MM_Marx
Zu den Kommentaren
25. August 2009, 17:46 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Politik und Poesie

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98 Reaktionen

  1. 26. August 2009, 14:34 Uhr, von urs bürgi
    051

    @Noisa, Du stellst die weiterführenden Fragen. Genau so. Immer, wenn der Mensch mit seinen Erklärungen, basierend auf seinen bisherigen Erfahrungen, die Vergangenheit sind, nicht weiter kam, um die Veränderung und deren Wirkung auf ihn, zu prognostizieren, um Vorsorge zu treffen, sich und damit die Art zu erhalten, rief er das/die Überirdische/n an, in Form der Kunst: von den Höhlenmalereien, Kunst des Cro-Magnon-Menschen, mit Tätowierungen, heute wiederkehrend, „Tatoo“, um sich Sinn zu geben, den er andernorts nicht findet oder ihm nicht zugänglich ist.Und so kann es durchaus sein, es mit dem Zufall zu versuchen, um zu sehen, welche Ergebnisse entstehen und ob sie hinreichend sind, die vermeintliche Sicherheit zu geben, die Illusion der Risikovermeidung zu nähren, dem Selbst Ausdruck zu verleihen, wie Walter es gestern beschrieb. Und da die „zuvor noch nie da gewesene Krise“ den „Playern“ andeutete, wie hilflos sie da agierten, wenn überhaupt, meist getrieben vn der Angst des Untergangs, wird nunmehr versucht, durch Bündelung von Vielen, zu einer Lösung zu kommen, durch ein „gesponnenes Netz, das zufällige Ergebnisse entstehen lässt. Mir gefielen und gefallen die Bilder von Paul Jackson Pollock, der ein US-amerikanischer Maler des Abstrakten Expressionismus (American Abstract Painting) war und ein wichtiger Vertreter der New York School. Er wurde bekannt mit der von ihm mitbegründeten Stilrichtung des Action Painting. Die Nutzung des Zufalls oder der Intention, der Steuerung durch das Vorbewusste bis hin zum Glauben an die „Stofflichkeit“ des Gedankens, weil Energie, gehen in die Richtung, das Loslassen einzusetzen, um den Gestaltungskräften ausserhalb unseres Seins, Raum zu lassen, „die gute Lösung“ herbei zu führen.Klingt eigenartig, geht aber in die von Dir angedeutete Richtung, das Endliche hinauszuschieben, die Forscher sind ja an der Pille für zumindest mehr als 100 Jahre Leben dran, um dem Traum vom ewigen Sein ein wenig näher zu kommen. Ich selbst sehe dies alles nur als Trotz-Reaktion auf die Erkenntnis, dass uns Grenzen gesetzt sind, und das hat sich bislang bewährt. Dennoch: trial and error als Verfahren ist unaufhebbar.

    Antworten
  2. 26. August 2009, 15:38 Uhr, von Mafalda
    052

    „Politik und Poesie“, hupps, Antipoden!?! (Erinnere hier an auch die Werke von US 2 Postings vorher :-)) Nach dem gemeinsamen Po- führen beide Begriffe dann doch in unterschiedliche Richtungen.

    Scheint so, als könnten Inhalte von Poesie durchaus politisch sein. Die „Maßnahmen zur Führung, Erhaltung und Verwaltung eines Gemeinwesens; die Staatskunst“ = Politik (lt.Fremdwörterduden) kommen nicht sonderlich poetisch daher.

    Am besten fahre ich, wenn ich auf beiden Po-backen sitze, auch wenn die eine z.Zt. ziemlich schmerzt.

    Zur Poesie von zu Guttenbergs Diss.: bei welchem Unternehmen mag er sich da beraten lassen haben ;-))? Trotz exeptioneller Wortwahl kommt es eher wie Dünnpfiff daher, denn als „Poesie“.

