MM_Maupassant
Zu den Kommentaren
23. Januar 2009, 21:20 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Das epische Medium

Ein sentimentaler Moment, ein Schlag für den Journalismus, aber keine Katastrophe, so beschreibt Michael Hirschorn in einem Beitrag für das US-Magazin „Atlantic Monthly“ das Ende der New York Times. Haben wir etwas verpasst? Noch gibt es die Zeitung doch wohl. Richtig, sagt auch Hirschorn, aber nicht mehr lange. Der Schuldenberg von einer Milliarde US-Dollar und das kaum nennenswerte Cashpölsterchen von nicht einmal 50 Millionen US-Dollar geben ihr noch ein paar Monate, dann war’s das. Im Mai ist die Sache vorbei.

Die Times hat dem Autor an gleicher Stelle heftig widersprochen und die Ausführungen als „uninformierte Spekulation“ abgetan. Solche gibt es allerdings zahlreich. Hirschorn springt auf einen Zug auf, der schon lange durchs Netz rast. Von Tag zu Tag und von Website zu Website werden die Prognosen zur Zukunft der Zeitungen weiter gereicht und mit Informationen oder Spekulationen angereichert. Meist ist dabei die Rede vom Ende von irgendwas. Die NYT ist deshalb häufig Gegenstand dieser Spekulationen, weil sie als das globale Repräsentationsobjekt für den bedrohten Qualitätsjournalismus gilt. Er stirbt, wenn die Zeitung stirbt. Und mit ihm geht ein ganzes Milieu unter: die Informationsbohème. Diese lose Gruppierung unangepasster Informationsjunkies, die so gut zum Internetzeitalter passt und doch fast anachronistisch nicht auf ihre Zeitungslektüre verzichten will. Mit der Zeitung unter dem Arm ins Café, zum Termin oder auf den Zug, darin steckt nicht nur der analoge Zugang zu Aktualität und Wissen, darin spiegelt sich auch ein Selbstentwurf. Und da diese Gruppe sich gerne selbst spiegelt, auch medial, beeinflusst sie in überproportionaler Intensität den öffentlichen Diskurs über das Ende der Zeitung.

Diesen Entwurf hat eine der zahlreichen Prognosen im Internet aufgegriffen. Das fiktive „Museum of Media History“ präsentiert im Netz einen knapp zehnminütigen Film zur Medienzukunft: „epic 2015„. Der Film, hergestellt von zwei Mitarbeitern des „Poynter Institute“ in Florida, prognostiziert die Zukunft der Informationen, die bald alle in einem „evolving personalized information construct“ verbunden werden. Das „Google Grid“ liefert die universelle Plattform für dieses Konstrukt mit entsprechender Bandbreite, um alle Informations- und Kommunikationsangebote zu bündeln, zu filtern und dem Nutzer zur Verfügung zu stellen. Die New York Times führt in diesem Szenario jahrelang einen harten, aber letztlich erfolglosen Kampf gegen den neuen Medienmogul „Googlezon“, eine Megafusion von Google und Amazon. Im Jahr 2010 wird sie zu einem reinen Onlinemedium auf Basis bezahlter Inhalte. 2014 geht sie wieder offline. Die Times existiert von da an nur noch als gedrucktes Medium für die Elite und die Älteren.

Ist das die Zukunft der Zeitung? Sie könnte es sein, wenn einzelne Verlagsrepräsentanten weiter in hysterischer Verunsicherung auf das Internet starren, wie das Kaninchen auf die Schlange. Sie könnte es sein, wenn traditionelle Printkonzepte eins zu eins ins Netz übertragen werden, ohne dass Verleger und Journalisten sich die Mühe machen, Besonderheiten der Netzwelt zu erkennen und zu nutzen, um eine andere und komplementäre Medienkultur zu entwickeln und etablieren. Sie könnte es sein, wenn leitende Redakteure weiterhin glauben, Online sei zweitklassig und deshalb zeitweilig „Onlinesperren“ über ihre Printredaktionen verhängen. Sie könnte es auch sein, wenn wir weiterhin nicht sauber zwischen derzeitiger Wirtschaftskrise und strukturellem Medienwandel unterscheiden. Beide treiben sie die Verlage in die Enge, verlangen aber unterschiedliche Lösungsansätze. Und sie könnte es sein, wenn Budgetkürzungen und Streichungen weiter dort vorgenommen werden, wo das Herz der Zeitung schlägt: bei Recherche und eigenen Inhalten, also dort wo Journalismus richtig Geld kostet, aber eben auch Qualitätsprodukte und Preiswürdiges hervorbringt.

