Fast wäre der grosse Plan auf der Strecke geblieben. Doch in letzter Minute hat der Verwaltungsrat der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) doch noch die Kurve gekriegt und den Plan genehmigt: Radio und Fernsehen sollen fusionieren. Die Revolution im öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder die natürliche Evolution medialer Konvergenz aus der technischen Entwicklung der vergangenen Jahre?
Letzteres. Wer versteht, wie das Web tickt, wie wir im Web kommunizieren können, der weiss, dass die Zukunft in Inhalten liegt, die unabhängig von einzelnen und schön streng durch Abteilungsgrenzen getrennten Plattformen verbreitet werden. Zum Teil werden sie längst durch die Nutzerinnen und Nutzer selbst hergestellt. ‘Citizen Journalism’ heisst das in der Fachsprache der Networker und viele Journalisten fühlen sich davon ebenso in ihrer Welterklärungsautorität bedroht wie durch die Entgrenzung einzelner Medien in ihren Arbeitsroutinen.
Was früher Hörfunkbeiträge waren mutiert zu Podcasts, Fernsehen im Netz ist längst über Joost und Zattoo im Onlinestreaming erhältlich oder scheint als neues visuelles Patchwork auf Youtube auf – ein bunter Strauss millionenfacher Videoclips, aus denen auch ein Weltbild entsteht, das die Nutzer sich selbst zusammenstellen.
Es ist also folgerichtig, das die SRG diesen Schritt vollziehen will hin zur Konvergenz der audiovisuellen Medien, auch wenn der Widerstand in den unterschiedlichen Abteilungen hoch sein wird. Schade nur dass die Chance so vertan wurde, diesen Schritt als journalistische Zukunftsinnovation zu präsentieren, als Möglichkeit der Qualitätssicherung und als Garantie für guten, rechercheintensiven und unabhängigen Journalismus. Die Chance hätte es gegeben, hätte die Führung der SRG das Projekt nicht als geheime Kommandosache behandelt und damit Gerüchten und Missverständnissen Tür und Tor geöffnet.
Wenn die SRG Konvergenz mit finanziellen Gründen erklärt, ist das nicht nur angesichts des Gebührenreichtums im öffentlich-rechtlichen Rundfunk scheinheilig. Es ist auch schlichtweg ein Schritt in die falsche Richtung. Nicht Einsparungen können das Ziel sein, sondern Umschichtungen müssen es möglich machen, mehr Geld für Recherche und Investigation, für die unbequemen gesellschaftlichen Themen zu haben, die sonst niemand abdecken kann oder will.
Nachrichten sind heute Commodities. Gut recherchierte Themen sind die Kür. Für diese Kür könnten finanzielle und personelle Freiräume entstehen, die durch die Fusion von Radio und Fernsehen möglich werden. Das wäre – neben dem medientechnischen Wandel – die Begründung für das Projekt gewesen.
Den Hindernislauf, den die SRG nun vermutlich vollbringen muss, hätte sie womöglich vermeiden können, wenn sie klar und transparent über das Projekt informiert hätte. Wer konvergieren will, muss auch kommunizieren können.








erstens ein wirklich gutes posting, war mal wieder notwendig, zweitens, so ist es. da kann man nichts hinzufügen, weil alles gesagt ist. danke.
@ mm wunderbar bedarf keiner ergänzung danke.
Der Staat – auch in den öffentlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten vertreten – muss nicht zwingen zu den “early adaptern” in den verschiedensten Bereichen gehören. Allerdings ist die Postion des ewigen “Nachzüglers” nicht nur ökonomisch eine Katastrophe, sondern auch für das Vertrauen und Verständnis des Steuerzahlers…
Eine gute `Kür´ setzt Gesundheit, Talent, Training und Willen voraus – aber Geld?
Irgendwie interessant: Einige kommunizieren, schauen fern, beziehen ihre Musik via Internet, andere müssen wegen des langsamen Netzes in ihrer Gegend auf solch eine Macht des Netzes im Leben verzichten. Ich kenne beide Seiten: Aachen vs. Nordhessen.
Interessantes Posting. Meiner Meinung nach muss sich der gute Journalist nicht in seiner “Welterklärungsautorität bedroht” fühlen. Er kann schreiben. Gut schreiben. Interessant und spannend schreiben. Und er hat die Glaubwürdigkeit des Mediums im Rücken. Freilich ist genau diese Glaubwürdigkeit eine Luftmatratze im Haifischbecken.
Print and radio news are not dead just because everyone can make them. Der Schritt der richtigen Positionierung ist einfach wichtiger als der der prophylaktischen Verlustminimierung (IDS Vokabular, sorry).
