MM_Wiener
Zu den Kommentaren
20. Januar 2009, 10:02 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Warten auf uns selbst

Wenn Barack Obama heute als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wird, hat sich etwas geändert. Die Selbstbeobachtung und Selbstreflexion der Amerikaner hat sich gewandelt zu einem anderen Selbstbewusstsein, nicht strotzend, nicht prahlend und in Ignoranz der Folgen des eigenen Handelns für die Welt, wie es in den acht Jahren der Bush-Regierung leider oft der Fall und manchmal die Regel war. Amerika befragt sich selbst, welche Rolle das Land in der Welt spielen muss, wie die inneren Gräben im Land überwunden werden können, wie es gelingen könnte, einen neuen Anlauf zu nehmen.

Ein Freund aus New York, Geschäftsmann und kein Träumer, schreibt mir, was er von Obama erwartet: “He seems determined to create comity and to appeal to the higher instincts of all, while taking the hard actions necessary to deal with political hacks, cynics and the selfish. A morality play of sorts is unfolding, in which the US, to me, is enjoying a sense of possible moral renewal and of convergence to some useful sense of unity and honorable purpose.”

Das klingt, als sei der Retter zur Erde gekommen die Welt zu erneuern. Vielleicht lässt sich die Begeisterung für Obama in zweierlei Hinsicht erklären: Sie könnte aus Naivität und überhöhten Erwartungen resultieren. Sie könnte aber auch aus einem Hunger nach einer Persönlichkeit mit klarer Position und gleichzeitiger Integrationsfähigkeit resultieren, der in den vergangenen Jahren einfach zu groß geworden ist. “Am I an idealist or do I fall prey to wishful thinking?”, schreibt mein New Yorker Freund. “If so, then I have hundreds of millions as company!”

Dazu gehören nicht nur, aber auch die Schwarzen, die in Obama den Beginn einer neuen Zeit sehen, in der Amerika jenseits der Rassengrenzen verbunden ist und sich als ein Land mit einem Volk versteht: das Ende des weißen Amerika. Henry Louis Gates Jr., Chair des Department for Afro-American Studies in Harvard, hat in einem wunderbar erzählten, humorvollen Buch seine eigene Lebensgeschichte beschrieben. Sie ist Teil einer größeren Geschichte der “Colored People“.

Am Tag nach der Wahl Barack Obamas schreibt er: “We have all heard stories about those few magical transformative moments in African American history, extraordinary ritual occasions through which the geographically and socially diverse black community-a nation within a nation, really-molds itself into one united body, determined to achieve one great social purpose and to bear witness to the process by which this grand achievement occurs. (…) But we have never seen anything like we witnessed last night. Nothing could have prepared any of us for the eruption (and, yes, that is the word) of spontaneous celebration that manifested itself in black homes, gathering places, and the streets of our communities when Sen. Barack Obama was declared President-elect Obama. (…) How does that make me feel? Like I’ve always imagined my father and his friends felt back in 1938, on the day that Joe Louis knocked out Max Schmeling. But ten thousand times better than that. All I can say is ‘Amazing Grace! How sweet the sound’.”

Es wird nicht immer beim süßen Klang bleiben, das wissen alle und an aller erster Stelle Obama selbst? Er hat immer wieder darauf hingewiesen, dass er nicht alle Hoffnungen wird erfüllen können, dass es Meinungsverschiedenheiten geben wird und er manche Menschen enttäuschen wird. In der Rede, die Obama am 5. Februar 2008, dem Super Tuesday, in Chicago gehalten hat, offenbart sich in einem Satz, wie er diese Verbindung von Erwartung und Enttäuschung sieht: “We are the ones we’ve been waiting for.”

Wenn man auf sich selbst warten muss, um etwas zu verändern, weiß man, dass nur man selbst dieses Warten erlösen kann. Wer sich selbst am Bahnhof abholt, trifft auf niemanden anderen als den Menschen, der er ist und immer schon war. Wenn dieser Mensch dann mit neuem Elan und neuen Ideen aus dem Zug steigt, kann er dennoch einen Unterschied machen. 

