MM_Lagarde
Zu den Kommentaren
28. Oktober 2009, 17:48 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Nachtrag zu einem symbolischen Missverständnis

Bundestag live am 03.07.2009

Norbert Lammert, wiedergewählter Bundestagspräsident, hat in seiner Rede in der konstituierenden Sitzung versucht, einige Missverständnisse der parlamentarischen Demokratie zurecht zu rücken. Dabei hat er sich in einem Punkt verhakt. ARD und ZDF wurden flugs auch zu Zielscheiben der Präsidialkritik, weil sie die Sitzung nicht live übertragen wollten. „Mir fehlt jedes Verständnis, dass ein gebührenpflichtiges Fernsehen, das dieses üppig dotierte Privileg allein seinem besonderen Informationsauftrag verdankt, auch an einem Tag wie heute mit einer souveränen Sturheit der Unterhaltung Vorrang vor der Information gibt.“

Die Verbalwatsche saß und hat gleich für viel Diskussion gesorgt, nicht zuletzt, weil die Sitzung natürlich live übertragen wurde, und zwar von Phoenix, dem Ereignis- und Dokumentationskanal, der unter anderem für solche Anlässe ins Leben gerufen wurde. In den Programmgrundsätzen von Phoenix heißt es: „PHOENIX dient der politischen Meinungs- und Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger, es sollen Hintergründe erhellt und Zusammenhänge dargestellt werden. Damit soll der Spartenkanal den demokratischen Parlamentarismus und die europäische Integration fördern.“

Offenbar reicht das Herrn Lammert nicht. Er möchte ins Hauptprogramm, das reputations- und quotenträchtiger ist. Und dafür vergisst er dann gerne zwei Zusammenhänge, über die er an dieser Stelle auch hätte sprechen können.

(1) Es war und ist die Politik – vor allem der Bundesländer – die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland immer wieder den Weg zur Expansion und Ausdifferenzierung geebnet hat – zahlreiche Anpassungen des Rundfunkstaatsvertrags zeugen davon. Dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten nun im Sinne dieser Spartenbildung programmieren, kann man ihnen nachträglich nun wirklich nicht vorwerfen. Allerdings hätte man darüber auf Seiten der Politik im Vorfeld immer weitreichender Zugeständnisse an ARD und ZDF einmal nachdenken können. Das passt nicht in die Rede eines soeben wiedergewählten Bundestagspräsidenten, zugestanden. Aber das macht Lammerts Kritik auch nicht fair.

(2) Sicher ist nachvollziehbar, dass viele Beteiligte die konstituierende Sitzung als etwas besonders wichtiges betrachtet haben, als einen symbolischen Moment der parlamentarischen Demokratie, dem (auch mediale) Aufmerksamkeit gebührt. Leider halten Bundestagsplenarsitzung aber oft nicht das, was wir uns von einem lebendigen Parlament versprechen dürfen. Wo sind die zahlreichen Beispiele politischen Ideenreichtums und rhetorischer Brillianz, die unbedingt in die Welt gesendet werden müssen? Es gibt sie immer mal wieder, aber es gibt häufiger, leider allzu häufig, leere Stuhlreihen in einem Plenarsaal, der durch rednerische Langeweile und mangelnde Präsenz der Abgeordneten ausgeblutet ist. Warum aber soll ich von den Bürgern oder auch den Medien verlangen können, den einen symbolischen Moment ausreichend zu würdigen, wenn die Alltagsarbeit in ihrer kommunikativen Vermittlung oft so wenig spannend und überzeugen ist?

Norbert Lammert hat – auch in seiner Rede – gesagt, dass inzwischen immer weniger wirklich im Parlament ausgehandelt wird. „In der vergangene Legislaturperiode wurden 464 Tagesordnungspunkte ohne Debatte verhandelt und von rund 15500 Reden wurden nicht weniger als 4429 zu Protokoll gegeben – mehr als jede vierte!“ Wie sollen wir uns das dann vorstellen? ARD und ZDF filmen die Manuskripte ab und strahlen das aus?

Es ist längst nicht mehr so, dass der lebendige Parlamentarismus des persönlichen rhetorischen Schlagabtauschs die Regel wäre. Dafür würden sich Medien nämlich durchaus – auch live – interessieren. Die Abhandlung von Tagesordnungspunkten ist dagegen wenig mythenbildend. Das haben die Medien gelernt. Und das lernen sie dann auch nicht plötzlich neu, wenn die Symbolik es verlangen mag. Oder wenn der Bundestagspräsident findet, dass seine eigene Rede allemal eine Liveübertragung bei ARD und ZDF verdient hätte.

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71 Reaktionen

  1. 28. Oktober 2009, 18:51 Uhr, von Maria
    01

    Bei einer ARD Umfrage gibt es eine Mehrheit für die Übertragung der Bundestagssitzung im Ersten und ZDF.

    Der Sender Phoenix gehört für mich schon lange zu den informativsten Sendern. Die „Phoenix“ Runde oder „Unter den Linden“ sollte man nicht verpassen.

