MM_Lasalle
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28. Juni 2009, 21:26 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Urteil und Vorurteil

Manchmal offenbart die Betrachtung eines globalen Ereignisses, wie des Todes von Michael Jackson, kleine aber feine Differenzen mit großer Wirkung. Jacksons Tod hat über Tage die Schlagzeilen und Hintergründe in allen Medien beherrscht. Das ist die oberflächliche Gemeinsamkeit, die schnell deutlich wird. Bei genauerem Hinsehen und Hinlesen zeigen sich journalistische Feinheiten, die auf Grobes schließen lassen.

„Es war eines jener seltenen Ereignisse, die … das hysterische Flackern des Feuerwerks aus Starkult, Promigeilheit und öffentlicher Schadenfreude zu einem Moment der Trauer herunterdämpfte, dem kaum jemand in die emotionale Sicherheit des Zynismus und der Ironie entkam.“ So schreibt die Süddeutsche Zeitung am Samstag auf Seite drei. Kaum jemand, aber mancher eben doch.

Eine der schwierigsten Interpretationsaufgaben der Person und Konstruktion „Michael Jackson“ war sicher seine flirrende sexuelle Identität, sein Spiel mit Identitäten und deren Repräsentationen bis hin zu den Vorwürfen des Kindesmissbrauchs, die zweimal Gegenstand eines Prozesses waren. Der erste Prozess endete mit einem außergerichtlichen Vergleich über 22 Millionen US-Dollar, der zweite mit einem Freispruch für Jackson. Zu diesem Thema schreibt die NZZ am Sonntag in einer auch ansonsten an Facettenarmut reichen Kurzbiographie des Stars: „Das Peter-Pansche Wunderland wird ihm zur Selbstzerstörungsklinik, er wird sexuell abartig, geht pleite.“

Das lässt sich auch anders beschreiben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gibt sich in ihrem Feuilletonaufmacher von Samstag die Mühe, Michael Jacksons Leben vorsichtig und intellektuell differenziert zu interpretieren: „Die gleichsam frühreife Erotik, die heute in Zeiten von Casting- und anderen Demütigungsapparaten schon gar nicht mehr auffällt, hat womöglich mit dazu geführt, dass sich seine Karriere insgesamt als eine komplizierte Phasenverschiebung lesen lässt; ganz sicher trug sie dazu bei, dass die Figur mehr als jede andere als Projektionsfläche für allerlei Abnormitäten betrachtet wurde.“

Was die FAZ analysiert, dem fällt die NZZ am Sonntag anheim – das Objekt der journalistischen Betrachtung als Projektionsfläche: „Das Häufchen Elend, das früher als King of Pop bekannt war, endete so schäbig wie einst der King of Rock – als Notfall in einem Krankenhaus. … Michael Jackson starb wie Elvis Presley. Zuletzt waren sie nur noch tragische Lachnummern, verfettet der eine, brandmager der zweite, verwirrt, vereinsamt und medikamentensüchtig alle beide. Und bei beiden ging ob der traurigen letzten Jahre ihre grandiose künstlerische Leistung vergessen.“

Das ist nicht nur faktisch in der Schlussfolgerung eine grandiose Fehleinschätzung, sie zeugt auch von jenem Zynismus, der im Angesicht des Todes einfach fehl am Platze ist. Michael Jackson verdient als Person und Phänomen eine andere Beschreibung, die die Süddeutsche Zeitung in einem Wort auf den Punkt bringt: „Tragik“.

Das zu beschreiben setzt mehr voraus als ein schnelles journalistisches (Vor)urteil. So wie viele andere komplexe und vielschichtige Erscheinungen menschlichen Daseins bedarf sie der professionellen Beobachtungsdistanz, der Faktentreue und der Fähigkeit zur Empathie. Das gilt für „normale“ Menschen ebenso wie für Journalisten.

