Was ist ein fairer Preis? Darüber streiten Wissenschaftlern mit Praktikern, Produzenten mit Konsumenten, Verkäufer mit Käufern. Üblicherweise ergibt sich der Preis aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage in einem Markt. Deshalb betreten wir ein Geschäft und finden einen Preis auf der Milch, den Socken oder dem neuesten Laptop. Es wäre auch sehr mühsam, bei jedem Kauf alles neu verhandeln zu müssen.
Im Tiroler Dorf Längenfeld haben Touristen nun eine andere Erfahrung machen können. Die Tourismusanbieter des österreichischen Feriendorfs hatten sich Anfangs Juli darauf verständigt, ihre Leistungen für einige Tage zur freien Aushandlung feil zu bieten. „Zahl, was du willst” lautete das Motto. Dem sind viele Besucher beherzt gefolgt und haben einen selbst bestimmten Preis für die Hotelübernachtung, das Abendessen im Restaurant, den Besuch in der Luxustherme oder das Ponyreiten bezahlt.
Kann das gehen? Es kann! Längenfeld hat gute Erfahrungen mit diesem Experiment gemacht, ebenso wie vereinzelte mutige Anbieter (Friseure, Restaurants und mobile Massageservices) in anderen Städten. Für das Essen haben die Besucher in Längenfeld sogar höhere Preise gezahlt als sonst veranschlagt. Die Hotelübernachtungen erbrachten zwischen 70 und 100 Prozent der regulären Preise.
Den Betrachter nimmt Wunder, wie das möglich sein soll, hören und lesen wir doch überall von der zunehmenden Schnäppchenjägermentalität der Kunden, die in dem Werbeclaim „Geiz ist geil!” einst seine deutlichste Ausprägung fand.
Geiz ungeil. Fairness ist geil. Das lehrt uns nicht nur das Beispiel Längenfeld, sondern auch die Spieltheorie. Ohne die menschliche Grundveranlagung zur Fairness würde das „Ultimatum-Spiel” zum Beispiel nie funktionieren. Ein Spielleiter gibt 1.000 Euro an den ersten von zwei Spielern. Der entscheidet, wie er das Geld zwischen sich und dem zweiten Spieler aufteilt. Fühlt der zweite sich unfair behandelt, kann er verhindern, dass das Geld überhaupt ausgezahlt wird. In der Regel tendiert der erste Spieler zu einer relativ fairen Aufteilung des Geldes (nicht zuletzt um die Gefahr klein zu halten, er könne durch die Bestrafungsentscheidung des zweiten am Ende gar nichts bekommen). Umgekehrt bestraft der zweite Spieler bei allzu unfairer Aufteilung des Geldes sein Counterpart. Er lässt sich die Fairness damit auch selbst etwas kosten.
Aus diesen Experimenten der Spieltheorie hätten wir schon vorhersagen können, dass „zahl, was du willst” funktionieren kann. Mit einer Ausnahme. Und das ist das Internet. Wer versucht, im Netzverkauf an die menschliche Fairness des Käufers – also an seine freiwillige Zahlungsbereitschaft – zu appellieren, wird bitter enttäuscht. Der anonyme Handel entlässt den Käufer offenbar von der Verpflichtung der zwischenmenschlichen Verantwortung. Anders formuliert: Wen ich nicht kenn, den zahl ich auch nicht.
Es ist eben sogar unter der Regel „zahle, was du willst” schwierig, in einem Restaurant, in dem man soeben gut gegessen hat, aufzustehen und wenig oder gar kein Geld zu geben. Gleiches gilt bei der Hotelübernachtung, beim Ponyreiten, beim Haareschneiden oder der Massage. Es ist unangenehm, dem anderen in die Augen zu blicken und ihm durch Nichtzahlen zu sagen: „Deine Leistung ist mir nichts wert”. Noch unangenehmer wird es, sich gar für das wenige gegebene Geld rechtfertigen zu müssen.
Es ist also nicht nur das Gebot der Fairness, das hier wirkt. Es ist auch die individuelle Befriedigung respektive die Vermeidung von Scham, die einen Beitrag zur Preisgerechtheit leistet. Das aber gelingt nur, wenn Menschen in Kontakt treten, wenn sie sich in die Augen schauen und miteinander reden müssen. Das ist der Preis der Kommunikation.







