antworten
  10. 21. Oktober 2008, 13:13 Uhr, von Urs Bürgi
    0161

    @Noisa, freu mich wahnsinnig. Noch ein paar Infos: Spiegelgasse 1 in Zürich.
    Cafébar
    Dienstag bis Freitag 11:30 – 19:00 Uhr, Donnerstag bis 23:00, Samstag und
    Sonntag 13:00 – 19:00, Montags geschlossen.
    In der Cafébar cabaret voltaire, gibt es den ganzen Tag Suppe, Salate, Sandwichs, Tapas und Kuchen. Sag Bescheid, oder chumm ine un frog nochem Urs. Ciao, cara.

    Antworten
  11. 21. Oktober 2008, 13:18 Uhr, von Dowanda
    0162

    @Urs
    Keine schlechte Adresse .-)

    Antworten
  12. 21. Oktober 2008, 13:32 Uhr, von Walter
    0163

    Zum Nachschauen (@Dowanda): blog.rebell.tv/wahlstudio-rebelltv-im-cabaret-voltaire-spiegelgasse-1-zurich.html

    Antworten
  13. 21. Oktober 2008, 13:36 Uhr, von Noisa
    0164

    Danke für die Termine, @Urs. Ganz toll, ich freu mich auch riesig. Vielleicht kann @Dowanda auch. Bis dann, ich meld´ mich.

    Antworten
  14. 21. Oktober 2008, 14:41 Uhr, von Dowanda
    0165

    @Urs
    Ich war übrigens im März mal bei Euch anlässlich eines Theaterstücks, dem „Schneesturm“ von Puschkin.
    Habt ihr damit auch was zu tun oder seid ihr eigenständige Teile des Hauses?

    Antworten
  15. 21. Oktober 2008, 14:51 Uhr, von Urs Bürgi
    0166

    @Dowanda, hoffe, es entsprach‘ Deinen Erwartungen. Nein, wir sind eigenständig, und stolz darauf, unsere Unabhängigkeit bewahren zu können. Also, lueg inne, bring’s Noisali mit un mer maches Fass uf, odr Absinth, un dann spräch mer übr dä M.M. un d‘ Manne wie Fabian, Walter, Siegi usw. die liab Gückele.

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  16. 21. Oktober 2008, 14:58 Uhr, von Dowanda
    0167

    @Urs
    Also da täten mir sonst schon noch ein paar andere Themen einfallen *g* Und das Fass ist mir auch lieber als Absinth. Aber bitte kein Heineken …

    Antworten
  17. 21. Oktober 2008, 15:14 Uhr, von Urs Bürgi
    0168

    Naii, Dowanda, Züri-Hell isch unsr Premium-Bier. Un für Di:Moet, wann es wotschd, un nur über dine Themen. Super. Es werd e Fäscht, wia’s Sechseläuten odr Knabenschiessn odr Basler Morgenstraich.

    Antworten
  18. 21. Oktober 2008, 15:26 Uhr, von Dowanda
    0169

    Also am Morgenstraich war ich noch nie, das ist mir zu früh!
    Ausserdem: Das Du als Zürcher freiwillig Basel ins Spiel bringst?!?

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  19. 21. Oktober 2008, 15:41 Uhr, von Urs Bürgi
    0170

    Weisst Du,@Dowanda, für unsere Gäste tun wir alles, bis zur Selbstverleugnung. Und die „Inszenierung“ einerseits, Thema von M.M., wird leichter verständlich, ebenso das Verständnis unseres Umgangs mit „Wirklichkeit“ (Walter und Luhmann), eine sehr verbrämte, aber unmissverständliche Darlegung dessen, was der Kritik bedarf, ist in Basel schon „sackstark“. Nun, wenn’s Dir morgens zu früh ist, dann halt abends bei den Schnitzelbänk, mit Ueli-Bier. Ein „must“ für Medienleute mit Gespür für Tradition und Modernität als gelungener Mixtur und die a rechte Freud‘ hamm, wenn’s auf den Punkt getroffen, „au point“ ist.

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