    Und nein, bitte KEINE MMPD!!! „Kommen 7 Deutsche zusammen, was machen sie? Sie gründen einen Verein (resp. Partei), geben sich eine Satzung und wählen ihren Vorstand.“

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  3. 26. August 2009, 15:48 Uhr, von Noisa
    053

    Interessanter Kommentar, @Urs. Zu Pollock, irgendwie passend: tagesspiegel.de/kultur/art772,2025189

    „Kommen 7 Deutsche zusammen…“ Du schreibst es, @Mafalda, grässlich.

    Antworten
  4. 26. August 2009, 15:50 Uhr, von Noisa
    054

    (…Pollock, passend bezogen auf das Thema, die Veränderungen in der Welt, Zufall, Endlichkeit…)

    Antworten
  5. 26. August 2009, 15:59 Uhr, von urs bürgi
    055

    @Noisa, fand bei Thomas von Aquin folgenden Satz, der für meine Beiträge gelten kann: „Es ist erforderlich für die Entspannung des Geistes,dass wir von Zeit zu Zeit spielerische Aktionen und Scherze setzen.“ Er spricht aber nicht über das Ergebnis, das durchaus mehr sein kann, als nur „Spielerei“. Eines schliesst das andere nicht aus.

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  6. 26. August 2009, 16:02 Uhr, von Ramona
    056

    @Mafalda, stimme Dir zu:-))
    Ich gehe da lieber mit Beatrice von Weizsäcker:
    http://www.sueddeutsche.de/politik/951/484388/text/

    Und gute Besserung für die Pobacke:-))

    Antworten
  7. 26. August 2009, 16:19 Uhr, von Mafalda
    057

    @ Ramona
    Danke schön, wird schon. Gehe da gerne auch mit

    @ Urs
    und dem Spielerischen, was den Geist nach manchmal verhärtender Arbeit entspannt und so zu Ergebnissen führen kann…

    Die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNS entsprang – so die Sage – dem Traum von einer Wendeltreppe…

    Antworten
  8. 26. August 2009, 16:28 Uhr, von Mafalda
    058

    Nochmal @ Ramona

    Ja, die Frau Weisäcker sagt da schon was Wahres wenn sie dafür plädiert, daß der Wahlzettel durchaus etwas komplexer sein sollte. Bildet letztendlich die Meinung/ Meinungsbildung präziser ab. Und entlässt die Gewählten möglicherweise weniger erleichtert in die nächste Legislaturperiode.

    Antworten
  9. 26. August 2009, 16:29 Uhr, von Mafalda
    059

    upps, „Weizsäcker“ muß es natürlich heißen

    Antworten
  10. 26. August 2009, 16:35 Uhr, von Noisa
    060

    Stimmt, das Ergebnis kann bei vorherigem Spiel mehr sein, @Urs. (de.wikipedia.org/wiki/Ideenfindung)

    Zu Guttenberg vermurkst seinen eingangs recht guten Start. Ein Gesetz mal eben von Externen schreiben zu lassen, geht gar nicht… Hieß es nicht mal, Opel habe sich von GM gelöst? Die Opel-Rettung, in die wohl 1,5 Milliarden (bis zu 4,5 sind in Form von Garantien geplant) geflossen sind, ist völlig intransparent. Warum sollte „GM neu“ sich von Opel lösen, wenn GM neu erfolgreich durchs Chapter 11-Verfahren durch ist und die USA GM neu stützt?

    Antworten
  11. 26. August 2009, 16:56 Uhr, von US
    061

    Mafalda danke das du dich erinnerst.
    „gg“
    Ampeln:
    Wir hatten einst – die Zeit ist tot –
    als Landesfarben Schwarz-Weiß-Rot.
    Dann hat man sie nicht mehr gewollt,
    und wir bekamen Schwarz-Rot-Gold.
    Doch diese übersieht man faßt
    in unserer Zeit voll Kampf und Hast.
    Die Farben die sich heute ziehn
    durch unser Sein, sind Schwarz-Rot-Gelb-Grün.