Großzügigkeiten in den Samstagszeitungen:
- Bundesrechnungshof entlastet Frau Schmidt. Entweder sind die dann doch großzügig oder Frau Schmidt war großzügig bei der Deklaration ihrer privaten Fahrten
- Wirtschaftsministerium vergibt Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes “Gesetz zur Ergänzung des Kreditwesengesetzes”, zu dem er vom Bundeskabinett in Kooperation mit dem Justizministerium (Federführung) beauftragt war, an die britische Großkanzlei Linklaters. Da die Kommunikation des Wirtschaftsministeriums mit dem Justizministerium nicht fruchtbar war, wurde nun großzügig ein Bock zum Gärtner gemacht. Früher makelte die Rechtsfirma Fusionen. Heut beschäftigt sie sich mit den Folgen dieser Deals. Sicher nicht ehrenamtlich oder in Form von Sozialstunden…
Die “Süddeutsche” ist in ihrer Berichterstattung großzügiger bei der Kommentierung der Tatsache der externen Auftagserteilung (S.1 “Guttenbergs Großkanzlei”; die FAZ großzügiger bei den inhaltlichen Differenzen (S.12 “Rettung insolventer Banken wird Wahlkampfthema”)
“Harvard schwört der Gier ab” (FAZ 8./9.08.2009 S.C6):
http://mbaoath.org/take the oath/
Zartes Pflänzchen für Paradigmenwechsel?
@Miranda: Du findest es an der Krummen Lanke schön? Meinst du jetzt die Wohngegend?
Bei “Geiz ist geil” stört die Asymmetrie der menschlichen Beziehungen und zwar gewaltig. Was ich mir selbst gönne muss ich anderen durch Geiz vorenthalten.
Geiz, avaritia, ist eine der sieben Todsünden. Nach der Auslegung Johannes Pauls II. Zeichen der Zerrissenheit der Welt und der Abwendung des Menschen von der Schöpfung bis zum Bruch mit Gott:
“Mit der ganzen Tradition der Kirche nennen wir denjenigen Akt eine Todsünde, durch den ein Mensch bewußt und frei Gott und sein Gesetz sowie den Bund der Liebe, den dieser ihm anbietet, zurückweist, indem er es vorzieht, sich selbst zuzuwenden oder irgendeiner geschaffenen und endlichen Wirklichkeit, irgendeiner Sache, die im Widerspruch zum göttlichen Willen steht (conversio ad creaturam – Hinwendung zum Geschaffenen). Dies kann auf direkte und formale Weise geschehen, wie bei den Sünden der Götzenverehrung, des Abfalles von Gott und der Gottlosigkeit, oder auf gleichwertige Weise, wie in jedem Ungehorsam gegenüber den Geboten Gottes bei schwerwiegender Materie. Der Mensch spürt, daß dieser Ungehorsam Gott gegenüber die Verbindung mit seinem Lebensprinzip abschneidet: Es ist eine Todsünde, das heißt ein Akt, der Gott schwer beleidigt und sich schließlich gegen den Menschen selbst richtet mit einer dunklen und mächtigen Gewalt der Zerstörung.”
(aus Reconciliatio et paenitentia)
Blasphemisch kommt der Spruch in der Werbung schon daher und Anspielungen an die kirchliche Verkündigung sind kein Zufall. Es ging danach weiter mit “Wir lieben Technik. Wir hassen teuer.”(tinyurl.com/lac6ln)
Der Texter blieb derselbe…
@Cate
ich finde den See schön, auch den Schlachtensee, habe des öfteren schon mitleidige Blicke von sogenannten “trendigen Mitte Bewohner” bekommen, wenn ich von Zehlendorf erzählt habe…mag den Kontrast total gerne so beschaulich Berlin sein kann und dann steigt man in die S1 und erlebt 30 Min ein so ganz anderes Berlin…
Hatte was Berlin betrifft noch nie Grenzen im Kopf, hab am Prenzel Berg nach der Wende schöne Zeiten gehabt, dann in Schöneberg, und nun mag ich gerade Zehlendorf…aber liegt auch daran dass ich es schön finde in Laufweite Seen zu haben wo man schwimmen kann…ist in Francoforte schon schwieriger…
@ Walter
Gute Güte, ist blasphemisch nicht ein paar Oktaven zu hoch auf der Hysterienskala? Erinnert an die grad aktuelle Sommerloch-Diskussion zum “Schalke-Vereinslied 3.Strophe”, in der Muslime eine Blasphemie gegen Mohammed sehen…
Wir sind nicht die Inquisition, Mafalda.
