MM_Churchill
Zu den Kommentaren
7. Dezember 2008, 10:24 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Advent, Advent, was Zeit erkennt … (7)

Zuvielisation

Wenn in diesen Tagen im Restaurant ein Amerikaner an den Tisch tritt und sagt: “Was machen Sie hier? Warum geben Sie Geld aus? Wissen Sie nicht, wie schlimm es wird? Diese Krise ist noch nicht zu Ende, sie hat gerade erst begonnen!”, dann ist das Thomas Friedman, populärer Kolumnist der New York Times, der versucht, andere Menschen auf Verzicht einzustellen. Er sieht unsere Gesellschaft auf “code red”. Wir müssen zurückdrehen, wenn wir nicht durchdrehen wollen.

Kommt nach uns die erste “Generation Minus”? Das Schweizer Gottlieb-Duttweiler-Institut ist davon überzeugt. Wir sind auf dem Weg in ein “age of less”. Vorbei ist es mit der Zuviliesation, wir haben sie überstrapaziert. Kaufen, gebrauchen, wegwerfen wird zum Dreiklang der Vergangenheit. Und mit ihm wird auch der Konsument abgelöst. An seine Stelle tritt der Investor, der auch die Anschaffung von Alltagsgütern unter langfristigen Investitionsgesichtspunkten erwägt.

Das alles steht im Widerspruch zur großen Zahl der Wirtschafts- und Konjunkturexperten, die Konsum zur gesellschaftlichen Verpflichtung erklären und die Menschen notfalls mit Gutscheinen in die Warenhäuser treiben wollen. Aber es ist ja nicht der einzige fundamentale Widerspruch dieser Zeit …

ADvent 7: Gebrauchen unterscheidet sich von verbrauchen quantitativ durch einen Buchstaben. Es ist einer weniger.

53 Reaktionen

  1. 7. Dezember 2008, 11:27 Uhr, von birgit
    01

    Zwei meiner englischen Lieblingsbegriffe sind “Against throwawayism” und “deaccessorizing”.
    Einen schönen zweiten Advent allerseits! Und haben Sie Dank für den tollen Adventskalender, eine Optimierung der Weihnachtszeit…:-)

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  2. 7. Dezember 2008, 11:28 Uhr, von Enya
    02

    “Weniger ist manchmal mehr!” sagt ein altes Sprichwort.

    Wenn das quantitative Konsumdenken der nächsten Generation in mehr Qualität im Konsum und in der Lebensfreude umschlägt, würden sich einige “fundamentale Widersprüche” unserer Zeit in Luft auflösen.

    Noch ein Sprichwort: “Die Hoffnung stirbt zuletzt…”

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  3. 7. Dezember 2008, 11:30 Uhr, von Steffi
    03

    Brauchen wir nicht eine richtige Balance zwischen Gebrauchen und Verbrauchen?Zwischen immer was Neues haben wollen und einem Entrümpeln?

    Ihr Beitrag stimmt mich am heutigen 2. Advent nachdenklich. Danke!

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  4. 7. Dezember 2008, 11:46 Uhr, von Anja
    04

    Zivielisation – schöner und absolut passender Ausdruck für den Zustand unserer Gesellschaft.
    Für mich gibt es ein bestimmtes Konsumgut, das könnte als Synonym für dieses Verhalten stehen, nämlich die WEGWERFKAMERA!! Symptomatisch für unseren Zeitgeist.

    Ich bin auch der Meinung, dass wir auf dem schnellen und direkten Weg ins “Age of less” sind.
    Gerade in diesen Tagen frage ich mich oft, wie meine Neffen und Nichten die Zukunft erleben werden.
    Sie werden anders leben, als wir momentan, aber unbedingt schlechter?

    Manchmal bin ich schockiert, wie extrem man selber in dieser Zuvielisation lebt und dadurch eher negative Auswirkungen zu spüren bekommt.
    Z.B. wollte ich gerade im Arbeitszimmer das Radio einschalten. Da ich mit einem Technikfreak zusammenlebe, gar nicht so einfach.
    Hier sind soviele andere Geräte zwischengeschaltet, dass ich den eigentlichen Powerknopf nicht zurückverfolgen konnte. Ich musste mir das Badezimmerradio holen, vielleicht ist der Klang nicht ganz so optimal, aber ich höre wenigstens was.
    Weniger ist manchmal mehr…, wie wahr!

