Â
Oben an einer Spitze der Stadt, von der aus man nordöstlich auf den Bodensee und südwestlich auf das Alpsteingebirge blickt, klingelt ein Telefon. Es ist neu an diesem Ort und es klingelt für die Tiere im nahegelegenen Wildpark „Peter und Paul”. Das „Atelier für Sonderaufgaben” hat das Quartiertelefon dort installiert und mit einem feierlichen Apero an der Sonnenkreuzung in Betrieb genommen.
Das Telefon klingelt … und das Reh geht nicht ran. Es mag nicht kommunizieren auf diese Art und ist überdies zu scheu, den kurzen, aber mit einigen Hürden versehenen Weg von seinem Gehege zur Kreuzung zu traben. Was sollte es auch erzählen? „War schön heute wieder im Park. Das Gras war grüner als sonst, weil die Sonne schien. Ein bisschen viel gefressen habe ich, jetzt bin ich ganz träge. Und manchmal nerven die Spaziergänger. Immer bleiben sie ausgerechnet vor mir stehen und starren durch den Zaun. Gelegentlich starre ich zurück. Aber ich sage nie etwas.”
Es sind nicht die Tiere, die hier in den Kommunikationskreislauf zurückgeschickt werden sollen, sondern die Menschen. Jeder kann das Telefon unter der Nummer +41 901 71 9010 anrufen. Aus aller Welt. Und sich überraschen lassen, ob und wer dann ran geht. Für diese Form der anonymen, überraschenden Kontaktaufnahme mit Lebensfremden besuchen wir heutzutage sonst die Social Networking Sites oder die Partnervermittlungsseiten im Internet. Ein traditionelles Telefon tut es auch.
Ein ganz kleines Reh stand am Telefon
Und schalt unser aller Denken hohn
Es gäbe kein Tiergespräch über den Draht.
Ich träumte, ich verstünde das Tier
Es sagte zu mir: deshalb stehe ich hier
Damit du verstehst, was wir verstehen.
Ich ging näher ran und hörte sodann
Am anderen Ende war niemand dran
Da wollte ich fast schon wieder gehen.
Doch hörte ich`s reden wie zwischen zweien
Und merkte dann, es ist allein und führt
ein Selbstgespräch am Telefon.
Ist das ein Kommunikationsverrat?









Wir laufen aber nicht im Kreis, Ramona. Vielleicht konvergieren wir eher und treffen uns an diesem Punkt, oder auf dieser Fläche.
Kommunikationskreislauf ist ein Begriff aus der Kommunikationswissenschaft und beschreibt denn Weg von der ‘Schöpfung’ über die Kognition bis zur Wirkung. Natürlich ließen sich Analogien zu unserem Ideenkreislauf finden. Aber für einen Kreislauf geht es hier eigentlich zu spontan zu, mit Kurzschlüssen und manchmal auch gegen den Strom, sozusagen anders herum.
Danke für die Wünsche, ebenso!
Also @Cate,…. tzzzzz “kopfschüttel”:-)
In Nord- und Osteuropa werden Bären ausgewildert, aus Natur- und Umweltschutzgründen.
Das sind die natürlichen Gegner des Reh- und/oder Rotwildes. Ähnlich wie der Wolf.
Der Jäger übernimmt also heutzutage die Aufgabe, die Bär und Wolf anno dazumal übernahmen.
Noch vor 100 Jahren waren diese Tiere in deutschen Wäldern heimisch. Man findet sie auch in Literatur und vor allem in Märchen.
Früher bedeutete es also durchaus Gefahr für den Menschen, wenn er sich in den Wald begab, die “Angst vorm bösen Wolf” ist also keine lyrische Erfindung.
Das hat sich geändert, Mensch und Reh können froh sein.
Soll man das unbeschwerte Walderlebnis eintauschen gegen eine möglichst naturbelassenen Waldnatur, zu der auch Wolf und Bär gehören? Eine schwierige Frage. In Schweden wurden die Abschussquoten für Bären wieder erhöht, weil die Menschen zunehmende Angst vor ihnen bekommen. Bei uns wurde dem einzigen Bär “Bruno” schnell der Garaus gemacht.
