Als ein Freund von mir kürzlich nach Berlin reiste, hatte er wie immer seine Hotelbuchung im Vorfeld über das Internet getätigt. Beim check-in in einem neuen Fünf-Sterne-Plus-Hotel zeigte er seinen Buchungsbestätigung vor und stiess auf Unverständnis. Man habe leider keine Reservierung vorliegen und daher auch kein Zimmer für ihn, das Hotel sei vollständig ausgebucht. Mein Freund insistierte und verwies auf seinen Ausdruck – ohne Erfolg. Nach minutenlangen vergeblichen Verhandlungen bat er, wenigstens kurz das Businesscenter des Hotels nutzen zu dürfen. Was er dort wolle, fragte der Herr an der Rezeption. Er wolle nur kurz seine gerade gemachte Erfahrung bei tripadvisor.com eingeben, antwortete mein Freund. Er hat dann doch noch in dem Hotel übernachtet – in einer Suite, aber zum regulär gebuchten Preis.
Die Übernachtung in der Suite mag er mit 200 Euro bezahlt haben. Die mehreren hundert Euro, die sie normalerweise gekostete hätte und die mein Freund nicht begleichen musste, berechnen sich in einer anderen Währung. Ihr Name ist Aufmerksamkeit und mit ihr wird ein Wert festgesetzt, der im Internet täglich wächst. Er ergibt sich aus Beurteilungen, wie sie mein Freund als Kunde abgibt, im Internet veröffentlicht und anderen potentiellen Kunden zugänglich macht.
Im globalen Netz entsteht derzeit ein System umfänglicher Bewertung von Produkten, Dienstleistungen, Kontakten und ihrer jeweiligen Qualität durch Nutzer und Kunden. Mit diesen Ratings bekommen die Kunden neue Macht. Denn sie werden zu Wegweisern für nachfolgende Nutzer und Kunden, die sich an diesen Bewertungen orientieren. Wird ein Hotel beispielsweise mehrfach schlecht beurteilt, weil Zimmerqualität und Serviceleistung nicht dem Übernachtungspreis entsprechen, werden nachfolgende Gäste nach Alternativen suchen – zu ihren Gunsten und zum Schaden des Hotels.
Der Philosoph Georg Franck hat vor mehr als zehn Jahren in seinem Buch zur „Ökonomie der Aufmerksamkeit” bereits theoretisch vorhergesagt, was die vernetzte Gesellschaft des Internetzeitalters nun konsequent in die Praxis umsetzt: Was nicht (positiv) beachtet wird, ist nichts wert – auch kein Geld. Deshalb wird im Internet inzwischen fast alles bewertet: Hotels, Restaurants, die öffentlichen Verkehrsmittel, Fluglinien, Ärzte, Professoren, Lehrer, der Friseur um die Ecke oder der Bäcker und seine Weggli.
Schon 2007 hat das US-amerikanische „PEW Internet & American Life Project” herausgefunden, dass jeder Dritte Amerikaner im Internet regelmäßig etwas bewertet. Fast die Hälfte aller Amerikaner suchen im Netz nach Bewertungen, mit deren Hilfe sie ihre Entscheidung überhaupt erst treffen oder verbessern können.
Für den einzelnen Kunden ist das eine erfreuliche Entwicklung, kann er doch mit Hilfe der Fremdbewertungen im Netz herausfinden, welches Angebot ihm in seiner jeweils aktuellen Nachfrage am besten entspricht. Und generell führen solche Bewertungen zu einer öffentlich sichtbaren und nachvollziehbaren Qualitätskontrolle, der sich kein Anbieter mehr entziehen kann, will er sein Business nicht nachhaltig in Gefahr bringen. Inzwischen muss selbst ein Arzt, der seine Patienten regelmässig zwei Stunden warten lässt, ebenso damit rechnen, dass diese Form der Behandlung kommuniziert und kritisiert wird, wie ein Professor, der seine Studenten mit abgelesenen Texten in der Vorlesung langweilt.
Auch das Spektrum von Bewertungskriterien setzen die Kunden selbst fest und gehen dabei ungewöhnliche Wege. Wie man für sich als Professor das Kriterium „Hotness” operationalisiert, das die amerikanische Plattform „RateMyProfessors” vorsieht, ist mir auch noch nicht ganz klar. Die Scorecard des derzeitigen Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman, Professor in Princeton, zeigt in dieser Kategorie eine Null. Bewertungen bleiben auch im Internet relativ.








