MM_Einstein
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22. Januar 2009, 7:39 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Geld und Vertrauen

Die Politiksendung „Meet the Press„, Taktgeber in der politischen Diskussion in den USA, hat in der vergangenen Woche einmal aufgelistet, wie viel die Finanzkrise den amerikanischen Bürger bislang gekostet hat: 168 Milliarden US-Dollar für das erste Stimulierungspaket, 200 Milliarden für die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac, 123 Milliarden für AIG, 700 Milliarden für das Bail out Paket und 775 Milliarden für das Obama-Konjunkturprogramm. Das sind 1,9 Billionen (fast 2.000 Milliarden) Dollar an Zusatzbelastung mit denen Barack Obama sein Amt als 44. Präsident der Vereinigten Staaten angetreten hat.

Wie soll dieses Geld je wieder zurück fliessen? Wie viel Belastung für das US-Budget bedeutet es wirklich? Und wird es überhaupt die Wirkung entfalten, die viele sich davon erhoffen? All diese Fragen stellen sich viele Menschen täglich, an der Spitze des Staates, der Unternehmen und in der Gesellschaft. Sie alle hätten ob mangelnder Antworten und Sicherheiten längst in Frust verfallen und jede Hoffnung aufgeben können. Aber das ist nicht die Stimmung, die wir derzeit erleben. Obama tritt an mit dem Versprechen auf „change“ und viele Menschen glauben, dass ihm dieser Wandel gelingen wird. Er hat nie um den heissen Brei herum geredet, weder im Wahlkampf noch in den vergangenen Wochen als „president elect“, noch in seiner „inauguration speech“. Er hat gesagt, dass er unbequeme Entscheidungen wird treffen müssen, dass die Bürger oft nicht einer Meinung mit ihm sein werden, dass er viele der in ihn gesetzten Hoffungen nicht wird erfüllen können. „Nötig ist eine neue Ära der Verantwortung“, so hat er es in seiner Rede zur Amtsübernahme in Washington formuliert. „Das Eingeständnis jedes Amerikaners, dass wir Pflichten uns selbst gegenüber haben, gegenüber der Nation und der Welt.“ Nichts davon hat die Zuversicht zerstört, die viele Amerikaner und Menschen in anderen Teilen der Welt ihm gegenüber hegen.

Obama ist kein Heiland, kein Heilsbringer und kein Übermensch. Aber er hat ein paar Eigenschaften, die Optimismus überspringen lassen selbst in überaus schwierigen Zeiten. Er hat sich als Mann des offenen Ohrs für gute Ratgeber und Kritiker offenbart. Er hat mit Hillary Clinton seine härteste Rivalin zur Aussenministerin gemacht und mit Robert Gates einen geachteten Republikaner als Verteidigungsminister im Team gehalten. Er hat bis zu seinem tatsächlichen Amtsantritt die Zurückhaltung an den Tag gelegt, die ein Gefühl für guten Politikstil und eine Sensibilität für Symbolik erkennen lässt. Er hat den Medien und der Öffentlichkeit auf jede wichtige Frage Rede und Antwort gestanden und dabei nicht nur Worthülsen produziert. Kurzum: Er hat schon vor seinem Amtsantritt gezeigt, dass er ein Mann ist, der klare Positionen hat, aber beratungs- und teamfähig ist und in ein Wertgerüst eingebettet, das man bei vielen Kadern in Politik und Wirtschaft heute vergebens sucht. „Er ist ein respektvoller und überlegter Mann“, schreibt der britische „Economist„, „und das ist ein vielversprechender Anfang.“

Auch die Schweiz und Deutschland sind von der Finanzkrise gebeutelt, aber (noch) nicht in amerikanischem Ausmass. Und dennoch suchen wir vergeblich nach Persönlichkeiten, die fähig wären, Zuversicht oder ein gesundes Mass an Optimismus in die Gesellschaft zu tragen. Die Politiker halten sich in der Deckung oder gebärden sich als staatskapitalistische Retter in der Not. Und die Wirtschaftsführer? Von ihnen hört man wenig. Die beiden zentralen, immer wieder zitierten Sätze zweier Bankenchefs sagen viel über deren Selbstverständnis. Marcel Ospel hat angesichts der wiederholten Milliardenabschreibungen der UBS kund getan, er sei „erschüttert„. Josef Ackermann, der als Chef der Deutschen Bank in der vergangenen Woche Verluste in Höhe von 4,8 Milliarden Euro bekannt geben musste, erklärt er sei „sehr enttäuscht„.

Erschütterung und Enttäuschung sind emotionale Kategorien von Hilflosigkeit, die in den psychologischen Berg- und Talfahrten der Finanzkrise womöglich ihren Platz haben. Aber von den Topkadern der Wirtschaft dürfen wir etwas mehr erwarten: ein kommunikatives Signal, das Ursachen analysiert, Lösungen aufzeigt und auch Gestaltungswillen offenbart. Nichts wäre derzeit wichtiger, als Manager, die nicht in der Deckung sitzen, sondern sich klar und konfliktfähig öffentlich positionieren.

