MM_Picasso
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11. April 2009, 11:25 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Rom – oder wie ich die Schlange lieben lernte

Es hat einen guten Grund, dass die Vertreibung aus dem Paradies mit einer Schlange und der (emotional verständlich aber schicksalhaft) falschen menschlichen Reaktion auf sie begann. Damals ging es nur um einen blöden Apfel. Inzwischen geht es um die großen Kunstfertigkeiten der Menschheit.

Schlangen sind heute überall dort, wo ein Stückchen Verführung wartet, in Form eines großen Kunstwerks, eines besonders leckeren Drinks oder eines unvergesslichen kulinarischen Erlebnisses. Auch wenn es vermeintlich etwas umsonst gibt, treffen wir auf die Schlange und merken erst, wenn wir an ihrem Ende angekommen sind, dass ihr anfängliches Versprechen von Beginn an unhaltbar war. Schlangen haben heute nichts Tierisches mehr an sich, sondern bilden sich aus dem menschlichen Trieb, nichts zu verpassen und dort zu sein, wo alle anderen auch sind – selbstorganisierend und im Kampf und Krampf der ewigen Wiedergeburt.

Eine der schönsten und längsten Schlangen entsteht alltäglich im Vatikan in Rom. Um in den Petersdom zu kommen, muss man Teil dieser Schlange werden, erst Schwanzspitze, dann Mittelteil (das ist schon ein echter Fortschritt) und schließlich Kopfende, Speerspitze des Sightseeings, sich züngelnd durch die Massen hindurchwindend, deren Elemente auch alle schon mal Kopf der Schlange waren.

Im Mittelteil, ungefähr bei Säule 140 von 284, beobachte ich, dass die Verführung durch das Verbotene auch die Schlange selbst trifft und die Gottesnächsten nicht ungeschoren davon kommen lässt. Drei Nonnen – offenkundig wie die meisten Elemente der Schlange von Ferne zugereist – stehen unschlüssig neben dem vorderen Mittelteil der Schlange, winden sich, kichern leise, schwanken vor uns zurück. Dann tun sie das, worüber jedes Element dieser Schlange auch zuvor längst mindestens einmal nachgedacht hat: die Schwanzspitze zu irgnorieren, um schnellstmöglich zum Zünglein zu werden. Und so vernachlässigen die drei Vorreiter christlicher Nächstenliebe mal eben meine hart erarbeitete Position – inzwischen an Säule 142 – und schummeln sich in die Schlange.

Verführung funktioniert selbst im Innersten systemischer Unverführbarkeit. Irgendwie ganz tröstlich zu den Feiertagen.

Frohe Ostern!

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114 Reaktionen

  1. 14. April 2009, 8:52 Uhr, von Dowanda
    0101

    @Ramona
    Ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Museum ist im Schloß!

    Und Geburtstag habe ich am 20.4. … bin ein spääääter Widder. Wahrscheinlich steh ich drum so schwer auf *g*

    @Katja Owl
    Ich als Leibhaftige? Das ist zuviel der Ehre; bin doch sonst schon immer ganz weit draussen aus dem krachenden Ast *g*

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  2. 14. April 2009, 9:12 Uhr, von Steffi
    0102

    @Petra: Ich war gestern mit meinen Patenkindern am Nachmittag noch im Zoo (München). Schlangen an den Kassen – und immer wieder die Frage: Wie lange dauert´s no? Na ja, und dann im Zoo, mussten wir unbedingt zu den Schlangen… . Also, da bevorzuge ich persönlich lieber die Schlangen vor den Kassen.
    Heute bin ich zur Arbeit gefahren und habe ich mich auf leere U-Bahnen und keine Warteschlangenam Marienplatz gefreut. Vergebens! In München wimmelt es von Touristen – und so hieß es erst mal „Warten“.
    In diesem Sinne wünsche ich Dir auch eine gute Woche. Am Donnerstag werde ich für ein paar Tage ins Salzkammergut fahren- icvh freue mich schon darauf!

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  3. 14. April 2009, 13:45 Uhr, von Dowanda
    0103

    Stichwort „Kommunikation“ Kann der Agrarministerin Aigner mal jemand ein Sprechtraining vorschlagen? Das war ja katastrophal, was ich heute gehört. War abgelesen oder klang abgelesen. Obama ist wenigstens klug genug, sich einen Teleprompter zuzulegen. Nur dumm, wenn der mal hängt *g*

    http://www.express.de/nachrichten/news/politik-und-wirtschaft/teleprompter-panne—barack-obama-hilflos_artikel_1235811500046.html

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  4. 14. April 2009, 14:51 Uhr, von US
    0104

    Hier hab ich die Galerie „Greser+Lenz“ aus dem „Stern“, da brauchen wir alle nicht Schlange stehen, das kann man ganz bequem am PC betrachten.

    http://www.stern.de/unterhaltung/humor/cartoons/galerie/633499.html?gallery=636074&i=9

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  5. 14. April 2009, 14:55 Uhr, von US
    0105

    Dowanda, verdammte Technik! „g“

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  6. 14. April 2009, 15:29 Uhr, von Ramona
    0106

    Dieser Schritt war schon längst überfällig!
    Obama setzt auch hier, endlich auf Kommunikation:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,618862,00.html

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  7. 14. April 2009, 16:32 Uhr, von US
    0107

    Ja, Ramona, ein kleiner Schritt aber es muß noch mehr folgen, dass Handelsembargo aus den 60er muss noch weg, das wäre besser für Cuba und die USA. Aber da sträuben sich noch so einige dagegen in der Oposition Obama’s.

