MM_Musil
Zu den Kommentaren
4. August 2009, 7:28 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Geiz ist ungeil

Was ist ein fairer Preis? Darüber streiten Wissenschaftlern mit Praktikern, Produzenten mit Konsumenten, Verkäufer mit Käufern. Üblicherweise ergibt sich der Preis aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage in einem Markt. Deshalb betreten wir ein Geschäft und finden einen Preis auf der Milch, den Socken oder dem neuesten Laptop. Es wäre auch sehr mühsam, bei jedem Kauf alles neu verhandeln zu müssen.

Im Tiroler Dorf Längenfeld haben Touristen nun eine andere Erfahrung machen können. Die Tourismusanbieter des österreichischen Feriendorfs hatten sich Anfangs Juli darauf verständigt, ihre Leistungen für einige Tage zur freien Aushandlung feil zu bieten. „Zahl, was du willst” lautete das Motto. Dem sind viele Besucher beherzt gefolgt und haben einen selbst bestimmten Preis für die Hotelübernachtung, das Abendessen im Restaurant, den Besuch in der Luxustherme oder das Ponyreiten bezahlt.

Kann das gehen? Es kann! Längenfeld hat gute Erfahrungen mit diesem Experiment gemacht, ebenso wie vereinzelte mutige Anbieter (Friseure, Restaurants und mobile Massageservices) in anderen Städten. Für das Essen haben die Besucher in Längenfeld sogar höhere Preise gezahlt als sonst veranschlagt. Die Hotelübernachtungen erbrachten zwischen 70 und 100 Prozent der regulären Preise.

Den Betrachter nimmt Wunder, wie das möglich sein soll, hören und lesen wir doch überall von der zunehmenden Schnäppchenjägermentalität der Kunden, die in dem Werbeclaim „Geiz ist geil!” einst seine deutlichste Ausprägung fand.

Geiz ungeil. Fairness ist geil. Das lehrt uns nicht nur das Beispiel Längenfeld, sondern auch die Spieltheorie. Ohne die menschliche Grundveranlagung zur Fairness würde das „Ultimatum-Spiel” zum Beispiel nie funktionieren. Ein Spielleiter gibt 1.000 Euro an den ersten von zwei Spielern. Der entscheidet, wie er das Geld zwischen sich und dem zweiten Spieler aufteilt. Fühlt der zweite sich unfair behandelt, kann er verhindern, dass das Geld überhaupt ausgezahlt wird. In der Regel tendiert der erste Spieler zu einer relativ fairen Aufteilung des Geldes (nicht zuletzt um die Gefahr klein zu halten, er könne durch die Bestrafungsentscheidung des zweiten am Ende gar nichts bekommen). Umgekehrt bestraft der zweite Spieler bei allzu unfairer Aufteilung des Geldes sein Counterpart. Er lässt sich die Fairness damit auch selbst etwas kosten.

Aus diesen Experimenten der Spieltheorie hätten wir schon vorhersagen können, dass „zahl, was du willst” funktionieren kann. Mit einer Ausnahme. Und das ist das Internet. Wer versucht, im Netzverkauf an die menschliche Fairness des Käufers – also an seine freiwillige Zahlungsbereitschaft – zu appellieren, wird bitter enttäuscht. Der anonyme Handel entlässt den Käufer offenbar von der Verpflichtung der zwischenmenschlichen Verantwortung. Anders formuliert: Wen ich nicht kenn, den zahl ich auch nicht.

Es ist eben sogar unter der Regel „zahle, was du willst” schwierig, in einem Restaurant, in dem man soeben gut gegessen hat, aufzustehen und wenig oder gar kein Geld zu geben. Gleiches gilt bei der Hotelübernachtung, beim Ponyreiten, beim Haareschneiden oder der Massage. Es ist unangenehm, dem anderen in die Augen zu blicken und ihm durch Nichtzahlen zu sagen: „Deine Leistung ist mir nichts wert”. Noch unangenehmer wird es, sich gar für das wenige gegebene Geld rechtfertigen zu müssen.

