MM_de-Lillo
Zu den Kommentaren
13. März 2009, 11:02 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Holy Net

Wie wusste schon die Physikerin Marie Curie: „Was man verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.“ Der Leitspruch taugt für die Naturwissenschaften, die in ständigem Streben nach Erkennen und Verstehen durchaus den Anspruch der Objektivierbarkeit an die Welt stellen. Sie lässt sich empirisch prüfen und überprüfen. Und mit dem so gewonnenen Wissen verliert sie den Schein der Unfassbarkeit und ihre Beobachter verlieren die Angst vor derselben.

Was für die Naturwissenschaften gilt, passt so gar nicht zur Religion. Hier geht es nicht um Wissen, sondern um Glauben. Und gelegentlich lebt Glauben von Nichtwissen. Gerade die Katholische Kirche erweckt noch heute hinlänglich den Anschein, es sei ihr in manchen Fragen des religiösen und weltlichen Lebens so gar nicht an Wissen gelegen, da damit die Glaubensgrundsätze und hierarchischen Auslegungsansprüche der Amtskirche erschüttert werden könnten. Der Papst ist unfehlbar, das heißt dogmatisch irrtumsfrei. Beichten muss er aber trotzdem, denn irrtumsfrei heißt nicht sündenfrei. Und beichten muss er zuweilen in sehr weltlichem Sinne.

In seinem Brief an die Bischöfe hat der Papst Fehler in seinem Umgang mit dem Holocaust-Leugner Richard Williamson aus der Pius-Bruderschaft eingestanden. Interessant sind Form und Inhalt des päpstlichen Reuebriefs. Es geht nicht um die Substanz der inhaltlichen Entscheidung, Williamson wieder in die Kirche aufzunehmen, es geht allein um ein Kommunikationsproblem. Hätte Williamson widerrufen, wäre die Sache für den Papst sowieso erledigt gewesen. Hat er aber nicht. Also hat der Papst jetzt ein Kommunikationsproblem. Und das hätte gar nicht sein müssen, wäre der Vatikan etwas besser vernetzt mit der Lebenswelt der Normalchristen und -menschen.

„Ich höre, dass aufmerksames Verfolgen der im Internet zugänglichen Nachrichten es ermöglicht hätte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, dass wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten müssen.“ So schreibt Benedikt XVI. in seinem Brief. Es sind die Informationen, die gefehlt haben, um die Lage richtig beurteilen zu können. Die Informationen also, die einen von Furcht befreien, aber auch vor unaufgeklärt zustimmendem Glauben bewahren.

Manchmal könnte selbst dem Papst die Bibellektüre helfen. „Fürchtet Euch nun nicht vor ihnen“, steht da geschrieben. „Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und verborgen, was nicht kundwerden wird.“ (LK 8,17).

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45 Reaktionen

  1. 13. März 2009, 11:03 Uhr, von Dowanda
    01

    DANKE!
    Hab ich mir ja schon lange gewünscht.

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  2. 13. März 2009, 11:47 Uhr, von Katja Owl Gefällt einem Leser
    02

    Um es mit Max Frisch zu sagen: „Ohne Kirche keine Hölle“.

    Auch die jüngste Reaktion des Papstes zeigt, daß man sich dort immer noch darauf versteht, sich die Welt zur Machterhaltung zurechtzubiegen.

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  3. 13. März 2009, 11:58 Uhr, von Dowanda
    03

    @Katja Owl
    „Ohne Kirche kein Himmel.“ Dowanda :-)

    ich denke, der Vatikan hat die Reaktionen auf diese Entscheidung komplett unterschätzt. Man dachte wohl, aus der irrigen Annahme heraus alles sei wie früher, man könne ein Sätzchen absondern und die Welt der Gläubigen erbebt in ehrfurchtsvoller Kenntnisnahme. Das hätte wohl vor zehn Jahren noch für eine Weile funktioniert. Aber durch das www fallen geistige Blähungen Marke Williamson eben sofort auf.
    Das Williamson sich nicht mal genötigt fühlt, sie inhaltlich zu distanzieren macht ihn selber zwar berechenbarer – wirft aber die Frage auf welcher Geist den Vatikan durchweht. Der Protest gerader unter den deutschen und österreichischen Bischof macht mich aber hoffnungsvollem in dem tristen Bild, dass die Katholische Kirche seit einigen Monaten abgibt.

    Übrigens: Dogma ist die Entscheidung des Papstes die Piusbruderschaft zu resozialisieren keines. Meines Wissens war das keine ex cathedra-Aussage. Die letze kam soweit ich weiss aus Mitte des letzten Jahrhunderts und betraf die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel.

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  4. 13. März 2009, 13:32 Uhr, von Maria
    04

    Die Unfehlbarkeit des Papstes bezieht sich auf Glaubens,Sitte und Lehrentscheidungen.
    .
    Ich glaube,Frau Meckel hat ein ernstes Problem mit dem Papst und der kath. Kirche. Ihre Kritik in diese Richtung habe ich schon oft gehört.Warum nur? Man muß nicht mit ALLEM was vom Papst und der Kirche kommt einig sein,aber alles nur kritisiern und in Frage stellen?

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  5. 13. März 2009, 14:03 Uhr, von Jana
    05

    @Maria:
    Also ich bin der Meinung: Kritik dorthin wo sie hingehört. Egal wer Fehler macht – er kann dafür kritisiert werden. Und wenn man ein sehr wichtiges Amt inne hat, bei welchem man als Vertreter für sehr viele Menschen agiert – in diesem Falle die Gruppe der kath. Christen – dann sollte man sogar kritisiert werden! – Bloß nicht stillhalten u. schweigen aus Respekt! –

    Na klar kann jeder der handelt und Verantwortung übernimmt Fehler machen… immer auch mehr Fehler als jemand, der nur im eigenen Kämmerchen sitzt und sich von dort informiert u. kritisiert.
    Dennoch müssen Fehler angesprochen werden, damit daraus immer auch ein Nutzen gezogen wird – oder noch viel wichtiger: damit diese Fehler auch als solche erkannt werden u. manche wenig mitdenkenden/kritischen Gläubigen diese falsche Einstellung/ diesen Fehler nicht als Maßstab nehmen!

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  6. 13. März 2009, 14:30 Uhr, von Fabian
    06

    :-D Schönes Thema, schöner Beitrag. (Wenngleich ich mir ja ein anderes gewünscht hätte, aber ich bin ganz froh, dass es hier mal nicht um das derzeit omnipräsente Thema geht. Insofern: Made my day.)

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  7. 13. März 2009, 14:44 Uhr, von Miranda Gefällt einem Leser
    07

    @Maria
    „Ich glaube,Frau Meckel hat ein ernstes Problem mit dem Papst und der kath. Kirche“.

    Wenn man sich wirklich ernsthaft auseinander setzt mit dem Thema Papst, wie kann man da keine Kritik und keinen Widerspruch empfinden?
    Kann mit dem Brief nur wenig anfangen, bei so einem brisanten Thema muß man sich vorher mit den Fakten befassen.
    Einen Papst der die kath Kirche al einzigst wahre Kirche die sogenannte „Una Sancta Catholica Ecclesia“ benennt, und selbst das Protestantentum kritisch beäugt, kann keine Weitsicht haben.

