MM_Nietzsche
Zu den Kommentaren
1. September 2009, 9:57 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Das neue Kollektiveigentum

George Orwell hat sich viel vorstellen können. In seinem Roman „1984″ kreiert er die Vision eines Überwachungsstaats, der Zugriff auf alles hat, das menschliche Handeln und Denken, die Privatsphäre und das Eigentum. Er hätte sich wohl kaum vorstellen können, was mit diesem Roman kürzlich in den USA geschehen ist.

Kunden des Online-Buchhändlers Amazon mussten überrascht feststellen, dass der von ihnen zum Lesen auf dem E-Book Kindle rechtmäßig erworbene Roman „1984″ in digitaler Fassung über Nacht einfach verschwunden war. Amazon hatte nicht die Nutzungsrechte an dem Orwell- Klassiker. Also löschte das Unternehmen per Zugriff auf die Kundengeräte einfach die digitalen Kopien. Das Urheberrechtsproblem schien gelöst, aber Amazon hat für das Vorgehen mit einem Skandal und Reputationsverlust bezahlt.

Das Beispiel zeigt, mit welchen Problemen wir es zu tun bekommen, wenn wir altbekannte Grundformen und Rechtsnormen menschlichen Daseins auf das Internet übertragen wollen, zum Beispiel das Eigentumsrecht. Wenn ein Käufer in einen Buchladen geht und ein Buch kauft, dann gehört ihm das Buch. Er muss nicht damit rechnen, dass der Buchhändler nachts in seine Wohnung einsteigt, um das Buch zurückzuholen, weil er es gar nicht verkaufen durfte. Im Netz kann man sich dagegen schnell in den Wirrnissen der digitalen Welt verfangen.

„Das Eigentum ist gewährleistet”, heißt es einfach und klar in Artikel 26 der Bundesverfassung der Schweiz. Die meisten demokratischen Staaten haben ähnliche Sätze in ihre Verfassungen aufgenommen. Doch so einfach, wie dort formuliert, scheint es heute nicht mehr zu sein. Die digitale Ware wechselt längst nicht mehr im Wortsinne den Besitzer und geht förmlich an den neuen Eigentümer über, der sie erworben hat. Der erwirbt vielmehr ein Nutzungsrecht an einem digitalen Buch, einer Software, einem Musikstück. Selbst die Daten, die dabei notwendig und betroffen sind, verlagern sich nicht unbedingt auf den Computer des Käufers, sondern bleiben häufig im Netzwerk, auf das der Käufer dann Zugriff hat.

Cloud Computing heißt diese Form der dezentralen Datenverwaltung und -verteilung, die unsere tradierte Vorstellung von Eigentum verändern wird. In der Wolke ist jederzeit alles für jeden verfügbar. Computer, Mobiltelefone, Alltagsgeräte und Produkte sind miteinander vernetzt und verständigen sich über die Wünsche des Nutzers oder Käufers. Der bekommt über das Netzwerk dann das zugespielt, was er gerade braucht.

Der amerikanische Wirtschaftsforscher Jeremy Rifkin hat schon zur Jahrtausendwende das Ende des Eigentums prognostiziert. Das Internet werde den Zugang zu und Zugriff auf Ideen, Produkte und Dienstleistungen zum entscheidenden Momentum wirtschaftlicher Entwicklung machen. Der Besitz eines Produkts oder das Eigentum, an einer Sache gehöre dagegen zur schwerfälligen und vergangenen analogen Welt.

Diese Prognose wird im Cloud Computing wahr. Und das ist die Herausforderung der digitalen Wolke: Wenn sich der Produzent oder auch Konsument nicht mehr sicher sein kann, dass er ein Recht an einer Idee oder Sache hat oder erwirbt, dann erlahmt ein wichtiger Treiber gesellschaftlichen Forschritts – die Erwerbsmöglichkeit aus Kreativität und Produktivität. Welche Konsequenzen das haben kann, sehen wir derzeit an der Debatte um Urheberrechte im Internet und Open Access – mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Folgen. Die Verfechter der totalen Vernetzung sehen es als Chance, wenn jeder auf alles Zugriff hat und dafür nicht mal zahlen muss. Aber wer keine Rechte an eigenen Ideen und Produkten reklamieren und damit Geld verdienen kann, verliert die Motivation. Eine Gesellschaft, die sich hauptberufliche Kreativität und Produktivität nicht mehr leisten kann, verarmt in ihren Ideen und ihrer wirtschaftlichen Entwicklung.