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  5. 7. Dezember 2008, 11:59 Uhr, von Janna
    05

    passen dazu heute auf SPON der Artikel über die “Illuminationsapokalypse” in diesen Tagen in Amerika. Ein schönes Wort, dass diesen perversen Weihnachtslichterwahnsinn treffend umschreibt. Anstatt 5000 Glühbirnen anzuwerfen, einfach mal 5 Kerzen anmachen. Ist schöner, gemütlicher und spart ordentlich Energie.
    Aber solche merkwürdigen Bräuche werden wahrscheinlich bis in alle Ewigkeiten überleben.

    Antworten
  6. 7. Dezember 2008, 12:09 Uhr, von Noisa
    06

    Wieder ein gutes Posting!

    Das “Zeitalter des Weniger” muss dauerhaft nicht schlechter sein.

    In der modernen Gestaltung (Architektur, Design) ist die Reduzierung auf das Wesentliche, auf den Kern einer Sache zum Prinzip geworden, welches oft zu einem besseren Ergebnis führt als die Überfrachtung mit unspezifischem Beiwerk.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Weniger_ist_mehr

    Unsere Konsumgesellschaft wurde schon vor der Finanzkrise kritisiert. Ganz interessant finde ich die Gedanken `Vom Konsumismus zur „Freiwilligen Einfachheit“´ von Burkhard Bierhoff, die ich immer gerne verlinke: (www.umweltdebatte.de/bierhoff.htm)

    Die Industrie verkauft uns Produkte mit einer kurzen Haltbarkeit. In der vergangenen Woche ist der dritte Laserdrucker an meinem Arbeitsplatz kaputt gegangen. Würde ich den Drucker in die Werkstatt bringen, müsste ich mir wieder anhören, dass es kein Garantiefall ist, weil ich zu viel drucke und der normale Verschleiß nicht damit umfasst ist. Der Einbau einer Trommel kostet so viel wie ein neuer Drucker! Also darf wieder irgendwann ein Elektroteil entsorgt werden und auf so einem Müllberg landen wie oben auf dem Foto. Ich will das gar nicht. Ich würde viel lieber Produkte kaufen, die qualitativ hochwertiger und langlebiger sind.

    Vor Jahren fing Audi damit an, die Karosserien der Pkw zu verzinken. Die Galvanisierung von Produkten ist ein altes Handwerk. Es wäre schon viel früher möglich gewesen, Karosserien zu verzinken, um ein Verrosten zu vermeiden. Auch wäre es viel früher möglich gewesen, umweltfreundlichere, spritsparendere Fahrzeuge zu bauen.

    Jetzt ist der Druck da. Das Konsumentenverhalten hat sich schlagartig geändert. Jetzt muss die Industrie reagieren, um ihre Marktposition halten zu können.

    Was wird passieren?

    Ich vermute, dass die Konjunkturprogramme nur einen Tropfen auf dem heißen Stein sein werden. Der Gesetzgeber muss die Entwicklung und den Absatz innovativer Technologien fördern. Konzerne werden sich womöglich zusammenschließen, ggf. fusionieren und ökologischere Produkte gemeinsam entwickeln. Vielleicht werden beispielsweise Geschäftszweige von Opel von einem anderen Automobilhersteller in den kommenden Jahren übernommen und die Produktion vieler Fahrzeuge eingestellt.

    Im Mittelstand und bei kleinen Betrieben wird es voraussichtlich zu einem Anstieg der Insolvenzverfahren kommen. Dann würde versucht werden, die Betriebe (teilweise) fortzuführen, auf Dritte zu übertragen. „Gesunde Betriebsteile“ können erhalten bleiben. Leitende Angestellte werden die Chance nutzen und sich mit anderen in neuen Unternehmen zusammenschließen, um marktgerechte Produkte zu entwickeln und zu produzieren. Hier sollten staatliche Hilfen bereitgestellt werden.

    Ich vermute, dass die Vielfalt des jetzigen Warenangebots abnimmt. Bei Reduzierung der Massenware und wenig Konsum von Qualitätsware reduzieren sich die Müllberge. Dauerhaft könnten Mensch und Umwelt von der Wirtschaftskrise profitieren.

    Die Schicksale einzelner Menschen, insbesondere der betroffenen Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz verlieren, müssen abgefangen werden. Hier muss in Bildung investiert werden.

