Warum die Gesellschaft den Qualitätsjournalismus braucht
Stellen Sie sich vor, Sie säßen an einem sonnigen Sonntagmorgen in einem Sessel, Tee oder Kaffee auf dem Tischchen neben sich, und läsen eine Zeitung. Das ist es, was ich als Außenbeobachter sehen könnte, wenn ich Sie bei dieser Tätigkeit betrachtete: einen glücklichen Menschen, eins in Geist und Körper, in entspannter Haltung der Lektüre und dem Nachdenken darüber gewidmet. Und stellen Sie sich dann vor, dass dieses Bild täuscht. Dass es nur entstanden ist durch eine komplexe computerbasierte Reizgeneration und -verarbeitung meines Gehirns.
Das Leseerlebnis und seine Beobachtung ist nicht mehr als das Ergebnis verbundener Gehirne, gelagert in einer Nährstofflösung und verbunden durch Drähte, die Neuronen mit einem Computer verschalten. Der simuliert durch seine Impulsgenerierung eine virtuelle Erlebnis- und Erfahrungswelt, die dem Gehirn vorgaukelt, es befinde sich noch immer im Kopf eines Mensch und dieser Mensch sei einer von vielen auf der Welt, die auch alle ein eigenes Gehirn hätten. Nichts davon träfe zu. Es gäbe keine Welt. Es gäbe nur eine softwarebasierte komplexe Generierung von elektrischen Impulsen. Eine virtuelle Welt eben.
In diesem Gedankenexperiment vom „Gehirn im Tank“, das seit Jahrzehnten immer wieder Kunst, Literatur und Wissenschaft beschäftigt mit der Frage, wie Bewusstsein, Wissen und Welterfahrung eigentlich zusammenhängen, steckt ein überaus aktueller Bezug: Wie nehmen wir Informationen auf, woher kommen sie und welches Weltbild entsteht dabei? Bei dieser Frage deutet sich ein Paradigmenwechsel an.
Bislang ist es der Journalismus, der die Menschen mit Neuigkeiten aus der Welt versorgt, sie durch gut recherchierte und erzählte Geschichten interessiert und fasziniert. Das bringt z. B. nicht nur dem Leser einer Tageszeitung ein Lesevergnügen, es sorgt auch für die soziale Synchronisation unserer Gesellschaft. Journalisten beobachten die Welt mit der Aufgabe und Zielsetzung, das Ergebnis ihrer Beobachtung professionell aufzubereiten und es als Nachricht, Bericht oder Reportage wieder in die Gesellschaft einzuspeisen. Diese Informationen machen es möglich, uns in einer komplexen Lebenswelt zu orientieren, uns der eigenen Zugehörigkeit zu dieser Welt zu vergewissern, indem wir uns aus einem Informations- und Themenfundus bedienen, der diese Komplexität reduziert und damit Momente der gesellschaftlichen Verständigung generiert.
Die Aufgabe bleibt, aber sie steht inzwischen unter anderen Vorzeichen. Das Internet hat mit seinen veränderten Möglichkeiten und Formen der Veröffentlichung dem professionellen Qualitätsjournalismus einen bunten Strauß an publizistischen Aktivitäten an die Seite gestellt, bei dem Amateure zu Autoren werden, die eine subjektive, volatile und momentorientierte Berichterstattung praktizieren. Das ist zunächst einmal eine Ergänzung, die eine spannende Herausforderung bekannter Öffentlichkeitskonzepte bedeuten und die Herstellung von Inhalten demokratisieren kann. Doch sie hat Konsequenzen: Wie lässt sich ein professionell angelegter Qualitätsjournalismus noch finanzieren, wenn Informationen im Netz zur Commodity werden und umsonst zu haben sind?
Die Internetunternehmerin Ariana Huffington hat ihre Antwort auf diese Frage vor einigen Tage bei der US-Senatsanhörung zur Zukunft der Zeitung auf den Punkt gebracht: Die Zukunft liegt nicht im Qualitätsjournalismus, der durch ein Mediensystem getragen ist. Sie liegt in einer Kombination aus Bürgerjournalismus und stiftungsfinanzierten Investigativfonds. Den Journalisten und Zeitungsmachern ruft Huffington zu: „If you can’t find your way to that, then you can’t find your way.”
Denken wir das einmal zu Ende: In der Medienzukunft gibt es keinen traditionellen Journalismus mehr. Stattdessen berichten Bürger für Bürger, indem sie ihre eigene Lebenserfahrung und die Beobachtungen ihrer Lebenswelt im Netz veröffentlichen. Und wenn nicht eine Stiftung sich bereit erklärt, für Recherche zu bezahlen, dann beruht diese Bürgerberichterstattung auf nichts anderem als der permanenten Reproduktion und Neukombination von vorhandenen Informationen, so wie sie im Netz längst üblich ist.
Ein Großteil der Inhalte, die in Weblogs und auf Social Networking Sites präsentiert und diskutiert werden, stammen aus der Recherche und Publikation der traditionellen Medien. Ohne deren Angebote, wären viele Weblogs inhaltlich eine wüste Ödnis. Das schmälert nicht ihre Leistung, neue Perspektiven in die öffentliche Diskussion einzubringen und bestehende Informationen intelligent neu aufzubereiten. Aber es lässt aufscheinen, wie diese Medienzukunft ohne Journalisten aussehen könnte: Wie in einer Dienstleistungsgesellschaft, in der sich alle nur noch gegenseitig die Haare schneiden, bereiten wir am Computer die Informationen der anderen aus dem Netz neu auf, gefangen in einer Zeit- und Inhaltsschleife der fortwährenden Reproduktion und Rekombination des Immergleichen.
