MM_Einstein
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28. Juli 2009, 11:04 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Hybridnachrichten aus Iran

Wie Twitter & Co. das Medienensemble neu formieren

(siehe auch FAZ)

„Tear Down This Cyberwall“, so lautet eine der Nachrichten, die bislang über die Proteste in Iran gegen die Wahlergebnisse vom 12. Juni auf Twitter in die Welt gesendet wurden. Trotz aller Zensur- und Kontrollbemühungen der iranischen Behörden blieben die Proteste der iranischen Opposition den Augen der Welt nicht lange verborgen. Nachdem anfangs noch Journalisten von den gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Opposition und iranischer Polizei berichteten, griff die Regierung zu härteren Maßnahmen, Ausgangssperren, Interviewrestriktionen oder gar Festnahmen, um die Berichterstattung ausländischer Medien einzuschränken. Doch was die Korrespondenten nicht mehr durften, erledigten die Protestanten auf anderem Wege: über Twitter, Weblogs und Facebook berichteten sie über Proteste, Ausschreitungen, Tote und Verletzte.

Twitter als Nachrichtenmedium Nummer eins bei den Iran-Wahlen

Im Zentrum des digitalen Informationsstroms aus Iran stand der Microblogging-Dienst Twitter, über den Kurznachrichten mit maximal 140 Zeichen via Mobiltelefon oder Computer im Internet veröffentlicht werden können. Über Twitter verbreiten sich Nachrichten und Gerüchte mit Verweis auf die entsprechenden Seiten im Internet im Sekundentakt. Die Berichterstattung auf Twitter über die Proteste im Iran hat beeindruckende Ausmasse erreicht. Laut einer Studie des Webecology Projektes der Universität Harvard wurden mehr als zwei Millionen Beiträge zu den Ereignissen im Iran getwittert. Insgesamt haben sich etwa 480.000 User an der weltweiten Diskussion der Ereignisse beteiligt. Allein der twitternde Oppositionsführer Mousavi (Twittername: Mousavi1388) mobilisierte seine Anhänger mit 246 Updates: Oppositionspolitik und Krisenkommunikation komprimiert auf die Länge einer SMS.

Mit seiner globale News- und Multiplikatorfunktion bei den Protesten und Unruhen in Iran hat sich Twitter  von seinem Image als Plattform für unsinniges Alltagsgezwitscher emanzipiert. Vielmehr lässt sich über Twitter sekündlich ein Update des „global digital state of mind“ ermitteln, bei dem die Top-Themen, markiert mit der vorangestellten Raute aufgelistet werden. Twitter ist somit ein digitaler Spiegel der Aktualitätsverläufe im Web. Seit Wochen findet sich der Iran (#iranelection) unter den Top Ten.

Wenige twittern für Viele

Die Millionen von Nachrichten auf Twitter, das zeigt auch das Beispiel Iran, sind allerdings nicht gleichmäßig über die Zahl der Nutzer verteilt. Vielmehr unterscheidet sich die Aktivität der User erheblich. Während etwa 60 Prozent der User beim Thema Iran lediglich eine einzige Nachricht absetzten, war ein Zehntel der Nutzer für knapp zwei Drittel aller Berichte verantwortlich. Mehr als 30 Prozent aller Beiträge zum Thema Iran stammen von nicht einmal einem Prozent der User.

Diese Verteilung überrascht nicht, ist sie doch ähnlich wie bei anderen Medien mit nutzergenerierten Inhalten. Auch bei Wikipedia gibt es Vielschreiber. In Foren sind oft dieselben Personen immer wieder aktiv bei der Beantwortung von Fragen und die Kommentarfunktion für Onlineartikel wird häufig von einer kleinen Gruppe aktiver Kommunikatoren genutzt.

Nun ist aber die Häufigkeit mit der eine Nachricht übermittelt wird oder mit der jemand eine Botschaft aussendet noch lange kein Indiz dafür, ob diese Nachricht auch wahrgenommen wird oder von Dritten gar als wertvoll erachtet wird. Nur jeder vierte der mehr als zwei Millionen Beiträge, wurde durch einen anderen Twitternutzer noch einmal aufgegriffen (Retweet). Auf den nach sogenannten Retweets populärsten Twitterer „persiankiwi“ nahmen mehr als 12.500 Beiträge Bezug, gefolgt von den Nutzern „StopAhmadi“ (mehr als 7.000 Retweets) und „oxfordgirl“ (ebenfalls mehr als 7.000 Retweets). Auch hier lässt sich wieder die für das Internet so typische Verteilung finden, bei der einige Wenige einen Grossteil der Aufmerksamkeit generieren und wiederum eine Vielzahl an Beiträgen keine Aufmerksamkeit erhält. Durch diese kollektive Zuteilung von Aufmerksamkeit entsteht ein Selektionsprozess, der aus den zwei Millionen Tweets zu den Unruhen in Iran relevante Nachrichten herausfiltert. Die Anerkennung erfolgt im Web also nicht über Leser- oder Zuschauerzahlen.  Die Währung der sozialen Medien heisst Aufmerksamkeit und bezahlt wird in Links, Kommentaren oder, wie im Fall Twitter, anhand von Followern und Retweets gemessen.

Multiplikatoren und Meinungsführer im Medienensemble

Auch die Journalisten der traditionellen Medien waren großenteils auf die Nachrichten angewiesen, die über Twitter, Facebook und Blogs aus Iran geliefert wurden. Zum ersten Mal hat sich dabei gezeigt, wie Journalistenblogger oder Bloggerjournalisten einen personellen Link zwischen Online- und Offlinemedien herstellen und damit eine neue Form der crossmedialen Berichterstattung entwickeln können, von der beide Medienformen wechselseitig profitieren. „Es waren weder die alten noch die neuen Medien die Gewinner bei den Protesten im Iran, sondern es war eine Hybridform aus beiden“, kommentierte der Economist und hob drei journalistische Blogger heraus: Nico Pitney von der Huffington Post, Robert Mackey von der New York Times und Andrew Sullivan von Atlantic Monthly. Ihre Websites boten während der Iranproteste eine Mixtur aus Tweets, Blogeinträgen und Kommentaren, Links zu Zeitungen und Fernsehstationen, Youtubevideos und Amateur- ebenso wie Pressefotos.