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94 Reaktionen

  1. 1. Juli 2009, 16:09 Uhr, von Walter Gefällt 3 Lesern
    051

    Suche nach Profit…

    Antworten
  2. 1. Juli 2009, 16:18 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    052

    Gender- Urteil und Vorurteil, nächste Woche in Berlin.

    Antworten
  3. 1. Juli 2009, 18:57 Uhr, von Miriam Meckel Gefällt 3 Lesern
    053

    @fabian: empathie und medien haben etwas miteinander zu tun: man muss in nicht rein rationalen zusammenhängen (was ist schon rein rational, gibt`s das?) auch mitfühlen können um zu verstehen. das heisst dann ja nicht, dass man sich in beobachtung und berichterstattung nicht auch wieder distanzieren darf. ich glaube, journalistinnen und journalisten müssen beides können. und die, die es können, sind oft besonders gut (und leiden leider auch besonders an dem, was sie beobachten).

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  4. 1. Juli 2009, 20:07 Uhr, von Angela Weibel Gefällt 2 Lesern
    054

    Kann mich den Worten von Frau Meckel nur anschliessen;

    Schreiben können viele, den Leser aber berühren, das schaffen nur wenige…

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  5. 1. Juli 2009, 21:25 Uhr, von Antje Gefällt 2 Lesern
    055

    Michael Jackson hatte eine „Horror“ Kindheit, ja. Er wurde auf Erfolg getrimmt, um jeden Preis, furchtbar! Er war durch dieses Vorleben irgendwann erfolgreich, weil er natürlich auch Talent hatte, richtig! Er hat die Popwelt der 80`er revolutioniert, allein durch seine Tanzperformance/Moonwalk, zweifelsohne!

    Er wurde megareich und hat sich alles gekauft, Neverland-Ranch, Freunde?, seine Kinder.

    Muss man das verstehen? Ihm nachsehen?
    Sehr schwierig!
    Leider bestätigt sich bei ihm in meinen Augen das Phänomen, dass Menschen, die misshandelt wurden, irgendwann selbst misshandeln. Der Umstand, dass er seinen Affen (Bubbles) operieren lassen wollte (oder sogar hat???), damit er aussieht wie er, zeugt nicht von Reife oder Mitgefühl, bei allem Erleben.
    Der „Umgang“ mit „kleinen Jungs“ war auch kein Spaß und schon gar kein Kavaliersdelikt! Geld haben – rauskaufen!
    Michael Jackson war psychisch krank, seit Jahren! Er hatte keine Freunde (sage ich jetzt mal so), nur Parasiten!
    Michael Jackson ist für mich ein „ekelhaftes“ Beispiel, wohin „Starkult“ führen kann.
    Nur Jasager, die von seinem Erfolg glaubten profitieren zu können.
    Warum war da niemand in seinem persönlichen Umfeld, der ihn von diesen perversen Operationen abgehalten hat? Warum hat ihm niemand in seinem engsten Umfeld gesagt, dass er – als schwarzer Künstler – stolz auf das sein soll, was er kann?
    Für mich ist Michael Jackson einerseits ein „armes Schwein“, aber andererseits nicht nur Opfer, sondern auch Täter.
    Liebe und Freundschaft, so platt das ist, so beruhigend ist das auch, lann man nicht kaufen. Nie!

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  6. 1. Juli 2009, 21:25 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    056

    @ Miriam Meckel

    Ich meine nicht, daß die guten Journalist/innen LEIDEN, an dem, was sie beobachten und beschreiben. Denke eher, es geht ihnen wie guten Sozialarbeiter/innen, daß sie um ihre verantwortungsvolle Rolle wissen. Gelernt haben, die jeweiligen Rollen zu differenzieren. Und trotz allem LEID, das sie sicher sehen und nachfühlen, ihren Beruf lieben.

    Antworten
  7. 1. Juli 2009, 21:27 Uhr, von Antje Gefällt 2 Lesern
    057

    kann man nicht kaufen :-)

    Antworten
  8. 1. Juli 2009, 21:28 Uhr, von Mafalda Gefällt 3 Lesern
    058

    P.s.: Und die, die wirklich Anteil nehmen engagieren sich auf Grund ihres Erlebens über ihre Profession hinaus da, wo sie denken – vielmehr fühlen – da soll es sein.