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  2. 28. Oktober 2009, 21:09 Uhr, von Petra Gefällt 2 Lesern
    02

    In der 2o Uhr Tagesschau wurde ausführlich über die Wahl von Margot Käßmann zur neuen Ratsvorsitzenden der EKD berichtet. Ich war sehr angenehm überrascht, dass man diesem Thema so viel Raum gab. Insofern kann ich mich heute über die ARD nicht beschweren. Ich kann Herrn Lammert in diesem Punkt also – heute – nicht folgen. Aber er hat auch Kritik an den Parlamentsgepflogenheiten geübt, die sich durchaus berechtigt anhört. Er fordert, Klasse statt Masse, Öffentlichkeitsarbeit statt stiller Post, Parlaments- statt nur Regierungsarbeit. Wenn der Staub abgeschüttelt wird, kann das allgemeine öffentliche Interesse an Politik und Politikern sowie deren Arbeit wieder zunehmen. Dann ist die Motivation von ARD und ZDF , eine 1. Sitzung des Bundestags zu zeigen vielleicht auch so groß wie bei einer Olympia – Eröffnungsveranstaltung. Und dass Frau Merkel mit dem Fallschirm eine Punktlandung hinlegt, würde auch keiner verlangen…

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  3. 28. Oktober 2009, 21:49 Uhr, von Walter Gefällt 4 Lesern
    03

    Glanz und Elend der Demokratie oder Anspruch und Wirklichkeit.
    Für Norbert Lammert misst der Konstitution des neuen Bundestags weit mehr Bedeutung zu als die Mehrheit der Fernsehzuschauer und der Programmdirektoren. Die Entscheidung von ZDF und ARD, die Eröffnung nur auf Phoenix zu übertragen zeigt eher Realitätssinn als Staatsferne.
    Etwas mehr an Akzeptanz der Welt außerhalb der politischen Käseglocke, Toleranz und Humor wären dem Bundestagspräsidenten zu wünschen. Damit ließe sich dieses Amt wohl etwas leichter tragen und auch besser vermitteln. So suggeriert die „souveräne Sturheit“, die er den Fernsehmachern unterstellt eine gewisse Entfremdung von „seinem“ Volk.

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  4. 28. Oktober 2009, 22:13 Uhr, von Fabian Gefällt 2 Lesern
    04

    Mich würde interessieren, wie war das früher? Ab wann, bis wann wurden Sitzungen denn in den ersten beiden Programmen übertragen? Ich meine mich noch dunkel daran erinnern zu können.

    Anbei der unübertroffene Klassiker:

    F.J. Strauss Berechnungen

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  5. 28. Oktober 2009, 22:13 Uhr, von Fabian Gefällt 2 Lesern
    05
    Antworten
  6. 28. Oktober 2009, 22:25 Uhr, von Enya Gefällt 4 Lesern
    06

    Werte Frau Meckel, brilliant, brilliant – Sie bringen die Dinge mal wieder auf den Punkt.

    „Neue Frauen“ braucht das Land! Warum gehen Sie nicht in den Bundestag und zeigen den „alten Herren“ mal wie es geht :-)

    @allen einen schönen Abend.

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  7. 29. Oktober 2009, 6:55 Uhr, von Ramona Gefällt 4 Lesern
    07

    Bundestagspräsident Lammert hat eine „intellektuelle Überheblichkeit“ in der Behandlung des Parlaments und in der Wahrnehmung des Wahlrechts durch die Bürger beklagt. Bei ca. 18 Millionen aktiven Nichtwählern im Land, kann von einer Massen-Abwendung gesprochen werden.
    Das hat wenig damit zu tun, dass ARD und ZDF, bei der Eröffnung der 17. Legislaturperiode, zur Quotensteigerung lieber auf Unterhaltung setzten als auf die Übertragung einer stundenlangen Bundestags-Zeremonie. Solange der Bundestag selbst sich nicht traut, ERSTARRTE FORMEN zu überwinden, damit aus der Volksvertretung ein GELEBTER und LEBENDIGER Ort der offenen Meinungssuche wird, ist es ein wenig billig, die Schuld am Ansehensverlust bei anderen zu suchen. Weshalb spricht zum Auftakt immer nur ein Alterspräsident über Gestriges? Warum nicht auch ein Jung-Parlamentarier über Erwartungen und Hoffnungen?
    Wenn Politik zum Ritual zu erstarren scheint, sollte auch ein kluger Kopf wie Norbert Lammert darauf verzichten, die Überbringer dieser trüben Botschaft, könnten Schuld an der Distanz zu und von Politik haben.
    Das spricht die Medien nicht frei. Politik ist komplexer als manche Schlagzeile, Parlamentarier sind in der Regel fleißig, viele Probleme sind komplizierter, als sie in einer Melange aus Stammtisch und Effekthascherei bisweilen dargestellt werden.
    Übrigens, wer von Euch kann sich am Tag vor die Glotze setzten? Ich nicht! Mir genügt eine ausführliche Berichterstattung in den Abendnachrichten bzw. Sondersendungen danach.

    Euch allen einen guten Tag!

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  8. 29. Oktober 2009, 8:00 Uhr, von Dowanda Gefällt 9 Lesern
    08

    Die Sitzung hätte auch ins ERSTE bzw. ins ZDF gehört. Immerhin handelte es sich um die Eröffnung der neuen Parlamentsperiode. Der repräsentativen Vertretung des deutschen Volkes. Nicht nur der Vertretung derer, die PHOENIX empfangen können.
    Warum man stattdessen die x-te Wiederholung von Sendungen zeigen muss, in denen die immer gleichen Schauspieler die immer gleich vorhersehbaren Drehbücher abspulen, verstehe ich nicht.

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  9. 29. Oktober 2009, 9:27 Uhr, von Fabian Gefällt 13 Lesern
    09

    Bin im übrigen ansonsten ganz bei Lammert und finde die Argumentation von MM ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Es geht allein um die konstituierende Sitzung des Bundestages und um die Wertigkeit, die man dem Bundestag mit der Übertragung im Ersten (und nicht irgendwo auf dem zehnten Sendeplatz) beimisst.

    Es kann nicht sein, dass auf beiden Sendern stundenlang Barack Obama hier und da und dort in Berlin übertragen wird, die konstituierende Sitzung des Bundestages aber nicht!

    Die Medien können den Menschen nicht andauernd Politikmüdigkeit vorwerfen, wenn sie nicht mal die konstituierende Sitzung des Deutschen Bundestages prominent ausstrahlen und zu einem erlebbaren „Event“ machen.