Warum haben sich die drei zu Meinungsführern und Multiplikatoren entwickelt? Wie haben sie für sich soviel Aufmerksamkeit als Währung im Web entwickeln können? Will man Twitter und seine Mechanismen verstehen, muss man die Netzwerke hinter den Autoren analysieren. Am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen wurden daher die Twitter-Netzwerke der drei prominenten Blogautoren zum Thema Iran untersucht. Eine Analyse der Twitterer denen die Autoren selbst folgen gibt Aufschluss über die Quellen, derer sich die Blogger bedienten. Indem man das Verfahren auch für die gefundenen Quellen wiederholt erfährt man, wie die Beziehungen der Twitterer untereinander sind und ist so in der Lage ,das persönliche Netzwerk eines Autors abzubilden. Dabei ergibt sich für die drei Blogger ein differenziertes Bild:

Der Experte: Nico Pitney ist Blogger bei der Huffington Post, eine der am meisten gelesenen und kommentierten Blogplattformen im Netz. Über Twitter verweist Pitney auf seine neuesten Beiträge und interessante Quellen zur Lage in Iran. Mehr als 3.900 Leser informieren sich via Twitter, welche Beiträge auf seinem Blog zu finden sind. Reduziert man dieses Netzwerk auf die Leser, die ihrerseits am stärksten vernetzt sind, entsteht ein Bild der wichtigsten Quellen und Multiplikatoren Pitneys. Dabei lassen sich in diesem Netzwerk fast nur Akteure finden, welche ihrerseits nahezu ausschliesslich Inhalte mit starkem Bezug zu Iran publizieren. Pitney ist somit der klassische Experte, der über ein sehr tiefes Wissen zu einem bestimmten Thema verfügt. Sein Blog und die Tweets fungieren als Verstärker und Filter für Nachrichten und Analysen über die Lage im Iran. Dass seine Einschätzungen dabei sehr subjektiv sind, liegt in der Natur dieser sehr persönlichen, individualistischen Informationsverarbeitung.

Der Broker: Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man sich das Twitternetzwerk von Robert Mackey von der New York Times anschaut. Sein Blog „The Lede“ ist eine der wichtigsten Quellen, die sich im Netz über die Unruhen im Iran finden lassen. Anders aber als Pitney, der als Experte fungiert, ist Mackey der Reisende zwischen den Welten und pflegt dabei zwei Netzwerke, die wiederum miteinander verbunden sind. Er ist einerseits eng vernetzt mit seinen Kollegen bei der New York Times und somit Teil des publizistischen Establishments. Andererseits kommuniziert er auch intensiv mit den wichtigsten Twitterern des Themenfelds „Iran“. Mackey ist somit ein Informationsbroker, ein moderner Marco Polo, der Angebot und Nachfrage nach Information aus der alten und neuen Medienwelt zusammenbringt.

Der Radarscreen: Eine dritte entscheidende Position im komplexen Zusammenspiel der Twitterer nimmt Andrew Sullivan ein, Blogger von Atlantic Monthly. Sein Blog „Daily Dish“ ist eines der populärsten Weblogs in den USA und sein publizistischer Status mit dem eines etablierten Printkolumnisten durchaus vergleichbar. Seine Berichterstattung und Expertise beschränken sich aber nicht nur auf Iran. Seine Kontakte bei Twitter lassen sich einem breiten Themenspektrum zuordnen. Er übernimmt die Rolle eines Radarscreens, der neue Ereignisse und Veränderungen meldet. Mit mehr als 6.600 Followern verfügt er über ein grosses Netzwerk und seine mehr als 16.000 Beiträge auf Twitter zeugen davon, dass er die losen Enden des Informationswirrwarrs im Netz zu einem roten Faden für seine Leser verknüpft, diesen Faden aber auch weiterspinnt.

Experte, Broker und Radarscreen – diese Rollen besetzen die Blogs von Pitney, Mackey und Sullivan im Medienensemble. Sie integrieren nicht nur die Nachrichten aus Webwelt und Twitteruniversum, sondern auch Angebote der traditionellen Medien im Print- und TV-Sektor. Alle drei sind aber für die Dokumentation der Geschehnisse in Iran in erster Linie auf Informationen und Nachrichten aus erster Hand angewiesen, da sie selbst nicht vor Ort sind. Mit Blick auf die Twitternetzwerke der drei Blogger ist es möglich, auch dabei die wichtigsten und populärsten Quellen zu identifizieren. Auch hier lassen sich wieder einige Wenige finden, die eine Vielzahl an Information einem breiten Publikum bereitstellen. Die exklusivste oder zumindest meistgelesene Quelle ist dabei nicht der Twitter des iranischen Oppositionsführers Mousavi, sondern ein Twitterer mit dem Namen „Persiankiwi“, dessen wahre Identität und Motive jedoch unklar bleiben.

In einer unübersichtlichen und emotionalen Situation, wie sie in Iran seit den Wahlen herrscht, liegt die Macht des Augenblicks in den Händen Weniger. So authentisch diese Quellen auch sein mögen, so anfällig sind diese für Manipulation durch Dritte. Und ihre Urteilskraft mag dadurch eingeschränkt sein, dass sie oft Betroffene sind, ihnen also die professionelle journalistische Distanz fehlt. Längst machen sich staatliche oder staatliche beauftragte Kommunikatoren im Web zu schaffen, um ihre Propagandabotschaften in die Informationsströme einzuspeisen. Aus dem Internet wird so zuweilen ein „Spinternet“ – ein Netzwerk der Herrschenden, die über das Web die eigenen Botschaften mit politischem „spin“ verbreiten.

