MM_Toynbee
Zu den Kommentaren
28. März 2009, 12:27 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Frühlingserwachen

Es scheint tatsächlich – endlich mal – die Sonne, als ich den Brief öffne, der mir mit Absender UBS ins Haus flattert. „Frühlingserwachen“ ist die freundliche, in hellen Violett-Tönen gehaltene Grußkarte überschrieben, die nicht alles in diesem Brief sein kein. Er fühlte sich streckenweise so verdickt an.

Ich schüttele den Umschlag und heraus fällt ein Energieriegel – Dinkel ohne Zucker. Ich bin erfreut und gewarnt zugleich. Tatsächlich esse ich diese Dinger recht häufig, aber woher weiß die UBS um meine medizinisch bedingte Vorliebe für Dinkel und Abneigung gegen Zucker? Sie weiß es vermutlich gar nicht, alles reiner Zufall. Eine kleine Werbeübung auf dem Boden meiner möglichen Frühlingsgefühle.

„In dieser Jahreszeit schüttet der Körper vermehrt Glückshormone aus, wodurch positive Gefühle entstehen. Die Natur erwacht zum Leben, Sie fühlen sich lebendiger und sind bereit für neue Projekte.“ So erläutert mir die Karte die Briefsendung und verspricht mir „schwungvolle Momente“, von denen ich derzeit tatsächlich ein paar mehr gebrauchen könnte.

Ich frage mich: Was bekommen die Herren denn wohl? Das Gleiche in hellblau? Die Antwort auf eine Email an meinen Kundenberater klärt mich auf: „… die Herren gehen für einmal leer aus, obwohl ihnen ein Energieschub auch gut tun würde“.

Wenn ich darüber nachdenke, dass eine (in Zahlen: 1) Frau auf Topmanagementeben für die derzeitigen Folgen des Derivate-Desasters mitverantwortlich zeichnet, gibt es hier wohl ein Zielgruppenproblem. Die Männer hätten die Riegel viel dringender gebraucht. Und viel früher vor allem.

Wie wird Jean Paul auf der Karte zitiert: „Das Schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht.“ Den Riegel hätten andere weit vor dieser Zeit dringender gebraucht. Er schmeckt trotzdem. Ich verstehe den daraus folgenden Schwungmoment als Krisenprophylaxe im Sinne des Gender Mainstreaming.

86 Reaktionen

  1. 30. März 2009, 12:25 Uhr, von Noisa
    051

    Nee, muss ich auch nicht haben. Die Kommentare waren unter „aller Sau“ – wie hier in meiner Gegend so gerne gesagt wird, @Ramona. @Dowanda, Du bist hier eine Bankerin mit Charakter, eine glorreiche Ausnahme. ;)

    Jetzt kommt das ein oder andere in Bewegung (GM, Mehdorn). Jetzt erst…

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  2. 30. März 2009, 12:26 Uhr, von Dowanda
    052

    Nachtrag:
    Was ich aber bei der gestrigen wieder einmal vermisst habe – deshalb fand ich die Sendung auch nur bedingt gelungen – ist die Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten in diesem Kontext. Würde man nach der alten Weisheit vorgehen, nur Produkte zu kaufen, die man auch versteht, wäre vieles erspart geblieben. Es gibt eine Seite, die es verkauft – und es gibt eine, die es kauft.
    Wir haben bei uns in der Filiale Gott sei Dank nur 4 Geschädigte. Und nochmals Gott sei Dank wurden die Produkte nicht über uns gekauft. Alle 4 Betroffenen sind männlich, zwischen 50 und 60 und feilschen bei jeder Quartalsabrechnung um jeden Cent Zeilengebühr. Was sie nicht davon abhielt, auf Wertpapiere zu setzen die sie zwar nicht verstanden – aber dafür Ausgabeaufschläge von 5 % hatten. Von den versteckten Gewinnmargen reden wir jetzt mal gar nicht.
    Meiner Erfahrung nach deckt sich das Profil der Verkäufer also weitgehend mit der Verkäufer.

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  3. 30. März 2009, 12:28 Uhr, von Dowanda
    053

    Käufer, Verkäufer … ist auch schwer auseinander zu halten

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  4. 30. März 2009, 12:37 Uhr, von Ramona
    054

    Stimmt @Dowanda, bei dem blauäugigen Herrangehen spielt die menschliche Gier nach dem schnellen Geld auch eine Rolle. Muss man einfach mal sagen.