    Das fand ich im übrigen bei der Übertragung 60 Jahre Grundgesetz aus dem Reichstag sehr gelungen! Wo wurde das nochmal übertragen? Erste? Phoenix? Kann sich zufällig noch jemand erinnern?

    Antworten
  10. 29. Oktober 2009, 9:30 Uhr, von Noisa Gefällt 25 Lesern
    010

    Herr Lammert hat mit seiner Kritik an den öffentlich-rechtlichen Sendern etwas angestoßen, was aus meiner Sicht weitaus wichtiger ist, als es zunächst erscheint. Ich schätze ihn nicht für so eitel ein, dass es ihm um die Übertragung seiner gelungenen Rede bei ARD oder ZDF gegangen sei. Da erscheinen mir manche Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, weitaus eitler. ;)

    Allgemein geht es hier um das Thema politische Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien. Anlass war die gestrige konstituierende Sitzung, welche bei einem Sender, den kaum einer guckt, übertragen wurde.

    Ich persönlich finde die politische Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien überwiegend schwach. Es wird an der Oberfläche gekratzt. Ich hatte es schon mal vor einiger Zeit freundlicher formuliert, jetzt unfreundlicher: Von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten kann erwartet werden, dass sie tiefgründig wesentliche Themen aus dem Bundestag und anderen politischen Gremien aufarbeiten und nicht nur die Meinung der Sprecher oder Fraktionsvorsitzenden der einzelnen Parteien transportieren. Es nutzt auch nichts, die Kamera bei einer Bundestagssitzung auf den Sprecher zu schwenken und die oftmals rhetorisch ausgefeilten Sätze nebst Gesten zu übertragen. Es geht nicht um das, was eine PERSON sagt, sondern es geht um INHALTE.

    Die Berichterstattung in den Medien kann ja Auszüge von Bundestagssitzungen übertragen, von mir aus auch über PHOENIX. Aber sie muss weg von Personen, hin zu Themen.

    Über die Webseiten des Bundestages, -rates, der Ministerien etc. können aktuelle Gesetzesentwürfe, Anträge kostenfrei abgerufen werden. Es ist möglich, dass sich Journalisten – ggf. mithilfe von Fachleuten – Themen erschließen, fundiert und gründlich.

    Ich hätte mir am gestrigen Tag eine Informationssendung bei ARD oder ZDF gewünscht, bei welcher wir Bürger über das, was gestern im Bundestag abgelaufen ist, informiert worden wären und wesentliche Auszüge aus den Reden übertragen worden wären. Dass die Bundeskanzlerin gestern vom Bundestag gewählt wurde, war vermutlich einigen Bürgern gar nicht klar, weil sie davon ausgegangen sind, dass sie sie bereits gewählt hatten.

    Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten haben einen Auftrag und haben diesen zu erfüllen! Sonst schafft die GEZ ab!

    OT: Übrigens, kann mir mal jemand erklären, was diese blödsinnigen Interviews sollen, bei welchen nach den Auswirkungen von Steuersenkungen gefragt wird und die betreffenden CDU/CSU/FDP-Politiker meistens erwidern, es „sprudelt“ dann in den Kassen und dieses „Sprudeln“ nicht hinterfragt wird? Haben die das in ihren Arbeitsgruppen mit dem Sprudeln abgesprochen? Das ist RTL II-Niveau oder Super RTL. Super. :(

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 15:26 Uhr, von US Gefällt 2 Lesern
      010.1

      Hallo Noisa,
      ich gebe dir da völlig Recht, das sehe ich auch so.
      Außerdem, kann man bei ARD und ZDF nicht mal so ein blaues Band unten am Bildschirmrand durchlaufen lassen, dass uns Anzeigt, dass auf Phönix gerade was interessantes läuft? Wenn Phönix schon ein Sonderkanal der ARD für Politik ist! Ich schau da täglich rein, denn auf den anderen Sendern wird sowieso nur rumgeschwurbelt.
      MfG

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  11. 29. Oktober 2009, 9:56 Uhr, von Nikolaus Huss Gefällt einem Leser
    011

    Ich stimme Ihnen zu. Die Lammers Kritik ist eine der vielen politischen „wasch-mir-den-pelz, aber-mach-mich-nicht-nass“-Handlungen, die den Überdruss an der Politik erst möglich macht. Einige Hinweise, wann kritische Interventionen ernst zu nehmen sind: http://fruehstuecksfernsehen.nikolaus-huss.de/?p=132

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  12. 29. Oktober 2009, 10:05 Uhr, von Miranda Gefällt 4 Lesern
    012

    bis in die 80 Jahre wurde im gemeinsamen ARD/ZDF Vormittagsprogramm oft Bundestagsssitzungen übertragen, sehr zu meinem Leidwesen.Als pubertierende 13-15 jährige programmiert ich den Videorecorder jeden Morgen um die alten Folgen von Dallas aufzunehmen die um 9.03 liefen, stattdessen dann Norbert Blüm, Kohl und Vogel zu sehen am Abend als ich mich auf Pam und Bobby freute…war schwer zu verkraften…
    Heute 23 Jahre später würde ich natürlich jeder Bundesstagssitzung den Vorzug geben…
    Die Pubertät war doch eine sehr verwirrende Zeit. :)

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 10:25 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
      012.1

      Ging mir auch auf ORF so … Da wurde immer die Fragestunde übertragen. Und ich wollte doch Raumschiff Enterprise gucken … Videorekorder gabs bei uns keinen. Also rauschte die Enterprise ohne mich in die unbekannten Tiefen des Weltraums.