    Jesus würde heute als erster die Instution Kirche scharf kritisieren und sie in dieser Fürstentum ähnlichen Gemeinschaft auflösen.
    Einen Papst der Randgruppen weiterhin diskriminiert, nicht anerkennt und ausgrenzt kann für mich seine Funktion nicht erfüllen.
    Ich habe mich sehr bewußt als Katholikin abgewandt auch wenn ich weiterhin meinen Glauben habe, aber der Zugang zu Gott muß ich mir nicht doktrinieren lassen.
    Es ist eine Schande dass Williamson überhaupt Bischof werden durfte mit so einer Grundhaltung oder das Nicht Anerkennen geschichtlicher Fakten…
    Benedikt war gezwungen zu schreiben, da er glaube ich gespürt hat dass ihm die Felle wegschwimmen, die Kirche muß dringend an die Grundreformen rangehen, gerade in einer Zeit wo die Gesellschaft Grundwerte dringend braucht, sollte sie Ihre Einstellung zu vielen Dingen überdenken und die stark moralisierende Form entschärfen…
    Es wäre schön, wenn sie wieder zu einem Begegnungsort werden könnte und einem Raum der Gemeinschaft bietet und Ausgrenzung vermeidet, aber da sehe ich wenig Hoffung!

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  8. 13. März 2009, 14:50 Uhr, von Nora
    08

    Es ist reizvoll, aber verlogen, die Geschichte mit den Pius-Brüdern einem „Kommunikationsproblem“ und dem Fehlen an Informationen unterzuschieben.

    Wer glaubt denn ausgerechnet diesem Papst, einem der klügsten und bestinformiertesten Theologen überhaupt, dass er eine solche Entscheidung trifft, ohne vorher über ihre Details informiert zu sein? Wer glaubt diesem gewieften, aber kalten Strategen, es sei keine Absicht gewesen, nun ausgerechnet diese antisemitische, erzkonservative und menschenfeindliche Bruderschaft in die katholische Kirche aufzunehmen und das Ganze dann als „offene Arme“ zu verkaufen?

    Aber nehmen wir einfach mal an, es sei so gewesen und Papst Beneditk habe tatsächlich nicht gewusst, wen er da mit offenen Armen empfängt.

    In diesem Fall drängen sich doch gleich mehrere Fragen auf: Warum wird Williamson überhaupt als einziges Kriterium angesehen, nach dem die Entscheidung dieses Papstes bewertet wird? Warum wird nicht die Gesinnung der Pius-Bruderschaft generell betrachtet und damit auch die Richtung, in die die katholische Kirche sich wendet, bewertet?

    Die Pius-Brüder sind Antisemiten und bigotte Hinterwäldler. Williamson ist darüber hinaus auch noch ein Volltrottel, der seine Gesinnung etwas zu deutlich in die Welt hinausposaunt. Aber darf das unser einziges Kriterium sein? Nur weil die anderen nicht ganz so laut und dumm brüllen, dass Juden, Homosexuelle und eigentlich auch die Protestanten Anti-Christen sind, ändert das an ihrer Gesinnung reichlich wenig.

    Kommunikation, mangelhaft, ja, vielleicht. Aber unter Umständen sollte man sich auch einfach mal fragen, ob Williamson nicht eher deshalb ein Problem für die katholische Kirche darstellt, weil es ihr aufgrund seiner Person nicht gelungen ist, UNS die Aufnahme der Pius-Bruderschaft kommunikativ elegant (offene Arme) unterzujubeln und den erzkonservativen Stil dieses Papstes, der ja auch Verhütung als Teufelszeug, Sex als Droge und Homosexualität als Leben gegen die Wahrheit bezeichnet, damit konsequent fortzusetzen.

    Dass Sie nun auch in das Kommunikationshorn tuten, Frau Meckel, finde ich mehr als bedauerlich und das gleichermaßen obwohl und weil sie Kommunikationswissenschaftlerin sind.

    Antworten
  9. 13. März 2009, 16:07 Uhr, von carola
    09

    Ich glaube inzwischen haben viele Leute ein Problem mit dem Papst und das nicht nur die, die in der katholischen Kirche sind.
    Was wäre denn gewesen, wenn Richard Williamson seine Aussage widerrufen hätte ? Wäre das dann so gewesen als hätte er nie etwas gesagt ? Sorry, aber das erinnert mich jetzt an den ‚König der Löwen‘ – Bing – Vergangenheit ! und Hakuna mattata.

    Antworten
  10. 13. März 2009, 16:11 Uhr, von US Gefällt einem Leser
    010

    Eigendlich hab ich das Theater rund um den Papst irgendwie satt.

    An der Aufregung darüber, dass der Papst Ratzinger entzaubert ist, kann man gut studieren, dass es offenbar mindestens ein halbes Volk gab und gibt, das die Verherrlichung des deutschen Papstes und das Ergebnis dieser Verherrlichung, sein gutes Image, für die Realität genommen hat. Joseph Ratzinger und seine Karriere ist ein Musterbeispiel dafür, wie man Images prägen kann, wenn man die notwendige Öffentlichkeitsarbeit macht, die entsprechenden Medien wie bei uns zum Beispiel das ZDF und die Bild-Zeitung zur Verfügung hat und entsprechende Events schafft. Wenn man diese Möglichkeit der Imageprägung in Rechnung stellt, dann kann man auch nicht enttäuscht sein, wenn das wahre Gesicht zum Vorschein kommt. Ratzinger hatte sich umprägen lassen und erscheint jetzt so, wie er ist. Warum regen sich die Leute darüber so auf? Sie sollten sich eher darüber aufregen, wie sie sich an der Nase haben herumführen lassen.
    Mir wird an diesem Fall so richtig klar, welch ein Irrsinn die Einrichtung eines Widerrufs ist. Wenn der britische Holocaustleugner widerruft, was heißt das denn? Das heißt dann, dass er lügt, dass er sich verstellt. Dass eine Kirche dies im 21. Jahrhundert überhaupt von einem Menschen verlangt, ist eine wahre Groteske.
    MfG

    Antworten
  11. 13. März 2009, 16:27 Uhr, von vera
    011

    Hervorragend, dass der Papst einsieht, dass ein Universalmedium extra Beachtung braucht; neben Medienberatern täte ihm wahrscheinlich „ein Kabinett, in dem die Spitzen der Kongregationen und Räte einmal in der Woche zusammenkommen, um Pannen zu vermeiden“, wie es der Leiter von Radio Vatikan formulierte, ganz gut.

    Antworten
  12. 13. März 2009, 17:25 Uhr, von Steffi
    012

    Die vatikanischen Ereignisse um die vier Lefebvre-Bischöfe und das aktulle Schreiben des Papstes, sind vielschichtiger als es MM beschrieben hat. Ich schätzt sonst Frau Dr. Meckel sehe für Ihre Wahnehmung und Differenzierung.
    Die Proteste kommen vor allem von Kirchen- und Glaubenstreuen; Menschen, die hoch engagiert sind – das stimmt nachdenklich.
    Der Vatikan hat eine Entscheidung getroffen – ohne jegliche Vorbedingung. So etwas darf nicht sein.
    Ich kann mir in meinem Beruf keine schlampige Arbeit leisten. Daher ist es für mich unbegreiflich, dass in den Kurien schlampig gearbeitet wurde, keine Vernetzung untereinander stattfindet, geschweide denn das Medium „Internet“ zu nutzen.
    Der kath. Theologe Hünermann schreibt folgerichtig: “ Die Aufhebung der Exkumminikation stellt eine Amtsübung des Papstes dar (Anmerkung: kein Dogma, Frau Meckel), die in gravierender Weise gegen fides et mores, gegen Glauben und Sitten verstößt“ (Herder-Korrespondenz). Deshalb muss „dieser Amtsfehler..eingestanden und korrigiert werden. Nur so könnten Kirche, Papst, Kardininäle und Bischöfe die öffentliche Handungsweise zurückgewinnen.“

    Der Papst hat den „Amtsfehler“ eingestanden, viel zu spät für mich. Denn neben der eklatenten Fehlentscheidung und dem evtl. Dauerschaden für die kath. Kirche, kommt eine psychologische Enttäuschung hinzu. Der Papst wurde zu Beginn seines Pomtifikats und bei seinen Reisen, v.a. in Bayern, umjubelt. Theologen, darunter auch mein füherer Professor, haben vor manchen Überraschungen Ratzingers gewarnt. Und Sie bzw. er hatte recht. Leider!

