MM_Lenz
Zu den Kommentaren
31. Juli 2009, 12:20 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Mediensäkularisierung

Er soll kurz sprachlos gewesen sein, dann tief und hörbar eigeatmet haben, als die Amerikaner am 20. Juli 1969 den ersten Schritt auf den Mond machten. Und dann hat er vermutlich den Satz gesagt, den er immer gesagt hat: “And that’s the way it is on Friday, July 20th. For CBS News, I’m Walter Cronkite.”

Walter Cronkite ist tot. Mit ihm, für den der Begriff des “News Anchor“, des “Nachrichten Ankermanns” erfunden wurde, ist der Prozess der Mediensäkularisierung zu Ende gegangen. Der Welterklärer, dem die Menschen an den Bildschirmen glauben, was er sagt, weil er es ja wissen muss, wenn er über das Fernsehen zu Abermillionen Menschen sprechen darf, ist tot. 

Der Economist schreibt über Walter Cronkite “Americans … sometimes described him as the voice of God. God created the world in half an hour.” In Deutschland hat diese Nachrichtengottgläubigkeit besondere Früchte getragen. Es brauchte dazu nicht mal eine halbe Stunde, fünfzehn Minuten der Tagesschau haben gereicht. In den Anfangsjahren des Fernsehens glaubten viele Zuschauerinnen und Zuschauer, der Herr, der ihnen die Tagesnachrichten vortrug, sei der Regierungssprecher und vermittle das Weltgeschehen direkt aus der Regierungszentrale ARD in die Wohnzimmer.

Die Zeiten sind nun anders. Heute stehen die Vielen im Netz dem einen in der Glotze gegenüber. Sie setzen ihre Weisheit gegen das vermeintliche Allwissen der Wenigen. Sie verlinken statt zu verkünden. Ihre Informationen werden durch Tags statt durch Tagesschau bedeutsam. Comunities ersetzen die “people formerly known as audience”. Der Fernsehgott ist entthront und die Medienaristokratie zu einer Mediendemokratie geworden. Das ist anstrengend. Das ist unübersichtlich. Und das macht manchmal ein wenig melancholisch, wenn man sich alte Sendungen ansieht, von denen man weiß, welche Wirkung sie hatten. Aber es ist gut so.

Die Welt war nie in fünfzehn Minuten zu erschaffen, auch nicht in 30. Wir haben früher einfach so getan als wäre das so, so wie wir an Märchen und die Heiligen Drei Könige geglaubt haben. Heute wissen wir, dass es anders ist. “And that’s the way it is on Friday, 31st of July.”

Good night and good luck.

72 Reaktionen

  1. 31. Juli 2009, 12:36 Uhr, von Siegmund
    01

    Aber ein guter “Anchorman” kann zumindest die Illusion erschaffen, dass die Welt geordnet werden kann.
    In Deutschland fällt mir das Hanns-Joachim Friedrichs, Tagesthemen, ein.
    Heute wird´s schon schwieriger. An Peter Klöppel mag ich am meisten seine Persiflage von switch … ;)

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  2. 31. Juli 2009, 12:36 Uhr, von Siegmund
    02

    Bitte ein “s” in “das” wegstreichen ..

    Antworten
  3. 31. Juli 2009, 12:52 Uhr, von anni
    03

    Ja, es war, als würde diese Art der Fernseh-Nachrichten, diese “the-one-and-only-Welterklärer-Ausstrahlung” quasi mit ihm sterben. Zumindest hat es sich für mich ein bisschen so angefühlt, als ich vor zwei Wochen von seinem Tod las.

    Witzigerweise hatte ich kurz darauf ein News-Anchor-Schlüsselerlebnis. Dagmar Berghoff war in irgendeiner Talkshow. Weil ich kurz in der Küche war, hörte ich nur ihre Stimme. Und sie hatte das erste Wort noch nicht zuende gesprochen – ich wußte, wer da redet. Das ist nichts besonderes, geht es um Menschen, die ich täglich höre. Aber sie hatte ich ja nun seit mehreren Jahren nicht mehr gehört – und ich hatte das auch an diesem Abend nicht erwartet. Da hat sich also etwas eingebrannt in meiner Jugend. Ein Klang, ein Duktus, der mir auch nach so langer Zeit noch unglaublich präsent ist. Auch heute würde ich viele Nachrichtenleute sofort an der Stimme erkennen. Aber so schnell wie bei den Informationsmonopolisten von damals geht es bei kaum einem – und in 10 Jahren werde ich die meisten ihrer Stimmen vergessen haben.

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  4. 31. Juli 2009, 13:06 Uhr, von Walter
    04

    Es geht eher um Menschliches als um Technisches. Ein menschlicher Anker muß stabil, erkennbar und vertrauenswürdig sein, nicht nur klug und gewandt. Mit dem veränderten Menschenbild in den Medien haben sich auch die Menschen dort verändert. Zum Glück nicht alle, aber viele.
    Aus dem Anker ist ein Moderator geworden, aus dem festen Halt Relativität, manchmal auch Beliebigkeit.
    Wir Menschen haben uns nicht verändert, unsere Umgangsformen und unsere soziale Wahrnehmung schon. So erklären sich nostalgische Wehmut und Sehnsucht nach Gewissheiten.
    Die gute alte Zeit war gar nicht gut, nicht besser jedenfalls als die jetzige.
    Es geht um Vertrauen und Ehrlichkeit. Viele Medienmenschen sind heute so glatt und ungreifbar, dass sie menschlich nicht (mehr) erkennbar sind. Da liegt das Problem.
    Es geht auch anders. Nur die meisten trauen sich nicht.