    Die Idee von Obama, Arbeitsplätze im Bereich der Verbesserung und des Ausbaus der Infrastruktur, der öffentlichen Gebäude zu schaffen, könnte in Europa auch zum Erfolg führen. Von den Entlassungen in Deutschland werden zu einen hohen Anteil vermutlich gewerbliche Leiharbeitnehmer und angestellte Produktionsmitarbeiter fallen. Zu sozial vernünftigen Bedingungen könnte die öffentliche Hand Arbeitsplätze schaffen. Eine bessere Infrastruktur kurbelt mittelbar die Konjunktur an. Asbestverseuchte Schulen und sonstige öffentliche, sanierungsbedürftige Gebäude würde es dann auch nicht mehr geben.

    Das Gesundheitswesen muss ebenfalls reformiert werden…

    Wenn ich das noch kurz erwähnen darf: Ich vermisse bei unseren Politikern den sog. „kühlen Kopf“. Steinbrück und Merkel wirken auf mich mit der begonnenen und anstehenden Krisenbewältigung überfordert. Gibt es eigentlich eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe oder einen Ausschuss, der sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise intensiv befasst? Oder werden die Kompetenzen derzeit zwischen Steinbrück und Glos, die beide nicht brillieren, hin und hergeschoben?

    Antworten
  7. 7. Dezember 2008, 12:10 Uhr, von Elcano
    07

    Ich glaube auch, dass künftige Generationen sich werden einschränken müssen. Ich bezweifle aber, dass sie das als mehr Lebensqualität empfinden werden; sehr wahrscheinlich wird das 20./21. Jahrhundert als die ‘Zeit der Verschwendung’ in die Geschichtsbücher eingehen und mit ziemlicher Wut betrachtet werden.

    Allerdings ist das Konsumverhalten in der westlichen Welt heute wirklich schauderhaft; so betrachtet kann es nicht schaden, wenn das demnächst nicht mehr möglich ist.

    Antworten
  8. 7. Dezember 2008, 12:11 Uhr, von Lyiandra
    08

    Heute bei Anne Will: Mehr Geld für alle – schöne Bescherung gegen die Krisenangst

    Antworten
  9. 7. Dezember 2008, 12:34 Uhr, von Ramona
    09

    Als ich gestern Abend in der Innenstadt war, hatte ich nicht den Eindruck, dass die Menschen ihre Bedürfnisse zurückschrauben. Ich hatte eher den Eindruck, es wird gekauft nach dem Motto, jetzt erst recht. Die Geschäfte waren voll und es wurden volle Einkaufstüten geschleppt. Vielleicht ist das auch eine Art, der Verarbeitung der Negativmeldungen der letzten Wochen.
    Im Moment spüren die Meisten die Krise in ihrem Geldbeutel noch nicht.
    @Tanja und @Noisa,
    Ihr habt Recht, dieses freche Gedicht ist von Oliver Kalkofe. Ich hab da noch eins in meiner Sammlung, das beginnt:
    Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehn,
    ich hab’s überfahren, es war ein Versehn,……….
    Aber das ist so böse, das kann man hier nicht veröffentlichen:-)

    Antworten
  10. 7. Dezember 2008, 12:37 Uhr, von Noisa
    010

    (@Ramona, unter dem virtuellen Türchen 6 habe ich kurz geantwortet. Böse, böse… )

    Antworten
  11. 7. Dezember 2008, 12:42 Uhr, von Ramona
    011

    Huch, ja ich hab’s zu spät gesehen. Ich hatte ein kleines Sendeproblem und dachte, meine Antwort wäre nicht weggegangen @Noisa.

    Antworten
  12. 7. Dezember 2008, 13:21 Uhr, von g.d.
    012

    Veränderte Kindheit

    Kindheit ist heute bei uns häufig bestimmt durch einen Mangel an wirklich frei verfügbarer Zeit und durch ständige Konfrontation mit den Produkten der Konsumgüterindustrie.
    Wenn ich an meine eigene Kindheit zurückdenke, stellen ich fest, es hat sich viel verändert:
    Fußballspielen auf der Straße

    Abenteuer im Wald erleben

    unverabredete, spontane Treffen mit Kindern jeder Altersstufe waren möglich

    etc…

    Durch falsches Konsumverhalten werden die Kinder durch vorgegebenes Spielzeug überschüttet, dadurch verarmen die Sinne. Die Wertschätzung geht verloren – “Wegwerfgesellschaftâ€?

    Werbung beeinflusst das Konsumverhalten.

    Kindheitserfahrungen prägen und man lebt und gibt sie unbewußt weiter.