Die Zukunft der Zeitung könnte aber auch anders aussehen, wenn es gelingt, von dem antagonistischen Verständnis online versus offline wegzukommen und beides als zwei Seiten einer Medaille zu verstehen. Das tut manch kluger Blattmacher längst. Aber insgesamt erstaunt einen bei der Beobachtung der Märkte doch, wie viel Ratlosigkeit und Unsicherheit noch immer herrscht, die gerne durch radikale Thesen und Aktionen ausgeglichen wird.

Die Zeitung der Zukunft wird zwei Gesichter haben: ein gedrucktes und ein vernetztes. Die Aktualität, also „all the news that’s fit to print„, wie die Times in ihrem Claim beschreibt, wird ins Internet abwandern. Das Netz ist schneller als jedes andere Medium. Ihm auf diesem Feld mit einem Printprodukt Konkurrenz zu machen, hat einfach keinen Sinn. Aber als Medienhaus die Aktualität im Netz zu bespielen, hat sehr viel Sinn. Das zeigt auch eine neue Studie des Hightech-Branchenverbandes BITKOM, die den Nachrichtenportalen im Internet einen Nutzungszuwachs von 30 Prozent innerhalb eines Jahres attestiert, darunter viele Angebote der etablierten Medienhäuser. Für einen Überblick über die Tagsaktualität, die kurze Einordnung der Welt, wie ich sie beim Aufwachen vorfinde, dafür braucht es erstmal keine Edelfedern oder eigene Infrastruktur. Deshalb ist das Konzept der „Newsrooms„, das sich nun überall durchzusetzen beginnt, für diese Art des Journalismus perfekt. Für diese.

Eine andere Art des Journalismus wird weiter mit dem gedruckten Wort arbeiten, am Kiosk zu kaufen oder per Abo im Briefkasten zu finden sein. Das sind die Geschichten, die nicht in Häppchen als Schnäppchen im sekundenaktuellen Netz platziert werden, sondern die recherchiert, korrigiert, gegengelesen, überarbeitet, also weiterhin in einem aufwändigen „handmade“ Prozess entstehen werden. Sie sind Meisterstücke, Ergebnisse von Individualität, Kreativität und den richtigen verlegerischen Investitionen in Köpfe, die das können. Dazu braucht man keinen Newsroom, dazu braucht man Schreiber, die die Welt erzählen. Auf eine Weise, die wir im Netz oft vergeblich suchen (und wenn wir sie finden, dann sind es meist Printgeschichten, die ins Netz gestellt wurden).

Die gedruckte Zeitung ist ein episches Medium. Sie berichtet ausführlich narrativ, sie darf etwas Großes aus einer Kleinigkeit heraus erzählen, sie muss eine Meinung haben, Positionen entwickeln und den Mut, sie auch zu vertreten. Sie orientiert im Strom der Nachrichten, der sekündlich durch Netz fließt. In ihn klicken wir uns immer wieder hinein, um up to date zu bleiben. Aber dann klinken wir uns aus, um in die Welt ein zu tauchen, die uns erzählt wird von Menschen, die das gelernt haben. Sie tun es mit professionellem Ethos und Leidenschaft (Ausnahmen bestätigen die Regel) und bekommen für dieses Tun von ihren Verlegern Zeit und Platz gewährt. Platz gibt es auch im Netz genug, aber die Zeit ist knapp, für Produzenten und Konsumenten. Eine Seite, die nicht mehrfach stündlich aktualisiert wird, gerät schnell in die Randzonen der Netzaufmerksamkeit. Und der Leser, der Lesezeit für mehr als ein paar Zeilen investieren müsste, klickt weiter. Bei der Zeitungslektüre verweilt der Leser dort, wo sein Interesse besteht oder geweckt wird durch eine spannende und gut geschriebene Geschichte.

Und der Journalismus? Auch er wird lernen müssen, dass es nicht das eine oder das andere, sondern immer beides zusammen gibt. Im Netz eröffnet sich die Möglichkeit, spontan zu Ereignissen Stellung zu nehmen, dabei womöglich Instantgedanken zu produzieren, die kaum länger als eine Stunde haltbar sind. Und die haben im Netz ihre Berechtigung – neben den vielfältigen Angeboten von „Bürgerjournalismus“. „Schreib es aus Dir raus“, nach diesem Motto erwartet der Leser im Netz die Direktübertragung der Gedanken bei ihrer Verfertigung.

