MM_Ringelnatz
Zu den Kommentaren
24. Oktober 2009, 11:43 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Königin, Streber und Hofnarr

kanzlerkarte merkel.jpg

Wenn wir die Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers etwas großzügiger definieren, als Artikel 65 des Grundgesetzes sie vorsieht, dann haben wir heute Morgen eine beeindruckende Vorstellung davon bekommen, wie Angela Merkel diese Vorschrift auch unter schwierigen Bedingungen in praktische Regierungspolitik umzusetzen versteht. Die Pressekonferenz zum Koalitionsvertrag, den CDU, CSU und FDP in den vergangenen drei Wochen in durchaus kontroversen und mühevollen Verhandlungen ausgearbeitet haben, hatte den Merkelton.

Was die Koalition da präsentiert ist weitgehend frei von Überraschungen und dem Gebot der Krise geschuldet, alles zu tun, damit es mit Deutschland wieder aufwärts geht. Dazu will die Koalition ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz auf den Weg bringen, einen Schutzschirm für Arbeitnehmer aufspannen, Familien unterstützen und auch durch Änderungen der Unternehmens- und Erbschaftssteuer sowie Schritten zum Bürokratieabbau zu weiteren Entlastungen beitragen. Die Konzepte sind bekannt, das Vokabular ist gelernt, wird aber ein bisschen aufgehübscht. Schulden heißen jetzt Schutzschirm und aus der Kopfpauschale wird einfach Eigenverantwortung. Ob dies also wirklich ein Koalitionsvertrag oder vielmehr ein Konjunkturprogramm Nummer drei ist, wird sich erst noch zeigen müssen. Ebenso wie wir auf noch die Antwort auf die auch in der Pressekonferenz gestellte Frage erwarten, wer das eigentlich alles bezahlen soll.

Es sind aber auch die Zwischentöne, die diese Pressekonferenz interessant machen. Angela Merkel hat heute einen weiteren Beweis vorgelegt, dass die Sozialdemokratisierung Deutschlands auch ohne die SPD gelingen kann. So nimmt eine schwarzgelbe Koalition nun Härten von Hartz IV zurück, die die SPD viel Zustimmung gekostet haben – ein Treppenwitz politischer Reformgeschichte. Merkels Bekenntnis zur „Philosophie der sozialen Marktwirtschaft“ und zum „partnerschaftlichen Dialog zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern“ markiert noch einmal den Punkt, an dem die SPD leider nicht aufgepasst hat. Eine CDU, die diese Politik der Mitte betreibt, stellt die Kernkompetenzen, neudeutsch: die Unique Selling Proposition, der SPD in Frage. Was das bedeutet, hat das Wahlergebnis vom 27. September gezeigt. Erstaunlich ist, dass es Merkel offenbar leicht fällt, die FDP im Zuge dieses Prozesses zu domestizieren.

Guido Westerwelle bemüht sich im Laufe der Pressekonferenz immer wieder redlich, seine liberalen Einflüsse zu verdeutlichen. Für ihn ist der Koalitionsvertrag ein „Kompass mit Freiheit“ zur Verantwortung, der „eine starke liberale Handschrift“ trägt – ein schöner Claim, nach dessen inhaltlicher Ausfüllung wir ja nun in den kommenden vier Jahre fahnden können. Und da die Fahndung bislang noch nicht zu konkreten thematischen Festsetzungen geführt hat, bleibt Westerwelle lieber bei den Slogans. „Mut zur Zukunft“ ist die Losung, unter der es mit der schwarzgelben Koalition vorangehen soll. Wenn wir der Linkspartei dann den „Mut zur Vergangenheit“ zubilligen, bleibt lediglich die Frage, wer eigentlich den „Mut zur Gegenwart“ hat. Aber das ist vermutlich eine Spielverderberfrage angesichts der schwierigen zurückliegenden Verhandlungen.

An diesem Morgen wirkt Guido Westerwelle so freudig erregt, als könne er es noch immer nicht fassen, gerade zum Klassensprecher gewählt worden zu sein. Schließlich sagen er und Seehofer seit heute Morgen zwei Uhr nun „Horst und Guido zueinander“. Mit einem „ich würde gerne noch hinzufügen“ ergänzt er immer wieder die Ausführungen der Kanzlerin und bereitet dabei gelegentlich auch die Startrampe für Interpretationen, die ihm nicht gefallen können. Die FDP habe die Entwicklungspolitik niemals abschaffen wollen, kommentiert er eine Journalistenbemerkung. Man habe nur Sorge tragen wollen, dass hier keine Nebenaußenpolitik entsteht. Die hat Westerwelle ganz sicher durch den ambitionierten zu Guttenberg, der Deutschland jetzt auch am Hindukusch verteidigen muss und ja immer noch CSU-Mitglied ist.

Sein Parteivorsitzender, Horst Seehofer, scheint für sich in der neuen Koaliton eine stoisch-humoristische Grundhaltung auserkoren zu haben, die das Leben leichter macht. Mit seiner Ankündigung „wir werden diese Regierung stärkstens unterstützen“, die man auch als Drohung verstehen kann, erntet Seehofer in der Bundespressekonferenz jedenfalls brüllendes Lachen.

Arbeit und Bildung für Wachstum – so könnte man den inhaltlichen Kern dieser neuen Koalition zusammenfassen. Das Kabinett muss dieses Ziel nun füllen und gestalten. Ach ja, das Kabinett. Ein bisschen überraschend ist es schon, dass die beiden Kernressorts dieser Koalitionsregierung mit den schwächsten Ministern besetzt sind. Franz Josef Jung, der sich vergeblich bemüht hat, durch wirre Auftritte in der Welt die ernüchternde Bilanz seiner Amtsführung als Verteidigungsminister zu überspielen, darf jetzt für Arbeit und Soziales verantwortlich zeichnen. Irgendwie hat diese neue Regierung auch Humor. Und Annette Schavan, von der man schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr sicher war, ob sie überhaupt noch im Amt ist, darf in Sachen Bildung und Forschung einfach weitermachen. Sie hat so viele Akzente gesetzt, dass die NZZ das Bildungsressort bei der Aufzählung der neuen Regierungsmitglieder heute einfach vergaß.