    Wenn wir uns ans Steuer setzen,
    um zum Arbeitsplatz zu hetzen,
    können wir nur höchstens schleichen,
    denn uns hindern viele Zeichen.
    Ganz besonders sinds die Ampeln,
    die auch Radfahrer beim Strampeln
    und selbs Fußgänger, die gämsen-
    gleich hinüber wollen, bremsen.
    Vom Direktor bis zum Penner
    sind wir nichts als Ampelmänner.

    Dort wo eine Kreuzung droht,
    hat man selten Grün, meist Rot.
    Und so schön das Rot auch schien,
    man ist diesem Rot nicht grün.

    Doch wenn Grün kommt und man kann,
    hat der liebe Vordermann – solche Fälle sind verbürgt – seinen Motor abgewürgt.

    Bracht in Gang er endlich ihn,
    und man kann, ist nicht mehr Grün.
    Schuld ist vorn der „Idiot“! –
    Bis man Grün hat, sieht man Rot.

    Ich wünsche euch allen noch einen schönen Abend.

    Antworten
  12. 26. August 2009, 17:10 Uhr, von Ramona
    062

    @Mafalda
    Und ihre Meinung in Sachen direkter Mitbestimmung, sprich Bürgerentscheid, kann ich nur zustimmen. Der Bürger muss endlich das Gefühl bekommen, Politik direkt beeinflussen zu können. Das seine Meinung gefragt ist, nicht nur aller vier Jahre.
    Eine wichtiger Punkt, der Politikvertrossenheit entgegen zu wirken.

    Antworten
  13. 26. August 2009, 17:35 Uhr, von Ramona
    063

    OT
    Vorsicht bei heißen Telefonaten:
    http://tinyurl.com/lqch8n

    Einen schönen Abend.

    Antworten
  14. 26. August 2009, 17:57 Uhr, von Anja
    064

    Ramona,
    ich denke, das iPhone zerstört sich selber, da es keine Möglichkeit gibt, einen Flash Player darauf zu installieren. (unfassbar;-))
    Und da denkt es sich, bevor es weiter so unvollkommen durch die Kommunikations-Welt ziehen muss, „ich bin dann mal weg…“

    Antworten
  15. 26. August 2009, 18:02 Uhr, von Anja
    065

    …aber vielleicht kann man mir auch demnächst einfach eine Webcam senden… (dann geht’s auch ohne Flash Player;-))

    Antworten
  16. 26. August 2009, 18:04 Uhr, von urs bürgi
    066

    …oder liege in irgend einem Hotelsafe untätig herum, und dann explodiere ich aus Langweile, weil eh‘ keine kommt, using my full power…

    Antworten
  17. 26. August 2009, 18:08 Uhr, von Noisa
    067

    Anja :))

    iPhone, tzzz… *puff* ;))

    Antworten
  18. 26. August 2009, 18:50 Uhr, von miriam Gefällt einem Leser
    068

    hahaa, sehr komisch! beckettreife installation! und der auftritt auch nicht schlecht, also ein bisschen schlecht, aber eben gut dadurch. es geht wirklich gar nicht voran und was macht dieser krasse satz da mittendrin? am besten finde ich „und bitte“.

    Antworten
  19. 26. August 2009, 18:55 Uhr, von Seantie Moenes
    069

    offtopic:

    RTL fälscht Video in dem Michael Jackson aus seinem Leichenwagen steigt – um Verschwörungstheoretiker zu testen!Sind die jetzt von allen guten Geistern verlassen?

    http://www.youtube.com/watch?v=gv22qTZlK_U

    http://www.medienhandbuch.de/news/aktueller-programmhinweis-donnerstag-278-1800-uhr-in-explosiv-28184.html

    Antworten
  20. 26. August 2009, 18:55 Uhr, von miriam
    070

    achso sorry, ich hab den satz jetzt doch verstanden, akkustische irritation…

    Antworten
  21. 26. August 2009, 21:09 Uhr, von Antje
    071

    Klartext Prosa zum „Respektlosesten Wahlkampf der Republik“
    http://www.youtube.com/watch?v=-tmlhtoAB7o

    Antworten
  22. 27. August 2009, 7:51 Uhr, von Noisa
    072

    Danke für den Link. ;)

    Antworten
  23. 27. August 2009, 7:56 Uhr, von Noisa
    073

    OT:
    Muss so eine gute Idee mit Google umgesetzt werden?
    http://www.youtube.com/netzwert

    Schade. Aber ich merke schon, das Posting etc. ist nicht mein Ding und verabschiede mich daher, wünsche noch eine angenehme Woche!

