MM_Brecht
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13. November 2008, 19:51 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

EVA

Als „die neue erste Frau“ präsentiert die Süddeutsche Zeitung Barbara Kux, die als erste Frau in den Vorstand der Siemens AG einzieht. Das Unternehmen hat nur 160 Jahre gebraucht, um zu merken, dass es auch Frauen gibt, die für Führungspositionen geeignet sind. Und damit war Siemens in bester Gesellschaft und Gewohnheit. Eine einzige zweite erste Frau gibt es in den Chefetagen der deutschen DAX-Konzerne. Bettina von Österreich gehört zum Top-Management der Hypo Real Estate – ein Unternehmen, um das man sich derzeit so große Sorgen machen muss, dass Barbara Kux bald wieder die einzige Frau der DAX-Riege sein könnte.

Es ist also historisch durchaus angemessen, biblische Assoziationen hervorzurufen, die „neue erste Frau“ zu markieren als einen Zeitenwandel, der in diesem Fall nicht die Sünde bringt, wie es uns die Bibel als diskriminatorisches Urkonzept verklickern will. Probleme für die Männer bringt sie schon. Sie haben sich allzu lange mit dem Gewohnheitsrecht der Ausschließlichkeit in den Führungskreisen der Wirtschaft wunderbar arrangieren können. Als Siemens CEO Peter Löscher vor einiger Zeit öffentlich kundtat, der Vorstand sei „zu weiß, zu deutsch und zu männlich“, fühlte sich manch ein Vertreter der Führungskaste ziemlich auf den Schlips getreten.

Dabei wissen wir – empirisch belegt – dass „diversity management“ in Unternehmen zu besseren Ergebnissen führt. Eine Untersuchung der US-Fortune Top 500 Unternehmen hat schon für die Jahre 1996 bis 2000 gezeigt, dass die Unternehmen mit dem höchsten Frauenanteil im Management wirtschaftlich erfolgreicher waren. Unter anderem deshalb schreibt Norwegen seit 2005 gesetzlich vor, dass Verwaltungsräte börsennotierter Unternehmen zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen.

Es ist ökonomisch irrational, die Männerriegen auf den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft geschlossen zu halten. Und es ist geradezu ökonomisch unfassbar, dass Frauen in vielen Segmenten der Wirtschaft noch immer mit einer „Nettodiskriminierung“ zu kämpfen haben, also für die gleichen Jobs deutlich weniger verdienen.

Hatte ich ökonomisch rational geschrieben? Jetzt hatte ich doch glatt vergessen, dass das ja gar kein Kriterium ist, wie uns die Finanzkrise gerade lehrt. Wie viele Frauen waren eigentlich im Management der Banken, die pleite gegangen sind oder sich in die Arme von Vater Staat werfen mussten?

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111 Reaktionen

  1. 18. November 2008, 10:51 Uhr, von Walter
    0101

    there is a difference
    – Ja Mesm. Das ist so und das ist gut so.
    Die Beispiele der erfolgreichen Frauen zeigen, dass sie es ebensogut können wie Männer, teilweise auch besser und dass sie häufig mehr dafür tun.
    Aus dem hohen Selbstanspruch und einer möglichen Rollenunsicherheit oder aus Rollenkonflikten kann auch ein Burn out entstehen. Schlaue, intelligente Frauen sehen heute für sich viele verschiedene Möglichkeiten zu leben und zu arbeiten. Dieser Auswahlreichtum ist ein Erfolg der Emanzipation, auch von den alten Rollenbildern.
    Nach meinem Eindruck gehen Frauen kritischer an das Thema Karriere heran, weil bei sehr vielen die Entscheidung für oder gegen eine Familie und Kinder aufgeschoben wird bis in die 30er Jahre, zunehmend häufiger sogar bis Anfang 40. Ich vermute auch, dass Frauen menschliche Werte und die Sinnhaftigkeit ihres Tuns tendenziell anders gewichten als Männer und eine Managerkarriere nach traditionellem Muster auch mit ihren menschlichen Nachteilen deutlich kritischer sehen als ihre männlichen Kollegen.
    Das Beispiel Ursula von der Leyens zeigt, wie schwierig Familie, Kinder und Beruf zu vereinigen sind, wie wichtig es aber ist, den Wert von beidem wahrzunehmen und klare Grenzen zu ziehen, auch bezüglich der Unerreichbarkeit.
    Damit sind Karriereentscheidungen von Frauen oft deutlich rationaler, entschiedener und endgültiger als die von Männern.
    Diese strengen Kriterien und Geschlechtsunterschiede in der Karrierewahl werden sich nivellieren sobald die unterschiedlichen neuen weiblichen- und männlichen- Rollenbilder allgemein anerkannt sind und als gleichwertig wahrgenommen werden. Dann kann die Ausnahme von Heute zur Regel werden.
    Interessanterweise ist die Grundbedingung dafür, dass Männer Frauen als gleichwertige aber von ihnen unterschiedliche Menschen anerkennen und auch deren weibliche, mütterliche und familiäre Seiten nicht gering schätzen, die Akzeptanz der eigenen Biografie und der eigenen Mutter als selbstbestimmter freier Mensch.