Was das heißt, lehrt uns übrigens ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte vieler Ländern Osteuropas. Kollektives Eigentum hieß das dort und war noch auf das materielle Wirtschaften beschränkt. Funktioniert hat es auch da schon nicht.


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94 Reaktionen

  1. 3. September 2009, 14:05 Uhr, von Noisa
    051

    Das noch:
    „Die Wissenschaftler interpretieren das Ergebnis der Gehirnscans so, dass der Besitzeffekt nicht durch höhere Anziehungskraft von Eigentum verstärkt wird, sondern dass der Besitz den Wert der Dinge auf dem Hintergrund ihres möglichen Verlustes verstärkt. Die Angst vor dem Verlust dominiert also das Verhältnis zu den Dingen. Wenn Produkte gekauft werden, empfindet man dies eher als Gewinn, beim Verkauf kommt möglicherweise ein Gefühl des Verlustes ins Spiel, zumindest wenn kein guter Preis erzielt wird, der damit versöhnt.“ aus: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28144/1.html

    “Wer hat Angst vorm Kollektiveigentum?” könnte es oben auch heißen.

    Antworten
  2. 3. September 2009, 14:09 Uhr, von Mafalda
    052

    @ Noisa

    di Fabios Gedanken sind im Kern eigentlich schon richtig. Hört sich zwar krass an, aber stimmt irgendwie schon.

    “Das Los ist die Lösung” dto. ein interessanter Artikel.

    Google, YouTube etc. : tja, jetzt sind wir alle angefixt bzw. die Software von PC, Smartphones etc.via Kooperationsverträge der jeweiligen Marktgroßen entsprechend “eingenordet”, jetzt geht´s langsam an´s bezahlen…

    Antworten
  3. 3. September 2009, 14:21 Uhr, von Mafalda
    053

    Sind denn nicht die Inhalte Veröffentlichungen in Printform ebenfalls der Kollektivierung anheimgestellt. Ist das denn nicht letztendlich Sinn und Zweck der Übung, das jeweilige geistige Produkt der Öffentlichkeit zu übergeben? Die Autorin/der Autor haben “ihr Kind” losgelassen auf die Menschheit ;-).

    Fraglich ist nun ob die Menschheit
    a) das “Kind” empfangen will und
    b) was sie damit anfangen will.

    Geht´s um Inhalt, geht es um Verpackung wegen repräsentativer Buchregale – soll´s ja auch geben – gehts um Beides?

    Ich persönlich mag neben dem Inhalt sicher auch das “haptische”, wie Antje oben mal schrieb. Das lesen, manchmal zerlesen. Habe jedoch auch – wegen “Gepäckerleichterung” :-)) – bereits 2 komplette Buchregale jeweils “losgelassen” im Wissen darum, ich komm ja wieder an die Inhalte dran und nur die “Perlen” eingepackt, bei denen ich wirklich nicht loslassen mochte.:-))

    Antworten
  4. 3. September 2009, 15:18 Uhr, von Noisa
    054

    „Geht´s um Inhalt, geht es um Verpackung wegen repräsentativer Buchregale – soll´s ja auch geben – geht’s um Beides?“ hat @Mafalda geschrieben.

    Das Haben (Besitz) hat schon was, insbesondere wenn „es“ einem gehört (Eigentum). Je weniger greifbarer „es“ ist, desto weniger fühlt frau/man sich mit „es“ verbunden.

    (un)beweglicher Gegenstand ———> immaterieller Wert

    ————-> Abnahme des Besitztumseffekts ———–>

    Jetzt könnte angenommen werden, dass sich der Besitztumseffekt im Web verflüchtigt (Problem). Die Herausforderung könnte sein, (1) den Besitztumseffekt im Web zu verstärken, damit es gelingt, die Urheber für ihre Werke im Web zu vergüten oder/und (2) die Konsumenten zu verleiten, den Besitztumseffekt in die analoge Welt zu verlagern.

    Wie wichtig ist das „Haben“ für jeden einzelnen, @Mafalda? Ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Gesellschaft hierauf jemals verzichten kann, vielleicht weil die Kultur, in der wir leben, uns insoweit geprägt hat. Verändert das Web diese Kultur des Habens?