In der Zeitung ist das anders. Dort wollen wir originelle, ja einzigartige Inhalte finden, gut und sauber recherchierte Reportagen lesen, Geschichten, die durch ein paar Hände und Köpfe gegangen sind. Und wir vertrauen darauf, dass die Zeitung weiß, was wir erwarten. Journalismus im Internet ist nichts anderes als eine Dauerkonversation aller Beteiligten untereinander. Das gedruckte Medium offeriert Geschichten, die in einem aufwändigen Produktionsprozess hergestellt werden.

Wie kann dieses Zusammenspiel konkret aussehen? So wie manche Medienhäuser es in Ansätzen beginnen, aber nicht konsequent umsetzen: Die „Aktualität“ wird durch Newsrooms bearbeitet, die gut und gerne für verschieden Medien und Produkte tätig sein können. Im Feld der generischen Nachricht ist für die Zeitung langfristig kein Wettbewerbsvorteil mehr zu erzielen. Sie braucht Teams von exzellenten Rechercheuren und Autoren, die die Welt anders entdecken und anders beschreiben können. Und bei den richtig spannenden, investigativen Geschichten, können die ersten „Teaser“ im Netz platziert werden, um die Nutzer und Leser neugierig zu machen und Diskussionen zu entfachen. Die ganze Geschichte folgt dann im Blatt, umfassend und so erzählt, dass man nicht mehr aufhören kann zu lesen, bevor die letzte Zeile erreicht ist.

Online und offline müssen sich unterscheiden. Beide haben das Recht, neben- und miteinander zu existieren. Beide sind in ihrer Unterschiedlichkeit und Komplementarität ein Gewinn für den Journalismus, die Medienvielfalt und die Nutzer. Wie schrieb der US-Dichter Robert Frost Anfang des 20. Jahrhunderts: „Poetry is what gets lost in translation.“ Genau so verhält es sich mit online und offline. Wer versucht, das eine in das andere zu übersetzen, hat schon verloren. Wer das nicht versucht, kann nur gewinnen.

FAZ

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135 Reaktionen

  1. 28. Januar 2009, 9:36 Uhr, von Die Zukunft der Zeitung | Maßnahmen | Marketing Welten
    0101

    […] schreibt Miriam Meckel in Ihrem Blogartikel “Das epische Medium” und meint damit, daß Zeitungen erzählen sollen, gut recherchiert, spannend aufbereitet, […]

    Antworten
  2. 28. Januar 2009, 10:07 Uhr, von Urs Bürgi
    0102

    @Ramona, in einer kurzen Pause, hier in Davos, „merçi“; ja das ist es, was Lebendigkeit ausmacht, Toleranz ist: einen Sachverhalt aus den verschiedenen. möglichen Sichtweisen beleuchten und dies den anderen vermitteln, in einer Art und Weise (es muss nicht Kreide sein, aber zivilisiert,), die diese Sichtweise respektiert, nicht eins zu eins übernimmt. Diese Informationsvermittlung ist wesentlicher Bestandteil zur Existenz, weil nur so das Selbst sich findet in seiner Entscheidung, was es mit der Information macht. Information ist das 5. „Element“, denn ohne „Information im Gen“ ist zelluläres Leben nciht möglich. Und wenn wir uns die Ameisen und Bienen ansehen, wie sie ihr „know-how“ (wertfrei) übermitteln, weitergeben, um den „Staat“ zu erhalten, dann sind das genau jene Beispiele, an denen wir uns orientieren sollten, können, nicht müssen. Das ist einer der Gründe, warum ich Bionik so spannend finde. Wir kommen weiter, wenn wir ein wenig demütiger sind und anerkennen, dass die Evolution schon etwas „ausgereiftere“ Modelle entwickelt hat, als unsere Art Mensch es tut und immer wieder mit seinem unausgereiften „output“ sich mehr Probleme schafft, als er abarbeiten kann. Daher auch die Erfordernis, näherungsweise die Komplexität der Welt zu erfassen, was ja nichta anderes heisst, als zu versuchen, die Wirkungszusammenhänge der einzelnen Wirkungskomponenten, eben die Vernetzung erstmal zu verstehen, bevor man die „Sofortlösung“ in die Tat umsetzt. Die Finanzkrise z.B., die ja noch nicht „gelöst“ ist, ist hier in Davos Thema und es ist schon erschreckend, wie ein Grossteil der Teilnehmer nur Partialsicht, aber nicht „das Ganze und seine Teile“ (Heisenberg) zu sehen und zu begreifen, an den Tag legt. To make business is different from understandig economics!
    Grüsse aus den Bergen, die oftmals Weitsicht erlauben!;-)

    Antworten
  3. 28. Januar 2009, 14:13 Uhr, von Ramona
    0103

    @Urs, was soll man dem noch hinzufügen? Du hast das großartig formuliert. Danke!
    Grüße nach Davos!