Wie kommt dann das Neue in die Welt? Gar nicht. Es wird lediglich simuliert als Ergebnis der innovativen Verlinkung von Altbekanntem. So entstehen auch „Nachrichten” wie die über den bevorstehen Konkurs der Fluggesellschaft United Airlines, die im vergangenen September die Medien und Börsen aufrüttelte. Die Software, mit der Google die Websites von Zeitungen nach News durchsucht, hatte einen sechs Jahre alten, undatierten Beitrag des „Sun Sentinel” über den bevorstehenden Konkurs der Fluggesellschaft einfach neu datiert und damit zur „Nachricht” gemacht. Der Aktienkurs stürzte daraufhin um 75 Prozent ab. Die softwarebasierte komplexe Generierung von „Nachrichten”. Eine virtuelle Informationswelt eben.
Wollen wir unsere informationelle Zukunft entwerfen als Netzwerk verschalteter Neuronen und verlinkter Datenströme, getrieben durch ein Programm, das immer Gleiches rekombiniert, um es uns als Wirklichkeit zu präsentieren? Wenn nicht, dann brauchen wir weiterhin den professionell organisierten Ausbruch aus diesem Kreislauf. Wir brauchen Menschen, die von ihrem Schreibtisch aufstehen und sich von ihrem Computer lösen, um zu beobachten, was in der Welt geschieht. Wir brauchen Menschen, die unter Recherche mehr als die Eingabe eines Begriffs in eine Suchmaschine verstehen. Die mit anderen Menschen sprechen, um zu verstehen, was sie bewegt und ihr Leben bestimmt. Wir brauchen Menschen, die diese Geschichten so erzählen können, dass andere sich für sie interessieren.
Für all das brauchen wir den Qualitätsjournalismus, der es sich leistet, Reporter in die Welt zu schicken, die recherchieren, ihre Beobachtungen zurückbringen und uns das Neue erzählen. Wir brauchen ihn als Schmiermittel für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft, die in sich verstummt, wenn es keinen Fundus gemeinsamer Themen mehr gibt. Und wir brauchen ihn gegen die soziale Langeweile, die entsteht, wenn die Quelle der unterscheidbaren Themen und Inhalte versiegt.
Sich dabei allein auf den Goodwill von Stiftungen oder anderen freiwilligen Geldgebern zu verlassen, reicht nicht. Es ist an der Zeit, eine ernsthafte Debatte darüber zu führen, dass Qualitätsjournalismus zu den Institutionen einer freien und demokratischen Gesellschaft gehört – so wie freie Wahlen, freie Gerichtsbarkeit und die Trennung der Staatsfunktionen. Wir brauchen ihn – ob gedruckt, gesendet oder im Internet. Deshalb muss er finanzierbar sein, als Hauptangelegenheit, nicht als Nebentätigkeit.
Eine Gesellschaft, die ihre soziale Synchronisation durch Journalismus zur Liebhaberei erklärt, darf sich nicht wundern, wenn diese Liebhaberei auch nicht steuerlich abzugsfähig ist. Es reicht daher nicht, fortwährend über neue Geschäftsmodelle im Internet zu philosophieren und Werbeeinbrüche zu beklagen. Der Journalismus muss sein Überleben auch selbst in die Hand nehmen und für sich argumentieren. Er muss seine Kunden überzeugen, dass journalistische Qualität einen sozialen Wert hat, der wiederum eines materiellen Gegenwerts bedarf. Und dafür muss eine Gesellschaft bezahlen.
Im Roman „Empörung” stellt der junge Protagonist Marcus Messner sich in der Postmortem-Erzählung seines Lebens die Frage, wie lange er noch mit seiner erinnerten Vergangenheit leben muss und wie lange er diese noch ertragen kann: „Körperlos in dieser Grotte der Erinnerung, erzähle ich mir rund um die Uhr in einer uhrenlosen Welt immer wieder meine eigene Geschichte und habe dabei das Gefühl, dies schon seit Millionen Jahren zu tun.” Die Vorstellung, das solle ewig so weitergehen, löst beim Erzähler ein grenzenloses Unbehagen aus. Beim Leser übrigens auch.








Die Erwartungen an den Bürgerjournalismus halte ich im übrigen für überzogen – wobei ich auch kein großer Fan von Lokalzeitungen bin. Mal sehen was bei Robert Basics Projekt Buzzriders herauskommt.
Ich kann es verstehen das sich Journalisten/innen bedroht fühlen können, da nun über das Internet, Blogs, jeder seine Meinung oder seine Thesen ungefiltert verbreiten kann.
Der Weg um JournalistIN werden zu können ist oft ein steiniger schlecht bezahlter , um so mehr ist es wichtig dass man eine fundierte Ausbildung/ Studium hat um Qualität vermitteln zu können;( vor allen Dingen möchte ich Vertrauen haben können dass die Artikel gut recherchiert und beleuchtet ist und es seriös vermittelt wird) d.h aber nicht dass es Talente auch anderswo zu finden sind aber wer setzt die Standards dafür?
Ich stelle mal die These auf dass es vielen “Bürgerjournalisten” nur um einen Geltungsdrang geht oder wie ist es zu erklären dass man nach einer Notwasser Landung sofort an Twitter denkt…da würde für mich doch Nahe liegen erstmal Kontakt aufzunehmen zur Familie, Freunden, Partnerin.
