MM_Jaspers
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11. Juli 2009, 10:24 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Bitte nicht stören

„Das stimmt uns nachdenklich“ – der Satz Amelie Frieds in der Premierensendung von „Die Vorleser“ war nicht nur Kommentar zur zuvor im Einspielfilm plump illustrierten These rückgängigen Lesens in der Familie. Er könnte auch zum Motto der Sendung werden. Nicht Nachdenken, sondern „nachdenklich stimmen“. Das ist wie Kiffen ohne zu inhalieren.

Was wir in der Premierensendung zu sehen bekamen, war gut gemeint, aber über weite Strecken schlecht gemacht. Übrig bleibt der etwas fade Eindruck einer Oberstufen Literatur AG, in der die freiwillligen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wetteifern, wer mehr und auch schlauer gelesen hat. Das ist schade, denn zwischendurch blitzte zum Beispiel in den Einwürfen und Widersprüchen Ijoma Mangolds die Freude an der intellektuellen und emphatischen Auseinandersetzung mit Literatur auf, die zum Lesen anregen kann.

Warum hat man diese Momente in ein Korsett gebannt, das altbacken und für ein neues Fernsehformat vollständig ideenlos daherkommt? Zynisch betrachtet kommen so wieder all die Kulturpessimisten zu Ehren, die allemal glauben, die mediale Transformation des Buchs ins Fernsehen sei grundsätzlich zum Scheitern verurteilt. Und wenn man sich an ihr versuche, dann bitte unauffällig, „nicht spannend, aber auch nicht störend“

Vielleicht liegt es auch einfach an dem ungleichen Moderatorenpaar. Reibung erzeugt ja bekanntlich Wärme. Hier war es die einer Lesemutti für ihren ungehörig vorlauten Sohn. Er weiß, dass er schlauer ist als sie, und sie weiß es auch. Dennoch begegnet sie ihm mit erzieherischer Zuwendung, nicht ohne einen Hauch von Strenge, denn der Ungestüme muss ja noch lernen, dass man keinesfalls grundlos dem Alkoholismus verfällt, schon gar nicht wenn man glücklich verheiratet ist. Peer Olov Enquist, dem das Unmögliche geschehen ist, muss folglich ein schlechter Mann oder ein schlechter Autor sein.

Wir wissen, dass die ZDF-Zuschauer durchschnittlich 61 Jahre alt sind. Deshalb kann man ihnen vielleicht nicht zu viel zumuten. Aber einen Hauch von Innovation, ein paar andere Präsentationsideen jenseits des Sofatalks, ein Experiment mit dem derzeit heiß diskutierten e-book oder einen Gast, der nicht Traumschiff tauglich ist, irgendetwas davon hätte es schon geben dürfen. Wir wären schon mit wenig Neuem zufrieden.

Aber auch nicht mit zu wenig. Manch ein Fernsehkritiker zeigt sich schon dankbar dafür, „dass sich die öffentlich-rechtliche Anstalt überhaupt wieder eine Sendung leistet, die sich mit dem Quotenkiller Buch beschäftigt“. Das stimmt dann allerdings wirklich nachdenklich. Nee, Entschuldigung, darüber sollten wir dann wirklich einmal ernsthaft nachdenken.

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409 Reaktionen

  1. 28. Juli 2009, 12:21 Uhr, von Dowanda
    0402

    @stefan
    Bei uns gibts die „Vorarlberger Nachrichten“. Das ist auch echte Qualität :-) Vor allem der Lokalteil mit den nachgestellten Fotos im Dreifarbendruck mit Auszügen aus dem Polizeibericht.
    Und wie jede Regionalzeitung, die etwas auf sich hält, leistet man sich auch hier ein BILD-Girl für Arme. Das sind dann in der Regel irgendwelche Frauen, die zufällig an der Kamera vorbeigelaufen sind und nun so unverteilhaft wie möglich posieren. Züchtig gewandet natürlich (Wir sind ja auf dem Land *g* Weswegen ich mich auch gegen Mafaldas Unterstellung der Anzügleichkeit wehre tzässsssss).

