Stille
Ich fahre Zug. Neuerdings so oft es geht. Ich mag nicht mehr fliegen. Zug fahren ist dann schön, wenn man sich im Sitz einigeln kann, klassische Musik vom iPod in den Ohren, einen Kaffee oder Tee an Bord und genug zu lesen. Dann geht die Reise los – mit dem Körper durch die Welt und dem Kopf auch.
Es gibt Reisen, bei denen man schon im Moment des Einsteigens weiß: sie misslingen. Auf dem Weg von St. Gallen nach München steige ich in den Eurocity, der entgegen sonstiger Erfahrung proppenvoll ist. Ich erreiche meinen reservierten Sitz in einer Vierergruppe, in den schon drei Plätze besetzt sind. Noch bevor ich meinen Rucksack abstellen kann, schallt mir eine Zahlenreihe entgegen: „DREI – SIEBEN – NEUN”.
Nachdem ich mich vom Schreck erholt habe, erkenne ich, dass das Paar am Fenster irgendein seltsames Brettspiel spielt, bei dem es in regelmäßiger Abfolge darum geht, sich verbal eine dreistellige Zahlenreihe entgegenzuschleudern. „FÜNF – ACHT – ZWEI”. Ich balanciere meine Habseligkeiten zwischen Boden, Sitz und Gepäckablage hin und her und sitze schließlich.
Ich würde gerne den Sinn des Spiels verstehen – „VIER – SECHS – DREI” – aber das gelingt mir nicht. Also versuche ich, mich auf meine Zeitung und den Tee zu konzentrieren. „NEUN – EINS – FÜNF”.
Der Mann schleudert die Zahlen in einer Präzision, einer sprachlichen Monotonie und einer administrativen Aggression in das Zugabteil, dass es kaum erträglich ist. Vor meinem inneren Auge erscheint ein Bild. Es ist ein gezirkelter Vorstadtvorgarten, die Rasenkanten mit der Nagelschere geschnitten, auf der Fläche keine Spur von Benutzung, nur ein Schild: „Betreten verboten!” Jede dieser Zahlen ist ein versprachlichter Vorgarten.
Dieser Mann schafft es sogar, mir Angela Hewitt und die Toccatas von Bach zu ruinieren, indem er in jede noch so kleine musikalische Pause eine Zahl abfeuert. „ZWEI – SIEBEN – VIER”.
ADvent 13: Stille Nacht. Wenigstens etwas, wenn die Tage schon immer lauter werden.
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Das ist ein Super Nokia Handy auf dem bild das ich selbst bis letzte woche genutzt habe… das ist Klasse Janna… und außerdem wenn man einen Blog schreibt… hat man immer eine Kamera dabei :-)))
nachtrag… es müsste ein Nokia N95 sein und ein starbacks Kaffee …
auflösung im nächsten beitrag von MM ?
ich dachte, “frau” hätte ein i-phone… allerdings sprach sie auch von Tee, oder 3. Möglichkeit: es ist der Krempel von Nachbarn, der gerade auf der superbequemen Zugtoilette ist….
lach.. das iphone habe ich seit einigen tagen nun und hat mein N 95 abgelöst :-))))
Der Kaffee ist doch eher von der Bahn und kostet unverschämt 2,70€ oder?
…mindestens. Und schmeckt wie frisch vor 3 tagen gekocht…
lach… okay starbucks ist teurer schmeckt besser :-)
…nur leider in schwäbischen Provinznestern selten erhältlich. Mein Heimatbahnhof ist übrigens in der FAZ-Bilderreihe “Deutschlands häßlichste Bahnhöfe” vertreten- das sagt schon alles
ich komme aus Dortmund :-) unser HBF gehört eindeutig dazu :-))))
@Ramona, 17:33 Uhr, Du hast Recht, die quengeligen Kinder können auch ganz schön nerven. Allerdings darf ich mich nicht darüber aufregen, als Kind war ich ganz bestimmt auch so.
Aber jetzt werde ich mal ganz gemein. Ich war nämlich heute auch auf dem Weihnachtsmarkt. Und ich finde, man sollte Kinder anleinen, zumindest wenn man möchte, daß ihnen nichts passiert. Mami und Papi schlendern wunderbar über den Weihnachtsmarkt und ihr Kind rennt, genau, mir vor die Füße. Keine Panik, es ist nichts passiert, aber ich kann doch nicht immer nach unten schauen, ob irgend ein Kind (oder Hund) angerannt kommt ;-)
@Justin, nicht so bescheiden. Aus dem Großraum Dortmund sind gleich mehrere vertreten… :)
lach stimmt… aber man will den dortmunder erneuern… seit jahren aber nun solls losgehen :-)))
ach der Eingang zur der Bahnhofsgastätte in Schwäbisch-Hall sieht doch recht vielversprechend spannend aus..