Gefragt nach diesen seltsamen Personalentscheidungen mäandert die Kanzlerin wortreich durch die Schnittmengen zwischen den Ressorts, um dann nach einer kleinen Pause hinzuzufügen: „… und dann gibts ja auch noch die Bundeskanzlerin“.

Noch Fragen?

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48 Reaktionen

  1. 24. Oktober 2009, 12:18 Uhr, von Gabi Gefällt 2 Lesern
    01

    Man darf gespannt sein wie sich was verändert.

    Hier der Link zu 128 Seiten Koalitionsvertrag.
    http://www.cdu.de/doc/pdfc/091024-koalitionsvertrag-cducsu-fdp.pdf?et_cid=13&et_lid=25

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    • 24. Oktober 2009, 13:29 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
      01.1

      Danke für den Link zum O-Dokument der Woche. Hier ein Link zu O-Tönen der Woche von Peter Zudeick:

      http://www.wdr.de/radio/wdr2/serien/362021.phtml

      Beim angucken der Berichterstattung und öffentlichen Verlautbarungen in den Nachrichtensendungen dieser Woche kam bei mir in der Tat oft das Gefühl von „Klassenfahrt“ auf. „Klassensprecher“ wurde nun eine Doppelspitze Westerwelle-zu Guttenberg. Ein Lehrstück in Personalstrategie der Prinzipalin. Indiz dafür auch die Personalie Frau von der Leyen; wurde auf das zurechtgestutzt, was sie ist: Familienministerin. Und Herr Rösler wird den Teufel tun, als frisch gebackener Gesundheitsminister irgendetwas in seinem Ressort „nachhaltig verändern wollen“ zu wollen.

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  2. 24. Oktober 2009, 12:44 Uhr, von Miranda Gefällt 7 Lesern
    02

    Muss dass erstmal setzen lassen, habe die Pressekonferenz irgendwann abgeschaltet als Seehofer probiert hatte witzig zu sein, so grau wie die Gesicher der übernächtigen Koalitionäre und wie der Himmel in Frankfurt ( in Berlin auch??) so grau sind dann auch die Aussichten auf diese neue Regierung.
    Warum Horst Jung weiterhin Minister bleiben wird ist mir ein Rätsel, hat Koch immer noch soviel Einfluss??
    Und Guttenberg bei dem ich befürchte dass er irgendwann die altersschwache Frau Merkel ablösen wird, als Verteidigungsminister??
    Warum?
    Fühle mich von den salbenden Sätzen verschaukelt! Weiß wirklich nicht ob ich als jemand mit der höchsten Abzügen der Klasse 1 ( 55% vom brutto) mich freuen soll, da wir Single Haushalte doch meist die Leidtragenden sind…
    Die Wahrheit hätte gut getan!
    wo wir wieder bei Authenzität sind!

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  3. 24. Oktober 2009, 13:58 Uhr, von Walter Gefällt 3 Lesern
    03

    „Erstaunlich ist, dass es Merkel offenbar leicht fällt, die FDP im Zuge dieses Prozesses zu domestizieren.“

    Erstaunlich?
    Die FDP schafft es nicht alleine. Eine neoliberale Mehrheit ist in Deutschland (noch?) nicht vorstellbar. Die CDU ist Brücke und Krücke zugleich um zu Mehrheit und Macht zu kommen. Dabei ist eine sozialdemokratisierte und durch Angela Merkel nach links gerückte CDU, die die Mitte vereinnahmt und die SPD an der Linken platt drückt, sehr hilfreich. Eine solche CDU lässt der FDP zur Wirtschaft und zum Kapital hin genügend Raum, interpretiert soziale Marktwirtschaft ausreichend großzügig neoliberal im Sinne Friedrich A. von Hayeks)und sorgt für allgemeine Zustimmung durch ihre Übermutter und Konsenskanzlerin.
    Bei der SPD ist zur Zeit dagegen kein Kraut gewachsen- traurig aber wahr. Angela Merkel kann mit Ihrem Kompagnon durchregieren und wir können uns ärgern.
    Die Politik der Macht hört hier auf und die Politik der Politik fängt hier an. Denn Krise und Haushaltsnot wollen erst bewältigt werden, jenseits des Gerangels um Macht.

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  4. 24. Oktober 2009, 14:11 Uhr, von Anja Gefällt 9 Lesern
    04

    Trefflich, trefflich!
    Ich bin heute Morgen gedanklich zwar irgendwie beim Kölner Dreigestirn hängengeblieben. Hatte den Bauern auch ganz schnell definiert, konnte mich bei der Zuordnung von Prinz und Jungfrau aber nicht eindeutig festlegen…
    Ich glaube ja, unsere Politiker haben in den vergangenen Monaten die Lebenshilfe Abteilungen in mittelständigen Buchhandlungen geplündert.
    Folgende Bücher waren dabei:
    „Die Macht des Glaubens“ von Barbara Schrott (ich hoffe, hier ist der Name nicht Programm)
    „Gut drauf sein, wenn’s schief geht. Das Psycho-Power-Programm“ oder
    „2012 – Das Ende unserer Welt“ nach dem Motto, für die drei Jahre wird die Kohle schon noch reichen!!

    Jedenfalls geht mir dieser Hütchenspielertrick
    „Wir geben dem Volk in die linke Tasche mehr Geld, ziehen das doppelte aber aus der rechten Tasche wieder heraus“, ziemlich auf den Zeiger! Dank unseres schlechten Bildungssystems wird’s ja eh kaum einer nachrechnen können! 

    Und Ergänzungs-Guido mit seinem gelernten Coaching Spruch „Heute ist ein guter Tag für unser Volk“ (stolz), macht mich auch ganz wuschig. 
    Es sei denn, er würde mir erklären, was an Fensterputzen und bügeln gut ist!!;-)

    Also bleibt nur; Think pink!