Okay, ich geb mal fünf Sternchen für den Beitrag ;-)
… und ich überlege gerade, ob ich den vorherigen Kommentar zustimme oder es nicht tue. *grübel*
Aber ja – zum Thema: ich lass mich beeinflussen durch Bewertungen. Nur schaue ich auch, was dazu geschrieben wird und setze diese Erfahrung ins Relative.
Bisher habe ich hierdurch viele gute Sachen gekauft, die es tatsächlich auch waren. ;-)
Naja, und die “Hotness” von Herrn Krugman mag ich auch nicht wirklich beurteilen.
Vor allem auf welcher Scala wird die Messlatte angelegt? Uni-intern oder Celebrity-weltweit?
Da war ich doch mal neugierig:
Frau Meckel auf meinprof.ch ist zwar gelistet, aber nicht bewertet.
Aber die Bewertungen könnten sowieso nur Eingeloggte sehen. Was ich sehr sympathisch von der Seite finde. :-)
Ich sag nur qype.
Wichtig ist, dass die Bewertungen nicht auf Einheitskriterien runtergebrochen werden. Der persönliche Eindruck mit eigenen Worten ist viel mehr wert. Zum Glück sind Menschen ja unterschiedlich und wenn da einer schreibt, dass ihm die Frau in der Reinigung ein Gespräch aufzwängen wollte, dann denkt vielleicht ein anderer: Super, da geh ich hin, denn da habe ich gar nichts gegen…
Uiuiuiu, der arme Paul Krugman kriegt ja echt böse Kommentare ab. Wird wohl was dran sein… ;O (und da ist sie schon, die Vorverurteilung!)
Grundsätzlich finde ich Internet-Ratings gut. Sie sind oftmals praktisch und wegweisend solange sie SACHLICH erstellt werden. Das trifft auf Gegenstände zu und noch viel mehr (!) auf Personenprofile. Es fragt sich allerdings, wo beim Letzteren die subjektive Meinungsfreiheit aufhört und die (eventuell gewollte) Verschmähung anfängt.
Gibt es dazu eigentlich keinen geregelten Datenschutz?
“Und generell führen solche Bewertungen zu einer öffentlich sichtbaren und nachvollziehbaren Qualitätskontrolle, der sich kein Anbieter mehr entziehen kann, will er sein Business nicht nachhaltig in Gefahr bringen.” Ist das so?
Empfand es hochschulpolitisch als sehr wohltuend, daß die Uni Kiel sich aus dem “Exzellenz-Delirium” von Uni-Rankings verabschiedet. Weil die Hatz nach Dokumentation von Exzellenz zur Außendarstellung mittlerweile Ressourcen bindet, die besser zur internen Exzellenz in Form von Forschung und Lehre genutzt würden.
Professionelle wirtschaftliche Ratingagenturen haben ihre Reputation bereits – zu Recht – verloren.
Und nun also das Internet als “Publikums-Joker” von was auch immer; nach welchen Kriterien auch immer. Anything goes. Bis hin zu Mobbing, Bashing.
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Als Gastro-Insider hätt ich dem 5-Sternchen-Plus wortlos den Rücken gedreht und wär in die nächste Herberge gegangen, von der ich einen guten Eindruck hab. Diese kleinlichen Machtspiele braucht es für mich nicht. Jedes GUTE Haus (meist die weniger besternten, weniger standardisierten) hat ein ordentliches Krisenmanagement für Überbuchungssituationen. Und sei es das Klarmachen eines Zimmers in einem anderen Haus mit dazu organisierter Taxifahrt.
Im übrigen ist der eingangs beschriebene Vorgang ein Hinweis darauf, was bei Fluggesellschaften aktuell bereits passiert: allein Internet-basierter Austausch ohne (Wo)Man-Power funktioniert mit Glück. Doch im Fall von “lebenswelterwartbaren” Einflüssen gehts miss.
Ich denke, dass diese Online-Bewertungen unterm Strich eine gute Sache sind.
Wie allgemein bei Bewertungen üblich, so z.B. auch bei Zufriedenheitserhebungen unserer Bank, melden sich vor allem Diejenigen zuerst die gerechtfertigter- oder ungerechtfertigterweise etwas beanstanden. Mit der Zeit aber, wenn sich auch die Konsumentinnen und Konsumenten an diese Werkzeuge gewöhnt haben, gleicht sich das meiner Erfahrung nach wieder aus.
Wobei natürlich auch viel von der Art der Erhebung bzw. von den Administratoren abhängt. Notorische Krawallbrüder und -schwestern fühlen sich wohl auf Dauer bei seriösen Seiten auch nicht wohl und wandern weiter.
Da auch ich nicht um die wertvollen Sommerferien betrogen werden möchte, gehört der Tripadvisor zum festen Bestandteil meiner Reiseplanung.