      Antworten
  13. 29. Oktober 2009, 11:36 Uhr, von Janine
    013

    Ich finde die Kritik unberechtigt. Jeder hat die Möglichkeit Phoenix zu sehen… Ich glaube wohl kaum, dass Desinteressierte eher bei ARD oder ZDF hängen bleiben als bei Phoenix. Die schalten eher immer weg…

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 12:16 Uhr, von jette Gefällt 2 Lesern
      013.1

      ganz so einfach ist es nicht. die durchschnittlichen quoten von phoenix liegen doch erheblich unter denen von ard und zdf, und es macht schon einen gewaltigen unterschied, ob die konstituierende sitzung des bundestages auf den hauptprogrammen oder „nur“ bei phoenix gesendet wird. nur leider ködert man mit all den alisas und biancas noch viel mehr zuschauer, und allein das scheint eben auch inzwischen die prämisse der öffentlich rechtlichen zu sein.

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  14. 29. Oktober 2009, 13:07 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    014

    Das gestörte Verhältnis zwischen Parlament und den Medien als demonstrative Nichtbeachtung- wer ist die Henne und wo ist das Ei?
    In der Erinnerung sind die früheren Bundestagsdebatten spannender, einerseits wegen ihrer schärferen und dennoch respektvolleren Rhetorik, die sich mittlerweile allzuoft in niveaulosen Angriffen, Pauschalverurteilungen und persönlichen Beleidigungen erschöpft, zum anderen da die Auseinandersetzungen um Sachthemen häufig mehr Bürokratie und Schweiß als Esprit und Überzeugung transportieren. Den Debatten fehlt es an politischer Leidenschaft und Überblick, viele genügen der Form und Vielen genügt dies dann.
    So ist nicht verwunderlich, wenn viele Reden ungehalten zu Protokoll gegeben werden- besser so?
    Die mehr sachliche als grundsätzliche parlamentarische Auseinandersetzung hat viel von ihrem Charme und ihrem Unterhaltungswert eingebüßt. Damit geht auch das allgemeine Interesse verloren. Mit der Installation von Phoenix wurde die Übertragung aus dem Bundestag zum Nischenprogramm für beruflich und thematisch Interessierte.
    Wenn sich Norbert Lammert beklagen will, könnte er auch erklären, warum das Volk die Parlamenteröffnung verfolgen soll.- Worin liegt der Informationswert, wenn schon so wenig Unterhaltung und im konkreten Fall sogar Langeweile geboten wird? Spannend war es bei der Wahl und danach. Doch da gab es wenig Information zur spekulativen Unterhaltung.
    Den öffentlich- rechtlichen Rundfunk als Staatsorgan zu betrachten zeugt von einem etwas selbstherrlichen Anspruch gegenüber der vierten Macht und dem Recht auf Objektivität.
    Politik versucht mehr als genug Einfluss auf die Sender zu nehmen, wie das Gezerre um ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zeigt.
    Die Öffentlich- rechtlichen sollten sich wehren: Herr Lammert ist nicht die Demokratie sondern nur ihr Vertreter.
    Wenn er die Medien kritisiert, so kritisiert er insgeheim und implizit das Volk, das auch ihn gewählt hat.

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 13:25 Uhr, von Dowanda Gefällt 5 Lesern
      014.1

      Die Medien = das Volk.
      Das halte sogar ich für eine steile These :-) Wären die Medien tatsächlich das Volk, würden nicht politische Blogs abseits der links- und rechtsdrehenden Mainstream wie Pilze aus dem Boden schiessen. Angefangen bei den nachdenkseiten bis hin zu politically incorrect, um bei deutschen Beispielen zu bleiben.
      Genauer gesagt denke ich mir, das Web 2.0 gar nicht gäbe – wären die Medien tatsächlich das Volk.

      Antworten
    • 29. Oktober 2009, 13:51 Uhr, von Noisa Gefällt 9 Lesern
      014.2

      „Wenn er die Medien kritisiert, so kritisiert er insgeheim und implizit das Volk, das auch ihn gewählt hat.“ Das ist weit gedacht.

      Die öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten sind Anstalten – ja, so heiß es – des öffentlichen Rechts. „Eine öffentlich-rechtliche Anstalt ist ein Bestand von Mitteln, sächlichen wie persönlichen, welche in der Hand eines Trägers öffentlicher Verwaltung einem besonderen öffentlichen Zweck dauernd zu dienen bestimmt sind.“ Sie ist als Verwaltung (Exekutive) nur Bestandteil des Staates. Der Bundestag, dessen Präsident Lammert eben ist, ist die Legislative.

      Art 20 Abs. 2 GG: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“

      Die Bürger haben die Mitglieder des Bundestags als Organ der Gesetzgebung gewählt! Mehr nicht. Einfluss auf die Exekutive kann der Bürger nur mittelbar über Maßnahmen der Legislative nehmen – und nur über die gewählten Vertretern.

      Es ist legitim, dass der Bundestagspräsident sich hier anmaßt, die Fernsehverwaltung zu kritisieren. Und ich hoffe als Bürgerin, dass seine Kritik ernst genommen wird, an Änderungen gebastelt wird, die dem gesetzlichen Auftrag entsprechen. Fernsehanstalten dürfen nicht GEZ-Gebühren der Bürger zweckentfremden und verprassen, nur weil sich die Bürger kaum wehren können, für blöd gehalten werden und blöd gemacht werden durch ein schlechtes Fernsehprogramm.