Es ist also nicht nur das Gebot der Fairness, das hier wirkt. Es ist auch die individuelle Befriedigung respektive die Vermeidung von Scham, die einen Beitrag zur Preisgerechtheit leistet. Das aber gelingt nur, wenn Menschen in Kontakt treten, wenn sie sich in die Augen schauen und miteinander reden müssen. Das ist der Preis der Kommunikation.

143 Reaktionen

  1. 6. August 2009, 9:11 Uhr, von Susa
    051

    “Geiz ist ungeil”
    Das Statement an sich unterstütze ich absolut in Bezug auf einige Themen. Bsp. soziale Arbeit (Gehalt von Erzieher)
    Aber bei einigen Preisen frage ich mich, wie diese Preise überhaupt zustande kommen?!
    Die kann auch nicht das gängige Prinzip des Angebots und der Nachfrage regulieren.

    Ok, der Vergleich, denn ich gleich nennen werde, wird zwar gewaltig hinken, weil es etwas vergleichbares nicht gibt, zu mindestens ist er mir im europäischen Umland noch nicht widerfahren.
    In Amerika konnte ich vor nicht all zu langer Zeit, es war keine offizielle Sale-Saison, was wirklich “insane” ist in Bezug auf die Preise, Puma-T-Shirts und Co. für 2$ das Stück kaufen. Vorher haben die guten Dinger mind. 20$ gekostet!
    Nein, es waren keine aus der letzten Saison oder eine Lagerräumaktion!
    Was soll mir das Mitteilen?!
    War die Ware auf einmal weniger wert, trotz der erbrachten Leistung, die dahinter steckte? Wenn ja,wieso?

    Dass gute Qualität seinen Preis hat, sollte heutzutage jedem bewusst sein. Aber bei manchen Sachen bleiben bei mir einfach nur Fragezeichen zurück?!

    Antworten
  2. 6. August 2009, 10:01 Uhr, von Dowanda
    052

    @Susa
    Gute Frage, ja. Das bestätigt die Theorie von mehreren 100% Aufschlag, die dann in Marketing- und Bonischlachten fliessen. In die Gehälter des Gros der Belegschaft sicher nicht.

    Bei uns in Ösiland gibts eine Textildiskontkette, die bietet Shirts und Hemden zum Preis von 2 bis 3 EURO an. Da frag ich mich auch, was das soll. Zugegeben Du ich mir als gut verdienender Single leicht um diesen Laden einen Bogen zu machen. Aber wenn man Kinder hat, die alle zwei Monate aus allem raus wachsen und jeden Cent zweimal umdrehen muss, dann ists mit der Ethik nachvollziehbarerweise Essig.

    Antworten
  3. 6. August 2009, 10:14 Uhr, von Dowanda
    053

    *schüttelgraus*
    Gegen den Exhibitionismus von Putin ist Berlusconi ja grad noch ein schwaches Lichtl.
    Muss die ganze Welt seine Möpse sehen?!?
    So ein grässlicher Papagallo.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/putin_macht_auf_dschingis_khan_1.3282203.html

    Antworten
  4. 6. August 2009, 10:32 Uhr, von Mafalda
    054

    @ Dowanda
    wie peeeinlich! Nää, Ästhetik geht anders…

    @ Susa
    die Masse macht´s wohl bei Textilienpreisen. Und die Maschinen. Lebe in einem Städtchen, das einst von Textilindustrie belebt war. Rudimente sind auch noch übrig geblieben. Eine meiner Nachbarinnen arbeitet bei einer der übriggebliebenen Firmen. Sie berichte mal, daß sie früher 2-3 Maschinen “beaufsichtigte”. Nach und nach wurde die Schlagzahl erhöht und Personal eingespart. Heute ist sie für 7-9 Maschinen verantwortlich. Die Maschinen wurden weiterentwickelt, die Nachbarin fachlich dto.. Allerdings: ihr Lohn entwickelte sich in der Relation umgekehrt proportional…

    Diese Unart, Mitarbeiter/innen lediglich als Kostenfaktor, den es zu redzuzieren gilt, zu betrachten wird m.E. irgendwann bitter aufstoßen.

    Und der Schaffung von 4 Mio. neuer Arbeitsplätze werden Millionenverluste derzeit noch bestehender Arbeitsplätze gegenüberstehen.