    Es ist so schwierig aus diesem (Teufels-)Kreislauf rauszubrechen.

    Antworten
  13. 7. Dezember 2008, 13:44 Uhr, von Anja
    013

    “Auch wäre es viel früher möglich gewesen, umweltfreundlichere, spritsparendere Fahrzeuge zu bauen.” Ja, sehe ich auch so, @ Noisa.
    Kurzfristiger Profit stand aber im Vordergrund, nicht langfristige Investitionen in die Zukunft.
    Jetzt will die Autoindustrie Subventionen vom Staat, um schadstoffarme Autos zu entwickeln. Wir würden somit also für die Verantwortungslosigkeit der Industrie zahlen, das finde ich schon ganz schön zynisch.

    Momentan gibt es soviele Aufreger, wie z.B. die Diskussion über Konsumgutscheine. Es gab Zeiten, da waren Menschen auf Essensmarken angewiesen, um ihr Überleben zu sichern. Und heute reden tatsächlich Politiker über Konsumgutscheine, die einzig und allein darauf abzielen, dass wir wie Roboter in die Geschäfte rennen und überflüssige Dinge kaufen. Da schwillt mir der Hals und das passiert eigentlich nicht schnell.
    Beruhigend finde ich allerdings, dass diese Gutscheine laut Umfragen in der Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt werden.
    Dazu passend ein Auszug aus dem Posting AD1:

    Antworten
  14. 7. Dezember 2008, 13:46 Uhr, von Anja
    014

    na, da fehlt wieder was:
    den Auszug aus AD1 meinte ich:

    Das Volk kann klug sein und in der Lage, die ökonomischen Voraussetzungen und Folgen politischer Populärentscheidungen sorgsam abzuwägen

    Antworten
  15. 7. Dezember 2008, 13:59 Uhr, von Ramona
    015

    @Noisa und @Anja hier zu Thema “Kühler Kopf” unserer Politiker, ein Komentar aus der Leipziger Volkszeitung. Treffender kann man dieses ‘Treiben’ nicht beschreiben:

    Regierung als Unsicherheitsfaktor

    Die tun ja doch einiges. Zwölf Milliarden Euro für Steuer- und Investitionsanreize; ein historisch niedriger Arbeitslosenversicherungsbeitrag; eine neue Erbschaftssteuer, über die sich Familienunternehmen freuen können; Rechtsanspruch auf Hauptschulabschluss, zum Nutzen der langzeitarbeitslos Abgehängten; Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger; 2,5 Milliarden Euro mehr für Familienleistungen – die noch ausstehende Finanz-Vermittlung zwischen Bund und Ländern ist nur noch eine Frage der Zeit.
    Weil der Bundesrat sich im Wesentlichen nicht auf kleinliches Taktieren eingelassen hat, sind an einem Tag so viele Signale des Ansporns und der Unterstützung ausgesandt worden, wie in normalen Zeiten allenfalls in einem halben Jahr mühsamer Tagesarbeit. Das ist ein Beleg dafür, dass man viel bewegen kann, wenn man nur will.
    Trotzdem macht die Politik nicht den Eindruck, sie kämpfe um den besten Weg zur Krisenabwehr. Viele Verantwortliche streiten zu viel mit sich selbst, auch um des parteitaktischen Vorteils willen. Eine Regierung, die nicht weiß, was sie wollen soll – bestes Negativbeispiel ist die verwirrende Debatte um Konsumgutscheine – wirkt zwangsläufig als Unsicherheitsfaktor. Im Vergleich dazu bewahrt der Bürger noch erstaunlich viel Gelassenheit. Die Konjunktureinbrüche rücken gefährlich nahe, die Bundesbank sagt den größten Wachstumsabsturz seit 1993 voraus. Dabei gehören diese Banker noch nicht einmal zu den größten Schwarzmalern. Keiner kann heute verlässlich vorhersagen, wie hoch die Welle sein wird, die im Zuge der miesen Situation auf dem Finanz- und Wirtschaftsmarkt in den kommenden Monaten über die Republik hinwegschwappen wird. Deshalb sollten die Regierenden wenigstens das Quatschen und Taktieren sein lassen

    Dieter Wonka, LVZ 6./7. Dez. 2008

    Antworten
  16. 7. Dezember 2008, 14:43 Uhr, von Noisa
    016

    @Ramona, ja, ein wenig machen die Politiker was. Es ist auch fast schon Wahlkampf.