Der einzige Haken den ich an dem Posting sehe: Wer nimmt sich denn die Zeit um die Kür vom Weizen zu trennen?
@Anna:
“Der gute Journalist” sollte es vielleicht so halten:
[Martin Baltes über den Medientheoretiker Marshall McLuhan - lief heute auf Dradio]
“Einer der Texte, auf die er immer wieder zurückgreift, ist ein Text von Edgar Allan Poe: ‘The dissent in a maelstream’. Die Geschichte eines Fischers, der in einem Boot zusammen mit seinem Bruder in einen Strudel gerät. Und er erkennt, dass dieser Strudel das Boot mit ihm und seinem Bruder verschlingen wird. In diesem Moment bindet er sich an ein Fass, das sich auf dem Boot befindet, und stürzt sich in den Strudel, weil er sich sagt, die Masse des Schiffes wird uns herunterziehen, die vermeintliche Sicherheit wird uns in den sicheren Tod führen.
Der Bruder bleibt an Bord, wird in den Tod gesogen, und der Fischermann, der sich in die Fluten stürzt, überlebt. Das ist McLuhans Haltung zu den elektronischen Medien. Wer sich mit den elektronischen Medien nicht befasst, nicht aktiv einsetzt, der wird, wenn er sich krampfhaft an den alten Medien festhält und insbesondere an den Umgangsformen, die wir einstudiert haben beispielsweise am Leitmedium Schrift, der wird vielleicht nicht direkt umkommen, aber sein Unternehmen und seine Strahlkraft leiden darunter.”
Die Recherche mag dieselbe sein, Radio und Fernsehen sind es nicht. Beide benötigen um ihr informatives und ästhetisches Potential auszunutzen eine unterschiedliche Vor- und Nachbearbeitung. Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht. Dies gilt bei aller organisatorischen und technischen Konvergenz auch für die Medien. Handwerk bedeutet auch Achtung der Details und Gespür für die Werkzeuge.
Also (recherche) technisch durchaus, handwerklich nicht, wegen der ästhetischen Verarmung.
Cate, nach deinem Bild würden die alten Medien untergehen und nur diejenigen Journalisten könnten überleben, die sie aufgeben und über Bord springen.
Hier geht es aber um einen Medienwandel, einen Transformationsprozess- das Boot verwandelt sich, um nicht in die Tiefe gezogen zu werden.
Schweizer Fernsehen und Radio kenne ich nicht. Insoweit habe ich keinen Eindruck zur Qualität der Sendungen gewinnen können. Radio und Fernsehen ist in Deutschland schon lange unter dem Dach der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zusammen gefasst.
Über Qualität lässt sich bekanntlich streiten. Von den privaten Anbietern, Blog-Betreibern, Podcast-Produzenten gibt es ganz hervorragende `Produktionen´, die mit wenigen finanziellen Mitteln, mit viel Kreativität erzeugt wurden. Die Klicks, die Einschaltquoten reichen an die der gebührenfinanzierten Anbieter nicht heran – naturgemäß.
Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten müssen in astreiner Qualität produzieren, haben Angestellte, müssen Studios unterhalten. Das kostet. Klar. Aber das, was produziert wird: `Audio´ und `Video´ entspricht formell dem Produkt der `Laienanbieter´.
Im Posting heißt es:
„Nicht Einsparungen können das Ziel sein, sondern Umschichtungen müssen es möglich machen, mehr Geld für Recherche und Investigation, für die unbequemen gesellschaftlichen Themen zu haben, die sonst niemand abdecken kann oder will.“
Ich bin verwundert. Denn gerade das ist die Stärke der weniger kommerziellen Anbieter. Im Printbereich sind beispielsweise die Nachdenkseiten oft weitaus investigativer als anerkannte Magazine.
Hat nicht Investigation etwas mit Know-how und Gespür zu tun? Journalisten wissen auch nicht alles. Sie können zwar recherchieren. Wer keine Ahnung vom Thema hat, kann nicht vernünftig darüber schreiben, auch wenn er schreiben kann.
`Journalist´ kann sich in Deutschland jeder nennen, der einen Bleistift halten kann. Das machen auch viele, weil es Vergünstigungen bei der Sozialversicherung gibt.
Aber müssen nicht die Sender endlich mal überlegen, dass sie das Team der `Allround-Journalisten´ mit Menschen erweitern, die über theoretische und praktische Fachkenntnisse verfügen?
Dann dürfte Investigation etwas mit Mut zu tun haben. Mit dem Mut des Verlegers, heiße Eisen anzupacken und dem Mut des Journalisten, seinen Namen unter das Produkt (Audio, Video, Print) zu setzen.
Kostet Mut Geld. Nein!