    Antworten
  5. 6. August 2009, 10:34 Uhr, von Mafalda
    055

    ups, da hatte ich ein “z” zuviel beim “reduzieren”…

    Antworten
  6. 6. August 2009, 10:44 Uhr, von Dowanda
    056

    @Mafalda
    Ahja, die 4 Mio. Arbeitsplätze von Frank-Walter Steinmeier.
    Wie die sz weiss, verfolgt ihn dieses Thema bis in den Biergarten:
    “… Der Kandidat umgibt sich in München mit Freunden und bayerischen Spezialitäten – und schweigt.”
    Ich hab das untrüglich Gefühl, dass er nach den Wahlen noch mehr Zeit haben wird um mit niemandem zu reden.

    Bei uns in der Gegend gings mit der Textilindustrie ähnlich. Die letzten beiden grossen Pleiten (d.h. bei unserer KMU-Struktur bis zu 200 Mitarbeiter cirka) vor der Krise betrafen jeweils Textilunternehmen.
    Überleben tun maximal Familienunternehmen, die unter den von Dir geschilderten Umständen ein paar Maschinen betreiben die dann Tag und Nacht in Schichten beaufsichtigt werden. Die grossen Produktionen wurden allesamt nach Nigeria oder China ausgelagert.

    Antworten
  7. 6. August 2009, 11:56 Uhr, von Mafalda
    057

    @ Dowanda

    ja, die Umfrageergebnisse zeigen, daß die Befragten ziemlich geizig mit der Unterstützung von Steinmeier und Co. sind.

    Aber das ist nicht der Grund, weswegen ich Dein “untrügliches Gefühl” teile. Es ist schlicht und ergreifend die doch recht traurige “Performance” der Führungsriege der alten Dame SPD. Es rächt sich mittlerweile, daß, wer in der Partei was werden will, die Kaderschulungen durchlaufen muß – und wehe den Renegaten vom Schlage Clement. Selbst eine Frau Nahles, die qua Naturell eigentlich prädestiniert wäre, der Partei Profil zu verleihen, lässt sich disziplinieren. Herr Müntefering – ein Schatten seiner selbst. Herr Steinbrück – darf wohl auch nicht wie er will Cowboy und Indianer spielen. Dabei könnte er als Finanzminister ein gewaltiges Pfund in die Wahlwaagschale werfen. Etwas, was Herr Gabriel nun wirklich nicht kann…

    Antworten
  8. 6. August 2009, 14:11 Uhr, von Dido
    058

    Zur T-Shirt Diskussion:
    Herr “Schüttelgraus” hätte gut daran getan, eines überzuziehen – ich hätte ihm auch verziehen, wenn er ein ethisch nicht korrekt hergestelltes genommen hätte.
    Vielleicht könnten solche “raue Burschen” Bilder den SPD-Politikern im bundesdeutschen Wahlkampf Stimmen bringen?
    @ Dowanda
    Gibt es denn keine schicken Ökokostüme für Bankmitarbeiterinnen?
    @Mafalda
    Wie meinst Du das mit Steinbrück und der Wahlwaagschale….?

    Antworten
  9. 6. August 2009, 14:23 Uhr, von Dowanda
    059

    @Dido
    Stell ich mir speziell bei Gabriel und Steinmeier extrem anmächelig vor *g*

    Vielleich gibts die in einer grösseren Stadt. Hier bei uns gibts ökologisch korrekt vor allem in den Weltläden. Bei allem Respekt vor anderen Geschmäckern, aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken als hätte ich einen Vorhang mitgehen lassen und ihn mir um den Bauch gewickelt :-)

    Antworten
  10. 6. August 2009, 15:01 Uhr, von Dido
    060

    Dowanda, erklär mir doch bitte anmächelig. Ich liebe schräge Sprachen-insbesondere das süße Schweizerdeutsch, wie bei Patent Ochsner- aber anmächelig habe ich noch nie gehört. Oder ist’s eher Österreichisch, wenn Du dort lebst?

