MM_Toynbee
Zu den Kommentaren
20. September 2009, 11:43 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Wenn ich mir was wünschen dürfte …

„Kein Anschluss unter dieser Nummer” – das ist die klare Kennung eines fehlgeleiteten Anrufs im traditionellen Telefonsystems. Dann hat man sich verwählt. Am 27. September gibt es dafür keine so klare Kennung. Für eines der wichtigsten Themen der Innovations- und Zukunftsfähigkeit Deutschlands aber verwählen wir uns in jedem Fall.

Keine Partei bietet ein echtes Zukunftsprogramm für Deutschlands Weg in die digitale vernetzte Gesellschaft (mit Ausnahme der Piratenpartei, aber die hat für alle anderen Politikfelder kein Programm). Natürlich finden wir in den Wahlprogrammen viele hehre Sätze zum Schutz des geistigen Eigentums oder einer Kulturflatrate im Netz (SPD), zur Förderung der Hochtechnologie (CDU) oder zum Schutz der Privatsphäre (Grüne). Aber nicht ein Programm nimmt sich des Themas an, das uns in Zukunft beschäftigen und bestimmen wird, ob wir wollen oder nicht.

Das Internet ist kein Medium, das wir nutzen können oder nicht. Die digitale Vernetzung wird unser Leben verändern. Es wird die Gesellschaft herausfordern und verwandeln in Politik, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Wissenschaft und Kultur. Die Anzeichen dafür sind längst sichtbar. In der Wirtschaft brechen traditionelle Geschäftsmodelle weg (besonders die Medien leiden darunter), aber die Unternehmen versuchen lieber, mehr vom Alten in den Markt zu pressen statt sich herauszufordern und Neues zu probieren. In der Politik werden wir mit Blogeinträgen, Tweets und Videos der Spitzenkandidaten bombardiert, aber keine Partei hat wirklich begriffen, dass das Netz eine Plattform politischer Aktivierung sein kann, die vor allem die junge Generation motiviert. Den Obama-Effekt gibt es in diesem Wahlkampf nicht. In der Wissenschaft diskutieren wir furios über Open Access, anstatt uns zu fragen, wie sich deutsche Forscherinnen und Forscher über die digitale Vernetzung erfolgreicher als bisher in der globalen akademischen Gemeinschaft positionieren können. Und im Bildungssystem ist es in Deutschland noch immer ein schulischer „Standortvorteil”, wenn Kinder an einem veralteten Computer arbeiten können.

Internationale Vergleichsstudien zeichnen dementsprechend ein trauriges Bild von der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Das „World Economic Forum” ordnet uns aktuell auf Platz 20 ein im „Networked Readiness” Ranking hinter den USA und vielen asiatischen Ländern, aber auch schlechter als Österreich, England und Frankreich. Beim aktuellen „E Readiness” Ranking der „Economist Intelligence Unit” liegt Deutschland auf Platz 14. Das ist eine Schande für ein Land, das sich stets der Innovationsfreude rühmt. Es ist aber vor allem ein Schuldschein auf Kosten der zukünftigen Generationen, für den diese irgendwann die Quittung bekommen.

Das Internet ist nicht allein technologische Innovation, nicht nur eine weitere Kommunikationsplattform, nicht Spielplatz für Verrückte und Exhibitionisten. Die digitale Vernetzung bedeutet eine Zeitenwende. Eine Bundesregierung, die das versteht und politisch gestaltet, die wünsche ich mir.

Um sie zu gestalten brauchen wir technischen Breitbandanschluss für alle, höhere Investitionen in Forschung und Technologie und die Ausbildung zur digitalen Teilhabe in den Schulen. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unsere Gesellschaft nicht nur technisch, sondern auch sozial anschlussfähig ist. Es geht heute nicht um Medienkompetenz, wenn wir das Internet in die Schulen bringen. Es geht um die Lebensfähigkeit in der digitalen Gesellschaft der Zukunft.

80 Reaktionen

  1. 20. September 2009, 12:01 Uhr, von Mafalda
    01

    Wie soll eine Bundesregierung diese Herausforderung positiv, innovativ und integrativ annehmen können wollen, wenn strukturell mit dem Hochschul”freiheits”gesetz bundeshoheitliche Aufgaben an die Hochschulen delegiert wurden, die Föderalismusreform eher “Bundentlastungsreform auf möglichst vielen Strukturebenen im Inneren” (u.a. auch das Schulwesen) hieße?
    -> s.a. die Posse um SchulOBST<-

    Sprich: diese wünschenswerten Aufgaben stehen gar nicht mehr wirklich in der “Stellenbeschreibung Bundesregierung”.

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  2. 20. September 2009, 12:47 Uhr, von Anja
    02

    Dann habe ich mich schon verwählt, da briefgewählt!
    Die digitale Welt wird in der Politik leider immer noch in erster Linie als Gefahr und Sicherheitsrisiko angesehen. Wie soll man da positive und innovative Zukunftsvisionen entwickeln?
    Ich war ja schon positiv überrascht, dass ich meine Wahlunterlagen übers Internet anfordern konnte;-)
    Es kann einen ja schon amüsieren, mit welchen Einträgen bei Twitter Politiker das Internet “rocken” wollen:
    “Noch 5 Minuten bis zur ersten Prognose, schnell noch aufs Klo. #Europawahl #SPD #Steinmeier 5:55 PM Jun 7th”
    (ich hoffe noch, dass es sich hier vielleicht doch um den falschen Steinmeier handelt)

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  3. 20. September 2009, 13:54 Uhr, von Annette
    03

    Chapeau, Frau Meckel!

    Wieder einmal ein vorzüglicher Artikel.
    Dennoch sehe ich gerade in Zeiten, in denen dem Volke suggeriert wird, mit einer Umverteilung der Vermögen könnten alle Probleme aus der (Bundesdeutschen) Welt geschaffen werden, kaum Spielraum für solch „abstrakte“ Themen.
    Sie beschreiben Schritt 70 ;-) einer Prozesskette, an deren Anfang das unmissverständliche Need einer (unpopulären) Veränderung der klassischen Arbeits-, Bildungs- und natürlich auch Kommunikationswelt stehen muss.
    Und hier beginnt die Misere. Es geht uns noch (zu) gut. Statt Vorreiter oder wenigstens Trittbrettfahrer zu sein, nehmen die Menschen doch jegliche Veränderungen als störend oder gar Bedrohung auf. Ein wahrer Nährboden für Populisten und ein Mienenfeld für die Politiker, die sich dieser Themen annehmen.
    Aber: Wie lange können wir uns diesen Luxus noch leisten? Und wie erreichen wir den „Tournaround“?