Oder zeigt sich in dem ständigen Bedürfnis nach aktuellsten Nachricht nicht was erschreckend anderes?
Eine kritische Meinung zum Meckel‘schen Artikel:
http://kritische-ausgabe.de/index.php/archiv/1480
Lesenswert der angesprochene Link ’Magazin der Süddeutschen Zeitung‘ vom 8.05.09
„Oder zeigt sich in dem ständigen Bedürfnis nach aktuellsten Nachricht nicht was erschreckend anderes?“ @Miranda, geht es wirklich um aktuellste Nachrichten? Geht es beim „Laienjournalismus“ nicht vielmehr darum, an einer tiefgründigeren Recherche im Austausch mit anderen mitzuwirken, um sich Themen fundierter zu erschließen und um so am Prozess der Meinungsbildung besser teilnehmen zu können? Es geht auch nicht ums Geltungsbedürfnis. Die Wenigsten bloggen über ihren richtigen Namen. Es geht um professionelle Informationsverarbeitung durch Laien, um eine Informationsverarbeitung, bei der der klassische Journalismus oftmals wenig hilfreich ist. Ein aktuelles Beispiel: Unter wiwo.de findet sich heute was zur Bad Bank. Der Artikel ist unkritisch. Kritisches dazu muss man erst recherchieren… Was soll ich mit einem Artikel, der nur den Ist-Zustand wiedergibt? Die Leser müssen fundiert und kritisch bei diesen Milliardensummen informiert werden, bevor wieder Gesetzesmüll in Kraft tritt.
Nichts Neues unter der Sonne, Ramona.
Platons Höhle (http://www.philosophicum.de/philo5.htm) und Philip Roths Grotte sind sehr unterschiedliche Orte. Bei der Grotte fällt mir eher der Hades ein, die Unterwelt.
Platon bezieht sich auf unsere menschliche Unfähigkeit, Wahrheit zu erkennen und darauf, dass wir stattdessen die Schatten deuten. Darin sind sich Journalisten und Blogger ähnlich, sie benennen ihre Tätigkeit nur unterschiedlich.
Doch in den unterschiedlichen Verpachungen steckt die gleiche Botschaft.
Es scheint ja offenbar ein Bedürfnis zu sein, zu erfahren, was „Qualititätsjournalismus“ sein soll (@Ramona). Ich bin gespannt, ob frau/man dies hier (oder anderswo) irgendwann lesen kann, abgesehen davon, dass es fair wäre, dies den hier gelegentlich am Blog laienhaft Mitschreibenden zu erklären.
@Noisa
die wenigsten sind daran interessiert , ich empfinde dass nicht so dass es darum geht noch mehr in die Materie einzusteigen.
Die Informationsverarbeitung passiert bei mir in dem ich auch auf mein eigenes Gefühl beim Lesen der Informationen höre und sie abgleiche, es hilft mir manchmal nicht noch 5 Links zu setzen.
Auch setze ich dass für mich in eine gewisse Relation, man kann auch Dinge überbewerten in dem man sie sich immer wieder neu anschaut.
Ich hatte mich bei den neuesten Nachrichten auf die Bürgerjournalisten bezogen die im aktuellen Spiegel angesprochen sind, und die auch MM anspricht, die sind glaube ich schon daran interessiert dass man sie beachtet.
Diesen Blog schätze ich hier unter Anderem deshalb da ich hier sowas nicht finde.
„Die Informationsverarbeitung passiert bei mir in dem ich auch auf mein eigenes Gefühl beim Lesen der Informationen höre und sie abgleiche, es hilft mir manchmal nicht noch 5 Links zu setzen.“
@Miranda, bei der Informationsverarbeitung spielen sicherlich subjektive Aspekte, Gefühle, eine Rolle. In erster Linie ist Informationsverarbeitung für mich „Technik“ (Methodik). Jeder hat seine Art und Weise entwickelt, um an Informationen zu gelangen und diese zu verarbeiten. Die Qualität der Informationsverarbeitung ist unterschiedlich, je nachdem, (1) wie stark die Methodik entwickelt ist und (2) zusätzliches Wissen (was aber auch wieder über eine gute Technik (teilweise) aufgefangen werden kann) vorhanden ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Methodenlehre
Das ist jetzt mein letzter Link und auch Beitrag zum Posting, aber diesen Artikel solltest Ihr unbedingt lesen.
Der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren stellt die Frage nach der Mitschuld der Branche und hier liegt für mich, wenn ich es mal so locker ausdrücken darf, der Hund begraben.
http://tinyurl.com/ph5k2r
“Der Presse sind, überspitzt gesagt, ihre Leitideen und ihre gesellschaftliche Legitimation abhandengekommen. Die Branche hat sich um ihre Begründung gebracht. Allein die licence to operate wurde ihr noch nicht entzogen. Es ist daher zu fragen: Was bitte ist und war die Leitidee der Tageszeitungsbranche? Was ist ihre institutionelle Logik? Worauf basiert ihre gesellschaftliche Legitimation? Was ist ihr Auftrag?”
(aus Otfried Jarren, Verweigerung im Wandel: Dem Journalismus sind seine Leitideen abhanden gekommen.”
Genau, darum geht es auch hier: Was ist der Auftrag der “Tageszeitungsbranche”?