    Antworten
  11. 6. August 2009, 15:08 Uhr, von Mafalda
    061

    @ Dido
    Um Himmels Willen, keine “rauhen Burschen”. Ich mein, ließen die “Stones” ihre Oberkörperbekleidung weg, das Bild wär das Gleiche… Doch so was wollte ich nicht wirklich sehen. (Auch Frau Merkel, Frau Zypries oder Frau von der Leyen nicht, just in case jemand vermutete androphobie).

    Steinbrück nehme ich wahr als einen, der gern Tacheles redet, und reden könnte, wenn er denn dürfte. Und der einen halbwegs ordentlichen Job als Finanzminister gemacht hat – jedenfalls soweit man das als gewählter Politiker in diesem bundesdeutschen Verwaltungsurwald machen kann.

    Mein Mitgefühl hält sich jedoch in Grenzen. Eher überwiegt Unbehagen und Zorn, weil die politische Kaste durch alle Bundestagsbänke meint, ihre Wähler/innen seien nicht in der Lage, zu sehen, eine Meinung zu haben und klare Aufträge zu vergeben.

    Antworten
  12. 6. August 2009, 15:19 Uhr, von Dowanda
    062

    @Dido
    Imperialistin! *pffffffffffffffft*
    “Das süsse Schweizerdeutsch …” – kein Wunder werdet Ihr Teutonen für arrogant gehalten (siehe aktuelle Umfrage)
    http://www.welt.de/reise/article4262179/Deutsche-haben-kein-gutes-Image-in-der-Schweiz.html

    Aber weil Du so “nett” fragst … *g*
    Anmächelig wird sowohl hier im alemannischen Eck Österreichs als auch in der Schweiz verwendet und heisst soviel wie “einladend”. In diesem Kontext gehts auch als “erotisierend” durch.

    @Mafalda
    Steinbrück werfe ich vor allem vor, das er im Ausland den Macker raushängen lässt aber im Inland z.B. immer noch Bund & Länder um Ertrag und Kosten der Steuerfahnder streiten. Das mehr als 50 % der Literatur zu Steuerfragen sich mit dem deutschen Steuersystem beschäftigen. Das er gegen die Heuschrecken schimpft und auf die Banken, es gerade aber die rotgrüne Regierung war die bis zu den Gamaschen unterm Nadelstreifanzug im Hintern der Grossbanken und Finanzinvestoren steckt(e). Das er es in Hochkonjunkturzeiten nicht geschafft, den ohnehin schon nicht sehr ambitionierten Haushalt einzuhalten – sondern auch noch trotz Mehreinnahmen in jedem Jahr ein grösseres Defizit eingefahren hat als ursprünglich veranschlagt war. Seine Perfomance halte ich für miserabel.

    Antworten
  13. 6. August 2009, 15:46 Uhr, von Mafalda
    063

    @ Dowanda
    Klare Worte einer Expertin. Kann ich gut annehmen.

    Steinbrück steht am Ende einer Reihe von Finanzministern, die das ebenso hielten. Das Stecken im Hintern beherrschten Vorgänger noch z.T. viel besser. Frage ist, wie der Schuh “Finanzministerium” wieder aus dem A…rm herauskommt, da ja vieles so hübsch mit Verträgen und natürlich Steuergesetzen gepampert ist.

    Was die Steuerfahnder angeht: gibt gerade in Hessen dieses Phänomen, daß versierte Steuerfahnder für krank erklärt und in den Ruhestand geschickt werden…In NRW wurde Frau Lichtinghagen in die Nesseln gesetzt und auf einen Richterstuhl weggelobt.

    Bund&Länderzanke um Geld ist mittlerweile nur noch unsäglich: v.a. im sozialen und Bildungsbereich. Vieles bleibt an den Kommunen hängen, die per se nun nicht wirklich finanzstark sind. Die Letzten beißen die Hunde.

    Antworten
  14. 6. August 2009, 15:54 Uhr, von Dido
    064

    @Mafalda
    Ich kann den Steinbrück leider nicht so positiv sehen.

    @Dowanda
    Ups – jetzt habe ich aber eine auf’s Dach bekommen! Bin ich doch alles andere als ein Machtmensch……ich dachte die Amis seien die Imperialisten.
    Ja, dann ziehe ich jetzt mal lieber den Stecker und konzentriere mich wieder auf meine Arbeit, die ich mir durch den Blog gerne versüßen lasse.
    Deine Meinung zu Steinbrück teile ich.
    Hast Du mal wieder witzig kommentiert.