    Antworten
  4. 28. Januar 2009, 14:17 Uhr, von Miriam Meckel Gefällt einem Leser
    0104

    Jörg Friedrich hat (wie viele andere) eine spannende Frage gestellt: Ist das gedruckte Medium Zeitung in Zukunft wirklich ein tagesaktuelles Medium? Ich könnte mir vorstellen, dass sich da was verändert. Schon jetzt gehen Zeitungen Mitte der Woche und vor allem am Wochenende besonders gut. Montage dagegen sind in der Regel der Verlagsalptraum. Eine Zeitung, die vier Mal die Woche kommt, Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag? Mir würde etwas fehlen, aber der Weltuntergamg für die Zeitung wäre das auch nicht.

    Antworten
  5. 28. Januar 2009, 14:19 Uhr, von Urs Bürgi
    0105

    @Ramona, Du hast mich halt inspiriert. Du siehst, es geht mit dem „Hineingeben“ immer wieder und es überrascht, was dabei herauskommt. Das scheint mir die Chance zu sein, die Technik zu nutzen, es zu versuchen, unsere jeweils „kleine Welt“ zu verbessern, und in der Summe erreichen wir am Ende mehr, als die „Grossen“, die es zwar sagen, es zu wollen, aber doch zu klein sind, es zu schaffen.
    Schick‘ Dir ein paar Sonnenstrahlen aus Davos mit lieben Grüssen.

    Antworten
  6. 28. Januar 2009, 14:36 Uhr, von Urs Bürgi
    0106

    @MM, es wird, wie Fabian schrieb, auf die Zielgruppe/n ankommen. Die zunehmende „Alterung“ in Europa wird immer ihre „Zeitungsleserschaft“ haben, diejenigen, die mit dem Netz aufwachsen, werden mehr online-lesen. Und es wird auf den Inhalt ankommen: Eine Abhandlung über Max Weber oder von Ihnen über vielleicht „Dahrendorf und sein Einfluss in der Soziologie“ wird online mühsam, aber für eine Wochenzeitung und deren Leser geeignet sein. Ohne Kassandra zu spielen, es wird beide Formen geben, die Spreu sich vom Weizen trennen, wichtiger wird sein, dass die Quellen der Information „sauber “ bleiben, um die Vielfalt wird man sich dann weniger Sorgen machen müssen.

    Antworten
  7. 28. Januar 2009, 15:41 Uhr, von Fabian
    0107

    @ MM: Genau dazu gab’s doch auch mal ein Interview in dieser SZ-Reihe „Zukunft des Journalismus“ oder so. Momentchen …

    Ah, hier die ganze Reihe und ich glaube, ich las die genannte These im Interview von Tom Rosenstiel, siehe Beitrag 12, so ist es.

    Antworten
  8. 28. Januar 2009, 15:43 Uhr, von Janna
    0108

    Mir persönlich würde eine gedruckte Variante 3x in der Woche ausreichen. Am liebsten Montag, Donnerstag und Samstag- die Montagsausgabe für alle Wahlausgang-Berichte, den Donnerstag, weil da das ein oder andere kulturelle Programm startet und den Samstag, um alle in einer Woche gefaßten politischen Beschlüsse und Entscheidungen noch einmal reflektieren zu können. Für die Tage dazwischen reichen mir die online-Ausgaben.
    Werden Print-Zeitungen eigentlich heutzutage noch im Lehrplan von Schulen behandelt ? Zu meiner Zeit gab es das, inklusiver Selbstversuche wie einen Artikel über ein bestimmtes Thema aus der FAZ mit dem Pendant der Bild auf stilistische Unterschiede, Seriosität, Quellenangaben usw. zu vergleichen ? Mir hatte es damals zumindest geholfen, den Blick für’s Wesentliche zu schärfen und auch Respekt für ein Medium zu entwickeln, bei dem Jounalisten, Redakteure und alle anderen Verantwortlichen jeden Tag auf’s Neue versuchen, die Aktualität der Dinge begreifbar zu machen.
    Schwierig wird es in der Tat nur dann, wenn man die unterschiedlichen Medien wertet: nicht jede Print-Ausgabe ist ein Fünfgänge-Menü, aber auch nicht jede online-Variante ist das Fastfood unter den Nachrichten.