Wir können wohl unterscheiden zwischen Verlag und Journalist/ Journalistin. Die Interessen sind durchaus unterschiedlich, die Richtung bestimmt wohl meist der Verlag und je größer der Abstand von der Realität (Platon), desto geringer das journalistische und desto größer das wirtschaftliche Interesse.
Vielleicht macht es die TAZ doch nicht so verkehrt?
Genau @Walter, Jarren hat hier den Finger in die Wunde gelegt!
Einen schönen Abend!
Miranda, ich glaube, dass sich die von Dir beschriebene Art von “Journalismus” eh nicht durchsetzen wird. Mal ehrlich, kaum ein Blog schafft den Sprung über die 200 Besucher-Marke. Es gibt zwei, drei größere Blogs, die von renommierten Schreibern betrieben werden. Und die sind eben renommiert, weil die Schreiber durch “Funk und Fernsehen”, bzw. im Falle von Thomas Niggemeier durch die FAZ, bekannt sind.
Denn eines ist doch sonnenklar: Alle Blogger sind total geil darauf ein Buch zu veröffentlichen und ins Fernsehen zu kommen, warum nur, warum? (für mich im übrigen der eklatanteste Widerspruch der Blogger – siehe Jeff Jarvis letztens zu seiner Buchveröffentlichung)
Und deshalb wird es “Leitmedien” in Form von TV und Zeitungen immer geben!
Und wie gesagt: Qualität wird sich immer durchsetzen!!! Keiner will irgend einen Scheiß von irgendwelchen Möchtegern-Schlaumicheln lesen.
Aber eines ist auch klar: Auch Leute, die keine Ausbildung haben und nicht durch die Mühlen der Journalistenschulen gegangen sind, haben jetzt eine Chance – sofern sie gut sind, das finde ich toll, weil es ein Aufbrechen der oftmals sehr verkrusteten Strukturen in der Medienlandschaft bedeutet.
Hat Egon Erwin Kisch eigentlich studiert? (muss ich mal rasch nachschlagen…)
Ohnehin finde ich die 20er Jahre ja ein wenig vergleichbar mit dem, was jetzt in Blogs geschieht. (Weltbühne, Fackel etc.)
@Fabian, ganz vorurteilsfrei scheinst Du nicht zu sein.
“Keiner will irgend einen Scheiß von irgendwelchen Möchtegern-Schlaumicheln lesen.”
Stimmt, Fabian. :)
Was ist die Wirklichkeit? Das mag ich nach einem langen Arbeitstag nicht mehr mit Platon ausdrücken, sondern eher mit meiner Lieblingskomödie, die mir dazu spontan einfällt. „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray und Andie MacDowell.
Ist auch gleichzeitig übertragbar auf die Zeitschleifendebatte über den sterbenden Qualitäts- und Printjournalismus.
Diejenigen, die den Qualitätsjournalismus totreden möchten in erster Linie mal ihre eigenen Interessen vertreten. Die meisten, die momentan auf diese Branche eindreschen, möchten sich dadurch selber profilieren oder haben sich selbst schon ins Netz verabschiedet.
Was mich nach wie vor wundert ist das gesammelte Schweigen und die Ideenlosigkeit der „Betroffenen“. Fakt ist, Informationen verlieren an Wertigkeit, dadurch dass sie im Netz kostenlos zur Verfügung steht. Fakt ist, das Anzeigengeschäft läuft schlechter. Fakt ist aber auch, noch ist, zumindest in Deutschland, eine große Zeitungsleserschaft am Start, die ihre Zeitung gar nicht so schnell hergeben will, wie man es Ihnen einredet.
Als Paradebeispiel sollten sich die „hippen“ Journalisten und Verleger mal die „verstaubten“ Buchautoren und Buchhändler nehmen. Das Buch ist in den letzten Jahren so was von tot geschrieben worden (Internet, E-Book, schwindendes Leseinteresse), dass es einen schon wundert, wie gut es dieser Branche geht. Hier wurden neue Wege gesucht und auch gegangen. Vom Sellergeschäft alleine könnten selbst die „Großen“ nicht mehr leben.
Wenn ich abends nach hause komme, möchte ich auch in 10 Jahren noch meine Zeitung lesen können. Mir dann noch Infos und Themen zusammenzusuchen und noch länger in den PC zu starren als nötig, möchte ich nicht! Und Blogs dafür nutzen? Ich schaffe es hier noch nicht einmal alle Einträge zu lesen…
Und Bürgerjournalismus erinnert mich sehr stark an „Bürgerfunk“ im Lokalradio. Grauenvoll!!! Wenn es den noch gibt. (Ich hoffe nicht)! Menschen, die nicht sprechen können sprechen; Menschen die keine Informationen sammeln können informieren; und es rauscht, als käme die Sendung aus dem Wohnzimmer von Frau Schmidt-Käsebrettchen.
(ist gar nicht böse gemeint und ich will die Mühe nicht abwerten, aber da passt zum Abschluss dieses Sprichwort: „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ ) – Amen;-)
“Und Bürgerjournalismus erinnert mich sehr stark an „Bürgerfunk“ im Lokalradio. Grauenvoll!!!” :)) Ganz treffend, ein guter Kommentar insgesamt, @Anja.
Was zum “Seinen Senf dazugeben”:
http://www.geo.de/GEOlino/mensch/redewendungen/deutsch/55714.html ;)
Gut dass Dave nicht Senf heisst.