    Antworten
  13. 13. März 2009, 17:46 Uhr, von Walter
    013

    Benedikt XVI. fühlt sich von gläubigen Katholiken missverstanden.
    Statt als Versöhner und Integrator angesehen zu werden, sieht er sich als Spalter verkannt:
    “ Eine für mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, daß die Aufhebung der Exkommunikation überlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegenüber vier gültig, aber nicht rechtmäßig geweihten Bischöfen erschien plötzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich-jüdische Versöhnung, als Rücknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erklärt hat.“

    Ähnlich erging es ihm mit seiner Rede an der Universität Regensburg im Sepember 2006:
    „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“.
    Damals kam die Kritik aus dem Islam, jetzt aus der eigenen Kirche und von der eigenen Kanzlerin- er ist ja auch Deutscher- ‚Wir sind Papst“.

    Das Kanonische Recht, die Verfassung der katholischen Kirche regelt und definiert auch die Macht des Papstes:
    „Can. 333
    § 1. Der Papst hat kraft seines Amtes nicht nur Gewalt in Hinblick auf die Gesamtkirche, sondern besitzt auch über alle Teilkirchen und deren Verbände einen Vorrang ordentlicher Gewalt, durch den zugleich die eigenberechtigte, ordentliche und unmittelbare Gewalt gestärkt und geschützt wird, die die Bischöfe über die ihrer Sorge anvertrauten Teilkirchen innehaben.
    § 2. Der Papst steht bei Ausübung seines Amtes als oberster Hirte der Kirche stets in Gemeinschaft mit den übrigen Bischöfen, ja sogar mit der ganzen Kirche; er hat aber das Recht, entsprechend den Erfordernissen der Kirche darüber zu bestimmen, ob er dieses Amt persönlich oder im kollegialen Verbund ausübt.
    § 3. Gegen ein Urteil oder ein Dekret des Papstes gibt es weder Berufung noch Beschwerde.“

    Sehr viel Macht über Menschen und deren Seelenheil bedeutet ebensoviel Verantwortung. Als ein akribisch gründlicher Mensch leidet er an Unzulänglichkeiten und Versäumnissen seiner Verwaltung, die ihm persönlich angelastet werden und in denen er auch seine Fehler sieht.
    Seinem Bemühen um Verständigung in der Nachfolge von Johannes XXIII und Johannes Paul II kommt nun schon zum zweiten Mal solch eine Panne in die Quere.
    Zugrunde liegen möglicherweise nicht nur ein, sondern zwei Kommunikationsprobleme. Einmal die im kanonischen Recht begründete Ausnahmestellung des Papstes, die ihn heraushebt und ihn der üblichen Kommunikation entrückt- wohl abgesehen von wenigen Ausnahmen (sein Bruder, alte Freunde, die frühere Haushälterin)- zum Zweiten die Distanz zu neuen Formen der Kommunikation.
    Als früherer Lehrer weiß er um die Wichtigkeit des Gedanken- und Informationsaustauschs in beide Richtungen. Zu einer Verständigung genügt es nicht, nur zu senden- Reden, Erklärungen, Enzykliken- sondern auch das Empfangen gehört dazu. Dies bedeutet Aufmerksamkeit auch für das Internet, das die öffentliche Wahrnehmung und Deutung auch der katholischen Kirche immer mehr bestimmt.
    So ist der Brief an die Bischöfe vor allem das Eingeständnis eines formalen und strategischen Fehlers, aus dem der Vatikan lernen wird.
    In der Sache, was seine Motive und seine Haltung gegenüber der Pius- Bruderschaft angeht, bleibt er sich treu, ist er, mit fast 82, bei aller Lernfähigkeit und in achtenswerter Konsequenz- immer noch der Alte.

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  14. 13. März 2009, 18:21 Uhr, von Timur
    014

    Ich bin ein Bewunderer von Prof.Hans Küng und sein Kampf um die Wahrheit in Kirche und Gesellschaft verfolgt er mit grosser Leidenschaft , er hat sicher kein Kommunikationsproblem nicht so sein „ehemaliger Gegenspieler“ der heutige Papst.
    -Senatus non errat, et si errat, non corrigit, ne videatur errasse-

    (der Senat irrt nicht, und wenn er irrt,
    korrigiert er nicht, damit es nicht scheint, er habe geirrt!)

    Aber : Errare humanum est-
    Ich habe grosse Probleme mit der kath.Kirche .

    Antworten
  15. 13. März 2009, 18:25 Uhr, von g.emiks
    015

    daß der h.oly papst jetzt schon bei twitter zwitschert, wundert mich nicht. aber nur fromme 26 followers. das muß sich ändern.

    http://twitter.com/papst_benedikt

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  16. 13. März 2009, 18:32 Uhr, von Maxundmoritz
    016

    Dass der Vatikan und die katholische Kirche ein Kommunikationsproblem haben, das scheint mir wahrlich nichts Neues zu sein. Immerhin hat der Papst in seinem Schreiben nun eingestanden, im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation Fehler gemacht zu haben – Fehler, wie Frau Meckel richtig bemerkt, die sich allein auf die Form oder den Zeitpunkt der Verbreitung dieser Nachricht beziehen, nicht aber auf den Inhalt selbst.
    Was den Inhalt der Entscheidung angeht, so denke ich, dass viele Kritiker des Papstes zu diesem Thema eigentlich nicht viel zu sagen haben. Nicht nur, weil es sie im Grunde genommen nichts angeht (wie Bundeskanzlerin Merkel), sondern weil sie weder die Umstände oder die Motivlage kennen noch die Tragweite des Sachverhaltes begreifen. Gewiss mag es auch bei Vorliegen dieser Voraussetzungen Gründe dafür geben, die Entscheidung des Papstes bezüglich der Piusbruderschaft zu kritisieren. Fest steht allerdings auch, dass die Vorstellung, solche Entscheidungen müssten an „Vorbedingungen“ irgendeiner Art geknüpft sein, den Charakter einer Vergebung, einer Handlung aus christlicher Liebe, wie der Papst sie begreift, missversteht.
    Viel entscheidender ist jedoch ein grundsätzliches Kommunikationsproblem der Kirche, dass sich auf ihren Glauben und ihr Selbstverständnis bezieht. Beide scheinen unserer Gesellschaft und auch vielen Katholiken nicht mehr vermittelbar. Für die, die im Zweifel der religiösen Wahrheit als den Versuchungen der Moderne folgen – die Piusbruderschaft gehört da zweifellos dazu -, wird es nicht schwer sein, eine Entscheidung zu treffen. Die Frage ist allerdings, ob es sich unsere säkulare Gesellschaft leisten kann, mehr als bloße Splittergruppen zu verschrecken. Leider schreitet die Ausgrenzung religiöser Mitbürger, seien sie nun Christen, Muslime oder anderen Bekenntnisses, eher voran, als dass die säkularisierte Mehrheitsgesellschaft dazu überginge, über ihre Selbstbezogenheit und kulturelle Überheblichkeit zu reflektieren.
    Man sieht diese Überheblichkeit nicht nur daran, dass man sich weigert, anzuerkennen, welches Selbstverständnis andere Bürger in ihrem Glauben haben: wenn man z.B. die Irrelevanz von Lügen und Verfehlungen wie der Holocaustleugnung hinsichtlich der Kirchenmitgliedschaft missachtet. Stattdessen stellt man Forderungen, die für einen gläubigen Katholiken unmöglich zu erfüllen sind. Denn über die Mitgliedschaft eines Menschen in der Kirche hat niemand auf Erden zu entscheiden und auch die Höchststrafe der Exkommunikation wird nur für Verfehlungen gegen Inhalte der Lehre verhängt, wozu der Holocaust nicht gehört.
    Ein anderes Beispiel für diese fundamentale Überheblichkeit ist auch das in diesen Tagen wieder einmal bis zum Exzess strapazierte Wort der „Überheblichkeit“. Auch an Frau Meckel geht der Kelch der Unkenntnis in dieser Frage nicht vorbei. Selbstverständlich hat der Papst für seine Entscheidung in Sachen Piusbruderschaft niemals in Anspruch genommen, unfehlbar zu sein. Es wird im lediglich fortwährend unterstellt, er würde das in allen seinen Amtshandlungen tun – was mitnichten der Fall ist. Wie eine Vorrednerin von mir hier bereits mit Recht bemerkt hat, würde das Dogma der Unfehlbarkeit von keinem Papst seit mehr als fünfzig Jahren mehr in Anspruch genommen (was ex negativo natürlich die Anerkennung eigener Fehlbarkeit bedeutet).
    Natürlich darf jeder sich eine eigene Meinung bilden. Natürlich muss sich niemand mit Feinheiten des katholischen Kirchenrechts oder der Dogmatik befassen. Man muss sich allenfalls fragen lassen, wieso man meint, qualifizierte Beiträge zu einer Debatte abzugeben – gegebenenfalls sogar mit einem wissenschaftlichen Anspruch -, ohne sich zuvor angemessen informiert zu haben. Und man sollte sich gleichfalls nicht wundern, wenn es unter diesen Umständen zur Selbstabkapselung mehr oder weniger großer gesellschaftlicher Gruppen, vulgo: zur Bildung von Parallelgesellschaften kommt. Wenn man am Zusammenhalt eines demokratischen Gemeinwesens interessiert ist, dann sollte man dem Mitbürger mit Respekt und Achtung begegnen. Man braucht seine Ansichten nicht zu teilen, aber man sollte sie tolerieren. Daran fehlt es leider in zunehmendem Maße.