    Antworten
  9. 28. Januar 2009, 17:49 Uhr, von Cate Gefällt einem Leser
    0109

    Das kann man doch überhaupt gar nicht festlegen. Es kommt schließlich auf die Nachrichtenlage an und die richtet sich nicht nach Wochentagen. Es kann jeden Tag etwas passieren, von dem man am Folgetag gerne in der Zeitung lesen möchte. Wenn die dann erst am übernächsten Tag kommt, fehlt was. Und das können die virtuellen Informationsquellen ncht ersetzen. Und gerade in Zeiten, in denen die Wochenzusammensetzung aus Arbeitstagen und Samstag und Sonntag ohnehin immer mehr auseinanderfällt, sollte man sich auf eine solche Ausgabeneinteilung lieber nicht verlassen. Was für den einen Sonntag, ist vielleicht für einen anderen Montag usw… Diese Entwicklungen spielen auch noch mit rein.

    Antworten
  10. 28. Januar 2009, 18:37 Uhr, von Ramona
    0110

    Ein tagesaktuelles Medium kann eine Tageszeitung nicht sein.
    Um über aktuelle Geschehnisse informiert zu sein, ist die Online-Variante oder das Online-Angebot div. Nachrichtensender die bessere Bezugsquelle.
    Von der Tageszeitung erwarte ich gut recherchierte Hintergrundinformation und Kommentare zu Ereignissen des Vortages. Und natürlich das Feuilleton, auf das ich in gedruckter Form nicht verzichten mag.
    Das Internet bietet außerdem die Möglichkeit, ergänzend zum geschriebenen Artikel, Informationen oder Veröffentlichungen zu liefern. Quasi eine Verknüpfung beider Medien. Das wird sicher auch das Zukunftsmodell sein.

    Ansonsten bin ich mit @Cate einer Meinung. Das Erscheinen einer Tageszeitung nur auf einige Wochentage zu beschränken, funktioniert nicht. Die Zeitung würde im schlimmsten Fall, dem aktuellen Geschehen um Tage hinterher hinken. Das ist doch der Todesstoß.

    Antworten
  11. 28. Januar 2009, 19:08 Uhr, von na ich
    0111

    Looking Back In Time
    oder
    Gibts Was Neues Im Westen?

    http://www.ibiblio.org/cmc/mag/1995/jul/lapham.html

    Schon vor fast 20 Jahren hatten sich die Rheingolds, Katzs, etc. pp. Gedanken dazu gemacht …

    Eigentlich erstaunlich (und zeitgliech spannend) zu sehen, dass die theoretischen ? Gedanken von damals in der Praxis erst jetzt richtig ankommen …

    Antworten
  12. 28. Januar 2009, 19:23 Uhr, von g.emiks
    0112

    die sekte der treuen

    die treue zum gedruckten zeugt
    von ausgesprochener vergangenheitsgläubigkeit.

    http://gemiks.twoday.net/20090128

    Antworten
  13. 28. Januar 2009, 21:25 Uhr, von Miranda
    0113

    Ich bin ehrlich,ich schaffe es nicht jeden Tag die Zeitung gründlich zu lesen, lese FR,FAZ und dann noch wöchentlich den Spiegel, merke aber selbst dass bei einem 9 -10 Stunden Tag ich nur sehr selektiert lese und manchmal ich mich richtig auf meinen aktuellen Roman freue und die Zeitung gerne weglege…
    Dazu bietet sich dann das Online Medium an, man kann besser sich schnell und zeitnah informieren und die Headlines überfliegen aber klar es regt auch an flüchtiger zu werden und drüber weg zu lesen…
    gehöre aber gerne der gestrigen an die dass Internet zwar nutzen aber es verlässlicher finden und seriöser findenetwas gedrucktes in der Hand zu halten…