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  5. 31. Juli 2009, 13:55 Uhr, von Miranda
    05

    Bei mir gilt dass noch, das ich zwischen 20.00-20.15 nicht angerufen werden will, bzw nicht drangehe..nur weil sich alles da draußen verändert muß ich mich ja nicht diesen Strömungen anpassen…

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  6. 31. Juli 2009, 14:03 Uhr, von US
    06

    Walter, den vorletzten Satz nehme ich dir nicht ab, vor 50 Jahr war die Fernsehwelt, was die Nachrichten betraf, noch einigermaßen OK.
    Aber was da heute so abgeht, da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
    Ganz Deutschland regt sich über eine nicht korrekt behandelte Dienstwagenaffäre auf als wenn es sonst nichts wichtigeres gäbe.
    Und eine 30 Min. Talkshow soll Aufschluß geben was 5 Parteien zu ihrem Wahlprogramm aussagen können, lächerlich einfach lächerlich.

    Trotz allem, wünsch ich euch allen ein schönes Wochenende.
    MfG

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  7. 31. Juli 2009, 14:41 Uhr, von Mafalda
    07

    Hmmm. “Mediensäkularisierung”. In memoriam von Cronkite: he was (elected) first (as he formed an icon).
    But others followed.

    Der Roll-back scheint – ich wiederhole scheint – sich im laiszisieren (kein -mus) von Medien zu manifestieren. Und nein, die Welt wurde nicht in 15, 30 min. erschaffen. Wird es auch nicht. Diese “Schatten”, dieser Hinter- und Untergrund scheint durch. Bei denen, die wirklich zu berichten wissen. Authentizität. A key-word. But those people never seek for it. They just do.

    Antworten
  8. 31. Juli 2009, 14:44 Uhr, von Walter
    08

    Wahrnehmung und Erinnerung, US.
    Sie war nicht gut, aber konsistenter, fassbarer, auch in ihrer Unfasslichkeit. Die Sprachlosigkeit der Postnazizeit löste sich erst in den 70 er- Jahren auf, mit dem allmählichen Rückzug derer, die ihre Karriere schon vor 1945 begonnen hatten.
    Dass “die Medienaristokratie zu einer Mediendemokratie geworden” ist, möchte ich relativieren. Nie war der Unterschied zwischen Bekanntheit und Unbekanntheit größer und gesellschaftlich beachteter als heute.
    Groß ist unser Bedürfnis nach verlässlichen Charakteren, die die Welt nicht nur verstehen, sondern uns auch erklären können. Darum wird Klaus Kleber so anders wahrgenommen und geschätzt als etwa Tom Buhrow. (sueddeutsche.de/kultur/774/482238/text/)

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  9. 31. Juli 2009, 17:06 Uhr, von Miranda
    09

    Ich habe diesen Beitrag vom August letzten Jahres gerade meiner ital.Freundin geschickt…
    So sehr ich begeistert bin von der Toskana, war dass wirklich auffällig, überall klingelen die Handys, es gibt keine Grenzen, beim liebevollen zubereiteten 4 Gänge Menü mit 6 Italinern am Tisch, klingelte es in einer Tour, worauf die selbigen begeistert loslegten, erzählten und immer mindestens einer nicht mehr am Essen teilnahm. Als ich es ansprach, bin ich auf völliges Unverständnis gestossen…ich hatte mir nach spätestens nach drei Tagen auch eigene Anrufe gewünscht, einfach um mitmachen zu können in der Telefonia :)
    Aber da ich keine vielbeschäftigte Buisnessfrau bin und meinen Leuten es schlichtweg zu teuer ist im Ausland mich ständig anrufen zu wollen, blieb mein Handy auf Rehabilitation…

    Si pronto

    Der Italiener ist ein Kommunikationsgenie. Er kann alles gleichzeitig, vor allem aber bei allem immer auch telefonieren. Von wegen, Menschen können kein Multitasking. Der Italiener kann das. Er telefoniert beim Mountainbiking, sich auf dem Fahrrad die Gebirgsstraße hinauf quälend, bedrängt von Lastwagen und verrückten Sportwagenfahrern (die natürlich auch gerade am Steuer telefonieren). Er telefoniert beim Nordic Walking, derweil beide Stöcke in einer Hand haltend und in krummer Körperhaltung nach vorne getrieben. Vor allem aber telefoniert er am Strand.

