Nebenwirkungen
“Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Einzelhaft vorzuziehen ist”, schrieb einst Karl Kraus. Ich fürchte, diese Erkenntnis ist ihm irgendwann in der Vorweihnachtszeit gekommen und wurde aus Fremd- und Selbstbeobachtung gespeist.
In diesen Tagen fallen uns Menschen seltsame Dinge ein. Zum Beispiel zusammengerottet im Schneetreiben und Regen vor einer Holzbude zu stehen und sich mit süßer heißer Flüssigkeit zuzuschütten, die irgendwann mal ein Speed Date mit einer Flasche Rotwein gehabt haben muss. Diese Form der organisierten Vorweihnachtsfreude muss durch Geschmacklosigkeit, Einsamkeit, ja Verzweiflung getrieben sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Menschen für ein Heißgetränk fast fünf Euro bezahlen, das nach nichts als Zucker schmeckt, den Magen verdirbt und für baldigen Kopfschmerz garantiert.
Vielleicht lässt sich die Attraktivität dieser gruppendynamischen Vorweihnachtsformationen auch psychologisch erklären: In diesen Tagen schwappt das Jahr auf uns zurück – mit all den Erkenntnissen, die sich angesammelt und uns nicht unbedingt glücklicher gemacht haben. Was habe ich wieder alles versäumt in diesem Jahr? Bei wem habe ich mich nicht oder viel zu selten gemeldet? Warum ist mein Schreibtisch am 15. Dezember genauso chaotisch, wie er es schon am ersten Januar desselben Jahres war? Warum werde ich auch in diesem Jahr sicher wieder nicht rechtzeitig mit den ausstehenden Aufgaben fertig, um in Ruhe die paar Tage zwischen Weihnachten und Neujahr zu genießen? Wird es diesmal ein Weihnachtsfest ohne Familienkrach? Seufz … Nie fällt mir das passende Geschenk ein.
War das ein gutes Jahr?
War das ein Jahr?
Jahr, was war DAS denn?
ADvent 15: Der moralische Kater vor dem Jahresendfest ist schlimmer als der durch vorweihnachtliche alkoholische Heißgetränke bedingte. Wegen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Partner und Psychiater. Wenn beide etwas Unterschiedliches antworten, sollten Sie Weihnachten wagen. Die Einzelhaft bleibt ja als Möglichkeit für 2009.







Heiße Bowle? Nee!
eis?
@Hi Ramona, ich sitze in der warmen Stube, lese eure Kommentare, lese Bücher, um schlau zu werden, spiele auf meiner Fender Stratocaster Lyrics von Laura Pausini und Norah Jones, hab’ nichts zu sagen und zu schreiben, weil ihr das so gut macht, trinke k e i n e n Glühwein, schau ab und zu aus dem Fenster und freu mich über Schnee ohne Ende, denk’ an euch, esse Plätzchen (Guezli), trinke Tee, verpacke “Weihnachtsgschänggli”, schreib’, altmodisch, Weihnachtskarten, Weihnachtsbriefe, und freu mich, dass ihr soooo fleissig MM kommentiert. Besser kann man die Welt nicht erklären, und daher hab’ ich Pause, such’ Rezepte raus für den Weihnachtsbraten, bin busy. E liabe Gruess an Di vum Ürseli.
@Noisa, mi dispiace, sorry, ‘tschuldigung, excusi, s’ Grüessli au für Di.
Danke, wie nett! :))
@noisa
Spontan und impulsiv bin ich zeitweise, ja. So auch dieses Wochenende. Ich freu mich schon auf meine Kreditkartenabrechnung ….
Da hast Du´s Dir wohl richtig gut gehen lassen in Wien, @Dowanda. Mein Partner sagt immer, man soll sich auch mal selbst kleine Geschenke bereiten. Ich finde nur, dass er es laufend übertreibt… ;)
Leute entschuldigt meine nur kurzen Stippvisiten, heute Vormittag.
Ich musste erst mal unsere Weihnachtskartenaktion hinter mich bringen. Ich habe jetzt fertig und möchte keine Weihnachtskarten mehr sehen. Die waren auch noch in lila gehalten, die Kartenhersteller schrecken aber auch vor nichts zurück. Ich bin sowieso gegen diese ‘Modefarbe’ allergisch. Lila – der letzte Versuch!
@Noisa, wenn ich an Bowle denke, bekomme ich schon Kopfschmerzen. Ich habe da ganz schlimmer Erinnerungen daran oder besser gesagt nur chemaische. Die Früchte vorher in Hochprozentigem getränkt und dann irgend so ein Billigwein darauf. Ein beliebtes ‘Studentengesöff’! Die Jungs dachten, da bekommen sie die Mädels gefügig. Auweija, uns wurde nur übel.
