MM_Dickinson
Zu den Kommentaren
21. November 2008, 22:18 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

n=1+x

„Die guten Jahre sind erst einmal wieder vorbei“, schreibt das Wirtschaftsmagazin Capital in seiner aktuellen Ausgabe. „Die globale Finanzkrise reißt Deutschland in die Rezession und vernichtet im kommenden Jahr bis zu eine Million Arbeitsplätze.“ 60 davon in dem Verlagshaus, das die Zeitschrift Capital neben anderen Wirtschaftstiteln produziert. Gruner & Jahr muss sparen. Und wo liegt das näher als beim Journalismus – der Kernkompetenz der Verlagsbranche auch und gerade in Zeiten des Internet.

Die Wirtschaftstitel von Gruner & Jahr werden nun in einem Redaktionspool in Hamburg zusammengelegt. Kennen wir das nicht? Ach ja, die WAZ-Gruppe folgt einer ähnlichen Strategie, die auch das Motto zugrunde legt: Wenn einer alles macht, bringt das mehr Vielfalt als wenn mehrere Unterschiedliches machen. Mathematisch gesprochen: n=1 > n=1+x.

Interessanter noch ist, was Gruner & Jahr sich für die verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wirtschaftspresse ausgedacht hat, die nicht sowieso entlassen werden. Die dürfen sich aus einem bislang gesicherten Job neu für die Megaredaktion in Hamburg bewerben (sic!). Unternehmenskulturell ein außergewöhnlicher Ansatz: Erst wird alles auf null gesetzt, dann besteht der Leistungsanreiz für aktives Handeln darin, sich von minus X wieder auf null vorzuarbeiten, wenngleich unter anderen Arbeitsbedingungen als vorher. Ich möchte nicht Zeugin sein des Wettbewerbsprozesses zwischen den Kolleginnen und Kollegen, die nun untereinander darum kämpfen, einen neuen Job in Hamburg zu bekommen. Sie wissen: Auf zwei, die vielleicht wieder einen neuen Job kriegen, muss in jedem Fall einer gehen.

Man kann argumentieren, das gehöre zum Geschäft. Man kann argumentieren, dass sei Alltag in Unternehmen. Man kann argumentieren, die Finanzkrise fordere eben auch im Journalismus und der Medienbranche ihre Opfer.

Man kann aber auch argumentieren, dass dieses Vorgehen in zweierlei Hinsicht die Verderbnisse der Finanzkrise offenlegt. Der eigene Job wird zum Monopolyspiel. Gehe zurück auf „Los“ heißt die Botschaft. Manch einer darf dann wieder auf die Hauptstrasse vorrücken (Park- und Schlossallee sind aus dem Spiel). Für die anderen bleibt, ja was? Vielleicht das „Ereignisfeld“. Sie dürfen sich überraschen lassen, was nach dem Jobverlust so auf sie zukommt.

Zum anderen macht Gruner & Jahr in dem Feld Tabula rasa, das gerade besonders guten Journalismus braucht. Nicht die Journalisten, die im Finanzmarktboom Börsenkurse und Derivate bejubeln und in der Finanzkrise den Staat herbei schreiben. Vielmehr diejenigen, die mit Langfristexpertise und Erfahrung Einschätzung und Orientierung liefern können.

Aber vielleicht ist das alles auch gar nicht so wichtig. Man muss ja auch nicht rechnen können, um ein Medienhaus zu führen: n=1 > n=1+x.

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220 Reaktionen

  1. 27. November 2008, 12:51 Uhr, von Ramona
    0201

    Hast Du das Lied auf Clement bezogen?
    T’schuldigung, hab ich vergessen!

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  2. 27. November 2008, 13:10 Uhr, von Noisa
    0202

    @Ramona, das Lied hab ich schon auf Herrn Clement bezogen. Auf wen sollte ich es sonst bezogen haben? :)

    `Ramona´, Dich würde ich nicht vera… . Was `Ingechen´ angeht, da hab ich schon selbst für Transparenz gesorgt. Ich finde das nur nicht auf die Schnelle in den alten Kommentaren. Also, alles halb so wild. Übrigens, die Diskussion hier hat mich eher amüsiert (hervorzuheben ist der Kommentar von A. um 22:07 Uhr). Und @Fabian, hör´ mal, was hast Du denn immer für einen Anspruch. So doll finde ich Dein Niveau nun auch nicht immer. Lasst uns nicht einen (pseudo-)elitären Knacks bekommen. ;)

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  3. 27. November 2008, 13:52 Uhr, von Ramona
    0203

    @Noisa, irgendwie verblüffst Du mich immer wieder. Du spielst komische Spiele:-). Aber egal.
    Was ist das bloß für ein Tag? Ich kuck jetzt mal bei ‚Clement’s‘ vorbei.