Erst mal nicht, nur wenn die `Förderer´, `Inhaber´ ihre Mittel streichen, dann „kostet“ es mittelfristig… Investigation geht wohl nur, wenn sie auch erwünscht ist. Das ist sie nicht, nicht wirklich. Deshalb gelingt die Kür auch meistens nicht. Es fehlt an der Voraussetzung `Gesundheit´.
Ein frommer Wunsch:
Auch in der Zukunft sollte der Mensch den Unterschied machen und nicht allein die Technik.
Technische Evolution sollte dem Menschen und den Gesellschaften nutzen und nicht allein die Machbarkeit abbilden. Allzu schnell wird der Mensch damit zum Sklaven der Technologie und nicht zu deren Beherrscher.
Daher sind analog zum Bild vom Mahlstrom (daserste.de/wwiewissen/beitrag_dyn~uid,eiti606xk2l9dle3~cm.asp)
neben der Konvergenz der Medien auch die Ziele zu berücksichtigen, das wozu. Dies erfordert eine breite öffentliche Debatte, eben genau in den Medien.
Technische Evolution verändert, wie an der Entwicklung der IT und des Internet in den letzten beiden Jahrzehnten zu beobachten ist, tiefgreifend unsere Kultur und Zivilisation und wirkt sich damit auf das gesamte öffentliche Leben aus.
Der technischen Evolution sollten die menschliche und gesellschaftliche daher übergeordnet sein.
Einige Intendanten scheinen sich der gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen und damit ihrer Verantwortung nicht bewusst.
„Einige Intendanten scheinen sich der gesellschaftlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen und damit ihrer Verantwortung nicht bewusst.“ @Walter, dabei steht alles im Gesetz, z. B. in Art. 24 RTVG Programmauftrag:
http://www.admin.ch/ch/d/sr/7/784.40.de.pdf
Zur „Konzession für die SRG SSR idée suisse“, damit ausführlicher zum Programmauftrag, PDF aus 2008:
http://www.srgssrideesuisse.ch/fileadmin/pdfs/konzession_2008_d.pdf
Für den allgemeinen Überblick ist dieser Link hilfreich:
http://www.srg-ssr.ch/228.0.html
Die Quelle: http://www.srg-ssr.ch/fileadmin/pdfs/Bericht-Medienkonvergenz-2009-03-19_de.pdf
„Die Herausforderung des Medienunternehmens SRG SSR besteht darin, neue und gestiegene Anforderungen an den Qualitätsjournalismus mit den verfügbaren Ressourcen und bei laufendem Betrieb zu erfüllen. …“
Auszug aus Beschluss VR SRG SSR vom 18. März 2009. Wo ist das Problem? Ob die Ziele faktisch umgesetzt werden, ist eine ganz andere Frage.
(Nachtrag:
Es wäre vielleicht noch sinnvoll, die Frage zu diskutieren, ob die geplanten strukturellen Änderungen geeignet sind, die Ziele Qualitätsjournalismus, Programmauftrag zu erfüllen. Hier lässt sich der letzten PDF-Datei einiges zu den geplanten Änderungen entnehmen. Ad hoc kann ich da nichts Negatives erkennen.)
Nun muss gut sein. Einen netten Tag noch. :)
[...] Ein Minus von knapp 80 Millionen Schweizer Franken im Jahr – und kein politischer Wille, das fehlende Geld womöglich von den Zuschauern und -hörern einzufordern. Stattdessen wird am Programm gespart und vor allem, und das ist eine kleine Revolution, Radio und Fernsehen in den Sprachregionen zusammengefasst. Nun hat man zwar Angst um einen “Übergriff televisuellen Leichtsinns auf Radio DRSâ€? (NZZ), andererseits ahnt jeder, der schonmal ein YouTube-Video gesehen hat, dass die mediale Zukunft “in Inhalten liegt, die unabhängig von einzelnen und schön streng durch Abteilungsgrenzen getrennten Plattformen verbreitet werdenâ€? (Miriam Meckel). [...]
Dem Menschen steht nur eine begrenze „Energie“ zu, die er sinnvoll nutzen sollte. Viel zu oft und auch hier wird über (und unter) Aspekte(n) gestritten, die nichts voran bringen. Statt sich mit den Themen: wohin wollen / müssen wir, was ist unser Auftrag, wie können wir es erreichen, welche vorhandenen guten Strukturen können wir nutzen, welche müssen wir neu anlegen, was fehlt uns noch (und so weiter) zu befassen, versucht jeder, seine Interessen so weit wie möglich zu wahren, hierfür Argumente und Meinungen einzusammeln und andere „platt zu machen“. Dass erwachsene, gebildete Menschen das Ziel, langfristig gemeinsam etwas Gutes aufzubauen, nicht verfolgen können, verstehe wer will, ich nicht. Und so wird – um auf meinen Ausgangspunkt zurückzukommen – sinnlos Energie verschwendet.