    PS: Stecke meinen Wahlzettel persönlich in die Urne. Da lob´ich mir die alte Tradition ;-)

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  4. 20. September 2009, 14:51 Uhr, von Cate
    04

    Die Bundesregierung ist bisher wirklich nur in Sachen Internet aktiv geworden, wenn es um eine “Gefahrenbegrenzung” ging. Dadurch entsteht Misstrauen in der Gesellschaft, wenn es darum geht, etwas Sinnvolles mit dem www anzustellen geschweige denn es als etablierten Bestandteil unserer Kultur anzusehen. Vielmehr scheint die Onlinewelt vielen als eine Art “Sonderzone” zu dienen, in der lustige Sachen passieren und man alles finden kann, was das Herz begehrt (WIRKLICH alles). Die spannenden Konzepte laufen eher im Hintergrund ab, unter den Augen weniger “Auserwählter”. Auch diesbezüglich scheint es eine Zweiklassengesellschaft zu geben.
    Den Lehrauftrag “EDV” haben die Schulen zwar im Lehrplan, aber völlig falsch umgesetzt. Wenn ich mich an den Unterricht erinnere, den wir alle zwei Wochen im Computerraum hatten… Bezeichnend für die Stimmung in den Stunden ist sicherlich dieser Ausspruch, den unser Lehrer eines Tages tätigen musste: “Bitte nicht die Disketten werfen!”
    Es herrschen aber auch heute noch riesige Unterschiede zwischen einzelnen Schulen, aber auch Bezirken oder sogar Bundesländern, was die Ausstattung mit aktuellem (!) EDV-Equipment btrifft. Und das ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern vor allem ein ideologisches. Das Bewusstsein für die Unumgänglichkeit der Onlinewelt als Bestandteil unserer modernen Kultur ist überall unterschiedlich ausgeprägt.
    Es bleibt zu hoffen, dass Parteien, wie die Piratenpartei zumindest neue Themen auf die Agenda setzen. Schlussendlich kommt keine Partei um das Thema Internet herum. Nur die Bundestagswahl 2009 wird noch nicht der Zeitpunkt sein, zu dem dieses Bewusstsein in der Politik angekommen ist.
    Aber es ist auch die Frage, ob die Verantwortung allein bei einer Regierung liegt. Wenn wir das Internet als einen Teil unserer Gesellschaft sehen, dann gestalten wir diesen Bereich genauso, wie all die anderen Bereiche mit jedem Schritt und jedem Wort und und und…

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  5. 20. September 2009, 14:55 Uhr, von PP
    05

    @Anja

    Briefwahlunterlagen kann man zum Glück schon seit einigen Jahren über das Netz ordern.

    Die digitale Welt wird leider nicht nur in der Politik als Gefahr angesehen. Ich erlebe andauernd, dass Menschen nicht einmal wissen wie man eine E-Mail versendet und auch Angst davor haben, dass dann etwas ganz ganz Schlimmes passiert. Wenn ich dann mit meinem ausgeleierten Satz komme: “Das Internet ist die Zukunft” werde ich ausgelacht und es heißt “da sollen sich unsere Kinder drum kümmern, wir nicht mehr”. Ich spreche hier von 30-40 Jährigen und nicht von Rentnern, die dem Medium oft aufgeschlossener gegenüber stehen.

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  6. 20. September 2009, 15:20 Uhr, von Liesel
    06

    „Um sie zu gestalten brauchen wir technischen Breitbandanschluss für alle,…“ Oh ja! :-)

    Was Frau Meckel im Posting angesprochen hat, wäre Thema beim Ausschuss für Kultur und Medien und beim Unterausschuss Neue Medien (bundestag.de/bundestag/ausschuesse/a22/index.jsp). Soweit ich das mal mitbekommen habe, sind diese Ausschüsse weniger gefragt bei Bundestagsabgeordneten. Hier kann eher ein Platz ergattert werden, wenn andere Ausschussplätze schon dicht sind. Oh, oh, oh und nochmals oh. Die scheinen ja richtig mit Fachleuten besetzt zu sein.

    Vorbildlich:
    „Estland – Tigersprung ins Drahtlos-Netz“, Spiegel am 22.06.2007:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,488083,00.html

    Antworten
  7. 20. September 2009, 15:32 Uhr, von Seantie Moenes
    07

    @ Liesel:

    Liest sich so, als würdest du Frau Meckel ein Jobangebot machen wollen. *g*

    Antworten
  8. 20. September 2009, 15:39 Uhr, von Noisa
    08

    Ein gutes Posting! Ich habe gerade aus Interesse geschaut wie oft – wohl eher wie selten – dieser Unterausschuss Neue Medien in 2009 getagt hat und was Inhalt war (s. im Archiv unter Bundestag.de). Da ging es mehr um den Datenschutz und um Internetsperren als um eine generelle Ausrichtung und Bedeutung der neuen Medien in unserer Gesellschaft.

    @Seantie Moenes, dann gäbe es da wenigstens eine echte Fachfrau! :) Aber ob das die anderen Mitglieder begrüßen würden? Wer mag schon Nachhilfeunterricht, wenn auch nett verpackt… :)

    Antworten
  9. 20. September 2009, 15:41 Uhr, von Noisa
    09

    Danke für die Links, @Liesel. :)

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  10. 20. September 2009, 16:01 Uhr, von Anja
    010

    @PP
    Da sieht man mal, wie gering meine Erwartungshaltung bis dahin war;-)

    Habe die Wahlunterlagen, wenn nötig, immer per Post angefordert und per Brieftaube erhalten. Ich dachte, dass wäre die einzige Möglichkeit…
    Diesmal habe ich das erste mal davon gelesen, dass es auch per Internet geht.
    Aber es beruhigt mich, dass wir in dieser Beziehung dann doch schon viel fortschrittlicher waren!!;-)

    Allen eine gute Wahl!!!;-)
    (jeder nur ein Kreuz passt ja leider nicht…)

    Antworten
  11. 20. September 2009, 16:36 Uhr, von Fabian
    011

    Ich gebe zu, ich sehe das ganze nicht ganz so euphorisch wie Sie, Frau Meckel.

    Ein Großteil der Deutschen ist zwar vernetzt, aber das heißt nicht, dass die sich permanent im Internet tummeln. Mir geht der politische Internetaktionismus so mancher Blogger im übrigen teilweise ziemlich auf den Senkel, da ich nicht glaube, dass Demokratie so funktioniert (da machen wa jetzt mal ne schöne E-Petition gegen Zensursula und twittern das und da müssen die Politiker so wie wir das wollen entscheiden und wenn die das nicht tun, dann wähl ich die nicht mehr, obwohl ich die immer gewählt habe – siehe SPD Johnny von Spreeblick), was ist denn das bitte für ein Schmalspur Politikverständnis?

