Er soll kurz sprachlos gewesen sein, dann tief und hörbar eigeatmet haben, als die Amerikaner am 20. Juli 1969 den ersten Schritt auf den Mond machten. Und dann hat er vermutlich den Satz gesagt, den er immer gesagt hat: “And that’s the way it is on Friday, July 20th. For CBS News, I’m Walter Cronkite.”
Walter Cronkite ist tot. Mit ihm, für den der Begriff des “News Anchor“, des “Nachrichten Ankermanns” erfunden wurde, ist der Prozess der Mediensäkularisierung zu Ende gegangen. Der Welterklärer, dem die Menschen an den Bildschirmen glauben, was er sagt, weil er es ja wissen muss, wenn er über das Fernsehen zu Abermillionen Menschen sprechen darf, ist tot.
Der Economist schreibt über Walter Cronkite “Americans … sometimes described him as the voice of God. God created the world in half an hour.” In Deutschland hat diese Nachrichtengottgläubigkeit besondere Früchte getragen. Es brauchte dazu nicht mal eine halbe Stunde, fünfzehn Minuten der Tagesschau haben gereicht. In den Anfangsjahren des Fernsehens glaubten viele Zuschauerinnen und Zuschauer, der Herr, der ihnen die Tagesnachrichten vortrug, sei der Regierungssprecher und vermittle das Weltgeschehen direkt aus der Regierungszentrale ARD in die Wohnzimmer.
Die Zeiten sind nun anders. Heute stehen die Vielen im Netz dem einen in der Glotze gegenüber. Sie setzen ihre Weisheit gegen das vermeintliche Allwissen der Wenigen. Sie verlinken statt zu verkünden. Ihre Informationen werden durch Tags statt durch Tagesschau bedeutsam. Comunities ersetzen die “people formerly known as audience”. Der Fernsehgott ist entthront und die Medienaristokratie zu einer Mediendemokratie geworden. Das ist anstrengend. Das ist unübersichtlich. Und das macht manchmal ein wenig melancholisch, wenn man sich alte Sendungen ansieht, von denen man weiß, welche Wirkung sie hatten. Aber es ist gut so.
Die Welt war nie in fünfzehn Minuten zu erschaffen, auch nicht in 30. Wir haben früher einfach so getan als wäre das so, so wie wir an Märchen und die Heiligen Drei Könige geglaubt haben. Heute wissen wir, dass es anders ist. “And that’s the way it is on Friday, 31st of July.”
Good night and good luck.







“Meinst Du wirklich, die DEUTUNGShoheit hat sich verschoben? Das vorhergehende Posting deutet eher auf anderes hin. Sicher gibt es eine Quellendiversifizierung.”
(Mafalda am 3. August 2009 um 13:38 Uhr)
Unterscheiden wir zwischen Deutungshoheit und Macht, Mafalda.
Dann bleibe ich dabei. Beispiele sind die öffentlichen Äußerungen (An Silvester gegenüber Caren Miosga, letztes Jahr bei Maybrit Illner) Josef Ackermanns. Er lässt öffentliche Deutungen seines Verhaltens zu, ohne dadurch an seinen Privilegien und seiner mächtigen Position rühren zu lassen. Sehr geschmeidig und intelligent.- Immerhin wird er dafür gut bezahlt.
Die Frage ist spannend und hätte mehr Beachtung verdient.
@ Walter
Das sind allerdings 2 verschiedene Paar Schuhe. Der alte Spruch “Wissen ist Macht” in neuen Kleidern.
Letztendlich weiß/wußte nur Ackermann letztendlich, was er weiß/wußte und was er zur Deutung preisgab. Und auch alle anderen PR-geschulten Finanz-, Polit-, Kultur-, … – Akteure.
Inszenierungen.(Wer sagt, nur technisch würde manipuliert?) Aktuell wieder Herr Schreiber mit Herrschaftswissen in Deutschland…
In den Ikonen “Tagesthemen”/”Politische Talkshow” und “Deutsche Bank Chef” treffen allerdings 2 gleichermaßen Deutungs- wie Machtinstitutionen in Form ihrer aktuellen Vetreter/innen aufeinander. Was verschiebt sich da wie nach wo? Das Kräftemessen/Machtspiel ist alt.
Muß noch nachschieben: diejenigen, die wie Ackermann oder Schreiber “Wissensherrschaft” haben, überlegen sich auch, WEM sie was davon preisgeben – meist denjenigen, die “Deutungsmacht auf Augenhöhe” haben, weil “drunter” ihr “Wissen” weniger mächtig erscheinen ließe.
Nochmal Schiebung:
die “Deutungsmacht” beruht wiederum auf “Wissensherrschaft” aus einem – möglicherweise, idealerweise… – anderen Blickwinkel auf den gegenstand des Interesses.