    Antworten
  5. 24. Oktober 2009, 14:21 Uhr, von Siegmund Gefällt 10 Lesern
    05

    Bei allem Respekt, Frau Meckel, wie man bei den getroffenen Entscheidungen noch von einer „Sozialdemokratiserung“ der CDU sprechen kann, ist mir völlig schleierhaft.
    Insbesondere für Sie müsste das ja auch kein Schimpfwort sein, Sie verwenden dieses Wort aber in genau dieser Attitüde. Merkwürdige Doppelzüngigkeit.
    Beschäftigen Sie sich mal mit einem Politikfeld genauer, z. B. der Gesundheitspolitik, und legen Sie dann bitte dar, wie Zusatzbeiträge und Kopfpauschale (jeder bezahlt dengleichen Beitrag, egal wie sein Verdienst ist) noch als besonders übersozial dargestellt werden können. Hinzu kommt die de-facto-Auflösung des Gesundheitsfonds.
    Etwas mehr Fachwissen und dann kommentieren, danke.

    Antworten
  6. 24. Oktober 2009, 15:00 Uhr, von Noisa Gefällt 9 Lesern
    06

    Tja, die Namen der zukünftigen Polit-Profis wurden nun ausgespuckt. Das obige Posting befasst sich vorzüglich damit. Ich weiß auch nicht, was Herrn Jung auszeichnet, um das in den kommenden Jahren so wichtige Ministerium für Arbeit und Soziales zu führen. Das ist schon ein krasser thematischer Umschwung, den Herr Jung da beabsichtigt. Einmal Bundesminister, immer Bundesminister?

    Hingegen könnte Herr zu Guttenberg möglicherweise als Verteidigungsminister positiv überraschen. Dann noch: Zu Guttenberg hatte doch eine externe Kanzlei mit der Ausarbeitung eines Gesetzesentwurfs beauftragt. Irgendwie scheint sich dieser im Entwurf des Koalitionsvertrags wieder zu finden. „Reorganisationsverfahren“ heißt das Zauberwort. Ein Milliardensponsoring HRE oder so würde es in dieser Form voraussichtlich dann nicht mehr geben. Bei der groben Lektüre des Koalitionsvertrags-Entwurfs konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass bestimmte Lobby-Leute dort mitgefrickelt haben. Die Globalisierung scheint zudem weitaus wichtiger zu sein als die Stärkung des Binnenmarktes.

    Ich hätte ja gerne Frau van der Leyen als Bundesgesundheitsministerin gesehen, statt diesen Jungspunt Röseler, dem voraussichtlich der Mumm fehlt, die richtig heißen Eisen anzupacken wie die Zusammenführung der beiden Krankenversicherungssysteme.

    Irgendwie gefällt mir Herr Schäuble auf dem Stuhl des Bundesfinanzministers. Ich bin gespannt…

    Antworten
  7. 24. Oktober 2009, 15:14 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
    07

    OT:
    Als alte Skatspielerin würde es mir widerstreben, mit der obigen Karte auftrumpfen zu wollen.

    Antworten
  8. 24. Oktober 2009, 15:17 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    08

    Ein Link zur liberalen Ideenschmiede: tinyurl.com/yldbf3o
    „Eine marktwirtschaftliche Ordnung bedarf einer langfristig ausgerichteten Wirtschaftspolitik und größtmöglicher makroökonomischer Stabilität.“ steht in den „LEITLINIEN FÜR WOHLSTAND, SOZIALE GERECHTIGKEIT UND NACHHALTIGES WIRTSCHAFTEN“ der Konrad Adenauer- Stiftung.
    In der Theorie sind FDP und CDU nicht weit auseinander. Angela Merkel betreibt erfolgreiche Camouflage indem sie die CDU- Programmatik und damit die Hardliner in den eigenen Reihen medial weichspühlt. So ist auch die Diskrepanz zwischen ihrer öffentlichen Wahrnehmung als sozialdemokratisierte Kanzlerin und dem Text der Koalitionsvereinbarung erklärbar.

    Antworten
  9. 24. Oktober 2009, 16:20 Uhr, von tzatziki Gefällt einem Leser
    09

    „Und Annette Schavan, von der man schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr sicher war, ob sie überhaupt noch im Amt ist, darf in Sachen Bildung und Forschung einfach weitermachen.“

    Phantastisch! Vielen Dank allein für diesen Satz. *hahaHAHAHA*

    Antworten
  10. 24. Oktober 2009, 17:23 Uhr, von Anja Gefällt einem Leser
    010

    Und noch ein Ass im Ärmel hatte die Kanzlerin; der glücklose und schwächelnde Wackelkandidat Günther Oettinger wird nach Brüssel entsorgt. http://tinyurl.com/yh8a3qn
    Wegloben nennt man es, nachdem man die Lebenshilfe Abteilung geplündert hat;-)

    “… und dann gibts ja auch noch die Bundeskanzlerin?.
    Noch Fragen? –

    Nö, danke! Da fällt mir grad auch nix mehr ein…

    Antworten
    • 24. Oktober 2009, 19:48 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
      010.1

      Sah es grad eben in der Tagesschau und glaubte meinen Gehörknöchelchen nicht trauen zu dürfen… die 2. und 3. Reihe im Personalkarussell entlarvt das Blatt erst richtig.

      Antworten
    • 24. Oktober 2009, 19:52 Uhr, von Mafalda
      010.2

      Vorsicht mit „Lebenshilfe“. Die „Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.“ ist ein Selbsthilfeverein der Eltern von Menschen mit geistiger und mehrfachen Behinderungen. Das rutscht schnell auf eine schiefe Ebene.

      Antworten
      • 24. Oktober 2009, 21:34 Uhr, von Anja Gefällt einem Leser
        010.2.1

        Ah, interessant. Danke
        Für mich ist es von der Begrifflichkeit her die Ratgeber-Ecke in der Buchhandlung, meist zwischen Gesundheit und Esoterik angesiedelt.

  11. 24. Oktober 2009, 17:55 Uhr, von Noisa Gefällt 7 Lesern
    011

    Unter „Kernenergie“ heißt es im Entwurf des Koalitionsvertrags: „Die Kernenergie ist eine Brückentechnologie, bis sie durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt werden kann. Andernfalls werden wir unsere Klimaziele erträgliche Energiepreise und weniger Abhängigkeit vom Ausland, nicht erreichen. Dazu sind wir bereit, die Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke unter Einhaltung der strengen deutschen und internationalen Sicherheitsstandards zu verlängern. Das Neubauverbot im Atomgesetz bleibt bestehen!“

    Wollen das die Bürger? Horst Köhler hatte sich im Mai 2009 für mehr Mitbestimmung der Bürger ausgesprochen. „Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke“ könnte hier als erstes Thema zum Anlass genommen werden, den Willen der Bürger in politische Entscheidungen mit einfließen zu lassen – theoretisch. Ich vermute, dass die Bürger die Laufzeitverlängerung nämlich gerade nicht wollen.