Die Positionierung von Bloggern als Experte, Broker und Radarscreen macht das um so wichtiger: Sie helfen, die Informationsströme zu bündeln und einzelne Nachrichten zu überprüfen oder wenigstens zu hinterfragen, damit sich die Leser (aber auch andere Journalisten) aus der Vielzahl an Informationen ein eigenes Bild machen können.

Die bislang binär geführte Diskussion über Blogger und Twitterer als Ersatz für professionellen Journalismus greift daher zu kurz. Die engagierten Kommunikatoren auf den Webplattformen sind wichtige Informationsquellen, sie übernehmen entscheidende Selektionsprozesse für die Webcommunity und für klassische Medien und erzeugen gleichzeitig Aufmerksamkeit für bestimmte Themen. Sie agieren also als Multiplikatoren und Meinungsführer. Bei den Protesten in Iran hat sich dies zum ersten Mal sehr deutlich gezeigt. „You may write me down in history-With your bitter twisted lies-You may trod me in the very dirt-But still like dust I’ll rise“. So lautet eine andere Nachricht auf Twitter aus dem Iran. Sie beschreibt die politische Situation in einem zerrissenen Land. Sie könnte auch die publizistische Situation in einem zerrissenen Mediensystem beschreiben. Seit Iran könnten beide Seiten – online und offline – wissen, dass sie sich nur zusammen erheben müssen, um so richtig Staub aufzuwirbeln.

Der Beitrag ist eine gemeinsame Arbeit von Matthes Fleck, Thomas Plotkowiak, Katarina Stanoevska-Slabeva und Miriam Meckel.  Die Studie ist als Teil eines zweijährigen Forschungsprojekts des Schweizerischen Nationalfonds zu Agendasetting und Meinungsführern im sozialen Weg entstanden.
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47 Reaktionen

  1. 28. Juli 2009, 12:19 Uhr, von Walter
    01

    Starkes Thema.
    Wenige twittern für Viele. Stimmt. Auch im Netz gibt es eine schweigende aber neugierige, ganz und garnicht gleichgültige schweigende Mehrheit.

    Antworten
  2. 28. Juli 2009, 12:28 Uhr, von Mafalda
    02

    Erste Gedanken:

    Sehr erhellend, sehr beeindruckend diese holistische Sicht auf Nachrichtennetze, -strömungsrichtungen und -mittel. Auf den Nutzungs- und Nutzenaspekt. Auf die Rollen von Kollektoren, Koordinatoren und Zensoren.

    Tolle Arbeit des AutorInnenteams!

    Antworten
  3. 28. Juli 2009, 12:36 Uhr, von Walter
    03

    Hinter der Suche nach Information steht die Weltsicht der Rechercheure und ihre mehr oder weniger ausgeprägte Sympathie und Betroffenheit als „engagierte Kommentatoren“.
    Als Beleg die Blogeinträge vom 20. Juni im live blogging der Huffington Post.
    (huffingtonpost.com/2009/06/21/iran-election-live-bloggi_n_218537.html)

    Antworten
  4. 28. Juli 2009, 15:26 Uhr, von Siegmund
    04

    Ist das schlimm, wenn ich nicht alles durchgelesen habe ?
    Ich finde twitter schon eine ganz gute Idee, allerdings noch verbesserungswürdig. Dazu bräuchte man nur einige Funktionen anderer sozialer Netzwerke übernehmen.
    Hm, ich habe mich dazu verleiten lassen, auch Mitglied bei twitter zu werden.
    Mein Eindruck: Die Revolution ist das nicht. Vielmehr für viele ein Marketinginstrument, nur für wenige eine zusätzliche Informationsmöglichkeit. Und viel, viel Spam.
    Dass solch simples Programm doch recht viel Beachtung kriegt, macht mich aber eher unzufrieden. Denn man könnte mit dem Internet noch sehr viel mehr machen, darauf müsste der Blick gelenkt werden.
    google macht einiges vor, aber auch nur im Schneckentempo.

    Antworten
  5. 28. Juli 2009, 16:44 Uhr, von Mafalda
    05

    @ Siegmund
    es lohnt sich, das durchlesen, wirklich!! Take your time.

    Antworten
  6. 28. Juli 2009, 17:13 Uhr, von Siegmund
    06

    Na gut … ;)

    Antworten
  7. 28. Juli 2009, 20:13 Uhr, von nike
    07

    Is ja nichts Neues, was Sie uns da vertellen. Das gab’s bereits wenige Tage nach dem 12. Juni zu lesen. Vielfach – im übrigen. Viel Spaß beim Weiteranalysieren.

    Antworten
  8. 28. Juli 2009, 20:26 Uhr, von Kathi
    08

    Hallo zusammen,
    ich bin seit ein paar Wochen bei twitter und schätze den Dienst vor allem, weil ich schnell Nachrichten sehen kann. Und filtern, was mich interessiert.
    Der Artikel (heute morgen in der FAZ beim Kaffee gelesen) ist interessant und beleuchtet viele Facetten, des Diensts, vor allem aber, welches Potential beziehungsweise welche Notwendigkeit dahiter steckt. Auf welcher Basis Information und Kommunikation funktionieren können. Im weltweiten Austausch. Vernetzt durch einen Account.