    Die Kalkulationsgrundlage stimmt nur nicht. Im Bundeshaushalt 2009 geht man von einem Wachstum von 0,2% aus, obwohl sämtliche Wirtschaftsdaten für eine Rezession sprechen. Selbst die Kanzlerin hält 2009 für ein schlechtes Wirtschaftsjahr.

    Diese `Milchmädchenrechnung Bundeshaushalt 2009´ kann nicht aufgehen. Als Bürgerin kann ich erwarten, dass die den Ausgaben zugrunde liegende Kalkulation korrekt ist! Stattdessen wird auch die Neuverschuldung schön gerechnet. Ebenso schön gerechnet waren die Zahlen der IKB, der HRE und der Bayerischen Landesbank. Im zweiten Anlauf fließen weitere Milliardenbeträge oder es werden Garantien übernommen, weil mit der Bezuschussung von (maroden) Banken begonnen wurde, der Streifen durchgezogen werden muss – sonst würde man sich als Politiker die Blöße geben.

    „Rezession hinterlässt tiefe Spuren im Bundeshaushalt“, Reuters am 21.11.2008: http://tinyurl.com/58q9at

    Antworten
  17. 7. Dezember 2008, 15:21 Uhr, von Ramona
    017

    @Noisa und man denkt ja bereits über die Nachbesserung des gerade erst verabschiedete Konjunkturpakets nach, gegenfinanziert über die Wiedereinführung der Vermögensteuer sowie eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,594825,00.html

    Antworten
  18. 7. Dezember 2008, 15:28 Uhr, von Noisa
    018

    @Ramona, wenn der Spitzensteuersatz erhöht wird, dann wird die Schweiz weiteren Zulauf bekommen. Es soll ja ganz nett dort sein. Die Vermögenssteuer hat sich damals schon nicht gerechnet. Die internen Verwaltungskosten waren bei der Erhebung der Vermögenssteuer viel zu hoch. Für die Steuerberater war es leicht verdientes Geld; für den Fiskus kam kaum was dabei rum. Irgendwann macht es keinen Spaß mehr in Deutschland zu arbeiten, wenn Laien beim Bundeshaushalt herumexperimentieren und sog. Krisenpakete ohne vernünftige Wirkung auf Kosten der Steuerzahler und der kommenden Generationen schnüren.

    Antworten
  19. 7. Dezember 2008, 15:35 Uhr, von Walter
    019

    Unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft des Westens lebt auf Kosten unserer Umwelt und unserer Zukunft auf zu großem Fuß.
    Gut messbar ist unser Umwelt- und Zukunftsverbrauch am ökologischen Fußabdruck, den wir hinterlassen. (tinyurl.com/2lkjh6)
    Wenn es gerecht zuginge wäre unsere Erde zu klein für uns. Unser Lebensstil beruht darauf, dass die überwiegende Mehrzahl der Menschen weitaus weniger verbraucht als wir im Westen.
    Gebrauchen bedeutet auch teilen, die Dinge werden benutzt und dabei in ihrer Bedeutung für die Gemeinschaft auch geachtet.

    Auf einmal erscheint die ‘großartige katholische Tugend des Verzichts’ wieder angemessen: ‘Und zwar in einem säkularen Sinne: die Tugend, dass man mit den Grenzen, die jedem Menschen persönlich gesetzt sind, fertig wird. Was nicht heißt, dass der Einzelne deshalb weniger wert wäre.’

    Ob es der Menschheit als globale Gemeinschaft gelingt, sich wieder auf den Wert der Dinge und die Tugend des Handwerks zu besinnen?
    Wann fangen wir an? Morgen?

    Antworten
  20. 7. Dezember 2008, 15:35 Uhr, von anin
    020

    Der Trend der jüngeren, vielleicht auch ausgebildeteren Generationen nach weniger Materiellem und einer “Reduzierung zum Maximum” in Bezug auf Konsum ist aus meiner Sicht schon seit Jahren erkennbar – und das hat nichts mit irgendwelchen Krisen und vermindertem Einkommen zu tun. Es geht viel mehr um Genuss (oder des Erlernens eines solchen) durch Verzicht (oder eben der Reduktion der Zuvielstation). Leider ist diese Gruppe von Menschen in Deutschland in keiner besonders hohen Zahl vertreten, so dass die öffentliche Wahrnehmung dafür nicht wirklich vorhanden oder auch gewollt ist…

    Antworten
  21. 7. Dezember 2008, 15:38 Uhr, von Ramona
    021

    Man, wir sind schon wieder beim Thema Krise, ich bekomme auch gleich eine. Da kann ja keine Adventstimmung aufkommen, geschweige weihnachtliche Gefühle.