Ich verteidige auch nicht das Apostolische Schreiben des vorigen Papstes.
Interessant finde ich allerdings die Position und Verkündigung dieser Werbebotschaft, die deutlich mehr ist als das. Sie drückt eigentlich eine Lebenshaltung und Weltanschauung aus und geht damit weit über das Schalke- Lied hinaus.
Warum fühlten sich so viele von “Geiz ist geil” herausgefordert und sogar verletzt?
Gerechtigkeit als Fairness setzt eine Symmetrie der Beziehungen voraus. Eine solche Symmetrie als Grundlage von Gerechtigkeit ist mit “Geiz ist geil” nur dann realisierbar, wenn ich die gleichen Regeln- des Geizes- auch auf mich anwende. Dann scheide ich als Konsument aus, weil ich mir auch nichts mehr gönne.
Der Spruch enthält auf subversive Weise eine ambivalente Botschaft: double bind (tinyurl.com/naknsl): Solidarisiere dich durch Entsolidarisierung und sei nicht zimperlich in der Wahl deiner Mittel.
Zum Verstehen: wer ist “Wir”, von denen Du im ersten Satz sprichst. (Nehme mal nicht den Pluralis majestatis an. Bin ein wenig verwirrt. 1. Satz “Wir”, 2. Satz “Ich” zu Beginn)
@Miranda: Tja, in Hamburg kannste alles perfekt vereinen: “Trendig” wohnen und dann um die Alster rennen oder mit dem Segelboot überqueren, an den wirklich schönen (weil alten) Villen vorbei, bei Planten und Blomen abhängen, in 10 Minuten mit dem Rad am Hafen, durch den alten Elbtunnel, an der Mole beim Bierchen die Hamburg “Skyline” anhimmeln – und später ab ins Molotov und die Nacht durchrocken. :o) Ich schreibe das hier alles, weil ich wohlmöglich masochistisch veranlagt bin, denn ich ziehe im Herbst studienbedingt leider nach Bremen. :o/
@ walter
Nein.So nicht.
Mafalda: Wir hier sind nicht die Inquisition. Obwohl wir gemeinsam dieses Thema moralisch angehen, sind wir nicht auf eine Sichtweise festgelegt, sodass sich unsere Urteile gegenseitig theoretisch auch neutralisieren oder zumindest relativieren könn(t)en.
Dies wäre aus religiös dogmatischer Sicht nicht möglich- eine Gemeinsamkeit von Saturn und Schalke.
Aus dem gleichen Grund, dem der moralischen Beurteilung, spreche ich dann vom “ich”- von meinem Standpunkt aus.
Da ich bis jetzt fast durchgehend zu tun hatte, kann ich leider nur mit Verspätung antworten. Dafür bitte ich um Entschuldigung.
Geiz ist ungeil
Ja, stimmt. Der WERT der Produkte und Dienstleistungen wird nicht immer richtig eingeschätzt. Gesellschaftlich wird dieses leider gefördert durch 1 Euro Jobs und legalen Dumpinglöhnen. So kann der Wert einer Arbeit und letztlich auch der des Menschen nicht mehr als wertvoll anerkannt werden.
Deshalb denke ich, hat Preisgerechtigkeit oder Wertschätzung in erster Linie nicht unbedingt etwas mit persönlichem Kontakt im Vergleich zum anonymen Internet zu tun. Natürlich ist die Hemmschwelle in der realen Welt höher, allerdings halte ich das Langenfeldsche Touristenbeispiel für eine Ausnahme. Hier kommt noch ein unschätzbarer Wohlfühlfaktor hinzu, den Urlaub mit netten Menschen verbracht zu haben und durch die gerechte oder großzügige Bezahlung die Reise aufzuwerten.