 

 

 

Be Sociable, Share!

82 Reaktionen

  1. 21. Januar 2009, 10:03 Uhr, von Miranda
    051

    @ Andrea

    das klingt ja schön und sieht toll aus, habe Bekannte in der Nähe vom Zürichsee und die Schweiz ist definitiv ein sehr schönes Land, du beschreibst die Vorzüge sehr anschaulich…zum 40. der in drei Jahren bei mir anklopft finde ich dass ein sehr schöner Plan nochmal sich einen Traum zu erfüllen…

    Ja und schön zu hören das man im Gesundheitswesen dort besser honoriert wird als hier…

    Nein, keinen weiteren Tee mehr sitze schon auf der Arbeit und muß mich jetzt dranmachen eine Beurteilung zu schreiben !

    Liebe Grüße und grüß mir den See !!!

    Miranda

    Antworten
  2. 21. Januar 2009, 10:21 Uhr, von Philipp
    052

    @ na ich
    Mein “joke” bezog sich darauf <> Mir läuft es bei solchen Formulierungen kalt den Rücken runter.

    Antworten
  3. 21. Januar 2009, 10:22 Uhr, von Philipp
    053

    Darauf: “Obama macht es natürlich richtig, das Volk so zu manipulieren. Genial, ich finde das aufrichtig bewundernswert.”

    Antworten
  4. 21. Januar 2009, 11:03 Uhr, von Andrea Katharina Kiefer
    054

    @ Miranda

    Na, dann “beurteile” mal schön!

    Übrigens, ab morgen darf ich wieder arbeiten, hatte drei freie Tage, die angefüllt waren mit den “üblichen” Aktivitäten…
    Werde dann ganz sicherlich nicht mehr so häufig schreiben können….
    Vorzugsweise am Abend, da der Dienst von 07:00h – 16:00h dauert!!!

    Also, bis später, morgen oder demnächst,

    lieben Gruss Andrea.

    Antworten
  5. 21. Januar 2009, 11:15 Uhr, von Miranda
    055

    @Andrea

    fertig beurteilt…eines der Sachen die ich als Leitung einer Kita nicht so mag…
    aber statt Zigarettenpause ( bin kein Raucher), gönn ich mir eine kurze Blog Pause…
    Merke dass der Auftritt Obamas mich gestern sehr berührt hat, die Rede wirkt nach und es wäre schön wenn es einen Aufbruch geben könnte…gerade in der Krise liegt ja auch eine Chance…

    ach ja Urlaub, ich wäre sofort in der Toskana wenn ich länger als drei Tage frei hätte…bin hier aber gerade ziemlich eingebunden…dir einen schönen letzten Urlaubstag !

    Antworten
  6. 21. Januar 2009, 11:50 Uhr, von Andrea Katharina Kiefer
    056

    @ Miranda

    LeiterIn einer Kita…

    Puh, da assoziiere ich Bilder mit kleinen schreienden Kindern, vielleicht mehr oder weniger gut erzogen……..
    Lärm, Leben, Lebendigkkeit, Unbedarftheit, Vertrauen, Offenheit, Glück (?!)….
    – Die Vorstellung ist schon schöner –

    Na, Du wirst das schon meistern, mit den Beurteilungen und dem gesamten administrativen Anhängseln…..

    Mir fällt das Qualifizieren der Lernenden/Studierenden relativ leicht, ich mache es gern, aber ich benötige Ruhe und Zeit!

    Krisen sind eine Chance zur Veränderung, zum Aufbruch, zur Erneuerung.
    Aber, es wird schwer und es wird viel Schweiss & vermutlich viele Tränen geben…..
    Die Bürde ist gross, die Barack Obama zu tragen hat!
    Mögen ihm seine vielen Politprofis zur Seite stehen.
    Und möge er den Rückhalt in seiner Familie haben, den er braucht!!!

    Übrigens, ich habe frei, keinen Urlaub!
    Schön, gell???
    Urlaub im Mai und im Oktober!
    Im Mai ist Kreta angesagt, im Oktober Berlin inkl. einem Besuch bei Anne Will.
    Meine Freundin und ich waren bereits im Oktober 2008 dort.
    War sehr spannend!
    Und Anne Will wirkt so klein und zerbrechlich, wenn man sie in natura sieht!!!