    Antworten
  17. 13. März 2009, 20:32 Uhr, von Verena
    017

    Der Papst entzaubert. Die kath.Kirche auch. Aber ist das neu?

    Warum brauchen so viele Menschen erst ein konkretes Ereignis, um sich mal selbst eigene Gedanken zu machen und nicht blind hinter etwas herzurennen, was man für „unfehlbar“ (spätestens hier müssten alle Warnsignale aufleuchten..) erklärt hat?

    Ich bin sehr froh, dass sich enorme und massive Kritik bzgl. Williamson aufgebaut hat/hatte. Ich frage mich allerdings auch, warum sich niemand über die anderen Absurditäten für die der Papst und die kath. Kirche sonst so stehen aufregt? Was die kath.Kirche heute so vertritt, sind doch komplett verzerrte und in sich widersprüchliche Wertvorstellungen.

    Ich glaube der Papst hat mehr als ein Kommunikationsproblem. Die kath. Kirche hat ein „Lebensrealitätenproblem“-egal mit wem an der Spitze. Und die verklärten(!) Anhänger ein „Nutze-Dein-Verstand-Problem“…Ich empfehle Kant.

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  18. 13. März 2009, 21:26 Uhr, von Anja
    018

    Der Papst sagte, die Menschheit müsse auf „die Sprache der Schöpfung“ hören, um die von Gott vorgesehen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Er bezeichnete Verhältnisse jenseits von traditionellen heterosexuellen Beziehungen als „Zerstörung von Gottes Werk“.

    Ich denke, der Papst hat sowieso keinen Kommunikationskanal zu den Menschen. Vielleicht passiert dies, wenn man ausschließlich auf die Sprache der Schöpfung hört.
    Daher interessiert es mich schon lange nicht mehr, welche Aussagen der Papst von sich gibt, auch wenn ich mich für einen gläubigen Menschen halte. Von Herrn Ratzinger war man immer sehr diszipliniertes wissenschaftliches Arbeiten gewohnt. Ich kann also nicht glauben, dass er die Nachrichtenquelle Internet noch nicht entdeckt hat! Aber vielleicht vergisst man dies als „Brückenbauer“.
    Kommunikationsprobleme in Bezug auf den Holocoust sind jedenfalls unverantwortlich.

    @Maria
    „Man muß nicht mit ALLEM was vom Papst und der Kirche kommt einig sein,aber alles nur kritisiern und in Frage stellen?“
    Für mich sehe ich das etwas anders. Wenn es Äußerungen sind, die gegen mein grundlegendes Weltverständnis sind und zusätzlich auch noch diskriminierend und sich gegen Minderheiten wenden, dann finde ich, muss man es kritisieren, um sich selbst treu zu bleiben.
    Ich möchte sogar behaupten, dass wir momentan einen lebensnahen und richtungsweisenden Papst mehr denn je nötig hätten. Um so mehr bedauere ich, dass dies nicht der Fall ist.
    Naja, als ewige Sünderin steht es um meine Beziehung zum Papst nun wirklich nicht zum besten, ich gebe es zu;-(

    Antworten
  19. 14. März 2009, 0:29 Uhr, von M.
    019

    „Es ist reizvoll, aber verlogen, die Geschichte mit den Pius-Brüdern einem “Kommunikationsproblem? und dem Fehlen an Informationen unterzuschieben.“
    Sehe ich genauso. Außerdem verharmlost es die Vorgänge gnadenlos. Wer diese frauenfeindliche, homophobe und antisemitische Organisation nur mit einem milden Lächeln betrachtet ist entweder uninformiert oder kollaboriert. (Kleine „Kostprobe“ gefällig? http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Abtreibung-Brasilien-Katholische-Kirche;art1117,2744738) Wie insbesondere Frauen und sexuell nichtnormativ Agierende diesen antihumanistischen Männerclan schönreden oder gar verteidigen können wird mir für immer schleierhaft bleiben.
    Eigentlich schon wieder interessant, dass der Papst in unserer ach so aufgeklärten Zeit immer noch dermaßen mit Samthandschuhen angefasst wird.

    Antworten
  20. 14. März 2009, 1:00 Uhr, von Maxundmoritz
    020

    M. (sexuell nichtnormativ agierend) bestätigt hier eindrucksvoll, was ich vorher mit „Überheblichkeit“ gemeint habe: Der katholischen Kirche Defizite vorwerfen, wo man doch ebenso gut vor der eigenen Haustüre kehren könnte: etwa was den Mangel an Aufklärung und Humanismus betrifft. Es ist nicht anzunehmen, dass die katholische Kirche ihr Verhalten als frauenverachtend, homophob und antisemitisch beschreiben würde (zumindest letzteres ist auch absurd, ersteres eine tendenziöse Behauptung). Im Gegenteil: Sie würde Befürwortern der Abtreibung stets vorhalten, dass Recht auf Leben zu missachten. Eine inhaltlich vollständig konsequente Position – so extrem sie im Einzelfall auch erscheinen mag. Konsequenz hat allerdings auch ihre Vorzüge: Mit Relativismus lassen sich universale Menschenrechte jedenfalls nicht verteidigen.
    Es hat nichts mit Verharmlosung zu tun, wenn man sich um Kommunikation und Verständnis bemüht, statt antikatholische Hetze zu verbreiten. Das läuft schlicht auf den Unterschied zwischen Frieden und Gewalt hinaus. Und man sollte sich nicht täuschen: Selbst wenn die katholische Kirche die frauenfeindlichen, homophoben und antisemitischen Tiraden verbreiten würde, die Sie ihr unterstellen, täte Sie das immer noch in zivilerer Weise als Sie Ihren Hass unter die Leute streuen. – Um auf solche Aussagen allergisch zu reagieren muss man nicht einmal katholisch sein (und damit Teil der Minderheit – soviel zum Thema Minderheitenschutz), gesunder Menschenverstand reicht dazu völlig aus.
    Der Williamson-Skandal bleibt alles in allem eine (weitere) Bankrotterklärung für die demokratische Öffentlichkeit in Deutschland. Die Kirche dagegen war vorher schon pleite.