Jedes potentielle Urlaubsdomizil wird eingegeben und bleibt nur im Rennen, wenn drei der fünf Kreise grün ausgemalt sind und min. 53 Leute am Rating teilgenommen haben.
Zweifel kommen aber dennoch auf:
Was, wenn die 53 Bewerter den Strand als traumhaft betiteln, weil sich der Lieblingsplatz sowieso auf die Umgebung Poolbar beschränkt hatte und die überfüllte Sandfläche daher nur aus weiter Entfernung wahrgenommen wurde?
Was, wenn sich diese 53 einig sind, dass Spaghetti, Schnitzel und Burger der einheimischen Küche gerecht werden und die Restaurantkost deshalb als köstlich bezeichnen?”
Was, wenn…
Am besten würde der Bewertung eine kleine Urlaubsbiografie inklusive Fotos beilegt, so könnte eine Vorstellung über die zentralen Werte und Ansprüche des jeweiligen “Advisors” gemacht werden, ja das wäre wohl eine geeignete Lösung.
Wem dies jedoch zu stressig wird, sollte auf die altbewährte Form der Mund-zu-Mund-Propaganda beim gemütlichen Abendessen mit reiselustigen Freunden zurückgreifen. So erfährt man, vielleicht sogar in Form einer Power Point Presentation, welche Taverne das leckerste Moussaka serviert, welche Bar den süffigsten Drink ausschenkt und welche Bucht bis jetzt (!) noch ein völliger Geheimtipp ist. Denn, wer weiss besser, was einem gefällt als die eigenen Freunde?
In diesem Sinne einen schönen Sommer!
;-)
@ Dowanda
Zauberwort: “Administrator”. Meinem Verständnis nach jemand, die/der irgendwie den Daten- und Inhaltsverkehr kriteriengeleitet regelt – auch auswertet?
@Mafalda
So ähnlich, ja. Auch hier gibts Unterschiede. Aber in dem Bereich regeln zu wollen, ist glaub ich so als ob man versuchen möchte Zahnpasta zurück in die Tube zu drücken.
@ Dowanda
:-)).
Aber es scheint doch versucht zu werden, oder? Die Zahnpasta “operationalisierbar” zu machen, wenn sie schon mal aus der Tube ist.
Zu Georg Francks “Ökonomie der Aufmerksamkeit”: “Was nicht (positiv) beachtet wird, ist nichts wert – auch kein Geld”.
Das kenn ich aus der sozialen Arbeit (Alten-/Krankenpflege-/Behinderten-arbeit) so: “was nicht dokumentiert ist, hat nicht stattgefunden.” Und wird mithin nicht geldwert honoriert. Wollte ich aber alles, was an pädagogischer und pflegerischer Arbeit stattgefunden hat dokumentieren, bräuchte ich doppelte Arbeitstage, die jedoch nur einfach honoriert werden, da ja allein die Dokumentation zählt…
… nicht DAS was ich GETAN habe.
Eigentlich kann ich diesen ganzen Rankings nichts abgewinnen.
Egal, ob für Reiseziele, Elektronik oder Personen. Jeder Mensch macht subjektive Erfahrungen, die von der morgendlichen Laune beim Aufstehen, über das Wetter, hin zur ersten Begegnung mit einem menschlichen Wesen usw. geprägt sind.
Vielleicht fällt ein Ranking schlecht aus, weil die Person mit dem falschen Fuß aufgestanden ist oder durch eine Reihe von Missgeschicken der ganze Tag hinüber ist, die aber nicht in dem Beeinflussungsfeld dieser Person standen.
Ich würde Rankings für meine Entscheidungsfindung definitiv nicht in Betracht ziehen. Sind es nicht auch die kleinen missglückten Dinge, die einem aufzeigen, was für ein wunderbarer Moment ein anderer sein kann?
Wenn alles perfekt geplant ist und alle andere Menschen recht haben, wobei es nach dem “Wisdom of the crowds”-Gesetzt http://bit.ly/VsPI so ist, möchte ich trotzdem meine eigenen Erfahrungen machen und mich, wenn überhaupt, lieber auf Freunde verlassen, die ich kenne, wie von anderen bereits erwähnt.
Oh, und die Aufmerksamkeit der Menschen liegt nicht bei meinem Schreibtischgetue. Sondern in der direkten Interaktion. Die Aufmerksamkeit von Trägerorganisationen liegt indessen nicht da, wo ich mit den Menschen zu tun hab, sondern auf meinem Papierkram.
Denke, das lässt sich auch in andere Bereiche transponieren.