    Antworten
  24. 27. August 2009, 8:33 Uhr, von Walter
    074

    Poesie und Politik pflegten sich mehr oder weniger zwanglos und öfter auch recht gezwungen, in einer Person, dem dichtenden Politiker, der politisch engagierten Dichterin zu vereinigen.
    Viele, die sich von Pathos und Sendungsbewusstsein erfassen ließen, griffen zur Feder oder brachten sie mit in ihr Amt.
    Die Mitteilung der inneren Zustände, poetisch wie prosaisch verband die politischen Menschen mit ihren Zeitgenossen.
    Heute übrig geblieben sind die Versuche schriftlicher Rechtfertigung abgetretener Spitzenpolitiker vor sich und der Geschichte, wenn es darum geht, eigene Fehler zu retuschieren und sich gleichzeitig ins kollektive Gedächtnis zurück zu rufen. Die Frage was bleibt, führt in einem säkularen Zeitalter zu Transzendenz und Kult zugleich.
    Die poetische Ader ist dem politisch Tätigen abhanden gekommen, aus der Figur herausgetreten. Übernommen haben diesen Part der Ausschmückung die Medien- und PR- Berater, die ihr manchmal erhebliches poetisches Talent darauf verwenden, gänzlich prosaische Menschen in ein wärmeres, strahlendes Licht zu stellen. Die Ideen und deren Formulierungen sind jedoch denen Montesquieus, Goethes, Tocquevilles oder Emersons leider und, bezogen auf das Objekt, auch glücklicherweise, recht weit entfernt.

    Antworten
  25. 27. August 2009, 8:45 Uhr, von Ramona
    075

    @Noisa, issnn looos?
    Nimms mit Humor! Ich krieg hier den Zwirn auch nicht ins Öhr:-)))
    Einen schönen Tag!

    Antworten
  26. 27. August 2009, 9:00 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
    076

    Danke gleichfalls, @Ramona. Ja, lustig. ;)

    Antworten
  27. 27. August 2009, 10:36 Uhr, von Dowanda
    077

    „Das Busen-Plakat hatte er noch zähneknirschend durchgewunken. Doch Vera Lengsfelds nächster Coup wurde ihm zu viel. Harald Sielaff, Wahlkampfbeauftragter der CDU Friedrichshain-Kreuzberg, warf entnervt das Handtuch. Wie mehrere Zeitungen berichten, wollte seine Chefin ein Plakat kleben lassen, auf dem schwarz bekleidete CDU-Mitglieder zu sehen sind. Der Slogan: „Wählt den schwarzen Block“. Im normalen Leben marschieren im „schwarzen Block“ linke Krawallos. Die hätten das als nackte Provokation empfunden.“
    Auszug aus stern.de vom 24.8.09/19.35 Uhr

    Da sei Gott vor, wenn die Enkel der Revolultion und persönlichen Mündel der rotroten-Stadtregierung sich provoziert fühlen könnten … Da müssen sich Demokraten schon den Pazifisten beugen. Was mich an einen Spruch von Ottfried Fischer erinnert: Die Pazifisten heutzutage sind so friedliebend, das sie am liebsten jeden umbringen würden der keiner ist.

    Guten Morgen in die Runde

    Antworten
  28. 27. August 2009, 12:05 Uhr, von Walter
    078

    Hat Angela Merkel Gedichte geschrieben? – Vielleicht, aber heimlich.
    Welche Stimmung würde ein Gedicht Frank- Walter Steinmeiers ausdrücken? – Da wird es schwierig für die Phantasie.
    Guido Westerwelle? Oskar Lafontaine? Jürgen Trittin? – Noch eher.
    Ronald Pofalla, Hubertus Heil, Dirk Niebel? Mir grau(s)t es.