    So, nun musst Du aber wieder arbeiten, als LeiterIn sollte man mit gutem Beispiel vorangehen und nicht immer Blogpausen einlegen,……;-))

    Ciao, bis bald

    Andrea.

    Antworten
  7. 21. Januar 2009, 13:16 Uhr, von Noisa
    057

    Einen schönen Tag wünsche ich @allen und grämt Euch nicht wegen des überwiegend schlechten Wetters. ;))

    Ramona, Dowanda, wo bleibt Ihr???

    Antworten
  8. 21. Januar 2009, 17:31 Uhr, von US
    058

    Hi,
    Man kann nur hoffen, dass Obama die Wirklichkeit wenigstens ein Stück mit hin zum Ideal verändern kann. Sein Vorgänger Bush hat die Maßstäbe ins Bodenlose sinken lassen von daher kann es eigentlich nur besser werden.
    Irgendwo hab ich gelesen, dass er Bush’s letzte Unternehmungen schon vom Tisch gefegt hat, oder so ähnlich!
    MfG

    Antworten
  9. 21. Januar 2009, 17:37 Uhr, von Ramona
    059

    Die Welt hat eine gigantische Amtseinführung erlebt und Amerika stand Kopf. Ein Teil des American Dream ist wahr geworden. Obama hat wieder einmal eine historische Rede gehalten (die wievielte eigentlich) und Aufbruchsstimmung verbreitet. Und nun?
    Nun werden die USA zu harten Realität zurück kehren müssen.
    Nichts führte deutlicher vor Augen, als der gewaltige Auflauf gestern, welche Hoffnungen und Erwartungen auf den Schultern von Barack Obama lasten.
    Eine Schonfist wird es für die neue Regierung nicht geben, dass kann sich dieses Land nicht leisten. Die Probleme, die der neue Präsident übernimmt, erreichen historische Dimensionen. Die USA stecken tief in einer Wirtschafts- und Finanzkrise und laborieren an einem ramponierten Image. Obama hängt in zwei Kriegen fest, die sein Amtsvorgänger begann, ohne einen Wiederaufbauplan zu haben. Der Nahe Osten kann jederzeit erneut auflodern. Der Atomstreit mit dem Iran verlangt ebenso ein neues Herangehen wie die Lage in Pakistan. Das Verhältnis zu Russland braucht stabilere Füße, die Nato will auch endlich wissen, wo es lang geht. Und die Europäer setzen auf mehr transatlantische Kooperation.
    Was also wird nach Pop und Pathos bleiben vom Phänomen Obama? Ein Pragmatiker und Vermittler, der nüchterne Politik macht. Schon jetzt diktiert ihm die Finanzkrise andere Prioritäten, muss er seine Wahlversprechen, wie die Gesundheitsreform, hintenan stellen. Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise hat Vorrang. Sein Ergebnis wird maßgeblich über Erfolg oder Scheitern der Regierung Obama entscheiden.

    Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat angekündigt, mit Barack Obama die Welt verändern zu wollen. Na dann mal los!

    Ich finde klasse, dass wieder Kinder durch die Gänge des Weißen Hauses toben und vielleicht gar Pyjama-Partys statt finden.

    @Noisa, was sagst Du zu Michelle? Endlich mal ne tolle Frau als First Lady! War es nicht süß, wie sie ihren Barack hinter sich ins Weiße Haus gezogen hat?:-)

    Ach und passend zum Unwort des Jahres „notleidende Banken“, die HRE braucht weitere 12 Milliarden € aus dem Rettungspaket. Ich verstehe das alles nicht mehr, tut mir leid.