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  5. 30. März 2009, 12:43 Uhr, von Ramona
    055

    Oh, die Stelle ist schon zu haben. Was verdient Mehdorn eigentlich? Fachkompetenz muss man auf diesem Posten eigentlich auch nicht bestitzen, oder habe ich da was missverstanden. Aber auch noch einen schwächelnder Verkehrsminister an seiner Seite…….?
    Ach nein, ich bleibe bei Kanu’s:-))

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  6. 30. März 2009, 14:00 Uhr, von Ramona
    056
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  7. 30. März 2009, 14:18 Uhr, von Noisa
    057

    Zu Hochmut + Krise allgemein:
    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/28502

    Bilder sagen manchmal mehr als gut gemeinte Worte:
    tinyurl.com/cgfpl5

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  8. 30. März 2009, 17:37 Uhr, von Ramona
    058

    Aufschlussreicher Artikel @Noisa;-)
    Wir haben gestern wieder gehört, die Weltwirtschaft rauscht weiter ungebremst in die Krise und die
    Spekulanten an den Börsen machen schon wieder Gewinne.
    Von Moral, Schuldbewusstsein, oder gar Schuldeingeständnissen der Banker und Manager keine Spur. Und wenn die gestrigen Kommentare der Frankfurter Banker, die Aufarbeitung und der Neuanfang an den Banken und Börsen sein soll, na dann gute Nacht.
    In diesem System wird sich nichts ändern. Ich glaube nicht daran!

    Ich wünsche einen schönen Abend. Ich möchte morgen auch endlich den Frühling, der war heute bei uns noch nicht zu spüren!

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  9. 30. März 2009, 19:05 Uhr, von Noisa
    059

    Danke gleichfalls, Ramona. Morgen ist der Frühling bestimmt spürbar. Zu Hoppelhasen:
    http://dy.cx/Hasen :)
    (Ich find den total klasse.)

    Antworten
  10. 30. März 2009, 19:10 Uhr, von Noisa
    060

    (Sorry, ich hab vor dem `Posten´ zunächst nur die Hälfte gehört.)

    Antworten
  11. 30. März 2009, 21:25 Uhr, von Miranda
    061

    Ich habe mich gestern für Frankfurt geschämt…und mit so Typen lebe ich in einer Stadt…
    ich liebe unsere Skyline gepaart mit alten Gebäuden aber wenn ich zur Zeit draufschaue kommt es mir sofort in den Sinn das da nur Arroganz in den Türmen steckt…Sinnbild ist für mich gerade die Deutsche Bank deren Glasfassade gerade erneuert wird, sieht aus als ob die Zwillingstürme Stück für Stück abmontiert werden…

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  12. 30. März 2009, 22:33 Uhr, von Mesm
    062

    @Urs, I am very impressed that you read “Information� and that it is accessible in Switzerland ;-)

    Antworten
  13. 30. März 2009, 23:08 Uhr, von Noisa
    063

    I am impressed too. Great, @Urs. ;)

    Antworten
  14. 31. März 2009, 5:49 Uhr, von Ramona
    064

    @Noisa, dass war wirklich nicht nett von Herrn Köhnich:-)
    http://www.youtube.com/watch?v=Sg9x5mUjbH8&feature=related

    @Allen einen schönen Frühlingstag!

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  15. 31. März 2009, 6:57 Uhr, von Miranda
    065

    anstatt Power Riegel

    für alle ein wenig Müßiggang

    Ich wünsche Dir Zeit!

    Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
    Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
    Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
    und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

    Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
    nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
    Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
    sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

    Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
    Ich wünsche, sie möge dir übrigbleiben
    als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
    anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

    Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
    und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
    Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben,
    Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

    Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
    jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
    Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
    Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

    Elli Michler

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  16. 31. März 2009, 6:59 Uhr, von Miranda
    066

    oh die Zeitumstellung ist hier noch nicht angekommen, wie schön dass ich schon so früh fit bin…

    Antworten
  17. 31. März 2009, 7:16 Uhr, von Dowanda
    067

    @Miranda
    Ich wünschte ich könnte das auch nur annähernd von mir behaupten.