Senf: Blöd, dass es “Bürgerjournalismus” heißt und an sowas gedacht wird, was @Anja beschrieben hat; keiner der Fachleute hingegen weiß, was “Qualitätsjournalismus” sein soll, jedenfalls wollen sie es nicht schreiben, verfallen gar noch in eine Identitätskrise… Komisch alles. ;)
Anja, danke! So ist es. Wenn ich mich in der “Real-World” so umsehe, dann glaube ich auch manchmal: Die spinnen, die Internetgurus!
Die Zeitungen und das Fernsehen besser machen, verkrustetes und Langweiliges raus (bzw. das raus, was ich ohnehin kostenlos im Netz bekomme), nach neuen, interessanten, spleenigen (Nischen-) Formaten suchen (dies vor allem in der Blogosphäre, siehe beispielsweise retro-tv.de, welch geniale Idee!), ausprobieren, einbinden, experimentieren und den Lesern/Zuschauern für “Bezahl-Content” mehr bieten: Bessere Geschichten, bessere Köpfe, bessere Schreiber, intelligentere Geschichten, exklusivere Nachrichten, Gedanken und Diskussionen. Warum sollte dafür keiner zahlen? Qualität rules! Die Quantität und das inflationäre Blog-Bla-Bla Marke: Ich-interessiere-mich-auch-für-Medien und weil ich mein eigener Medienchefkritiker bin, bin ich als vierte Gewalt super wichtig! – braucht in Deutschland bei der exzellenten Medienvielfalt wirklich keiner!
PS Findet ihr nicht auch, dass die faz-online (vor allem durch so seltsame Gestalten wie Peter Richter und Don Alphonso) zum bornierten Besserwissermedium wird? Seltsames Image jedenfalls, dass die sich da online zulegen, bin mal gespannt, wie lange das funktioniert.
Und ich bleibe dabei: Blogs sind als mediale Experimentierbühne ideal und stehen in überhaupt keinem Widerspruch zu den traditionellen Medien. Für mich sind das eher so eine Art “Talentschmieden”, junge Schreiber aller Art sollten sich da austoben und ausprobieren, neue Dinge entwickeln und sich schlichtweg anbieten.
Erschreckend wäre es, wenn Blogs genauso gut wären wie die klassischen Medienangebote – sind sie aber nicht. Und wenn Blogger gut sind und mit ihren Inhalten Nischen besetzen und den Nerv einer Zielgruppe treffen, dann sollten die Zeitungen / etablierten Medien sich diese sofort schnappen (was sie ja auch tun, siehe faz)
Das Problem stellt sich allein in der Finanzierung von Qualität. Und das ist zum Glück: Not my job! ;-)
@Fabian
Ich befürchte nur, dass sich für “Qualität rules” gegen Entgelt nicht genug Markt finden lässt, damit die einzelnen Anbieter überleben. Es sei denn, sie schliessen sich zusammen – aber “gross sein” geht irgendwann einher mit “bequem werden”. Was der Lauf der Dinge ist … bis sich alles wieder in kleinere Einheiten zerstückelt.
Kulturpessimistisch bin ich deshalb: Es kann kein Minderheitenprogramm sein, wenn ich gucke was im Fernsehn offenbar Quote macht. Leute, von denen ich aufgrund langjähriger Bekanntschaft weiss das sie nicht auf den Kopf geknallt sind, gucken sich Dokusoapschrott an mit dem Hinweis “Du abends, wenn die Kinder endlich mal im Bett sind, ist das genau das Richtige. Da muss ich nicht mitdenken.”
faz-online als Besserwissermedium? Ja, teilweise. Aber soviele Peter Richter und Don Alphonso gibts da gar nicht wie es bräuchte um an die sueddeutsche oder SPON hinzukommen.
Korrektur: “Erschreckend wäre es, wenn Blogs genauso gut wären wie die klassischen Medienangebote – sind sie aber nicht.”
Allerdings gibt es teilweise schon sehr gute Blogs und extrem engagierte Blogger: Der Spiegelfechter ist toll, Mädchenmannschaft, Netzpolitik, etc. – aber die lassen sich wahrlich an einer Hand abzählen. (Was angesichts der Millionen von Blogs so gut wie nichts ist!)
Aber da es in Deutschland keine Akkumulation der Blogger gibt, ähnlich wie eben die Huffington-Post, weil hier jeder lieber sein eigenes Ding machen will und auch keine geeignete Finanzierung in Sicht ist (das von Sascha Lobo betriebene Werbesystem “adnation” ist ja voll in die Binsen gegangen), bleiben nur die traditionellen Medienmarken – was ich auch ganz gut finde, da diese (im Gegensatz zu den USA) hier eine hohe Glaubwürdigkeit und hervorragende Reputation haben.
(Mal abgesehen von den Fehlerchen in den etablierten Medien, die die dauer-echauffierten Alpha-Blogger hin und wieder entdecken und gerne mal zu riesigen, weltbewegenden Medienskandalen aufbauschen…)
„Erschreckend wäre es, wenn Blogs genauso gut wären wie die klassischen Medienangebote – sind sie aber nicht.“
@Fabian: Es geht doch nicht darum, wie gut oder schlecht Blogs sind. Wenn sie gut sind, werden sie vielleicht gelesen und der interessierte Leser beteiligt sich – wie beim MM-Blog. Hier wird doch wieder suggeriert/unterstellt, die „klassischen Medienangebote“ seien gut. Genau das erreicht die Verwendung des Wortes „Qualitätsjournalismus“. Nun wurde ja bereits auf etliche Postings verlinkt, die belegen, dass die klassischen Medien bezogen auf ihre journalistischen Qualitäten in Zweifel zu ziehen sind. Sprachliche Tricks zu nutzen, um etwas Brüchiges zu pushen, fördert den guten Journalismus nur bedingt. Warum kann nicht ehrlich über Qualität gesprochen werden? Mich nervt diese Augenwischerei.