    Antworten
  9. 28. Juli 2009, 21:45 Uhr, von Anja
    09

    Twitter, stellvertretend für die schnelle und anonyme Webkommunikation, in Bezug auf Anfälligkeit für Manipulation, macht mir persönlich zu schaffen. Ich frage mich, welcher Aspekt überwiegt? Überhaupt Informationen aus einem journalistisch isoliertem Land zu bekommen, aber den Wahrheitsgehalt nicht einschätzen zu können, Quellen nicht orten zu können, Hintergründe und eigentliche Motive nicht zu kennen. (siehe FAZ Artikel: „Die exklusivste oder zumindest meistgelesene Quelle ist nicht der Twitter des iranischen Oppositionsführers Mussavi, sondern ein Twitterer mit dem Namen „Persiankiwi“ mit rund 40.000 „Followern“, dessen wahre Identität und Motive jedoch unklar bleiben.“)
    Oder wenige bis keine Informationen zu erhalten, weder wahre noch falsche?
    Die Iran Informationen im Internet während und nach der Wahl haben mich zum einen beeindruckt, das Web sozusagen als Hilfsmittel zur Verbreitung von Wahrheit, Demokratie, Menschen- und Freiheitsrechte.
    Zum anderen haben sie mich allerdings auch im höchsten Maße verunsichert, egal ob alle Tweets, Bilder und Infos, die verbreitet wurden nun echt und wahr waren oder nicht. Es hat mich sensibel gemacht für die Frage, was passiert, wenn gezielt Falschinformationen, Propaganda, gestellte Filme oder Bilder so schnell und ohne Prüfung auf ihre Quellen um die Welt gehen. Wer ist in der Lage, dann noch einen klaren Kopf zu behalten und erst einmal in Ruhe zu recherchieren?
    Diese drei beschriebenen Blogger in Ihrem Artikel könnten vielleicht der Beginn eines neu entstehenden Netzwerkes sein. Ist das eine Zukunft und neue Richtung des Qualitätsjournalismus?
    Oder haben wir bald „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ in Webgeschwindigkeit?
    Momentan verfolge ich das ganze noch objektiv skeptisch. Ich hoffe, Ihre Studie geht weiter…

    Antworten
  10. 29. Juli 2009, 7:15 Uhr, von Martina
    010

    Buongiorno a tutti. Gibt immer was zu lernen: Template Twitter Strategy for Government Departments – visit Scribd for a bigger version or to download

    http://tinyurl.com/6zp3cq

    Antworten
  11. 29. Juli 2009, 8:50 Uhr, von Anja
    011

    „Tear down this wall, Mister Gorbatschow“ von Ronald Reagan.

    Antworten
  12. 29. Juli 2009, 8:56 Uhr, von Mafalda
    012

    Nachdem die erste Faszination über das Staubaufwirbelungspotential der Hybridberichtgenerierung und -erstattung sich bei mir gelegt hat, kommen die zweiten Gedanken. Teile mit @Anja Skepsis.

    – Der Artikel legt klar dar, daß es eine gewisse Monopolisierung gibt: wenige twittern für viele.

    – Die Multiplikatoren und Meinungsführer, wie sie in den 3 Typen beschrieben sind, scheinen wie Spinnen im jeweils gewobenen Netz zu sitzen. Sie können das u.a. deshalb, weil sie eine Kraft/Macht im Rücken haben: ihr (Print-)Medium. Im Zusammenspiel befinden sich beide in Win-Win-Situationen. Der Broker, der Radar und der Experte können dies sein, weil das ihre Aufgabe, ihr Auftrag ist, für die sie Ressourcen erhalten vom Verlag. Der Verlag gewinnt, weil er exzeptionell berichten kann und die 3 Typen Imagemultiplikatoren sind.

    – Die beschriebenen Multiplikatorentypen sind keinesfalls immer identifizierbar hinsichtlich ihrer Identität. Auch die Motivation für das spinnen des Netzes und multiplizieren von Messages muß keine „hehre“ sein, um Staub aufzuwirbeln. Dies ist abhängig von ihren Auftraggebern und der persönlichen Motivation. (Meist sieht mensch ja immer erst, wenn der Staub sich wieder gelegt hat, was das nun sollte.)

    Wie das AutorInnenteam zurecht beschreibt, ist der „Hybridnachrichten-Geist“ nun jedoch aus der Flasche, zum Segen oder Fluch hängt von den Akteuren ab. Und es ist gut, sich des Konstruktes bewußt zu sein, um es zur eigenen Meinungsbildung nutzen zu können.

    Und wer weiß, vielleicht braucht das ZDF sein 3D-Studio irgendwann auch mal, um die Hybrid-natur ihrer Nachrichten darzustellen … ;-)

    Antworten
  13. 29. Juli 2009, 10:14 Uhr, von Mafalda
    013

    Muß mich korrigieren: der Hybridgeist ist schon lange aus der Flasche. Alle Nachrichten sind hinsichtlich ihrer Quellen (gesproches Wort, Texte, Hörensagen, Bild) Hybride und Verbreitung (Print, Radio, Fernsehen).

    Was neu ist sind die am Beispiel Iran aufgezeigten E-Quellen und -Medien (Weblog, Twitter, Facebook) deren Spuren im Netz relativ nachvollziehbar und darstellbar sind für Nachrichten. Und die in ungleich höherer Geschwindigkeit und Reichweite Verbreitung finden (können).