    Antworten
  29. 27. August 2009, 12:44 Uhr, von urs bürgi Gefällt einem Leser
    079

    Vielleicht sollten die „Vor-Turner“ der SPD es doch mit Poesie versuchen, sozusagen als „Geheimwaffe“, denn nach dem Kommentar sieht’s wirklich nicht gut aus, es sei denn, das „Wunder von Lourdes“ oder so was hilft nach.
    Bei einem Blick auf den deutschen Wahlkampf, findet die österreichische Zeitung DER STANDARD:
    „Es ist kein Hochwasser in Sicht. Auch planen die USA keinen neuen Angriff auf den Irak. Kurzum: Auf ein Wunder, das SPD- Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier am 27. September ins Kanzleramt bringen könnte, warten die Sozialdemokraten ebenso verzweifelt wie vergeblich. Also hat man sich einen bemerkenswerten Strategiewechsel ausgedacht. Zwar rangiert Linksparteichef Oskar Lafontaine auf der Beliebtheitsskala in Höhe der Schweinegrippe. Aber nun ermuntert Steinmeier die wackeren Wahlkämpfer an der Saar und in Thüringen geradezu, mit den Linken zu koalieren. Diese Handlungsanleitung ist ein hochriskantes Spiel. Kommt tatsächlich Rot-Rot, steht auch die Bundes-SPD wieder im Ruch, sich demnächst mit den Linken zusammentun zu wollen“, lautet die Warnung aus Wien.Ypsilanti war doch so ähnlich, oder?

    Antworten
  30. 27. August 2009, 15:17 Uhr, von Ramona
    080

    Ob mit Poesie oder ohne.
    Gestern wurde der Wahlkampf und die politische Auseinandersetzung kurzzeitig in den Haushaltsausschuss verlegt. Aber auch dort bewegte er sich auf Seifenoper-Niveau. Eine ganzen Tag ging es um Spargel, Schnitzel und Ulla Schmidts (SPD) nicht endende Dienstgeisterfahrt.
    Zudem musste sich Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg im Haushaltsausschuss für seine außenstehenden Berater verteidigen, obwohl Fremdhilfe in anderen Ressorts ebenfalls gängige Praxis ist.
    Das armselige Ergebnis des Tages ist bekannt.
    Vordergründig soll es um mehr Transparenz gehen, hintergründig glauben die wahlkämpfenden Parteien offenbar bis zum 27. September, die Bevölkerung mit Skandälchen bei Laune halten zu können. Der eigentliche Aufreger ist jedoch, dass wir, die Wähler dies schulterzuckend hinnehmen.
    Wenn die Politik die Bürger nicht ernst nimmt, nehmen die Bürger die Politik auch nicht ernst.
    Dann bitte sollen sich die Politiker am 27.September nicht über niedrige Wahlbeteiligung und Politikverdrossenheit beklagen.

    Antworten
  31. 27. August 2009, 15:22 Uhr, von Walter
    081

    Andrea Ypsilanti lebte mehr von Pathos- und reflexivem Sendungsbewusstsein als von Poesie. Andernfalls hätte sie ihr Leid in ein Gedicht verwandelt und nicht in Schuldzuweisungen.

    Interessant wie unterscheidlich ein Diplom-Theologe (Christoph Matschie) und ein Jurist (Heiko Maas) die Beziehung zur Linkspartei darstellen, urs bürgi. Beide wollen keinen Linken zum Ministerpräsidenten machen.
    Wie es scheint ist das Verhältnis der Thüringer zur Linken prosaischer als das der Saarländer. Vielleicht verfassen Oskar Lafontaine und Christoph Matschie am nächsten Montag gemeinsam ein Gedicht an ihre Nichtwähler, zum Beispiel in Anlehnung an dieses:

    In seinem Sessel, behaglich dumm,
    Sitzt schweigend das deutsche Publikum.
    Braust der Sturm herüber, hinüber,
    Wölkt sich der Himmel düster und trüber,
    Zischen die Blitze schlängelnd hin,
    Das rührt es nicht in seinem Sinn.
    Doch wenn sich die Sonne hervorbeweget,
    Die Lüfte säuseln, der Sturm sich leget,
    Dann hebt’s sich und macht ein Geschrei,
    Und schreibt ein Buch: „der Lärm sei vorbei.“
    Fängt an darüber zu phantasieren,
    Will dem Ding auf den Grundstoff spüren,
    Glaubt, das sei doch nicht die rechte Art,
    Der Himmel spaße auch ganz apart,
    Müsse das All systematischer treiben,
    Erst an dem Kopf, dann an den Füßen reiben,
    Gebärd’t sich nun gar, wie ein Kind,
    Sucht nach Dingen, die vermodert sind,
    Hätt‘ indessen die Gegenwart sollen erfassen,
    Und Erd‘ und Himmel laufen lassen,
    Gingen ja doch ihren gewöhnlichen Gang,
    Und die Welle braust ruhig den Fels entlang.

    Mit dem letzten Satz wären wir wieder bei unserem Traumpaar auf dem Sofa. Heute in der Karikatur der Süddeutschen mit Spinnweben.

    Zum Raten: Von wem stammt das Gedicht?

    Antworten
  32. 27. August 2009, 15:30 Uhr, von Walter
    082

    An alle Wahlkämpfer:

    Darum laßt uns alles wagen,
    Nimmer rasten, nimmer ruhn.
    Nur nicht dumpf so gar nichts sagen
    Und so gar nichts woll’n und tun.
    Nur nicht brütend hingegangen,
    Ängstlich in dem niedern Joch,
    Denn das Sehen und Verlangen
    Und die Tat die bleibt uns doch!

    Antworten
  33. 27. August 2009, 15:33 Uhr, von Walter
    083

    Aller guten Dinge sind drei:

    Die Lösung

    Nach dem Aufstand des 17. Juni
    Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
    In der Stalinallee Flugblätter verteilen
    Auf denen zu lesen war, daß das Volk
    Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
    Und es nur durch doppelte Arbeit
    Zurückerobern könne. Wäre es da
    Nicht doch einfacher, die Regierung
    Löste das Volk auf und
    Wählte ein anderes?

    Antworten
  34. 27. August 2009, 15:55 Uhr, von urs bürgi
    084

    Dem Duktus nach ist er’s nicht, aber einen Versuch wert:Eugen Roth (1895-1976)
    deutscher Schriftsteller und Dichter.

    Antworten
  35. 27. August 2009, 16:18 Uhr, von urs bürgi
    085

    Näher dran, vielleicht ist es Heinrich Heine? Zeitkritisch genug wär‘ er. Aber Gedichte zu kennen, da neige ich zu schwächeln.

    Antworten
  36. 27. August 2009, 18:42 Uhr, von US Gefällt einem Leser
    086

    Wenn heute schon die Bundestagswahl wäre,
    wären wir der Sache schon viel näher,
    aber da dies ja noch nicht so ist,
    so ist man nur ein armer Wicht.
    Ich wollt es wär schon alles vorbei,
    dann gäbs ein End mit dem Geschrei.
    (US)

    Schönen Abend noch euch allen.

    Antworten
  37. 27. August 2009, 19:12 Uhr, von Anja
    087

    Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern.

    Antworten
  38. 27. August 2009, 20:11 Uhr, von Anja
    088

    Nachtrag: K.M.