    Antworten
  18. 31. März 2009, 7:28 Uhr, von Ramona
    068

    Mir fehlt auch die Stunde*gäääähn* :-)

    Antworten
  19. 31. März 2009, 7:52 Uhr, von Dowanda
    069

    Das Zeitalter der kleinen Napoleone scheint immer noch nicht zu Ende zu sein. Kein Frühlingserwachen in Sicht.
    Ein Beispiel dafür ist Martin Schulz, über dessen Interview in der SZ ich gestern gestolpert bin. Präpotenz in jeder Silber. Ich weiss nicht … da ist mir sogar der Berlusconi noch lieber.
    Der kann wenigstens ab udn an noch über sich selber lachen.
    http://www.sueddeutsche.de/politik/759/463368/text/

    Antworten
  20. 31. März 2009, 8:18 Uhr, von Noisa
    070

    Guten Morgen! @Ramona, wie niedlich die Häschen sind. Nach diesem Video musste ich mir von unserem Sohn laufend (!) anhören, „Kann ich auch so ein Häschen haben, kann ich auch…“. Herrje. Die Sonne ist `hier´ nun da. Ich wünsche allen einen angenehmen, frühlingshaften Tag. :))

    Antworten
  21. 31. März 2009, 8:36 Uhr, von Urs Bürgi
    071

    An @Mesm und @Noisa, merci beaucoup. Switzerland is an international aligned country, so we read also newspapers of abroad to understand the cultural thinking of our neighbours, and we have a lot of foreign scientists, for instance science of communication at our universities. J’aime le printemps. Er bringt so luzide Gedanken, wenn man die Doppeldeutigkeit von Luzifer kennt: „Es gibt eine Seite, die es verkauft – und es gibt eine, die es kauft.“ Ein Satz aus Vorarlberg, der doch generell gilt, oder nicht? Ist Rothschild schuld, wenn ich dem Mouton verfalle? Ist Bregenz schuld, wenn ich dort Geld anlege? Ist Delaware in den USA anzuklagen, wenn ich dort, ohne Identität, online eine Firma gründe und darüber Transaktionen mache? Sind die Kolumbianer zu verurteilen, weil New York Kokain lined? Ich bin sicher, dass der Frühling neue Sichtweisen bringt, mit dem Winter das alte Gedankengut schmilzt, neue Managerinnen und Manager, jung, gut ausgebildet und vor allem ethisch orientiert, die geistig verkrusteten Relikte des vorigen Jahrhunderts rasch ersetzen werden, und weniger Riegelpower, aber mehr Frauenpower wird uns voran bringen. Männer, evolutionär bedingt, denken, soweit möglich, kurzfristig, ihr Part ist „action“, Frauen fühlen sich verantwortlich und handeln danach, die Brut aufzuziehen, und das braucht einen etwas weiteren Horizont, als nur den erwachten Frühlingsgefühlen Raum zu geben. Springtime eröffnet die Chance, denselben Tatbestand mal aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und mit Toleranz und dem schwierigen Versuch, andere kulturelle Gegebenheiten nachzuvollziehen, zu neuen Erkenntnissen zu kommen, wie man die „Welt“ auch sehen und leben kann.Bonjour.

    Antworten
  22. 31. März 2009, 9:02 Uhr, von Noisa
    072

    Bonjour, @Urs, ich kann mich nur amüsieren. Deinen Kommentar sollte ich ausschneiden, sammeln, vielleicht in ein persönliches Album kleben, etwas dazu mit Buntstiften malen etc. Yes, springtime! That’s it… change! :))

    Antworten
  23. 31. März 2009, 9:04 Uhr, von Mesm
    073

    @Urs, I know you are ;-), what I didn’t get was how you got access to a German or English version of the paper, because I couldn’t find it. I couldn’t access the article either without buying at subscription and I thought that was a bit too much for the occasion even though the article looked very interesting.

    …and if we could to stay in the north for a little moment longer, I found this link about powerful Icelandic women ;-)

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  24. 31. März 2009, 9:19 Uhr, von Urs Bürgi
    074

    @Mesm, thank you for Ruth Sunderland. It’s amazing.
    Only for you:
    Fyrsten af Italien
    Af Mads Frese | 30. marts 2009 | Kommentarer (2)
    OPPOSITIONEN i Italien er opskræmt over udsigten til forfatningsændringer.