    Die Förderung der umweltfreundlichen Technologien wurde in den vergangenen Jahren verschlafen und der Industrie überwiegend nicht technisch mögliche Produktionsstandards auferlegt; es wurde kaum Einfluss auf die Fertigung umweltfreundlicher Serienprodukte wie bei Kraftfahrzeugen und im Bereich der Hausenergie genommen… Ist der neuen Koalition die Umweltpolitik eigentlich wichtig? Was qualifiziert den zukünftigen Bundesumweltminister Norbert Röttgen? Oder ist es Absicht, hier jemanden zu küren, der aufgrund seines beruflichen Werdegangs die Kür nicht beherrschen kann.

    Themenwechsel: Ein angenehmes Wochenende! :)

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  12. 25. Oktober 2009, 0:35 Uhr, von Miranda Gefällt 3 Lesern
    012

    Klar helfen keine berühmten Referenzen aber ich finde es wichtig dass die Wahrnehmung entzerrt wird.
    Fakt ist , wir werden immer damit leben müssen zu einer Minderheit gehören, deshalb wahrscheinlich auch diese starke Einigelungstendenz bestimmter Gruppen die immer nur in ihrem eigener kleinen Welt Bewegungsfreiheit empfinden.
    Finde die Welt zu groß, zu spannend als mich darauf zu beschränken ( und finde die künstliche Welt der Frauenkonzentrierten Welt schnell einengend und Beklemmend).
    Finde auch Männer zu spannend als bereichernde Gesprächspartner, als sie, nur weil ich mit einer Frau leben will aus meinem Leben auszublenden…
    Erwarte gar nicht viel, ich will aber die gleichen Rechte !
    Und nicht gleichzeitig dass Gefühl zu haben, dass wenn man es anspricht ich mich dafür entschuldigen muss.
    Aber bin gleichzeitig auch glücklich dass ich in einem Land leben kann, wo ich nicht strafrechtlich verfolgt werde und zwar noch unter ³175 geboren worden bin aber die Abschaffung dann kam als ich es gerade in der Pubertät bemerkte dass was anders ist…
    Ja Authenzität ist ungemein wichtig!
    in diesem Sinne schönes Wochenende!

    Antworten
  13. 25. Oktober 2009, 8:33 Uhr, von Anja Gefällt 6 Lesern
    013

    Noch ein paar Gedanken zur neuen Regierung

    „Arbeit und Bildung für Wachstum“ mutet nach Phrasen dreschen an, wenn ausgerechnet in diesen Bereichen die schwächsten Leute sitzen und es auch ansonsten keine konkreten Ideen gibt. Hier hätte man nun eindeutige Zeichen setzen müssen, personell und inhaltlich! Man hätte was absolut neues und revolutionäres präsentieren müssen. Als Signal, hier reißen wir uns den Popo bis sonstwo auf, denn diese Bereiche werden unsere Gegenwart bestimmen und unsere Zukunft maßgeblich beeinflussen. Von mir aus 2 Minister für diese Posten bestimmen, weil einer nicht reicht, aber auf gar keinen Fall diese gesichtslose und wenig zukunftsorientierte Entscheidung! Auf das Warum gab es aber auch in der Pressekonferenz keine überzeugenden Antworten! Ich jedenfalls bin darüber sehr entäuscht!

    Schwarz-Gelb plant, neben der Kopfpauschale, für gesetzlich Versicherte den Wechsel zur privaten Krankenversicherung zu erleichtern. Ah, das ist also die Lösung. Nicht nur ein gefühltes 2 Klassen Gesundheitssystem, sondern ein in Zement gegossenes! Das ist wenigstens konsequent, wenn auch fatal und unsozial!

    Das Kindergeld wird um 20€ erhöht, der Kinderfreibetrag steigt ein wenig. Das soll eine positive Familienpolitik sein? Vor lauter Innovation werde ich ganz müde. Aber das allerschlimmste ist, dass es ab 2013 ein Betreuungsgeld  geben soll, für Familien (Mütter), die Ihre Kinder zu hause betreuen, statt in die Kita schicken. Das macht mich rasend vor Wut!
    Das ist nicht „Mut zur Zukunft“, sondern „Zurück in die Vergangenheit“.  (in den Hauptrollen, Papa im Büro und Mutti am Herd)

    Was die soziale Ausrichtung dieser Koalition angeht, muss ich also Siegmund zustimmen. Es sind zu viele Belastungen für die Klein- und Mittelverdiener geplant. Die „Entlastungen“ für Familien werden verpuffen. Und die Aussage, dass die Koalition die Härten von Hartz IV zurücknimmt, kann ich auch nicht erkennen. Natürlich ist es gut, dass das Schonvermögen angehoben wird und die Zuverdienstmöglichkeit wohl verbessert wird. Ehrlich gesagt, sind dies aber Punkte, die den Durchschnitts Hartz IV Empfänger, vorallem mit Kindern, nicht voranbringen. Wobei man beim Zuverdienst erst einmal abwarten muss, was konkretes geplant ist.

    Als vorübergehendes Fazit kann ich erst einmal feststellen, Baustelle Bildungssystem bleibt uns erhalten; Schaffung von Arbeitsplätzen und einem Lohn, von dem der Arbeitnehmer leben kann, bleibt Zukunftsmusik;
    Verbesserungen für Kinder aus armen Verhältnissen sind nicht geplant. Chancengleichheit schon gar nicht!