    @Andrea…liebe Grüße nach Zürich,
    die neuen Möbel sehen super aus…

    Antworten
  14. 28. Januar 2009, 21:51 Uhr, von Petra
    0114

    Informationen bekommen online eine andere Bedeutung als einmal täglich gedruckt. Sie sind so eine Art Dispositionsmasse, die schnell in der Prioritätenliste hinauf und hinunter gestuft werden. Als die Angestellten der Bayerischen Landesbank AG gegen die Entlassung ihres Vorstands, Herrn Kemmer, protestierten, interessierte mich sehr, ob diese Art von Protest Erfolg hatte. Morgens war es bei tagesschau.de die erste Nachricht, gegen Mittag war diese Fragestellung schon 3-4 Nachrichten nach unten gerutscht und abends es nur noch eine kurze Randnotiz ganz unten. Als Herr Kemmer dann am nächsten Tag (wider Erwarten) nicht entlassen wurde, war dies keine gesonderte (weil ja nicht sensationelle) Nachricht, sondern verpackt in einem Artikel über die politischen Vorkommnisse in Bayern. Vielleicht ist es eine Frage des „Bezugs“, der online einfach anders ist: aktuell ist, was als Nachricht neu hereinkommt. Wahrscheinlich bin ich einfach sehr konservativ, dass ich gerne eine gewisse Ordnung in der Nachrichtenflut haben will. Daher bin ich sehr froh, in meiner Tageszeitung auf bestimmten Seiten bestimmte Themen zu finden. Vielleicht gehöre ich aber zu einer aussterbenden Rasse wie einst die Dinosaurier und stehe eines Tages mit einem Schild vor dem Kiosk „Gegen das Zeitungssterben – rettet unsere Nachrichtenkultur“. Ein mitleidiger Fotograf hält macht einen Schnappschuss und ich komme ins Museum, ins virtuelle natürlich…

    Antworten
  15. 28. Januar 2009, 22:05 Uhr, von Cate
    0115

    AlPtraum klingt doch ganz nett. ;o)

    Antworten
  16. 29. Januar 2009, 0:49 Uhr, von Mesm
    0116

    @Miriam Meckel, a newspaper that is not published on a daily basis is not a “NEWS-paper?, it’s a magazine-like news provider.
    But if I look at it from a practical point of view, four editions a week is a possibility, because if I count the days I miss reading the paper it will probably fit the proposal. There is no doubt that Friday, Saturday and Sunday are my best “have-time-to-read-newspaper-days? but I think it is at question of lifestyle. Some people can only find time to read newspapers on their way to work or at other “on-my-way-to-to somewhere-moments?, others have the possibility to read outside normal working hours.

    I can not imagine everyday life without a printed newspaper, on the other hand, if someone had told me 15 years ago that in 2009 I would get most of my news from the internet, I would have considered it Science fiction. The conclusion; anything is possible and a lot is dependent on the technical gadgets, if the computers of the future are fit to read longer texts on and if the internet coverage are sufficient I would not rule out going totally digital :-)

    Antworten
  17. 29. Januar 2009, 7:00 Uhr, von Petra
    0117

    Nachtrag 28.01.2009 / 21.51 Uhr:
    Also ihr lasst Euch ja was von mir erzählen: wenn man mich im virtuellen Museum archivieren kann, wird es wohl keine Kioske mehr geben!
    Und noch was: das Wort „hält“ hinter Fotograf wurde virtuell hinzugefügt, denn ich habe es nicht beschrieben. Bestimmt nicht. Wahrscheinlich nicht. Naja, es war schon etwas später… Ich sollte so spät nichts mehr schreiben und so früh erst recht nicht!
    Ja, ja, ich hab schon verstanden – ich höre jetzt auf!
    Einen schönen Tag allerseits – virtuell und real. Auf geht’s.

    Antworten
  18. 29. Januar 2009, 7:12 Uhr, von Ramona Gefällt einem Leser
    0118

    Ein aktueller Info-Tipp zu Thema:

    In der gestrigen 3sat-Sendung KULTURZEIT war die Zukunft der Printmedien ein Thema.

    http://www.3sat.de/mediathek/?obj=11107

    Außerdem findet Ihr noch einige Infos vom 1. Deutschen Medienkongress 2009 in Frankfurt.

    Einen guten Start in den Tag!

    Antworten
  19. 29. Januar 2009, 7:59 Uhr, von Dowanda
    0119

    Ich glaube, dass eine auf ein paar Ausgaben reduzierte Tageszeitung pro Woche ihre Präsenz verliert, ihre Verlässlichkeit der Verfügbarkeit.
    Und dann letztendlich untergeht.
    Das ist ähnlich wie bei einem Geschäft, das z.B. an manchen Tagen gar nicht offen hat. Dann gehe ich viel eher woanders hin, wo ich von vornherein weiss das ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.