    Krass eben das Wort „Kollektiveigentum“, aber gut, wie gesagt… :) Ja, und zu Google kann ich nur Dich wieder zitieren, Mafalda, „Google, YouTube etc. : tja, jetzt sind wir alle angefixt…“ Die sind einfach clevere Unternehmer, machen einen auf social web, gieren nach unserem Webverhalten, unseren Infos und knöpfen uns irgendwann die Kohle ab. Deshalb: Vorsicht vor Monopolisten – Konkurrenz belebt das Geschäft, führt zu einem besseren, verbraucherfreundlichen Angebot.

    Antworten
  5. 3. September 2009, 15:28 Uhr, von Mafalda
    055

    @ Noisa

    Dein Artikel von 13:13 und das weiter darum geschrieben ist besagt ja schon: das “Haben” ist eine Determinante des “Seins”, eine Ausdrucksmöglichkeit der Person. Tja, und mir ist das reelle “Haben” eines Buches schon auch näher als das virtuelle obgleich der Inhalt derselbe ist (hmmm, derselbe? der Gleiche?). Die Juristen haben da noch das schöne Wort von “Herrschaftsgewalt über etwas” bei “Besitz”. Ich meine, daß ist ein wichtiges Momentum, was in der virtuellen Welt verloren ginge.

    Antworten
  6. 3. September 2009, 15:34 Uhr, von Dowanda
    056

    @noisa
    Über das “Haben”
    Das “Haben” hat, so glaube ich, nicht direkt etwas mit unserer Kultur zu tun. Es ist wohl viel älter als diese.

    Der Herr diktierte Mose bereits auf die Steintafeln, dass man nicht seines Nächsten Gut begehren solle. Platon setzte sich als erster mit den vier Kardinalstugenden auseinander, von denen eine die “Mässigkeit” ist und unter den Sieben Todsünden finden sich mit Habsucht, Völlerei und Neid allein 3 von 7, die auch direkt auf Eigentum und Besitz bezogen werden können.
    Geht man noch weiter zurück, so findet bei Hammurapi bereits Bestimmungen zum Umgang mit individuellem Besitz. Das Thema scheint wirklich omnipräsent zu sein; kulturunabhängig.

    Antworten
  7. 3. September 2009, 15:46 Uhr, von Noisa
    057

    Stimme Dir zu, @Dowanda, danke. :)

    Zur „Herrschaftsgewalt“: de.wikipedia.org/wiki/Besitz
    Gibt es Besitzähnliches im Web nicht auch, @Mafalda? Wir markieren Webseiten über Lesezeichen. Webseiten, PDF-Dokumente, Artikel, Fotos, Videos, Musik können auf der lokalen Festplatte eines Rechners abgelegt werden und sind so jederzeit ohne Web verfügbar. Man muss sich hieran nur gewöhnen.

    Genauso gewöhnungsbedürftig war/ist die Führung eines elektronischen Kalenders oder das Arbeiten mit digitalen Dokumenten. eLearning soll immer stärker kommen. Vermutlich müssen „besitzähnliche Strukturen“ (inkl. Umwandlung in analoge Medien) geschaffen werden, damit die Webangebote erfolgreich sind.

    Antworten
  8. 3. September 2009, 15:51 Uhr, von Dowanda
    058

    An dem eLearning merke ich, dass ich echt ne altmodische Amsel bin. Ich lerne am besten, wenn ich Papier in den Händen halten kann. Am besten, wenn ich damit auf und ab laufen kann. (Was mich an Duck’schen Bankraum im Duck’schen Geldspeicher erinnert *g*). Mit Laptop ist das anstrengend und mit nem Tischrechner schon gar nicht möglich.

    Antworten
  9. 3. September 2009, 15:51 Uhr, von Dowanda
    059

    Falsch: Duck’scher Denkraum im Duck’schen Geldspeicher (bin einfach zu mammonversucht …)

    Antworten
  10. 3. September 2009, 15:58 Uhr, von Mafalda
    060

    “Besitzähnliches im Web”, da können vielleicht besser Andere was dazu sagen. Ich für mich vermag es (noch???) nicht so zu benennen. Bin eher “Old School” und schreibe immer noch am liebsten mit Füller auf schönem Papier und brauche das Papier zwischen meinen Fingern zum Umblättern beim Lesen. Auch ein schön gestalteter Einband ist mir lieber als die Klappe meines Laptops, das Stöbern im Buchladen lieber als im Netz :-).