    Und mal ehrlich, wenn NERDS demnächst sämtliche politischen Entscheidungen herbeiführen, weil die permanent im Netz herumschwirren und sich da zusammentun, dann will ich in diesem Land definitiv nicht mehr leben. Ich beobachte die derzeitige digital-politische Spaltung in Deutschland eher mit großer Skepsis, der Mobilisierungsfaktor durch das Netz ist in der Tat enorm, nur: Entspricht er der politischen Realität? Ich habe andere Erfahrungen gesammelt.

    Nichts desto trotz würde ich mir von den politischen Parteien mehr Elan, mehr Inhalte für eine digitale Zukunft wünschen und nicht nur Allgemeinplätze, aber wenn selbst die Junge Union das Thema “Rente” für das Dringlichste hält…

    Politik ist zudem völlig inhaltlich enthöhlt dieser Tage, ich finde die ganzen Allgemeinplätze furchtbar öde und kann mir das wirklich nicht mehr angucken. Ich glaube nicht, dass das durch das Internet besser oder anders wird. Ohnehin bin ich skeptisch, ob die neuen Medien alles zum Positiven verändern werden, wenn ich jetzt schon sehe, was der “Fernsehjournalismus” mit der Politik angerichtet hat…

    Antworten
  12. 20. September 2009, 16:40 Uhr, von Fabian
    012

    Hatte ich schon erwähnt, dass ich gerade aus verschiedenen Gründen einen ganz konservativen Flashback habe? :-)

    Antworten
  13. 20. September 2009, 17:09 Uhr, von Anja
    013

    Nee, Fabian, merkt man aber auch gar nicht;-)

    Antworten
  14. 20. September 2009, 17:14 Uhr, von Miranda
    014

    Ich finde es zur Zeit wirklich ausreichend was mir dass Internet bietet, ich kann wenn ich will mir Informationen holen, recherchieren, bloggen, meine Filme schneiden, mich anderen Ländern nahe fühlen, alles in allem für mich eine gewaltige stille Revolution…
    Zum Thema Medienkompetenz gibt es eine Menge zu sagen, für die Kinder ist doch alles viel selbstverständlicher und der Paradigmenwechsel vollzieht sich doch gerade, wir sind mittendrin, mir ist das Ranking gerade nicht so wichtig.
    Wichtiger finde dass trotz der digitalen Revolution
    - die persönlichen Begegnung prioritär bleibt
    - dass auch wenn ich mir die Informationen aus dem Netz hole mir dass Bücher lesen nie unwichtig wird
    -dass ich trotz der permanenten Reizüberflutung und dem Überangebot an Information und Zerstreuung ich die Stille ohne Computer und Handy nie unerträglich finde…
    Dass hat für mein Leben die wahre Relevanz.
    Dass für Schutzmaßnahmen gesorgt wird finde ich wichtig, da es nicht gut ist dass alle Pervesionen im Internet frei verfügbar sind ( denke da ganz konkret an Kinderpornographie)
    Auch sollte durch die Anonymisierung es nicht vergessen werden dass wir uns respektvoll begegnen sollen
    Alles in allem ich möchte es nicht mehr missen, aber genauso auch dass ich jederzeit mich dem Internet entziehen kann und ein Real Life habe

    Antworten
  15. 20. September 2009, 17:30 Uhr, von Miranda
    015

    Wenn ich mir was wünschen dürfte…

    dazu würde mir sicherlich was anderes einfallen…

    ich würde mir wünsche Lucca läge nicht 1000km entfernt

    Ich würde mir wünschen ich könnte perfekt italienisch

    der Alltag wäre bunter, die Kinder nicht immer so streitlustig…

    ich würde mir wünschen dass Beduinenzelt vom Antagon Theater mit der Chai und Obst Bar wäre in meinem Garten

    und dann natürlich Weltfrieden und schöne interessante, kluge Frauen

    Antworten
  16. 20. September 2009, 17:45 Uhr, von Ramona
    016

    „Und im Bildungssystem ist es in Deutschland noch immer ein schulischer „Standortvorteilâ€?, wenn Kinder an einem veralteten Computer arbeiten können“.

    Laut Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom Jahr 2006 zur „IT-Ausstattung der allgemein bildenden und berufsbildenden Schulen in Deutschland, liegt die durchschnittliche Ausstattung deutscher Schulen mit Computern, bei 1 Computer für 11 Schüler.

    So lange in Deutschland Bildung Ländersache ist und mit 16 unterschiedlichen Schul-Bildungssystemen rumgewurschtelt wird, sind wir von einer zukunftsfähigen Bildungslandschaft meilenweit entfernt.
    Eine auf Informations- und Kommunikationstechnologie basierende, deutschlandweit einheitliche Bildung, ist in der Zukunft unabdingbar.
    Kindern und Jugendlichen müssen bereits während der schulischen Ausbildung, entscheidende Fähigkeiten und Schlüsselqualifikationen im Umgang mit digitalen Medien gelehrt werden. Vor allem die Kinder, die in ihrem Elternhaus nicht so gut ausgestattet sind, die nicht so selbstverständlich über das notwendige Equipment und über die notwendige Anleitung verfügten, haben so die Möglichkeit den Umgang mit den Neuen Medien zu erlernen.

    Antworten
  17. 20. September 2009, 18:06 Uhr, von Noisa
    017

    Stimmt, @Ramona. Das Equipment ließe sich noch gratis besorgen. Ausrangierte Computer bei Unternehmen, welche aber durchaus technisch ok und webtauglich sind, könnten gespendet werden. Das blöde ist nur, dass sich die Familien meistens keinen Webzugang leisten können, wenn nicht zufällig eine Möglichkeit zum Mitsurfen durch einen gönnerhaften Nachbarn eingerichtet wurde.

    Sobald Kinder in der Bedarfsgemeinschaft Arbeitslosengeld II beziehen, muss es einen Gratis-Webzugang geben! Insoweit finde ich die Anregung von Frau Meckel ganz wichtig. Und für Unternehmer/Freiberufler/Privatpersonen sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, dass Sachspenden von unpfändbaren Arbeitsmitteln an Arbeitslosengeld II-Empfänger in Höhe des Verkehrswertes zum Spendenabzug berechtigen. So gehen die PCs weniger an die Mitarbeiter eines Unternehmens, sondern an Bedürftige.

    Antworten
  18. 20. September 2009, 18:08 Uhr, von Mafalda
    018

    @ Fabian und @ Miranda sprechen einen Punkt an, der mir ebenfalls wichtig ist:

    Nerd-Herden sind ebensowenig wünschenswert wie eine ausschließliche E-Learning-Kultur.