    Antworten
  9. 1. Juli 2009, 21:53 Uhr, von Martina Gefällt 3 Lesern
    059

    Diese Sommer sind schon viele Personen gestorben die in dem VIP Himmel gehören (abgesehen davon dass ich Zweifel das eine Himmel gibt), alle sind menschen gewesen die uns, jeder in seine besonders Art uns bewegt haben, zu uns Emotion gebracht haben wo wir immer drauf verlassen können. Unabhängig jetzt um was alles geschrieben/gezeigt/spekuliert usw. in die Medien wird, (ist auch bekannt wie skrupellos wir menschen sein können) sind diese menschen ein wert, für jeder von uns die bereit ist, diese Emozion nicht zu verlassen.

    Das Ende is mein Anfang
    Folco: Ich überlege.
    Obwohl … vielleicht hast du recht; wenn man den Tod annimmt, was kann man dann noch wollen? Was kann es innerlich Größeres geben, als den eigenen Tod anzunehmen?
    Tiziano: Noch ein schritt weite wäre es, Gut und Böse zu integrieren, Leben und Tod. Wenn du das nicht nur mit dem kopf verstehst, sondern wenn dir diese Integration wirklich gelingt, hast du intuitiv, mit dem Herzen, die Quintessenz des Universum erfasst; dass es zwischen asuras und devas im Grunde keinen Unterschied gibt, dass Dämonen und Götter sich zwar zu bekämpfen scheinen, letztendlich aber ein und dasselbe sind.P364.T.Terzani.

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  10. 1. Juli 2009, 22:15 Uhr, von Mesm Gefällt einem Leser
    060

    <a href=http://www.msnbc.msn.com/id/31571885/ns/technology_and_science-tech_and_gadgets/
    Net big enough for both Michael Jackson and Iran ?

    ….by the way, I have had enough; of rumours, autopsies, dysfunction family members, crazy fans, strange surrogate mother, testaments, and disrupted funeral plans – let the man rest in peace and let the rest of us get back to normality. Like the financial crisis, politics, plane crashes, wars and twitter revolutions – thank you ;-))

    Antworten
  11. 1. Juli 2009, 22:16 Uhr, von Mesm Gefällt 3 Lesern
    061
    Antworten
  12. 1. Juli 2009, 22:22 Uhr, von Fabian Gefällt 3 Lesern
    062

    @ Miriam Meckel: Gebe zu, habe an dem Thema die letzten Tage auch noch ziemlich herum gebrütet. (war vielleicht eine etwas vorschnelle Empfindung)

    Stimme zu Ihrer Einschätzung zu, dies vor allem nach der Lektüre eines wunderbar einfühlsamen Artikels über Christoph Schlingensiefs Plan, in Afrika ein Opernhaus zu bauen, in der ZEIT. Der Autorin ist die Mischung aus Nähe und Distanz, aus Empathie und einer gewissen psychologisch-fremdbeobachtenden Perspektive ganz hervorragend gelungen. Insofern, ja, Empathie und Journalismus gehören zusammen, aber das Maß muss stimmen, gute Journalisten bekommen das hin und zaubern damit wahre Kunststücke aufs Blatt.

    Antworten
  13. 1. Juli 2009, 22:33 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    063

    zum P.s. @ Miriam Meckel
    Muß mich berichtigen. „Die die wirklich anteilnehmen“ falsche Formulierung. Die die persönlich über die Profession hinaus Anteil nehmen an einem Thema. So meinte ich das.

    Antworten
  14. 1. Juli 2009, 22:37 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    064

    Bei beiden Professionen unerlässlich: Reflexionsmöglichkeiten, Supervision.