Neben die Francksche Aufmerksamkeitsökonomie schiebt sich der Begriff des Schwarmverhaltens (goldenerwesten.net/PDF/the_next_social_revolution.pdf) als viel beschworenes emergentes Phänomen- das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile- in der unerschütterlichen Hoffnung auf Mehrung der Intelligenz. Norbert Elias beschreibt die Schwarmevolution mit seiner Prozesstheorie.
Kritik ist angebracht, konkret an tripadvisor und der Bewertung Berliner Hotels, als Beispiele Adlon (tinyurl.com/lszgpl) und Ellington. (tinyurl.com/lqyhjd) An letzterem ist das Kriterium “offenes Bad im Wohnbereich” ein Knackpunkt an dem sich die Gemüter scheiden- die einen mögen es, andere nicht. Wenn alle Bewertungen zusammen genommen werden, entsteht ein sehr mittelmäßiges Urteil (Platz 101 im Popularitätsindex) als Durchschnitt aus Begeisterung und Ablehnung.
Letzten Endes wird aus der Schwarmintelligenz damit ein statistisches Mittelmaß eines kompromisslosen Mainstream.
Währung Unternehmen wie die Stiftung Warentest und sogar der ADAC (als Lobbyist) noch einigermaßen objektive und nachprüfbare Kriterien für ihre Beurteilung anlegen, herrscht in den sozialen Netzwerken eine bedingungslose Subjektivität. Die Vernetzung im Schwarm verleit dem persönliche Urteil Macht, die sich auch in der 5*+- Episode manifestiert.
Man könnte diese Entwicklung demokratisch nennen und als echten Fortschritt bezeichnen. Nach meinem Eindruck- der sich noch ändern kann- überwiegen häufig leider Subjektivität und Manipulation.
Andererseits: man will ja nichts falsch machen und so viele Menschen können sich nicht irren- oder doch?
Bemerkenswert finde ich in diesem Zusammenhang ein Urteil des BHG zum Internetportal „spickmich.de“.
Demnach ist es möglich, dass Schüler ihre Lehrer beurteilen dürfen, was ich grundsätzlich für gut befinde.
Viele Lehrer haben versucht, dagegen vorzugehen. Aber warum?
Lehrer dürfen Schüler die Meinung geigen. Vor versammelter Klasse ist es den Erfüllern des staatlichen Bildungsauftrages gestattet, ihrem Herze Luft zu machen, falls ein Empfänger ihrer Dienstleistung z. B. Desinteresse zeigt, die Hausarbeiten ignoriert hat oder gänzlich unvorbereitet zum Unterricht erscheint. Die Gescholtenen erdulden still, wenn derlei Kritik nicht immer sachlich und geistreich formuliert, erfolgt.
Nun herrscht Waffengleichheit. Schülern ist es jetzt erlaubt ihre Lehrer zu benoten. Unterrichtsqualität, ‚fachlich kompetent‘ oder ‘gut vorbereitet‘, lauten die fachlichen Kategorien. Aber auch Eigenschaften wie ‚menschlich und gelassen‘, ‚cool und witzig‘ oder ‚motiviert‘, werden in Form von Noten bewertet.
Hierbei geht es ausschließlich um sachbezogene Bewertungskriterien.
Ich bin der Auffassung, wer, egal wo, im öffentlichen Dienst steht, muss öffentliche Meinung ertragen können. Lehrer die klug sind, nutzen dies als Hilfe zur kritischen Selbstüberprüfung.
Beide Seiten, Schüler als auch Lehrer bzw. Schule, können davon profitieren.
OT MJ
Gibt es eigentlich heute irgendeinen Kommunikationskanal, der nicht über MJ berichtet. Geht mir dieser Hype auf den Zeiger!
Hier wenigsten etwas Kreatives. Da kann dann auch gleich jede/jeder Bewerten, wen sie/er am besten findet.
http://bit.ly/OzOa0
..bewerten
Ja, ja @Antje!
Versuch es mal mit QVC oder HSE, zum Schreien komisch:-D
Ich glaube, die heißen HSE 24, nur damit Du Dich nicht verzappst:-))
Nee, nee, da gibt es bestimmt Devotionalien von MJ, Hilfe!
Möglich ist alles, wie wärs mit KIKA?
Kennst du dich da aus? Guck ich nie.
Na hör mal, KIKA ist doch ein Muss!!!!Na gut, ich merke schon, Du bist schwer zu überzeugen.
Dann mach es wie ich, Kiste aus, ein gutes Buch geschnappt und lesen. Das ist doch eine Option, oder?