    Antworten
  15. 6. August 2009, 16:03 Uhr, von Dowanda
    065

    @Dido
    Na, na … jetzt nicht gleich schlapp machen. Am Ende der Peitsche hing doch eine grosse Tüte Schokoeis :-)

    Antworten
  16. 6. August 2009, 17:10 Uhr, von Mafalda
    066

    @ Dowanda
    Nope.

    Antworten
  17. 6. August 2009, 17:31 Uhr, von Susa
    067

    Interessant finde ich, wie früh Preise internalisiert werden.

    Ich konnte einige Kinder (geschätztes Alter um die 10Jahre) beobachten, wie sie sich und Kleidung auf einen Parkplatz malten mit Kreide, ja mit Kreide, die wird noch genutzt, man glaubt es kaum, und Preise daran schrieben. Ich würde sagen, selbst H&M hätte es nicht besser machen können von der Preisgestaltung.

    Aber ab wann erlernt man, dass gute Qualität seinen Preis hat?

    Antworten
  18. 6. August 2009, 21:19 Uhr, von irgendeine Userin
    068

    … Und wie kann ich feststellen, dass die Qualität tatsächlich gut ist?

    Ich erlebe, ein sehr teueres Markenprodukt schneller verschließen aussah als eines mit Noname-Plakete.

    Der Preis allein bezeugt nicht die Qualität.

    Antworten
  19. 6. August 2009, 21:20 Uhr, von irgendeine Userin
    069

    O my, bin ich müde.

    Nochmal:

    Ich erlebt, dass ein sehr teueres Markenprodukt…

    Antworten
  20. 6. August 2009, 21:46 Uhr, von Antje
    070

    Off-Toppic, aber erwähnenswert:
    http://bit.ly/xf041

    Antworten
  21. 6. August 2009, 21:50 Uhr, von Antje
    071

    Ups, da war ein p zu viel :-) Off-Topic

    Antworten
  22. 6. August 2009, 23:13 Uhr, von Anna
    072

    Geht es nicht auch um die Anwesenheit? Das Dasein und Präsenz zeigen? Oder wie auch immer man das nennen möchte. Oder gehört das ganz allgemein zu “Kommunikation” dazu?

    Ich kenne (und schätze) ein kleines Theater, das unweit vor den Toren Berlins ein ähnliches Prinzip anwendet. (Distanzangaben übrigens in amerikanischen Maßstäbe – für eine Vespa zu weit.) Dort, im Oderbruch wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen, wird “Austritt” gezahlt. Für jede Vorstellung. Seit Jahren. Die (Möchte-gern)Berliner kennen es sicher – weil es vor drei, vier Jahren furchtbar “in” war da raus zu fahren. Denn die Hausstücke sind grandios und die Gäste handverlesen. (www.theateramrand.de) Das funktionierte (als ich noch regelmäßig dort war) sehr gut. Der Eindruck der (stets qualitativ hochwertigen) Vorstellung war frisch, das Publikum applaudierte noch, die Catering Leute entkorkten erneut den Bio-Wein und schmierten die Bio-Brote mit Bio-Käse für den kleinen Hunger danach, und am Eingang stand ein Herr mit Hut: Aufstehen, an ihm vorbeigehen und abhauen? – Undenkbar. Nicht zahlen? – Schweine!

    Die Bereitschaft, nach dem Urlaub Fragebögen auszufüllen, sinkt signifikant mit der verstrichenen Zeit nach Urlaubsende. Das Aktuelle zählt ’cause now is what matters.

    Dazu noch folgende Episode: Heute kam ein Staubsaugervertreter zu meiner Großmutter, der sich als “Fachberater” ausgab. Er warb mit Zusatzprodukten seiner Firma. Meine Oma kaufte Duftfilter: damit die Wohnung gut riecht, nachdem man dort Staub gesaugt hat. Ein beherztes Einschreiten anderer Familienmitglieder verhinderte Schlimmeres. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Oma im Moment der Kaufentscheidung überzeugt war, diesen Filter dringend gebrauchen zu können. Und: im Internet würde er seinen Kram definitiv NICHT los.