    Und aus aktuellem Anlass,
    was ist eigentlich daraus geworden, dass die FDP diese lästige Sommer- und Winterzeitverschiebung abschaffen will? Das würde mich persönlich sehr freuen, ich vertrage diese Zeitverschiebung nämlich gar nicht…
    (das wäre mal eine gute Nachricht fürs Volk;-))

    Antworten
    • 25. Oktober 2009, 10:42 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
      013.1

      Hartz IV-Empfänger-Familien wird das Kindergeld angerechnet, d.h. steigt dieser Satz, wird die Transfersumme entsprechend gekürzt => Belastung der Ärmsten

      Kann irgendwann jemand wegen zu geringen Einkommens den einkommensunabhängigen Krankenversicherungsaufschlag ab 2011 nicht zahlen, wird der Gang zum Sozialamt unausweichlich. => Belastung der Geringverdienenden; außerdem steigt der Verwaltungsaufwand der Krankenkassen und wird mithin als Kostenfaktor weiter aufgebläht

      Die nette, freundliche Frau Schavan, die bislang eben nicht durch übermäßigen Kampf um grundlegende Bildung aufgefallen ist, soll als BUNDESministerin für Bildung, Forschung und Wissenschaft ein wenig mehr Geld bekommen. BILDUNG ist jedoch grundsätzlich erst mal Ländersache. D.h. irgendwelche Exzellenz- und herausragende FORSCHUNGSinitiativen wird sie direkt unterstützen (können), doch die Basis dafür wird von woanders (nicht) finanziert (werden können). => die Überforderung von Ländern und Kommunen im Bildungssektor ist mitnichten berührt von einem leicht erhöhten (so Schäuble nicht bedauernd Njet sagt) Etat des Ministeriums.

      Seifenblasen in blumigen Worten sind kennzeichnend für diesen Koalitionsvertrag – mir wird blümerant.

      Der „Mutti wird´s schon richten“-Charakter der Richtlinienkompetenzauslegung trägt das seine dazu bei…

      Antworten
      • 25. Oktober 2009, 11:05 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
        013.1.1

        2 Takte noch zum „Schonvermögen“: i.d.R. ist davon nicht wirklich viel da, was zu schonen wäre. Diejenigen, die ihres in den letzten Jahren bis zur Grenze aufbrauchen mußten, werden dadurch auch nicht mehr in den vorherigen Stand versetzt.

        Es wird der Eindruck erweckt, was wunder da an Wohltat geschieht: es ist eine ziemlich kostenneutrale Schimäre. Hilfreicher wäre, eine Arbeitsmarkt- und Lohnpolitik zu konzipieren und betreiben, die es gar nicht so weit kommen lässt. Doch DIE steht mit Sicherheit nicht im Raum.

        Die „Herdprämie“ ist übrigens auch Arbeitsmarktpolitik: diese Frauen tauchen entweder wegen Elternzeit oder wegen Aufgabe des Status „arbeitssuchend/-los“ in der Statistik nicht mehr auf.

  14. 25. Oktober 2009, 8:38 Uhr, von Steffi Gefällt 3 Lesern
    014

    Ihr Beitrag war wie immer kompetent, humorvoll und analytisch. Leider haben Sie sich, Frau Meckel, wirklich zu wenig mit BM Schavan beschäftgit; denn dann wären Sie zu einem freundlicheren Urteil gekommen. Frau Dr. Schavan ist ein sehr intellektuelle und sympathische Frau, die und deren Ministerium darunter immer zu leiden hatte, dass Ihr Etat immer mehr gekürzt wurde.
    Kann Euch allen zum o.g. Thema nur die heutige Ausgabe der F.A.S. empfehlen – sehr lesenwert!

    Antworten
    • 25. Oktober 2009, 9:48 Uhr, von Anja
      014.1

      Hallo Steffi, dass Dr. Schavan nett und sympathisch ist mag ich ja nicht bezweifeln. (Ich bin übrigens auch nett und sympathisch, aber wäre vermutlich eine ganz schlechte Ministerin;-)) Allerdings muss ich auch feststellen, dass ich sie in den Diskussionen zum Bildungssystem in der letzten Zeit nicht wahrgenommen habe. Das Feld hat sie anderen überlassen. Zuerst einmal reden wir ja über Ideen und Zukunftsvisionen, dann über das Geld. Da habe ich aber wenig gehört.
      Nichts desto trotz werde ich gleich zum Frühstück Frau Schavan in der F.A.S. näher betrachten und vielleicht bin ich ja überrascht;-)

      Antworten
  15. 25. Oktober 2009, 11:17 Uhr, von Ramona Gefällt 3 Lesern
    015

    CDU, CSU und FDP trauen sich wirklich was. Die Steuern werden auf Pump gesenkt, bei der Krankenversicherung kommt die Kopfpauschale und der CSU-Chef Seehofer hat sich als FDP-light positioniert.
    Das ist noch nicht die Revolution, aber es sind kleine, systemverändernde Maßnahmen, mit weiterreichenden Folgen. Aus dem entkräfteten Solidarsystem wird ein Land der Starken. Der Versuch ist legitim. Nachdenklich stimmt, dass der Masterplan fehlt.
    Ob die Ministerien mit den kompetentesten Köpfen besetzt wurden, wird sich zeigen.
    Schäuble für das Resort Steuern, Finanzen und Haushalt, scheint eine gute Wahl. Aber ob der FDP-Newcomer Rösler den gewaltigen Aufgabe in der Gesundheitspolitik gewachsen ist, bleibt abzuwarten. Es es sei denn, alle sehen es so wie Kanzlerin Merkel, dass es nur auf die Chefin und nicht auf die Unterlinge ankommt.
    Die Koalition weiß noch nicht genau, wie sich alles rechnen wird und was am Ende den Folgen der Krise noch zum Opfer fällt, aber für all das hat man – das Prinzip aller Möchtegern-Reformer – VIELE KOMMISSIONEN geplant. Solange der Staat nicht pleite ist, wird ab sofort umgebaut auf Teufel komm raus.
    Merkel hat ihrem aktuellen Lebensabschnittspartner Westerwelle die Experimentierbühne bereitet.

    Die Reaktionen der völlig zerzausten Opposition, war bis gestern sehr mager!

    Ach, und noch eine wichtige Botschaft:
    Der Guido darf zu Seehofer jetzt Horst sagen! Das ist doch schon mal was:-)))

    @Allen einen schönen Sonntag!