    „Ich bin im Zug.â€? Das ist im deutschsprachigen Raum der meistgebrauchte Satz der „situation workâ€? qua Mobiltelefon. In Italien lautet er: „Sono al mare!.â€? Bei einem Ausflug an die Küste der vorgelagerten Insel „La Maddalenaâ€? beobachte ich eine unvergessliche Ausführung dieser „situation workâ€? am Strand. Eine Frau und ihr Mann liegen in einer kleinen Bucht neben uns. Zunächst klingelt ihr Mobiltelefon. Sie geht ran und dann beginnt ein etwa zweistündiges Gespräch, in dem sie sich nur ein einziges Mal vom Telefonieren ablenken lässt – in dem Moment nämlich, als das Handy ihres Mannes klingelt, der sich faul im seichten Wasser aalt. „Geh ran, Mensch!â€?, schreit sie ihn an, um sich dann wieder ihrem Gespräch zu widmen.

    Das dreht sich durchweg um Kochrezepte und die dafür notwendigen Lebensmittel sowie die dafür notwendige optimale Einkauflogistik. Während die gesamte Bucht den lautstarken Aushandlungen zu Mittag- und Abendessen folgen kann und dabei von den „Spaghetti Bottargaâ€? über die „Tagliatelle Asticeâ€? zu verschiedenen Fisch- und Fleischgerichten mit und ohne Salat geleitet wird, absolviert die Frau wiederholt eine Kurzstreckenwanderung über die Felsen der Bucht ins seichte, dann tiefere Wasser und irrlichtert durch die Bucht, das Telefon immer hart ans Ohr gepresst.

    Nach zwei Stunden nähert sie sich wieder dem Strand und dem Liegehandtuch. Gespannt beobachten die Umliegenden, was nun geschieht, nicht ganz frei von Hoffnung, das Telefonat möge nun enden und etwas mehr Ruhe einkehren. Weit gefehlt. Die Frau hört auf zu Telefonieren, aber sie überreicht das Mobiltelefon im laufenden Gespräch an ihren im Wasser liegenden Mann, der nun das ganze Thema noch mal von vorn beginnt, nur mit gesteigerter Lautstärke.

    Entnervt packen wir unsere Sachen. Ich esse jetzt lieber die Nudeln, von denen hier seit Stunden die Rede ist. Vor allem aber habe ich verstanden, dass es in Italien kein „Glück der Unerreichbarkeitâ€? gibt. Für dieses Land wird mein Buch nie übersetzt werden. Ohne „Telefoninoâ€? ist man hier ein Nichts. „Si?â€? „Pronto!â€?

    Antworten
  10. 31. Juli 2009, 17:07 Uhr, von Miranda
    010

    klingelten,

    Antworten
  11. 31. Juli 2009, 17:45 Uhr, von Mafalda
    011

    @miranda
    Me recuerdo de una misma reportage de la blogista el ano passado…

    Y que bien, wurdest Du verschont. Beobachte allerdings, auch hier im blog, wie Netz- und Phone-freie Zeiten als Errungenschaft gefeiert werden. Als Luxus. Dabei ist es doch sowas von normal. Wann sollte mensch denn sonst leben?

    Antworten
  12. 31. Juli 2009, 19:01 Uhr, von Miranda
    012

    wollte nicht vom Thema ablenken, mir fiel dass nur ein letzte Woche eindass Miriam M.darüber geschriebn hatte…

    Ich finde schon dass es eine sogenannte alte verklärtere Fernsehzeit gab.
    Ganz einfach deshalb, da es noch nicht viele Programme gab, die Familien hatten wenn dann einen Fernseher oder es gab nicht im jedem Haushalt einen.
    So hatte Fernsehen einen sehr gemeinschaftlichen Aspekt, zumindestens bei uns, wir hatten durchaus auch Spieleabende der Glotze vorgezogen, aber Samstags gab es dass Ritual alle zusammen mit Oma Einer wird gewinnen zu schauen, oder ganz alte Erinnerungen habe ich an Peter Frankenfeld…ich war da klein aber wir hatten meist einen Käseigel, Salzstangen, Oliven, ich durfte Limonade trinken, fand dass schön, auch kommunikativ, weil wir während der Show redeten..
    Zappen gab es noch nicht, da keine Fernbedienung und wir hatten nur ARD,ZDF und HR.
    Ich finde man kann dass heute nur noch finden bei Europa oder Weltmeisterschaften, dieses Zusammen schauen macht soviel mehr Freude…
    Finde diese Isolierung schlimm, meist gibt es mehrere Fernseher im Haushalt, jeder schaut sein Wunschprogramm.
    So Gallionsfiguren, fürs amerikanische Nachrichtenbuisness Cronkite oder auch Johnny Carson, sie haben dort es geprägt, weil die schauende Masse mit Ihnen etwas verband. Genau wie für uns Dagmar Berghoff, Friedrichs oder in der Unterhaltung Frankenfeld oder Kulenkampff wichtig waren,, da man sie noch in dem überschaubaren Angebot indetifizieren konnte, sie standen für etwas…heutzutage ist es nicht mehr so greifbar…wobei auch heute Charaktäre und Persönlichkeiten dabei sind.
    Ich bemerke dass das Medium Fernsehn immer uninteressanter wird, ich ziehe es vor selbstbestimmt mein Programm zu wählen..dass sind dann oft DVds, Tagesschau, Tagesthemen, Anne Will, manchmal Maybrit Illner., Arte Themenabende.neuerdings ab und zu Timm weil ich es schön finde nicht nur immer Hetero Paare zu sehen…aber die sogennante Masse, RTL; Sat 1, Pro 7, ich finde es schlimm was da für ein Schrott läuft!!