    Antworten
  23. 7. August 2009, 6:53 Uhr, von Dowanda
    073

    @Anna
    Hast Du eine Ahnung was ich schon im Internet gekauft habe und jetzt irgendwo im Keller rumliegt …
    Guten Morgen allerseits!

    Ich denke schon, dass es wie Du sagst mit Präsenz zu tun hat: Durch einen schmalen Ausgang zu müssen, jemandem in die Augen zu sehen wenn ich ihm NICHTS gebe (wie auch Frau Meckel es beschreibt) macht die Sache schwerer. Gäbe es in besagtem Theater einen Seitenausgang, der “unbewacht” ist, würde die Sache wahrscheinlich anders ausschauen.

    Als ich noch zur Schule ging, damals im 30jährigen Krieg, durften wir uns bei einem Englischaufsatz einmal selber bewerten. Das traf interessanterweise auch weitgehend zu. Wir hatten nicht nur Noten zu vergeben, sondern mussten eine kurze Kritik zu unserer Arbeit schreiben.

    Antworten
  24. 7. August 2009, 7:54 Uhr, von Triple-A
    074
    Antworten
  25. 7. August 2009, 8:06 Uhr, von Dowanda
    075

    @Triple-A
    Es gibt, ausser Filz und Parteibuchwirtschaft, keinen Grund warum da nicht durchgegriffen wird.

    Antworten
  26. 7. August 2009, 8:22 Uhr, von Triple-A
    076

    Jetzt aber nicht potlitikverdrossen werden und brav zur Wahl gehen.

    Denn: „Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar würde bestimmen, in welches Konzert Sie gehen. Und das vier Jahre lang …“ und „Mit der Demokratie ist es wie mit dem Sport: Wenn man nicht regelmäßig was tut, ist die Form schnell dahin.“

    160 Promilockrufe

    Antworten
  27. 7. August 2009, 11:24 Uhr, von Walter
    077

    Der Gütige ist frei, auch wenn er ein Sklave ist. Der Böse ist ein Sklave, auch wenn er ein König ist.
    Augustinus Aurelius

    Wir waren die letzten Tage mit Schule beschäftigt: Neuanfang und Umzug im Internat, Immatrikulationsfeier und Abschiednehmen, wenn auch nur für kurze Zeit. Auf dem Rückweg immer wieder Weimar und diesmal auch die Wartburg.
    In die Welt des Geistes passt der Geiz nicht, ebensowenig wie Zynismus und Menschenverachtung.
    Ein als Internat genutztes mittelalterliches Kloster (Schulpforta) und Lutters Schreib- und Schlafstube sind sehr wenig prätentiös und, obwohl materiell, durch die schmucklose Verwendung von Holz und Stein sehr asketisch.
    Es ist der Weg des Humanismus, sich von materiellem Besitz unabhängig zu machen, ohne ganz zu entsagen und dabei den Wert des Menschen und die menschlichen Werte achten und schätzen zu lernen.
    So hinterfragt die Bemerkung des Rektors, Ziel der Schule sei es weniger, die Begabten zu fördern als die Begabungen, auch das Karrieredenken eines selbstbezogenen Eigennutzes.

    Allzuleicht übernehmen wir unreflektiert Meinungen und Stimmungen aus unserer Umgebeung und über die Medien, die ihrerseits unser Wahrnehmen und Denken verändern.

    Daher wünsche ich den Leuten bei Jung von Matt ganz aufrichtig eine Auszeit, um einmal über das nachdenken zu können, was sie sich und anderen so antun. Und um zu überlegen was sie – neben Profit- überhaupt wollen.

    Antworten
  28. 7. August 2009, 11:27 Uhr, von Dido
    078

    only@Dowanda
    Unser Geplänkel von gestern betreffend:
    Sanfte Peitschen können in dem von Dir erklärten Sinne sogar anmächelig sein, wenn die Portion Schokoladeneis dann groß genug ist ;-)
    Also, pack genügend Schokoeis ein, wenn Du Dich wieder von alten Männern am See ansprechen lässt….vielleicht kannst Du die Enkelinnen locken….. :-)
    Ich lass mir am Wochenende leider keinen Seewind um die Nase blasen, sondern werde mich mit dem Weltkulturerbe befassen – bißchen heiß für….