@Urs, Du scheinst Dich ja richtig auf das Fest einzuschwingen, hätte ich nicht gedacht. Dann viel Spaß dabei und viele Grüße zurück.
Und über Kontostände und Kreditkartenabrechnungen möchte ich auch nicht mehr reden*heul, heul*.
Huch, dem Schema ist das S abhanden gekommen, hier ist es ‘S’!
Den Genuss von Bowle habe ich auch schon bedauert, @Ramona. Früher wurde dann auf Wodka Lemon umgeschwenkt. Heute hat sich mein Geschmack allerdings geändert.
Ja, Serienbriefe werden hier auch viele verschickt, aber momentan noch die ohne weihnachtliche Grüße. Es wäre etwas unpässlich. Lila finde ich als Farbe eigentlich gar nicht hässlich. Wegen des damit verbundenen `Emanzenimages´ trage ich Lila nur nicht.
Heute ist wieder so ein Tag, wo ich mich beömmeln könnte…
Allen einen wunderschönen Tag! Vielleicht gibt es ja wieder ein Blog-Türchen?
Danish Christmas Gløg
2 dl. Snaps
1 bottle of red vine
2 dl. Water
80 g. sugar
100 g raisins
100 g almonds (chopped)
2. Cardamom capsules
2. cloves
1 t.s. fresh grounded or dried ginger
Orange or bitter orange peel
1. Cinnamon stick
Leave the spices in the red wine for 8 hours, and remove them. Ad the rest of the ingredients and heat while stirring. The gløg must never boil.
This is not as sweet as Glühwein, but it comes from the same family. Try it – two cups and you feel a lot happier ;-)
@Ramona, ja, ich meine, ich hab’s etwas begriffen, was die Philosophen schon sagten und, wie ich meine, sehr aktuell ist: ich lebe jetzt. Und der von mir zitierte Wilhelm Schmid über “Schönes Leben” worin er etwas über , Lebensglück schreibt, meint, dass das Bild der Sanduhr, durch die die Zeit aus ihrer unendlichen Potentialität, in der Mitte durch die Verengunge des Tages hindurch muss, um dann in die Unendlichkeit der Vergangenheit einzutauchen, zutreffend sei, überzeugte mich: ich lebe heute und muss auswählen, was ICH heute zulasse, als Gestalterin meines Lebens. Und so traf ich diese Wahl, weil es mich beglückt, heute das zu tun, ja, auch in geistiger Vorbereitung und Einstimmung auf das Fest 2008. You only live once, not twice und das Jahresende 2008 ist mir wichtig, wenn man das ganze Jahr über “gekrampft” (viel gearbeitet) hat, sich auch selbst zu belohnen. Ich bin für mein Glück verantwortlich, meine ich jedenfalls. Aber genug, ich will ja “pausieren” und auch das nachspielen, was slowhand E.C. so schön hinbringt. Ciao, cara.
Ach und ich vergaß @Noisa, mit dem Winter 1989 könntest Du recht haben. Das war der ‘Wende-Winter’ und ich erinnere mich, dass es da im November verdammt kalt war.
OFFLine, aber für, die es interessiert: Die neue Ausgabe von Lesen! ist seit eben online:http://litcolony.de/littv
Ich korrigiere: `Weiterlesen!´
@Mesm, thanks, perhaps I shall try it. ;)
@Urs, das stimmt alles, was Du schreibst und Du hast es wirklich gut geschrieben!
@Ramona, ja, 89 Wende + Weihnachtshüttenzeit (WW).
@H., da guck ich rein. Danke nochmals! :)
Interessant das Pogramm der litcologne 2009.
Philosophie als Zivilisationspädagogik- am Ende doch Pädagogik?(derblauereiter.de/ausg_21-30/dbr25/dbr25_inte.html)
Vielleicht gibt es auch noch Glühwein dazu? Der Preis würde es hergeben. Frivolitätsepoche?
Im Weltinnenraum des Kapitals: Schiffbruch und Krise. nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/wir_lebten_in_einer_frivolitaetsepoche_1.1326434.html
@Noisa, last, but not least, so I hope, and you read it, for the next posting is published, you ans @Ramona gave me the intention, to write such words, so I thank you, and the lyrics and the atmosphere, where I live and my self-responsibility, to choose, and not to be overdone and overflowed.
….you and @Ramona….sorry, not “ans”. Typical overload!!!*g*
:) (@Ursula)