    Nichtsdestotrotz nutze ich das Netz zum “Überblick” verschaffen natürlich und lerne dazu ;-)

    Antworten
  11. 3. September 2009, 16:13 Uhr, von Mafalda
    061

    eLearning: hmm. Wie @ Dowanda schon beschreibt ist “Lernen” ja nicht nur eine kognitive, visuelle Sache. Die Sinneseindrücke DABEI unterstützen das Lernen. Mithin kann ich es lediglich als Puzzleteilchen, nicht jedoch als AUSSCHLIESSLICHES Lehr- und Lernmittel sehen.

    Auch LEHREN allein auf “eTeaching”-Basis finde ich schwierig: das Einfühlungsvermögen in die Lernenden fehlt und damit die Möglichkeit, eventuelle Umwege/Assoziationen einzubauen, damit das Lehr- und Lernziel erreicht wird.

    Antworten
  12. 3. September 2009, 16:15 Uhr, von Noisa
    062

    @Mafalda: Ein schöner Buchdeckel hat natürlich was oder ein toller Fotoabzug oder ein Livekonzert… Die Nutzung der analogen Werke wirkt sich für mein Empfinden positiver auf’s „Gemüt“ aus, vielleicht weil mehr Sinne angesprochen werden. Ich find‘ beides gut.

    Mafalda, ja, genau (16:13 Uhr) – hat sich überschnitten.

    Antworten
  13. 3. September 2009, 16:20 Uhr, von Mafalda
    063

    P.s.: “kognitiv” ist das falsche Wort; richtig ist “rational”. Sorry.

    @ Noisa
    :-))

    Antworten
  14. 3. September 2009, 16:24 Uhr, von Noisa
    064

    :)

    Antworten
  15. 3. September 2009, 17:45 Uhr, von Antje
    065

    Sogar die Schweiz soll demnächst in das Eigentum der Nachbarländer übergehen. :-)
    Der Knabe hat doch, gelinde gesagt, nicht mehr “alle Latten am Zaun”.
    http://bit.ly/18h2VZ

    Antworten
  16. 3. September 2009, 18:08 Uhr, von Siegmund
    066

    Nchdem ich lange Zeit nur online gearbeitet hatte, war es ein richtig ungewohntes Gefühl, ein Buch aus Papier in den Händen zu halten. Es kam mir aber zugleich auch altmodisch vor.
    Vielleicht weil man mit gedruckten Büchern aufgewchsen ist, kann man sich es nicht ohne vorstellen. Ich könnte mir aber tatsächlich vorstellen, dass in einigen Jahrzehnten Bücher nur noch in Museen zu sehen sind. Neben einer Druckmaschine a la Guttenberg.
    So war das damals.

    Antworten
  17. 3. September 2009, 18:08 Uhr, von Siegmund
    067

    Bitte zweimal ein “a” und raten wo.

    Antworten
  18. 3. September 2009, 18:17 Uhr, von Anja
    068

    @Cate
    (Deine Frage)”Ich verstehe, was du meinst. Aber bist du dann für dieses Freiheitsgefühl nicht abhängig von festgelegten Umständen und wiederum nicht frei?”

    Ja, richtig Cate, so wie es in der Gesellschaft und Gemeinschaft nun mal ist. Und man darf in diesem Zusammenhang nicht Freiheit mit Glück verwechseln. Übrigens empfinde ich es nicht als Einschränkung, wenn ich mich an bestimmte Regeln halten muss oder in bestimmten Situationen die Meinung des Teams vor meiner eigenen steht.
    In der Tat, ich habe keinen nine-to-five job, was mich definitiv freier von Zwängen macht. Ich kann, wie heute, spontan in einer Fußgängerzone stehen bleiben und mir eine Band anhören, die mir gefallen hat, da kein Chef darauf wartet, dass ich nach einer Stunde Mittagspause wieder am Schreibtisch sitze. Dafür arbeite ich selten weniger als 12 Stunden am Tag, was mich weder deprimiert noch einengt, ganz im Gegenteil!
    Daher muss meine Auffassung von Freiheit auch wirklich niemanden traurig stimmen. Auch nicht meine Auffassung von Arbeit.
    Ich finde es eher schade, wenn dies jemand aus der Ferne tut, nur weil er ein anderes Freiheitsgefühl hat.