    Antworten
  21. 14. März 2009, 9:06 Uhr, von Dowanda
    021

    Katholisch zu sein und es zu bleiben ist momentan kaum zu erklären. Ich versuche es darum auch gar nicht. Hier gilt wohl auch Prinzip Hoffnung.
    Ja, am ehesten: Ich glaube an einen Selbstreinigungsprozess, der kommt. Oder eben auch nicht. Das Austrittsformular hab ich seit ich 22 bin zuhause.
    Die Katholische Kirche ist für mich, wenn man es versuchen mag liebevoll zu siehen, wie eine Matrone der die praktische Macht abhanden gekommen ist. Sie ist wie die schrullige Tante, die jedem ein bisschen peinlich ist und aber trotzdem auf Familienfeiern eingeladen ist weil sich das so gehört. Ernst nehmen tut sie faktisch niemand mehr, aber man regt sich trotzdem auf über ihre Ansichten und ihr Geschwafel das früher alles besser war. Und trotdem weiss man aber auch, dass man sie vermissen würde wenn sie mal nicht mehr da ist.

    Antworten
  22. 14. März 2009, 9:28 Uhr, von Dowanda
    022

    @Maria
    Die Aussagen des Papstes sind nur dann vom kanonischen Recht aus als unfehlbar anzusehen, wenn sie einem bestimmten Ritual unterliegen. Dieses Ritual hat kein Papst mehr seit mehr als 60 Jahren gewählt. Tut mir leid Sie korrigieren zu müssen, aber so ist es nun mal.

    Antworten
  23. 14. März 2009, 10:18 Uhr, von Katja Owl
    023

    @Dowanda: „Ohne Kirche kein Himmel“ :-)

    Ja, ich schätze mal, genau so ist es (und wenn es doch anders sein sollte, gehe ich davon aus, daß mein diesbezüglicher Unglaube nicht so schlimm ist, daß mir der Eintritt ins Paradies verwehrt würde…;->).

    Ansonsten kann ich Deinen Beitrag von 09:06 Uhr unter der Abwandlung, daß ich nicht gläubig bin, nachvollziehen. Bin auch nach wie vor katholisch und habe, bei aller Kritik an der katholischen Kirche, auch nicht vor, auszutreten. Aufgewachsen im und zurückgekehrt ins katholische Ostwestfalen, habe ich die katholische Infrastruktur (Kindegarten, Schule) als durchaus wertgebend und -bildend empfunden und meine, daß die Kirche inswoweit wirklich eine gesellschaftlich wichtige Funktion erfüllt. Und dazu ist es wahrscheinlich sogar erforderlich, daß sie so hierarchisch und absolut auftritt, da anderenfalls schnell die Gefahr der Beliebigkeit drohte. Und davon gibt es ja wirklich schon genug.

    Antworten
  24. 14. März 2009, 11:49 Uhr, von Siegmund Gefällt einem Leser
    024

    Gott bewahre, dass die katholische Kirche und auch sämtliche anderen Religionen auf den Zug der Kommunikationsindustrie aufspringt !

    Was hat das Heer an Unternehmensberatern, Kommunikationsberatern, Marketingstrategen schon vorzuweisen, gerade in jüngster Zeit aber auch generell ? Viel heiße Luft und warme Worte – aber immer weniger Substanz. Inhalt braucht zwar mitunter eine gute Verpackung, doch mir scheint´s, dass die Verpackung immer voluminöser wurde, um den kargen Inhalt zu verdecken.

    Die Geschehnisse rund um den Papst und den Pius-Brüdern sind vieles, aber damit haben sie freilich so gut wie gar nichts zu tun.

    Antworten
  25. 14. März 2009, 12:52 Uhr, von Martina
    025

    Florenz Flughafen 1 Stunde vor dem Flug nach Paris. Die Sonne war die ganze Woche Fantastico.
    Probs mit dem Papst? Wenn jemad hier welche hat, ist nicht alleine. Meanche io condivido ciò che vuole imporci.
    Saluti e baci.

    Antworten
  26. 14. März 2009, 12:54 Uhr, von Martina Gefällt einem Leser
    026

    Sorry: Neanche nicht meanche ;)

    Antworten
  27. 14. März 2009, 14:37 Uhr, von Siegmund
    027

    „Es ist eine Schande dass Williamson überhaupt Bischof werden durfte mit so einer Grundhaltung oder das Nicht Anerkennen geschichtlicher Fakten…“

    Miranda, Williamson ist nicht von der katholischen Kirche zum Bischof geweiht worden, sondern von der Pius-Bruderschaft selber, wonach im Anschluß auch die Exkommunikation erfolgte. Auch jetzt darf er nicht die Tätigkeit eines Bischofes ausüben.

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  28. 15. März 2009, 2:57 Uhr, von Information, Knowledge and politics of technological development « Manuel Kripp Blog Gefällt einem Leser
    028

    […] Knowledge and politics of technological development In a recent article of Miriam Meckel commenting on the information and communication behaviour of the pope in the williamson affair I […]

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  29. 15. März 2009, 3:53 Uhr, von Cate
    029

    Fehlende Informationen? Das will ich aber nicht so richtig glauben. Ich denke eher, dass hier ein klassischer Fall von bewusstem Wegschauen vorliegt. Das ist eigentlich auch nicht verwunderlich, wenn man sich vorstellt, in was für einer realitätsabgeschottenten Welt sich der Vatikan bewegt. Kirche und Glauben sind eben nach wie vor zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe und es ist doch eigentlich auch schon ein Widerspruch in sich, dass so etwas irrationales wie der Glaube von einer ganz rationalen Institution, wie dem Vatikan vertreten bzw. „genormt“ wird. Andererseits sieht man an der Geschichte des Islam ganz offensichtlich, welche Entwicklungsrichtungen eine Religion ohne Oberinstanz haben kann. Trotz aller Kritik bin ich daher auch vorsichtig hinsichtlich einer gänzlichen Ablehnung solcher Institutionen, so schwerwiegend die Fehler auch immer wieder sein sollten.

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  30. 15. März 2009, 7:30 Uhr, von Petra
    030

    OT, but very important

    @Ramona

    Ein schöner Tag

    So hatte sich das Marienkäferchen seinen Geburtstag nicht vorgestellt: es war früh morgens und alle waren bereits ausgeflogen. So war es ganz allein. Dabei sollte es doch ein schöner Tag werden: Acht Punkte hatte es nun, auf jedem Flügel vier – das wurde immer ganz besonders gefeiert. Es seufzte: na schön, dann müsste es seinen Plan ganz alleine durchführen. Zunächst einmal begann es, gründlich die Flügel zu putzen (das machen kleine Marienkäferchen morgens immer), dann ein kleines Blättchen knabbern und los ging es. Vorbei an der alten Eiche, im großen Bogen, denn schon von klein auf wurde dieser ehrwürdigen Dame Respekt gezollt. Dann den kleinen Hügel hinauf. Kleine Verschnaufpause auf dem Lieblingsstrauch, auf dem obersten Ast – der Aussicht wegen. Weiter hinauf auf den großen Hügel, das Ziel ganz klar vor Augen. Noch einmal rechts und links herum und da war es: so wunderschön anzusehen! Beinahe hätte das Käferchen das Flügelschlagen vergessen – so sehr war es gefangen im Schauen und Staunen. Jetzt fragst du dich bestimmt, was ihn so faszinierte: es war das Gänseblümchen, das blühte und strahlte und das auf unser Marienkäferchen eine magische Wirkung hatte. Und heute sollte der große Tag des Wagnisses sein, sich auf der Blume niederzulassen. Ganz vorsichtig und sanft landete es. Ach, wie fühlte sich die Blume weich und zart an. Nur kurz die Augen schließen, dachte es… schon war es eingeschlafen und befand sich im Reich der Träume . „Hallo mein Schatz, aufwachen“ War das auch ein Traum oder die Stimme der Mutter? Das Käferchen schlug die Augen auf und …. tatsächlich waren die Mutter, der Vater, die Brüder und die Schwestern um ihn herum. „Wir haben hier auf dich gewartet!“ Ach so war das! „Wir wollten doch mal sehen, ob du den Weg hierauf auch alleine schaffst“ Na, das war ja wieder typisch Eltern! Trotzdem war das Käferchen sehr froh um alles. Jetzt war es doch noch ein richtig schöner Tag geworden!