Zitate aus
Medienkonvergenz und Wirtschaftlichkeit
Bericht des Generaldirektors an den Verwaltungsrat SRG SSR
Beschluss VR SRG SSR vom 18. März 2009:
“Übergeordnete Ziele
Die Gründe der Konvergenz sind ein industriebestimmender, technologischer, professioneller
und nutzungsbedingter Wandel sowie die Unmöglichkeit, diese Dynamik mit den bestehenden
Organisationen und Mitteln aufzufangen. Die Herausforderung des Medienunternehmens
SRG SSR besteht darin, neue und gestiegene Anforderungen an den Qualitätsjournalismus mit
den verfügbaren Ressourcen und bei laufendem Betrieb zu erfüllen. Das Ziel des Konvergenzprojekts ist primär ein redaktionell-qualitativer Synergiegewinn.
Die Qualitätsziele stehen vor dem Finanzziel, das auch ohne Medienkonvergenz angegangen
werden müsste. Die Medienkonvergenz und die damit verbundenen Investitionen müssen sich durch einen Gewinn an Kompetenzen und durch eine zeitgemässe Abdeckung der Pub-
likumsinteressen, aber auch durch eine ergiebigere Organisation rechtfertigen. Die Produktivitätssteigerung soll eine zusätzliche Verbesserung des Programms ermöglichen. Die
Konvergenz-Ziele und deren Hintergrund werden den konkreten Projekten zugrunde gelegt. Im
Gegensatz zu den Rahmenbedingungen, die den Regionen bewusst einen Spielraum bieten, gelten diese Ziele absolut.
Weil die Medienkonvergenz primär eine publizistische Entwicklung ist und direkt die Medieninhalte und deren Herstellung sowie die Reorganisation der traditionell nach
Vektoren aufgestellten UEs betrifft, kommt der konkreten Absicherung von Qualitätsmerkmalen wie Vielfalt, Unabhängigkeit und Pluralität Bedeutung zu.”
Aber welche Bedeutung und wofür?
Die Begründung ist ein Dokument der Hilflosigkeit gegenüber den Veränderungen der Struktur und Funktion der Medien und den gesellschaftlichen Herausforderungen des Medienwandels:
Ist die Technologie integrierend oder spaltend?
Welche Gruppen profitieren davon, welche nicht- digital divide?
Wo und wie erfolgt Selektion und damit Manipulation?
Wie steht es mit der Barrierefreiheit?
Interessiert dies überhaupt jemanden? Vielleicht ja auch nicht…
“Gut recherchierte Themen sind die Kür.” Stimmt.
„…welche vorhandenen guten Strukturen können wir nutzen, welche müssen wir neu anlegen, was fehlt uns noch (und so weiter) zu befassen,…“ @Petra, genau, das ist die Frage, welche ich etwas konkreter um 11:36 Uhr gestellt habe. Wiederholung verbrät die meiste Energie. Schade.
Gute Recherche sollte in einem öffentlich finanzierten Informationsangebot eigentlich ein Standard sein …
Ja, deine Aussage war auch der Ausgangspunkt meines Textes. Der “Rahmen” meiner Aussage lautet: bringt Dinge gemeinsam voran und versucht Euch nicht gegenseitig kaputtzumachen. Halte ich nicht für “verbratene” Energie, dies zu schreiben. Ich würde auch eine Wiederholung nicht für Verschwendung halten. Wenn es dich geärgert hat, dass ich Teile deines Textes genommen habe, ohne sie gesondert zu erwähnen, dann hier ausdrücklich:
Dein Text war der Anlaß zu meinem Kommentar.
(Bis du an manchen Tagen ein wenig sensibel?)
Interessantes Thema, nur ich muss hier passen. Mir fehlt zur Schweizer Medienlandschaft und deren Strukturen jegliches Hintergrundwissen. Ich habe im Moment auch nicht die Zeit, mich in Details einzulesen. Über die Zukunft der Print- als auch der elektronischen Medien haben wir uns hier schon häufiger ausgetauscht. Da würde ich mich auch wiederholen @Noisa.
Also stehe ich mal zu meiner ‚Bildungslücke‘ und wünsche Euch ein schönes Wochenende.
„bringt Dinge gemeinsam voran und versucht Euch nicht gegenseitig kaputtzumachen…“ @Petra, ehrlich, der Spruch ist unpassend. Da musst Du Dich in irgendeiner Form persönlich angegriffen gefühlt haben.
Ok, wir haben unterschiedliche Ansätze; das ist auch nicht verkehrt. Mir geht es NUR darum, Dinge voran zu bringen. Es geht nicht um mich, ich blogge hier anonym.