    Ich wollte gar nicht so ausführlich werden, vor allem weil es nicht ganz zum Blogthema passt.

    Aber irgendwie kommen wir immer wieder zur Gretchenfrage zurück, “Was ist mir was wert? Was bin ich bereit, für Informationen im Netz zu zahlen? Bin ich überhaupt bereit zu zahlen?”
    Und wir lernen, dass es individuell sehr unterschiedlich aufgefasst wird. Und da spielt die persönliche Einschätzung von Besitz, Eigentum, Qualität und Freiheit eine große Rolle. Sowohl die Einschätzung in der digitalen, als auch in der analogen Welt.

    live and let live!
    Diese Einstellung wünsche ich mir oftmals in ganz vielen Bereichen unserer Gesellschaft

    Antworten
  19. 3. September 2009, 18:26 Uhr, von Anja
    069

    http://tinyurl.com/l2l6fq
    Dieser Text ist ganz interessant…

    Antworten
  20. 3. September 2009, 18:33 Uhr, von Anja
    070

    @Antje
    Der Knabe hat doch, gelinde gesagt, nicht mehr “alle Latten am Zaun�.

    Treffender kann man es wohl kaum ausdrücken!!

    Antworten
  21. 3. September 2009, 18:57 Uhr, von Anja
    071

    Ich bin mir übrigens sicher, dass Zeitschriften, Zeitungen und Bücher auch in Jahrzehnten noch nicht im Museum verstauben.
    Hier übrigens eine Idee, die Leser von Morgen frühzeitig zu akquirieren
    http://tinyurl.com/nnr35a

    Antworten
  22. 3. September 2009, 19:56 Uhr, von Noisa
    072

    Bei den Zeitungen/Zeitschriften ärgert mich, dass de facto nur ein Bruchteil davon gelesen wird, die Papiertonne damit jedoch befüllt wird. Oder wer hebt diese Druckerzeugnisse auf?

    „Die mengenmäßig wichtigsten Papierbereiche sind:
    • Produkte aus graphischen Papieren, wie zum Beispiel Zeitungen und sonstige Druckerzeugnisse sowie Büropapiere (Verbrauch rund 8,8 Millionen Tonnen p.a.) und
    • Produkte aus Verpackungspapieren, wie Verkaufsverpackungen, Transportverpackungen oder Umverpackungen (Verbrauch rund 6,9 Millionen Tonnen p.a.) „
    aus: http://www.bmu.de/abfallwirtschaft/fb/altpapier/doc/3146.php

    Abgesehen von Zeitungspapier kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich jemals eine Zeitschrift im Abo auf Recyclingpapier hatte. Was Haptisches ist wunderbar, aber wenn ich vieles sowieso quer lese/überfliege dann reicht mir auch das Online-Angebot, für welches ich durchaus zahlen würde…

    Für @Sigmunds Annahme spricht durchaus was, jedenfalls für den Zeitschriften- und Zeitungsbereich.

    Antworten
  23. 3. September 2009, 19:57 Uhr, von Noisa
    073

    @Siegmund, sorry!

    Antworten
  24. 3. September 2009, 21:11 Uhr, von PP
    074

    @cate

    Solange ich maßvoll mit Eigentum umgehe, nicht gierig werde und mit anderen Menschen teile ist das für mich in Ordnung.

    Ansonsten kann ich mich nur (schon wieder) @Anja 18:17 anschließen.

    Antworten
  25. 4. September 2009, 2:59 Uhr, von Yolande Langendijk
    075

    Don Tapscott: „Capitalism at iys best…� ???
    Damit komme ich nicht aus! Dass soll eher sein ‚Capitalism resolved’ also kein capitalism.
    Umgedacht also!

    Schönen Tag,

    Antworten
  26. 4. September 2009, 11:24 Uhr, von Walter
    076

    Jean Jacques Rousseau (http://www.textlog.de/rousseau_vertrag.html) meinte, je mehr wir Menschen uns von einem natürlichen Zustand entfernen, desto notwendiger wird ein Gesellschaftsvertrag, in dem wir Willkür und Gewalt einschränken und den gemeinsamen allgemeinen Willen- als Verfassung, Grundgesetz, moralische Konvention, politisches Programm oder in welcher Form auch immer- ausdrücken.
    Die digitale Welt ist sehr von einem Urzustand entfernt, weswegen es uns schwer fällt, mit unserem alten Erfahrungswissen die neuen Entwicklungen und deren Konsequenzen für den Gesellschaftsvertrag zu überblicken.

