MM_Japanische-Lebensweisheit
Zu den Kommentaren
18. Juni 2009, 13:33 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Analog-Galore und Online-Galere

Schon wieder hat der Wind des medientechnischen Wandels ein Blatt verweht. „Galore“ erscheint mit dem aktuellen Heft Nr. 49 ein letztes Mal als Printprodukt, danach geht es im Internet weiter unter www.galore.de. Das Interviewmagazin ist im Januar 2003 gestartet mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren und hatte sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: in jedem Heft etwa 40 Interviews mit interessanten Persönlichkeiten aus Kultur, Sport und Gesellschaft zu präsentieren.

Oft waren die Interviews gelungen, gute Fragen provozieren eben gute Antworten. Viele Interviews haben einen spannenden Blick ins Innere des Denkens der Befragten erlaubt, die Antworten kamen weniger geschminkt und gestreamlined daher, als es heute bei Mediengesprächen häufig üblich ist. Ich selbst hatte einmal das Vergnügen, von André Boße befragt zu werden – es war das aus journalistischer Sicht bestvorbereitete und neugierigste Interview, das ich jemals geführt habe.

Mit „Galore“ wollten die Macher, Michael Lohrmann und André Boße, ein Füllhorn von Einsichten in die Menschen unserer Zeit über uns ausschütten – und jede Leserin und jeder Leser konnte sich aussuchen, wo er oder sie genauer hineinlesen wollte. Die Zeiten sind für analoge Füllhörner beschwerlich geworden. Jetzt muss die kleine Mannschaft mit voller Kraft auf dem Kriegsschiff des geldunwerten Wettbewerbs das Datenmeer im Netz besegeln – auch wenn das dem publizistischen Selbstverständnis widerspricht. Michael Lohrmann beschreibt im letzen Editorial, „dass ich es im Grunde aus tiefster Überzeugung ablehne, journalistische Inhalte kostenlos anzubieten“. Aber um die Marke am Leben zu halten, müsse man im Netz dabei sein. Das stimmt sicherlich. Dennoch stellt sich auch angesichts der Geschichte von Galore die Frage, wann wir ein Geschäfts- und Gesellschaftsmodell finden, dass guten, rechercheintensiven und professionellen Journalismus finanzierbar macht. Wenn das nicht gelingt, ist es bald nicht nur um Galore schade.

Ich habe mir immer gewünscht, dass Galore aus der reinen Existenz als Printprodukt heraustritt und mir die Menschen auch audiovisuell näher bringt. Dafür könnte der Wechsel ins Netz eine Chance sein: die Menschen, die von Galore befragt werden, könnten wir dort nicht nur mit ihren aufgeschriebene Lebensgeschichten kennenlernen, sondern auch in Ton und Bild. Das ist im mit heutiger Technologie einfach und kostengünstig zu machen. Und das wäre dann nicht allein der Schritt in die Versklavung des Umsonstjournalismus, sondern ein Mehrwert – zumindest ein medialer.

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106 Reaktionen

  1. 21. Juni 2009, 15:31 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    0101

    @ Noisa

    Wünsche sind wie der Wurf eines Steinchens in den Teich – die Welle des Auftreffens auf der Wasseroberfläche breitet sich aus … und bewirkt was. Also wünsche bitte weiter – nicht nur Sonntags ;-) !

    Und Dein eben geäußerter Wunsch ist so wichtig! Nicht Lifestyle sondern Leben miteinander und – wie eng oder fern auch immer – verbunden.

    Kritik, Streit, Diskussion, Auseinandersetzung – sie sind zeitintensiv und jeweils persönliche Herausforderung. Doch, meine ich, Humus zum Sein und Werden von selbst der kleinsten Zelle von Gemeinschaft.

    @ Miranda
    hey, you´re gonna recover. Genieße den Reichtum der 80 Jahre :-))

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  2. 21. Juni 2009, 15:36 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
    0102

    „Wünsche sind wie der Wurf eines Steinchens in den Teich – die Welle des Auftreffens auf der Wasseroberfläche breitet sich aus … und bewirkt was…“

    Schöööön geschrieben, @Mafalda. :)

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  3. 21. Juni 2009, 16:13 Uhr, von Ramona Gefällt 2 Lesern
    0103

    @Miranda, die @Mafalda hat es nicht so gemeint:-))

    @Mafalda, selbst wenn frau sich nach solch einer Nacht so fühlt, möchte sie das nicht auch noch schriftlich bestätigt haben:-))))

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  4. 21. Juni 2009, 16:44 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    0104

    @ Ramona

    kenne die müden Knochen, den schlappen Kreislauf, das Gefühl, mich verströmt zu haben nach einer ge- und durchfeierten Nacht. Also interpretier mich nicht, bitte :-)

    Und ich kann durchaus dann meine gefühten doppelten, 88, Jahre genießen. Dasselbe traue ich Miranda zu.

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  5. 21. Juni 2009, 16:52 Uhr, von Ramona Gefällt 2 Lesern
    0105

    @Mafalda, na wenn das so ist………:-))

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  6. 21. Juni 2009, 17:20 Uhr, von Martina Gefällt 2 Lesern
    0106

    Wenn so traurig wird, dann…
    A letter to an unborn Italian: (tinyurl.com/m255tr)

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