MM_Naisbitt01
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24. Mai 2009, 13:36 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Auf Augenhöhe mit sich selbst und der Welt

Manchmal eröffnet ein Blick im doppelten Sinne neue Perspektiven. Wenn man Downtown Chicago, dort wo die “Magnificent Mile” auf den Chicago River trifft, das Gebäude der Chicago Tribune passiert, fällt der Blick auf ein in Stein gemeißeltes Zitat: “Give me Liberty to know, to utter and to argue freely according to my conscience, above all other liberties.” Der Satz von John Milton fiele dem Betrachter nicht sofort ein, wäre er dort nicht in Stein gemeißelt, angesichts der aktuellen Situation der US-amerikanischen Presselandschaft, in der auch die Chicago Tribune eine herausgehobene Rolle spielt.

Am 9. Dezember 2008 hat die Tribune Company Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet. Sam Zell, Milliardär und Immobilieninvestor, der die Tribune Co. 2007 in einem Leverage Buyout übernommen hatte, führt diesen Schritt auf einen “perfect storm” zurück, der derzeit durch die Medienlandschaft überall auf der Welt fegt. Womöglich ist das etwas zu einäugig betrachtet. Vor wenigen Tagen hatte Zell eingestanden, der Kauf der Tribune Co. sei ein “Fehler” gewesen: ”It’s very obvious that the newspaper model in its current form does not work and the sooner we all acknowledge that the better.”

Was ist das “Newspaper Model” in seiner gegenwärtigen Form? Im Falle der Tribune ein mit Schulden überladenes Unternehmen, das ein Beleg für die These sein mag, die Michael J. Copps, Chief Commissioner der FCC auf seiner Eröffnungsrede der International Communication Association in Chicago als “more private equity, less public dialogue” beschrieb. Seine Schlussfolgerung: “We might be loosing journalism.”

Die Chicago Tribune hat diesen Weg des Verlust schon beschritten. Die Marketingabteilung der Tribune soll Anfang dieses Jahres Geschichten der Redaktion im Vorfeld bei den “Kunden” auf Akzeptanz getestet haben. Eine ganz neue Form der Kundenbeziehung – user generated content prohibition – die die Redaktion auf die Barrikaden getrieben hat.

Es ist nicht nur der “perfect storm”, der die Medienlandschaft durcheinander wirbelt. Es sind auch ein falsches Finanzierungsmodell und eine Ignoranz gegenüber der journalistischen Kernaufgabe, die für Frust und Misserfolg stehen. Und vielleicht hat all das früher begonnen, als wir annehmen.

Wer vor dem Tribune Gebäude steht und den Blick nach oben richtet, der sieht einen gigantischen Turm, geschmückt mit Fahnen, hoch in den Himmel ragen – ein Wahrzeichen der Macht und des Selbstbewusstseins. Vielleicht müssten manche aus den oberen Etagen dieses Turms mal wieder auf die Strasse treten und das Milton-Zitat lesen. Das ist auf Augenhöhe angebracht.

59 Reaktionen

  1. 25. Mai 2009, 14:53 Uhr, von Walter
    051
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  2. 25. Mai 2009, 14:55 Uhr, von Dowanda
    052

    … und angebliche RessortleiterInnen Politik bei online-Medien freuen sich, wenn es bei einer Polittalkshow im Anschluss an die Show Häppchen & Chardonnay gibt.
    (“Warum Frank Plasberg besser als Anne Will ist” – unsere Diskussion im März … glaube ich … an dieser Stelle).

    Letzthin hab ich wieder ein Interview eines sz-Wirtschaftsredakteurs (so nennt er sich) gelesen, der Spareinlagen von Banken dem Eigenkapital zuschlug. Da stellt es mir sämtliche Haare auf. Das ist nur EIN Beispiel.

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  3. 25. Mai 2009, 15:19 Uhr, von Walter
    053

    Wir dürfen unseren Journalisten ebenso wenig einen Vorwurf machen, wie unseren Politikern, wenn sie so sind wie wir. Und wenn ich Berlusconi wäre- ich weiß nicht.
    Aber ich wäre nicht wie Berlusconi geworden, das ist der Unterschied.
    Daher liegt die Herausforderung in einer demokratisch legitimierten und geregelten Kontrolle von Macht.
    Dann dürfte sich auch die Frage der gesellschaftlichen Relevanz der Medien neu stellen, einschließlich der Priorität von Information vor Geschäft.

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  4. 25. Mai 2009, 15:43 Uhr, von Ramona
    054

    Danke für den Hinweis @Noisa. Ich war doch nicht ‘momentan’:-))

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  5. 25. Mai 2009, 15:57 Uhr, von Noisa
    055

    :-)

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  6. 25. Mai 2009, 16:06 Uhr, von na ich
    056
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  7. 25. Mai 2009, 16:14 Uhr, von na ich
    057

    http://www.mediummagazin.de/?p=3810

    “Zehn zornige Thesen zur Zukunft der Zeitung”

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  8. 25. Mai 2009, 16:47 Uhr, von na ich
    058

    ich weiß ich weiß, schon wieder ein link :-) …

    … aber ich finde es durchaus lesenswert, was clay shirky in “Newspapers and Thinking the Unthinkable” zu sagen hat

    http://www.shirky.com/weblog/2009/03/newspapers-and-thinking-the-unthinkable/

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  9. 28. Mai 2009, 21:47 Uhr, von Mafalda
    059

    @ cate
    wie gern wär ich dagewesen bei der Diskussion. Demokratie- wer hat es eingelöst? Im griechischen Ideal “männlich, Inhaber von Bürgerrechten (also kein Hartz IV) und wirtschaftlich eigenständig (honorige Sponsoren kein Hindernis für Wissenschaftler). Auch die frz.Revolution nicht. Adel klagte, ebeso wie Banken heute, Privilegien ein. Als systemimmanente Größe. – Tut der deutsche Adel heute auch noch – VdDA im allgemeinen – aber auch baltische Adelsverbände im Besonderen, die ihre juristischen Karten spielen.

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