    Antworten
  4. 27. November 2008, 13:56 Uhr, von Noisa
    0204

    @Ramona, wenn es um die sog. `Netzspiele´ geht, bist Du wohl Vorreiterin… :)

    Antworten
  5. 27. November 2008, 14:14 Uhr, von Ramona
    0205

    @Noisa, der Begriff ‚Netzspiel‘ lässt mehrere Bedeutungen zu. Welche meinst Du? Und wieso Vorreiterin:S? Nicht dass wir uns wieder missverstehen.

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  6. 27. November 2008, 14:19 Uhr, von Noisa
    0206

    Nein, ich denke das geht zu weit, Ramona. Manches sollte besser nicht ausdiskutiert werden, vor allem nicht in dieser komischen Blogsphäre. Ich wünsche noch einen schönen Tag! Abends guck ich mal bei dem Clement-Posting rein. ;)

    Antworten
  7. 27. November 2008, 14:22 Uhr, von Ramona
    0207

    :-)

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  8. 27. November 2008, 22:02 Uhr, von TM
    0208

    Das muss ich jetzt noch kurz zum Thema loswerden: Ich denke, alle die hier bloggen erkennen die Leistung von MM an, schätzen ihre Beiträge und bewundern sie vielleicht auch. Das ist m.E. absolut gerechtfertigt und in Ordnung, solange das nicht in Einheits-Jasagerei endet.

    Ich sehe genau wie Fabian und Susanne einige Widersprüche. Und obwohl ich den Blog seit langem – aus zeitlichen Gründen allerdings meist nur als stiller Mitleser – verfolge, kann ich MM kaum an definierten Positionen festmachen (Ausnahme: Gender Themen). Vielleicht ist aber genau das von der
    Blogbetreiberin beabsichtigt (?!?). Da ich Menschen mit klaren Standpunkten sehr schätze, hat sich folglich meine persönliche Meinung und Einstellung im Bezug auf MM verändert. Zu lang ist für mich die Liste der Widersprüchlickkeiten mittlerweile: „Paparazzi“ Urlaubsfotos vs. Bildblog Beitrag, Buch schreiben über das Glück der Unerreichbarkeit und sich dann
    Arbeitsunterlagen in den Urlaub nachsenden lassen, Montgomery beraten und andererseits die Journalisten von Gruner & Jahr bedauern, über den roten
    Teppich laufen und dann die anwesenden Fotografen per iphone zurück fotografieren …

    Und ich finde, man sollte dies auch hier im Blog thematisieren dürfen ohne gleich als Königsmörder hingestellt bzw. als selbstgerecht bezeichnet zu werden. Über die Art und Weise des Ausdrucks und der Emotionalität dabei kann man ja streiten.

    Manche Dinge wären vielleicht auch nicht so ausgeartet, hätte die
    Blogbetreiberin sich in die jeweilige Diskussion mit eingeschaltet (und ich
    meine damit nicht gerechtfertigt!!!). Statt den aufkommenden Fragen dann argumentativ zu begegnen, wird meist als „Konfliktlösung“ schlicht ein neues Posting veröffentlicht. Und einen bereits veröffentlichten Kommentar dann im Nachhinein abzuändern, finde ich – mit Verlaub – einer Journalistin und Professorin für Corporate Communication unwürdig.

    Antworten
  9. 27. November 2008, 23:16 Uhr, von Noisa
    0209

    „…solange das nicht in Einheits-Jasagerei endet.“ @TM, ja, aber wer macht das denn `hier´?

    Wer kommentiert `hier´ überhaupt die Postings?
    Wie wird kommentiert und was wird kommuniziert?

    Die Frage des `Wer?´ finde ich durchaus berechtigt. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich manche Dinge nicht zur Zufriedenheit der Blogteilnehmer und/oder Leser lösen. Die hier eingestellten Kommentare sind i.d.R. anonym. Wieviele reale Menschen sich hinter den hier auftauchenden Pseudo-Namen verbergen, kann der `normale Leser´ nicht wissen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Blogbetreiberin mitbloggt.