Wir haben dieses Wochenende Freunde in das beste Restaurant unserer Stadt eingeladen. Bei weitem nicht das teuerste, aber das mit dem großartigsten Essen, tollster Atmosphäre und aufmerksamsten Service. Schlussendlich hätte ich sicherlich für diesen gelungenen Abend auch das doppelte bezahlt. Das hat nichts mit Großkotzigkeit zu tun, sondern damit, dass eine schöne Zeit mit Freunden eigentlich unbezahlbar ist.
Geiz ist für mich auch eine Reaktion auf Überdruss. Ich lade mir im Netz das abertausendste Musikstück runter, vielleicht höre ich es danach nie wieder, warum sollte ich dafür zahlen? Ich lese im Internet Nachrichten, die ich überall lesen kann, warum dafür zahlen? Gestern habe ich überall die gleichen Nachrichten zum Thema „Hansa Stavanger“ gehört und gelesen. Wenn der zugeschaltete Korrespondent vom anderen Ende der Welt in der Tagesschau berichtet, dass man auf dem Gesicht der Besatzung schon ein kleines Lächeln erkennen konnte, dann weiß ich, dass dies mir der Moderator in meinem Lokalradio mit gleichem Wortlaut schon vor 12 Stunden erzählt hat. Was wäre mir diese Information also wert? Nix!
Mit Sicherheit spielt das Schamgefühl bei der freiwilligen Bezahlung eine große Rolle, genauso aber auch die persönliche Einschätzung der vollbrachten Leistung. Und das würde meiner Meinung nach auch im Internet funktionieren.
@ Walter
Guten Morgen. Sorry für meine Ungeduld gestern. Jetzt versteh ich das besser, danke.
@ Anja
Ja, teile Deine Meinung, daß letztendlich im virtuellen wie im “richtigen” Leben die persönliche Leistungsbewertung i.d.R. greift und letztinstanzlich für “Honorarentscheidungen”/Wertschätzungsbekundung, seien sie materiell oder immateriell. Der Mehrwert, der nicht besteuert werden kann, bei Deinem Beispiel des Essens mit Freunden, ist ja auch Deine ganz persönliche Befriedigung, Dein Hochgefühl (oder auch das Gegenteil; kommt ja auch vor).
@Miranda, cara, wunderschön, kenne das tyrrhenische Meer, tut gut in dieser Jahreszeit, Toscana ist viel zu heiss, stimme Dir zu. Ja, der Sommer im Ticino war sehr schön, auch wenn das Wetter “launisch” war, heftige Gewitter mit viel, viel Regen, dann wieder über 30 Grad, aber Wetter “hat man”. Ja, Du liest hier nichts von mir, weil ich der “Deutungshoheit” und Hochsprache, sowie Flut von Betrachtungen der Oberfläche aus z.B. Austria, oder von Soz.-Arbeiterinnen, oder der Frage der Identität im Blog nicht gewachsen bin, wendete mich meinem Doktorat zu, spielte neue Songs ein, z.B. von Coldplay, fotografierte viel, Vollmond mit Jupiter, schrieb viele Briefe, wanderte in den Tälern und auf den Höhen Mt. Cristallo,usw. Du siehst, ich pflegte und pflege “das Glück der Unerreichbarkeit” und werde es fortsetzen, weil es den Blick öffnet, welchen Stellenwert das Thema “M.J.”, 20 days later, eigentlich hat.Dir “the best of all” und wenn es wieder mal ein upgrading gibt, bin ich u.U. durchaus dabei. Tanti cari saluti.
Frage mich gerade, wie so ein “Zahle, was Du willst” Tag bei Saturn, Media Markt oder Aldi aussehen würde.
“Aus diesen Experimenten der Spieltheorie hätten wir schon vorhersagen können, dass „zahl, was du willstâ€? funktionieren kann. Mit einer Ausnahme. Und das ist das Internet” (M.M.)