    Mir ist jetzt grad mal so:
    http://de.youtube.com/watch?v=EkHTsc9PU2A

    Ich brenn mal ein zweites Kerzlein an, mal sehen, was passiert. Übrigens, Glasbroschen @Noisa, neee, ne???

    Antworten
  22. 7. Dezember 2008, 15:38 Uhr, von Walter
    022

    Ein Tipp: Die Zeit- Matinée mit Peer Steinbrück zum Thema Sparen, um 17 Uhr auf Phoenix.

    Antworten
  23. 7. Dezember 2008, 15:44 Uhr, von Walter
    023

    Eine Krise ist auch eine Chance. Es geht weniger darum, uns die Lust am Leben zu vermiesen, als das Leben für mehr Menschen auf Dauer schöner und besser zu machen. So ein großes gemeinsames Projekt der Hoffnung gegen den Frustkonsum. (@Ramona)

    Antworten
  24. 7. Dezember 2008, 15:53 Uhr, von Elcano
    024

    Es fragt sich nur, ob die Krise einem eine Chance lässt. Das kommt natürlich auf die persönliche Situation an.

    Antworten
  25. 7. Dezember 2008, 15:55 Uhr, von Noisa
    025

    @Ramona, ja Glasbroschen. Aber nicht irgendwelche Glasbroschen. Sie wurden aus gefustem Glas hergestellt. Dabei wurden farbige Gläser mit den gleichen Ausdehnungskoeffizienten spannungsfrei zusammen geschmolzen. Yeah! Ich hab auch welche gefertigt. Schade, in Leipzig war die Weihnachtshütte damals nicht, sonst hättest Du Dich bestimmt auch dafür interessiert. ;)

    Antworten
  26. 7. Dezember 2008, 16:18 Uhr, von Jojo
    026

    http://de.youtube.com/watch?v=ORgsstGBWhU
    Soviel zum schönen Advent!

    Genuss bei Kerzenschein

    Antworten
  27. 7. Dezember 2008, 16:26 Uhr, von Ramona
    027

    Ja @Walter, Du hast natürlich recht, man muss das Große, Ganze sehen:-). Übrigens, danke für den Fernsehtipp!

    Hoho @Noisa, der ‘spannungsfreie
    Ausdehnungskoeffizient’, ich bin schwer beeindruckt:-))
    Und glaub mir, ich und Broschen, Du kennst mich nicht. Nie, nie, nie in diesem Leben:-)

    Antworten
  28. 7. Dezember 2008, 16:40 Uhr, von Noisa
    028

    Ok, @Ramona, ich geb ja zu, ich habe sie auch nicht getragen. Die über 50-Jährigen hatten sich mehr für Glasbroschen interessiert (@Dana?). ;)

    Antworten
  29. 7. Dezember 2008, 17:04 Uhr, von vera
    029

    Jetzt scheint der Anlass gerade zu zwingend gegeben, die Konsumgesellschaft in Frage zu stellen. Gut so! Man muss darüber nachdenken, ob ein Wirtschaftssystem, das bei Stagnation droht zusammen zu brechen, das richtige ist.
    Vor ein paar hundert Jahren hätte man wahrscheinlich gar nicht verstanden, warum alle SO auf Wachstum aus sind…

    Antworten
  30. 7. Dezember 2008, 17:55 Uhr, von g.emiks
    030

    ich setze auf mehr sinnsuche und mehr nahverkehr (buxi).

    http://gemiks.twoday.net/20080909

    Antworten
  31. 7. Dezember 2008, 19:28 Uhr, von Ramona
    031

    Ich habe mir ‚Die Zeit- Matinée mit Peer Steinbrück‘ angesehen. Danke nochmals @Walter.
    Ich muss gestehen, dass mir Steinbrücks Ausführungen sehr gut gefallen haben. Auch die Verteidigung seiner Steuerpolitik, erscheint mir schlüssig. Sehr schön seine Seitenhiebe an alle, die stammtischähnlich, auch eigene Parteigenossen/innen, nach Steuersenkungen schreien. Mit besonderem Gruß nach Bayern. Mit Sarkozy scheint ihn ja eine besonders ‚enge Freundschaft’ zu verbinden.
    Das ganze Gespräch war sehr amüsant, ich wusste gar nicht, dass Steinbrück so feinsinnigen Humor besitzt.
    http://www.welt.de/welt_print/article2836178/Frankreich-will-Deutschland-zu-mehr-Konjunkturhilfen-draengen.html

    Antworten
  32. 7. Dezember 2008, 19:36 Uhr, von Mesm
    032

    Welcome to the �Age of Less�!