    Antworten
  14. 29. Juli 2009, 11:00 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    014

    Der Begriff Hybrid ist ein Schlüssel- ebenso wie die Gegenüberstellung und Zusammenführung von Bloggerjournalisten und Journalistenbloggern, die auf verschiedene Wege ihre Öffentlichkeit erreichen- Broadcast. Dabei gibt es Knoten, die die Informationen der Vielen sammeln, analysieren und in mehr oder weniger kommentierender Form veröffentlichen. Die Unterscheidungen in Spezialisten, Broker und Radarscreener ist nicht absolut, da überschneidend. Ein Zugang zum Verständnis ist sicherlich die Abwägung von professionellen, ökonomischen und ideologisch- ideellen Interessen.
    Nun kann aber (fast?) kein Mensch von seinem Charakter und seinen Überzeugungen ganz abstrahieren.
    Funktionell ist die Unterscheidung ein brauchbarer Ansatz, um Trennlinien zu ziehen- zwischen professionellem „Qualitätsjournalismus“ und engagierter „Graswurzelarbeit“.
    Ein Fehler wäre allerdings, Qualität nur der einen und Subjektivität nur der anderen Seite zuzuordnen.
    Dies Entwicklung zeigt gerade, dass solche Unterscheidungen zukünftig immer weniger zutreffend und anwendbar sind.

    Antworten
  15. 29. Juli 2009, 11:02 Uhr, von Siegmund
    015

    Aber es ergibt sich auch ein weiteres Problem:
    Wo bleibt da eigentlich noch Raum für den „traditionellen“ Journalisten ?
    Tatsächlich waren es in der Iran-Krise die inoffiziellen Meldungen, wie z. B. über twitter, die hervorstachen.
    Die bisherige Rechtfertigung für die Arbeit eines Journalisten (Einordnung, Hinterfragen usw.) griff hier nicht. Wenn ein Korrespondent sich nahezu nie unter die Menschen begibt, sondern vom Hotelbalkon berichtet und tatsächlich keine Neuigkeit zu vermelden hat -im Gegensatz zu Twitter- wo ist dann noch der Mehrwert?
    Das Berufsbild des Journalisten stirbt aus. Da helfen auch gesetzlich verankerte Gebühren nicht, denn irgendwann wird das natürlich auch hinterfragt werden.

    Antworten
  16. 29. Juli 2009, 11:48 Uhr, von Walter
    016

    Das Berufsbild des Journalisten stirbt nicht aus, aber es verändert sich- zwangsläufig-mit der Veränderung des Mediums.
    Der Economist beschreibt eine Systemschwäche des traditionellen Journalismus, die die schnelle Technologie des Internet schonungslos offenlegt, nämlich nicht schnell genug vor ort zu sein. Dies war im Iran schwierig, die akkreditierten Journalisten wurden von Staats wegen außer Gefecht gesetzt: Twitter 1- CNN 0.
    Es geht um das journalistische Selbstverständnis in Zeiten der technologischen Revolution. Was bleibt vom Journalismus im Internet? Welche Regeln und welcher Anspruch an Professionalität und Qualität? Schwarz- weiß- Denken hilft da nicht weiter, Vernetzung, auch in Hybridform, schon eher.
    Die spannende Frage, ob Geschwindigkeit automatisch zu einem Verlust an Qualität führt, ist mit nein zu beantworten.
    Gemeint ist allerdings eine andere Art von Qualität, unter Berücksichtigung der Subjektivität der Quellen und der Unschärfe, die sich daraus ergibt. Dauer und Gründlichkeit der Recherche werden abgelöst von der Gegenüberstellung der Informationen und einer Abwägung nach eigener Erfahrung und der Wahrscheinlichkeit.
    Dazu ist Kenntnis mehr noch als Gründlichkeit erforderlich.

    Antworten
  17. 29. Juli 2009, 11:57 Uhr, von Nicht Nachrichten, sondern Revolution machen wir! | Cluetrain PR Gefällt einem Leser
    017

    […] Miriam Meckel schreibt in ihrem Blog ebenfalls über die Wechselwirkung von Journalismus und Social Media in Bezug auf die Proteste im […]

    Antworten
  18. 29. Juli 2009, 13:37 Uhr, von Thilo Specht
    018

    Das Berufsbild des Journalisten wird sich verändern, die Tätigkeit ist aber weiterhin auf das Ziel Informationsvermittlung ausgerichtet. In Zukunft wird es für Journalisten wichtig sein, innerhalb von Social Networks wie Facebook und Twitter ein persönliches Netzwerk aus vertrauensvollen Personen zu etablieren, die ihrerseits aus vertrauensvollen Quellen an Informationen gelangen –> trusted chain gangs. Vor der Recherche nach Informationen steht in Zukunft die Recherche nach Identitäten und die Analyse von Netzwekeffekten, siehe auch hier:
    http://cluetrainpr.de/index.php/nicht-nachrichten-sondern-revolution-machen-wir/

    Antworten
  19. 29. Juli 2009, 14:34 Uhr, von Mafalda
    019

    Dritte Gedanken zum Artikel: die Arbeitsfelder von Korrespondenten (Experten/Radar) und Nachrichtenagenturen (Broker/Radar) haben sich sicher schon verändert. Auch die Personalstruktur in den Agenturen z.B.: auch dort werden jüngst eher IT-Kräfte mit der Lizenz zur Erstellung/Wartung/Einrichtung von Rechnerprogrammen zur Auswertung von Tweets, Weblogs und sms gefragt worden sein als genuine Journalisten. Die Rechnergenerierten Informationen/Daten machen jedoch noch alleine keinen journalistischen Inhalt aus, es muß also schon noch jemand geben, der/die das „verdaulich“ aufbereiten kann.

    Ein anderer Aspekt ist das allgemeine „Schneller-Höher-Weiter“, was durch die ganze IT befeuert wird: irgendwann kann rechnerisch der Staub schon aufgewirbelt sein, bevor das Ross überhaupt durch die Prärie ritt. Bereits in der Bankenwelt werden von mathematischen Modellen konstruierte virtuelle Szenarien höher gehandelt und generieren „Gewinne“ – tatsächlich erfolgte Crashs oder Krisen kommen in den Modellen gar nicht vor, sind nicht-existent in dieser Welt.

    Ähnlich könnte es auch in der Nachrichtenwelt zu potemkinschen Dörfern kommen, wenn mensch sich zu sehr auf IT und ihre Medien verlässt und den Rechnern das Denken überlässt.