    Antworten
  10. 21. Januar 2009, 17:55 Uhr, von Walter
    060

    Die nächsten Wochen schon werden zeigen, ob wir kritische Rationalisten, für die wir uns halten, uns so weit dem Optimismus- nicht Naivität- und der Tatkraft- nicht Aktionismus- des neuen amerikanischen Präsidenten öffnen können, um gemeinsam unser Bild der Welt und ihrer Gesellschaften und damit auch sie selbst, zu verändern.
    Wir können und sollen Barack Obama beim Wort nehmen. ‘Yes, we can’ gilt auch für uns.
    Es fällt am schwersten, die eigenen Denkblockaden zu erkennen und dann zu überwinden. Diese harte Arbeit an uns selbst und unserer Weltsicht kann uns niemand abnehmen. Die Entscheidung auszusitzen gilt nicht.
    Die Selbstemanzipation zur eigenen Freiheit erweckt Ängste und konfrontiert uns mit unseren Stärken ebenso wie mit unseren Schwächen.
    Wir sind aufgefordert unsere jeweils eigene Furcht vor der Freiheit zu überwinden.
    (tinyurl.com/8kw8z2, tinyurl.com/8cfdrd)
    Diese Prüfung steht uns jetzt bevor. Barack Obama hat sie gestern unverholen streng und kategorisch seiner Nation und der Weltgemeinschaft zur existenziellen Aufgabe gestellt. Jetzt liegt es an uns, jede und jeder für sich, dazu Stellung zu beziehen. Ausreden werden von ihm, wenn er bei seinen gestrigen Worten bleibt, nicht anerkannt.
    Frieden und eine bessere Zukunft sind seit gestern die erklärten Ziele der Welt.

    Antworten
  11. 21. Januar 2009, 18:03 Uhr, von Lizzy Gefällt einem Leser
    061

    Ich glaube, ich bin eine der Wenigen, die Obama noch nicht überzeugen konnte. Was macht diesen Hype um ihn aus? Ich finde ihn ja nicht direkt unsympathisch, aber sympathisch auch nicht. Dabei bin ich vom Typ her diejenige, die erst einmal an das Gute im Menschen glaubt. Für mich ist er im Moment ein Politiker, der tolle Reden hält, der Menschen mitreißen kann. Eben ein Politiker. Er versucht, die Welt von sich zu überzeugen (was die meisten Politiker versuchen) und die Welt applaudiert ihm. Warum? Was wäre, wenn Obama an einem Abgrund stehen würde und der Rest der Welt ebenso. Würden sie springen wie die Lemminge, wenn er es rufen würde? Ich befürchte ja. Er ist doch kein Messias oder Heiland.
    Zu Sarkozy – kann er nur mit Obama gemeinsam die Welt verändern? Sind alle Politiker zu dumm, zu klein die Welt zu verändern? Trauen sie sich nicht?
    @nikovu schrieb gestern, daß man Obama die üblichen 100 Tage Amtszeit lassen soll. Recht hat sie. Ich werde erstmal diese 100 Tage abwarten. Vielleicht wird sich meine Meinung dann ändern.
    Sorry, aber das mußte jetzt mal raus.

    Antworten
  12. 21. Januar 2009, 18:35 Uhr, von Ramona
    062

    @Lizzy, stimme Dir völlig zu. Obama wird sich immer wieder an seinen euphorischen Wahlreden messen lassen müssen. Die Menschen haben eine bessere Zukunft gewählt. Aber es steht jetzt schon fest, in 2009 werden Millionen Arbeitsplätze in den USA verloren gehen, die Wirtschaft wird schrumpfen, das Budgetdefizit wird einen Rekordwert von mehr als einer Billion Dollar erreichen.
    (Wie viel Nullen sind das eigentlich?)
    Sicher, Obama hat das Land zu Kraftanstrengungen und Hoffnung statt Furcht aufgerufen, aber wenn Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, bleibt von dem‘ Ves we can‘ nicht mehr viel übrig.
    Ich wünsche der Regierung Obama, dass sie dieses Land aus dieser Bush-Lethargie heraus führen kann.

    Antworten
  13. 21. Januar 2009, 18:53 Uhr, von mana
    063

    Es sind nicht die Worte die einen Menschen ausmachen, sondern die Taten.

    Antworten
  14. 21. Januar 2009, 19:07 Uhr, von Noisa
    064

    @Ramona :)
    Prima, jetzt wurden wieder so gute Kommentare eingestellt.