Investigation hat mit Geld nichts zu tun! Recherche meistens auch nicht. Quellen zum Posting ließen sich mal eben auf die Schnelle übers Web raussuchen.
Reicht das von den Schweizern angedachte System, um den öffentlichen Informations- und Unterhaltungsauftrag in hoher Qualität erfüllen zu können? Vom Bauchgefühl behaupte ich, dass es reicht. Es krankt möglicherweise an dem Willen, investigative Themen anzupacken – so ist es jedenfalls teilweise in Deutschland.
Wir führen hier eine Systemdiskussion und machen uns Gedanken über neue Medien. Wichtige Themen können gerade über die neuen Medien kommuniziert werden. Es fehlt bei öffentlich-rechtlichen Sendern an dem Willen, wichtige, unbequeme Themen anzupacken. Das ist das Problem.
Danke, Dir auch ein schönes Wochenende, @Ramona.
Danke @ Noisa, drück die Daumen, dass es wenigsten etwas wärmer wird. Ich kann es brauchen:-(
http://www.janbenzien.de/jmb/images/stories/www/plakat_ifr09.gif
@Noisa: Ich glaube, jetzt hast du was missverstanden. Ich habe damit nicht dich oder den Block gemeint, sondern die Art und Weise, wie mit dem Zusammenlegen verschiedener Einheiten umgegangen wird (hier Radio und Fernsehen).
„Ok, wir haben unterschiedliche Ansätze; das ist auch nicht verkehrt.“: Ich glaube, wir liegen genau auf einer Linie. Was du geschrieben hast, kann ich nur unterstreichen.
Vielleicht wollte ich einen zu allgemeinen Aspekt mit einbringen, der mir aus einem aktuellen Thema durch den Kopf geht.
Und zum Thema: Ich schließe mich @Ramona an; mir fehlt das Hintergrundwissen fehlt. Und im Moment auch die Zeit für die Recherche.
Danke jedenfalls für deine (Recherche).
Dir und den anderen noch einen schönen Tag.
einmal fehlt es mir zu viel
„Viel zu oft und auch hier…“ Ok, wegen des klaren `hier´, @Petra, habe ich Deine Äußerung auf das Blog bezogen. Das Posting greift ein – grusel – „gegenseitiges kaputt machen“ nicht auf. Egal, Wortklaubereien bringen nichts voran… ;)
Danke, Dir auch einen netten Tag, @Petra.
@Ramona, viel Spaß und besseres Wetter. :)
“Gute Recherche sollte in einem öffentlich finanzierten Informationsangebot eigentlich ein Standard sein …”
Ja, Handwerk.
In einer digitalisierten Welt können Computer besser kommunizieren als Menschen, besonders als die Menschen, die nicht vernetzt sind oder sich der sozialen Vernetzung entziehen. Digital divide bedeutet auch, dass die virtuell Präsenten eher und stärker wahrgenommen werden als alle anderen. Wenn es so etwas wie Chancengleichheit der öffentlichen Wahrnehmung in der Recherche gibt, dann müssen Menschen dort aufgesucht werden, wo sie leben und kommunizieren, eben nicht nur oder auch gar nicht im Internet.
Wenn das Medium- als Ausweitung des menschlichen Körpers und der menschlichen Sinne im Raum, wobei sich jede derartige mediale Ausweitung sowohl auf den Einzelnen als auch auf die Gesellschaft auswirkt- die Botschaft ist- als Summe aller Auswirkungen, mit denen ein Medium die Situation der Menschen von deren Sinneswahrnehmung über die Psyche bis hin zum sozialen Zusammenleben verändert- dann bedeutet Medienkonvergenz eine Herausforderung nicht nur für die Produzenten sondern auch für das Produkt. (utoronto.ca/mcluhan/mcluhanprojekt/message.htm)
Nur Maschinen können Informationen austauschen ohne durch Kommunikation verändert zu werden. Wir Menschen kommunizieren auch um uns verändern zu lassen, eher unbewusst als bewusst.
@Noisa „Viel zu oft und auch hier…“
Mensch, Petra, da hast du dich aber echt unklar ausgedrückt!!!!
Also: hier bezogen auf die SRG!!!!
Sorry, Noisa. Jetzt verstehe ich, wie du gedacht hast.
Das ist besonders schade, weil ich deinen Beiträge zu diesem Posting wirklich gut finde.
(PS und ganz leise: nicht immer gleich so böse sein; Petra ist eigentlich meistens ganz lieb und mag Noisa und Ramona und Dowanda und Walter und Martina und und und)
Ein sehr gutes Posting. V.a. der Satz “gut recherchierte Themen sind die Kür.” Aber haben wir alle in unserem Beruf nicht die Belance zu finden zwischen “Pflicht” und “Kür”?