    Antworten
  15. 1. Juli 2009, 22:55 Uhr, von Martina Gefällt 2 Lesern
    065

    O.T. are always the best ones that leave (tinyurl.com/nwhsnj)

    Antworten
  16. 2. Juli 2009, 0:09 Uhr, von Antje Gefällt 3 Lesern
    066

    Muss nochmal etwas „draufsetzen“, weil der mediale Hype um MJ ja schon unglaublich ist.
    Ich kann, habe ich ja schon ein wenig beschrieben, für MJ nicht mehr Emphatie zu seinem Tod empfinden, als für andere, wirre Gestalten.
    Was mich in meiner frühen Jugend wirklich berührt hat, war der Tod von John Lennon. Er hat für Frieden gesprochen, ihn gelebt, geliebt, …und ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Da war bei uns damals wirklich der Gedanke, was es bedeutet, wenn selbst solche Menschen erschossen werden. Das war ein wirklicher Schock.

    Antworten
  17. 2. Juli 2009, 9:58 Uhr, von Fabian Gefällt 2 Lesern
    067

    Antje, ja, das kann ich nachempfinden.

    Ich muss auch sagen, der journalistische Grat zwischen Empathie und Heuchelei ist schmal. Es kommt eben auch auf die journalistische Form an. Einen Nachruf als „Nachtreten“ zu formulieren, finde ich ziemlich stillos, aber es ist wohl gerade en vogue durchaus „krass“ zu schreiben, das bringt Quote, das bringt Leser, das halten Leser für einen frechen, ungenierten Stil, Marke: Die trauen sich was!

    Das Übelste, was ich dazu gelesen habe, stand mal auf DerWesten zum Tod des Düsseldorfer OBs Joachim Erwin – finde ich leider nicht mehr, haben sie wohl rausgenommen. Ja, letzteres scheint der Fall zu sein.

    Antworten
  18. 2. Juli 2009, 11:10 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
    068

    @Fabian
    Ich weiss ehrlich gesagt, nicht was schlimmer ist: Diejenigen Medien, die sich auflagen- und quotenheischend auf jeden noch so kleinen Fitzel angeblichen oder realen Skandal kitzeln und dann postum Krokodilstränen vergiessen. Oder diejenigen, die es umgekehrt handhaben.

    Über Angela Merkel gibts nun ein Comic-Buch. Klingt zumindest interessant:
    http://tinyurl.com/mvqpv7

    Antworten
  19. 2. Juli 2009, 11:12 Uhr, von Fabian Gefällt 2 Lesern
    069

    Wenn ich beispielsweise das vor gewollter Empathie nur so strotzende Editorial der BUNTE-Chefredakteurin Patricia Riekel lese, kriege ich Brechreiz.

    Antworten
  20. 2. Juli 2009, 11:30 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    070

    Einen anderen Weg hat Farah Fawcett eingeschlagen, indem sie ihren Weg mit dem Krebs hautnah von einem Menschen ihres Vetrauens offen machte. Sehr mutig. Schade nur, daß sie den Endschnitt nicht mehr selbst mitgestalten konnte.

    Allerdings: so sehr ich vor Fawcett´s Mut den Hut ziehe, möchte ich als Außenstehende nicht so nah „eingeladen“ werden.

    Antworten
  21. 2. Juli 2009, 12:14 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
    071

    @Fabian
    Patricia Riekels gedruckte und auch ungedruckte Kommentare lösen bei mir meistens diesen Effekt aus …

    Antworten
  22. 2. Juli 2009, 12:36 Uhr, von Siegmund Gefällt einem Leser
    072

    Nochmal was zu Pina Bausch:

    5 Tage nach ihrer Krebsdiagnose ist sie verstorben, so berichteten alle Medien.

    Ich überlege mir, was gewesen wäre, wenn es sich um Michael Jackson gehandelt hätte. Spekulationen jedweder Art wären ins Kraut geschossen, alle möglichen Todesursachen spekuliert und Familien- und Beziehungssituation ausgiebig diskutiert worden.
    Hier gilt offenbar zweierlei Maß. Vor der einen Persönlichkeit hat man journalistischen Respekt und beleuchtet nur ihr Lebenswerk, bei der anderen ist jedweder Respekt und jede Hemmung fallengelassen worden.
    Wir haben es also vor allem auch um ein Medienproblem zu tun, das wiederum zu Lebenszeiten von MJ zu seinem eigenen, vielleicht größten Problem geworden ist. Leider beleuchten die Medien ihre eigene Rolle so gut wie gar nicht und sie handeln so, wie sie es anderen vorwerfen, nämlich mit dem allerersten Blick auf Verkauf und monetären Gewinn.