Bin mir sicher, dass das Internet dann nicht mehr die einzige Ausnahme wäre;-)
@Urs
wenn du mir mal schreiben magst ohne Blog gerne unter ellen.morgan@gmx.de
Tanti Salute, fahre jetzt ganz schnell zu meinem Kleinod, ein Naturweiher mit Bootssteg, in Francoforte wirklich eine Seltenheit!
O.T. weil ich leider keine Kommentar mehr gelesen habe:
Sonntag morgen (oder kürz nach), es gibt viele News die uns erstaunen können, aber das ist was mir „basita“ gelassen hat:
http://tinyurl.com/m6urbt
diese News ist nicht zum vergleichen mit dem von die Saudin Prinzessin, wo in Sardinien von 11 Mio Euro wert schmückt geraubt worden ist (http://tinyurl.com/lt7boy)
@All: Buona domenica
O.T. weil ich leider keine Kommentar mehr gelesen habe:
Sonntag morgen (oder kürz nach), es gibt viele News die uns erstaunen können, aber das ist was mir „basita“ gelassen hat:
(tinyurl.com/m6urbt)
diese News ist nicht zum vergleichen mit dem von die Saudin Prinzessin, wo in Sardinien von 11 Mio Euro wert schmückt geraubt worden ist (http://tinyurl.com/lt7boy)
@All: Buona domenica
Hallo @Martina, habe Sergio in Paderborn mal wieder besucht. War seeehr gemütlich!:-))
Auch einen schönen Sonntag für Dich!
Jede Zeit ist eine Sphynx, die sich in den Abgrund stürzt, sobald man ihr Rätsel gelöst hat.
Heinrich Heine
Was kommt wohl danach?
Das Internet ist ein Ort des Geizes ebenso wie der Großzügigkeit.
Urheberrecht und Auskommen beschäftigen auch die Politik- in Wahlkampfzeiten. Wie sieht jemand “Geiz ist geil”, wenn sie oder er von der Arbeit leben will- und muss?
@ Walter
:-)) Zitat
Danach kommt, was kommt. “Die Karawane zieht weiter…” Sicher ist, das alles mit allem zusammenhängt – aber auch das Netz kann das nicht darstellen; ist im Grunde eher hilfloser Spiegel. Ein Versuch.
Grazie @Ramona, gemütlich ist eine sehr bedeutende Wort, freue mich für dich. Falls du am Samstag in Bi bist, kling bei mir ;-), da wird dem CSD gefeiert.
Die Rätsel sind noch nicht gelöst.
Was ist Fortschritt und was lernen Menschen daraus?
Habgier und Geiz hören nicht auf, die Gier nach Profiten geht weiter. Schamgrenzen fallen in der Anonymität, bei den Banken wie im Netz.
Die Variabilität menschlichen Verhaltens ist erheblich, wir können miteinander ebenso fair wie unfair umgehen.
Entsteht durch Anonymität die Asymmetrie der Beziehung, die ihrerseits wieder der menschlichen Suche nach Fairness und Gerechtigkeit das Gegenüber entzieht?
„Entsteht durch Anonymität die Asymmetrie der Beziehung, die ihrerseits wieder der menschlichen Suche nach Fairness und Gerechtigkeit das Gegenüber entzieht?“
Hieran dürftest `Du´ wohl genug herumgetüftelt haben.
@ Walter
Das sind Chimären. EIGENTLICH und UNEIGENTLICH ist das für alle Beteiligten klar. Bitter as it may be.
Habgier, Geiz, Gier jagen – Trugbilder, FORTSCHRITT sieht anders aus.
Anonymität im Netz – pruuust – Trugbild. Jede/r hinterlässt Spur/en. Und es gibt genug Leute, die halt auch danach jagen.Wg. s.o. oder schlicht Neugierde.
Be – ziehungen; na, better depend on real life. Jedenfalls ist DAS die Basis. Kein I-Net; das lediglich Hilfsmittel.
Wer von uns würde für etwas bezahlen, was es auch umsonst gibt?