PS:
Nach McLuhan leben wir in einem Zeitalter der Angst, da Information meist ungefiltert auf uns einstürzt und uns natürliche adäquate Schutzmechanismen fehlen. Wir werden durch Information traumatisiert.
Rückzug ist ein bewusster Akt, der das Glück der Unerreichbarkeit auch mit einem Preis bezahlt.
Die Medienkonvergenz soll die Effizienz der Informationsvermittlung steigern und Informationsdichte und -Qualität erhöhen. Steigerung der Effizienz mag ein Ziel der wirtschaftlichen Optimierung sein, im Sinne des Menschen ist dies manchmal nicht.
Zu unserem Schutz sind informationelle Freiräume auch in den Medien zu fordern.
@Petra :)
OT: Apropos, bei `Kür´ muss ich immer an den Sportunterricht denken, wo die Lehrerin regelmäßig wollte, dass wir Mädels eine Kür vorführten, ob auf dem Boden oder Schwebebalken… :)
Ja, die `informellen Freiräume´. Ich schaffe mir den jetzt mal. Bis dahin. :)
Medienkonvergenz- Ein Schritt auf dem Weg zum globalen Dorf.
(utoronto.ca/mcluhan/mcluhanprojekt/village.ht
>>‘Citizen Journalism’ heisst das in der Fachsprache der Networker und viele Journalisten fühlen sich davon ebenso in ihrer Welterklärungsautorität bedroht wie durch die Entgrenzung einzelner Medien in ihren Arbeitsroutinen.>>
Ich bin ja eine Anhängerin der These, dass der Journalismus wieder dahin zurückkehren wird (und soll), wo er herkam – nämlich in das gemeine Kaffeehaus (sprich: dem öffentlichen Raum, dem Netz als erweiterten öffentlichen Raum). Wenn man sieht wie die großen, zwangsalimentierten Rundfunkanstalten und privaten Medienkonzerne – wie im MM-Beitrag beschrieben – lediglich mit der Kostenschiene argumentieren, wie sie quasi zwanghaft über Geld sprechen, der glaubt nicht mehr an eine Qualitätsoffensive von dieser Seite. Guter Journalismus war eben noch nie bloß eine Ware, noch nie ein Ding, wo man einfach mal Geld reinsteckt und hinten kommt dann mehr Qualität heraus.
@Steffi
Ich bin der Meinung, das ein System das sich sowohl einerseits aus Zwangsabgaben und dann auch noch aus Werbung speist andere Maßstäbe an sich legen lassen muss, als beispielsweise ein Privatsender. Dazu muss man schweizspezifisch zu wissen, dass es leichter ist für eine Frau Papst zu werden als in der Schweiz z.B. eine bundesweite Radiokonzession zu bekommen … Die Schweiz, die sich nach innen gerne so marktoffen darstellt, hat ihre festgezurrten Klüngel. Ein streitbarer Schweizer, Christoph Blocher, nannte diese Zustände einmal eine “geschützte Werkstatt”. So daneben er oft liegen mag, in dem Punkt hat er vollkommen recht.
In Österreich ist das seit ein paar Jahren anders, offener. Wie es sich in Deutschland abgesehn vom TV darstellt – speziell im Rundfunkbereich – weiss ich nicht.
Im Radiobereich meinte ich, nicht im Rundfunkbereich …
Hallo Leute,
in Deutschland ist es so, da wird, wer ein Multimedia-PC oder Notebook besitzt, seid neustem eine GEZ-Gebühr extra verlangt. Wer aber schon GEZ bezahlt, der braucht dieses nicht extra bezahlen. Dieses Gesetzt wird z.Zt. gerade verabschiedet. Denn gerade die Jugend verbringt ja mehr Zeit vor dem PC als vor dem Fernseher oder Radio. Denn der PC ist ja auch ein Fernseher, Radio und Printmedium in einem mit unvorstellbar vielen Informationen.
Wenn es darum geht, warum macht da die Schweiz so ein Geheimnis daraus, bei uns geistert es schon seit letztem Jahr durch die Medien?