    Antworten
  23. 2. Juli 2009, 15:58 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    073

    @ Siegmund

    das mag EINE Seite sein. Ich seh es wie ein Dreieck: Medium/Medien zum Transport von Information – von einer Person – zum Publikum. Dieses scheinbar so klare Dreieck wird komplexer, wenn es 1. um das Interesse des Publikums 2. um die Interessen der Person und 3. um die Interessen des Mediums gehen. Letztendlich KANN leitbildgebend die Person sein: ihr Thema, ihr Metier („populär“ vs. „unpopulär“), ihre Motivation öffentlich zu sein („Sein“ vs. „Schein“) lediglich als Beispiele. Die Person KANN auch leitbildgebend sein als Interessensvertretung oder Ikone von anderen, die im Hintergrund die Strippen ziehen und Räder drehen. Sie KANN auch leitbildgebend sein in punkto dessen, was sie von sich preiszugeben bereit ist. Auch legal geschützt (Z.B. „Caroline von Monaco Urteil“). Medien bilden letztendlich nur ab. In Höhen und Tiefen. Selbstverpflichtungen und Gesetze nehmen manche als lästiges Übel, anderen ist es ein „Ehrencodex“. Und genauso hält es das Publikum. Manche mögen den Blick auf die letzte Ritze, andere sind davon abgestoßen und schämen sich fremd. Möchten jedoch zuverlässig Bilder „der Welt“ geliefert haben, um entweder Meinung als Vorlage zu haben oder sie als Mosaik/Anregung zur Meinungsbildung zu nutzen.

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  24. 2. Juli 2009, 16:08 Uhr, von Ramona Gefällt 2 Lesern
    074

    Langsam geht mir dieses omnipräsente Thema MJ tierisch auf die Nerven. Egal ob seriös (geht das in diesem Fall überhaupt?) oder unseriös berichtet.

    Heute habe in Bad Salzungen Angehörige um ihre toten Kinder geweint. Junge Männer aus Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, die bei einem Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan ihr Leben gelassen haben.
    Nunmehr sind es 35 tote deutsche Soldaten am Hindukusch.
    Das bewegt mich viel mehr und die Frage, wie Deutschland auf die neueste Forderung der US-Regierung reagieren will, mehr Engagement in Afghanistan zu zeigen. Die USA fordern entweder 50 Millionen Euro für Training und Ausbildung der afghanischen Armee oder 134.000 Soldaten Truppenkontingent.
    Bemerkenswert auch immer die Formulierung des US-Diplomaten Ivo Daalder „Krieg in Afghanistan“, die von der Bundesregierung strikt abgelehnt wird. Ein einziger Eiertanz.
    Was nun Frau Merkel? Ein Thema was eigentlich aus dem Wahlkampf heraus gehalten werden sollte.

    Antworten
  25. 2. Juli 2009, 16:13 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    075

    Gute Güte, wieder mal ein Sermon: kurz gesagt. Medien sind nicht gesichtslos. Und es findet schon Reflexion statt, die sich in Codizes wiederfindet. Doch diejenigen im „Medienregen“ haben dieselbe Aufgabe, zu überlegen, was statthaft sei. Und wie diese Informationen gewonnen werden sollen. Und Wahlen zu treffen, wo die „Schmerzgrenze“ zwischen Informationshunger und Respekt gegenüber dem SUBJEKT/MITMENSCHEN, auf das sich dieser richtet, liegt.