    Der redaktionelle Teil, nun ja. KMU sag ich immer … Kein Mist Ungedruckt. Trotzdem mussten wir sie für Bank abonnieren – wegen der Todesanzeigen. Und des Horoskops *g* Das wird jeden Morgen vorgelesen.

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  2. 28. Juli 2009, 13:06 Uhr, von Mafalda
    0403

    @ Stefan
    Klasse Bilder!!! Ich liebe Gewitter!!!
    Allerdings – beim Zeitungsaustragen sind sie lästig. Schön, daß Dir das erspart blieb.

    Antworten
  3. 28. Juli 2009, 15:15 Uhr, von Dowanda
    0404

    Ich bin so frei und lanciere eine Abstimmung hier zu „Ulla, fahr den Wagen vor“ Schmidt.

    Diejenigen, die glauben, auch hier kommt es zu einer Verdachtskündigung wie bei Emmely (der Kassierin von Kaisers) beim Streitwert von EUR 1,30, stimmen mit

    O JA

    Diejenigen, die glauben, Ulla Schmidt passiert gar nicht und sie kriegt trotzdem ihre Politiker-Rente, stimmen mit

    O NEIN

    Antworten
  4. 29. Juli 2009, 10:48 Uhr, von Mafalda
    0405

    @ Dowanda, wenn auch erst 1 Tag später: klares NO.

    Mit der Einschränkung, daß ihr dennoch das ein oder andere passiert. Kübel voll Häme von bigotten KollegInnen, halbherzige Unterstützung von Müntefering und sie wird nicht in eine ministerielle Verlängerung und damit eine Steigerung der Pensionsansprüche gehen.

    Eine meiner Schwestern lebt übrigens in Winterthur und die berichtete dto. von spektakulären Gewittern.

    Hier im platten NRW-Land werden vielversprechende Cumulus-Wolken leider immer wieder verteilt, so daß die Schauspiele eher kleines Straßentheater sind denn großes Musical :-(

    Antworten
  5. 29. Juli 2009, 12:47 Uhr, von Dowanda
    0406

    @Mafalda
    Ab und zu landet auch der ORF eine gute Schlagzeile
    „Auto wieder da – Ministerin bald weg?“

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  6. 29. Juli 2009, 14:54 Uhr, von Mafalda
    0407

    @ Dowanda

    :-)))

    Doch sie wird sicher erst nach den Wahlen weg sein.

    Aktuell SPD- Wahlkampfkonferenz in Hannover. Der Müntetroll sagte wohl: „Das ist eine gestandene Frau. Die wird das bestehen. Da bin ich ganz sicher.“
    Mal gucken wie die Halbwertzeit ist…

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  7. 29. Juli 2009, 15:23 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    0408

    @ Dowanda
    Müntetroll sagte auch, nun würden die Arme hochgekrempelt und in den nächsten Tagen das Spielfeld betreten… Da braucht Ullalala ja dann kein Auto, es sei denn, sie spielten Autopolo.

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  8. 31. Juli 2009, 11:48 Uhr, von PP
    0409

    Der Radiosender MDR FIGARO hat in den letzten Tagen die Aktion „Mein Sommerbuch“ durchgeführt.

    Hörer und Internetnutzer waren die Hauptakteure und konnten mit einer kurzen Begründung „ihr“ (Lieblings-)Buch vorschlagen.

    http://www.mdr.de/mdr-figaro/lebensart/6473812.html

    Diese Art der Buchpräsentation (natürlich nicht 1:1) könnte ich mir auch gut als Basis für ein Fernsehformat vorstellen. Die Beschränktheit fällt, da eben nicht nur z.B. Bestseller besprochen werden, sondern Literatur von einem breiten Publikum.

    Antworten


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