MfG
Ein kleiner Auszug aus (t-online/computer)
Die Gebührenfreiheit für Computer war zum Jahresbeginn 2007 gefallen. Seither müssen monatlich 5,52 Euro für internetfähige PC gezahlt werden, sofern weder Fernseher noch Radio bereits bei der GEZ angemeldet sind. Die Koblenzer Richter erklärten, ein PC mit Internetzugang sei ein neuartiges Rundfunkempfangsgerät, für das der Rundfunkgebührenstaatsvertrag die Zahlung von Rundfunkgebühren vorsehe. Der Kläger halte den Rechner zum Empfang bereit. Dafür sei die tatsächliche Nutzung als Radio nicht erforderlich.
http://www.fembio.org/biographie.php/frau/comments/herr-koma-kommt-der-frauenmord-in-winnenden/
@Noisa: Muss nochmal auf meinen Text von gestern (13:34 Uhr)zurückkommen. Zunächst hatte ich einen Textteil aus dem Posting und deinen Kommentar kopiert und vorangestellt. Es ging mir durch den Kopf, dass das ja wirklich sehr viel Text ist, denn ich einzustellen beabsichtigte. Dann dachte ich: dass ich mich auf das Posting beziehe, ist ja klar und mein Kommentar kommt zeitlich nach deinem, also habe ich es wieder heraus gelöscht. Und das sich „hier“ auf den BLOG beziehen könnte, habe ich im Traum nicht gedacht. Ja, manchmal ist es eben doch besser, man ist etwas länger, auch wenn es für den Leser dann mühsamer ist. Ich bin im nach hinein ein wenig traurig, dass du gedacht hast, ich würde es so meinen. Aber vielleicht hast du einfach zu viele negative Erfahrungen gemacht. Wie geschrieben, es tut mir leid.
Zum Thema „Wiederholung“: ich kann nicht ausschließen, dass ich etwas schreibe, was jemand anders auch so schon mal aufgegriffen hat. Dabei versuche ich an sich, Quellen anzugeben. Manches rückt aber schon so in das eigene Bewusstsein, dass man es nicht mehr als die Gedanken des anderen erkennt, sondern zu den eigenen dazu sortiert. Ist doch aber eigentlich ein Kompliment für den anderen Schreiber, dass man seine Äußerungen so intensiv übernimmt.
Also wenn es sich um Wiederholungen von „positiven Gedanken“ handelt, finde ich es keine Energieverschwendung.
Hoffentlich gibt es bei dir heute nur positive Wiederholungen.
Hi @Petra, guten Morgen, lass gut sein. So wichtig ist das Web nicht. Negative Erfahrungen habe ich nicht gemacht; diese wohl bei anderen mitbekommen. By the way: Blogs stoßen schnell an menschliche Grenzen. Da ist die Unerreichbarkeit auch nicht immer ein Umstand, der besonders glücklich ist.
So wichtig ist das Fernsehen übrigens auch nicht ! Diese Erkenntnis hatte ich heute Nacht. Und das kam so:
Mitten in der Nacht wache ich plötzlich auf. Da ich nicht sofort wieder einschalfe, greife ich zur Fernsteuerung. Ich schalte auf 3Sat, da zu dieser Zeit nicht viel Anständiges kommt.
Ich sehe eine erhitzte Diskussion österreichischer Teilnehmer. Ich denke zuerst, es geht um Finanzkrisen, Amokläufe oder Obama.
Aber dann: Es geht um die Programmreform des ORF (!), die fast zum Weltuntergang stilisiert wird.
Dann bin ich doch noch weggeschlafen.
Wie kann man das Fernsehen nur so wichtig nehmen ? Das alles ist nur ein Medium und kommt -nimmt man seinen Vorgänger, das Kino, hinzu -ursprünglich mal aus dem Unterhaltungs- und Jahrmarktgewerbe.
Zur Verschmelzung der Medien: Ja, das ist nicht mehr aufzuhalten. Wenn ich aber auch einen Bedarf abseits der ganzen Podcasts und Video-Plattformen sehe. Der Nutzer will auch ein aktuelles, durchlaufendes Programm, von dem er sich berieseln lassen kann
Deswegen wird das Internet eher zum Fernseher als das Fernsehen in den Computer kommen.
Der Mensch, nicht die Technik.
Zum Journalismus gehören neben (Fach-)Wissen und analytischem Verstand auch Persönlichkeit und Mut, einen eigenen, auch moralischen, Standpunkt zu vertreten.
“Welterklärungsautorität” bedeutet, dass andere Standpunkte und Meinungen nicht anerkannt werden. Dies schadet der Kommunikation, da sich der Empfänger nicht respektiert sieht und bevormundet fühlt. Also gehört zum Journalismus auch ein sozial verträgliches Maß an Toleranz.
Um Vertrauen zu wecken bedarf es der Eindeutigkeit und Verlässlichkeit.
Mit den technischen Möglichkeiten steigen die Anforderungen an guten Journalismus. Zu einer Herausforderung gerät der Zwang zur Beschleunigung. Nicht nur in Winnenden war zu sehen, wie Hektik die Sinne vernebelt und den klaren Blick verstellt. Also auch Affektbeherrschung und Geduld.
Die Technik kompliziert und beschleunigt Wahrnehmung und Deutung unter dem Etikettenschwindel der Vereinfachung (“Konvergenz”).