    Auch muß nicht alles Bildungswesen diversen spezialisierten Wettbewerbs- und Ranking-Regeln (wer macht warum welche Regeln, stellt Kriterien auf, ist nicht immer transparent…) unterworfen werden.

    Estland hat unter anderem deshalb den “Tigersprung” geschafft, weil es um die Durchsetzung der Netzzugangsrechte und damit dem Zugang zu dieser Ressource eben keinen wirtschaftlichen Wettkampf gab, sondern Non-Profit-Unternehmen für die Umsetzung der Grundrechtsdirektive und deren Erfolg zuständig waren. Die Kultur, das gesellschaftliche miteinander wurden dadurch beflügelt, weil jedenfalls strukturelle RESSOURCENgrabenkämpfe dadurch ziemlich minimiert waren und sich Menschen wie Organisationen um die Entwicklung von INHALTEN kümmern konnten. Und darum, daß diese Inhalte Nutzungs- und kommunikationsfreundlich in beiden Richtungen zwischen Sender und Empfänger gestaltet werden. (Das weiß ich aus einem Thekengespräch, was ich mal in Amsterdam mit einer Estin führte; kleine Addition zu @ Liesels Link)

    Antworten
  19. 20. September 2009, 18:23 Uhr, von Mafalda
    019

    @ Noisa
    So nett der “Spenden”-Gedanke ist: für SCHULEN sollte eine adäquate IT-Ausstattung samt Zugängen zum Netz nicht “Goodwill”- abhängig sein. Professionelle Pflege und Wartung nicht von ZUFÄLLIGEN Lehrer/innen-Kompetenzen im IT-Bereich.

    Antworten
  20. 20. September 2009, 18:40 Uhr, von Noisa
    020

    @Mafalda, ja, die Schulen sind mit Neugeräten auszustatten. So teuer sind Computer nicht mehr, zumal es für Schulen günstige Gesamtpakete, insbesondere im Software-Bereich gibt. Wartungskosten halten sich im Rahmen. Linux beispielsweise kostet als Serversoftware nichts, läuft stabil und kann etliche Benutzer verwalten. Ein Hardwareunternehmen hatte mal die Idee, dass Kinder über ihr privates Netbook kabellos im Unterricht vernetzt werden können. Natürlich muss JEDES Kind ein solches haben. Ein Computer ist eine gute Lernhilfe, finde ich. Das Web ebenso. Mehr aber auch nicht. „Social Web“ finde ich nach wie vor als Begriff übertrieben.

    Eine Fassadenverschönerung einer Schule ist weniger wichtig wie zeitgemäßer (!) Unterricht ohne Ausfallzeiten. Obst schmeckt gut, ist gesund, aber genügend Aufsichtspersonal in Schulen mag für die Gesundheit der Kinder manchmal wichtiger sein als ein leckerer Apfel in der Pause.

    Antworten
  21. 20. September 2009, 18:43 Uhr, von Miranda
    021

    Ich glaube wir müssen uns keine Sorgen machen , an meiner Schule haben die Kinder nicht immer alle Internet zuhause und das Einzugsgebiet ist geprägt von Migranten und Hartz 4 Empfängern, wir haben den Internet Führerschein fest bei uns im Programm, die Kinder lernen den Umgang aber insbesondere auch dass es Zeiten für Internet gibt ( You tube Disco) aber es genauso auch andere spannende Dinge noch gibt ( Experimentier AG)…und unser Internet Cafe ist stark frequentiert im Stadtteil, was ich mit Sorge betrachte, denn dass Interesse der Jugendlichen liegt ganz klar bei den Spielen und You Tube, 8 jährige lächeln über mich wenn ich ihnen die Zusammenhänge von Netzwerken erzähle, umgehen können selbst 5 jährige damit.
    Finde dass wir uns darum keine Sorgen machen sollen, für die Kidz ist der Umgang mit dem Internet viel selbstverständlicher, ab der zweiten Klasse wird parallel zum Lernstoff schon gewisse Lernspiele im Internet angeboten…wichtiger finde ich die Begleitung und der sinnvolle Umgang mit diesem Medium ((Medienerziehung) denn da leigt die Gefahr der Suchtpotenzierung doch relativ hoch…gerade 12-16 jährige können sich in dieser virtuellen Welt doch verlieren…dass macht mir Sorge!

    Antworten
  22. 20. September 2009, 19:00 Uhr, von PP
    022

    @Ramona
    Ich stimme dir zu. Gestern habe ich mich mit einer Lehrerin über dieses Thema unterhalten und wir sind zu dem selben Schluß gekommen. Ein einheitliches Bildungssystem wäre vorteilhaft und eine ordentliche IT-Ausstattung grundlegend.

    Aber Kevin wird so oder so keine Chance haben…

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,649421,00.html

    Antworten
  23. 20. September 2009, 19:13 Uhr, von Noisa
    023

    Diese “Namensfalle” gibt es nicht nur in der Schule, @PP. Kevin oder Marvin (manchmal auch mit W) sollten fast schon im Interesse der Kinder verboten werden, sorry, wenn ich das so drastisch formuliere. Bei den Mädchennamen fehlt “Jennifer”.

    Antworten
  24. 20. September 2009, 19:24 Uhr, von Anja
    024

    Kinder und Jugendliche können mit Sicherheit ohne größere Probleme einen PC zusammenbauen und auf der Tastatur schneller klimpern als die Labeque Schwestern gemeinsam auf dem Klavier. Ich denke, es geht aber um mehr. Wie kann ich das Internet zielgerichtet nutzen, wie kann ich analog und digital sinnvoll miteinander verbinden oder was kann ich vereinfachen und lernen.
    Meine Freundin arbeitet im EDV Bereich und ist umlagert von ambitionierten Praktikanten. Leider sind viele nicht in der Lage, das Internet so zu nutzen, dass sie es gezielt zur Problemlösung oder Erarbeitung bestimmter Sachverhalte einsetzen können. Obwohl die meisten damit aufgewachsen sind, verstehen es nicht alle, diese Voraussetzung zu Ihrem Vorteil zu nutzen.
    Ich denke, hier muss im Bildungssystem nahezu Entwicklungsarbeit geleistet werden. Man darf nicht den Fehler machen, auch hier wieder nur die Gefahren zu suchen und Kinder in Verbindung mit PCs ausschließlich als Nutzer von Ballerspielen und potentiell suchtgefährdet zu sehen!
    Lieber sollte man Ihnen die vielseitigen Möglichkeiten aufzeigen. Das ist definitiv ein Auftrag für die Schulen. 

     

    Antworten
  25. 20. September 2009, 19:35 Uhr, von Mafalda
    025

    @ Noisa @ PP, womit wir bei einem weiteren Punkt wären: die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern. Sozialpsychologische und selbstreflektorische Kompetenzausbildung neben Didaktik und eben Mediennutzung, – einsatz sind ebenso wichtig wie Fachkompetenzen in den gewählten Schwerpunktfächern.