Ich wünsche Dir viel Spaß dabei und noch einen schönen Abend:-)
@ Ramona
um Himmels Willen, wie KANNST Du Deine Kinder nur in die Schule schicken! Grausames Schicksal! Dieser ständige Krieg! “Waffengleichheit” – JAWOHL. Macht sie nieder, die Pädagogen, mit ihren eigenen Waffen!
Aber halt: was war nochmal das agreement? Der Auftrag und die Forderung?
Und wieso werden KINDER eingesetzt in diesem “Kireg”, wo Eltern doch diejenigen sind, die Verantwortung und auch Vetretungsrecht wie-pflicht für sie haben?
gute Güte, vor Zorn kann ich noch nicht mal “Krieg” richtig schreiben. Aber vermutlich war es mal wieder Frau Freud, die dazwischenfunkte. Weil ich es einfach nicht fassen kann, schlicht auf Grund von “I-Net” die Leute – in dem Fall Eltern und Lehrer – nicht mehr DIREKT miteinander sprechen, weils um die KINDER geht.
@ Ramona
Ich kann die Kontroverse über spickmich.de gut nachvollziehen. Natürlich sollten Schülerinnen/Schüler das Recht haben ihre Meinung frei und offen zu äußern, aber ich glaube auch, dass dies in einem bestimmten Rahmen und mit einem angemessenen Sprachgebrauch passieren sollte. Die Art und Weise, wie sich manche Schülerinnen/Schüler über die Lehrer äußern, ist teilweise vulgär und verletzt die Persönlichkeitsrechte.
Man sollte bedenken, dass wie in die Wald geschrien wird, es auch wieder herauskommt. Der Ton macht die Musik! Ein konstruktives Miteinander sieht anders aus.
Ich kann mich noch an meine Schulzeit erinnern, in der ich als Klassensprecherin das Gespräch mit der Klassenlehrerin suchen durfte, weil es doch zu erheblichen Differenzen gekommen war. Das Gespräch hat geholfen. Der persönliche und direkte Weg ist dann wohl doch der Beste!
Aber zurück zum Thema. Ich habe so herbe das Gefühl, dass Bewertungen und Evaluationen ein neuer Trend sind, der nur das Machtverhältnis versucht zu ändern.
Bei uns an der Uni wird jedes Semester jede Lernveranstaltung evaluiert. Dabei wird einerseits die Veranstaltung an sich, andererseits auch die Dozentin/der Dozent bewertet. Dennoch hat man das Gefühl, dass dies nur geschieht, weil es jetzt der neuste Trend ist. Eine wirkliche Veränderung sieht und hört man nicht.
Quasi ein weiterer Bürokratieschritt, der die Hochschulmitarbeiter auf trapp halten soll. Da kann auch keine Exzellenzinitiative dran rütteln.
„spick-mich“ : einerseits und anderseits
Einerseits ist die direkte Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer oft geeigneter, Konflikte zu lösen.
Anderseits lassen Lehrer viel zu oft Muskeln spielen statt weise zu walten (nicht alle und nicht immer!).
Für die einen ist es gerechter Ausgleich. Für die anderen unfaire Attacke.
Zur Zeit überwiegt für mich persönlich „anderseits“: solange die Mehrheit der Lehrer nicht die nachhaltige Wirkung ihres Handelns erkennen, sind zum Beispiel Bewertungsseiten eine Möglichkeit der Konfrontation mit der (von Schüler gefühlten) Wirklichkeit. Im Übrigen aber auch eine Art Belohnung für Lehrer, die sich sehr engagieren.
@Susa: als ich schrieb, kannte ich deinen Beitrag noch nicht!
Also bitte keinen Punktabzug für mich wegen Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung…
@Alle: eine 5-Sterne-Nacht (alternativ eine 1-Mio-Sterne-Nacht)
@ Petra
Kein Problem!
Es soll doch jeder seine Meinung frei äußern dürfen, solange angemessen passiert:)
Das Lehrer auch anders können, hab ich in der Oberstufe erlebt, als ich unserer Bioleherin in einem persönlichen Gespräch gebeten habe ihren Unterrichtsstil zu überdenken, da sie vom 90Min Unterricht entweder 40Min zu spät kam, sich einen Kaffee gekocht hat und dann irgendwann in der Mitte der zweiten Std. mit ihrem Stoff anfing oder aber sie hat 70Min über ihr privates Leben erzählt, welches nicht klausurrelevant war (!)und dann in 20Min den Stoff der ganzen Std runter gerasselt.
Also beides nicht wirklich hilfreich, vor allem, weil zu dieser Zeit das Zentralabitur das erste Mal in NRW vor der Tür stand und jeder Panik schob, es nicht zu bestehen.