      Antworten
      • 29. Oktober 2009, 15:59 Uhr, von US Gefällt 2 Lesern
        014.2.1

        Noisa, da hast du wieder recht, da kann ich dir nur wieder beipflichten.
        § 5 des GG adelt die Medien. Sie sollen ein Leuchtfeuer der Meinungsfreiheit sein, Garant und Beispiel für Pluralität und freie Meinungsbildung. Solche Medien müssen die Politik, die Verbände, die Parteien und Eliten kontrollieren, und zwar aus eigener Kraft. Von ihnen müssen Fragen und Impulse ausgehen. Sie müssten die laufenden Kampagnen der Meinungsbildung aufdecken und gesellschaftliche Entwicklungen vorausdenken, um Anstöße zu eine breiten Debatte darüber zu liefern.
        MfG

  15. 29. Oktober 2009, 13:43 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    015

    Er hat sich an ARD und ZDF gerichtet, weil er meint, auf deren Gefolgschaft rechnen zu dürfen. Sein Argument sind die Gebühren, doch die zahlen nicht die Abgeordneten sondern das Volk. Ähnlich wie das Parlament sind damit auch ARD und ZDF dem Volk verpflichtet und nicht dessen Abgeordneten.
    Einerseits argumentiert er mit: „Wir sind das Volk“, zum anderen beklagt er sich, wenn die Medien im Sinne der Bürger entscheiden und beides bieten: Unterhaltung im Ersten und Zweiten, Information auf Phoenix.
    Die eigentliche Frage dahinter ist, wo Autorität und Ansehen der Politiker geblieben sind, denen mittlerweile fast alles zugetraut wird, was ja dann auch wieder die Medien übermitteln. Die Reputation von Politik ist fast hin.
    Mit Schuldzuweisungen und Unterstellungen wird sie wohl nicht wieder herzustellen sein.

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 13:59 Uhr, von Noisa Gefällt 4 Lesern
      015.1

      „Ähnlich wie das Parlament sind damit auch ARD und ZDF dem Volk verpflichtet und nicht dessen Abgeordneten.“ Nö, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben sich an die Vorschriften zu halten. Und die machen grundsätzlich andere (Legislative). So einfach ist das. ;)

      Antworten
  16. 29. Oktober 2009, 15:27 Uhr, von Walter
    016

    Zu den Großereignissen gehört eine Parlamentseröffnung schon mal nicht:

    § 4 Übertragung von Großereignissen
    (1) Die Ausstrahlung im Fernsehen von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung (Großereignisse) in der Bundesrepublik Deutschland verschlüsselt und gegen besonderes Entgelt ist nur zulässig, wenn der Fernsehveranstalter selbst oder ein Dritter zu angemessenen Bedingungen ermöglicht, dass das Ereignis zumindest in einem frei empfangbaren und allgemein zugänglichen Fernsehprogramm in der Bundesrepublik Deutschland zeitgleich oder, sofern wegen parallel laufender Einzelereignisse nicht möglich, geringfügig zeitversetzt ausgestrahlt werden kann. Besteht keine Einigkeit über die Angemessenheit der Bedingungen, sollen die Parteien rechtzeitig vor dem Ereignis ein schiedsrichterliches Verfahren nach §§ 1025 ff. der Zivilprozessordnung vereinbaren; kommt die Vereinbarung eines schiedsrichterlichen Verfahrens aus Gründen, die der Fernsehveranstalter oder der Dritte zu vertreten haben, nicht zustande, gilt die Übertragung nach Satz 1 als nicht zu angemessenen Bedingungen ermöglicht. Als allgemein zugängliches Fernsehprogramm gilt nur ein Programm, das in mehr als zwei Drittel der Haushalte tatsächlich empfangbar ist.

    (2) Großereignisse im Sinne dieser Bestimmung sind:
    1. Olympische Sommer- und Winterspiele,
    2. bei Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie, unabhängig
    von einer deutschen Beteiligung, das Eröffnungsspiel, die Halbfinalspiele und das Endspiel,
    3. die Halbfinalspiele und das Endspiel um den Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes,
    4. Heim- und Auswärtsspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft,
    5. Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften im Fußball (Champions League, UEFA-Cup) bei
    deutscher Beteiligung.
    Bei Großereignissen, die aus mehreren Einzelereignissen bestehen, gilt jedes Einzelereignis als Großereignis. Die Aufnahme oder Herausnahme von Ereignissen in diese Bestimmung ist nur durch Staatsvertrag aller Länder zulässig.

    Und der Auftrag lautet:

    § 11 Auftrag
    (1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur
    anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

    (2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.
    aus alm.de/fileadmin/Download/Gesetze/RStV_aktuell.pdf

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 15:45 Uhr, von Noisa Gefällt 11 Lesern
      016.1

      Wenn § 11 RStV ernst genommen worden wäre, hätte es gestern eine politische Sendung bei ARD oder ZDF geben müssen. „Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. …“ Wenn nicht bei einer konstituierenden Sitzung, wann dann? Die Bundespolitik ist nach wie vor wichtig. Aber ich mag mich da täuschen. Wenn wir zum Stimmvieh degradiert wurden, dann gehören seichte Serien in die Sender. ;)

      Dem Posting entnehme ich, dass Herr Lammert wohl besser nix gesagt hätte. Wie konnte er nur?

      Endlich mal ein Politiker, der das Verwaltungsfernsehen kritisiert! :))

      Antworten
  17. 29. Oktober 2009, 16:45 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    017

    Warum haben sich ARD und ZDF für Phoenix entschieden und gegen das Hauptprogramm?
    Warum hat der Bundestagspräsident das öffentlich- rechtliche Fernsehen angegriffen?
    Was verrät dieser Streit über die Verfassung und das Selbstverständnis von Medien und Politik?
    Norbert Lammert hat zu Recht das öffentliche Interesse eingefordert, doch an der falschen Adresse, wie ich finde. Die politisch Interessierten, die sich eine großteils wenig inspirierende und unterhaltsame Veranstaltung um diese Zeit anschauen können, sind in der Minderheit. Dies mag bedauerlich sein, doch es ist so. An der aktuellen Tagesschau- Umfrage beteiligen sich überwiegend die Interessierten.
    Es ist nicht Schuld der Medien, besonders nicht von ARD und ZDF, wenn sich immer mehr Deutsche von der Politik und den Parteien verabschieden.
    Wie Kai Gniffke richtig schreibt, haben politische Veranstaltungen zunehmend einen yellow press- Charakter, geraten zum Event. Dies ist bedauerlich und wohl auch zu ändern, aber wie?
    Welches ist der zeitgerechte Rahmen politischer Präsentation und Debatte? Was sind adäquate Umgangsformen im Parlament?
    – Mein persönlich abschreckenstes Erlebnis stammt aus einer aktuellen Stunde des Bundestags zu „Neue Entwicklung am Arbeitsmarkt- Deut­licher Rückgang der Erwerbslosenzahl, mehr Beschäftigung und Entlastung der öffentlichen Haushalte“ am 8.11.2006 als der FDP- Generalsekretär Dirk Niebel dem damaligen Arbeitsminister Franz Müntefering wünschte, er möge sich „sein anderes Bein gerade auch noch brechen“. Seitdem ist dieser Herr bei mir unten durch.