Dowanda: Ja, da ist natürlich was dran. Fernsehen und Musikindustrie entwickeln sich schon in eine bedenkliche Richtung: Quote und Kostenlosmentalität = Verflachung.
Wobei ich ja glaube, dass die Gesellschaft ohnehin mehr und mehr in verschiedene soziale Millieus zerfallen wird. Und danach wird sich auch der Medienkonsum richten. An mir ist beispielsweise DSDS und GNTM total vorübergegangen.
Es werden sich viel stärkere mediale Gruppen bilden und eine dieser Gruppen (siehe Sinus Milieus) wird eben diejenige sein, die weiterhin die Zeitung auf Papier lieben und entsprechend finanzieren wird – und sei es tatsächlich irgendwann als Spende (ähnlich wie es die Mäzene in den USA tun, die auf diese Weise ganze Museen finanzieren.)
Ja, ich denke, es wird zu dieser Art von Modellen kommen. Ein Medium sozusagen als Online und Offline “Erlebniswelt”, als identitätsstiftendes Medium – wie es ja auch jetzt schon funktioniert.
Der faz-Leser zahlt nicht nur für seine Zeitung, sondern für exklusive Zusatzevents (wie eben (Online-) Diskussionen, Reisen, Lesungen, Museumsführungen, etc.) , die nur ihm als Abonnent zuteil werden und über die er sich letztlich in seiner bürgerlichen Vorstellungswelt identifizieren kann.
Bin selbst sehr gespannt, ob es so kommen wird. Die Einstellung von “Galore” habe ich immerhin auch schon vor einem dreiviertel Jahr vorausorakelt, ich Besserschisser ;-)
,,, ähm … ich halte das MM-Blog verglichen mit Ihren aufwendigen Artikeln, die sie für die klassischen Medien schreibt, in der Tat für zweitklassig, bzw. es hat den Eindruck dass hier eher Schnelles, Flüchtiges, kleine Gedanken am Rande, niedergeschrieben werden.
Aber genau das ist der Punkt! Für ein Buch, eine gedruckte Zeitung geben sich die meisten Blogger (und – auch hier wiederhole ich mich – von denen sind alle total geil darauf unbedingt (!) ein gedrucktes Buch zu veröffentlichen, siehe Sascha Lobo, siehe Thomas Knüwer, siehe Ibo von Sevenload, siehe Malte von Spreeblick etc.) oftmals mehr Mühe, als für ein Blog – warum ist das so? Weil online weniger Wertigkeit besitzt. Und warum ist das so? Das sind alles selbsterklärte Internetgurus. Warum schreiben die kein Online-Book?
Argh! Diese Internet-Apologeten machen mich in ihrer Widersprüchlichkeit echt bekloppt!
Dazu Else Buschheuer: Blogs sind abgetriebene Gedanken.
Und komisch auch, dass kein Nachwuchsjournalist auf die Idee käme, als Berufswunsch “Blogger” anzugeben, sondern jeder immer noch Chefredakteur der SZ werden will.
Von diesen Internetgurus habe ich mir bei Twitter mal einen Eindruck verschaffen können. Lächerlich – und die meisten sind noch arrogant. Aber das ist trotzdem nicht das Thema. Macht ja nichts, @Fabian, Du sorgst ja auch immer gerne für Stimmung. :)
Das ist im übrigen das Einzige (aber auch das Eklatanteste), was mich am MM-Artikel stört, dass sie alle Konsumenten über einen Kamm schert. Dieses Prinzip/System funktioniert aus meiner Sicht nicht, denn “Die Gesellschaft” gibt es im Hinblick auf die Medien schon seit Einführung der Privatsender nicht mehr!
,,, ähm … ich halte das MM-Blog verglichen mit Ihren aufwendigen Artikeln, die sie für die klassischen Medien schreibt, in der Tat für zweitklassig, bzw. es hat den Eindruck dass hier eher Schnelles, Flüchtiges, kleine Gedanken am Rande, niedergeschrieben werden…
Ich glaube Fabian dass sie da auch gar nicht den Anspruch so hoch schraubt, die Einträge sind unterschiedlich, manchmal einfach aus dem Leben geschrieben und dass macht es doch vielfältig und auch amüsant. Dass du da gleich eine Wertung abgibst (zweitklassig) finde ich schade, wenn dich dass hier nicht interessieren würde würdest du dich auch nicht beteiligen, und da können wir uns doch mal nach der Motivation fragen überhaupt mitzubloggen.
Ich habe z.B ganz einfach nur immer die geposteten Einträge gelesen, erst viel später mitgeschrieben. Gerade weil es nicht immer nur um die gewichtig anspruchsvollen Thematiken geht sondern auch mal Erlebnisse beschreibt macht es für mich menschlich, und da werte ich nicht immer nur nach dem intellektuellen Sachverhalt….
@Fabian
Willst Du etwa Maggie Thatcher Recht geben? ;-)
“There is no such a thing as society”
Was zur Pressefreiheit und zum Anpassungsprozess an die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse:
http://tinyurl.com/r4ylo3
Die Presse hat eine grundrechtlich geschützte Aufgabe für die „Gesellschaft“. Daran ändert auch die Existenz der Privatsender nichts (@Fabian).