    Ein Blog ist für mich nach wie vor ein merkwürdiges Kommunikationsmittel. Die Verhaltensweisen `hier´ widersprechen denen im RL häufig. Ich gebe zu, dass ich auch schon herumexperimentiert habe (Beispiel: `Inge´), um durch Handeln (Provokationen) Reaktionen hervorzurufen. Ich würde weniger von Social Web bezogen auf Blogs sprechen. Manchmal fällt mir eher das unpflegliche Wort `asozial´ ein und zwar deshalb:

    1. Es gibt hier durchaus vereinzelt Blogger, die die Blogbetreiberin nur mal eben schnell kritisieren und dann wieder `weg´ sind.
    2. Die BloggerInnen selbst gehen nicht immer auf Kommentare von Blogteilnehmern ein, obwohl sie teilweise direkt über @ angesprochen wurden.
    3. Ich finde es von manchen Bloggern überheblich, ein hohes Niveau einzufordern, wenn sie es a) selbst nicht durchweg einhalten können und b) weil es m. E. keine `Auslese´ in Online-Communities als auch im RL geben darf. c) Anderenfalls sollte der Benutzerkreis im Web auf registrierte Benutzer beschränkt werden, was auch ok wäre.
    4. Der Blogteilnehmer ist Gast im Blog. Es dürfte schon Mühe bereiten, einen Blog zu betreiben, Kontakte freizuschalten als auch die Kommentare zu `überwachen´. Die Anspruchshaltung des einzelnen Blogteilnehmers sollte nicht zu hoch sein – immerhin handelt es sich um ein Gratisangebot.

    Die negativen Verhaltensweisen im Blog haben m. E. auch Einfluss auf den Inhalt, der kommuniziert wird. Das, was im normalen Gespräch an Inhalten und auch Kritiken in den Raum geworfen wird, geht im Blog manchmal unter (s. 1. bis 4.)

    Ich persönlich finde die Postings inspirierend, durch den Austausch mit anderen – auch mit den Einschränkungen unter 1. bis 4. – befasst man sich vertiefend mit den einzelnen Themen. Alles andere was im richtigen Leben als sozial, als menschlich gewertet wird, kann in dieser virtuellen Kunstwelt keinen echten Bestand haben, solange man sich als anonymisierte Menschen `begegnet´.

    Ein Blog ist nicht geeignet, um Menschen, eben auch den oder die Blogbetreiberin als auch die Teilnehmer fair zu kritisieren. Es ist einfach, jemandem etwas vor die Füße zu knallen und sich dann zurückzuziehen oder noch einen draufzusetzen. Ich denke, es wäre nicht verkehrt, wenn die `Erwartungshaltung´ runtergeschraubt wird, ein Blog vielleicht als informative Unterhaltung angesehen wird.

    Antworten
  10. 28. November 2008, 8:16 Uhr, von Dowanda
    0210

    @noisa
    Ich denke mir das Gesprächskultur im Blog nicht viel anders als in real.
    Teilweise habe ich das Gefühle Gespräche mit realen Menschen sind, je nach Konstellation der Gruppe und Präsenz der Einzelnen, ein Aneinanderreihen von Monologen.
    Einer der Klassiker: Jemand wird gefragt, wie sein Urlaub ihm gefallen hat. Daraufhin setzt dieser zum ersten Satz an, er verwendet ein Stichwort … und schon setzt die fragende Person ein und textet den armen „Jemand“ mit eigenen Urlaubserlebnissen zu. Ich bin in so einer Situation schon mal auf dem Absatz umgekehrt und gegangen.

    Antworten
  11. 28. November 2008, 8:47 Uhr, von Noisa
    0211

    Ja, im Realen gibt es oft überflüssige Gespäche bzw. hier ja eher einen unerwünschten Monolog, @Dowanda. Aber der andere Gesprächspartner hätte noch die Möglichkeit gehabt, auf Deine Reaktion zu reagieren.

    „Wie geht´s?“ wird standartmäßig von vielen abgespult, ohne sich wirklich zu interessieren.

    Dennoch denke ich, dass ein Blog nicht geeignet ist, jemanden fair (!) zu kritisieren, solange derjenige, der kritisiert anonym ist und/oder sich ggf. – nachdem die Kritik abgeladen wurde – einfach zurückzieht.

    Antworten
  12. 28. November 2008, 9:10 Uhr, von Dowanda
    0212

    @noisa
    Im konkreten Fall war es nicht das erste Mal :-) Ansonsten bin ich nicht so militant *smile*

    Irgendwo, ich glaub es war sogar „Verstehen Sie Spass?“ wurde mit der Frage „Wie gehts?“ sogar mal ein Sketch getrieben in dem der Gefragte daraufhin anfing den Fragenden zuzutexten. Auch wenn die Situation überspitzt war, interessant wars trotzdem.

    Ich denke, es ist hier schwer fair zu kritisieren. Noch schwerer als sonst.
    Auch weil man nicht weiss mit welchem Nick derjenige wiedergeboren wird.