    Antworten
  26. 20. September 2009, 19:38 Uhr, von Ramona
    026

    @Anja, ich bin ganz mit Dir.
    Aufgabe von Schule muss es sein das Potenial was Kinder und Jugendliche im Umgang mit den neuen Medien haben, in die richtigen Bahnen zu lenken.

    Antworten
  27. 20. September 2009, 20:58 Uhr, von Ingo
    027

    Ganz ohne Frage – ohne Computer/ohne Internet & Email geht heute ja fast nichts mehr…

    Mein Partner und ich haben lange Zeit in unserer Wohnung in Karlsruhe gewohnt und verfügten dort über einen (zeitgemäßen) DSL 6000 Anschluß.
    Im letzten jahr haben wir uns entschlossen ein “kleines Häuschen” zu bauen und da Bauland in Baden-Württemberg nicht nur knapp sondern auch sündhaft teuer ist, haben wir uns für das benachbarte Rheinlandpfalz – ca. 13km und 2 Ortschaften weiter entschlossen.
    Dass wir hier in die “technologische Steinzeit” gezogen sind, konnte man ja vorher nicht ahnen.
    Mit DSL 384 (!) ist man hier “gut versorgt”. Es gibt “nur” Telekom. Kein anderer Anbieter kann liefern.
    Gleiches gilt für TV – Kabelfernsehen – denkste! (o.k. wir wollten eh wieder Satellit, aber Telefon und Internet über Kabel wäre vielleicht ja eine Alternative gewesen)

    Man muss nicht lange suchen, um Defizite in Versorgungsbereichen zu finden.
    Aber “manche Parteien” haben ja versprochen, sich drum zu kümmern…
    Auch ich, als Nicht-Inter-Junkie, wäre einem “Fremdwählen” bei deratigen Verbindungen gewillt… ;-)))

    Ganz nebenbei bin ich dafür, dass Kindern und Jungendlichen in den Schulen das Medium “Computer” näher gebracht werden – dabei finde ich, dass es nicht einmal das Internet sein muss – es gibt vieles “Offline” zu erlernen, was später im beruflichen Alltag wesentlich wichtiger ist!!!

    Mein erster Computer war ein C16 bzw. C64 – da hat man noch was gelernt! Da gab’s noch keine schöne, bunte, grafische Oberfläche mit “viele Knöppies”!!!

    Antworten
  28. 20. September 2009, 21:32 Uhr, von Fabian
    028

    Anja, das Schlimme ist, ich fühl mich pudelwohl.

    Zum Thema Medienpädagogik etc. – uff, ich glaube, das hatten wir jetzt schon zum gefühlten tausendsten Mal hier: Das Curriculum gibt es derzeit nicht her, zumindest nicht in NRW. Außer Schulen ans Netz ist mir hier nichts bekannt.

    Generell ist mein Plädoyer, damit auch Kinder aus sozial schwachen Familien in Deutschland bessere Chance haben: Frühförderung, Frühförderung, Frühförderung und zwar von qualifizierten Kräften und nicht von Kindergärtnerinnen ohne besondere Ausbildung in eine Art “Kinderverwahranstalten” – das ist ein Modell von anno tuck und überhaupt nicht mehr zeitgemäß.

    Und: Mehr Ganztagsangebote! (die bezahlbar sein müssen, bin ja fast vom Hocker gefallen, wie teuer das ist.) und im Rahmen dieser Ganztagsangebote dann auch medienpädagogische Angebote.

    Ich finde es wirklich erschreckend, wie langsam und rückschrittlich Deutschland in all diesen Bereichen ist.

    Und ja, auch wenn es natürlich sehr charmant und mitreißend
    war, auch auf den von MM angesprochenen Popstar-Obama-Effekt kann ich verzichten, dann lieber so einen knorrig-sperrigen Typen wie Peer Steinbrück, der sagt, was Sache ist – vor allem in Kombi mit Angie. Der ist ja immer wieder herrlich störrisch, aber hat der nicht gesagt, dass er in keine Talkshow mehr geht??? Tssssk, und da soll mir noch mal einer Wankelmütigkeit vorwerfen…

    Antworten
  29. 20. September 2009, 22:14 Uhr, von Miranda
    029

    Kindergärtnerinnen ohne besondere Ausbildung?
    da reihst du dich @Fabian gerade mit Herrn Sommer ein der Kindergärtnerinnen auf die Stufe mit Verkäuferinnen setzt!
    Der Beruf der Erzieherin,
    5 Jahre Ausbildung davon zwei Jahre mit 150 DM vergütet für 42 Wochenstunden, Pädagogik Psychologie, Didaktik, Politik Soziologie in den Prüfungsfächern und dann wird man als Kindergärtnerin milde abgetan..( (diesen begriff gab es nur in der ehemaligen DDR).es ist wirklich die Höhe, eine Frechheit..bin inzwischen Sozialpädagogin und habe meinen Fachwirt und ein Managementzertifikat obendrauf aber trotzdem bringt es mich immer noch in Rage wenn dei Arbeit von Erzieherinnen so mies gemacht wird…an den miesen Pisa Ergebnissen sind vor allen Dingen das veraltete Schulsystem schuld, Kinder in Frontalunterricht zu belerhen statt dass Potential des einzelnen zu sehen und zu fördern…gehe doch mal eine Woche in den klasssichen Kita Alltag und sage mir ob die Arbeit dort minderwertig wird ist.Natürlich mit 25 Kindern in der Gruppe und 1,5 Mitarbeitern ist dass nicht optimal aber auf alle Fälle nicht minderwertiger…ist jetzt schon das zweitemal dass bei AW dass so durchgeht, meine Achtung vor Verkäuferinnen aber die Ausbildung dauert nur halb so lange…Lehrer/innen haben nicht mit sowas zu kämpfen…sorry dass klingt wahrscheinlich zu betroffen aber mußte mal raus…

    Antworten
  30. 20. September 2009, 22:57 Uhr, von PP
    030

    @Miranda

    Ich verstehe Fabian anders. Ich denke, er meint nicht, das alle Kindergärtnerinnen unausgebildet sind, sondern dass es eben Kinderbetreuerinnen ohne besondere Ausbildung gibt, die die Kinder beschäftigen aber nicht fördern. Aber vielleicht liege ich ja jetzt falsch.