    Antworten
  39. 27. August 2009, 21:26 Uhr, von A.
    089

    Welch gespenstige Gedanken so manchem Menschenkind durch den Kopf geistern…

    Antworten
  40. 28. August 2009, 8:52 Uhr, von Walter
    090

    „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.“
    Karl Marx war auch Dichter. Gut, dass das Kapital nicht, wie etwa die Göttliche Komödie, in Versen verfasst ist.
    „Philosophie“ lässt sich für unsere Zwecke durch „Dichtung“ ersetzen:
    Barack Obama und Frank- Walter Steinmeier mögen politisch oft derselben Meinung sein, die Art und Weise, ihre Meinungen und Ideen als Programme zu verkünden, könnte unterschiedlicher kaum sein.
    Menschen lassen sich lieber herauf als herunter ziehen, oben- auf Wolke 7 oder wo auch immer- fühlen wir uns wohl.
    Wer erlebt hat, wie Barack Obama Menschen für ein Ideal zu begeistern vermag und dagegen erlebt, wie Frank- Walter Steinmeier sämtliche Hochgefühle in kürzester Zeit auf dem kalten Fußboden versammelt, empfindet den Kanzlerkandidaten als rhetorischen Totalschaden, nicht weil er nicht schrödermäßig reden könnte, sondern weil er den Zugang in die Herzen der Menschen mit seiner bürokratischen Rationalität nicht zu finden weiß.
    Ihm fehlt es an Empathie mehr noch als an Poesie.

    Antworten
  41. 28. August 2009, 9:25 Uhr, von Ramona
    091

    @Walter
    Rhetorischen Totalschaden, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen:-)))

    Antworten
  42. 28. August 2009, 9:31 Uhr, von Miranda
    092

    Poesie habe ich gestern in der Sommerwerft in Frankoforte bei einem Theaterstück erlebt
    http://www.tonundkirschen.de/page.php?9

    PERPETUUM MOBILE, ein großarties Stück so mitten unter einem sternenklaren Himmel, mit wunderbarer Musik…nein ich kann leider keinen Zusammenhang mit Poesie und Politik verbinden, es gibt nichts unpoetischeres als dass Berliner Polittheater…aber eine Bühne ist es allemal, so wie wir uns doch meist nur auf Bühnen bewegen

    Antworten
  43. 28. August 2009, 9:55 Uhr, von Ingo
    093

    Die MMPD – so, so.
    Noch „eine Sitzung vorher“ wurden die 18% der Horst-Schlämmer-Partei (HSP) in Witz gehüllt!

    Die Farbe „weiß“ finde ich aber auch ganz zutreffend – die „Farbe der Unschuld“.
    Die neue Partei hätte schließlich noch nichts falsch gemacht (zumindest aus der Sicht des Wählers) – ob sie aber auch aus den Fehlern der ALTEN lernt?!

    Nach der Wahl ist bekanntlich vor der Wahl – wie gut, dass der Wähler schnell vergisst…

    Einen fröhlichen Wahl-Count-down @all. Dass alle mit dem Ergebnis zufrieden sein mögen.

    @US
    Wenn heute schon Bundestagswahl wäre, dann stünde das Ergebnis ja fest – wie langweilig!
    Vielleicht gibt’s ja aber wieder ein Hochwasser – wer „weiß“?

    Antworten
  44. 28. August 2009, 10:13 Uhr, von Yolande Langendijk
    094

    Heute Abend wird’s aber sicher ‚Poetisch’ im Kölner Treff. Da ist heute Anne Will in der Talk Runde dabei!

    Antworten
  45. 28. August 2009, 12:34 Uhr, von Walter
    095

    Satire, Kirche und Gerüche. Da ist die Politik in guter Gesellschaft.

    Antworten
  46. 28. August 2009, 17:56 Uhr, von US
    096

    Ja, Walter „Gerüche“

    Kein menschlicher Geruch ist mir fremd!

    Kennst du den Ort, wo es stehts muffig richt!
    Wo stolze Flaschen stehen voll des Weins?
    Wo Dosen dösen mit dem Schmalz des Schweins?
    Wo Spinnen kunstgerecht die Wand benetzen,
    und wo kein Stuhl ist, um sich hinzusetzen?
    Wo Kohlen frierend in der Ecke liegen?
    Wo Kartoffeln edle Keime kriegen,
    die Waschmaschine wäscheharrend steht und wo des Wassers Haupthahn leise kräht?
    Kennst du den Ort? O Fremdling sprich!! Du kennst ihn nicht? –
    Nun aber ich!