    Many people buy lots of things they don’t need or they just buy much more than they need. To buy a bag of carrots is easy, but to buy four carrots take much more effort. You might only need four carrots but in order to get them you have to buy a bag containing twenty. You use the four you need, you might use four more, but there is a good chance that the rest is thrown away. Out of twenty carrots only eight are eaten. In my opinion it’s the consumer society in a nutshell.

    I think the story about the auto-executives who flew to Washington in their private jets to ask the government for help to save their businesses are quite sobering. What were they thinking? And what kind of strange un-real world do they live in, where that kind of behaviour is just business-as-usual. For a fairly ordinary citizen it is hard to imagine that kind of lifestyle.

    In a way this financial crisis is like a nightmare we all hope to wake up from soon. And it seems like it all comes back to “the good old human greed�, a phenomena that we have debated more that once on this blog.

    To end this posting with at least a little Christmas spirit, I thought of this…it’s still a nightmare but only “A Nightmare before Christmas� ;-)

    Antworten
  33. 7. Dezember 2008, 20:03 Uhr, von Walter
    033

    Es fragt sich nur, ob die Krise einem eine Chance lässt. Das kommt natürlich auf die persönliche Situation an.
    (Geschrieben von Elcano am 7. Dezember 2008 um 15:53 Uhr)

    - Ja, auch das. Zynisch war es nicht gemeint, Elcano.

    Die Krise geht auf unsere Rechnung, der USA, Europas. “Consumer Confusion” ist eines der Stichworte in dieser Sinnkrise durch Überforderung.
    Die Tendenz geht hin zur Wahrnehmung des Menschen mit seinen Grundbedürfnissen nach “Angemessenheit, Authentizität und Wert”. Damit weg vom Verbrauch der Dinge als Ware hin zum persönlich gesehenen Gebrauchswert. Ob es “Kathedralen des Kommerzes” als spezialisierte Warenhäuser mit “Luxus als Kerngeschäft” sein müssen, möchte ich bezweifeln. Aber für uns ‘Gebraucher’ ist es sinnvoller, wenn wir den Wert der Dinge bestimmen und nicht die Werbung.

    Antworten
  34. 7. Dezember 2008, 21:21 Uhr, von Dana
    034

    Ja, die Wegwerfgesellschaft.
    Kaufen, gebrauchen, wegwerfen.
    Was wird alles weggeworfen?
    Gegenstände, Werte, Menschen und die Moral.

    Die Wirtschafts- und Konjunkturexperten.
    10 Beteiligte und im Extremfall 10 verschiedene Meinungen. Hinderlich für eine vernünftige Meinungsbildung sind zum einen die Lobbyisten und zum anderen die anstehenden Wahlen im Jahr 2009.

    Die geplante Austeilung von Gutscheinen ist ein “Treppenwitz” und zeigt gleichzeitig die Hilflosigkeit der Verantwortlichen.

    @Noisa, als Mode- und Schmuckmuffel bin ich nicht die richtige Ansprechpartnerin für den Kauf von Glasbroschen. :-)

    Antworten
  35. 7. Dezember 2008, 21:21 Uhr, von Mesm
    035

    “The buy nothing dayâ€? – how about that?

    And then of course; Christmas tune – day 7 – its such a shame I didn’t find these three “Weihnachtsfrauen� the other day but better late than never ;-))

    Antworten
  36. 7. Dezember 2008, 21:45 Uhr, von Noisa
    036

    @Dana, Du bringst es thematisch in Deinen ersten 3 Absätzen auf den Punkt.

    Was Du im 4. Absatz schreibst, ist auch ok. Ich würde `hier´ auch keine Glasbroschen verkaufen wollen. ;)

    So, jetzt gehe ich hier dem 1. Fernseh-Tipp nach.