    Antworten
  20. 29. Juli 2009, 14:43 Uhr, von Mafalda
    020

    Denke auch, die „Hybridnachrichten aus Iran“ sind ein einzigartiges Ereignis in ihrer Erscheinung. Möglicherweise erleben wir so was so schnell nicht wieder. Einfach deswegen, weil diejenigen, die die Tools zur grenzenlosen Kommunikation entwickeln und damit Geld verdienen durchaus noch mehr Geld verdienen damit, Tools zu entwickeln, die erstere einschränken oder blocken.

    Antworten
  21. 29. Juli 2009, 15:49 Uhr, von Walter
    021

    Mit der Evolution des Internet ist das Netz real und relevant geworden. Journalismus kann sich im Sinne eines Expertentums aufspalten in eine Varainte für das Netz und eine für das reale Leben. Dadurch entsteht jedoch eine Spaltung, die die das menschliche Leben in seiner real- virtuellen und virtuell realen Form nicht kongruent abbildet, das Ganze wird schief. Politik und Gesellschaft vertragen eine solche Aufspaltung nicht, da unsere Lebenswirklichkeit sich nicht in ein reales und ein virtuelles Ego aufspalten lässt.
    In diese Richtung ging unsere Diskussion damals zu second life.
    Unsere komplizierte Wirklichkeit benötigt Menschen, die in beiden Welten zu Hause sind und dort zu recherchieren verstehen, damit der digital divide unsere Gesellschaft nicht noch mehr spaltet. (tinyurl.com/lgwpmy)

    Antworten
  22. 29. Juli 2009, 16:01 Uhr, von Walter
    022

    Die Wissensgesellschaft ist eine Herausforderung für uns alle. Die soziale Differenzierung bewirkt ungleiche Informationsbedingungen und Chancen, auch durch eine unterschiedliche Mediennutzung.

    Antworten
  23. 29. Juli 2009, 16:07 Uhr, von Cate
    023

    @Siegmund:

    Vielleicht wird das Aufgabenfeld eines Journalisten nur größer oder verändert. Viele Korrespondenten haben sich in ihrer Berichterstattung aus dem Iran auf Informationen gestützt, die sie entweder von lokalen Informanten oder aus dem Internet hatten. Wenn die traditionelle Form der Korrespondentenarbeit nicht mehr möglich ist, kann doch der Journalist von heute froh sein, dass er solcherlei Zweitquellen hat. Und es gehört dann auch zu seiner Aufgabe, die Information für den Zuschauer richtig einzuordnen, also klar zu vermitteln, dass es sich nicht um Berichte aus erster Hand handelt. Der Mehrwert steckt dann in der Arbeit, die Informationen zu finden und einzuschätzen. Auch, wenn jeder Internetuser auch Zugang zu diesen Tweets und Postings hat, braucht es trotzdem eine journalistische Herangehensweise, um hier relevante Quellen zusammenzusuchen und zu sortieren. Und angesichts Manipulationsmöglichkeiten werden es nur gut informierte Journalisten vor Ort sein, die letztendlich eine authentische Quelle von politischer Propaganda unterscheiden. Überhaupt ist es längst überfällig, dass die „klassische“ Öffentlichkeit der traditionellen Medien den Umgang mit nichtoffiziellen Medien auf seriösem Niveau lernt. Das ist die Veränderung. Vorbei ist da nix. Handwerk bleibt Handwerk.

    Antworten
  24. 29. Juli 2009, 16:47 Uhr, von Mafalda
    024

    @ Walter 16:01

    Ein wenig O.T., aber zum Link:
    Das ist auch auf die globale, die „soziale Differenzierung“ von Ländern zu Übertragen. I.e. auf Grund der Überlegenheit von materiellen und Bildungsressourcen herrschen unterschiedliche Informationsbedingungen und Chancen. Und der Gap vergrößert sich.

    Das heißt nicht, die Ressourcen nicht zu nutzen. Jedoch, sie zur Verfügung stellen und nutzbar machen – national wie global.

    Antworten
  25. 29. Juli 2009, 18:13 Uhr, von PP Gefällt einem Leser
    025

    @Mafalda

    Wer oder was ist „der Gap“?

    (Vielleicht ist das eine ziemlich blöde Frage, aber mein Fachwissen beschränkt sich leider auf ein völlig anderes Gebiet)

    Antworten
  26. 29. Juli 2009, 18:18 Uhr, von Mafalda
    026

    @ PP
    Es gibt keine blöden Fragen, nur blöde Antworten. :-)

    Gap ist die Lücke, der Unterschied, die Kluft.

    Antworten
  27. 29. Juli 2009, 19:53 Uhr, von PP
    027

    @Mafalda

    danke

    Antworten
  28. 30. Juli 2009, 7:28 Uhr, von Dowanda
    028

    Twitter ist, wenn ich den Ausführungen von Frau Meckel & Co zu diesem Thema folge, offenbar nichts anderes als ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
    Wer ehrenamtlich in einem Verein arbeitet, weiss das es aktive und passive Mitglieder gibt. Und das sich die aktiven wiederum in die Macher, die Besserwisser, die Anschaffer und die Arbeitsbienen aufteilen. Die Passiven konsumieren meistens lediglich, bestenfalls wird einmal genörgelt oder Beifall geklatscht. Und dann gibts welche, die zwar einmal beitreten aber nachmehr nicht mehr aufscheinen.
    Zu mehr Reflexion reichts heute nicht. Kaffee her!