Eine Auseinandersetzung mit Tier und Natur ist also wohl nötig, auch ohne Telefon.
@Walter, wir sind uns aber schon einig, dass wir wissen, welche Inhalte wir vermitteln wollen und welches Ziel wir damit verfolgen.
Aber, Walter, auch Kurzschlüsse oder gegen den Strom gerichtete spontane Beiträge beeinflussen den Kommunikationskreislauf. Vielleicht ist der Teil der Schöpfung und der Kognition nicht immer im gleichen Maße ausgebildet, aber eine Wirkung erzielt jeder Beitrag. Der Begriff des Kreislaufs ist doch nur abhängig von der Größenordnung, in der man denkt.
Ist es nicht, wie im Meer? Es gibt kleine Wirbel und große Ströme, aber jede kleinste Bewegung bewirkt hydrodynamische Prozesse.
Einverstanden, dann ist es aber unser eigenes Kreislaufmodell, ziemlich speziell und nicht unbedingt übertragbar. Ich habe nichts gegen Kreisläufe, wobei das Bild einer Spirale vielleicht besser passt, da gibt es auch Veränderung.
Das Modell des Quartiertelefon könnte Schule machen, nicht nur in der Anonymität der Städte oder bei der Unterstützung eines Wir- Gefühls im Quartier.
Es gibt so etwas wie soziale Neugier. Vielleicht spazieren jetzt mehr Menschen als vorher zu Peter und Paul an der Telefonzelle vorbei: Vielleicht ruft gerade jemand an…
Auch ein Gedanke: Quartiertelefone in “Problembezirken”. Aber es könnte auch Missbrauch geben…
Die Spirale gefällt mir auch besser als der Kreislauf.
Gerade heute habe ich gemerkt, wie Kommunikation im RL an seine Grenzen gestoßen ist. Wer greift bei dem ganzen Arbeitswust zum Hörer? Ach, ich `muss´ ja anrufen, ich hatte es gesagt. Komisch, bei der zweiten ungewöhnlichen Situation heute rief mich dann ein Handy (!) an, eine Stimme hörte ich nicht. Im Display erschien der Name der Anruferin. Die Anruftaste wurde versehentlich ausgelöst. Was für ein glücklicher Zufall. Wie schön, wieder miteinander zu sprechen… Und ein paar Anrufe muss (!) ich nicht erledigen, nein, da freue ich mich richtig drauf…
@Cate, keine Panik meine Beiträge sind absolut jugendfrei.
Bisher habe ich mir beim Trinken eines Glases Sekt (Rotkäppchen halbtrocken ist die Hausmarke) keine Gedanken über die Kohäsionskräfte der Flüssigkeit gemacht. Ich habe einfach nur genossen. Über Champagner kann ich mir kein Urteil erlauben, da ich bisher max. 5 Gläser getrunken habe (und der war für meinen Geschmack immer zu trocken, aber vielleicht hat es auch an der Sorte gelegen).
Der Artikel war so gut geschrieben, dass ich in Zukunft mit wesentlich mehr Respekt vor einem Glas Sekt sitzen werde. :-)
@Walter, Sekt/Champagner ist m. E. kein Alkohol sondern Lebenselexier. Somit kann man auch schon in der Woche mal ein Glas trinken. Du mußt ja nicht gleich die ganze Flasche auf einmal leeren.:-)
sagen wir, es KANN für Einige ein Lebenselexier sein. Mich richtet bereits ein halbes Glas systematisch zu Grunde, auch wenn der Artikel durchaus verführerisch wirkt. Dann doch lieber (später!) ein Single Malt pur ohne Eis. Prost !
Single Malt hilft jedenfalls gegen Erkältungen. Zum Vergnügen dann doch lieber etwas Perlendes.
Manno, war das heute ein Tag!