    Antworten
  37. 7. Dezember 2008, 22:41 Uhr, von miriam
    037

    qualitativ unterscheidet sich von quantitativ quantitativ auch um einen buchstaben

    Antworten
  38. 7. Dezember 2008, 22:52 Uhr, von Mesm
    038

    So does saving and craving :-)

    Antworten
  39. 7. Dezember 2008, 22:57 Uhr, von Liesel
    039

    :-))

    Antworten
  40. 7. Dezember 2008, 23:00 Uhr, von miriam
    040

    yes:), but as we shouldn’t trust quantity…

    Antworten
  41. 7. Dezember 2008, 23:03 Uhr, von ally
    041

    Konsum ist das einzig Richtige in der Wirtschaftskrise. Fragt sich nur, wer sich das noch wie lange leisten kann…
    Ich habe gestern konsumiert, richtig gut. Habe mich beschenkt….für die nächsten drei Jahre. Also an mir liegt’s nicht…
    grins…
    und zum Skifahren geht’s auch!!!!!Obwohl die Russen ja schon die Suiten in St. Moritz stornieren…

    lieben Gruss in die Nacht hinein.

    Konsum jetzt, bevor vor zum Verzicht gezwungen werden.
    ally

    Antworten
  42. 7. Dezember 2008, 23:34 Uhr, von miriam
    042

    skiurlaub ist super! aber nicht zu vergessen ist auch, dass das Bevor für viele ja schon passé ist, wenn es denn für sie überhaupt existiert hat.

    Antworten
  43. 7. Dezember 2008, 23:45 Uhr, von Martina
    043

    Buonanotte a tutti.

    Antworten
  44. 7. Dezember 2008, 23:58 Uhr, von Noisa
    044

    Danke, das darf ich ebenso allen wünschen.

    Antworten
  45. 8. Dezember 2008, 0:04 Uhr, von Mesm
    045

    Okay, lets try it in Danish too :-))

    Godnat, tak for idag og sov godt…

    Antworten
  46. 8. Dezember 2008, 0:08 Uhr, von miriam
    046

    good night, hope the bad bucks won’t bite!

    Antworten
  47. 8. Dezember 2008, 8:56 Uhr, von St
    047

    Zum Konsumieren und zwar mehr und mehr, fällt mir ja diese “geniale” Idee ein.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,593159,00.html

    es wird in der Tat immer schlimmer :-)

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  48. 8. Dezember 2008, 9:43 Uhr, von Ramona
    048

    Von Verzicht und Rückbesinnung keine Spur. Diese Meldung des Einzelhandels spricht für sich:

    http://www.n-tv.de/1064877.html

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  49. 8. Dezember 2008, 10:48 Uhr, von julia
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    In der SZ am Wochenende gab es einen sehr zynisch aber gut geschriebenen Artikel “Anti-Terror Einheit” der besagt, dass die Deutschen derzeit sehr viel Kraft darauf aufwenden sich von den Katastrophenmeldungen über Klima, Finanzen und Deutscher Fernsehpreis nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

    Interessant an der Definition von Zivilisation finde ich die deutsche Unterscheidung zwischen Kultur (dem Wahren, Schönen und Guten) und Zivilisation (Vernunft, Intellekt und Technischen Fortschritt).
    Ausschnitt aus Wikipedia: „Zivilisation“ bedeutet also für Kant, dass sich die Menschen zwar zu einem artigen Miteinander erziehen, Manieren zulegen und ihren Alltag bequem und praktisch einzurichten wissen und dass sie vielleicht durch Wissenschaft und Technik Fahrzeuge, Krankenhäuser und Kühlschränke hervorbringen. All dies reicht jedoch noch nicht dafür, dass sie „Kultur haben“, wenngleich es der Kultur dienen könnte. Denn als Bedingung für Kultur gilt Kant die „Idee der Moralität“ (der kategorische Imperativ), d.h. dass die Menschen ihre Handlungen bewusst auf an sich gute Zwecke einrichten.

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  50. 8. Dezember 2008, 11:25 Uhr, von Walter
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    Ist Konsum dann ein Zweck oder nicht vielmehr ein Mittel? Zum Erreichen von Glück und Zufriedenheit? Wenn diese Ziele erreicht würden, wäre das Mittel geeignet und würde beitragen zum Guten. Tut es das?
    Oder verfolgen wir unseren Weg zum Glück nicht vielmehr auf Kosten anderer Menschen, die wir über das globale Wirtschaftssystem ausbeuten helfen und ihnen Hunger und Tod bringen, wie jetzt im Kongo, wo auch wegen Coltan getötet wird. Damit wir uns jährlich zu Weihnachten das neueste und tollste Handy schenken können?

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© Miriam Meckel 2002 bis 2012