Ich glaube die Gesellschaftsspaltung war vor dem Privatfernsehen schon da. Wahrscheinlich war die Bevölkerung auch immer schon im weiten Feld zwischen Homer Simpson und Martin Prince angesiedelt.
Dowanda: Gesellschaftsaufspaltung? Wann und wie und was hat das überhaupt mit der Presse zu tun?
Was hat nicht mit den Menschen zu tun? @noisa
*grübel* :)
Yes, strike :-) @noisa
:)
(Aber wo ist Fabian?)
Wo ist Urs???
Ja, Urs, wo bist Du???
Miranda, ja das Urteil war vielleicht etwas hart und ja, ich glaube auch, dass es MM nicht darum geht hier hochgeistige Hirnschwurbelei zu betreiben und das ist vollkommen okay, wenngleich ich persönlich es mir anders wünschte, weil mir in der Tat intellektuelle Frauen(-blogs) in Deutschland fehlen. Die Postings variieren ja auch in ihrer Qualität, wie in den meisten Blogs.
Es geht mir auch eher um das Grundsätzliche: Eben, dass sich die meisten Schreiber offenkundig für Print mehr Mühe geben, mehr Gedanken machen, als für das Web, wo vieles einfach mal so hingerotzt wird (nicht hier!!!). Vielleicht weil das Web noch kurzlebiger und manigfaltiger ist, als die Zeitung? Weil Speicherplatz nichts kostet?
Mich erinnert das an folgende Szene: Früher gab es Super-8 Filmrollen. Die waren unendlich teuer, so dass der engagierte Hobbyfilmer genau abwägte, was er filmte und wie viel er filmte. Heraus kamen kleine amüsante Meisterwerke, die kurz waren, max 10 Minuten, prägnant und auf den Punkt gefilmt waren, so dass es kaum einen Schnitt bedurfte. Qualität also!
Heute, im digitalen Zeitalter, hat der Hobbyfilmer 60 Gigabyte Festplatte, die er mit stundenlangem Videomaterial füllen kann (“kann ich ja hinterher alles noch schneiden”) mit dem Ergebnis, dass eine Quantität von Material da ist, deren Qualität man allerdings erst mühsam suchen muss, sofern man sie überhaupt findet, weil viele in der Tat ihre Fünf-Stunden-Meisterwerke, – Schwenk hin, schwenk her, zoom ein, zomm out – präsentieren. Diese Quantität langweilt unendlich.
Und das ist es, was mich am Web stört, die Fülle geht zu Lasten der Qualität. Ich persönlich habe keine Lust und Zeit mehr, das ganze Zweitrangige und Zweitklassige im Web zu lesen, ich brauche die Perlen und die brauche ich möglichst komprimiert. Ich will jemanden haben, der das für mich selektiert, der die guten Leute für mich herausfiltert, so dass ich nicht stundenlang sinnlos Zeit im Netz vertrödele, um gute Artikel zu finden.
Aber das ist freilich meine persönliche Ansicht der Dinge.
Einen Blog(Weblog)eintrag mit einem Feuilletonartikel zu vergleichen, ist leicht daneben, auch wenn hier gelegentlich einer, zumeist nachträglich, zur Diskussion gestellt wird.
In Blogs geht es um Standpunkte, persönliche Eindrücke, Meinungen und um deren Gegenüberstellung in einer mehr oder weniger engagierten und offenen Diskussion. Ein Blogpost braucht nicht in sich geschlossen und “fertig” zu sein, im Gegenteil, gerade die Offenheit und häufige Einseitigkeit laden zum Austausch der Meinungen und deren interaktive Entwicklung im Dialog ein. Blogs spielen oft auf der Metaebene indem sie Diskussionen vergleichen und zusammenführen. Sie nutzen damit gerade die Eigenschaft des Unfertigen als work in progress.
Zeitungen und Blogs ergänzen sich zu einem gesellschaftlichen Diskurs und leben gerade von ihrer Unterschiedlichkeit.
Natürlich entsteht dann auch der Wunsch, einmal Fertiges, Abgeschlossenes und irgendwie Bleibendes zu verfassen.
Dies entspricht wohl auch dem deutschen Wesen und dem Streben nach Grundsätzlichkeit.