    Antworten
  13. 31. Juli 2009, 19:31 Uhr, von PP
    013

    Ich gehe da eher mit Schlöndorffs Meinung mit.

    Außerdem, wenn im Internet Falschmeldungen verbreitet werden, muß sich (meist) keiner dafür rechtfertigen, im Fernsehen schon. Das heißt nicht, dass ich es nicht toll finde, so viele Informationen zur Verfügung zu haben. Trotzdem würde ich relativieren.

    Mir ist das Ende des Artikels zu schwarz-weiß gefärbt.

    Antworten
  14. 31. Juli 2009, 21:28 Uhr, von Lukas
    014

    Ich habe in den letzten Wochen einige Cronkite-Videos gesehen und mir sofort gewünscht, das Fernsehen wäre noch so: schwarz-weiß, grieselig, die ganze Welt in einer Sendung. Selbst bei den schlechtesten Nachrichten hätte man jemanden, der einem “persönlich” bekannt ist und die Nachricht überbringt. Und das nur einmal am Tag und nicht rund um die Uhr. Dinge wären bereits passiert und nicht noch im Begriff, zu geschehen.

    Ja, ich glaube, dann würde ich wieder Fernsehnachrichten schauen.

    Antworten
  15. 1. August 2009, 8:08 Uhr, von Anja
    015

    Säkularisierung durch Medienvielfalt. Früher war bei uns die Tagesschau die besagte „Heilige Kuh“. Niemand zweifelte an der Vertrauens- und Glaubwürdigkeit von Dagmar Berghoff oder Karl-Heinz Köpcke. Hatte es bei uns zu Hause ein „Atheist“ gewagt in dieser Zeit anzurufen oder gar an der Tür zu klingeln, wurde dies absolut ignoriert.
    Und der Apfel fällt ja bekanntlich nicht weit vom Birnbaum. Wenn ich heutzutage die 20.00h schaue (was selten genug vorkommt, da ich dann meistens noch nicht zu Hause bin), merke ich, dass ich diese anerzogenen Verhaltensmuster immer noch an den Tag lege. Sollte in dieser Zeit das Telefon klingeln, kann ich dies mit gutem Gewissen ignorieren. Oder wir philosophieren sofort, wer es zur Tagesschau Zeit sein könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um meine „ungläubigen“ Neffen und Nichten handelt, ist groß ;-)
    Ich glaube, Abendnachrichten haben heute weniger den Auftrag zu informieren. Es kommt selten vor, dass man über die dortigen Themen nicht schon umfangreich tagsüber in Zeitung, Internet & Co informiert wurde, bzw. sich informiert hat. Man hat hier aber die Möglichkeit sich noch mal auf das wichtigste des Tages zu konzentrieren. Manchmal kommt es vor, dass ich bei Meldungen denke, ach war das erst heute? Durch das Überangebot an Information kann ich dies oftmals gar nicht mehr einordnen.
    Ähnlich war es beim Medienhype um Michael Jackson. Durch die Dauerinformation auf allen Medienkanälen konnten die Menschen es spätestens am 3. Tag nicht mehr ertragen und man hörte Stimmen, dass es doch jetzt endlich mal gut ist. Ein Mensch stirbt, ein sehr bekannter und erfolgreicher dazu, und wir sind dem nach ein paar Tagen schon überdrüssig. Es ist schnell langweilig, uninteressant und neue Meldungen müssen her. Klingt fast nach einer „Nachrichten-Hyperaktivität“.

    Antworten
  16. 1. August 2009, 11:58 Uhr, von Maria
    016

    “WIR haben früher einfach so getan,als wäre das so,so wie WIR an Märchen und die Heiligen Drei Könige geglaubt haben.Heute wissen WIR dass es anders ist.”

    Wer ist denn WIR ?

    ICH glaube an die Existenz der Heiligen Drei Könige und halte sie für kein Märchen.

    Antworten
  17. 1. August 2009, 12:04 Uhr, von PP
    017

    @ Anja

    Das trifft den Nagel auf den Kopf.

    Die Abendnachrichten nicht als 1. Quelle aber als Zusammenfassung des Tages, für die die überhaupt noch Welt-Nachrichten aufnehmen wollen (ich beobachte viele in meinem größerem Umfeld, die sich maximal die Zeitung mit den vielen Bildern einverleiben – ohne Wertung meinerseits – , die weiterhin weder einen Computer besitzen, geschweige denn mit dem Internet vertraut sind und von denen die sich im Internet bewegen suchen höchstens 30 % Nachrichten, die anderen den Partner fürs Leben oder einen neuen Zahnkranz für ihr Rennrad).

    Antworten
  18. 1. August 2009, 14:45 Uhr, von US
    018

    Walter,
    vielen Dank für deine Antwort, aber heute spielt sich das gleiche ab nur auf einer anderen Ebene.