    Antworten
  29. 7. August 2009, 11:53 Uhr, von Walter
    079

    Nicht wer wenig hat, sondern wer viel wünscht, ist arm.
    Lucius Annaeus Seneca

    Ich bin doch nicht blöd. Oder doch?

    Antworten
  30. 7. August 2009, 11:57 Uhr, von Dowanda
    080

    Der Teufel scheisst auf den grössten Haufen.
    (Meine Mutter)

    Antworten
  31. 7. August 2009, 11:58 Uhr, von Dowanda
    081

    @dido
    Doch nicht hier vor den Kindern … tz tz tz.

    Antworten
  32. 7. August 2009, 12:22 Uhr, von Dido
    082

    Don’t panic – bin schon brav, Dowanda.

    Antworten
  33. 7. August 2009, 12:56 Uhr, von Arlette
    083

    “Was nützt Liebe, Glück, Friede und Reichtum, wenn du dir nicht die Zeit gönnst, sie in Musse zu geniessen.”
    (Alexander von Gleichen-Russwurm)

    So, ihr lieben Deutschen… bin übernächstes Wochenende in Berlin und sollte euer BIP dann um ein paar Punkte in die Höhe steigen, dann weil ich (wir) dort viel Kohle werden liegenlassen (aber nicht bei Saturn)…. ;)

    Hasta la vista und schönes WE

    Antworten
  34. 7. August 2009, 13:01 Uhr, von Antje
    084

    Hier geht es um Schule (@Walter), Sexualkunde? vielleicht, sicher um Karneval und “Verkleidung” @Noisa alias @Dido

    Und hier gibt es von allem etwas:
    http://bit.ly/vJNc0

    Ist das nicht schön :-)

    Antworten
  35. 7. August 2009, 13:10 Uhr, von Noisa
    085

    @Antje, Du kannst mir glauben, dass ich mir einen stilvolleren Namen als Dido aussuchen würde. Sorry, Dido. ;)

    Viel Spaß dabei, @Arlette. :)

    Bye, schönes WE! :))

    Antworten
  36. 7. August 2009, 13:13 Uhr, von Antje
    086

    Ich weiß es. Lass`es einfach!

    Antworten
  37. 7. August 2009, 13:15 Uhr, von Danja
    087

    Antje, Du bist gar nicht so nett. :-(

    Antworten
  38. 7. August 2009, 13:18 Uhr, von Antje
    088

    Ach Noisa (heute als @Danja) , was soll man da nur machen? Lässt du jetzt all deine Namen sagen, wie unnett ich bin :-) Viel Spaß dabei. ich bin raus!

    Antworten
  39. 7. August 2009, 13:52 Uhr, von Dowanda
    089

    @Arlette
    Dann wünsche ich Dir einen schönen Urlaub in Berlin. Badesachen nicht vergessen … zur Sicherheit *g*

    Antworten
  40. 7. August 2009, 13:59 Uhr, von Arlette
    090

    @Noisa, @Dowanda
    Danke! :)

    Badesachen?

    Antworten
  41. 7. August 2009, 13:59 Uhr, von Siegmund
    091

    Die Werbekampagne “Geiz ist geil” ist ja wieder fallengelassen worden.
    Dass sie immer noch diskutiert wird, zeigt zumindest die große Einprägsamkeit.
    Der Nachfolger “Wir hassen teuer” ist allerdings eine ziemliche Katastrophe.
    Werbeagenturen haben es derzeit ohnehin ziemlich schwer. Ein paar große Namen dürfte es im nächsten Jahr nicht mehr geben.
    Da aber zuletzt der Habitus eh größer war als die “konkrete Kreativität”, ist es auch nicht sonderlich schade drum.
    Schade, Kampagnen wie “Persil, da weiß man, was man hat” gibt es heute einfach nicht mehr ;)