Wie hat der Unternehmer Robert Bosch einst gesagt: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“. Das Geld ist längst weg. Bleibt es bei Enttäuschung und Erschütterung, wird das Vertrauen auch langfristig verloren gehen.

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161 Reaktionen

  1. 23. Januar 2009, 19:48 Uhr, von US Gefällt einem Leser
    0151

    Hallo Ramona
    Ein Defizit der einen sind die Überschüsse der anderen.
    Ein nachhaltiger Aufschwung in Europa setzt die Bereinigung von Ungleichgewichtslagen zwischen den Mitgliedsstaaten der EWU voraus und damit eingeschlossen die Aufgabe der zuletzt sehr einseitigen Wachstrumsmodelle. Darunter auch die des rein exportgetriebenen Wachstums in Deutschland mit seiner deutlichen Lohnzurückhaltung.

    Deutschland hat seit Jahren vergessen den Binnenmarkt zu stärken und bis jetzt noch nichts dazu unternommen.
    MfG

    Antworten
  2. 23. Januar 2009, 19:56 Uhr, von US
    0152

    775 Mill. für Obamas Konjunkturprogramm, dass können die Amerikaner in 100 Jahren nicht zurückzahlen. Da bezahlen noch die nachfolgenden Generationen zurück.

    Unser 50 Mill. Konjunkturprogrämmchen ist lachhaft dagegen.
    MfG

    Antworten
  3. 23. Januar 2009, 20:21 Uhr, von Ramona
    0153

    @US, ob unser Progrämmchen ausreicht, um die Wirtschaftskrise zu bewältigen, darf auch bezweifelt werden.

    Ich wünsche einen schönen Abend bzw. schönes Wochenende.

    Antworten
  4. 23. Januar 2009, 20:40 Uhr, von Dowanda
    0154

    Wenn man bedenkt, das nur etwa 20 % des Vermögens sich tatsächlich jemals im Geldumlauf befunden haben bzw. in die Wirtschaft und aus der Wirtschaft geflossen sind, bleibt abzuwarten wieviel von den Buchverlusten sich tatsächlich in real niederschlagen.

    @US
    Man darf nicht übersehen, dass die Problematik in den USA aber auch um ein vielfaches gravierender ist. Zum Hypothekeninfarkt kommt noch die Überschuldung der Amerikaner durch die Kreditkarten. Und das in einem Ausmass, wie wir es nicht kennen.

    Antworten
  5. 23. Januar 2009, 21:13 Uhr, von Ramona
    0155

    @Dowanda ich bin mir sicher, dass das tatsächliche Ausmaß der Witschaftskrise in den USA noch garnicht bekannt ist. Das wird sich jetzt erst unter der Obama-Regierung herausstellen.

    Dir auch ein schönes WE:-(

    Antworten
  6. 23. Januar 2009, 21:57 Uhr, von Petra
    0156

    Zum Thema „Landesbanken“ sagte Beatrice Weder di Mauro (Professorin an der Uni Mainz, Forschungsschwerpunkt Finanzmärkte und internationale Wirtschaftseziehungen) am 22.01.09 in der Frankfurter Rundschau: „Momentan sehe ich die Gefahr, dass die Landesbanken mit Steuergeld rekapitalisiert werden und so weiter machen wie bisher.“ (Sie schlägt eine bad bank nur für die Landesbanken vor.) Auch diese Aussage bestätigt meinen Eindruck, dass sich strukturell im Moment nichts ändert.

    So, es gibt ein neues Posting – also lege ich meine Gedanken zu Topmanagern in Deutschland erstmal beiseite (aber nicht ganz weg).

    Antworten
  7. 23. Januar 2009, 22:22 Uhr, von Mesm
    0157

    In two days 156 comments have been made to a posting dealing partly with the election in The United States and its new president, partly with the subject; trust and mistrust. The interesting thing is, most of the comments are not about the subject. They are about how we, as human beings, interact on this blog.

    In a way I think that is an interesting discussion too, but mostly it reminds me of why it is so difficult for human beings to co-exist in a respectful fashion and ultimately why it is so difficult for us to live in harmony with each other. There are people on this blog making remarks to fellow bloggers in a way, I at least, in real life, would consider disrespectful and impolite. It makes me sad.

    To get back to the subject; I find that it will be quite interesting to observe the impact this change of government will have on the world economics. There is in my mind no doubt that Barack Obama is taking a different course than the former president George Bush did. In the Economist article he is humorously referred to as “George the Second? hinting to at governmental style that is traditionally not based on democratic principles and values. My hopes for this new American government are high. Of course Barack Obama is just a human being, but from an outsides point of view it looks like he is trying to solve matter with the help of his intellect and by using first and foremost his brain capacity, not his “muscles?, which translated into American power terminology, is using military force.

    I wish him god luck, peace and harmony, the same goes for this blog ;-)

    Se you all in the next posting….