    Antworten
  29. 30. Juli 2009, 9:28 Uhr, von Miranda
    029

    Habe seit drei Monaten, auch hier durch den Blog ausgelöst mich näher mit Twitter beschäftigt und Gefallen daran gefunden, aber bemerke doch dass ich es als Informationsmedium nur bedingt seriös empfinde.
    Habe die Einträge zu Iran Election immer wieder verfolgt aber was mich gestört hat, war die Ungefilterheit der Information. Dass hat bei mir zu Mißtrauen und schnell aufkommendes Desinteresse geführt.
    Bin da doch immer altmodisch und vertraue einem geschriebenen Artikel, bemerke aber immer mehr die letzen Monate dass auch ich wohl umdenken muss….wer hätte dass vor 10 Jahren gedacht!
    War jetzt 10 Tage ohne Internet und war unruhig, dass hat mir nicht gefallen habe aber dem Verlangen widerstanden in ein Internet Cafe zu gehen…so konnte ich mehr auf die Eindrücke konzentrieren…Merke dass ich z.B Fernsehen überhaupt nicht vermisse aber dass Internet schon, da es einfach so schön vielfältig in seiner Gestaltungsmöglichkeit ist….

    @Martina; Noisa, Urs, Dowanda Tanti Saluti…bin Vespa gefahren, dass erstemal und hab gespürt dass mir der ital. Verkehr in seiner Anarchie gefällt…der Himmel hier in Francoforte ist nicht so blau wie in Torre de Lago und ich vermisse jetzt schon Italien

    Antworten
  30. 30. Juli 2009, 9:35 Uhr, von Dowanda
    030

    @Miranda
    OT
    Oh, hast Du Dir den Wind um die Nase wehen lassen?! Sehr schön!
    Ich fahre übrigens gerne in Italien mit dem Auto. Im italienischen Verkehr gehts zwar auf den ersten Blick ruppiger zu – aber die anderen passen genau auf Dich auf. Spurwechsel, weil man was übersehen, sind sogar in letzter Sekunde noch problemlos möglich.
    Während es in Deutschland in erster Linie darum geht, wer das stärkere Auto hat. Und immer schön nach Regel – sonst würde ja die Welt untergehen. Oder man eine halbe Minute später irgendwo ankommen … was noch schlimmer als der Weltuntergang wäre. Die Schweizer sind da übrigens ähnlich, aber nicht ganz so schlimm. Die Österreicher tendentiell gemütlicher.
    So, verallgemeinert genug für heute! Zurück zum Thema.

    Antworten
  31. 30. Juli 2009, 10:09 Uhr, von Miranda
    031

    @Dowanda

    Ja hab mich da auch sicher gefühlt, war zwar nervös weil ich mit 37 dass erstemal auf der Vespa vorne sass, aber ich fand es angemessen in Italien dass erstemal zu fahren:)

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  32. 30. Juli 2009, 12:22 Uhr, von Dowanda
    032

    Ich bin gespannt, wie die Twitterer über die Schauprozesse im Iran berichten werden.
    Irgendwie ist das Thema ja ein bisschen eingeschlafen seit den Massenprotesten.
    Vielleicht meld ich mich doch noch an; als passives Mitglied.

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  33. 30. Juli 2009, 12:54 Uhr, von Walter
    033

    Zur Twitter- Suche: http://search.twitter.com/search?q=iran
    Es herrscht reger Betrieb, die Tweeds sind kaum überschaubar.
    Interessant finde ich die Arten der Zusammenarbeit im Netz, wobei das Gezwitscher eher monologisch informativ, die Blogs eher diskursiv sind. Twittern und Bloggen sind Bestandteile eines globalen Dialogs des Austauscha und der Meinungsbildung. Die öffentliche Meinung hat ihre Heimstatt im Internet gefunden, im ununterbrochenen Austausch von Information und Korrektur.
    Diese stetige Inventarisierung und Neuerfassung der Welt verschafft, bei aller subjektiven Unabhängigkeit, allen Beteiligten ein Gefühl der Teilnahme und Verbundenheit. Die Ware ist damit mehr (wert) als reine Information, ihre Währung rechnet sich in sozialen Einheiten, der neuen Währung der Weltbürger.

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  34. 30. Juli 2009, 13:54 Uhr, von Yolande Langendijk
    034

    Naja, auch mit schon gefilterte Informationen oder Nachrichten muss man aufpassen und die hintergrundliche Bias oder vielleicht –Agenda oder Manipulationen bewusst werden oder herausfinden um sich einiger masse ein etwas richtiches Bild zu formen oder eine Meinung Bilden zu können.

    Gewarnt ist man, oder filtern muss man schon, im Forum Diskussionen in zum Beispiel Youtube wo auch (wie genannt) Personen tätig sind (die dafür bezahlt werden) das Discurs zu Torpedieren.

    Jetzt ist die bericht Erstattung im Mainstream Media anscheinend sehr darauf gefocust uns gegen diese relativ harmlose Infektion Schweinengrippe die giftige viel gefährlichere Vaccins an zu reden. Der Arzt hier übrigens veranstaltet bei verdacht nicht mal `ne Untersuchung aber rat dich einfach eine Paracetamol! *g*

    Freundliche Grüssen,

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  35. 30. Juli 2009, 14:50 Uhr, von Walter
    035

    „Diese Verteilung überrascht nicht, ist sie doch ähnlich wie bei anderen Medien mit nutzergenerierten Inhalten. Auch bei Wikipedia gibt es Vielschreiber.“
    Der Vergleich des Microblogging über den Aufstand im Iran mit den Beiträgen zu Wikipedia finde ich gewagt. Motive und Inhalte sind durchaus unterschiedlich: Neben ein mehr oder weniger ausgeprägtes Sendungsbewusstsein tritt nicht nur erhebliche Betroffenheit, sondern auch Betroffensein. Der Handyfilm der sterbenden Neda weckt ganz andere Emotionen als die Beiträge zur Online- Enzyklopädie.