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  26. 2. Juli 2009, 16:27 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    076

    @ Ramona

    Der Krieg in Afghanistan ist nach der UDSSR nun auch für USA und deren Verbündete verloren. Ich finde es gräßlich, wenn Euphemismen und „Gesichtswahrungen“ Menschenleben, die nicht mit Geld aufzuwiegen sind (und, by the way, auch nicht mal ansatzweise entschädigt werden z.T., je nachdem was für ein „Unfall“ es war) kosten.

    „Humanitär“ ist so ein Euphemismus. Das Volk von Afghanistan kann m.E. seine Probleme – wenn es auch da Hauen und Stechen gibt – selbst lösen. Was nützen Schulen die nicht akzeptiert werden? Brunnen, die zerstört oder vergiftet werden? Infrastruktur, die, kaum aufgebaut, kaputt gemacht wird?

    Noch ein Schlimmes: die SoldatInnen vor Ort werden nicht ernst genommen in dem, was sie rückmelden. Weil nicht sein kann, was nicht darf…

    Antworten
  27. 2. Juli 2009, 16:31 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
    077

    @ Mafalda
    90 % des weltweit gehandelten Opiums stammen aus Afghanistan. Wer auf diesem „Schatz“ sitzt, braucht keine Mädchenschulen und keine Infrastruktur. Er nimmt sich das Geld aus dem Opiumhandel und erkauft sich damit seine Sicherheit. Am besten mit Ideologie und Waffen. Die Taliban und die Clans haben da die gleichen Interessen.
    Demokratie, Menschenrechte, Gleichheit von Mann und Frau, Alphabetisierung etc. stören da bloss. Wozu auch? Geht ja so viel einfacher.

    Antworten
  28. 2. Juli 2009, 16:47 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    078

    @ Dowanda

    Genau. Und wer will auf diesem „Schatz“ sitzen? Genau wie seinerzeit die chinesischen Opiumkriege, wo England – übrigens ebenso verlustreich – agierte. Doch der Profit rechtfertigt Menschenopfer.

    Dennoch: die „humanitäre“ Hilfe kann nur buchstäblich von der Wurzel an wachsen. Im afghanischen Volk selbst. Und diese Hilfe kann nicht per Waffengewalt oder „Waffenspazierenführen“ implantiert werden.

    Antworten
  29. 2. Juli 2009, 16:48 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    079

    „Doch der Profit rechtfertigt Menschenopfer?!??“ so sollte es heißen.

    Antworten
  30. 2. Juli 2009, 17:20 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
    080

    @Mafalda
    Der Boden ist so fruchtbar, dass der Mohn meines Wissens dreimal jährlich geerntet werden kann. Es liegt also weder am Klima, noch am Boden und auch nach sovielen Jahren nicht mehr an den Kolonialmächten. Es liegt daran, dass mit minimalem Aufwand sehr viel Geld gemacht werden kann, der dann unter möglichst wenig Wohlgesonnenen oder Blutsverwandten aufgeteilt wird. Wegen Sojabohnen und Reis schlägt sich niemand die Schädel ein, dafür ist auch kaum jemand bereit zu morden bzw. dumm und klein gehalten zu werden. Markoökonomisch gesehen gleich viele Erträge aus Nahrungsmittelwirtschaft auf viel mehrere Leute möglichst zu verteilen, also in Infrastruktur und Bildung, ist für die, die grad oben schwimmen nicht rentabel.

    Antworten
  31. 2. Juli 2009, 17:20 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
    081

    möglichst gerecht zu verteilen … soll das heissen, sorry

    Antworten
  32. 2. Juli 2009, 20:24 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    082

    @ Dowanda
    und sollte den Afghanen deshalb die Selbstbestimmung genommen werden? Nur weil dort stattfindet, was bei UNS genauso stattfindet?

    Antworten
  33. 2. Juli 2009, 20:24 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    083

    Wenn Regeln, dann GLEICHES für ALLE.