Musste ich doch vor 1 Stunde beim Training tatsächlich ins Wasser springen (mit Kleidung) und ein Kind aus dem gekenterten Boot ziehen. Und warum? Weil unkonzentriert gearbeitet wird und schwapp war’s passiert. Manchmal sind die ‚Kurzen‘ derart anstrengend und drehen am Rad.
Der Junge war so erschrocken, dass er nicht in der Lage war, sein Spritzdeck vom Boot zu reißen und damit ein Aussteigen aus dem Boot nicht möglich ist. Es ist ja alles gut gegangen, aber ich hatte so eine Wut im Bauch, weil diese Situation völlig unnötig war……oooh man!
Mein Adrenalinspiegel war so hoch, dass ich die Kälte des Wassers garnicht wahrgenommen habe. Jetzt hilft nur ein heißes Bad und heißer Tee. Oder sollte ich es mal mit Singel Malt probieren? Was auch immer das sein mag, wenn’s hilft!
Bis morgen!
Quartiertelefone in “Problembezirken�
Eine gute Idee- auch für Neukölln.
Es käme darauf an, wie das Telefon vorgestellt wird- vielleicht von den Einwohnern selbst? Je mehr ich über die Idee nachdenke, umso besser gefällt sie mir.
PS: Cate, wie geht es mit Hamburg?
@Ramona, zum Single Malt:
(„Die Geschichte des Whiskys ist eine männliche…“ http://tinyurl.com/6dqrg5)
Das sollte Dich nicht davon abhalten. Wirklich, bei Erkältungen hilft´s. Sonst mag ich so was auch nicht.
@Noisa, wieviel Gläser davon? Mit oder ohne Eis?
Ich denke mal, auf jeden Fall gerührt und nicht geschüttelt!
Ach, ich bleibe lieber bei Hagebuttentee.
@Ramona: Ein Glas dürfte reichen, ohne Eis. Aber bitte nicht missverstehen: das Glas nur zwei bis drei Zentimeter befüllen, sonst werden nicht nur die unerwünschten Bakterien abgetötet.
Ein Hagebuttentee zur Senkung des Adrenalinspiegels reicht bestimmt. Ich bin immer sehr ausgeglichen, mich bringt gar nichts aus der Ruhe. Außer die Frau, die heute wieder da war, die bringt mich auf 180. So doof kann KEIN Mensch sein. Nein, das habe noch ich nicht erlebt! Ich habe gesagt: „Sie nerven mich!“ Diese Worte habe ich noch nie benutzt, denn ich bin immer ausgeglichen und drücke mich – im Blog nicht immer – gewählt aus.
@Walter: Bin noch nicht da. ;o) Am Samstag dann… Somit stecke ich derzeit in der stressigen Woche des Umzugs. Aber ich muss glücklicherweise keinen Haushalt auflösen bzw. umschiffen. Darin liegt ganz klar der Vorteil des WG-Lebens… Ich sende euch beizeiten eine digitale Postkarte aus der Hansastadt, versprochen. Übrigens bin ich dann wohntechnisch aufgestiegen: Von Neukölln nach Rotherbaum. Na, wenn das nix is… ;o)
Sorry, ich bin absolut kein Fan des gleichnamigen Rostocker Fusballclubs und muss daher mit Nachdruck einschieben, dass es nicht “Hansa”stadt sondern HansEstadt heißen muss. Ja ja…
@ Noisa und Anna: Vielen Dank!
[...] zwei Wochen steht das Quartiertelefon nun in Rotmonten am Rande des Wildparks und bis heute hat sich kein Tier heran gewagt, wenn es [...]
@Miriam Meckel: Herzlichen Dank für die Lancierung dieses Themas. Unser Quartiertelefon kommt ja bald auch zur Uni und ich hoffe, Sie dann einmal am Apparat zu haben …
P.S. Im Wildpark hat es übrigens kein einziges Reh, sondern nur Hirsche ;-) … und natürlich auch Steinböcke, Gemsen, Murmeltiere, Wildschweine, Wildkatzen und Luchse!
http://www.netzwelt.de/news/78438-google-earth-beweist-rinder-haben-magnetsinn.html