    Ein wissenschaftlicher Beirag:
    “Wirtschaftliche Folgen der Medienkonzentration”

    http://tinyurl.com/mfjqhz

    Anja und PP,
    ihr hab recht, so ist es nun mal. Wenn ich bedenke, wir hatten unseren ersten schwarz/weiß Fernseher erst ab 1965 und der war auch noch gebraucht.
    MfG

    Antworten
  19. 1. August 2009, 16:58 Uhr, von Antje
    019

    “journalism is what we need to make democracy work.”

    http://bit.ly/bqFpn

    Antworten
  20. 1. August 2009, 21:21 Uhr, von Anja
    020

    “Anke Engelke und Bastian Pastewka führen als die Volksmusikstars Wolfgang und Anneliese Wolfgang durch die 11. Verleihung des DEUTSCHEN FERNSEHPREISES, die am 26. September 2009 in Köln stattfindet.”
    Bin ich gerade auf der Fernsehpreis Homepage drüber gestolpert. Man könnte meinen, es wird der Comedy Preis verliehen. Jedenfalls sollte man diesmal erst recht darauf achten, das der Ehrenpreisträger Humor versteht, sonst könnte es auch dieses Jahr wieder einen “Eklat” geben;-)
    Und ich hätte sogar großes Verständnis dafür.
    Jetzt könnte man wieder beginnen mit: Früher…
    …aber das lasse ich lieber, sonst fühle ich mich gleich wieder so alt ;-)

    Antworten
  21. 2. August 2009, 8:40 Uhr, von Siegmund
    021

    Das wird eine schlimme Veranstaltung ..

    Antworten
  22. 2. August 2009, 9:27 Uhr, von Mafalda
    022

    Na, der Fernsehpreis in diesem Jahr als Comedy. Soll wohl einen draufsetzen auf die Realsatire vom letzten Jahr… Very sophisticated.

    @ Anja, Deine Ausführungen von gestern 8:08 kann ich nur unterstreichen :-). Auch ich schätze nach den über den Tag aufgeschnappten Nachrichtenschnipseln die “geballte Ladung” am Ende des Tages, wenn ich die Möglichkeit habe. Oder am Tag drauf die “gesammelten Werke” in den Tageszeitungen.

    Antworten
  23. 2. August 2009, 9:55 Uhr, von Seantie Moenes
    023

    @ Anja, du musst dich nicht alt fühlen. Ich bin mit Sicherheit um einiges jünger und habe mir das Gleiche gedacht. Wäre es die Verleihung des deutschen Comedypreis, dann wären die beiden eine super Idee. Aber bei einer Gala wie dem deutschen Fernsehpreis? Wenn Engelke und Pastewka wenigstens als SIE selbst moderieren würden, dann wäre es noch verständlich. Aber als Volksmusiksparodie – eindeutig übers Ziel hinausgeschossen, auch wenn mir nicht klar ist, was das Ziel überhaupt gewesen ist. Vielleicht präsentiert uns RTL, 2011, ja Horst Schlämmer als Moderator. Ich bin gespannt …. nee, eigentlich nicht!

    Antworten
  24. 2. August 2009, 10:28 Uhr, von Anja
    024

    Ja, Bastian Pastewka als Bastian Pastewka hätte das bestimmt sehr gut gemacht. So aber hat es was von Second Life, zwei Avatare moderieren den Deutschen Fernsehpreis. Hoffentlich gibt es keine technische Störung (à la “Hilfe mein Avatar ist nackt;-))
    Fürs nächste Jahr wünsche ich mir jedenfalls Ernie & Bert!!! (Sorry Kermit…)

    Antworten
  25. 2. August 2009, 11:04 Uhr, von Jon
    025

    Seit ein deutscher Fernsehpreis letztes Jahr an DSDS ging, sind Wolfgang und Anneliese doch die logische Konseqenz.

    Aber ehrlich: kennt ihr eine bessere als Engelke? Egal als wer oder was, die ist unschlagbar.

    Antworten
  26. 2. August 2009, 11:10 Uhr, von Mafalda
    026

    Gestern bereits vermeldet: Oskar Wark, bis in die 90er Sport-”Anchorman” des ZDF ist verstorben. Grad sah ich in der “Tagesschau”, daß auch Ilona Christen, ehemals das “Gesicht”u.a. des ZDF-Fernsehgartens dto. verstorben ist.

    Antworten
  27. 2. August 2009, 11:19 Uhr, von Mafalda
    027

    apropos Sport:

    Waldemar Hartmann moderierte gestern die “Sportschau” im neuen Studio. Man merkte, daß er sich erst noch daran gewöhnen muß.

    Später dann im “Sportstudio”: ein alles andere als souveräner Wolf-Dieter Poschmann v.a. im Interview mit Michael Oenning (Trainer FC Nürnberg), u.a. Grimme-Preisträger. Da stand er förmlich stramm vor Ehrfurcht. Ganz anders später im Interview mit Bianca Kappeler (Weitspringerin), wo er eher gönnerhaft-jovial agierte…

    Antworten
  28. 2. August 2009, 11:20 Uhr, von Ramona
    028

    Einen schönen SONNtag Euch @allen!