…abgesehen davon, daß sie seit Ewigkeiten nicht mehr existiert…
In der Gegend fährt man glaube ich nicht wirklich ernsthaft Bahn, oder? Ich musste mal nach Künzelsau (auch umsteigen in Schwäbisch-Hall) fahren und das war echt abenteuerlich wie oft ich umsteigen musste.
Angela Hewitt und die Bach- Toccaten sind nicht wirklich ‘still’. Durch die akustische Isolation der mittels Tragen eines Ohrhörers demonstrierten Verinnerlichung entsteht eine scheinbare Stille im öffentlichen Raum, die sich aus dem weißen Rauschen (tinyurl.com/6zgrok) des privaten Getöses zusammenaddiert.
Stellen wir uns einmal vor, alle Ohrhörergeräusche würden in einem akustischen System zusammengeführt und umgerührt in den Raum geschallt. Das Ergebnis wäre nicht die Stille.
Die Auswahl an ‘Vereinzelnern’ ist beeindruckend- Ausdruck des Individualistischen Konsumverhaltens. Ebenso wenig erstaunlich ist, dass Technik- Freaks Handys durch eine reflektierende hindurch Scheibe erkennen: Ich habe ein Handy, also bin ich.
Das Problem ist doch auch, daß die Bahn ihre eigentlichen Ziele aus dem Auge verloren hat. Früher transportierte sie Menschen und Güter, für welche auch die Strecken gewartet und Züge in Schuß gehalten werden mußten. Heute werden die Züge zu selten gewarten (Stichwort “Überprüfung der Achsen”) und die Strecken über Land sind großenteils stillgelegt, von der Pflege der Bahnhöfe mal abgesehen (siehe auch Bilderserie “die häßlichsten Bahnhöfe in Detuschland”).
Stattdessen werden in der Öffentlichkeit Dinge durchgesetzt, die kein Mensch haben will (der neue Berliner Hauptbahnhof, hier in der Region Stuttgart 21- die komplette Verwandlung des Stuttgarter Hbf vom Kopfbahnhof in einen unterirdischen Superbahnhof oder auch der Börsengang).
Würde die Bahn sich mal wieder mehr um ihre Reisenden kümmern (mehr Züge, weniger Verspätungen, moderatere Fahrpreise), dann könnte man auch laute Mitreisende etwas entspannter in Kauf nehmen.
Anstatt des Börsengangs plädiere ich ja wieder für die Re-Verstaatlichung der Bahn, die Privatisierung hat nur Mist gebracht.
I think I have found the perfect travelling companion for train rides in Germany – Gute Reise :-))
Ich habe folgenden Vorschlag, da mir nach einiger Zeit des Tragens von Ohrstöpseln, die Lauscher weh tun. Das verdirbt mir immer das Musikhören.
http://luclog.blogsome.com/2006/03/04/puschelige-telefone/
Das ist doch wirklich sehr individuell! Stöpsel hat jeder:-D
Ach und pünktlich zum Fest eine ‘Überraschung’ für alle Bahnreisenden:
http://www.faz.net/s/Rub4D8A76D29ABA43699D9E59C0413A582C/Doc~EF858F3E1499E4C1C819E560656722FEC~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed
Zahlenreihen gehen irgendwie noch. Wenn ich an eine Zugfahrt denke, bei welcher in meinem Abteil etliche junge Bundeswehrsoldaten saßen, dann wird mir ganz anders. Alle hatten ihre Stiefel aus. Selbst bei geöffneten Fenstern konnte man gegen den Geruch der dampfenden Wollsocken nichts unternehmen…
Einen Hund raus zu werfen finde ich auch nicht nett. ;)
Na, Leute, schimpft nicht zu sehr auf die europäischen öffentlichen Verkehrsmittel! Ihr solltet einmal sehen, wie sie da sind, wo ich wohne…
Wenn man z.B. Bus fährt, dann kann man nie sicher sein, ob er nicht bald auf der Strecke liegen bleibt – oder ob ein Hinterrad abfällt (schon mehrmals passiert) oder ob vielleicht in einem ungünstigen Moment die Bremsen nicht mehr funktionieren. Züge gibt es schon gar nicht mehr, der letzte wurde vor einigen Jahren nach einem Unfall ausgemustert. Es war übrigens eine holzbefeuerte Lokomotive…
Also 15:12 Uhr ist schon vorbei:-(
Hm, heute kein virtuelles Türchen?
