MM_Lagarde
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19. Mai 2009, 16:21 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Ernüchterung

Mehr Ernüchterung geht kaum. In einer in der derzeitigen Schlussphase fast überall spannenden Bundesliga sitze ich am Samstag bei Hertha BSC gegen Schalke 04 und sehe ein langweiliges, uninspiriertes Spiel ohne Tore. Gegen diese Ernüchterung ließ sich kaum antrinken, manche haben es dennoch versucht.

Vor den Toren des Berliner Olympiastadions hat sich daher ein Grüppchen Fake-Politessen, très chique, versammelt, um die frustrierten Fans auf ihren Alkoholpegel zu testen. 2,90 Euro kostet das „Vergnügen“ und dabei gibt es mehr Überraschungen als beim Spiel. Ich habe zwei Gläser Wein getrunken und komme auf 0,38 Promille. Ich dürfte also unter formalistischer Betrachtung noch fahren, fühle mich allerdings keineswegs so, als sollte ich dies in Erwägung ziehen. Eine Freundin, die drei Bier getrunken hat, kommt auf 0,18 Promille, ihr Bruder, der das letzte von drei Bieren nur Minuten vor dem Alcotest gegen den Hertha-wird-nicht-mehr-Meister-Frust heruntergespült hat, gar auf 0,0.

„Alles Fake“, denke ich und lese dann die „Urkunde“, die mir nach dem ordnungsgemäß durchgeführten Test überreicht wird. Darauf steht, dass ich Miriam heiße (das wusste ich trotz der zwei Gläser Wein auch so noch), dass ich auf einer Veranstaltung namens „Fußball“ war und dabei das Etappenziel von 0,38 Promille um 18 h erreicht habe. Klingt alles nach einer cleveren Werbestrategie einer Brauerei oder eines Alcopop-Herstellers, die auch noch „mit einem original ‚Dräger‘ Polizei Alkomaten“ den Test durchführt, wie mich die „Urkunde“ weiter informiert.

Ich habe die strenge Vermutung, dass bei diesem Test niemand die 0,5 Promillegrenze überschreitet und werde flugs eines Besseren belehrt. Ein lebhafter Hertha-Fan, der schon zuvor aktiv mit und ohne Fußballtrikot an unserer Gruppentestaktion teilgenommen hat, pustet auch folgsam nach Ansage in das Röhrchen. Er kommt auf 2,1 Promille. Das beeindruckt mich in zweierlei Hinsicht. Zum einen scheint das Gerät doch Werte über 0,5 zu messen, zum anderen rechne ich meinen Alkoholkonsum nun einmal hoch: Ich hätte zehn (!) Gläser Wein trinken müssen, um auf diesen Wert zu kommen (gerundete Rechnung). Dann wäre es mit dem Pusten vorbei gewesen. Ich hätte nicht mal mehr das Gerät halten können. Wahrscheinlich hätte ich gedacht, es gäbe mehrere davon.

Die Website der Aktion – www.alkomat.de – informiert über Geschichte, Sinn und Zweck der Aktion. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass viele Menschen ihren Promillewert falsch einschätzen oder gar nicht einschätzen können. Vielen wird erst durch das Alkoholmessgerät bewusst, dass Sie nicht mehr fahrtüchtig sind, obwohl Sie sich noch sehr gut fühlen.“ Das trifft auf den lebensfrohen Hertha-Fan neben mir in jedem Fall zu. Er zieht mit Grölen von dannen, hoffentlich nicht zu seinem Auto. „Hübsche junge MitarbeiterInnen sind auf Veranstaltungen, bei denen Alkohol eine Rolle spielt, in unverwechselbaren Polizeiuniformen mit original Polizei Alkomaten der Firma Dräger unterwegs. Die Gäste haben die Möglichkeit gegen ein geringes Entgelt Ihre Fahrtüchtigkeit unter Beweis zu stellen, indem Sie Ihren Promillespiegel messen lassen.“ Das soll laut Website „Prävention am Ort des Geschehens“ ermöglichen.

Irgendwie habe ich da so meine Zweifel.

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3 Reaktionen

  1. 19. Mai 2009, 22:45 Uhr, von Lizzy Gefällt 4 Lesern
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    @Anja, wer Meister wird, ist mir vollkommen egal. Hauptsache NICHT die Bayern. Entschuldigung an alle Bayernfans.
    Ich befinde mich gerade im Selbstversuch und habe bereits 2 ½ Glas Wein getrunken. Einen Alkoholtester habe ich leider nicht. Ich denke, mein Auto werde ich noch finden, auch das Schlüsselloch und starten werde ich es auch noch können. Aber schnell reagieren? Nein! Leider gibt es noch zu viele Menschen, die denken, sie können noch alles und sind topfit. Schon aus diesem Grund sollte die 0,0-Promille-Grenze eingeführt werden.
    Nun werde ich mir noch Sandra Maischberger zu Ende ansehen und mich dann ins Bett begeben.
    Ich wünsche Allen eine Gute Nacht.

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  2. 19. Mai 2009, 23:16 Uhr, von Cate Gefällt 4 Lesern
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    @Antje: Eben! :o)

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  3. 20. Mai 2009, 10:03 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
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    @irgendeine Userin, oh ja, hinter dem Alkohol versteckt sich der `Täter´ dann gerne. Das Strafrecht knüpft glücklicherweise an den `Vorsatz´ des Täters an, bevor es zur Tat im (sonst schuldunfähigen) Zustand kommt. Aber allgemein ist es schon so, dass gerne mal was auf den Alkohol geschoben wird. Als gelegentliches Genussmittel zum guten Essen etc. mag ich den Konsum allerdings auch; fahre dann nicht, allenfalls selten mit EINEM Glas Wein oder Bier.

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