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  36. 30. Juli 2009, 15:46 Uhr, von Mafalda
    036

    @ Walter

    Ich muß mich auch immer wieder daran erinnern, daß die beschriebenen Typisierungen der Phänomene Vielschreiber etc. erst mal losgelöst von Inhalten und Kontext zu sehen sind. Auch Motivationen sind davon zunächst nicht erfasst.

    Allerdings wäre es mir persönlich lieber gewesen, Neda´s Tod wäre als Faktum mit den dazugehörigen Umständen BESCHRIEBEN worden. Die Handykamera draufzuhalten find ich – vielleicht altmodisch – pietätlos. Für mich nicht zu vereinbaren mit der Würde des Menschen Neda.

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  37. 30. Juli 2009, 15:57 Uhr, von Mafalda
    037

    Nehme auch mal an, daß die anhand der digitalen Daten identifizierten „Typen“ analog (sic!) dazu auch ähnlich in der realen Welt kommunikativ agieren. Wie @ Dowanda schon sagte, diese Kommunikationstypen finden sich in Vereinen, Betrieben, Familien(clans). Die digitale Welt lässt diese Kommunikationswege leichter darstellen, da die Spuren zu verfolgen sind.

    Ganz exklusive Quellen werden im Netz z.B. zumindest nicht direkt auftauchen (->Informanten-/Quellenschutz). Solche Quellen werden auch nie der Beliebigkeit anheimgegeben werden.

    Antworten
  38. 30. Juli 2009, 16:32 Uhr, von Mafalda
    038

    Zu Betroffenheit: diese lässt sich via Twitter sicher schneller transportieren als über Wikipedia. Frage ist, ob das ein Gradmesser sein kann und soll.

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  39. 30. Juli 2009, 17:05 Uhr, von Walter
    039

    Betroffenheit als hohe Stufe von Beteiligung, Mafalda. Das soziale Netz ist auch ein emotionales und ideelles Netz. Dies erklärt seinen Erfolg in erster Linie.

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  40. 30. Juli 2009, 17:25 Uhr, von Mafalda
    040

    Hmmm, ist das soziale Netz allein abhängig von IT ???

    Und wie mißt sich der Erfolg? – Mal abgesehen von den Zählern und Aktienkursen der Betreiber.

    Antworten
  41. 30. Juli 2009, 17:29 Uhr, von Mafalda
    041

    Alter Soz.Päd.Witz: lass uns mal das Diskutierdeckchen ausbreiten…

    Beteiligt am Geschehen bin ich dadurch nicht, da sollte ich mich schon wegbewegen vom Diskutierdeckchen, um was zu bewirken.

    Antworten
  42. 30. Juli 2009, 17:35 Uhr, von Mafalda
    042

    P.s.: sollte sagen, daß das Bewirkte für mich Erfolg bedeutet. Auch das Wissen, daß es wirklichen TUNs aller Beteiligter braucht. Diskutierdeckchen können Reflexionsboden sein, doch ersetzen sie nicht konkrete Aktion.

    Antworten
  43. 30. Juli 2009, 17:42 Uhr, von Mafalda
    043

    Anderer Aspekt aus der Sozialen Arbeit: die Betroffenen sind Experten. Nicht ich, die möglicherweise aus Betroffenheit (eher weniger hilfreich) handelt.

    Mein Expertinnentum liegt darin, Selbsthilfe zu initiieren und solange nötig zu unterstützen. Mich letztendlich aber überflüssig zu machen. Passt vielleicht nicht in die Zeit. Doch darin liegt der Erfolg professioneller Sozialer Arbeit.

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  44. 31. Juli 2009, 10:44 Uhr, von Walter
    044

    Jenseits der Diskutierdeckchen entwickeln sich mit dem Medium neue Artend der professions- und nationenübergreifenden Zusammenarbeit. Individualisierung und Fragmentation der westlichen Gesellschaften reduzieren einerseits Zusammenarbeit und Informationsaustausch lokal, stimulieren diese dafür jedoch auf globaler Ebene. Es erscheint paradox: Wir entfernen uns voneinander um uns global, über das Netz, einander anzunähern. Diese Veränderung erfasst auch und besonders schnell die journalistische Profession über die Art und Weise der Gewinnung, Verarbeitung und Verteilung von Information.
    Experte, Broker und Radarschirm sind lediglich Beschreibungen des sich verändernden Berufsbildes mit der fließenden Durchmischung von Aufgaben und ihren Bezeichnungen.
    Der Kern der Arbeit bleibt gleich: Sammlung, Sichtung und Wertung, danach die Verteilung. Lediglich Namen und Wege ändern sich.

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  45. 31. Juli 2009, 12:07 Uhr, von Walter
    045

    Eine erhebliche Rolle in der Aufmerksamkeitsökonomie spielt das Reputationsmanagement. Ruf und Ansehen, vielleicht auch Geld und Ehre hängen von der öffentlichen Wahrnehmung ab. Die findet mehr und mehr im Netz statt. Dies trifft für Unternehmen ebenso zu wie für Ich- AGs. Dazu der gestrige Twitter- Link: „Managing an Online Reputation“. (http://bit.ly/vJSQi)
    It’s all Business and business is all.

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  46. 8. August 2009, 19:27 Uhr, von Hybridnachrichten aus Iran - Claudia Sommer Me, myself and I - » Blog Archiv
    046

    […] am 8. August 2009 von Claudia in Privat via […]

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  47. 11. August 2009, 10:25 Uhr, von Journalismus als Hobby? Warum nicht? Aber bitte mit Niveau! | lab Gefällt einem Leser
    047

    […] Medien liegt darin, diese Wisdom of Crowds anzuzapfen. Große Chancen bieten sich wenn, – wie Miriam Meckel es bezogen auf die Iranberichterstattung formuliert – “Journalistenblogger oder […]

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