    George Orwell warnte vor der Gewalthaftigkeit einer anonym kontrollierten technisierten Gesellschaft im Überwachungsstaat, der sich in den totalitären Entwicklungen des Nationalsozialismus und Stalinismus erstmals manifestierte. Amazon hat mehr als unglücklich gehandelt, als es ausgerechnet 1984 anonym und aus technisch begründeter Machtbefugnis wieder einzog. Diese Tat war wohl kein Diebstahl, sondern noch legal, aber dumm da nicht kommuniziert.
    Wir sollten nicht nur das Kleingedruckte lesen, wenn wir über das Internet Verträge abschließen, sondern grundsätzlich über die Realisierung des “allgemeinen Willens” in einer technisierten Welt nachdenken. Dabei geht es weniger um eine Bedrohung unserer Freiheit im herkömmlichen Sinn, als um eine Bedrohung unserer Integrität, die sich auch in die digitale Welt erstreckt.
    Die Grenzen zwischen Ich und Kollektiv werden in sozialen Netzwerken neu und anders als im real life definiert, das second life wird mehr und mehr Teil unserer postmodernen Identität.
    Unsere Aufgabe, individuell und als Kollektiv liegt darin, diese neue Form von Integrität zu erkennen und Regeln zu ihrem Schutz als Ausdruck eines allgemeinen Willens zu formulieren.
    Dazu bedarf es der Verständigung über Netzwerke und auch Massenmedien. Wir dürfen die Entwicklungen nicht laufen lassen, denn Freiheit bedeutet ebenso Verantwortung.
    Die Gesellschaft ist in Bewegung, Rollen und Identitäten ändern sich. Um das Wichtige und Menschliche zu bewahren sollten wir den gesellschaftlichen Dialog nutzen und uns als offene Zivilgesellschaft bewähren. Darin liegen Herausforderung und Chance unserer Zeit. Kollektiv bedeutet eben auch Beziehung und Teilhabe in einem positiven, auf die Zukunft gerichteten Sinn.

    Antworten
  27. 4. September 2009, 15:16 Uhr, von Ramona
    077

    OT
    Passt ausnahmslos gut zum Posting „Politik und Poesie“!

    Hier hat aber auch einer, rein gar nichts dazu gelernt:
    http://tinyurl.com/lo2eq4

    Antworten
  28. 4. September 2009, 15:17 Uhr, von Walter
    078

    Die Grenze zwischen privat und öffentlich ist keine technische sondern eine persönliche. Betroffen sind nicht allein erkaufte Zugriffsrechte auf öffentlichen Besitz, sondern auch unsere als persönlich empfundene Daten auf weltweit verteilten Servern, gleichgültig ob sie unseren Gesundheitsstatus oder unsere Bonität verraten: Privatsphäre? (tinyurl.com/lga7gl)

    Wie groß ist das Recht des Kollektivs auf Information? Ist dies die zeitgemäße Form des Totalitarismus: Alles über den Einzelnen wissen zu wollen, zum Nutzen der Vielen?
    Kann es ein Glück der Mehrheit geben, wenn dadurch Freiheit und Selbstbestimmung des Individuum aufgehoben werden? (tinyurl.com/mls9sf)
    Doch 1984?

    Antworten
  29. 4. September 2009, 15:56 Uhr, von irgendeine Userin
    079

    Im Artikel “Motivation und Belohnung- Geld macht faul” der sueddeutsche.de findet sich folgender Hinweis:

    Verhalten lässt sich nicht durch äußere Anreize oder Sanktionen beliebig an- und ausschalten. Und Projekte wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia beweisen mittlerweile, dass motivierte Menschen auch für Null-Honorar ihr Bestes geben.

    Viele Kunstschaffende erhalten jahrelang keine Bezahlung ihres Tuns und ihrer Werke und sie kunstwerken trotzdem.

    Vielleicht muss über Vieles neu nachgedacht werden: Arbeit, Kunst, was tut das Mensch?

    Mit einem Auge schiele ich immer mal wieder zu den Diskussionen über das Grundeinkommen und versuche mir eine Gesellschaft vorzustellen, die tätig ist – wie auch immer – aber nie sich um das Lebensnotwendige sorgen müsste.