@Noisa, wie wäre es denn mit einem Liedchen, heute zum 3. Advent mal von Dir ausgewählt? Biite,bitte!
Ein Liedchen? Ach, Ramona, ich wäre nach Vivaldi zum Frühstück, zur 3. Kerze nun für flottere Musik. Hier eine Interpretation von Erik Satie (Cafe del Mar):
http://de.youtube.com/watch?v=arDvc4pCoUA
@Ramona, you don’t like my taste in Christmas music :-)))))
Well. I think it’s a great idea to let @Noisa choose one, this is the tunes that I have been posted up till now – so just go ahead, and if you can find something with dancing gnomes, elf’s or other adventures smaller species you will make me very happy ;-))
1. All I want for Christmas is you
2. We wish you a merry Christmas
3. Oh, come all yi faithful
4. Rudolf the red nose reindeer (Spanish dance-version)
5. Stille nacht – heilige nacht (Glade jul)
6. From all of us to all of you
7. The eights day of Christmas
8. I’m dreaming of a white Christmas
9. Hallelujah (Hendels M.)
10. Ave Maria (Bono & Pavarotti)
11. Mary’s Boy Child/Oh My Lord (Boney M)
12. Tuborg commercial
13. Santa Lucia
14. ??
(I can’t watch the link you posted @noisa there is a text telling me that “This video is not available in your country� – sad :-)))
@Noisa, ufff! Ade`schöne Adventstimmung. Aber gut gemacht, nur die Kleine schaut etwas gehetzt und verstört. Vivaldi zu Frühstück, mein lieber man. Vier Jahreszeiten?
@Mesm, I´m very sorry! I like Erik Satie. Try this link to the original one:
http://www.lastfm.de/music/Erik+Satie
I can not hear Christmas music any more. Then rather sad music. :))
Wer eine Reise tut, der kann was erleben und erzählen!
Während ich gestern abend bei winterliche Kälte auf dem Berliner Hauptbahnhof 90 Minuten auf den verspäteten ICE nach Hamburg gewartet habe und den Beitrag gelesen habe, kam bei mir ein wenig Neid auf.
Gerne hätte ich zu diesem Zeitpunkt in einem warmen Zugabteil gesessen.
Das lange Warten wurde mit einem fast leeren Abteil belohnt, so dass ich entspannt Musik hören und lesen konnte.
Dieses bezeichne ich als Luxus.
Auf meiner letzten Reise mit der Bahn hatte ich mir einen Sitzplatz in einem Ruheabteil gebucht, um gemütlich zu lesen.
Doch daraus wurde leider gar nichts, denn eine Schulklasse hatte sich dort ebenfalls niedergelassen und mir jegliche Ruhe genommen.
Fazit:
Mit der Bahn reisen ist entspannend.
Vorausgesetzt alle Mitreisenden haben den gleichen Ansatz die Reise zu gestalten.
@Ramona, nee, Nisi Dominus & Stabat Mater:
de.youtube.com/watch?v=VHJYNYi5N7o
Der 14. ist da!
@Noisa, unglaubliche Stimme!
Countertenor. Mein Fall ist diese Sangeskunst ehrlich gesagt nicht, @Ramona. Ich bevorzuge die Baritonstimme. Ein guter Bekannter von mir war Baritonsänger. Die Stimme faszinierte schon, wenn er sprach…
Ahhhh, @Noisa that was beautiful, thank you!
Besides Garden Gnome songs I actually like classical music a lot, but I am more into opera and orchestral works. (I don’t know if its right word to use, I hope you understand what I mean). I went to se this one last
week it is playing at the Copenhagen opera in very well made production…..
….and now I see we have new posting – busy, busy, busy :-))
..and the link – sorry…
http://de.youtube.com/watch?v=1kPdwwvr0qo
@Noisa viele Mozartarien sind ja für Countertenor geschrieben. Ich hab mir gestern die CD mit Cecilia Bartoli angehört, die auch so komplizierte Verziehrungen aus ihrer Stimme schüttelt. Einfach wunderbar.
Oh ja! Cecilia Bartoli ist wirklich gut. Vielleicht höre ich sie nächste Woche zur 4. Kerze. :)
Hier ein Vorgeschmack:
http://uk.youtube.com/watch?v=Z2bvr_MTpbU
:)
:)
wenn ich an diese mit der Nagelschere geschnittenen Rasen denke schnürt es mir den Hals zu …. arrrggghhhh….