Wir Menschen müssen (!) dieser Entwicklung gewachsen bleiben und dies als eine eigene Disziplin und existenzielle Herausforderung wahrnehmen.
So gesehen liegen Richard Sennett und Peter Sloterdijk auf einer Ebene, wenn sie den Sinn von Übung und Handwerk in der täglichen bewussten Konzentration der Handhabung und im Umgang mit dem immmer Gleichen sehen, mit dem Ziel der persönlichen Entwicklung.
Das moderne Wort hierfür ist Professionalität.
Sicher sollte man auf “guten”, recherchierenden und investigativen Journalismus pochen.
Mir scheint nur, dass nirgendwo davon soviel geredet und sowenig umgesetzt wird wie in Deutschland.
Greifen wir das Fernsehen wieder heraus: Das Eis für Journalisten ist äußerst dünn. Was gibt es denn schon? Die paar Magazine und Nachrichtensendungen in den Öffentlich-Rechtlichen und das war´s fast auch schon. SAT 1 hat seine Nachrichten auf Praktikumsfernsehen zusammengeschrumpft, RTL sticht durch BILD-Fernsehen á la Explosiv und Extra hervor und n-tv guckt niemand.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch das Internet nun ein Qualitätsschub ausgelöst wird. Bisher ist das nicht der Fall.
Nehmen wir den Blog von Beate Wedekind. Dort berichtet sie täglich, wieviel und was sie isst. Mal Ziegenkäse, mal ein Bio-Müsli.
Dazu die täglichen Wiege-Ergebnisse und Erlebnisse.
Das ist kein Qualitätsjournalismus. Soviel kann man wohl feststellen.
Und es wird auch nicht besser.
Auch nicht z. B. durch Twitter, das nur als Werbemedium benutzt wird. Und bei Amokläufen eine unglückliche Rolle spielt. Als letztes war von Twitter zu hören, dass der jüngere Ehemann von Demi Moore (Name ist mir entfallen) diese in Unterwäsche fotografiert und das Ergebnis online stellt. So weit sind wir schon gekommen . *den Zeigefinger heb´*
@Siegmund
Vergiss nicht die rtl2 news … nur so erfährt man, was die neue Trendreligion nach Kaballah ist.
@Noisa: So wichtig ist das Web nicht…
Du hast recht! Ehrlich ist was anders Wichtig in leben, aber Web gehört zu uns (oder besser zu mir!). Ich kenne wenig Personen die nicht in Internet sich informieren, egal im welche bereich, und wenn man woanders lebt, ist doch schön und bequem die Zeitung online lesen zu können, dass da die Notiz wahr sind, oder besser „Komplet“ sind, das ist eine andere Sache, es handelt sich in diese Sache an dem Journalisten oder an der Chef? Das ist für mich zu schwierig zu wissen. In meine Arbeit bereich habe ich aber auch gemärkt, wie die Nachricht geteilt werden, erst haben eine „Anteprima“ nur bestimmte Personen, danach werden alle informiert, später gibt immer jemand die mehr weiß und dir mitteilt, wo du aber nur für dich behalten musst.
Geht’s in die Journalisten Welt Nachricht auch so oder ist anders? Ich würde mich freuen zu lesen dass in diese bereich anders Läuft!
…@Noisa: Blogs stoßen schnell an menschliche Grenzen.
Wie weit sind die menschlich grenzen?
Ich glaube das dass für mich, für Petra, für dich und für viele andere, diese Blog schon wichtig ist, egal für welchen Grund wir da lesen oder schreiben.
@Petra frage: (Bis du an manchen Tagen ein wenig sensibel?)
Genau wie jeder, keine von uns ist jeden tag gleich, und auch wenn das nicht immer angenehm sein kann, ich sehe das als glück! Ich erinnere mich sehr gern an die Posting von M.M.:
Bin ich mein Freund? Ja, das bin ich, obwohl ich weiß und gelegentlich schmerzhaft erfahre, dass ich nicht alles an mir mag, dass ich auf manches verzichten könnte, was doch Teil von mir ist, und dass ich in manchem mit mir selbst auf Kriegsfuß stehe. Bist Du mein Freund? Ja, aus eben genau diesen Gründen. Wollte ich Dich nur in einem einzigen Merkmal von mir differenzieren und distanzieren, ich wäre der einsamste Mensch in der Welt.
Ich wünsche euch @Alle, eine schönes tag und eine angenehm Wochen ende, egal welche eure Laune, Gefühl ist.
@Petra: Danke das du uns magst.
War alles O.T. weil zu persönlich ging? Sorry!
Ist nur ein mutiger Journalist jemand so wie er: (robertosaviano.it) ?
Wie viel kostet mut in leben zu sein? Wie viele Personen sind heute bereit, seine selbst Freiheit in spiele zu setzen?