    Antworten
  8. 23. Januar 2009, 22:30 Uhr, von Mesm
    0158

    …..of course it is „good“ not “God? luck, even though it seems that this blog needs both :-)))))

    Antworten
  9. 24. Januar 2009, 0:31 Uhr, von Martina
    0159

    @ Andrea K. Kiefer, Danke für deine Worte! Complimenti!
    Ich bin auch eine die die meistens Zeit am tag arbeitet (verdienen bestimmt nicht so viel wie du und auch nicht wie die “Cooler Manager? :-(, trage aber viel Verantwortung in meine Position für das Qualität mein Team und damit bin auch sehr stolz!). Ich raube c.ca eine stunden (wenn ich schaffe) pro tag/nacht hier im Blog weil etwas lesen will die mich anders Informieren lässt als was ich durch Kunde oder von Kollege höre! Wenn ich die Seite erst auf mache, lese ich erst den Thema, dann die Kommentar die ich hofft interessanten finde (zu Mindesten von manche Personen und die wissen genau wer ich meine). Tragisch ist für mich aber wenn ich mir eine stunden raube um Kommentar zu lesen wie die von diese Seite die nur eine “Kinder Streit? sind, würde dann ich einfach beten zu wem ich sehr gut schätze (und die wissen genau;-): bleib wie euch seid und ignorier lieber wer nur angriffe sendet, das Gehirn hat nicht so viel RAM für solche Sachen zu AUCH zu befassen! Gestern Abend war ich sehr nachdenklich, das Radio sagte das die Firma wo ich arbeite, 5000 Arbeitsplätze kundigen wird! heute war das ganze Tages Thema bei uns, letztendlich ist dass aber so das wir (noch) nicht damit betroffen sind, zum Glück! Ich habe schon mein Land verlassen, die erste Grund war genau dem Arbeit und will weiter gern andere Ländern und Kulturen kennenlernen, aber am bestens wann und wie ich das entscheide und nicht wann die Kreise des Land das macht! Ich habe schon mein Land verlassen genau wegen dem Arbeit und will gern andere Ländern und Kulturen kennenlernen, aber am bestens wann ich das entscheide und nicht wann die Kreise das macht!…
    Noch zurück an dem Arbeit: heute morgen hatte ich 2 stunden Complaint Training,wir analysieren die Unzufriedenheit unsere Kunden seit vielen Jahren, viel hat sich verbessert und viel, falls wir noch die Möglichkeit weiter haben werden, wird sich verbessern! Damit bin ich sicher!

    @Noisa: grazie per il pensiero, sto migliorando ;-)
    P.S. die neue posting ist schon da, aber ich hatte diese noch offnen!

    buona notte a tutti.

    Antworten
  10. 24. Januar 2009, 10:02 Uhr, von Fabian
    0160

    Nein, Philipp ist nicht Fabian.

    Antworten
  11. 24. Januar 2009, 22:32 Uhr, von Yolande Langendijk
    0161

    Wieso sollen wir vertrauen haben in ein grundsätzlich blindes System, von wenigen in alle Aspekten von Commerce, Taxationen, Investitionen, zwangsmäßig kontrolliert, das wesentlich aus potentielles und existentielles Überfluss für jedem hauptsächlich Löcher kreiert? : Armut, Ausgrenzung, Vergiftung im vielfältigen Sinne für Vielen; Einiges Wohlstand auch, aber was für ein Wohlstand?, für wie lange?; und wegen des Systems kann und wird auch die ihr Leben genommen in vielfältigen Sinne.
    Wieso glaubt man solches?
    Die Umgekehrte Welt. Ach, es könnte doch so schön sein; Ist es schon im sehen und Vermutung.
    Wieso sollten wir zum (welche) zustand von Wirtshaftsystem von vor der ‚melt down’ zurückkehren, konsolidieren, wollen?
    Ich glaube nicht wir wollen das, und also das oder gerade die Vermutung aufs neue ausgedruckt in der Satzen ‚Change’ und ‚Yes we can’ schon das die sehr anspruchsvolle Antritt und Rede Obama solch ein optimistisches, inspirierendes, wieder zusammen bringende, freudevolles Erwartung (auf besseres) Erregende Einwirkung hat Global. Ich glaube Obama wird’s schaffen; Es wird ‚uns’ gelingen.
    Das alte System wird oder muss wohl unaufwendbahr weiter umfallen wodurch die zwangsmäßige Kontrolle dessen geräumt ( ).
    Unsere Liebe Frau Meckel schrieb schon sehr nett von das ‚borrow and bet $30 for every $1 you have in capital’ Verhalten der Banken aber, nicht so main stream bekannt gegeben, viele Banken haben schon seit Jahren dieses verhalten weiterhin aufgereckt: 1 zu 60, 1 zu 90, u.s.w. und auch so schon das vertrauen untereinander und unter Ländern (Deutschland traute zum Beispiel Italien nicht mehr u.s.w.) weiterhin untergraben.
    Was sonst noch.
    Freundliche Grüssen,

    Antworten


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