    Schönes Wochenende

    Antworten
  47. 28. August 2009, 18:11 Uhr, von US
    097

    Ach noch was, ich vergaß:

    Partei nach Partei bekundet
    Im feurigen Wahlkampfgefecht
    Dass deutsches Land nur gesundet
    Würd’ man beim Wählen denn recht
    .
    Die Stimme, die Macht vergeben
    Dem eigenen Kandidaten
    Nur er schafft besseres Leben
    Die anderen würden verraten
    .
    Die Wahl zwischen Abgrund und Licht
    Ein Kreuz wird bald es entscheiden
    Die Stimme… sie hat das Gewicht
    Die Qual der Wahl zu erleiden
    .
    Schwarz/Gelb, das sagt die Prognose
    Ackermerkel bittet zum Mahl
    Westermann in Rock und Hose
    Ein Hoch dem deutschen Kapital
    .
    Vielleicht mischen mit die Grünen
    Sorgen für Morgen – für Umwelt
    Mit Welle ab in die Dünen
    Atomkraft auf genfreiem Feld.
    .
    Die Sozis bleiben links liegen
    Die Nelken wie auch die Roten
    Gar wenig Stimmen wohl kriegen
    Zu schlecht sind die Zeugnisnoten
    .
    Wählen geh’n, wohl oder übel
    Das kleinere von den großen
    So viele speisen vom Kübel
    Wenige Feinschmeckersoßen
    .
    Wählen gehen, mehr schlecht als recht
    Unsere Zukunft bestimmen
    Da ist so vieles Scheingefecht
    Demokratie muss gewinnen
    .
    Ich wähl’ die Solidarität
    Nicht das Recht der Ellenbogen
    Die Miteinander-Qualität
    Allein ihr bin ich gewogen
    .
    Mein Programm, das kennt noch Liebe
    Sucht einen Ausgleich hier wie da
    Mein Programm ruft laut nach Friede
    Und sagt zu aller Wohl ein Ja
    .
    Politik muss sich besinnen
    Auf die Menschen, Enkel, Kinder
    Soll und muss damit beginnen
    Wegzusperr’n die Zukunfts-Schinder
    .
    N u n w o l l t i h r w i s s e n w e l c h e r Z u n f t
    I c h g e b’ m e i n K r e u z, m e i n e S t i m m e
    I c h w ä h l e e i n f a c h d i e V e r n u n f t
    K r i e c h n i e m a n d’ i n d i e K i m m e
    .
    Eins noch zum Schluss hier, zum Ende
    Sie tragen Masken des Guten
    Im Sprechen, Reden behände
    Machen aus Rinsal sie Fluten
    .
    Geht wählen und trefft eure Wahl
    Bleibt wachsam und schaut auf ihr Tun
    Regieren, das wird sehr schnell schal
    Im Schatten des Mammon ist ruh’n
    .
    Seid Basis, seid Stimme, seid laut
    Lasst sie Diäten erdienen
    Sonst schießt schnell die Trägheit ins Kraut
    Aus dem Auftrag wird ein Bedienen

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  48. 28. August 2009, 21:27 Uhr, von Mafalda
    098

    „Was willst Du mit dem Dolche, sprich…“

    „Die Geister, die ich rief…“

    „Fest gemauert in der Erden…“

    Politische Poeten. Poetische Politiker.

    Der Tyrann „Volk“, aus der Flasche gelassen durch „Demokratie“. Die als Formgeberin diverse Klänge liefern kann.

    @ Ramona und Schweizerinnen

    ja, solche Volksentscheide transportieren noch direkter „Volkes Stimme“. Mehr davon.

    Als NRW-Bürgerin wähle ich Sonntag kommunal. Als geborene Saarländerin guck ich ebenfalls dahin. Nach „Napoleon“Lafontaine (lernte ihn als OB und als Ministerpräs.“kennen“) mußte Maas nach Klimmt in große Schuhe wachsen.“De Oskar“ zehrt noch viel von seinem Saarland-Nimbus. Vor allem, weil es noch stets daran knabbert, was er selbst (seinerzeit als MP) zu verantworten hat: Strukturwandel verpennt.

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