    Liebe Ramona, eigentlich wollte ich das weiße und schwarze Schaf und den Wolf einbauen, aber die sind aus den Buchstaben rausgefallen, ich hab‘s probiert. Vielleicht freuen dich aber auch Marienkäfer- und Gänseblümchen.

    Nur diese Worte wollten noch mit: ich wünsche dir immer viel Kraft und Energie zur Umsetzung aller deiner Pläne und natürlich viel Gesundheit! Lass dich feiern und verlebe einen supertollen Tag.

    Die herzlichsten Grüße
    Petra

    Antworten
  31. 15. März 2009, 11:42 Uhr, von Dana
    031

    Die verkrusteten Strukturen und die Intoleranz gegenüber Menschen mit anderen Lebensmodellen bringen mich dazu, dass ich der Kirche, speziell der Katholischen Kirche, sehr kritisch gegenüber stehe. Im Übrigen stimme ich Cate zu.

    Nun aber zu erfreulicheren Dingen.

    @Ramona
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, alles Gute und vor allem Gesundheit. Mögen alle Deine Wünsche in Erfüllung gehen. Für die Ausübung Deines Sportes wünsche ich Dir immer eine handbreit Wasser unter dem Kiel.
    Herzlichst Dana

    Antworten
  32. 15. März 2009, 12:36 Uhr, von Martina
    032

    @Ramona:
    Buon compleanno di cuore, desidero che i tuoi profondi pensieri ti portino nel paese delle meraviglie (Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ich wünschte mir, dass deine tiefe Gedanken bringen dich auch in Wunderland).
    Liebe Fisch, ich kenne deine Tiefen Gedanken, lass sie manchmal los und geniess das leben, baci.

    Antworten
  33. 15. März 2009, 18:43 Uhr, von Noisa
    033

    @Ramona, den netten, originellen Geburtstagsglückwünschen darf ich mich anschließen und Dir alles, alles Gute zu Deinem Geburtstag wünschen. Genieße die Woche Entspannung – auch ohne Webzugang. Erhole Dich prächtig, liebe Ramona. Tschaui! :)))))

    Das Papst-Posting (PP von MM) ist mir heute Abend nach meinem Weekend etwas zu schwer. Da steigt eine Menge Unmut in mir hoch. Und das will ich nicht. Nicht heute. ;)

    @Allen noch einen netten, guten Restsonntag! :)

    Antworten
  34. 16. März 2009, 0:07 Uhr, von Cate
    034

    Quasi passend zum Thema habe ich heute Abend endlich „Milk“ gesehen. Passen deswegen, weil die antihomosexuelle Front vor allen in den Vereinigten Staaten sehr eng mit konservativem Glauben verknüpft ist. In einer Szene im Film wird Senator Brigg von einer aufgebrachten Menge mit Argumenten gegen die Proposition 6, einem Gesetzentwurf gegen homosexuelle Lehrer, konfrontiert. Darauf erwidert er: „You can argue with me. But you can’t argue with God.“ Das ist so ein Totschlagargument, wie es auch heute noch zuhauf angeführt wird: Es liegt gar nicht in unseren Händen. Das ist Gottes Entscheidung. Wir müssen uns dem fügen usw… Ich frage mich besonders an dieser Stelle oft, wie das zusammengeht. Glaube ist etwas so subjektives, das predigen schließlich auch viele Kirchenvertreter: Die Kraft des Glaubens kommt von innen und ist völlig unabhängig von äußeren Umständen, wie Gesellschaftsstand, Einkommen oder Herkunft. Das ist es doch, was alle Menschen gleich werden lässt und gegen diese Auffassung ist auch absolut nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Aber wo ist hier die Fügung? Wo ist hier dieser Gotteswille, der sich als Angriff auf individuelle Empfindungen und Lebensstile eher anfühlt, wie ein externer Befehl? Ist Glaube in dieser Argumentationsweise dann nicht in Wirklichkeit eine Willensenteignung? Das ist es doch, was dahinter steht: die programmierte Bevormundung. Und das steht in einem so krassem Gegensatz zur Glaubensdefinition im religiösem Sinne, dass eigentlich ganz klar auf der Hand liegt, was kirchliche Institutionen oder deren Anhänger, die so argumentieren schlussendlich tun: Sie missbrauchen Religion für ihre paranoide Jagd auf alles, was ihnen Angst macht und ihrer Selbstherrlichkeit im Wege steht.

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  35. 16. März 2009, 1:33 Uhr, von Noisa
    035

    „Holy Net“ hört sich schön modern und schwungvoll an. Google wirft mir dazu allerdings merkwürdige Seiten aus.

    Holy Net wurde offenbar nicht rechtzeitig von der katholischen Kirche belegt. Warum auch? So kann die Argumentation des Papstes zu den angeblichen „Kommunikationsproblemen“ einigermaßen nachvollziehbar dargestellt werden. Die Erklärung des Papstes wirkt auf mich allerdings auch nur – hierzu wurde schon einiges geschrieben – wie ein Scheinargument.

    Ehrlich, ein Holy Net mit Niveau wäre für eine Recherche zum Papst, der päpstlichen Kommunikation, den Einstellungen der Kirche zur Gesellschaft, den Fehlleistungen der Pius-Bruderschaft etc. jetzt hilfreich!

    Bei meiner `Papstrecherche´ stoße ich beispielsweise auf das Buch „Papstamt – pro und kontra“ (2001) zum Stellvertreter Jesu Christi:
    http://tinyurl.com/d9xz7r
    und verstehe kaum das Geschriebene. Da müsste ich mich schon richtig reinknien in die fremde Materie – trotz intensivster katholischer Erziehung + Schule.

    Die Kirche, insbesondere der über sie vermittelte katholische Glaube, ist mir stets ein Rätsel geblieben, welches durch die Naturwissenschaften nicht erhellt, nein, vielmehr widerlegt wurde.

    Dennoch hatte es mich damals gefreut, dass ein deutscher Kirchengelehrter zum Papst gewählt wurde. Meine Freude ist dahin. Der Papst hat zu den Fehlleistungen der Pius-Bruderschaft viel zu spät in der Öffentlichkeit Stellung bezogen. Opus Dei breitet sich weiterhin sektenmäßig aus. Der Papst hätte sein Amt als Chance begreifen können, um die Kirche zu öffnen, auch gegenüber anderen Religionen.

    Ausgrenzung von Menschen widerspricht den eigenen kirchlichen Grundsätzen. Durch die Benutzung des Wortes „Minderheiten“ werden Menschen in einer Gruppe erst zu Minderheiten zusammengefasst und z.T. von der Kirche weiterhin ausgegrenzt/diskriminiert. Das ist unchristlich und verstößt gegen das auch in anderen Religionen ebenso bedeutsame Gebot: „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.“ (de.wikipedia.org/wiki/Nächstenliebe)
    „Menschen zu mögen“ ist unglaublich (auch ohne Glaube) wichtig.