    Antworten
  20. 29. Januar 2009, 8:12 Uhr, von Mesm
    0120

    The Electronic Reading Device – an example on how we will read newspapers in the future?

    Antworten
  21. 29. Januar 2009, 8:22 Uhr, von Ramona
    0121

    @Dowanda, böse Vision. Die BLD-Zeitung erscheint bestimmt täglich oder ein ähnliches ‚österreichiges Modell‘ (Kronen-Zeitung?) :-))
    Die steigern dann bestimmt noch ihre Auflagen.
    Fenchelteegruß!

    Antworten
  22. 29. Januar 2009, 8:50 Uhr, von Dowanda
    0122

    @Ramona
    „Das Unglück der Verfügbarkeit“

    Antworten
  23. 29. Januar 2009, 8:59 Uhr, von Ramona
    0123

    Das klingt nach einem neuen Buchtitel von MM:-))

    Antworten
  24. 29. Januar 2009, 9:19 Uhr, von Miranda
    0124

    Ich glaube auch dass es keine gute Idee wäre dass eine Tageszeitung nicht mehr jeden Tag erscheint…denn es kommt wie oben schon erwähnt@ Downada auf die aktuelle Nachrichtenlage an, und da möchte ich dann selbst entscheiden und will selbst die Möglichkeit haben und mich nicht vertrösten lassen auf morgen oder dreimal dei Woche…

    Antworten
  25. 29. Januar 2009, 9:20 Uhr, von Miranda
    0125

    die Woche natürlich
    :)

    Antworten
  26. 29. Januar 2009, 10:16 Uhr, von Urs Bürgi
    0126

    @Ramona, ganz rasch, zwischedure:
    http://www.sueddeutsche.de/computer/753/456421/text/
    Gruss.

    Antworten
  27. 29. Januar 2009, 12:57 Uhr, von Ramona
    0127

    @Urs, danke für den Link. Er unterstreicht das, was wir hier zusammengetragen haben. Aber irgendwie hinterlässt der Artikel bei mir ein Gefühl der Hilflosigkeit.
    Ich wünsche Dir noch frohes Schaffen.

    Ist es richtig, dass Davos zur Zeit der bestbewachte Ort der Welt ist? Ich bin gespannt, ob dieser Gipfel umsetzbare Ergebnisse bringt. Es ist ja schon mal gut, dass diejenigen die an der Finanz- und Wirtschaftskrise Mitschuld tragen, auch mit am Tisch sitzen.

    Antworten
  28. 29. Januar 2009, 13:10 Uhr, von Urs Bürgi
    0128

    @Ramona, Danke für die guten Wünsche. Bin sehr busy. Ja, es hat sehr viel „Schutz-Polizei,-Armee“. Wie immer. Zum Artikel in SZ: einfach kritisch sein nund sich stets fragen: was sagt m i r diese Info? Wozu brauch‘ ich sie? Und niemals den Glauben an sich selbst verlieren, denn nur Du kannst beurteilen, was für Dich wichtig ist. Hier wird es sehr deutlich: viele „Kapazitäten“ und jeder redet pro domo, „verkauft“ sich und niemand sieht eine wirkliche Lösung, während die Negativ-Meldungen weiter wachsen. Stimmt das alles, was da publiziert wird? Niemand kann Dir das sagen. Man glaubt es, hat noch ein wenig Vertrauen, Tendenz fallend. Ich meine, dass es nur mit persönlicher Gelassenheit geht, dem Wahnsinn zu begegnen, es ist wie ein „big game“. Ich muss wieder was tun. Gruss.

    Antworten
  29. 29. Januar 2009, 15:35 Uhr, von Jörg Friedrich
    0129

    Der Wechsel von der Tages- zur Wochenzeitung geht wahrscheinlich schleichend voran: Schon heute haben Zeitungen wie die FAZ von Tag zu Tag unterschiedliche Bücher (Reisewelt, Motor und Technik, Natur und Wissenschaft) – das kann sich noch weiter ausdifferenzieren, möglicherweise werden sich die nicht-tagaktuellen Themen auf bestimmte Wochentage konzentrieren, aber das ist auch ein Problem der Logistik und der Druckerei-Auslastung.