    Bin seit gestern aus dem Urlaub zurück. 3 Wochen ohne TV und offline.
    Ich muss gestehen, ich habe nicht das Gefühl, uninformiert gewesen zu sein. Tageszeitungen, die eh Mühe hatten, das Sommerloch zu füllen, und Radio haben mein Informationsbedürfnis gestillt. Ich habe weder die Tagesschau noch das Heute-Journal vermisst, was sicher zu denken gibt:-)
    Und wenn ich lese, welche Diskussion das neue Nachrichtenstudio des ZDF hervorruft, bin ich ratlos.
    Ich erwarte nicht nur eine informative Nachrichtensendung, sondern auch eine moderne Präsentation. Ich bin der Meinung, das ZDF hat Mut bewiesen. Diese Investition aus GEZ-Gebühren ist mir lieber, als das Verpulvern von Millionen für Übertragungsrechte im Fußball. Über diese astronomischen Summen sollten sich die Gebührenzahler am ehesten Gedanken machen.

    Hallo @Noisa, bist Du auch ins Sommerloch gefallen?:-) Wo steckst Du?

    Antworten
  29. 2. August 2009, 11:26 Uhr, von Walter
    029

    An der fehlt es- leider zu oft.
    Das deutsche Fernsehen als Musikantenstadl zu sehen ist ironisch selbstreflexiv. Die Frage stellt sich: Was machen die da (eigentlich)? Und warum?
    Darin ähnelt Fernsehen der Politik: Beide sind relativ weit von ihren Zielpersonen entfernt und bedienen Klischees, die sie selbst erzeugen.
    Beide sind Massenmedien.
    Die Nachrichten im Fernsehen haben den Weg von der Konstruktion der Realität zur Realität der Konstruktion schon lange beschritten mit Sendungen wie Tagesthemen und heute journal, in denen es um die Deutung der Ereignisse und ihre Wertung unter ökonomischen, historischen und moralischen Gesichtspunkten im Auftrag der öffentlichen Meinungsbildung geht. Die Journalisten wurden zu Moderatoren, wenn es gut ging zu glaubwürdigen und sympathischen, wenn es danebenging zu Vertretern einer gefallsüchtigen Beliebigkeit.
    In dieser Falle stecken sie heute mehr denn je.
    Durch die Verzahnung der öffentlichen mit der politischen Meinungsbildung haben die Massenmedien, nicht nur das Fernsehen, ihre notwendige Distanz zum politischen Agieren aufgegeben und sind selbst Element und Gestalter der Politik geworden, die sie (eigentlich) nur betrachten und analysieren sollten. Besonders kritisch ist diese Funktion bei den politischen Talkshows, die nach Sabine Christiansens Muster zu einem Medienparlament mutierten.
    Die Ansätze Anne Wills und Maybrit Illners, zu Politik und Politikern wieder mehr auf Distanz zu gehen und diese kritisch und herausfordernd zu befragen, löste nicht nur bei Angela Merkel, Frank Walter Steinmeier und zuletzt Oskar Lafontaine ein sichtbares Befremden aus.
    Wenn es etwas zu fordern gibt, dann die (Wieder) Erlangung der äußeren und inneren journalistischen Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft. Hier tun sich nicht nur die Privaten- wegen der Werbeeinnahmen- sondern gerade die öffentlich rechtlichen Sendern schwer, da durch den Rundfunkstaatsvertrag die journalistische Tätigkeit vermeintlich der Politik untergeordnet ist. Die ist ein Irrtum einiger Politiker, da das Grundgesetz ausdrücklich die Freiheit und Unabhängigkeit der Berichterstattung als Merkmal unserer demokratischen Gesellschaft festschreibt.
    Was eine gute Journalistin und einen guten Journalisten ausmacht ist, neben dem Handwerk und der Persönlichkeit, auch der Grad an äußerer und besonders innerer Unabhängigkeit, die sich in Kommentaren und im öffentlichen Auftreten manifestieren. Dazu gehören neben einem grundsätzlichen menschlichen Respekt, der keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen Macht und Ohnmacht, arm und reich sieht, auch Mut und Furchtlosigkeit, die auch die Auseinandersetzung, dort wo sie notwendig ist, nicht scheut. Eine aus der Mode gekommene Bezeichnung dafür lautet Integrität.

    Antworten
  30. 2. August 2009, 12:19 Uhr, von Noisa
    030

    Hallo @Ramona, hier! ;)) Stimmt, ich bin offenbar tief im Sommerloch versunken… Einen netten Sonntag noch! :)

    Antworten
  31. 2. August 2009, 12:31 Uhr, von Susa
    031

    Hmmm…

    Habe mir grade die 20Uhr-Tagesschau von gestern anguckt! Einfach Macht der Gewohnheit, wenn man mit ihr aufwächst.

    Aber mir ist wieder sehr stark ins Auge gefallen, wie sehr sie sich doch geändert hat. Müssen mir Schicksalsbeispiele oder längere Videos gezeigt werden, auf denen das ganze Ausmaß einer Katastrophe sichtbar ist, auch visuell?
    Damals hatte man eine Momentaufnahme und der Sprecher kommentierte sachlich das Ereignis.
    Heute wird das Ereignis selbst in Szene gesetzt.
    Es ist doch etwas, was mir sauer aufstößt!
    Reicht keine sachliche, (neutrale) Berichterstattung aus?
    Zu mindestens für die Tagesschau? Dass RTL mit Punkt 12 und Co. ihre Themen in Szene setzten müssen und wollen, weil sie nicht anders können, damit kann ich leben.
    Aber nicht die Tagesschau!