    Der Artikel der Süddeutsche wäre ein Zeichen dahin, dass Menschen auch ohne Gelderwerbstätigkeit arbeiten würden, wenn sie für sich das Richtige fänden.

    Was dann übrigbliebe vom Blogeintrag, wäre die nicht befriedrigte Eitelkeit der Produzierenden, die seit der Neuzeit gelernt haben, ICH zu sagen, denken und schreiben und nicht mehr das Ego von außen geschmeichelt bekämen.
    Da müsste dann am Selbstbewusstsein gearbeitet werden. ;-)

    Antworten
  30. 4. September 2009, 16:01 Uhr, von Noisa
    080

    @Ramona, da fehlen mir die Worte. Ausgerechnet Rüttgers, der sich offen und sozial gibt, diskriminiert… :(

    Antworten
  31. 4. September 2009, 16:09 Uhr, von Mafalda
    081

    @ Ramona

    Madre mia, was für ein “Pas-de-Deux”… und das ausgerechnet von dem frisch in der Wolle gewaschenen Herrn Rüttgers.

    @ Irgendeine Userin

    ;-) sehr schön auf den Punkt gebracht.

    @ Walter

    Diese Datensammlungen, so wird “uns” suggeriert, geschähen allein zu “unserem Besten.”

    Auf “Ich will doch nur Dein Bestes.” gibt es im Hinblick darauf für mich nur die Antwort: “Du kriegst es aber nicht.”

    Antworten
  32. 4. September 2009, 17:07 Uhr, von Ramona
    082

    @Noisa und @Mafalda
    Tja, wenn der Politiker im Wahlkampf mal so ins Plaudern gerät, kann es passieren, dass sich das Hirn abschaltet.
    Aber die Herren auf dem Podium scheinen köstlich amüsiert.
    Es kann einem übel werden!

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

    Antworten
  33. 4. September 2009, 17:33 Uhr, von Noisa
    083

    Ganz übel, @Ramona.

    Ein schönes Wochenende! :)

    Antworten
  34. 4. September 2009, 19:04 Uhr, von Mafalda
    084

    @ Ramona

    Näää, das Hirn ist eingeschaltet. Don´t doubt about it. Seine Absonderungen sollten wohl nicht öffentlich werden. Ich guck nochmal in YouTube, solang es noch geht, ohne für sowas zu bezahlen ;-)

    Antworten
  35. 4. September 2009, 19:09 Uhr, von Mafalda
    085
    Antworten
  36. 4. September 2009, 19:10 Uhr, von Mafalda
    086

    Ma, schon wieder das Gedoe. Jedenfalls WAR unter der Adresse der Auftritt. Sorry.

    Antworten
  37. 4. September 2009, 19:18 Uhr, von Mafalda
    087
    Antworten
  38. 4. September 2009, 19:20 Uhr, von Mafalda
    088

    Aha, diesmal war´s mit Brille ;-).
    - Zu Rüttgers. Das ist mit Hirn, sehr öffentlich und so gewollt.

    Antworten
  39. 5. September 2009, 9:21 Uhr, von Walter
    089

    Partizipation, Dinge gemeinsam zu besitzen und zu benutzen erfordert Kooperation und Vertrauen.
    Modelle wie das CarSharing funktionieren, wenn die Spielregeln von möglichst vielen Teilnehmern akzeptiert werden.
    Die Bedingungen für Kooperation liegen in Empathie, Altruismus und Solidarität als evolutionäre Entwicklungen menschlichen Sozialverhaltens. Die Erfahrungen und Ernüchterungen der Postmoderne, vorerst gipfelnd in der Banken- und Wirtschaftskrise veranlassen zum Nachdenken über Sinnhaftigkeit menschlicher Gesellschaften und deren – nachhaltigen- Zukunftsperspektiven. Wenn auch Solidarität und Vertrauen von abgebrühten, zum Zynismus konvertierten Idealisten als Sozialromantik belächelt wird, zeigen Studien immer wieder, dass diese grundlegenden Verhaltensweisen nach wie vor das menschliche Verhalten beeinflussen. Dies geschieht weniger nach den Maximen des Utilitarismus als nach den Regeln der Spieltheorie in Form von Gewinnoptimierung und “Belohnung für die gute Tat”. (tinyurl.com/ndflfg)

    Jeremy Rifkin, der nüchterne Idealist hat auch darauf eine Antwort, die wir uns zu Weihnachten wünschen können:
    The Age of Empathy: Rethinking Civilization in a Fractured World (Gebundene Ausgabe – 24. Dezember 2009)

    Nur die Spielregeln fehlen noch.
    Aber wollen Barack Obama und Angela Merkel- und andere- stellvertretend für und mit uns, nicht die Welt verändern?
    Dann sollen sie sich auch trauen.