    Antworten
  34. 2. Juli 2009, 21:44 Uhr, von Mesm Gefällt einem Leser
    084

    MJ or MM & co? – Same-same but different?

    Strange, that having a specific a job can accommodate all this with “us the people? as co-creators.

    It’s not a question of having talent or doing a good job, it´s a question of “production value?.

    It’s every individual’s hope of living the ultimate personal dream and if you can’t live your own, you can at least be a spectator to the dream of others.

    I passed through a German airport recently; they had 47 different gossip magazines on the shelves in the kiosk. (I counted because we were delayed and I had nothing else to do and I was sure that sooner or later I was going to use the information on this blog :-))

    It’s a question of supply and demand and it’s a game we all participate in. The people working in- or connected to the media and entertainment industry and everyone else who read the stuff and watch the pictures ;-)

    Antworten
  35. 2. Juli 2009, 23:11 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    085

    @ mesm

    as you´ve mentioned a few commentaries before: your job demands an active part; especially in CREATING demand. Asking how you personally go along with that item is intimidating but nonetheless I ask: how do you deal with that process of creating demand? What are guidelines? Is there a kind of corporate code? Might sound naive. Maybe you can light a candle.

    Antworten
  36. 3. Juli 2009, 6:10 Uhr, von Regina Gefällt einem Leser
    086

    @Dowanda und Miranda

    Ich möchte nur mal kurz auf den Artikel über den Dalai Lama von Vince Ebert, den ich gerade gelesen habe, eingehen:
    Dieser Artikel ist ein glasklares Beispiel für das aktuelle Blogthema „Urteil und Vorurteil“! Man mag über Buddhismus, Religionen bzw. Weltanschauungen, geistige Lehren und Lehrer, Menschen, die sich zu so etwas hingezogen fühlen, ja egal worüber auch immer, denken, was man möchte, aber wenn man überhaupt gar keine Ahnung hat und nur schlampig einseitig, in diesem Falle negativ, wenn überhaupt, recherchiert hat, sich nie auch nur ansatzweise mit der Thematik, über die man etwas aussagt, beschäftigt hat, sollte man wirklich seine Klappe halten!
    „Vor nichts hat der Mensch mehr Angst, als vor dem Fremden“, so ein Ausspruch von Michel Foucault, und diese Angst lässt den Menschen das Fremde, welches er, auch aus Angst, gerne grandios missversteht, allzu gerne vorschnell verurteilen. Auch wenn Vince Ebert Kabarettist ist und als solcher natürlich zotig daherreden darf und auch soll, so hat auch das Zotige im Kabarett seine Schmerzgrenzen im blöden, plumpen Verurteilen von Dingen und Menschen, die man gar nicht kennt, zumal dieser Artikel ja gar nicht kabarettistisch, sondern ernst gemeint war. Ich kann dies so sagen, weil ich mich seinerzeit sehr intensiv sowohl mit dem Buddhismus als auch mit anderen Lehren beschäftigt habe, viele Tibeter kennengelernt habe sowie übrigens auch den Dalai Lama persönlich.
    Mir geht es hier jetzt nicht um den Buddhismus oder den Dalai Lama, sondern allgemein um diese plumpe Blödigkeit der destruktiven Vorverurteilerei, die mich allgemein immer ärgert. Übrigens habe ich noch nie etwas über sexuelle Enthaltsamkeit im Zusammenhang mit Buddhismus gehört, ausser bei Mönchen und Nonnen, und gerade im Buddhismus ist das Kernstück der Lehre das praktische Erlernen der Empathie bzw. des Mitgefühls, passend zu diesem Blogthema.
    So, jetzt aber bitte nicht über Buddhismus und den Dalai Lama diskutieren, das soll nur als Beispiel dienen.