    Es ist doch erschreckend, wie es den Wandel unserer Gesellschaft wiederspiegelt.

    Antworten
  32. 2. August 2009, 13:30 Uhr, von Ramona
    032

    @Noisa, aber langsam könntest Du doch auch wieder auftauchen! Bütte:-)))
    Ich war übrigens die ganze letzte Woche in NRW, hmm. War ganz nett! Dir auch noch einen schönen Sonntag, ich hoffe dem kleinen Löwen geht es gut!:-))

    Antworten
  33. 2. August 2009, 14:03 Uhr, von Noisa
    033

    Ja, dem lebhaften Kerlchen geht es sehr gut. @Ramona, vielleicht irgendwann mal wieder…

    Abschließend noch für Anke-Fans: Auf Filme gehen und `Anke´ anklicken, einfach spitze:
    http://www.wdrmaus.de/elefantenseite/

    Antworten
  34. 2. August 2009, 14:56 Uhr, von Miranda
    034

    Dafür sind wir gute Djanes…

    Antworten
  35. 2. August 2009, 15:03 Uhr, von Miranda
    035
    Antworten
  36. 2. August 2009, 15:10 Uhr, von Mafalda
    036

    Hab´s auch in den Niederländischen Nachrichten heute morgen und später bei Tagesschau mitbekommen. Bei aller Trauer: Mut macht, daß in der Folge Unterstützung des Regenbogens zum Ausdruck gebracht wurde. Nehme mal an, nicht allein von Lesben und Schwulen.

    Antworten
  37. 2. August 2009, 15:19 Uhr, von Mafalda
    037

    @ Susa

    Meine, es gibt keine “neutrale” Berichterstattung. Mindestkriterium: eigenes Interesse der Berichtenden, auf Grund welcher Motivation auch immer. Genährt von Neugier der Konsumierenden, auf Grund welcher Motivation auch immer.

    Leitkriterien für in Frage kommende Berichte und deren Präsentation sind in Frage zu stellen/verhandelbar/flexibel. Von beiden Seiten.

    Antworten
  38. 2. August 2009, 15:49 Uhr, von Ramona
    038

    Irgendwann @Noisa?:-(

    Antworten
  39. 2. August 2009, 16:05 Uhr, von Anja
    039

    @Miranda
    ja, hat mich auch geschockt. Ausgerechne in Tel Aviv.
    Solange allerdings die meisten Religionen Homosexualität strikt ablehnen und verurteilen, die katholische Kirche Homosexuelle für krank hält und Schwule vom Priesteramt ausgeschlossen sind, solange wird es auch immer wieder öffentliche Diskriminierungen und Gewalt geben. Bei allen Fortschritten und Gleichberechtigungen macht mich das sehr wütend.

    Antworten
  40. 2. August 2009, 16:06 Uhr, von Anja
    040

    Ich kaufe ein “t” ;-)

    Antworten
  41. 2. August 2009, 16:40 Uhr, von Miranda
    041

    Mich macht es auch wütend, zumal es mir dieses Jahr wieder extremer vorkommt, dass in Tel Aviv ist natürlich der Gipfel !
    Es ist ganz wichtig in diesen Zeiten, Farbe zu bekennen und sich nicht zu verstecken!

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  42. 2. August 2009, 16:58 Uhr, von Miranda
    042

    http://www.myvideo.de/watch/4615641/Was_Anne_will_will_ich_auch

    das Lied finde ich jetzt nicht so gelungen, und jetzt darf auch Fabian verbal über mich herfallen und schimpfen, aber man sieht dass das Outing im November 2007 Früchte getragen hat.

    Ich bin imme noch sehr froh darüber dass zwei so eloquente Menschen den Mut hatten sich zu zeigen!

    Antworten
  43. 3. August 2009, 8:56 Uhr, von Susa
    043

    @ Mirianda

    Mir ist klar,dass alleine die Themenwahl die Bericherstatung färbt und nicht emhr neutral ist.
    Die Neutraliät die mir fehlt ist diese, es ohne großes in-Szene-setzten zu berichten.
    Wie gesagt,ich gucke die Tagesschau seit dem ich 3Jahre alt bin. (Natürlich durfte ich Ohren und Augen geschlossen halten,als über Kriege berichtet wurden sind bzw. ich durfte den Raum verlassen) Aber die Veränderung hin zu diesem ganzen Voyeurismus,in Form von Videoeinbelndungen, ist mir doch sehr ein Dorn im Auge. Muss das sein?!

    Die Debatte über Neutralität bewegt immer wieder die Menscheit und auch die Wissenschaft (Werturteilsstreit).
    http://bit.ly/gvgGT

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  44. 3. August 2009, 10:10 Uhr, von Walter
    044

    Es gibt keine menschliche Neutralität, also Menschliches ohne Menschliches. Darin sind sich die meisten Theoretiker und fast alle Praktiker einig. Jede Aussage beruht auf Annahmen, Theorien. Diese sind subjektiv, weil von Subjekten- menschlichen Individuen- getroffen. In Erweiterung wären auch nichtmenschliche Aussagen- von Maschinen- subjektiv, wenn auch beliebig oft wiederholbar.