    Schönen Abend noch allerseits.

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  8. 14. April 2009, 17:50 Uhr, von Walter
    0108

    Die ironische Betrachtung des Zentrums der katholischen Kirche von der Schlange her und im Geiste des Widerspruchs von Wort und Tat.
    Menschen sind eben- manchmal- nicht, was sie scheinen.
    Ein Manifest genialen Widerspruchs war die päpstliche Äußerung über den Zusammenhang zwischen Kondomen und AIDS.
    War da auch eine Schlange im Spiel?

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  9. 14. April 2009, 18:38 Uhr, von Ramona
    0109

    @US, ich stimme Dir zu.
    Dieses jahrzentelange Embargo hatte schon frühzeitig sein Ziel verfehlt. Es trieb Cuba in die Abhängigkeit und den Einfluss der Sowjetunion. So lange die Sowjetunion existierte, war es Cuba möglich den Außenhandel zum überwiegenden Teil mit sozialistischen Ländern abzuwickeln.
    Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Wegfall sowjetischer Wirtschaftshilfe, fiel das Land in eine schwere Wirtschaftskrise.
    Fidel Castros sture Innen- und Außenpolitik, gepaart mit dem Handelsembargo, trieb Cuba in die Isolation, mit verheerenden Folgen für das Land und seine Bevölkerung.
    Mit Obamas Wahl zum Präsidenten der USA, scheinen auch die Brüder Castro ihr direktes Feindbild verloren zu haben und zeigen Gesprächsbereitschaft.
    Es ist Cuba zu wünschen, dass das Embargo, was ein Relikt des kalten Krieges ist, endlich fällt. Es bedeutet für das Land HOFFNUNG!

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  10. 14. April 2009, 20:05 Uhr, von Petra
    0110

    Link von @Walter aus Sueddeutsche.de: Der Papst sagt: „Kondome verschlimmern Aids-Problem“ – Warum Kondome die Situation angeblich sogar noch verschlimmerten, erkläre der Papst nicht.

    Dafür findet man doch keine Worte! Die Menschen sterben an AIDS, viele Helfer versuchen die Menschen zu Kondomen zu überreden, bzw. von der Wichtigkeit zu überzeugen und der Papst macht mit einem Satz so viel zunichte. Und liefert keine Erklärung mit. Sorry, spätestens an dem Punkt würde ich mich (innerlich) von dieser Kirche abwenden, wäre ich ihr zugewandt. Oder habe ich hier irgendwas übersehen? Liegt die Erklärung in dem Nichtgesagten?

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  11. 14. April 2009, 20:46 Uhr, von Ramona
    0111

    @Petra, da passt das ja wie die Faust aufs Auge. Was zum Thema AIDS-Aufklärung!
    Ich lasse die Art, wie die Presse darüber berichtet mal außer acht! Wir sind uns da sicher einig, dass es zum Kotzen ist. Mir geht es um die Sache.
    Wenn das zutrifft, gehört diese Frau hinter Gitter! Das ist für mich vorsätzlicher Mord! Vorsätzliche Körperverletzung trifft es nicht:
    http://www.stern.de/lifestyle/leute/:No-Angels-S%E4ngerin-Nadja-Anw%E4lte-Indiskretion/660816.html

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  12. 14. April 2009, 21:16 Uhr, von Petra
    0112

    @Ramona – Ich kann das kaum glauben; die „nette“ Nadja von den No Angels! Wie kann man sich so entwickeln?

    Ich bin ein wenig verwirrt: ein neues Posting ist da – eingestellt um 07:04 Uhr. War es heute unsichtbar?

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  13. 14. April 2009, 22:01 Uhr, von Ramona
    0113

    @Petra, MM hat Ihre kleinen Geheimnisse und wir müssen oder dürfen nicht alles wissen:-)
    Nur noch mal kurz zum Papst-Thema:
    Ich gehöre keine Konfession an und bin auch nicht gläubig, dass schicke ich mal vorraus.
    Ich bin mit den Äußerungen vom Papst auch nicht 100prozentig einverstanden.
    Aber, ist es nicht so, dass von den Jugendlichen Sex heute KONSUMIERT wird? Trotz Aufklärung und weiss der Geier warum, kommt es ohne nachzudenken, ungeschützt zum One nigt stand.
    Ich glaube, dass Sex und ich meine jetzt, wenn zwei Menschen tiefe Gefühle für einander haben, etwas sehr Schönes ist und nicht zur schnellen Nummer verkommen sollte.
    Das sollten wir uns in dieser schnelllebigen Zeit vielleicht doch mal vergegenwärtigen.

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  14. 15. April 2009, 8:00 Uhr, von Walter
    0114

    Den tiefen Gefühlen trauen wir selbst aber immer weniger.
    Die Religiosität gibt dafür ein Beispiel. Die großen christlichen Kirchen kommen dem gefühlten „Zeitgeist“ entgegen, die evangelische mit Beliebigkeit auf dem „bunten Markt der Möglichkeiten“ als Kuschelglaube, die katholische mit einer mehr oder weniger offen gelebten und verkündeten Doppelmoral. Davon machen auch die drei Ordensfrauen in der vorösterlichen Schlange keine Ausnahme.

    Antworten


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