Als ich mich dann des Öfteren bei ihr beschwerte, mit dem Hintergrund, dass es viele Mitschüler dasselbe “Problem” hatten, und sie nichts änderte habe ich mich eine Stufe höher gewandt, was mit einem “Zusammenfalten” vor versammelten Jahrgang in einem nicht ganz angemessenen Ton passierte, auch Schreien hilft nicht, die eigene Position durchzusetzen(!), und der rapiden Verschlechterung meiner Bio-Note. Hätte ich damals nicht Lehrer in höheren Positionen gehabt, die ein Auge auf dieses Szenario geworfen haben, wäre mein Abi-Schnitt komplett hinfällig gewesen.
Ich kenne beide Seiten und würde dennoch immer die persönliche Variante präferieren, egal welche Konsequenzen es nach sich zieht!
@ Petra
ja, direkte Kommunikation zwischen Schüler/in und Lehrer/in wünschenswert. Doch: auf Grund des “Gefälles” nicht immer einlösbar. Die Vetretungsinstanz für “Augenhöhe” seitens Schüler/in sind die Eltern.
Es gibt ein Konzept: starke Eltern – starke Kinder. Und ich bin nicht bereit zu akzeptieren, daß diese so lebenswichtige Instanz “Eltern” – wie immer sie aussieht – zugunsten von “Polls” im Netz pulverisiert wird.
@ Susa
Hat oftmals den Anschein von “Feedback”-Folklore, oder? So schade. Ich konnt meist besser direkt sagen/rückmelden im PROZESS von Seminar/Vorlesung über ein Semester, was ich meine.
@ Susa
:-) warst mir zuvor im Kommentieren. Schön.
@ Für Pr. Dr. Miriam Meckel (noch) gar nichts eingeführt. „Launch des Portals: 15. Oktober 2007“: Dass bedeutet bestimmt das MM’s Studenten etwas besseres zu tun haben als dort bewerten. *g*
I
ch sah solch bewertungs- Site mit meine Name da einige Jahren her, aber die war commerciell mit viel Werbung. Ob die da noch existiert oder ob da jetzt auch welche Bewertungen eingeführt sind, ich will oder brauch es weiter besser nicht wissen, danke schön.
Eigentlich dachte ich bei ‚“fight for public opinion“ -and it might fight back’ auch an diese Sache. Zu der Zeit war eine Aufförderung von Dozenten solche Docenten bewertungs- Site’s zu verbieten von Gerecht gerade abgelehnt geworden.
Guten Abend,
Da es anscheinend so dicht noch ist:
ich kenne das Tutor-System (Selbst Abi 1984). Sprich: Ein Lehrer/eine Lehrerin ist je nach Fächerkombination Tutor/in für eine Gruppe Oberstufenschüler/innen. Ansprechpartner/in für whatever might come or be. Was hat sich da geändert?
Letzteres @ Susa
Die Tutorin/der Tutor war denn auch Regulativ im Kollegium; Puffer zwischen Kolleginnen und Kollegen. Auch und gerade, wenn die Eltern für JUGENDLICHE dann nicht mehr unbedingt die Identifikationsfiguren sind.
Ich war auf einer Gesamtschule und kann deshalb nur für diese sprechen.
In der 11. Klasse wird die Klassenstruktur aus der Sek. I noch aufrecht erhalten Natürlich hat man verschiedene Schwerpunkte an Fächern, aber die Hauptfächer(D, Ma ,E) sowie Sport belegt man zusammen.
Ab der 12. Klasse wandelt es sich dann in ein Kursystem, in dem es keine wirklichen Klassen mehr gibt. Das ganze wird an meiner ehemaligen Schule durch jeweils zwei Lehrkräfte begleitet in der Hinsicht, wie die Klassenlehrerin/ der Klassenlehrer, die einen von der 5-10Klasse begleitet haben.
Natürlich gibt es dadurch Puffer und normalerweise hatten wir in der Sek. I auch Vertrauenslehrer und SV-Lehrer (SV = Schülervertretung),die als diese fungiert haben.
Nur war es in meinem Fall so, dass meine Bio-Lehrerin gleichfalls meine Stufenlehrerin war und damit der Puffer weggefallen ist. Die zweite Lehrkraft hat es nicht wirklich dafür interessiert, weil es ein sehr enges Band der Freundschaft dieser beiden gab.
Da bleibt einem manchmal nichts anderes übrig, als den weiteren Weg nach oben zu wählen.
Das Konzept der starken Eltern – starke Kinder habe ich auch schon öfter vernommen. Dennoch denke ich, dass ab einem bestimmten Alter die Schülerin/ der Schüler seine Probleme probieren sollte selber zu lösen. Auch die Lehrkraft sollte dabei unterstützen und es nicht als persönlichen Angriff auf sich beziehen.