    Aber die Wahlanalyse will man eben am Montag lesen, und zwar morgens am Frühstückstisch oder spätestens um 10:00 Uhr im Büro. Und da beginnt das Problem: Welche journalistische Qualität kann man erreichen, wenn man den Sonntagabend von 19:00 Uhr bis ca Mitternacht dafür hat? Denn der Druckprozess lässt sich, trotz großer Fortschritte, nicht beliebig verkürzen, und die Auslieferung schon gar nicht. Ist da nicht eine bessere Qualität zu erwarten, wenn man die Zeit bis zum Morgen ganz für den Journalismus nutzt und den Artikel um 7:00 Uhr online hat?

    Es ist also zu erwarten, dass die journalistische Qualität der tagesaktuellen Analysen in den Online-Medien sogar höher sein wird, als im Print-Medium. Die erfolgreichen Zeitungen der nächsten Jahre werden beides machen, und das Leseverhalten ihrer Kunden genau beobachten. Denn durch alle Altersgruppen wächst die Bereitschaft, auch längere Artikel am Bildschirm zu lesen, gleichzeitig nimmt die Internet-Verfügbarkeit auch in Zügen und Cafés, wo man vor wenigen Jahren noch auf die großen Papierbögen angewiesen war, zu.

    Antworten
  30. 29. Januar 2009, 17:33 Uhr, von Ramona
    0130

    @Urs, ich glaube der Verleger Axel Springer hat einmal gesagt: »Die Zeitung von heute ist das Papier, in das morgen der Fisch eingewickelt wird«, oder so ähnlich:-)
    Bei der Informationsflut im Internet landen die Meldungen im Stundentakt im virtuellen Papierkorb. Das muss einem klar sein. Um so entscheidender, ist das Sensibilisieren für das wirkich Wichtige. Da hast Du völlig Recht.

    Ich wünsche einen gemütlichen Abend:-)

    Antworten
  31. 29. Januar 2009, 19:42 Uhr, von Urs Bürgi
    0131

    @Ramona, danke, und ich Dir auch. Das ist die persönliche Aufgabe, aus dem Informations-„Inflation-Wust“ das herauszufiltern, was für den einzelnen Menschen in seiner jeweiligen Situation gerade wesentlich ist. Das ist hier in Davos nicht anders. Unmengen von „wichtigen“ statements, und doch kann keiner die Lottozahlen vorhersagen, obwohl es ja nur 6 Zahlen sind aus stets gleichen 49! Wie wollen sie denn dann aus den viel grösseren Datenmengen, die sich auch stetig verändern, etwas über das Morgen sagen, geschweige denn eine wirkliche Lösung anbieten? Sie stochern alle nur im Nebel, nur sauteuer!!! Und daher: small is beautiful oder, weniger ist mehr. War am Ende immer so, sagt man. Oder noch anders: nachhaltige Qualität vor kurzfristiger Quantität. Das werd‘ ich jetzt beim Abendessen einhalten, und nicht nur dort. Lieben Gruss.

    Antworten
  32. 1. Februar 2009, 10:32 Uhr, von na ich
    0132

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/475/„der-freitag“-auferstanden-aus-ruinen

    ____

    Das Experiment: Augstein und „Der Freitag“

    User können(fast gleichberechtigt zur Redaktion) interaktiv partizipieren, Inhalte aus dem Guardian werden integriert (super!).

    Aktualität soll gegeben sein, jedoch nicht im Vorderung stehen, statt dessen zählt die Analyse (Qualität).

    Der Startschuss: am Do. 5. Februar

    Antworten
  33. 3. Februar 2009, 18:56 Uhr, von carlo di fabio
    0133

    leider gibt es unter den journalisten nicht wenige DIDERICHE, wie sie von miriam meckel in ihrem spiegel-essay LATER KLEINE DIEDERICHE bezogen auf talk-show-teilnehmer beschrieben wurden. deshalb sind einige zeitungen überflüssig. es geht um zeitgemäße beiträge, die kreatives beitragen zu:
    deep ecology
    direct democracy
    organic security

    zu besseren zukünften also!

    der SPIEGEL-essay ist gut gelungen. deshalb werde ich miriam meckel für den HERBERT-RIEHL-HEYSE-PREIS vorschlagen.

    du als leser(in) dieses kommentars kannst dich dem anschließen und sie benfalls vorschlagen. frist: 28.2.09
    >herbert-riehl-heyse-preis@sueddeutsche.de

    Antworten
  34. 12. März 2009, 19:35 Uhr, von Das epische Medium « Hansbay’s Blog
    0134

    […] Weiterlesen>> […]

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  35. 17. Juli 2009, 16:02 Uhr, von Hype^2 » Web-2.0-Bashing «
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