    Ausserdem stimme ich Frau Meckel zu, was Journalismus und Empathie sowie das Leiden am Beobachteten betrifft, da ich beobachtet zu haben glaube, dass gute Journalisten und -tinnen gerade oft den Drang haben, über Dinge zu berichten, an denen ihr ethisches, moralisches Empfinden leidet. Denn ich glaube, dass das Talent eines guten Journalisten und -tin zu großen Teilen aus der Kombination von Beobachtungsgabe und Sensibilität besteht sowie auch dem Wunsch, durch das Aufzeigen und Benennen von Dingen eine konstruktive Bewegung in die Welt zu bringen.

    Antworten
  37. 3. Juli 2009, 6:26 Uhr, von Regina Gefällt einem Leser
    087

    Ach und noch etwas: Im Buddhismus geht es in der Hauptsache um Meditation. Meditation ist hier nicht ein Abdriften in irgendwelche exotischen Sphären, sondern die Konzentration auf ein einziges Objekt, z.B. so etwas alltäglichem wie den Atem. Dies soll zu einer geistigen Entmüllung und somit zu einem klareren Blick verhelfen, um die Dinge besser so sehen zu können, wie sie wirklich sind, also von Vorurteilen eher zu Erkenntnissen zu gelangen und wenn es nur die Erkenntnis ist, dass man eigentlich gar nichts weiss.

    Antworten
  38. 3. Juli 2009, 6:52 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
    088

    @Regina
    Schön, dass man unterschiedlicher Meinung sein kann.
    Einen schönen Tag noch.

    Antworten
  39. 3. Juli 2009, 7:13 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
    089

    Danke, Frau Meckel, für die Schilderung des Leidens auf dem Roten Teppich. Teilweise nehme ich vom Zuschauen im Fernsehen schon zwei Stresskilo ab (Gelogen, ich wünschte es wäre so …!).
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/479712

    Antworten
  40. 3. Juli 2009, 7:14 Uhr, von na ich Gefällt einem Leser
    090

    @mm
    sz mag – wow – toller beitrag, in jeder hinsicht. deinszenierung und dekonstruktion. und – mutig. ein vergnüngen. dankeschön (auch) dafür.

    Antworten
  41. 3. Juli 2009, 7:53 Uhr, von Regina Gefällt einem Leser
    091

    @Dowanda

    Stilistisch gut geschrieben war er, der Artikel von Vince Ebert, das fand ich auch, aber inhaltlich bin ich da anderer Meinung…
    Wie dem auch sei …., auch Dir einen schönen Tag

    Antworten
  42. 3. Juli 2009, 8:11 Uhr, von Ramona Gefällt einem Leser
    092

    Hach Frau Meckel, ich leide mit.
    Aber wie herrlich ist das Gefühl, nach so einem Abend, die Schuhe von sich zu werfen und wieder aus den Klamotten steigen zu können. Ich höre Sie sagen: „Uff, das haben wir überstanden!“:-)))))

    Antworten
  43. 3. Juli 2009, 10:36 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
    093

    @Ramona
    Meiner Erfahrung nach lassen sich Schuhe nach einer solchen Strapaz nicht einfach wegwerfen, die muss man faktisch vom Fuss schälen.

    Antworten
  44. 14. Juli 2009, 13:36 Uhr, von Claudia Sommer Gefällt einem Leser
    094

    Der Tod von Michael Jackson zeigt in welchem Zustand sich die Medien befinden. Qualitätsjournalismus? Fehlanzeige, fast alle bewegen sich auf Tabloid-Niveau. Passend dazu fragte heute die LA Times „How low can we go?“

    Ich würd‘ sagen tiefer geht’s nimmer.

    Allerdings dürfen wir auch nicht vergessen, dass Michael Jackson ein Meister der PR war und mit Bob Jones ein kongeniales PR Duo abgab.

    Auch Michael Jackson hat mit Steinen auf die Presse geworfen, bzw. ihnen Häppchen zugeworfen. Nur haben die Medien nie wieder aufgehört mit Steinen zu schmeissen.

    Oder in Goethes Worten gesagt: „Die ich rief, die Geister, Werd’ ich nun nicht los“

    Michael Jackson, war neben allen anderen Errungenschaften, vor allem der ultimative Zauberlehring unserer Zeit

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