    Ich wünsche mir, dass neue Modelle und Vorbilder für Partnerschaft entstehen, in denen das Leben als Ganzes respektiert wird und auch Familie und Kinder in der Karriere einen festen und geachteten Platz haben.
    Die heute noch vielfach vertretene Einstellung, dass erfolgreiche Frauen sich wie Männer zu benehmen hätten und auf keinen Fall Kinder bekommen sollten ist letzten Endes nur ein Beleg für die Geringschätzung menschlicher Werte und für Toleranz und, gelegentlich auch, ein Dokument des persönlichen emotionalen Scheiterns der Männer.

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  2. 18. November 2008, 11:06 Uhr, von jinx
    0102

    so why not regulate by law that positions have to be equally staffed with both genders and that the pay has to be the same?

    Antworten
  3. 18. November 2008, 12:02 Uhr, von Walter
    0103

    Es muss in die Köpfe und in die Herzen jinx, damit sich wirklich etwas ändert. Sonst haben wir alle nicht viel davon.
    Der zweitbeste Weg besteht darin, Ungleichheit und Diskriminierung öffentlich zu machen.
    Gesetze haben wir schon zu viele.

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  4. 18. November 2008, 12:47 Uhr, von jinx
    0104

    I disagree Walter. We have established in this blog, that women are as qualified as men to occupy positions of power, but are hindered by discrimination. Norway introduced equality by law and it seems to work fine. Women have made discrimination public for decades now and barely anything has changed. I’m sick of waiting. If men are not willing to understand the motherly way, they should be forced to listen!

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  5. 28. November 2008, 12:28 Uhr, von Antje
    0105

    Manchmal gibt es Tage, da wünschte man sich, bei einem Ereignis dabei sein zu dürfen.
    Heute ist das dies:

    http://www.arte.tv/de/Willkommen/2328754.html

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  6. 3. Dezember 2008, 22:49 Uhr, von jinx
    0106

    indeed, that sounds very interesting. any follow up on it?

    Antworten
  7. 4. Dezember 2008, 22:15 Uhr, von Antje
    0107
    Antworten
  8. 5. Dezember 2008, 18:31 Uhr, von jinx
    0108

    i even found the English translation, but it still didn’t tell me if it was a success or not….oh well. guess we just have to wait for her: http://images.newsarama.com/dccomics/Feb07/DC_Uni/WW_Cv5_solicit.jpg

    apparently there will be a movie out next year ;)

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  9. 5. Dezember 2008, 19:55 Uhr, von Antje Gefällt einem Leser
    0109

    Aktuell gibt es in der Presse noch nichts.
    Der Sohn von Gisèle Halimi arbeitet bei Le Monde diplomatique. Sie haben im Mai einen großen Artikel dazu gebracht.
    Also, einfach mal aufmerksam verfolgen,
    da kommt bestimmt was.

    http://www.monde-diplomatique.fr/

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  10. 5. Dezember 2008, 19:56 Uhr, von Antje Gefällt einem Leser
    0110

    Das war der Artikel vom Mai, ein Dossier:

    http://www.monde-diplomatique.fr/2008/05/LUCAS/15911

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  11. 8. Dezember 2008, 11:23 Uhr, von jinx
    0111

    thanks ;)

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