    Antworten
  16. 25. Oktober 2009, 11:31 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    016

    Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles.
    Johann Wolfgang von Goethe

    Annette Schavan mag intelligent und sympathisch sein, durchsetzungsfähig und stark als Ministerin auf dem ebenso relevanten wie spannungsgeladenen Feld der Bildung ist sie nicht.
    Sie darf nicht jammern, wenn ihr Geld und Kompetenzen vom Finanzminister und ihren Kolleginnen und Kollegen in den Länderkabinetten streitig gemacht werden, sondern sie muss kämpfen. Die Schwächen unserer Schulen und Universitäten sind seit langem bekannt und unzweifelhaft. Sie hat daran mittlerweile einen wesentlichen Anteil, weil sie nicht entschieden genug daran arbeitet. Wenn jemand etwas ändern kann, dann sie, zusammen mit ihrer Chefin. Die Föderalismusreform war ein großer Flop, auch von Annette Schavan: Versagen im Amt.
    Ursula von der Leyen ist künftig auch für Soziales und Kindergeld zuständig. Wenn sie ihren Auftrag ernst nimmt hat sie reichlich zu tun, mehr als bei der Einweihung von Mehrgenerationenhäusern am laufenden Band. Soziale Brennpunkte hat sie bisher eher gemieden, das Thema Integration eher mit spitzen Fingern angefasst. Dies könnte sie ändern.
    Und unsere neue alte Kanzlerin könnte ihrem Volk endlich verraten, wo sie eigentlich hin will und wie.

    Antworten
  17. 25. Oktober 2009, 12:21 Uhr, von Anja Gefällt einem Leser
    017

    Ja, Frau Schavan erhält ein paar Milliarden mehr. Aber wie sagt man so schön, Geld allein macht auch nicht glücklich und schon gar nicht schlau!
    Mich würden da eher die geplanten Veränderungen im Bildungssystem interessieren. Man kann doch nicht die zukunftsweisenden Bereiche auf die Länder abwälzen, es muss doch zumindest die Richtung vorgegeben werden. Ansonsten werden noch so viele Milliarden nicht reichen, zukunftsfähige Bildung im Land zu garantieren. 
     

    Antworten
  18. 25. Oktober 2009, 17:53 Uhr, von Westerwelle ist natürlich privatversichert. Gefällt 2 Lesern
    018

    Wer FDB wählt kann dann auch immer noch unter diversen Zusatzversicherungen wählen.
    Das ist Demokratie…………….oder ? Hehe!

    Antworten
  19. 25. Oktober 2009, 22:13 Uhr, von Lizzy Gefällt 2 Lesern
    019

    Ich sehe gerade Anne Will. Herr Schäuble kann ja lächeln. Da wirkt er ja fast sympathisch. Das nur nebenbei. Er sagte eben, er ist 67 Jahre alt. da frage ich micht, welcher 67-jährige bekommt in diesem Alter noch einen neuen Job bzw. behält ihn? Da gibt es doch nur ganz wenige. Sogar Professoren/innen müssen mit 65 in die Rente.
    So, jetzt bin ich selbst in der Zwickmühle manövriert. Herr Schäuble ist zu alt (gibt es keinen Jüngeren?) und Herr Rösler ist mir zu jung (der hat bestimmt noch leinen Mumm, etwas durchzusetzen).
    Also doch IMMER die Mitte wählen? Nee, darüber muß ich jetzt erstmal nachdenken. Das bessere ist auch nicht.

    Antworten
    • 25. Oktober 2009, 23:03 Uhr, von Anja Gefällt einem Leser
      019.1

      Ich schätze, Herr Schäuble ist tatsächlich eine gute Besetzung für die Finanzen.
      Und alle anderen sollen jetzt erst einmal zeigen, was sie können. Da bin ich jetzt nach der ersten Aufregung auch wieder was ruhiger und lasse die Minister vorerst in Ruhe;-)
      Dafür war ich um so überraschter in der Sendung den Klon von Herrn Westerwelle zu sehen, den Jungliberalen Herrn Vogel. Mehr Selbstüberschätzung geht kaum und mit Freude stelle ich fest, dass für Nachwuchs gesorgt ist, bei der FDP;-)

      Antworten
  20. 25. Oktober 2009, 23:05 Uhr, von Lizzy
    020

    Upps, bitte im letzen Satz ein „es“ einfügen. Laßt es, da gibt es noch mehr Fehler.

    Antworten
  21. 26. Oktober 2009, 0:08 Uhr, von Isabell Gefällt einem Leser
    021

    Für eine pro und contra Darstellung eines Lebens unter dem schwarz-gelben Schutzschirm habe ich keine Zeit,
    muss Koffer packen.

    Werde gedankliche Grüße aus dem Wald schicken, eure kapitulierende Isabell

    ps: auf wiederwählen!

    Antworten
  22. 26. Oktober 2009, 8:55 Uhr, von Miranda Gefällt einem Leser
    022

    Und unsere neue alte Kanzlerin könnte ihrem Volk endlich verraten, wo sie eigentlich hin will und wie?????
    Für mich einer der wichtigsten Fragen die nächsten 4 Jahre,finde sie wäre verpflichtet ihre Ziele transparenter zu machen, und nicht nur bitte dass Ziel wiedergewählt zu werden…
    Es kann nicht sein dass sie als Mutti funghiert, und Guido Westerwelle daneben als blasser übereifriger Streber karikiert wird.
    Auch wenn sie vom Spiegel als Außenseiter dargestellt werden, die Ostpolitikerin versus westliche böse CDU Ministerpräsidenten, und der homosexuelle Streber versus CSU, die Homosexualität am liebsten wieder strafbar machen würde., regt sich in mir keine Emphatie, ( auch wenn ich mich ja eigentlich freuen müßte dass eine Frau regiert)
    Mir ist dass ein zu großer Eiertanz der da aufgeführt wird, wieso Steuersenkenkungen planen, wenn definitiv dafür kein Geld da ist?
    Anne Will hat gestern eine sehr gute Sendung gemacht, da sie journalistisch präzise, entlarvt hat…und was mache ich nun mit dem Gefühl verschaukelt zu werden nur dass in meinen Zimmer kein kalter Wind bläst, da der Wind mit heißem Tarngas umnebelt wird???
    Es ist für mich keine mutige Politik die da gemacht wird und ich bin immer maßlos enttäuscht dass am 27.9 die Wähler so entschieden haben!