    Antworten
  31. 21. September 2009, 5:59 Uhr, von Fabian
    031

    Deutschland ist – soweit ich weiß – mit Malta und Österreich das einzige Land, in dem Kindergärtnerinnen keinen Hochschulabschluss haben müssen. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege. Das soll die Leistung der Kindergärtnerinnen keineswegs schmälern, aber wenn ich sehe, wie fit und lernbegierig schon Kleinstkinder sind, dann muss (!) Bildung schon viel früher anfangen. Will sagen: Aus meiner Sicht gibt es dringlichere Probleme für unser Land als die digitale Zukunft.

    Wenn ich mir im übrigen was wünschen dürfte: Keine twitternden Politiker! Die tragen ja ganz schlimm zur Profanisierung des Berufsstandes bei. Ich will beispielsweise nicht wissen, dass TSG morgens im Auto auf dem Weg nach Wiesbaden seinen Kaffee trinkt (und dass anscheinend so cool findet, dass er erstmal darüber twittern muss… Hilfe, Hilfe!)

    Antworten
  32. 21. September 2009, 7:16 Uhr, von Links vom 21.9.: Miriam Meckel, Telekom-Provider, Piraten, Yeah! — Die Sendung mit dem Internet
    032

    [...] Miriam Meckel deshalb für die Zeit nach der Bundestagswahl wünscht, kann man in ihrem Blog [...]

    Antworten
  33. 21. September 2009, 7:44 Uhr, von Fabian
    033

    Ach wie witzig, mein konservativer Bruder im Geiste (Achtung Ironie!) Frank Schirrmacher hat passend zu meinem Kommentar (Achtung Ironie!) eine umfangreiche Nerd-Typisierung verfasst.

    Antworten
  34. 21. September 2009, 11:38 Uhr, von Fabian
    034

    Das ich das noch erleben darf!Schirrmacher, Meckel und Knüwer inhaltlich vereint Welch historischer Moment. *schluchz*

    Antworten
  35. 21. September 2009, 13:02 Uhr, von Triple-A
    035

    „Das ist eine Schande für ein Land, das sich stets der Innovationsfreude rühmt. Es ist aber vor allem ein Schuldschein auf Kosten der zukünftigen Generationen, für den diese irgendwann die Quittung bekommen.“

    @MM
    Eine Schande für dieses Land ist, dass circa 2,6 Millionen Kinder in Armut leben.
    Nicht dass Deutschland in Studien, die von großen IT-Unternehmen und Unternehmensberatungen (IBM, Cisco, McKinsey, Roland Berger) gesponsert werden, auf den Plätzen 17 und 20 landet.

    Und wenn man die E-Readiness Studie genauer betrachtet, stellt man fest, dass Deutschland gerade in den von Ihnen kritisierten Bereichen gar nicht schlecht abschneidet:

    „connectivity“ (Breitbandanschlüsse für alle): dort liegt Deutschland an 11. Stelle, noch vor den USA, Singapur, Hongkong, Frankreich, Österreich.

    „social and cultural environment“. (schulischer “Standortvorteil� veralteter Computer) “Category Description: Basic education is precondition to being able to utilise Internet services … These technical skills are evaluated by both evidence of the familiarity of a county’s population with information technology and the extend to which its schools and governments provide the education in infrastructure to engender it.�

    Hier liegt Deutschland an Position neun, gleichauf mit dem gesamt viertplatzierten Norwegen und noch vor Frankreich, Österreich, Großbritannien, Singapur Hongkong, Kanada und der Schweiz.

    Was die Kategorie eGovernment angeht, in der Deutschland wirklich sehr schlecht abschneidet: Cisco und IBM arbeiten dran.

    „Der Internet-Infrastrukturanbieter Cisco Systems und das Management- und Technologie-Beratungsunternehmen BearingPoint engagieren sich seit dem Jahr 2000 für die Förderung von E-Government-Projekten in Deutschland.“
    http://www.egovernment-wettbewerb.de

    „Sieht Maier (IBM Niederlassung Berlin) den öffentlichen Sektor als Zukunftsmarkt? „Absolut. Zumal es erklärtes Ziel der Regierung ist, die Verwaltung zu modernisieren.“ (…) Die Nachfrage an IT-Lösungen für Verwaltungen steigt.“

    Tagesspiegel, 4.9.2009

    Antworten
  36. 21. September 2009, 14:31 Uhr, von Siegmund
    036

    Gnade uns Gott, wenn sich die Politik auch noch ins Internet mischt.
    Schon jetzt sind die plumpen Internetauftritte oder Wackel-youtube-Videos schlimm genug. Wenn dann noch einer mit dem großen Masterplan ankommt, wo denn alles hinführen soll …
    Das Tolle am Internet ist doch gerade, dass jeder ein bißchen zur Weiterentwicklung beitragen kann.

    Antworten
  37. 21. September 2009, 16:09 Uhr, von Fabian
    037

    “Es geht um die Lebensfähigkeit in der digitalen Gesellschaft der Zukunft.” – ehrlich gesagt, ich will in keiner digitalen Gesellschaft leben, (allein das Wort schon!) und wenn ich als “undigitale” Lebensform dann nicht mehr lebensfähig bin, dann sei es drum, dann sterbe ich eben friedlich mit einem Glas Rotwein und einem guten Buch im Arm. :-)

    Triple A: Die Kinderarmut ist aber ehrlich gesagt auch ein Totschlagargument.

    Aber was ist nur mit Frank Schirrmacher los? Hat der gekifft? Twittert der heimlich?

    Antworten
  38. 21. September 2009, 16:46 Uhr, von Triple-A
    038

    @Fabian
    Tut mir aufrichtig leid, dass mir zu den Begriffen “Schande” und “Schuldschein auf Kosten der zukünftigen Generationen” eher Kinderarmut in den Sinn kommt als “Ausbildung zur digitalen Teilhabe in den Schulen”.

    Antworten
  39. 21. September 2009, 17:29 Uhr, von na ich
    039

    fabian, du bist aber auch wieder renitent. erst vergraulst du alle, die mit den buchstaben n und m und so anfangen und dann sperrst du dich gegen ein dasein in einer digitalen welt (gesellschaft).

    ma ehrlich. DAS gerade von dir. naja, was weiß ich, vielleicht haste deinen dsl anschluss und deinen mobilfunkvertrag gekündigt, und lebst jetzt wie thoreau im wald. dder du hast deine eigene haltung verschoben … dann kann ich deine aussage schon eher verstehen. vielleicht willst du ja auch nur einfach wieder mal die provokante nuss spielen … ejal …

    wie auch immer: ich denke: wer heute nicht die zukunft mitdenkt wird morgen von ihr überrollt

    und die (digitale) zukunft kann und sollte man heute gestalten. dann klappts nämlich auch mit den sozialen komponenten in der digitalen gesellschaft. und den anschluss an die globale gesellschaft halten wir in deutschland dann auch. wenn mans richtig anginge könnte man sogar zur führenden spitze gehören.
    das feld führt nämlich noch keine „eingesessene“ spitze an, sondern die plätze sind noch relativ flexibel zu vergeben.
    das bleibt aber nicht ewig so und wenn dann das spiel „reise nach jerusalem“ losgeht, ist es doch besser, nicht mitspielen zu müssen oder spielleiter zu sein als teilnehmer des spiels zu sein, oder?