    Zu Deiner Frage, Ramona: Michelle finde ich richtig klasse. Sie läuft nicht einen halben Schritt hinter ihrem Gatten her, bewegt sich nicht elfenhaft – sie läuft zielgerichtet und zackig. Da ist es völlig egal, ob ihr Rock gut sitzt oder nicht. Michelle hat ihren eigenen Stil, dabei viel Ausstrahlung! Es spricht für Obama, dass er mit einer selbstbewussten Frau verheiratet ist. Sie wirkt menschlich, nicht abgehoben oder elitär oder neureich. Dann soll sie ja auch sehr klug sein…

    „Sie stösst mit der Faust gegen seine Faust, schaut ihm tief in die Augen, hält den Daumen hoch.“ Quelle:
    http://dasmagazin.ch/index.php/yes-she-can/

    Einfach cool, einfach sympathisch.

    Antworten
  15. 21. Januar 2009, 19:11 Uhr, von Janna
    065

    Das einzige, was mich wirklich etwas gestört hatte, waren diese Bemühungen im Vorfeld, es allen Gruppen des Volkes Recht zu machen. Die Segnung vor dem Eid erfolge ja durch diesen eigenartigen und äußerst umstrittenen Prediger, der wohl den streng konservativen Teil der Bevölkerung gnädig stimmen sollte. Kein Vergleich zu den bewegenden Worten des Predigers aus der Bürgerbewegung nach dem Eid. Ich bin vor allem gespannt, wie Obama in Zukunft mit diesen ganzen Hardcore-Christen umgehen wird.

    Antworten
  16. 21. Januar 2009, 19:29 Uhr, von US
    066

    Hi Ramona u. Lizzy
    Obama hat schon angefangen, er legt Verfahren in Guantanamo auf Eis, siehe Artikel vom TS.

    http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Barack-Obama;art123,2711326

    mana, wie wahr, wie wahr.

    MfG

    Antworten
  17. 21. Januar 2009, 19:34 Uhr, von Ramona Gefällt einem Leser
    067

    @Noisa, mich nervt schon wieder das Michelle Obama in den Medien nur auf ihr ‘limettengrünes Kleid’ reduziert wird. Das kann doch nicht wahr sein.
    Gestern wurde mehrfach betont, sie wolle sich zukünftig nur um die Kinder kümmer, ich kann das nicht glauben.
    Ich habe noch etwas Hübsches zum Thema Medien gefunden:

    Fernseh-Übertragung
    Viel Pathos, wenig Analyse

    Kurz vor Obamas Eid um 18 Uhr. Noch redet niemand, aber die Kameras übertragen schon. Wie also löst ein Fernsehsender dieses Problem? ARD und ZDF wählen die würdevolle, aber vielleicht etwas statische Variante, einfach Bilder zu zeigen. Peter Kloeppel von RTL plappert die Zeit weg. Hauptsache, der Zuschauer wird irgendwie beschallt. Einen Rückblick auf die Sklavenzeit resümiert der Vorzeigesprecher mit den Worten: „Wie wir wissen, ist in Amerika seitdem nicht alles so vorangeschritten, wie man sich das gewünscht hat.“
    Auffällig bei der Fernsehberichterstattung der sechs deutschen Sender (außerdem berichten N 24, N-TV und Phoenix) ist, wie sehr die Stationen sich das Ereignis zu eigen machen. Mit Logos, Slogans, Zeitlupeneinstellungen und Sprechern, die an Pathos keinen Vergleich mit einem amerikanischen Präsidentenkandidaten zu scheuen brauchen, wirkt es fast so, als wäre Obama aus einer ihrer Castingshows hervorgegangen. Im Ersten übt Reporter Florian Bahrdt sich im Stellen von Fragen, deren Antworten schon vorher feststehen: Ist dieser Tag von historischer Bedeutung?, fragt er eine Dame mit Obama-Mütze. Fundiertere Informationen findet der Bundesbürger beim US-Nachrichtenkanal CNN, wo eine Expertenrunde scharfsinnig die Unterschiede von Obamas zu George W. Bushs Antrittsrede analysiert. Währenddessen auf N-TV: „Jetzt gibt es eine Parade, das ist etwas, was Amerikanern immer Freude macht.“
    Florian Bamberg, LVZ