    Wer nannte den Bundestag einmal eine „unglaubliche Alkoholiker- Versammlung, die teilweise ganz ordinär nach Schnaps stinkt.“?
    Entsetzlich- oder?

    Antworten
    • 29. Oktober 2009, 18:43 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
      017.1

      „Es ist nicht Schuld der Medien, besonders nicht von ARD und ZDF, wenn sich immer mehr Deutsche von der Politik und den Parteien verabschieden.“

      Das tun die Deutschen nach meiner Einschätzung gar nicht, @Walter. Oder gibt es Untersuchungen/Statistiken, die das belegen? Aber bitte jetzt nicht mit Statistiken kommen, bei welchen schlappe 1.000 Bürger befragt wurden. (Es ist sowieso nicht zu begreifen, wie wenige Bürger für eine Befragung ausreichen, um die gebündelten Ergebnisse in irgendeiner Sendung im TV verwursteln zu können.)

      Ich vermute, dass die meisten Bürger politisch zumindest interessiert sind – auf einem unterschiedlichen Niveau, was völlig ok ist. Einer Mitgliedschaft in einer Partei bedarf es nicht, um in unserer Demokratie zur Wahl gehen zu dürfen. Eine bessere politische Berichterstattung würde möglicherweise mehr Interesse beim Bürger entfachen, den ein oder anderen womöglich reizen, sich politisch zu beteiligen. Es müsste eine Herausforderung für die öffentlich-rechtlichen Medienmacher sein, ein gutes Programm einzuspeisen und nicht seichten Serienmist für süchtige Zuschauer zu produzieren. ;)

      Antworten
      • 30. Oktober 2009, 6:57 Uhr, von Ramona Gefällt 3 Lesern
        017.1.1

        An dieser Diskussion stört mich, dass so getan wird, als sei die Übertragung der Eröffnung der Legislaturperiode beim Sender Phönix niedriger zu bewerten, als hätten dies ARD oder ZDF getan.
        Dabei wissen wir alle und sicher auch Herr Lammert, Phoenix ist ein öffentlich-rechtlicher Fernsehsender, der in Kooperation von ARD und ZDF betrieben wird. Und zu seiner Informationsaufgabe gehört es, Bundestags- und Bundesratssitzungen live und ganztätig zu übertragen, was er auch tut.
        Ich als Wähler, wundere mich dabei zwar am Nachmittag über fast LEERE Abgeordnetenbänke, aber das nur am Rande!
        Ich denke, viel können unsere Parlamentarier von sich aus tun, einer chic gewordenen Distanz zu und von Politik, entgegen zu wirken.
        Zu wenig geschieht auch aus den Reihen der Abgeordneten heraus um Politik vor der Verächtlichmachung zu schützen. Niemand hindert Parlamentarier daran, sich gegen den Versuch zu erwehren, sie zu Abnick-Statisten zu degradieren. Es fehlt an freier Rede, an ergebnisoffenem Wettstreit und manchmal auch am EIGENEN NACHDENKEN.

      • 30. Oktober 2009, 8:16 Uhr, von Noisa Gefällt 2 Lesern
        017.1.2

        Stimme Dir zu, Ramona, die Abgeordneten müssen was tun. Herr Lammert hatte den Bundestagsabgeordneten ihre Rolle in der Rede verdeutlicht. Es ist schon erstaunlich, dass Selbstverständlichkeiten angesprochen werden (mussten). Dann finde ich, haben sich Politiker den Medien nicht zu verschließen, haben Interviews zu geben, Anfragen ausführlich (!) zu beantworten – auch bei Abgeordnetenwatch.

  18. 29. Oktober 2009, 17:03 Uhr, von KaBlitzki
    018

    Bei uns gilt eben immer noch nicht „Shaping the Future through Debate“, sondern „Shaping the Future through Lobbyismus, Parteisoldatentum und Fraktionszwang“. Aber das Schlimmste ist tatsächlich, dass die „Quasselbude“ jetzt auch noch zur reinen Papier-Produktions-Bude verkommt. Bei der Regelung des Zu Protokoll Gebens geht doch das letzte Quäntchen demokratischer Aktivität verloren.
    Da bleibt die Lammertsche Medienkritik das Herumdoktern an Symptomen.