    Antworten
  42. 7. August 2009, 14:13 Uhr, von Dowanda
    092

    @Arlette
    Naja, ich bin Optimistin

    Antworten
  43. 7. August 2009, 14:56 Uhr, von Arlette
    093

    @Dowanda
    Ach so, na dann is ja jut. :-)

    Antworten
  44. 7. August 2009, 15:06 Uhr, von Dowanda
    094

    http://bazonline.ch/wissen/natur/Pinkelt-in-der-Dusche/story/21073147

    Ich werde das Sommerloch vermissen, wenns wieder weg ist.
    Schönes Wochenende @all

    Antworten
  45. 7. August 2009, 17:45 Uhr, von Petra
    095

    @Walter „Der Gütige ist frei, auch wenn er ein Sklave ist. Der Böse ist ein Sklave, auch wenn er ein König ist. Augustinus Aurelius“ Das trifft so den Kern! Ich werde es für mein inneres Om auswendig lernen und an geeigneter Stelle ganz still abrufen.

    Zum Thema Schule: Meiner Tochter wurde von einer Lehrerin geraten, sie solle nicht immer „so nett“ sein, dann würde sie noch bessere Noten bekommen. Wir sind sehr froh, dass die soziale Komponente bei unseren Kindern wohlproportioniert vorhanden ist und entsetzt über solche Aussagen. Aber im Grunde genommen hat diese Lehrerin nur ausgesprochen, was – verallgemeinert – bittere Realität in Beruf und Freizeit geworden ist. Wobei man seine Freunde immer noch aussuchen kann, beruflich kann man seine Kollegen / Geschäftspartner nicht immer frei wählen. Aber jetzt habe ich ja mein “Augustinus-Aurelius-Om”.

    Antworten
  46. 7. August 2009, 20:54 Uhr, von Miranda
    096

    @arlette

    ja guter Tipp von Dowanda, fahr mal von Mitte weg Richtung Wannsee, steig Krumme Lanke aus und geniesse…ich finde es dort so schön!

    Viel Spass in Berlin

    und ich finde Geiz ncht geil aber ich bin gerade pleite, zuviel Genuß in Italien, Champagner am CSD…also muß ich bis zum nächsten 1.leider geizig sein…ist doof….

    Antworten
  47. 7. August 2009, 22:28 Uhr, von Arlette
    097

    @Miranda
    Merci für den Tipp! Klingt gut.

    Antworten
  48. 7. August 2009, 23:24 Uhr, von Seantie Moenes
    098

    ZDF bricht “heute in europa”-Sendung ab:

    Zuerst ist es nur “ein kleines technisches Problem”, doch dann, knapp 90 sec. später und nach drei vergeblich anmoderierten Beiträgen, geht gar nichts mehr. Massive technische Probleme im neuem “Nachrichtenstudio 2.0″ – Sendeabbruch. Der Grund liegt nicht etwa an der Technik, sondern am Menschen. Ein Bedienfehler löst den Super-Gau aus.

    Selbst dem schadenfrohsten Zuschaurer tut da die Moderatorin leid, die vergeblich Beitrag um Beitrag ankündigt und keiner kommt.

    http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=36575&p3=

    Antworten
  49. 8. August 2009, 2:09 Uhr, von Seantie Moenes
    099

    Man kann dem ZDF nicht unterstellen gegen die Devise “Geiz ist Ungeil” verstoßen zu haben. 30 Millionen Euro sind gewiss nicht geizig. Auf der anderen Seite, war es auch nicht die teure Technik, die streikte. Vielleicht lag es ja am Geiz bei den Mitarbeitern, dass der Fernsehgott gestern so gar nicht gnädig war.

    Antworten
  50. 8. August 2009, 9:52 Uhr, von Miranda
    0100

    @Urs
    lange nichts mehr gelsen von dir, wie geht es dir, habt ihr einen schönen Sommer in Bellinzona, ich glaube ich hab vom Flugzeug aus den Lago Maggiore gesehen…

    schau mal wo ich die meiste Zeit tagsüber war
    http://www.vacanzeinversilia.com/ger/torre-del-lago.php,

    war zu heiß für Lucca, werde aber im Oktober zur Olivenernte nach Siena fahren, freue mich schon

    Tanti Salute

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2012