    Auch Inszenierungen werden als subjektiv gewertet und- oft genug- durch Gegendarstellungen- Handyfilme oder Fotos- entlarvt.
    Mit der Säkularisierung und Globalisierung des Mediums hat sich unsere Wahrnehmung der Nachrichten ebenso wie unsere Phantasie zur Erfassung der Wirklichkeit hinter den Bildern geändert. Während früher Bilder die Meldungen unterlegten und legitimierten, dabei aber auch Deutung und Botschaft beförderten, sind die Bilder heute selbst Nachricht und Botschaft. Wahrheit wird schon erreicht, wenn zwei Bilddokumente aus unterschiedlicher Perspektive das gleiche Geschehen kohärent abbilden. Doch die Wahrheit hinter den Bildern ist Ideologie, in dem Maße, wie die Medien eingesetzt werden, um Botschaften -Unterschiede, die einen Unterschied machen- zu transportieren.
    (http://andersdenken20.de/2009/03/09/wer-totete-mohammed-al-dura/)

    Zwei Dinge verändern unser Bild der Nachrichten: Die Verschiebung der Deutungshoheit von wenigen zu vielen im globalen Netz und die technische Manipulierbarkeit der Bilder bis zur realen Virtualität. Dass das neue Nachrichtenstudio des ZDF sich der computergenerierten Technik so exzessiv bedient ist, eine schöne Metapher auf die Virtualisierung unserer Nachrichtenwelt.

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  45. 3. August 2009, 12:32 Uhr, von Dowanda
    045

    Das österreichische Pendant zur Tagesschau war die Zeit im Bild (bzw. ist es immer noch). Die wurde bei uns aber nicht regelmässig geguckt, weil der Fernseher ohnehin nur selten lief. Jedoch eine ähnlich sakrosankte Stellung hatten die 18 Uhr-Nachrichten im Radio. Da mussten dann alle am Tisch ganz still … (Ich glaube so habe ich gelernt, nicht zu schmatzen beim Essen *g*). Nun fällt mir eigentlich keine ähnliche Instanz mehr ein. Auch die, die mir meine Eltern damals mitgegeben hatten, blieb nicht. Wie informiere ich mich? Printmedien, Teletext, Internet.

    Allerdings gibt es andere Bereiche, wo ich immer noch so handle wie es mir damals gelernt wurde: Beim Einkaufen zum Beispiel. Meine Mutter kaufte unsere Lebensmittel immer (Achtung, das wird jetzt keine bezahlte Werbe-Einschaltung) bei SPAR oder wahlweise in der naheliegenden Schweiz in der MIGROS. Beide verbinde ich mit Vertrauen, mit Qualität und ganz ganz wenigen seltenen Erlebnissen wo das nicht der Fall war. Fakt ist, ich kaufe eher an einer Tankstelle ein lustloses Sandwich bevor ich mich bsp. zum LIDL oder zum COOP verirre. Denen traut Dowandas Reptilienhirn nicht …

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  46. 3. August 2009, 13:36 Uhr, von Walter
    046

    Vor 7 Jahren: Die Tagesschau wurde 50. (ndrtv.de/doku/20021226_tagesschau.html)
    Bevor es Funkuhren und das Internet gab, wurden viele Uhren nach der Tagesschau gestellt. Heute läuft Werbung unverschämt dicht – 19: 59: 57- bis an die 20 Uhr.
    Geld und Ware oder die Akzeptanz des Kapitals.
    Dabei wäre es nicht nötig und würde eine Schamgrenze von 5 bis 7 Sekunden der Sendung ein wenig ihrer alten Würde zurück geben.

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  47. 3. August 2009, 13:38 Uhr, von Mafalda
    047

    @ Dowanda

    Wie kann es denn Tankstellen trauen, Dein Reptilienhirn?

    @ Susa

    Stimme Dir zu, dass die Bilderflut manchmal eher voyeuristische denn Informationsbedürfnisse bedient. Ich muß niemandem beim Sterben zusehen und Kampfhandlungen, Unfallabläufe und -folgen muß ich auch nicht in der ersten Reihe angucken oder besser sehen wollen.

    @ Walter

    Meinst Du wirklich, die DEUTUNGShoheit hat sich verschoben? Das vorhergehende Posting deutet eher auf anderes hin. Sicher gibt es eine Quellendiversifizierung.

    Antworten
  48. 3. August 2009, 13:38 Uhr, von Walter
    048

    Umgangsformen sind Formen, die zunehmend umgangen werden.
    Oliver Hassencamp

    Antworten
  49. 3. August 2009, 13:51 Uhr, von Dowanda
    049

    @Mafalda
    Das ist ein guter Aspekt, ja. Ich denke auch, dass die Quellen diversifizierter sind. Aber die Fäden dahinter immer noch an den gleichen Händen enden … weitgehend jedenfalls.

    Und das Reptilienhirn hat selten zwangsweise mit Klugheit zu tun :-)

    Antworten
  50. 3. August 2009, 14:38 Uhr, von Mafalda
    050

    @ Dowanda

    welches Hirn hat das schon?? ;-)

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