    Mange frygter, at Berlusconi vil indskrænke anklagemyndighedens og domstolenes autonomi, svække den parlamentariske kontrol med den udøvende magt, kompromittere den verdslige stat på grund af sin følgagtighed over for Vatikanet og monopolisere det politiske liv med en ændring af valglovene.

    Dertil kommer selvfølgelig, at Berlusconi som ejer af et medieimperium med bl.a. tre landsdækkende tv-kanaler, aviser og forlag i forvejen har en i europæiske sammenhænge helt uhørt magtposition
    @Noisa, danke, Poesiealbum für Urs? Not bad.

    Antworten
  25. 31. März 2009, 9:35 Uhr, von Noisa
    075

    Ja. :)

    Antworten
  26. 31. März 2009, 9:40 Uhr, von Ramona
    076

    *lach*@Niosa , vor dem Absenden dachte ich auch noch: Hoffentlich sieht der kleine Löwe die Häschen nicht.:-)) Jetzt hast Du ein Problem oder eine schöne Osterüberraschung?

    Endlich scheint bei uns auch die Sonne und die Temperaturen steigen. Das Training macht gleich richtig Spaß!

    Antworten
  27. 31. März 2009, 9:51 Uhr, von Mesm
    077

    @wow :-))

    Antworten
  28. 31. März 2009, 11:00 Uhr, von Dowanda
    078

    Wo ist die Sonne? *kreisch* Ich seh sie nicht … Scheiss Bodenseedunst!

    Antworten
  29. 31. März 2009, 11:26 Uhr, von Urs Bürgi
    079

    @Dowanda, es gibt mehrere Möglichkeiten: die Sonnenbrille abnehmen, aus dem Fenster, bei geöffneten Augen, Richtung Westen schauen, von Altenrhein aus zu Ramona fliegen, nach St Moritz fahren,
    oder nach Brissago, oder warten, denn’s Weggli un en Fünfer gibt’s nit. ;-)))

    Antworten
  30. 31. März 2009, 11:48 Uhr, von Urs Bürgi
    080

    Frühling für wen durch „a real tough woman“? Ob sie auch einen Riegel von UBS bekam? Nein, sie kann auch ohne.
    Siemens-Zulieferer bangen um Aufträge
    Die neue Einkaufschefin Barbara Kux startet ihren Job mit einem Knall: Jeder fünfte der 370.000 Zulieferer des Konzerns soll ausgesiebt werden. Besonders schlimm für hiesige Arbeitsplätze: Siemens will künftig mehr in Schwellenländern und deutlich weniger in Europa einkaufen.

    Antworten
  31. 31. März 2009, 12:19 Uhr, von Ramona
    081

    @Dowanda, oder Fenster putzen:-))))

    Antworten
  32. 31. März 2009, 12:47 Uhr, von Urs Bürgi
    083

    @Mesm, mit einer „Fender*, oder auch Gibson hätte er bestimmt mehr Erfolg bei der Lady gehabt. Dann hör‘ ich mir lieber Van Morrison an: cleaning windows, und viele andere „blues“-ige soul songs von ihm.;-))

    Antworten
  33. 31. März 2009, 13:43 Uhr, von Yolande Langendijk
    084

    Hoffentlich war es gesüßt mit Honig und nicht Aspartan brrrr
    Freundliche Grüssen,

    Antworten
  34. 1. April 2009, 7:39 Uhr, von Dowanda
    085

    @Ramona
    Du hast was ganz Schlimmes gesagt: „Fenster“ darf nie in einem Satz mit „putzen“ vorkommen … was Dir sofort den Mund mit Seife aus!

    Antworten
  35. 6. April 2009, 20:34 Uhr, von ally
    086

    ich finde es beschämend, dass die UBS Riegel versendet. Sorry……!
    You and your Dinkel-Riegel.
    Aber vielleicht sind wir ja alle bei der Maslowschen Bedürfnispyramide wieder auf der niedrigsten Stufe angelangt. Es geht um’s Fressen, in der Schweiz und in Deutschland.

    Mahlzeit.

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