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  23. 26. Oktober 2009, 9:23 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
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    Ach, Miranda, eher bleibt ein Pudding am Nagel hängen, als daß Frau Merkel je nochmal ein Wort darüber fallen lässt darüber, wie sie wohin will. Vielleicht kann sie es auch wirklich nicht; ist eher sozialisiert in der Arbeitsweise der Physikerin, die Elektrönchen für Elektrönchen in seinen Eigenheiten analysiert und dann in einem gezielten Laserstrahl entweder pulverisiert oder teilt und beherrscht.

    Interessant finde ich Deinen freudschen Verschreiber (oder war das mit Bedacht ;-)): sie funghiert. Fungieren wird ohne das „h“ geschreiben und der Funghi (Pilz) ist eine Fäulnis- oder Humuspflanze. Kann nahrhaft oder giftig sein. Pilze bestehen aus einem Geflecht verzweigter Zellfäden. Sie brauchen kein Licht, da sie keine Photosynthese durchführen können. (-> um im Bild zu bleiben: vielleicht kann Frau Merkel schlicht keine Transparenz)

    @ Ramona 015:

    Ist offenbar kennzeichnend im politischen Leben, daß, wenn man „weiter so“ eigentlich nicht machen kann und der Mut zu GRUNDlegender Veränderung fehlt, erst mal KOMMISSIONEN gebildet werden. Sie haben zum einen die Funktion zu signalsieren, „Wir tun da was“, zum zweiten die Selbstvergewisserungs-Funktion, einander zu beruhigen, wenn man es dann doch bleiben lässt.

    @ Isabell: Hey, Du kommst aber doch wieder aus dem Wald?

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  24. 26. Oktober 2009, 14:44 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
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    Hab eben „Anne Will“ aus der Dose geguckt. Na, Herr Schäuble mag lächeln können. Nichtsdestotrotz ist er Mitwisser und Mitträger von Kohls „Ehrenwort“-Machenschaften. Deshalb traue ich ihm noch nicht mal „auf Sicht“. JuLi Vogel: ein Beleg für die – nicht nur in der FDP praktizierte – Arbeit von „Parteiassessment“-Centern und deren Abläufen, die „Corporate Identity“ formen. (Synonym:“Kaderschulung“). Herr Hundt wußte sehr eloquent davon abzulenken, was Lobbyisten seines Schlages inzwischen bereits bei der designierten (nee, es gibt sie ja noch nicht wirklich) Bundesregierung erreicht haben. Wer mehr wissen will: im neuen SPIEGEL ist das auch kurz angesprochen; übrigens titelt der auch mit „Vorsicht Schwarz-Gelb“ – wobei mir noch nicht klar ist, ob das als Warnung für Volk oder designierte Regierung gemeint ist. Herr Trittin hat als alleiniger Oppositionsvertreter seinen Job getan. Ebenso Frau Niejahr und Frau von zur Gathen (von Schäuble „Frau von und zu“ genannt…).

    Ich selbst hab es bislang auch getan – aber erst durch die Sendung fiel mir auf: die sozial Schwächsten werden für Stellvertreterdiskussionen eingesetzt (um nicht zu sagen: mißbraucht).

    Ein Blick in die Sozialpolitik Deutschlands von Bismarck an im Zeitraffer:

    Sozialpolitik war/ist bislang immer darauf gerichtet, Menschen, die – warum auch immer – nicht aktiv zum Bruttosozialprodukt beitragen konnten, irgendwie am Leben zu erhalten (ausgenommen Hausfrauen, aber das ist ein anders Thema) halbwegs am Leben zu erhalten. Die erste Arbeitslosenversicherung der Weimarer Republik war ausgelegt auf errechnete 300.000 Betroffene (Nachzulesen bei H.U.Wehler „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“Bd.4. Daß es im Laufe der Wirtschaftskrise weit mehr wurden – war im Modell nicht vorgesehen.

    Das nach dem 2.WK etablierte soziale Sicherungssystem ist gespeist aus Bismarck´scher und Weimarer Sozialpolitik, ergänzt durch Kriegsauswirkungen (Versehrten-, Hinterbliebenenrecht; -> sozial und gesundheitlich Geschädigte aufgrund der Gesetzgebung des 3.Reiches ausgenommen; auch wieder andere Geschichte). Seither wurde immer wieder nur aufgepfropft. Der letzte Pfropfen: die Pflegeversicherung: von Anfang an NICHT darauf ausgelegt, den tatsächlichen Bedarf abzudecken.

    Nun sind wir in einer Situation, in der diejenigen, die NICHT zum Bruttosozialprodukt beitragen können oder DÜRFEN (schlicht keine Arbeitsplätze da – und das trifft nicht allein weniger gut Ausgebildete!; ausgenommen auch hier wieder: Hausfrau/-mann-Status)die Zahl derjenigen, die (noch) sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, überwiegen. Diesen Paradigmenwechsel hat die SPD versäumt, zu vermitteln. Die CDU/FDP werden dies auch oder erst recht nicht tun.

    Ebensowenig wurden und werden die Verantwortlichen für einen radkalen Abbau von sozialversicherungspflichtigen (und damit im Falle der Arbeitgeber hälftigen Beitrag zum Sozialversicherungssystem) Arbeitgeber und die wirtschaftskrisenverursachenden Banken zur Verantwortung gezogen.

    Die sogenannt „sozial Schwachen“ sind (ohne die Nöte relativieren zu wollen) ein Alibischauplatz, um die tatsächlichen Verwerfungen zu vertuschen – so was nenne ich sozialen Mißbrauch.

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    • 26. Oktober 2009, 14:48 Uhr, von Mafalda
      024.1

      „Arbeitsplätzen“ muß es im vorletzten Absatz anch der Klammer heißen.Sorry

      Antworten
    • 26. Oktober 2009, 16:31 Uhr, von Mafalda
      024.2

      Ah ja, hab die Frage an beide Koalitionsparteien gemailt, weshalb Arbeitgeber als Outsourcer und Banken als Finanzkrisenverursacher nicht zur Behebung der von ihnen verursachten sozialen Schäden herangezogen werden.
      Könnt ihr ja auch machen.

      Ich bin gespannt auf Antwort. Die – auf meine Frage an die CDU nach den Ansprüchen der Arbeitgeberverbände, die als erste auf der Matte als Bittsteller an die künftige Koalition waren – war ebenso vorhersehbar wie nichtssagend: erst mal müssen Koalitionsverhandlungen geführt werden.