Ist es nicht fair für Informationen auch im Netz zu zahlen? Wenn wir gute Arbeit verlangen, so sollte die uns auch ihr Geld wert sein.
Rupert Murdoch will sich Nachrichten im Netz künftig bezahlen lassen. (http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/686299)
Die Bezahlmodelle wären andere als bei Print: Das Netz liefert ein weites Spektrum verschiedener Anbieter. Auch Newscorp deckt nur einen kleinen Teil davon ab. So erscheinen Zusammenschlüsse eigentlich konkurrierender Marken sinnvoll, um den Konsumenten eine breitere Auswahl anbieten zu können.
Nach der Spieltheorie wäre ein kooperierendes Verhalten konkurrierender Unternehmen wahrscheinlich erfolgreicher als ein Wettbewerb um Kunden. Außerdem ließe sich so das “Klima” einfacher ändern.
Die Angebote sollten bezahlbar sein und mindestens ebenso attraktiv.
Chimären? Wirklich?
@ Walter, ich finde es nicht schlecht, für Qualitätsjournalismus, für einen gut recherchierten Beitrag zu zahlen. Aber über zwei Euro (wie bei einigen Zeitungen)? Da kann ich pro Tag nicht allzu viel lesen. Und woher weiß ich, daß dieser Artikel gut recherchiert ist, daß er nicht nur aus Blablabla besteht, wenn ich lediglich die Überschrift lesen kann? Da kann ich auch gleich die Katze im Sack kaufen. (Von denen laufen schon zwei bei mir herum J )
Für guten Journalismus soll man zahlen, aber nicht für jeden Artikel extra, wie z.B. in der Thüringer Allgemeinen.
„Newspapers have had 15 years since the launch of the internet browser to reimagine and rebuild themselves for the reality of the post-Gutenberg age. But they didn’t. Now they are trying to reclaim old business models for a new media economy — a link economy, I call it, in which links give content value. Cut yourself off from links, behind pay walls, and you cut yourself off from the internet and its real value.â€?
Jeff Jarvis, Guardian
Ich habe in den letzten Wochen das Real Life dem Netz und auch dem Blog vorgezogen.
Der Urlaub und das Sommerloch haben mir diese Entscheidung leicht gemacht.
Jetzt wünsche mir von @MM wieder ein interessantes neues Posting. Und uns allen wieder interessante Diskussionen.
Jetzt wünsche ‘ich’ mir von @MM…….
Ihr merkt, ich habe mich nicht verändert:-)))))
@Ramona
Und ich dachte mir, Du seiest weniger “ich”-bezogen geworden in der Zwischenzeit *zwinker*
http://www.welt.de/politik/Krise/article4294399/Eine-unkritische-Gesellschaft-ermoeglichte-die-Krise.html
Lesenswerter Artikel zur Krise und die Rolle der Kommunikationsgesellschaft in diesem Kontext
Es wäre dumm, sich über die Welt zu ärgern. Sie kümmert sich nicht darum.
Marcus Aurelius
Im Land der Blinden wäre der Einäugige König, was für Krisenwarnungen nicht zutrifft.
Wenn eine globale Ökonomie auf Wachstum konditioniert ist, sind Warner und Mahner besonders und vor allem Störenfriede.
Die aktuelle Krise, die auch in Mitteleuropa sehr unterschiedlich erlebt und erlitten wird, bedeutet für sich noch keinen Systemwechsel. Solange Wachstum von Besitz und Wohlstand noch Ziel des gemeinsamen Strebens ist, solange wird es weitere Krisen geben, häufiger und länger, da die globalen Ressourcen für die Produktionsprozesse abnehmen und teilweise zur Neige gehen.
Das Signal zu einem “Kehr um!” wird individuell erfahren und nur von einer Minderheit realisiert.
Die Art wie wir uns als Elemente der Gesellschaft selbst wahrnehmen und gegenseitig behandeln ist nur ein Symptom der vorherrschenden und allgemein akzeptierten Wachstumsideologie. Geiz und Gier sind eben eng verbunden mit dem streben nach immer mehr.
Mit weniger zufrieden zu sein, wäre eine echte Aufgabe, ein Leben gegen den Zeitgeist.