Zu der Bewertung von Dozentinnen /Dozenten kann ich nur sagen, dass es rein subjektiv ist. Alleine wenn ich aus einer Vorlesung rauskomme und mich mit meinen Kommilitonen unterhalte habe ich bei fünf anwesenden Menschen fünf verschiedene Meinungen. Es kommt immer darauf an, mit welcher Art man selber klar kommt und welche einen irritiert.
Diese ganze Bewertungs-Geschichte ist mir doch sehr fremd.
@ MM
Die Frage nach dem Wert der Bewertung ist berechtigt. Ich würde sagen, desto mehr Bewertungen geschehen, desto weniger Wert kann aus dem ganzen gezogen werden.
Wieso verbinde ich damit nur den Inflations-Begriff bei Parsons?
Komisch, ich habe nie daran gedacht, mir Hotelbewertungen im Internet anzusehen, da ich sowieso nie im Hotel übernachte. Bin wohl eher der Couchsurfer-Typ. Aber auch da spielen Bewertungen eine wichtige Rolle, allein schon wegen der Vertrauenswürdigkeit… Übrigens eine großartige Sache dieses Couchsurfing. Sicher aber auch eine Frage der Einstellung…
@ Cate
Couchsurfing ist ein absolutes Highlight! Hab es in den USA gemacht und so Freunde fürs Leben gefunden! Da kann kein Hotel der Welt mithalten, egal welche Kriterien es zu bewerten gibt.
Dass bei solchen Dingen das Bewerten eine Rolle spielt ist ja selbstverständlich.
Aber der persönliche Kontakt sagt doch meist ein wenig mehr aus…. Dennoch hast du recht, es ist eine Frage des Typs und der Einstellung!
@Susa, @Petra
Bei der Bewertung in ‚spickmich.de‘ handelt es sich nicht um ein Portal, in dem jeder Schüler seine Frust anlassen kann.
Die Bewertungskriterien sind rein sachbezogen und kein öffentlicher Pranger.
Hier werden keine Lehrer persönlich angegriffen oder auf niedrigstem Niveau beleidigt. Dies ist von den Machern des Portals ausgeschlossen, wobei keine Internetseite vor Manipulation absolut geschützt ist.
Aber die Macher distanzieren sich klar von unsachlicher Kritik, wo möglich mit gravierenden beruflichen Konsequenzen für die Betroffenen. Die Nutzer müssen sich vorher unter Angabe der E-Mail registrieren lassen und der Zugang ist nur auf die eigene Schule beschränkt.
Warum sollte dies nicht eine
Möglichkeit eröffnen, das Lehrer und Schüler ins Gespräch kommen und vielleicht eine bessere Unterrichtsqualität zu erlangen.
Viel mehr Schwierigkeiten habe ich mit der Ankündigung einer großen Krankenkasse, dass ihre Versicherten zukünftig ihren Ärzten Noten geben dürfen.
Man könnte meinen, hier boomt eine Branche:-(
Ich wünsche @allen einen schönen Tag!
@ Ramona
Es kann sein, dass sich das Konzept von spickmich.de geändert hat. Ich weiß nur, dass es zu anfangs Zeiten nicht so gewesen ist und es wirklich “heiß” herging.
Seit dem ich von nder Schule abgegangen bin, habe ich mich nicht weiter mit diesem Thema befasst und muss so zugeben, dass ich auf ältere Informationen zurück gegriffen habe.
Ich weiß aber, dass es im SchülerVZ und StudiVZ solche Gruppen gibt, in denen Lehrer “öffentlich” an den Pranger gestellt werden.
In einem Jahrgang unter mir ging es sogar soweit, dass sich die Schulleitung einmischen musste, weil die Lehrerin alleine die Schülerinnen/Schüler nicht davon überzeugen konnte, diese zu schließen.
Aber auch wenn es den Schülern ermöglicht wird, Kritik zu üben, wird dies nicht getan.
Meine ehemalige Päda-Lehrerin hat sich Ende der 11. Klasse vor uns ans Pult gesetzt und uns klar und deutlich gefragt, was uns nicht passt an ihr. Keiner hat den Mund aufbekommen und die nächsten Std waren nicht die beliebtesten. Dennoch hat es dazu beigetragen, dass einige über ihren Schatten gesprungen sind und einem persönlichen Gespräch ihre gestellte Frage beantwortet haben.
Ich glaube, dass es jungen Menschen mittlerweile schwer fällt Konflikte direkt anzugehen und sie sich so ein anderes Medium suchen, um ihren frust abzulassen.