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  19. 29. Oktober 2009, 17:05 Uhr, von Miranda
    019

    Verstehe ehrlich gesagt nicht die Aufregung darum, wenn es nur verschlüsselt gelaufen wäre, aber jeder der sich dafür interessiert hat konnte es schauen, und Phoenix ist ja ein öffentlich rechtliches Projekt
    http://www.phoenix.de/content/phoenix/start

    Finde es eher bedenklich dass Politik den Sendern reinreden will, zumindestens konnte ich dass in 11 Jahren Hessischer Rundfunk beobachten, war zwar nur Zaungast aber nahe genug auf dem Gelände um mitzubekommen dass die Sendeanstalten der ARD unter Zwängen stehen und die politische Asurichtung der Landesregierung eine gewaltige Rolle spielt.
    Die Nähe von Dr. Helmut Reitze zur CDU finde ich absolut nicht in Ordnung,MP Koch hat indirekten Einfluss auf Berichterstattung.
    Jegliche Linksströmungen wurden ausgemerzt, so dass der HR, eh relativ am Schluss der Fahnenstange, der ARD zu einem Service und Rentner Sender stilisiert worden ist.
    Erinnere an den mutigen Journalisten Eduard Erne der mit „Dienstag das starke Stück der Woche“ wirklich probiert hatte den berechtigt kristischen Blick auf Roland Koch zu schärfen…man mag geteilter Meinung sein, die Rubrik in die Sendung einzuführen: Arschloch des Monats…aber ihn gleich damit rauszuwerfen fand ich ein Skandal…
    http://www.wildwechsel.de/artikel/input/2001/01/hr-skand.htm
    http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Erne

    Es gibt wirklich wichtigeres als dass zu kritisieren Herr Lammert, da bin ich wieder ich bei meinem Wunsch einfach mal ehrliche Politik präsentiert zu bekommen…fühle mich von Frau merkel und Herr Westerwelle verschaukelt!!!!!

    Antworten
  20. 29. Oktober 2009, 17:08 Uhr, von Miranda
    020

    Verstehe ehrlich gesagt nicht die Aufregung darum, wenn es nur verschlüsselt gelaufen wäre, aber jeder der sich dafür interessiert hat konnte es schauen, und Phoenix ist ja ein öffentlich rechtliches Projekt
    http://www.phoenix.de/content/phoenix/start

    Finde es eher bedenklich dass Politik den Sendern reinreden will, zumindestens konnte ich dass in 11 Jahren Hessischer Rundfunk beobachten, war zwar nur Zaungast aber nahe genug auf dem Gelände um mitzubekommen dass die Sendeanstalten der ARD unter Zwängen stehen und die politische Asurichtung der Landesregierung eine gewaltige Rolle spielt.
    Die Nähe von Dr. Helmut Reitze zur CDU finde ich absolut nicht in Ordnung,MP Koch hat indirekten Einfluss auf Berichterstattung.
    Jegliche Linksströmungen wurden ausgemerzt, so dass der HR, eh relativ am Schluss der Fahnenstange, der ARD zu einem Service und Rentner Sender stilisiert worden ist.
    Erinnere an den mutigen Journalisten Eduard Erne der mit “Dienstag das starke Stück der Woche? wirklich probiert hatte den berechtigt kristischen Blick auf Roland Koch zu schärfen…
    http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Erne
    http://www.wildwechsel.de/artikel/input/2001/01/hr-skand.htm

    Es gibt wirklich wichtigeres als dass zu kritisieren Herr Lammert, da bin ich wieder ich bei meinem Wunsch einfach mal ehrliche Politik präsentiert zu bekommen…fühle mich von Frau Merkel und Herr Westerwelle verschaukelt!!!!!

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  21. 29. Oktober 2009, 22:18 Uhr, von Miranda Gefällt 2 Lesern
    021

    Welche Kriterien werden hier angewandt, hatte mich kritisch der Politiknahen Bersichterstattung der Sendeanstalten, anhand eines konkreten Beispiels geäußert. Beitrag kam in die Moderation…wurde jetzt rausgenommen, darf man sich nicht frei äußern??? finde dass äußerst komisch, dann hätte ich wenigstens gerne eine Begründung des Administrators…

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  22. 30. Oktober 2009, 0:19 Uhr, von Anja Gefällt 2 Lesern
    022

    Nur mal kurz nebenbei, bin die Woche unterwegs und habe nicht viel Möglichkeiten irgendeine Berichterststattung zu verfolgen. Damit bin ich mit Sicherheit in guter Gesellschaft mit vielen anderen. Vormittags Fernsehn schauen ist wie Windpocken haben mit gleichzeitigen Verdacht auf Schweinegrippe! Und in diesem Falle würde mir auch Phoenix reichen!
    Da sieht man wieder wie Politik an Wirklichkeit vorbei geht ( sorry)

    Antworten
  23. 30. Oktober 2009, 9:46 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    023

    OT passt aber irgendwie doch: in Thüringen ist Christiane Lieberknecht im ersten Wahlgang durchgefallen. Hintergrundinfos und Aktualisierungen (wie auch bereits bei den Koalitionsverhandlungen und bei der Eröffnung des Bundestags völlig selbstverständlich) z.B. auf der ARD-Homepage.

    Auch die Mediathek bietet vieles, was mensch vielleicht im laufenden Programm verpasst hat und dort „aus der Dose“ gucken kann. Beim ZDF ist es ebenso. Von DAHER sehe ich nicht, daß die Öffentlich-rechtlichen ihrem Beitrag zur (politischen) Meinungsbildung nicht nachkämen. Allerdings ist heute das laufende Programm in DER Hinsicht auch nicht mehr allein das Maß der Dinge.

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  24. 30. Oktober 2009, 13:06 Uhr, von Siegmund Gefällt 5 Lesern
    024

    Ich finde die Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen berechtigt.
    Es geht auch nicht darum, ob Bundestagsdebatten nun spannend oder langweilig sind, es handelt sich hier nicht um einen Show-Event, sondern um die Verhandlung und Abstimmung über Gesetze, die unser Leben fundamental bestimmen.
    Wir haben ein Stimmrecht und es ist mehr als wichtig, immer wieder zu überprüfen, wie unsere Interessen vertreten werden.
    Da die Öffentlich-Rechtlichen ihre Existenzberechtigung alleine aus der Grundversorgung und dem Informationsauftrag beziehen, ist es richtig, sie daran zu messen.
    Hier fiel das Urteil berchtigterweise kritisch aus.
    Ob die Reden „rhetorisch brilliant“ sind oder nicht, ist in diesem Zusammenhang erstmal irrelevant. Das Leben ist keine Show, und eine gewisse Ernsthaftigkeit ist hier sogar gefordert.
    Und ich finde auch, das passt geradezu hervorragend in eine Rede eines gerade wiedergewählten Bundetagspräsidenten. Das war eine sehr starke Rede.
    Die Kritik daran ist mir auch ein wenig zu reflexhaft und kommt auch von denjenigen, die nicht gerade wenig von eben diesem öffentlich-rechtlichen System profitieren.