    Antworten
  40. 5. September 2009, 10:35 Uhr, von Mafalda
    090

    Die derweil nicht mehr in “Klassen” oder “Schichten” sondern in (einander durchaus überlappende) Milieus strukturierte soziale Welt erfordert in der Tat von allen Beteiligten eine Weiterentwicklung von Empathie, Offenheit und Vorstellungsvermögen/Phantasie über den eigenen Milieu-Tellerrand hinaus. Zur Moderation in der Diskussion um die Spielregeln brauchen diejenigen, die diese Aufgabe übernehmen, ein hohes Maß an Akzeptanz möglichst vieler Milieus (total aller utopisch) und vor allem Begeisterungsfähigkeit, Mitdiskutanten (nicht zu verwechseln mit den “alten” Lobbyisten!!) zu motivieren.

    Obama hat dies – so jedenfalls meine Rezeption – in den USA beispielhaft in seinem Wahlkampf praktiziert und geschafft. Nun ringt er jedoch mit tiefwurzelnden “alten” Vorstellungen von Gesellschaft.

    Frau Merkel hätte VIELLEICHT die Möglichkeit, da ihre politische Sozialisation eine nicht gewöhnliche ist. In Ansätzen praktizierte sie dies in ihrer Regierungsführung. Doch – es fehlt die Traute. Sie versucht, ihr Tellerchen = politisches Milieu möglichst “im Griff” zu halten. Ihre Motivationskompetenzen hingegen lassen dann doch zu wünschen übrig.

    Auch Parteien müssen sich von ihren Schicht- und Klassen, von ihren “Mitte”-Vorstellungen sowie Klientel-Programmen verabschieden. Das Getöse um “Die Linke” dokumentiert exemplarisch, wie tief dieses Denken noch verwurzelt ist. Dabei bildet “Die Linke” durchaus die Vorstellungen eines nicht unerheblichen Teils in den jüngsten Bundesländern ab. Dieser Teil der Bundesbevölkerung wird jedoch noch stets ein wenig abschätzig behandelt – ein sozialpsychologisches und -politisches Merkmal, das sicher auch noch eine Weile bestehen bleibt. Wie aber soll ein nicht unerheblicher Teil unserer Bevölkerung das Vertrauen in Teilhabe haben, wenn seine politische Willensbekundungen derart diskreditiert werden? Die Hybris der “älteren” Bundesländer und -parteien ist manchmal unerträglich.

    Antworten
  41. 5. September 2009, 10:38 Uhr, von Mafalda
    091

    P.S.: Es ist für mich eine unerlässliche Basis zur Aushandlung der Spielregeln, daß die Teilnehmenden “auf Augenhöhe”, wie es so hübsch heißt, diskutieren.

    Antworten
  42. 5. September 2009, 10:40 Uhr, von Mafalda
    092

    P.P.S.: Dasselbe gilt natürlich für globale Aushandlungsprozesse. Aber fangen wir als Grundlage dafür, als Übung dafür, erst mal vor der eigenen Haustür an ;-))

    Antworten
  43. 5. September 2009, 10:41 Uhr, von Dowanda
    093

    Die Kanzlerin wurde offenbar Opfer einer Eierattacke. Das erinnert mich an Arnold Schwarzenegger, der im Rahmen eines Wahlkampfauftritts 2003 ebenfalls mit einem Ei beworfen wurde – und dieses nonchalant mit dem Hinweis abputzte, der Herr schulde ihm jetzt auch noch etwas Speck.

    Wenn schon sonst Langeweile im Wahlkampf herrscht, sorgen wenigstens die geistigen Tiefflieger vor und auf dem Podium (Rüttgers) für Stimmung.

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  44. 5. September 2009, 15:03 Uhr, von Noisa
    094

    Etwas OT
    Manche Unternehmer/Journalisten entwickeln neue Ideen: http://theeuropean.de
    (Nach der Bundestagswahl geht’s wohl an den Start.)

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© Miriam Meckel 2002 bis 2010