Ihr Suchenden, oh ihr Ungläubigen!!@Walter ist auf dem richtigen Weg, auf der Spur. Ohne einen Rest an Philosophie geht’s nicht, auch wenn’s immer wieder versucht wird. Was wird denn gesucht? Irgend etwas, was einem Halt gibt. Aber wenn man aufmerksam in der Vergangenheit dieses Blogs gelesen hat, ich muss diese Anmerkung machen, weil es ein Kernstück ist, nämlich, “auf vielen Hochzeiten herum- twittern und -blogen” und dabei den Überblick, den Roten Faden verlieren führt zu solchen “babylonischen Ansichten”, und dann kam “Pfingsten übrigens, dann erinnert man sich, dass es eben keinen Halt, keine Sicherheit gibt, die wir, ach so kleinen Menschlein, ständig suchen, überall, nur nicht bei uns. Welt ist und bleibt subjektiv. Und das heisst, dass jeder selber seine “Weltanschauung” basteln muss, selbst auswählen muss. Das ist doch diese “Sphinx”, genannt Freiheit, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, und ich muss auswählen, muss mich entscheiden, und weiss nicht, wonach! Dann kommt der Ruf nach der Qualität. Ja was ist das denn? Oder der Ruf nach der Wahrheit. Ja was ist den Wahrheit? Wenn viele dasselbe sagen, meinen, bloggen? Wer in Geschichtsbücher blättert, wird auf die Emscher Depesche stossen. Es tut’s auch der Graf von Monte Christo, u.a.: ich zapfe die Leitung an und gebe eine Info an Paris, damit der Kurs fällt oder steigt. Ist die Info “falsch”? Am Beispiel von MM und United Airlines, im Nachhinein ja, im Moment des Entstehens, nein. Wir wollen Sicherheit und vergessen, dass wir in ständiger Unsicherheit leben, siehe oben, Risikogesellschaft, alles hier schon besprochen, erwähnt, aufgezeigt im Blog. Welt ist subjektiv, d.h., ich muss selbst entscheiden, was ich für richtig und für falsch sehe und muss abprüfen, auf welche Seite ich mich stelle, und muss mit dem Ergebnis leben, wenn die “society” zu einem anderen Entscheid gekommen ist. Ich muss anhand meiner Werteordnung entscheiden, was mir wichtig, wertvoll, glaubhaft ist und was ich auswähle als Grundlage meiner Handlung, die ich dann wiederum “verantworten” muss.(Watergate, als Klassiker, Waffen als Grund für den Irakkrieg usw.) Warum vertrauen wir uns nicht selbst, dass wir die für uns richtigen Informationen auswählen? Warum suchen wir das Glück, die Sicherheit, die Entscheidung bei anderen? Und wundern uns dann, wenn die anderes daraus machen, weil sie die Abhängigkeit, die Sucht nach Sicherheit erkennen und liefern, was ihnen genehm, für sie vorteilhaft ist. Und jetzt reibt euch daran, bitte inhaltlich, ohne Rückzug oder “Rauswurf”, aber auch das darf publiziert werden. Jetzt wird’s redundant, aber bewusst.
Jede Revolution war zuerst ein Gedanke im Kopf eines Menschen.
Ralph Waldo Emerson
@Walter, 11:20 lag noch nicht vor, als ich schrieb,aber vielleicht verstärkt mein Gedankenansatz Deine Auffassung. Eben, panta rhei und der “flow” sind’s doch, diese Möglichkeit, zu erschaffen, zu gestalten, unter Zuhilfnahme von Information, news, wo auch immer, von wem auch immer. Natürlich vermutet man, die Wahscheinlichkeit bei SZ oder Spiegel oder TAZ oder… sei grösser, dass es stimmt, wahr ist, aber sicher ist es nie, bewusster oder unbewusster Irrtum kann nicht ausgeschlossen werden. Nur: der Preis der Aktualität besteht im Irrtum. Aber wir wollen immer alles: erstens, nicht bezahlen, zweitens, es wissen, -bevor es geschah- und drittens soll es dann wahr sein.
“Paradies” ist eben Illusion, Traumtänzerei, eine andere “Welt” oder ein anderer Aggregatszustand von Quanten und “Strings”. Übrigens. Du scheinst heute einen verdammt guten Tag zu haben, und wir profitieren davon. Danke, und “hold on”. :-)))
Ich meine, MM hat sich 100 Gummibärchenanrechtspunkte mit dem vorletzten Absatz ihres postings erworben. Wer bietet mehr? Kann auch in Basler Läckerli im Verhältnis 10:1 bezogen werden.
Einen Champagnertrüffel von Heinem….. . Die Wertigkeit ist da, wenn auch schnell verschwunden. 1:100, Urs
@Noisa, ja, oder Baumkuchenspitzen. Soll ich in MG oder in D’dorf bestellen?
Was meinst Du, als connaisseurin?
@Urs, Du kennst Dich aus! Es ginge auch online, sonst Düsseldorf? Die Champagnertrüffel sind ausgezeichnet – als weltbeste ihrer Art. Wir sollten aber die Liefermenge erhöhen; es wirkt sonst arg knauserig. Oder meinst Du, dass ein Stückchen Baumkuchen oder ein Trüffel ok wären?
Danke Walter, danke Urs, so runden wir dass hier langsam ab und tatsächlich MM gibt daruf im Artikel auch eine Antwort aber ob uns ihre Antwort gefällt entscheiden letzlich nur wir selbst
@Fabian,
ich habe verstanden auf was du hinauswillst und der Vergleich mit Super 8 ist gut, geht mir gerade auch so, schneide einen kleinen Film über New York und anstatt auf dass Wesentliche zu kommen, wühle ich in 10 Stunden Filmaterial herum und verliere mich gerade und dass liegt daran dass ich stundenlang herumgelaufen bin und zuviel gefilmt habe.
Wir Menschen geben uns eben nicht mit dem wenigen zufrieden, wir wollen Rückversicherung, Halt noch einen Eindruck mehr aber unseren ureigenen Instinkt nach Qualität und auf unsere subjektive Wahrnehmung von right or wrong vertrauen wir des öfteren nicht mehr, verweise da mal auf das Weltwissen der 7 jährigen von D.Elschenbroich
( http://www.geocities.com/landesverband1/Weltwissen.htm)
Wissen meint eher Erfahren, Fühlen, Urteilen. Es geht nicht um Fakten sondern um Grundlagen und die kommen uns bei dem Überangebot an Information oft abhanden und dann schalten leider viele ab und gucken DSDS und argumentieren dass sie nicht nachdenken wollen…
Ich finde das traurig!