    Antworten
  18. 21. Januar 2009, 20:13 Uhr, von Noisa
    068

    Ja, über das limettengrüne Kleid bin ich auch mehrfach gestolpert, @Ramona. Damit werden wieder typische Klischees einer First Lady bedient. Schade, wenn sie sich wirklich nur um ihre Kinder kümmern möchte… Dann werden wir wahrscheinlich vorwiegend über ihre Kostüme nebst Schmuck, ihr Verhalten bei offiziellen Anlässen als auch irgendwelche Partys lesen können. :(

    @US, ein kluger Zug von Obama mit Guantanamo anzufangen. Das macht sich gut, um Gespräche im nahen Osten vorzubereiten…

    Antworten
  19. 21. Januar 2009, 20:15 Uhr, von Ramona
    069

    Ich wünsche Euch eine schönen Abend.
    Werde mir jetzt ‘Hape’ ansehen, ich brauch heute leichte Kost. Ich habe das Hörbuch. Folgendes steht darauf: “Schließen Sie die Augen, tauchen sie ein in diese Abenteuer (am besten in der Badewanne) – und Hape Kerkelings Stimme wird zur ganzen Welt. Komischer kann Kino im Kopf nicht sein“:-)))

    Antworten
  20. 21. Januar 2009, 20:19 Uhr, von Noisa
    070

    Hape – ja, ich auch. Jetzt die Kiste (PC) aus. Bye. :)

    Antworten
  21. 21. Januar 2009, 20:39 Uhr, von Dowanda
    071

    Obamas Hypothek sind seine Wahlreden. Obamas Glück ist, dass die Latte nach Bush niedrig liegt.

    Hauptsache was gesagt … :-)

    Antworten
  22. 21. Januar 2009, 21:40 Uhr, von g.emiks
    072

    @dowanda
    … aber was sind seine wahlreden gegen seine tanzkünste. hat je ein präsident so elegant das knie bewegt?

    http://g.emiks.twoday.net/20090121

    Antworten
  23. 21. Januar 2009, 21:43 Uhr, von g.emiks
    073

    allein ein punkt kann schon in die leere führen:

    http://gemiks.twoday.net/20090121

    Antworten
  24. 21. Januar 2009, 22:04 Uhr, von Ramona
    074

    :-)@Dowanda

    Antworten
  25. 21. Januar 2009, 22:31 Uhr, von Petra
    075

    Na super, da kommt man nach einem langen, harten Arbeitstag (kleine Pause für Mitleidsbekundungen ) hierher und dann sind alle schon gegangen. Na schön, dann schreibe ich halt so ein bisschen in den leeren weißen Hintergrund.

    Heute war es hier irgendwie stiller als sonst. Finde ich gar nicht verwunderlich. Heute ist „Obama +1“. Jeder lässt die Eindrücke wirken und das ist auch gut so. Wenn ich die Stimmen auf dieser Seite von heute lese, dann denke ich über @Lizzy am meisten nach, die ganz zaghaft pessimistisch Bedenken äußert. Finde ich gar nicht so schlecht. Wenn der erste Adrenalinstoss der Euphorie vorbei ist, müssen die Überlegungen einsetzen. Und nichts kräftigt eine gute Strategie mehr als die Tatsache, Skepsis durch Argumente und Taten auszuräumen. Wir werden zusammen mit der ganzen Welt beobachten, wie die neue amerikanische Hoffnung die Träume der Menschen nach einer besseren Welt konkretisiert. Aber – und das war eben auch die Botschaft – nur warten funktioniert halt nicht. Wo auch immer Obama hinkommen wird, er braucht jede Menge Unterstützung. Diese kann auch mal darin liegen, dass nicht sofort alles schlecht geredet wird. Und dass mal im Stillen gewirkt wird, um ein Ziel zu erreichen. Oder auch darin, dass zwei Parteien einfach mal erst zuhören, ehe sie aufeinander losgehen (liebe Politiker: z u h ö r e n, a u s r e d e n l a s s e n!!!!, a u f e i n a n d e r e i n g e h e n; nicht losgehen – sorry, kleiner Exkurs). Es gibt so viele Wege, aber alle haben eins gemein: nur im Zusammenwirken klappt es. Sobald sich wieder eine Gruppe in den Vordergrund spielt, funktioniert es nicht. Dann sind wieder die „Schiedsrichter“ gefragt, die das Ganze in geordnete Bahnen lenken.