    außerdem: bildung wird schon jetzt über das internet – (mit-)bestimmt (und dies nimmt künftig deutlich zu).

    in diesem Aufsatz finden sich im übrigen weit darüber hinaus gehende gedanken (punkt II finde ich besonders spannend).

    und: selbstverfreilich ist digitale kompetenz ein (wenn künftig nicht sogar DER) wettbewerbsvorteil und wichtiger standortfaktor. das ist ja nun auch nicht neues an sich, aber in weiten teilen der politik und teilen der wirtschaft ist das scheinbar einfach noch nicht (ausreichend) angekommen. dort lernt man vielleicht eher über schmerzhafte erfahrungen, aber das kann ich nicht beurteilen.

    Antworten
  40. 21. September 2009, 17:35 Uhr, von na ich
    040

    oh, der link zum aufsatz fehlte

    Antworten
  41. 21. September 2009, 17:36 Uhr, von na ich
    041

    na denn eben wie in der steinzeit …

    http://www.dougengelbart.org/pubs/augment-3906.html

    Antworten
  42. 21. September 2009, 18:56 Uhr, von PP
    042

    @Miranda “Kindergärtnerinnen ohne besondere Ausbildung? da reihst du dich @Fabian gerade mit Herrn Sommer ein der Kindergärtnerinnen auf die Stufe mit Verkäuferinnen setzt!”

    Während @Fabian deinen Explosionsknopf gedrückt hat, hast du meinen ausgelöst.

    Ja, ich auch.

    Ich setze Kindergärtnerinnen auf die Stufe mit Verkäuferinnen, Ingenieuren, Maurern, Klempnern, Ärzten, Reinigungskräften, Politikern, Schaffnern, Rettungssanitätern, Piloten, Straßenbauarbeitern, Dachdeckern, Näherinnen, Professoren, Betriebswirten, Baustoffprüfern, Fleischzerlegern, Medientechnikern, Großküchenköchen, Biologen, Lehrern, Bauern, Zoologen, Ministern, Postabfertigern, Therapeuten, Hebammen usw. (bitte die weibliche Form selbst ergänzen)

    Jede Berufsgruppe hat einen Sinn und eine Aufgabe in der Gesellschaft. Zu einem Beruf benötigt man eine kürzere, zum anderen eine längere Ausbildungszeit, der eine arbeitet mit Menschen der andere mit Maschinen, Pflanzen, Tieren usw., der eine auf theoretischem Gebiet der andere auf praktischem, der dritte auf beiden. Im glücklichsten Fall, jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten.
    Ich würde mir nicht anmaßen einen dieser Berufe als wertvoller oder minderwertiger zu bezeichnen oder ihn auf eine höhere oder niedrigere Stufe zu stellen.

    Wenn du die Ausbildungszeit als Maßstab deiner Wertung annimmst: Die Ausbildungszeit setzt doch sowieso “nur” die Grundlagen um in einen Beruf einsteigen zu können, den eigentlichen Beruf lernst du durch seine Ausübung und das meist lebenslang.

    Oder bemisst du deine Wertung daran, wie hart Fehler und deren Auswirkungen zum Tragen kommen? Du kannst als Schweißer, der die Naht nicht richtig setzt genauso Leben in Gefahr bringen wie ein Neurochirurg bei einer komplizierten OP. Mir fallen spontan 100 Beispiele dazu ein.

    Oder wertest du nach der Höhe des Einkommens? Je höher der Verdienst umso mehr wert? Vielleicht, ein Formel 1 – Rennfahrer unterhält immerhin Millionen Menschen am Bildschirm, eine Altenpflegerin füttert (ich greife mal tief) nur 10 bis 20 Menschen, wäscht sie, bringt sie ins Bett, zeigt den Demenzkranken den Weg zurück ins Zimmer, verabreicht Arzneimittel.

    Ein letztes Wort zur Verkäuferin. In einer normalen Schicht schiebt sie in einem Super- oder Baumarkt bis zu 4 Tonnen Waren über das Band, muss wachsam beim Geld wechseln sein und immer aufpassen, dass keiner eine CD unter den Milchtetrapacks versteckt, denn das könnte beim spätestens dritten Mal ihre Kündigung bedeuten.

    Ich habe in meinem Freundeskreis Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen, und ich ahne, was sie leisten (müssen), was sie für eine hohe Verantwortung haben, aber andere eben auch.

    Antworten
  43. 21. September 2009, 19:30 Uhr, von Louisa
    043

    In die Bewertung der Studie fließen rund 100 Einzelkriterien ein. Unter anderem Konnektivität und technologische Infrastruktur, wirtschaftliches Umfeld, allgemeine Akzeptanz bei Verbrauchern und Unternehmen sowie politische, gesetzliche, kulturelle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Interessant wäre zu wissen, woran es denn nun hapert, dass der Staat hier nicht sor richtig voran kommt …

    Antworten
  44. 21. September 2009, 19:32 Uhr, von Ramona
    044

    OT
    Fernsehtipp zum Posting “Alles zu seiner Zeit” vom 23. August 2009

    Heute Abend 3sat 22:45 Uhr:
    In der Sendung Vis-à-vis spricht Frank A. Meyer mit dem Verleger Egon Ammann über dessen Leben und Werk
    http://www.3sat.de/dynamic/sitegen/bin/miniwin.php?id=C3E4F4EB6DBE0480

    Antworten
  45. 21. September 2009, 20:47 Uhr, von Yolande Langendijk
    045

    Ist zu spät für mich.

    O.T. (Oder nicht), etwas Entertainment: Wegen die neue Reisepass mit Fingerabdruck haben einigen sich schlau gemacht:
    http://www.youtube.com/watch?v=VZT1CVWal2w&feature=player_embedded

    Schönen Abend, Gute Nacht

    Antworten
  46. 21. September 2009, 20:47 Uhr, von Anja
    046

    Fabian, danke für den Link. Ich weiß nicht, ob Frank Schirrmacher gekifft hat, aber zumindest gibt er schon mal das warming-up für sein neues Buch, das im November erscheint:
    http://tinyurl.com/kp9syc

    Antworten
  47. 21. September 2009, 20:53 Uhr, von Anja
    047

    Danke für den Fernsehtipp, Ramona. Interessiert mich sehr. Beginnt allerdings schon um 22.25h!!
    (habe ich direkt mal nachgeprüft;-))

    Antworten
  48. 21. September 2009, 21:10 Uhr, von Fabian
    048

    @ na ich: Ich vergraule hier keinen, ist zumindest nicht meine Absicht, falls ja, so möge sich derjenige gerne zur Wehr setzen und mir eins über die Rübe geben.