      Nun sind wir einen Schritt weiter.

      Antworten
      • 26. Oktober 2009, 19:28 Uhr, von US
        024.2.1

        Hallo Mafalda,
        sorry, du wirst leider keine Antwort bekommen, da die Parteien CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne zu sehr mit den Banken verbandelt sind.
        MfG

      • 26. Oktober 2009, 19:31 Uhr, von Mafalda
        024.2.2

        US, erwarte auch nicht wirklich Substantielles als Antwort. Doch GESTELLT haben will ich die Frage bei der Parkuhr, wo sie hingehört.

  25. 26. Oktober 2009, 19:24 Uhr, von US Gefällt einem Leser
    025

    Koalitionsvertrag (1): Leitbild und Grundsätze der schwarz-gelben Bundesregierung.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=4286#more-4286

    Viel Spaß damit.

    Antworten
    • 26. Oktober 2009, 19:35 Uhr, von Mafalda
      025.1

      Danke für die Nachdenkseiten. Beim SPIEGEL hatte ich heute den Eindruck, ich lese den Feuilletonteil zu „Les Miserables“ und „Le Malade Imaginaire“ gleichzeitig.

      Antworten
  26. 27. Oktober 2009, 12:22 Uhr, von Martina Gefällt 3 Lesern
    026

    Politik besteht nicht selten darin, einen simplen Tatbestand so zu komplizieren, daß alle nach einem neuen Vereinfacher rufen.

    Giovanni Guareschi

    Interessant die (http://www.nachdenkseiten.de/) so wie die (www.beppegrillo.it/en/) und noch ( http://antefatto.ilcannocchiale.it/glamware/blogs/blog.aspx?id_blog=96578&r=168704 ) …für wem nicht nur lebt sondern auch etwas sich wohlfühlen möchtest.
    @Alle eine schönen tag.

    Antworten
  27. 27. Oktober 2009, 12:43 Uhr, von Walter Gefällt 4 Lesern
    027

    Frauen in Führungspositionen sind immer noch die Ausnahme. (un.org/ga/search/view_doc.asp?symbol=A/64/93)
    In Anbetracht der aktuellen Kommentare und Karikaturen scheinen wir uns an die Kanzlerin Angela Merkel gewöhnt zu haben, etwa wie die Briten damals an Maggie Thatcher.
    Wenn sie als Kreuz-Dame, in der Anspielung ebenso mächtig wie unbeliebt, durchgeht, spricht dies auch für ihren ebenso unprätentiösen wie effektiven souveränen Umgang mit Macht.
    Sie zelebriert Macht nicht, sondern instrumentalisiert sie um sachliche Ziele zu erreichen. Dabei macht sie politsche Problemlösung zu ihrem persönlichen Anliegen und agiert sparsam, wenig gefühlsbetont und damit scheinbar rücksichtlos.
    Wie anders trat Guido Westerwelle neben ihr auf der Pressekonferenz auf, euphorisch bis an den Rand der Ekstase. Für ihn war Weihnachten und Ostern gleichzeitig, politische Wiedergeburt und vorgezogene Himmelsfahrt sozusagen. Als Messias seiner Partei ließ er sich dann konsequenterweise auf dem Parteitag feiern. Niemand dort wagte gegen den Koalitionsvertrag zu stimmen- bayerische Verhältnisse in der FDP. So viel Einigkeit in einer liberalen Partei ist schon wieder verdächtig.
    Horst Seehofer gab sich selbstironisch, doch mit zusammen gebissenen Zähnen. Für einen König Lear fehlt es ihm an Tragik und Konsequenz, man könnte auch sagen Charakter. Doch auch sein Baron ist nicht ganz so groß- und edelmütig wie Cordelia.

    Die Rolle der Hofnarren spielen andere. Hermann Otto Solms mit seinem verschatteten Nebenhaushalt zum Beispiel. Gutmütig närrisch wirkt daneben auch Wolfgang Schäuble, wenn er von seinem zukünftigen Amt als einer ehrenvollen Zumutung spricht. Oder Günther Öttinger, den Angela Merkel im Sinne des Wortes aus dem Ländle wie aus dem Bundesrat wegbefördert hat.

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  28. 28. Oktober 2009, 11:16 Uhr, von Yolande Langendijk Gefällt 2 Lesern
    028

    Hatte die letzte Tagen wenig Zeit hier zu lesen aber natürlich, was sonst: Herzlichen Glückwunsch mit der ‚Gelungene’ neue Koalition; Wir hoffen natürlich, wie immer, das Beste. Und dabei gehört, was sonst, natürlich auch die übliche Glückwunsch Karte http://tinyurl.com/ylgvuu3

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    • 28. Oktober 2009, 12:23 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
      028.1

      Van harte gelacht, Yolande Langendijk. Hartstikke bedankt! En betoverend kaartje. :-))) Juist aan de dag van de herkiezing van Angela Merkel.

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  29. 28. Oktober 2009, 16:42 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    029

    So, die neue Regierung ist vereidigt. Frau Merkel geht auf Reisen. Regierungserklärung sozusagen zum Martinstag verschoben. Derweilen übernahme es die Herren Lammert und Köhler, politische Rollenzuteilung (das Parlament als die gewählte Volksvertretung und damit Arbeitsplattform, nicht allein Regierungsmehrheitsbeschaffer und Befehlsempfänger ->Lammert) und Leitlinien künftiger Politik (Köhler)in ihren Reden aufzuzeigen. Steinmeier empörte sich wohl und sprach von „fehlendem politischen Anstand“ seitens Merkel (nicht unberechtigt). Doch kann auch die Opposition die Zeit noch nutzen, das Gefieder zu sortieren und wohlvorbereitet in die parlamentarische Arbeit einzusteigen, solange „die Katze aus dem Haus“ ist. Bin nun mal gespannt auf den nächsten Akt.

    Offensichtlich ist das nächste Zeitfenster: bis zur Landtagswahl in NRW.

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  30. 28. Oktober 2009, 16:45 Uhr, von Mafalda
    030

    ups, hab ein `n´zu vergeben bei „übernahmen“ in der 2. Zeile sowie ein `um´ statt des `und´ in der fünftletzten Z..

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© Miriam Meckel 2002 bis 2017