    Ein ganz anderes Thema wäre das Verhältnis Papst und Ortskirche. Aus der Sicht des Einzelnen scheinen Welten zwischen Vatikan und Ortskirche zu liegen. Die Ortskirche wird mir zu wenig in der Öffentlichkeit kritisiert. Warum eigentlich? Gibt es nicht auch dort zahlreiche Kommunikationsprobleme, gerade in Bezug auf die zu Minderheiten gemachten? Ich will vom Thema jetzt aber nicht abweichen…

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  36. 16. März 2009, 7:10 Uhr, von Charlotte
    036

    „Sie missbrauchen Religion für ihre paranoide Jagd auf alles, was ihnen Angst macht und ihrer Selbstherrlichkeit im Wege steht.“ (Cate, 16.3.1009, 00:07 Uhr)

    Liebe Cate, so ist es! Konkret für das Christentum ist es ein Missbrauch der Heiligen Schrift, der dem entspricht, der in der Vergangenheit gegen Galileo und Kopernikus ebenso unternommen wurde wie zur Rechtfertigung der Sklaverei und der Apartheid. Diesen Missbrauch muss man benennen, anstatt ihn selbst zu betreiben. Es ärgert mich, wenn statt der Fundamentalisten die Heilige Schrift, d.h. das Alte und Neue Testement, für sich genommen abgelehnt werden – und das meist ohne eine reflektierte und differenzierende Lektüre.

    Die Geschichte von Sodom und Gomorrha beispielsweise (Genesis 19,4-13) hat nichts mit männlicher Homosexualität zu tun! Wer das behauptet, hat die komplexe Geschichte missverstanden oder argumentiert bewusst kurzsichtig und dumm. Es ist eine Geschichte gegen Fremdenfeindlichkeit und politisch motivierte Gewalt (Vergewaltigungen, wie es auch heute etwa in Kriegsgefangenenlagern vorkommen) – aus diesen beiden Gründen sind die Städte Sodom und Gomorrah untergegangen. Zwei andere Forderungen aus den Abschnitten 18 und 20 des Buches Levitikus lesen sich zwar eindeutig homophob, sind aber brutal aus dem Zusammenhang gerissen, enthält das Buch Levitikus doch eine Reihe von Verboten, die heute nicht mehr gelten, an denen festzuhalten Christen heute zu Recht als absurd empfinden würden und die auch von Fundamentalisten in keiner Weise mehr gelebt oder propagiert werden. Die häufig gegen homosexuelle Beziehungen ins Feld geführten Passagen aus dem neuen Testament wiederum sind in der Theologie allesamt umstritten, insbeondere, was ihre Übersetzungen angeht – darauf detailliert einzugehen führt hier zu weit.

    Was Fundamentalisten gerne verschweigen, sind die Stellen, in denen positiv von gleichgeschlechtlicher Liebe die Rede ist – die nämlich gibt es in der Bibel ebenso und in mindestens gleicher Zahl. Die folgenden Sätze, die häufig bei den kirchlichen Trauungen heterosexueller Paare verwendet werden, werden in der Bibel von einer Frau zu einer Frau gesprochen: »Rede mir nicht ein, dass ich dich verlassen sollte und von dir umkehren. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. … Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der Herr tue mir dies und das, der Herr muss mich und dich scheiden.« (Ruth, 1,16-17)
    Ähnlich bewegend und voller Hingabe wie diese Äußerung Ruths gegenüber Naomi liest sich auch die Geschichte von David und Jonathan: Es »verband sich das Herz Jonathans mit dem Herzen Davids, und Jonathan gewann ihn lieb wie sein eigen Herz« (1 Samuel 18,1), und »Jonathan sprach zu David: Ich will an dir tun, was dein Herz begehrt« (1 Samuel 20,4), später: »… und sie küssten sich miteinander und weinten miteinander« (1 Samuel 20, 41). Nach Jonathans Tod sagt David: »… mein Bruder Jonathan; ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir sonderlicher gewesen, denn Frauenliebe ist.« (2 Samuel 1, 26)
    Beides sind Passagen von ungeheuerer Zärtlichkeit und Intimität, wie sie dieses Buch eben auch zu bieten hat, aufgeschrieben in einer unvergleichlich reichen und entsprechend vieldeutigen Sprache.

    Übrigens, eine empfehlenswerte Dokumentation zum Thema: „For the Bible tells me so“ (2007). Im Trailer auf http://www.forthebibletellsmeso.org/ gibt ein Experte das wunderbare Statement: „There’s nothing wrong with a fifth-grade-understanding of god – as long as you’re in the fifth grade.“

    Da liegt viel Wahrheit drin und man könnte darüber schmunzeln, wüsste man nicht aus Erfahrung, dass auch zwei andere Sätze, die in diesem Trailer fallen, bittere Wahrheiten formulieren. Der eine lautet: „Fear does terrible things to a society.“

    Der andere hat mit Kommunikation und PR zu tun und führt zurück zum Kern des Postings: „Like Goebbels said working for Hitler: If you tell a lie enough times the whole world will believe it.“

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  37. 16. März 2009, 8:47 Uhr, von Martina Gefällt einem Leser
    037

    @ Charlotte : “Like Goebbels said working for Hitler: If you tell a lie enough times the whole world will believe it.?
    Sehr gute Beispiel. Ehrlich gesagt wird heute fast jeder – die was zu vertuschen hat, egal in welche Bereich – öfter mal lügen, es ist leicht als zu sagen dass was schief gelaufen ist; für viele menschen, das Leben leichter zu nehmen ist besser und einfach, als sich selbst eine frage zu stellen, ob richtig ist oder nicht, was wir tun.

    O.T.: http://www.youtube.com/watch?v=KKsqnjF9T30&feature=related

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  38. 16. März 2009, 12:53 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    038

    Einspruch:

    „Wenn man am Zusammenhalt eines demokratischen Gemeinwesens interessiert ist, dann sollte man dem Mitbürger mit Respekt und Achtung begegnen. Man braucht seine Ansichten nicht zu teilen, aber man sollte sie tolerieren. Daran fehlt es leider in zunehmendem Maße.“
    „Der Williamson-Skandal bleibt alles in allem eine (weitere) Bankrotterklärung für die demokratische Öffentlichkeit in Deutschland. Die Kirche dagegen war vorher schon pleite.“
    (Maxundmoritz am 13. und 14. März 2009)

    Vier Begriffe ein Thema: Respekt, Achtung, Toleranz, Demokratie. Diese als Grundbedingung der Verwirklichung der universalen Menschenrechte. Welche Rolle spielt hierbei der Papst?
    Klaffen nicht auch heute noch Worte und Taten auseinander?
    Existiert nicht immer noch die Macht des Dogma?
    Was sind dagegen Toleranz und Demokratie?

    Am 18. Juli 1870 wurde mit der Annahme der Konstitution „Pastor Aeternus“mit 533 Ja- gegen 2 Nein-Stimmen die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes angenommen. Demokratisch?

    Existiert in der Kommunikation der katholischen Kirche nicht eine Metaebene für die (Ein-) Geweihten?
    Meine Erfahrung in der Kommunikation mit Priestern sind ambivalent: Immer wieder erfahre ich, dass Wort und Tat nicht zusammen passen. So bin ich vorsichtig geworden im Umgang mit dem Klerus. Es geht mir mit den Vertretern der katholischen Kirche wie mit manchen Politikern, ich kann ihnen interessiert zuhören, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, indem ich einräume, dass es so sein könnte, aber auch ganz anders.
    Diese kommunikatorische Unschärfe macht Menschen unfassbar- gewollt?

    Was den Umgang mit Minderheiten angeht, schaut Kirche solange weg, wie es nicht auffällt.
    – Auch das hat sie in ihrer langen Geschichte gelernt.