    Weil das jetzt wieder sehr abstrakt ist, will ich 3 Beispiele anführen, wie Wege in eine positive Richtung weisen können:

    Ganz „klein“: um eine Sache voranzubringen, bin ich gestern so richtig schön mit dem Kopf gegen die Wand gerannt. Viel Energie verbraucht, wenig Erfolg gehabt. Frust pur. Nachdem ich mich mit einer Vertrauensperson ausgetauscht hatte, hörte ich zunächst aufmunternde und wegweisende Worte und bekam anschließend tolle „Aufbau-E-Mail“ (mit hübschen Bilderchen und ein paar lustigen Sätzchen). Klar, manche Dinge klappen nicht gleich, aber wenn man Unterstützung bekommt, fasst man wieder neuen Mut. Also, sobald die Beule verheilt ist, werde ich wieder losrennen.

    Ein wenig größer: Barbara Kux (Vorstand Siemens) zeichnet offensichtlich dafür verantwortlich, dass das Umweltbewusstsein der Führungskräfte durch finanzielle Anreize bei der umweltverträglichen Anfahrt ins Büro gesteigert wird. Eine gelungene Aktion mit Vorbildcharakter. Wenn die Führungskräfte zeigen, wie es geht, dann sind die Mitarbeiter noch eher bereit, sich anzuschließen.

    (Vielleicht) ganz groß: Günther Hasinger (Atomforscher) will mittels Verschmelzung von Atomkernen große Energiepotentiale erzeugen, wobei keine Treibhausgase erzeugt werden und nur geringer radioaktiver „Müll“ erzeugt wird. Es ist zwar nicht unumstritten, ob die noch zu investierenden Mittel gerechtfertigt sind, da der Erfolg noch nicht gesichert ist. Aber es ist eine Chance. Vielleicht fehlt zum Durchbruch nur noch die Kombination von exzellentem Fachwissen aus verschiedenen Ländern.

    Ich wette, jeder Leser könnte hier auch mindestens 3 weitere Beispiele aufführten. Und so, meine Damen und Herren, ergäbe sich die längste „Positivbeispielliste“ aller BLOGs als kleine moralische Unterstützung für einen (möglicherweise großen) Präsidenten.