    Antworten
  13. 28. November 2008, 9:55 Uhr, von Ramona
    0213

    @Noisa und @Dowanda,
    ich bin der Meinung, auch wenn die Personen hier anonym bleiben, Kritik ja, unbedingt, aber bitte sachlich. Außerdem, so anonym sind die Personen (wurscht unter welchem Namen), mit denen man sich hier über einen doch längeren Zeitraum austauscht, dann doch irgendwie nicht mehr.
    Aber wenn dabei, wie hier geschehen, der Respekt vor dem Anderen völlig ausgeblendet wird oder gar Beleidigungen gegenüber des Blogbetreibers und den anderen Mitbloggern abgesondert werden, hört der Spaß einfach auf. Das hatte mit Kritik nichts mehr zu tun, das hat mich so fassungslos gemacht. Das Ganze war einfach unqualifiziert und undiskutabel.

    Ich hoffe nur, dass @Susanne hier nicht verloren geht.

    Antworten
  14. 28. November 2008, 9:57 Uhr, von Dowanda
    0214

    @Ramona
    Bin fast voll und ganz bei Dir.

    Ausser: Es ist mir egal wer verloren geht und wer nicht. Reisende soll man nicht aufhalten.

    Antworten
  15. 28. November 2008, 10:00 Uhr, von Noisa
    0215

    D’accord, @Dowanda, @Ramona.

    Antworten
  16. 28. November 2008, 10:30 Uhr, von Ramona
    0216

    Ok, @Dowanda ich gebe zu, ich mag @Susannes kritische Gedanken, aber das ist meine persönliche Meinung.

    Antworten
  17. 28. November 2008, 10:33 Uhr, von Dowanda
    0217

    @Ramona
    Du hast mich missverstanden. Es geht mir nicht um konkrete Personen. Das war eine generelle Aussage.

    Antworten
  18. 28. November 2008, 10:46 Uhr, von Ramona
    0218

    i. O.:-)

    Antworten
  19. 28. November 2008, 14:44 Uhr, von Triple-A
    0219

    „das engagement internationaler finanzinvestoren hat mit dem, was hier geschieht, nunmal nichts zu tun. es ist eben ein traditioneller deutscher verlag, der zu solchen maßnahmen greift, nicht die heuschrecke von übersee.“

    @MM
    Seit wann legen Sie so viel Wert auf die Unterscheidung zwischen einer „heuschrecke von übersee“ und einem „traditionellen deutschen verlag“?

    aus „The Local or the Locust“
    Medienfusionen aus internationaler Sicht
    Tutzinger Medientagen 2006 – Prof. Dr. Miriam Meckel:

    „Wenn wir also von Heuschreckenschwärmen sprechen wollen, so sind diese Heuschrecken auf den Wegstrecken der Globalisierung jedenfalls in beiden Richtungen unterwegs. Der globale Kapitalmarkt-Kapitalismus ist eine Zweibahnstrasse, auf der Verkehrsregelungen – wenn sie überhaupt funktionieren können – jedenfalls für beide Richtungen gelten müssen.
    Niemand wird bereit sein, in einer Richtung auf Dauer an der roten Ampel zu stehen, während diejenigen, die aus der anderen Richtung kommen, ständig grün haben. Das aber genau ist die Grundrichtung einer Debatte, die wir in Deutschland immer wieder führen, wenn es um Beteiligungen an deutschen Medienunternehmen geht. Wir bei denen: gerne! Die bei uns: keinesfalls!“

    „Auch im Zeitungssektor gibt es eine Reihe von internationalen Beteiligungsstrukturen, die der Erwähnung wert sind, um die „Ausländer-Debatte“ vom Kopf auf die Füsse zu stellen. Beschwingt durch die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nach dem Fall der Mauer hat sich eine Reihe von deutschen Verlagen in Mittel- und Osteuropa egagiert. Springer, die WAZ-Gruppe … sind seit Jahren im Ausland aktiv“

    Zitat Ende

    Zu G+J
    1978 beginnt Gruner + Jahr als erster Verlag Deutschlands, Zukäufe im europäischen und internationalen Ausland zu tätigen. In den nächsten zwanzig Jahren werden sowohl Verlage in Frankreich, den Vereinigen Staaten und Spanien übernommen …
    Quelle: Wikipedia

    Auf der HP von G+J findet man eine Auflistung der Auslandsbeteiligungen von G+J.

    Antworten
  20. 29. November 2008, 15:29 Uhr, von Mesm
    0220

    An illustration of the lifespan of a MM-posting and a tribute to all bloggers, I wish everyone a lovely and spiritually wholesome Saturday :-))

    …..just sing along, I promise it makes the sky turn blue and puts a smile on your face….“Me-me-me-me-me-me-me-me? after all it is “The ode to joy?…. ;-))

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2017