    Ja, mich nervt die ständige gebloggte Interneteuphorie der ganzen Heavy User und Nerds, die das Internet absolut setzten (Deutschlands Zukunft liegt im Internet!), die sich ständig in Kreisen ihresgleichen bewegen (siehe das Alpha-Blogger-Aufmerksamkeitskratell – hö, hö – das scheint Herrn Niggemeier ja echt persönlich getroffen zu haben) und denen oftmals der Blick versperrt ist, für so viele andere Themen, die gesellschaftlich wirklich relevant sind. Die vor allem meinen, weil sie im Internet viele sind und ständig viel Geschrei machen (und damit ständig bei SPON auf der Titelseite landen, achtet da bitte mal drauf!), sie hätten wirklich Einfluss und Macht. Und darum geht es doch, wie überall: Um Macht.

    Und ja, mich nerven Blogger in ihrer ständigen medialen Selbstumkreiselung, in ihrem Gebrüll gegen die Verleger und Verlage, die immerhin eine Menge Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen haben (von denen die meisten Alphablogger im übrigen leben), die wirtschaftlich und kulturelle enorme Treiber waren. Mich nervt der Machtanspruch, den die Internetfreaks aus der sich formierenden und parallel existierenden “Internetgesellschaftsmasse” ableiten und die gebloggte Selbstgerechtigkeit, mit der es auch nicht weit her ist. Viele Unternehmen haben regelrecht Angst vor dem Mob im Internet und sagen oftmals gar nichts mehr, bevor sie Gefahr laufen, niedergemacht zu werden. Ganz toll, so sieht offene Kommunikation der Zukunft aus – und damit meine ich nicht Vodafone.

    Das Internet-Manifest war überdies ja wohl der Gipfel der Anmaßung. Und ja, ich finde es erschreckend, wenn Menschen mit einem nerdigen Schmalspurleben, die sich oftmals für die Gesellschaft keinen Deut sozial engagieren, allein ihren individualistischen Aufmerksamkeits-Lifestyle pflegen, von einem Medientreffen zum nächsten jetten, sich dafür von xy-Firmen bezahlen lassen und rund um dieh Uhr nur vor ihren Monitoren und “wichtig-wichtig-Handys” hocken, demnächst möglicherweise erheblichen politischen Einfluss ausüben. Aus meiner Sicht halten andere Dinge die Gesellschaft zusammen als das Internet und die digitale Zukunft. Diese sind für mich nur Instrumente, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ja, ich möchte, dass politisch alle gleichermaßen bedacht werden und nicht nur die, die sehr viel Zeit und wenig Freunde haben, deshalb ständig im Internet herumzusurfen, sich wahnsinnig schnell vernetzten können und am lautesten brüllen.

    Ich gebe zu, nach einigen persönlichen Erfahrungen habe ich meine Meinung über viele Dinge geändert, ich sehe das digitale Leben mittlerweile auch sehr kritisch, vor allem in der exzessiven Form, in der es viele in sozialen Netzwerken betreiben. Ich liebe das Internet in vielerlei Hinsicht, keine Frage, ich halte es für wichtig und als Innovationsinstrument für Unternehmen in mancherlei Hinsicht für gewinnbringend. Aber es ist nicht “der” Standortfaktor! Und ich sehe durchaus die Gefahren und vieles auch extrem kritisch. Hier gebe ich MM recht, wir benötigen insofern von allen Parteien Papiere, auch kritische und mutige, die sich nämlich durchaus für Internetsperren gegen illegale Angebote einsetzen, die das deutsche Recht aushebeln, auch wenn ihnen dann der Sturm der gut vernetzten, liberalen Internetgemeinde drohnt.

    Um es kurz zu machen: Ja, wir benötigen auch (!) Papiere zur Gestaltung der digitalen Zukunft, die aber bitte auch die gravierenden gesellschaftlichen Folgen und die vielen negativen Aspekte berücksichtigen, nicht jeder nutzt das Internet schlau, kreativ und gewinnbringend, denn auch der These: “Das Internet macht dumm” ist durchaus etwas abzugewinnen. Ich will den differenzierten, ausgewogenen und gesellschaftlich weitreichenden Blick auf das Netz: Lösungsansätze, keine auf lächerliche Allgemeinplätze zusammengedampften Pamphlete (siehe das Internet-Manifest).

    Ich persönlich sehe die Zukunft und Standortfaktoren auch eher in anderen gesellschaftlichen Bereichen: Stichwort Generationenkonflikt, Altersstruktur in Deutschland, Chancen für Hochschulabsolventen, Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade bei Frauen, Atompolitik, Umweltschutz, eine offene, tolerante und soziale Gesellschaft, eine aktive Kulturpolitik etc. – aber sei es drum. Ketzerisch könnte man auch sagen. Wenn die digitale Vernetzung ein wichtiger Standortfaktor ist, warum gibt es denn dann gerade in Berlin so viele arbeitslose Internetfreaks?

    So und ich möchte auch bitte mal Beispiele genannt bekommen, wo sich digitale Kompetenz schon als Standortfaktor und Wettbewerbsvorteil erwiesen hat – vor allem im Vergleich zu anderen Faktoren wie Lohn- und Lohnnebenkosten, Steuern, Subventionen, Infrastruktur etc. Und Forscherinnen und Forscher können sich doch weltweit vernetzen, es gibt Skype, es gibt Breitband, es gibt UMTS, jeder junge Mensch kann mit google & Co. umgehen – wo ist das Problem? Konkrete Beispiele helfen weiter.

    Antworten
  49. 21. September 2009, 21:23 Uhr, von Fabian
    049

    Gebrülle selbstredend, ich weiß…

    Antworten
  50. 21. September 2009, 21:31 Uhr, von Miranda
    050

    @PP

    ich gebe dir recht, jeder Beruf hat seine Verantwortung,und ich habeüber meine Rage gerade den selben Fehlergemacht und gewertet, was mir nicht zu steht.

    Ich habe es nur von dem Standpunkt her betrachet, lange Ausbildungsdauer, ein Jahr länger als dass Grundschulstudium und dann auf der Rangliste bei den Stellenanzeigen neben Reinigungskräften….wieder eine Wertung…aber es verletzt eben so hintendran zu sein.Und man muß im Profil doch einiges mehr erfüllen…

    Und nochmal es gibt keine Kindergärtnerinnen, dass wäre genauso wenn wir von der Bürokauffrau als Tippse umgangssprachlich reden würden…

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2012