    Antworten
  26. 21. Januar 2009, 23:31 Uhr, von Katrin
    076

    1.Die Inauguration war genau so, wie es sich jeder, der den Wahlkampf und die Wahl beobachtet hat, denken konnte. In gewisser Weise ist es sogar gerechtfertigt wenn sich diese knapp 2000000 Menschen die da seid 3am in der Kälte standen selbst gefeiert haben, denn sie waren es ja auch die so viel Einsatz gezeigt haben wie noch nie. Ich bin mir jetzt schon sicher dass die Verfilmung einer späteren Obamabiographie oskarverdächtig wird, denn es ist alles vorhanden was sich der unterhaltungssüchtige Neuzeitmensch wünscht: große Starquote, einen charismatischen Helden, der „Fight for Liberty“, die pädagogisch wertvolle Aussage „Yes, we can“ -ja du kannst alles schaffen was du dir vornimmst und natürlich Emotionen, Emotionen, Emotionen. Ich muss zugeben für Hillary R. C. hätte ich auch da gestanden, wahrscheinlich mit weniger Menschen und vorwiegend Frauen, aber kaltes Wetter haben wir auch in NYC und die Partys hier waren auch nicht wenige, denn Hoffnung ist doch viel schöner als Depressionen. Also man bekommt den Eindruck dass wir hier generell erwarten, dass Präsident Obama Wasser in Wein verwandelt- dem ist nicht so. Es ist viel mehr eine neue Version der Speisung der 5000, dass Solidarität untereinander diese „schwere Zeit“ überstehen lässt, auf die gesetzt wird. MTV begann gestern die Aktion „be the change“ und hunderte Jugendliche, die bis vor ein paar Monaten noch mit PS2, Xbox und CosmoGirl beschäftigt waren, bauen nun Büchereien und Häuser für Hurricaneopfer und Schulen in Afrika. Löblich, aber warum kommen die erst jetzt auf die Idee? (meine Gemeinde hier macht das schon etwas länger)
    Da kommt einer und hält Reden von Zusammenhalt und Gleichberechtigung und gräbt damit das aus was früher die Legende vom American Dream hervorgebracht hat: hier in den USA gibt man sich nicht mit dem Ist-zustand zufrieden sondern macht sein Glück selbst. In 8 Jahren kann man das schon mal vergessen und so kommt es dass Obama in seiner Rede von „wieder aufbauen“ „rebuild“ spricht wo man vor 9.11. und dem Irakkrieg noch von „sanieren“ geredet hätte. Nur die Zeit wird zeigen, ob diese Begeisterung ein Strohfeuer ist oder lange genug durch hält bis es wieder bergauf geht- aber mal ehrlich: wer von euch hätte das, was gestern (bei euch schon vorgestern)passiert ist vor einem Jahr erwartet?
    2. Geändert hat sich durch die bloße Tatsache, dass es jetzt einen farbigen Präsidenten gibt nur (und da stimme ich voll mit MM überein) das was in den Köpfen der Menschen ist. Wo es ein African-American vorher vielleicht gar nicht versucht hätte wird er/sie es jetzt vielleicht tun- mehr Möglichkeiten oder einen höhere Wahrscheinlichkeit auf Erfolg ist dadurch nicht gegeben. Es sind z.B. immer noch im Verhältnis mehr African-Americans von Armut betroffen oder im Gefängnis als Caukasian-American (um es politisch korrekt zu formulieren) und ich bin auch nicht naiv genug zu glauben dass sich irgend eine dieser Statistiken in den nächsten 4 Jahren ändern wird. Aus irgend einem Grund bin ich aber gerne so naiv einen Anstieg des sozialen Denkens in jeglicher Hinsicht zu erwarten- vielleicht weil hoffen doch viel schöner ist.

    Antworten
  27. 22. Januar 2009, 0:26 Uhr, von Cate
    077

    Obama ist ja Linkshänder!

    Antworten
  28. 22. Januar 2009, 1:24 Uhr, von Janna
    078

    @Cate, ja, und jetzt sogar der 5. Linkshänder als Präsident im Weißen Haus- das scheint bei den Anforderungen für eine Kandidatur ein nicht unwichtiges Kriterium zu sein…:)

    Antworten
  29. 22. Januar 2009, 5:49 Uhr, von Andrea Katharina Kiefer
    079

    @ Miranda

    Schönen Tag nach Hessen.

    Ciao, darf gleich zum Frühdienst….:-)

    Andrea.

    P.S. Allen anderen auch einen schönen Tag!!!

    Antworten
  30. 22. Januar 2009, 8:29 Uhr, von Ramona
    080

    @Cate, ich bin auch Linkshänder. Ist das ein Omen? Ich meine, wenn mich Deutschland braucht……:-)

    Einen guten Start in den Tag.

    @MM hat ja schon wieder gepostet, wollte sie nicht mal entschleunigen?

    Ich komm aber erst am Nachmittag dazum, mich damit zu beschäftigen. Also @Noisa, nicht ungeduldig werden:-))

    Antworten
  31. 22. Januar 2009, 19:24 Uhr, von Ramona
    081

    @Noisa bist Du hier?

    Antworten
  32. 24. Januar 2009, 14:09 Uhr, von Mesm
    082

    The Blackberry stays. Welcome to the age of “virtuality? :-))

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2014