Aller … Dinge sind 3:
Umgekehrt wird sich eine “Deutungsinstitution” wie “Tagesthemen”/”Heute Journal” nicht mit einem “einfachen” Abteilungsleiter als Transmitter und Sterndeuter/Astrologen von Finanzkrisenobstakeln zufrieden geben können – jedenfalls nicht auf Sendung ;-). (Da hilft dann die eher unspektakuläre Diversifizierung von Quellen… )
Mit der Überführung (Auslieferung?)Karlheinz Schreibers könnte der Begriff der Deutungshoheit eine pikante Note bekommen. Vermutlich besteht ein gewisses Interesse daran, dass er bis zum 27. September die Klappe hält. Danach wissen wir – hoffentlich – mehr.
(… um “Hintergrundwissen” in der Interviewpräparation zu nutzen)
Hi there.
Did you watch the “Dance-Movie” attached in “Pipifax”? Can someone tell me, who the third person, besides MM and AW is?
Für alle die noch gratulieren möchten: Die e-Mail wird heute 25 Jahre alt!
Damals, die Zeit von AtariST und C64.
Die “PCs” kosteten damals über 10.000 DM.
Nur einige Freaks schafften es, Computer miteinander zu vernetzen, so dass einige Sätze ausgetauscht werden konnten.
Der Siegeszug der Mail begann Ende der 90er, also doch eine ganze Zeit nach der ersten E-mail.
Welche Erfindungen stecken heute in den Kinderschuhen, vielleicht gar nicht beachtet, und werden die Welt später einmal verändern ? Eine spannende Frage.
In den Deutungsinstitutionen wird sich heute Abend die Deutungsmacht zum Inhalt Steinmeiers wirtschaftpolitischen Grundsatzrede manifestieren @Mafalda:-))
@ Ramona
muß erst mal gucken, was er an Herrschaftswissen preisgegeben hat… :-))
Hallo @Seantie Moenes, Dein Katalog ist bisher bei mir nicht angekommen.
Quelle hat mich wegen Bestellverweigerung aus der Kundendatei gestrichen:-))
Wetten daß …
“Kreditmediator im Kanzlerauftrag” und “Taskforce gegen die stockende Geldversorgung, um die Rolle der KfW zu stärken” beste Chancen haben, zu Lachnummern zu werden?
Sehr hübsch anzusehen 4 Mio neue Jobs (wage schon nicht mehr, von Arbeitsplätzen zu reden):
- 2 Mio in der Industrie (u.a. grüne Schlüsseltechnologien) -> wird alles Projektgebunden sein
- 1,5 Mio in Gesundheits- und Kreativwirtschaft -> 400€-Jobs oder Selbständigkeit, diese evtl. Arbeitsamtspromoviert
- 0,5 bei MEDIEN, Kultur, Design -> davon hat er nun schon 12 an sein Beraterteam vergeben
Soweit mein Deutungsmanifest.
“0,5″ braucht den Zusatz “Mio”…
Berichtigung: die 0,5 Mio Medien etc. gehören zu den 1,5 Mio. Gesundheit und kreativität
Die fehlenden 0,5 Mio sind Handel und sonstige Dienstleistungen. Also gute Aussichten für Arcandor/Quelle/Karstadt/Kaufhof/Sinn-Leffers/…Autohändler/innen? Oder eher Security? Versicherungen? Who knows.
@ Ramona:
Normalerweise streichen die einen nur, wenn man zu viel wieder zurückschickt! Naja, wer sichs leisten kann ; ) Davon abgesehen, diese Unzuverlässigkeit bei der Deutschen Post, schlimm.
Mein Tipp für die Zukunft: Bei Neckermann bestellen und von Hermes liefern lassen, !so!
Ein paar Gedankensprünge:
Sascha Baron Cohen 3-fache Kunstfigur.
Wahlkampf mit Kerkeling (Horst Schlämmer als Kunstfigur Kanzlerkandidat). Fernsehpreis mit Pastewka-Engelke als Moderationskunstfiguren.
Lauter Kunstfiguren zur Schlachtung von heiligen Kühen?
Als Kontrast dazu:
Jan Hofer in seinem Versuch von Kunstfigur Nichtwähler.
“Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.”
Gottfried Benn
http://bazonline.ch/meinungen/dossier/kolumnen–kommentare/Geiz-ist-ungeil/story/15305945
Neuer Kommentar von Miriam Meckel in der BAZ zum Thema “Geiz ist geil”
@ Anja
Guten Morgen. Ein wunderbares Zitat!
Ich frage mich, wie Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft entstehen sollen, wenn die oberste Maxime ist, jede zehnte Stelle hinter dem Komma der Lohnnebenkosten zu verhindern.
Auf der einen Seite alles zusammenstreichen, auf der anderen Seite medizinischer Fortschritt – das geht nicht zusammen.
So hat man es weiterhin mit vermeidbaren Todesfällen zu tun, die dem Spardogma geschuldet sind. Ich denke, man muss es auch genauso ausdrücken, wie es ist.