Als ich heute morgen aufgewacht bin, ist mir noch ein anderer Ort eingefallen, an dem jetzt ein einheitliches Bewertungssystem eingeführt werden soll, was absolut zum Scheitern verurteilt ist. In der Krankenpflege! http://bit.ly/b4rcT
Haben Menschen wirklich nichts anderes zu tun, als alles zu bewerten?
Ok, die Amis kann ich verstehen, aber die haben auch eine mindestens dreifach so große Auswahl, wie wir :)
@Susa
Ich finde das sogar sehr gut, das sowohl Pflegeeinrichtungen als auch Ärzte bewertet werden können.
Wird Zeit, definitiv. Es gibt nämlich auch hier in der Gegend z.B. Altenheime, in denen offenbar sehr gut gearbeitet wird – aber auch solche in denen die alten Leute tagelang in ihrem eigenen Dreck liegen. Und die verfilzte Politik hält schützend ihre Hände über eigene Klüngel und Lobby.
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.
Albert Einstein
Menschen bleiben wie sie sind, nur die Zeiten ändern sich.
Gemeinschaftsbildung über das Internet bringt bei aller Kritik auch Vorteile für Individuen und Gesellschaft.
Verbundenheit mit anderen und Vertrauen auf deren Urteil sind, bei aller gestrigen Kritik, wichtige integrierende Kräfte. Eine veröffentlichte Bewertung scheint bei zunehmender Akzeptanz ein wirksames Gegengewicht gegen Willkür und Machtdemonstration, denn auch hinter von außen anonymen Apparaten wie Hotels, Behörden und Praxen verbergen ich Menschen, die durch eine soziale Beurteilung in ihrer sozialen Eigenschaft als Mitmenschen angesprochen werden. Diese Ansprache auch der “Institutionen” ist in einem Rating impliziert.
Einen Unterschied macht es allerdings, ob objektive Leistungen- Service eines Hotels, Wartezeiten, Qualität des Angebots usw. bewertet werden oder persönliche Eigenschaften, auch mit dem Ziel zu schaden und zu verletzen. Dann wird aus der Beurteilung eine Verurteilung.- Die würde sich, bezogen auf die eigene Person, niemand wünschen.
Salomonisches Urteil bei der ARD:
Plasberg moderiert “das Duell”. Anne Will BEWERTET es in der Sendung danach…
Würden wir in der besten aller möglichen Welten leben, würden Bewertungen, egal ob on- oder offline, objektiv und sachlich passieren.
Leider ist das nicht der Fall.
So haben zwar Nutzer und Kunden derzeit den, vermeintlichen, Vorteil vor Kauf/Bestellung/Buchung die Erfahrungen anderer Kunden einzusehen.
Hersteller/Dienstleister auf der anderen Seite sind dadurch auch mal relativ wehrlos den eben nicht immer sachlich richtigen Kommentaren ausgesetzt.
Nachdem wir in Sachen Serviceorientierung zumindest in der BRD noch weitgehend Entwicklungsland sind, bleibt die Hoffnung, dass der eine oder andere Hersteller/Dienstleister sich doch hin und wieder ein wenig mehr Mühe geben wird.
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt….
Anne Will hätte es verdient gehabt, kann das selbstgefällige eitle Getue eines Herr Plasberg nicht ausstehen…
@Miranda – geht mir auch so.
Ich dachte immer zu so einer Veranstaltung deligieren die Sender ihre Besten, da muß die ARD irgendetwas mißverstanden haben und wenn man sich dann noch die Frauenquote betrachten, dann liegen die ja völlig daneben :-)
@ Dowanda
Ich finde es auch gut, wenn die Pflegeheime/Altenheime bewertet werden.
Aber so weit ich die Duiskussion mitbekommen habe, werden manche Kriterien mehr gewichtet als andere.
Dies finde ich nicht richtig! Es sollten alle Kriterien mit gleicher Beachtung in die Bewertung einfließen, damit ein objektives Bild entsteht.
Mir geht es eher um die Kritik an dem Konzept, wie das Bewertungssystem aufgebaut ist.
Dies bereitet mir sorgen…..
@ Enya
Kann dir mit einem Schmunzeln nur zu stimmen.
@Susa
Es sind aber nicht alle Kriterien gleichwertig.
So z.B. ist es bei einem Kreditrating wichtiger, wie lange jemand beim selben Arbeitgeber ist als seit wann er an der selben Adresse wohnt.
Genauso wird es bei einem Altenheim eher weniger wichtig sein, ob die technische Ausstattung auf dem letzten Stand ist wenn dafür aber das Personla aufmerksam ist.