    Frage an Maxundmoritz: Was sollte die Kirche tun, um der Pleite zu entkommen?
    Oder liegt es an uns kritischen Geistern? Sind wir schuld?
    Sind wir alle hier Opfer und Täter zugleich- ethischer Gewalt?
    (tinyurl.com/dz2e9z)

    Antworten
  39. 16. März 2009, 16:35 Uhr, von Walter
    039

    Zu Noisas Link
    (Stellvertreter Jesu Christi:

    http://tinyurl.com/d9xz7r)
    Es ist interessant, dass der jetzige Papst für den Glauben an den heiligen Geist als „Pneuma“- Windhauch, Lebensatem, hebräisch „ruach“ eintritt.
    Damit meint er, die Worte der Kirche seien idealerweise vom Geist Gottes inspiriert. Dies ist, wie wir jetzt bedauernd feststellen, nicht immer der Fall. Ähnliches meint wohl auch Senator Brigg in „Milk“: “You can argue with me. But you can’t argue with God.? (@Cate)
    Vom Heiligen Geist ist im Brief an die Bischöfe kein einziges Mal die Rede.

    Spannend finde ich den päpstlichen Standpunkt zum II. Vatikanischen Konzil, mit dem auch heute noch viele Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche -Aggiornamento (tinyurl.com/cl2tbv9 – und mehr geistige Freiheit für die Gläubigen verknüpft sind:
    „Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren – das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.“
    Also nichts Neues ohne das Alte?

    Dazu ein Aufsatz von Gunnel Vallquist: Die Methoden der Römischen Kurie.

    Antworten
  40. 16. März 2009, 16:36 Uhr, von Walter
    040

    Zu Noisas Link
    (Stellvertreter Jesu Christi:
    tinyurl.com/d9xz7r)
    Es ist interessant, dass der jetzige Papst für den Glauben an den heiligen Geist als „Pneuma“- Windhauch, Lebensatem, hebräisch „ruach“ eintritt.
    Damit meint er, die Worte der Kirche seien idealerweise vom Geist Gottes inspiriert. Dies ist, wie wir jetzt bedauernd feststellen, nicht immer der Fall. Ähnliches meint wohl auch Senator Brigg in „Milk“: “You can argue with me. But you can’t argue with God.? (@Cate)
    Vom Heiligen Geist ist im Brief an die Bischöfe kein einziges Mal die Rede.

    Spannend finde ich den päpstlichen Standpunkt zum II. Vatikanischen Konzil, mit dem auch heute noch viele Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche -Aggiornamento (tinyurl.com/cl2tbv9 – und mehr geistige Freiheit für die Gläubigen verknüpft sind:
    „Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren – das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.“
    Also nichts Neues ohne das Alte?

    Dazu ein Aufsatz von Gunnel Vallquist: Die Methoden der Römischen Kurie.

    Antworten
  41. 16. März 2009, 16:37 Uhr, von Walter
    041

    Mit richtigem Link:

    Zu Noisas Link
    (Stellvertreter Jesu Christi:
    tinyurl.com/d9xz7r)
    Es ist interessant, dass der jetzige Papst für den Glauben an den heiligen Geist als „Pneuma“- Windhauch, Lebensatem, hebräisch „ruach“ eintritt.
    Damit meint er, die Worte der Kirche seien idealerweise vom Geist Gottes inspiriert. Dies ist, wie wir jetzt bedauernd feststellen, nicht immer der Fall. Ähnliches meint wohl auch Senator Brigg in „Milk“: “You can argue with me. But you can’t argue with God.? (@Cate)
    Vom Heiligen Geist ist im Brief an die Bischöfe kein einziges Mal die Rede.

    Spannend finde ich den päpstlichen Standpunkt zum II. Vatikanischen Konzil, mit dem auch heute noch viele Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche -Aggiornamento (tinyurl.com/cl2tbv) – und mehr geistige Freiheit für die Gläubigen verknüpft sind:
    „Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren – das muß der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt. Wer ihm gehorsam sein will, muß den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.“
    Also nichts Neues ohne das Alte?

    Dazu ein Aufsatz von Gunnel Vallquist: Die Methoden der Römischen Kurie.

    Antworten
  42. 16. März 2009, 18:46 Uhr, von Siegmund
    042

    Hm, die Naturwissenschaften widerlegen aber weder Gott noch Kirche, im Gegenteil sie haben ja -wenn auch dieses Wort nicht ausgesprochen wird- die „Schöpfung“ und die Naturgesetze zum Gegenstand.
    Also, ich kenne niemanden, der die Erde und das Weltall erschaffen hat. Wer den kennt, kann es ja kurz hier reinschreiben …

    Ich finde es auch bedauerlich, dass die Verirrungen Einzelner der Kirche als Ganzes angelastet werden oder sogar als Argument gegen Glauben als solchen herhalten. Das ist sehr kurz gesprungen.
    Über die konservative Szene in Amerika brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Da fehlt mir, wie auch wohl vielen Mitteleuropäern, der Zugang zu. Da kann der Papst aber ausnahmsweise gar nichts zu.

    Antworten
  43. 16. März 2009, 20:13 Uhr, von Petra
    043

    „Die Naturwissenschaften widerlegen aber weder Gott noch Kirche“

    Ich kenne einen Jugendlichen, der sich nicht konfirmieren lassen wollte, weil die Existenz von Gott schließlich nicht wissenschaftlich bewiesen ist.

    Man kann alles von beiden Seiten sehen: belege / widerlege, dass es etwas gibt oder belege/widerlege, dass es etwas nicht gibt.

    Mein persönlicher Glaube an Gott hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Meine Toleranz sagt mir, dass das jeder für sich ausmachen soll. Meine Erwartung an Dritte ist, mir gegenüber diese Toleranz auch auszuüben.

    Kirche ist für mich im Wesentlichen eine soziale Institution, die ich als solche schon in Anspruch genommen habe und daher – ganz bewusst – auch Kirchensteuer zahle.

    Dabei steht es mir als evangelisch aufgewachsenem Menschen sicher nicht zu, die katholische Kirche in allen Facetten beurteilen zu können und zu dürfen. Was ich aber wahrnehme, was kommuniziert wird, ist eher verhalten bis negativ belegt.

    Als ich das Posting las, war mein erster Gedanke: was ist eigentlich an der Aussage des Papstes anders als an der von Herrn Hummel: beide legen sich ihre Welt so zurecht, wie sie sie brauchen. Das ist sozusagen „voll im Trend“.

    Antworten
  44. 16. März 2009, 20:57 Uhr, von Janine
    044

    UHHH Wissenschaft und Religion :D… Und dann endet es beim Papst… ;).

    Glaube und Naturwissenschaft kann ein sehr spannendes Theman sein. V.a. der dogmatische Umgang mancher Protestanten mit der Bibel… Fundamentalisten .. jaja ^^. Ich sag nur Junker und Scherer …

    UND noch mal zum Vatikan: Wer immer noch Sünde als Zeichen für Unglaubwürdigkeit sucht, gehört nicht mehr in diese Zeit… „Zwei Französische Lesben…“ usw. ;)

    Antworten
  45. 17. März 2009, 10:08 Uhr, von Jörg Friedrich
    045

    Marie Curie ist ein denkbar schlechtes Beispiel, wenn man Nicht-Fürchten aus Wissen begründen will. Wahrscheinlich hätte sie sich mehr fürchten sollen, mehr Achtung vor dem Nicht-Wissen haben sollen, dann wäre sie nicht an den Folgen des sorglosen Umgangs mit radioaktiven Materialien gestorben.

    Der zitierte Satz ist sehr abstrakt, da niemand weiß, wann man genug weiß, um sich nicht mehr fürchten zu müssen.

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© Miriam Meckel 2002 bis 2017