Die Stimmung ändert sich, ob sich auch unsere Maximen ändern werden ist offen.
Ich finde, gute Arbeit sollte auch im Netz bezahlt werden, Lizzy. Über die Modelle- Abonnements oder pro Stück- lässt sich diskutieren. Ich bin derzeit für einen abgestuften Pauschalpreis, wie ihn zum Beispiel die Telekom für ihr Internetfernsehen verlangt. Dabei sollten sich die Anbieter über die Verteilungsmodalitäten einigen- etwa nach Zahl der Seitenbesuche oder Downloads.
Einige Zeitungen werden beim Print bleiben, wegen ihrer Kunden oder aus Prestige, andere gehen ganz ins Netz, über eBooks oder Mini- PCs.
20 bis 50 € pro Monat halte ich für realistisch, je nach Interesse und Umfang.
PS:
Politiker und Banker sind nur die Spitzen des Eisbergs, darunter (unter Wasser) liegen wir fast alle, unsere ganze gewinnorientierte kapitalistische Gesellschaft.
Wenn wir nach Änderungen rufen, sollten wir zuerst überlegen, ob wir uns überhaupt selbst ändern wollen.
“Das Signal zu einem “Kehr um!â€? wird individuell erfahren und nur von einer Minderheit realisiert”.
Dazu fällt mir die Kassandra- Geschichte aus der Griechischen Mythologie ein. Deren Prophezeiungen wahr waren, aber die dazu verdammt war das ihr niemand geglaubt hat.
@Walter
Ich denke, dass die Zeit gekommen ist für einen konstruktiven und kritischen Konservatismus. Im Sinne von: Macht eine Neuerung/eine Veränderung auch Sinn? Von wem kommt sie? Wer profitiert davon?
Meine Sorge ist daher, dass die mit den einfachen Antworten auf Fragen bei denen gewinnen, die theoretisch am wenigsten dafür anfällig sein sollten. Vergleiche mit dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus sind statthaft; hier waren die Intellektuellen und die Bessergestellten eine der ersten, die auf den Zug aufsprangen. Auch Thomas Mann beispielsweise war eingangs vom neuen starken Mann aus Braunau am Inn fasziniert.
Auch im Netz:
jede/r (auch Organisationen) konstruiert sich die eigene Wirklichkeit nach Gusto und entsprechend sind die Wahrnehmungsfilter mehr oder weniger bewußt gesetzt.
Hmmm. “Einfache” Antworten…
Und “die” mit den einfachen Antworten…
Die Versuchung ist groß, egoistisches Verhalten als abweichendes Verhalten zu brandmarken und “die Schuld” an der Krise einigen als gewissenlos charakterisierten Bankern und Spekulanten in die Schuhe zu schieben. Dabei ist deren Verhalten ansonsten vielfach geachtet, gilt als vorbildlich und nachahmenswert.
Historische Vergleiche sind gewagt, Dowanda. Der “starke Mann aus Braunau” traf mit seinen Erklärungen auch den Zeitgeist, er kannte die Hoffnungen und Ängste seiner Mitmenschen und benutzte sie für seine Zwecke.
Wie dieses Beispiel zeigt ist der Zeitgeist als moralische Instanz nicht verwendbar.
Bleibt (unser) individuelles Gewissen in Verbindung mit dem sozialen Bewusstsein.
Liegt da das Problem?
Geiz ist ungeil, da stimme ich voll und ganz zu.
Walter vom 11.Aug. um 10:32Uhr
Wir werden uns alle ändern müssen oder wir sind dem Untergang geweit.
Zitat:
“Reichtum und Geld sind ebenso Gewalt wie die direkte”
(Leo Tolstoi)
Schönen Abend wünsche ich euch allen.
Warum profitiert die Linke nicht von der Krise!
Sehr lesenswert:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=4121
Wünsche noch einen schönen Abend allerseits.
@ US
Danke für den Link!! Sehr interessante Blickwinkel.
Dir auch schönen Abend.
Auch die Süddeutsche Zeitung widmet sich heute in einem Artikel unserem Thema:
http://www.sueddeutsche.de/leben/229/483672/text/