    Antworten
    • 30. Oktober 2009, 13:14 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
      024.1

      Sehr gut! *****

      Antworten
    • 30. Oktober 2009, 13:30 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
      024.2

      Nicht zuletzt auf Grund der aufklärenden und kritischen Medienberichterstattung im Hinblick auf „Schattenhaushalte“ wurde dieses „Projekt“ während der Koalitionsverhandlungen „gekippt“. Das als plakatives Beispiel; es gibt sicher viel mehr.

      Zugleich gibt es die Tendenzen – übrigens schon immer – seitens „der Politik“, „die Medien“ in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Die Causa „Brender“ hier ebenso als plakatives Beispiel; v.a. auf Länderebene gibt es sicher viel mehr.

      Ich persönlich lege wenig Wert darauf, das Schaulaufen (ein wenig despektierlich, ich weiß, doch nicht anders seh ich es) eines neuen Kabinetts zu sehen. Wir haben uns in den letzten Wochen/Monaten immer auch über die Inhaltsleere des Wahlkampfes, die inhaltliche Paralyse der tagespolitischen Arbeit angesichts der Neuwahlen ausgelassen. Mit Verlaub: wo nur Blech scheppert, können Medien nicht wirklich Glockenklang übertragen, wollen sie denn halbwegs wahrhaftig berichten. Und in Zeiten, in denen „mediales Rüberkommen“ im politischen Alltag eher als Kernkompetenz betrachtet wird, denn inhaltliche Substanz, wird es auch nicht einfacher für alle Akteure (einschließlich den Rezipienten.

      Insofern hab ich Herrn Lammerts Rede z.B. auch erst mal als (berechtigtes und notwendiges) Kehren vor der eigenen Haustür verstanden, denn als Medienschelte.

      Antworten
      • 30. Oktober 2009, 13:40 Uhr, von Noisa Gefällt 4 Lesern
        024.2.1

        „Mit Verlaub: wo nur Blech scheppert, können Medien nicht wirklich Glockenklang übertragen, wollen sie denn halbwegs wahrhaftig berichten.“

        Hinter die Blechfassade haben die Journalisten zu schauen! Das tun sie kaum und meistens zu spät.

        Das Thema Schattenhaushalt ist nun durch die Medien gescheppert. Ok, aber es hätte Ende 2008 bereits thematisiert werden müssen! Der SoFFin-Topf ist auch in einem Schattenhaushalt verpackt. Hat darüber jemand großartig geschrieben oder berichtet? Schlimm, was den Medienverantwortlichen da durch die Lappen gegangen ist.

        @Siegmund bringt es auf den Punkt. Dass die Parlamentarier vor der eigenen Tür zu kehren haben, auch das hat Lammert in seiner Rede thematisiert, ist klar.

      • 30. Oktober 2009, 15:58 Uhr, von Mafalda
        024.2.2

        Wer hören wollte, konnte, dto. wer lesen und sehen wollte. Warum war Herr Asmussen so unter Beschuß? Nun – er wird weiter im Amt sein…

        Abgesehen von dieser Personalie: monochromatische und dazu noch wirtschaftliche Details SIND medienpräsent. Doch in der „Betroffenheit“ um den „Tsunami“ und der „Besoffinheit“ um die Lösung … nou ja, das erforderte eine Analysesitzung, die ohnehin niemand wissen wollte und will ;-)

      • 30. Oktober 2009, 16:59 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
        024.2.3

        @Mafalda: Wann ist für Dich ein Thema wirklich „medienpräsent“?

        Es geht doch um einen allgemeinen Informationsanspruch den die Bürger haben und den die ÖR zu erfüllen haben. Wenn wenige Menschen in der Lage sind, sich aufgrund ihres Intellekts und ihrer Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung Themen erschließen können, reicht das nicht. Wirklich „medienpräsent“ kann nur ein Thema sein, wenn es bei Lieschen und Karl-Heinz Müller ankommen kann.

      • 30. Oktober 2009, 19:08 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
        024.2.4

        … und wenn Lieschen und Heinz dies goutieren und hören, sehen, lesen wollen ;-)

      • 30. Oktober 2009, 20:19 Uhr, von Inge Gefällt 3 Lesern
        024.2.5

        Inges wollen das. :-)

    • 30. Oktober 2009, 19:44 Uhr, von Mafalda
      024.3

      Die wissen es nämlich schon lange…

      Antworten
      • 30. Oktober 2009, 21:29 Uhr, von Mafalda
        024.3.1

        Yep. Dann muß die Administration villeicht noch mal sagen, wieso Zeitverschiebungen und vor allem Unterdrückungen passieren.

        Hallo? Ist da wer?

  25. 30. Oktober 2009, 14:24 Uhr, von Yolande Langendijk Gefällt einem Leser
    025

    Wenn man/frau sein/ihre Verstand, Integrität oder sogar Gesundheit behalten will da bekommt man/frau die Gesellschaftliche oder Wirtschaftliche auflöse Mechanismen zu spüren. Gay Talese erzählt in einem Interview in Galore über das Dilemma einer Journalist ( galore.de/interviews/2009-03-20/gay-talese )
    Zugegeben, im öffentlich rechtlichen Fernsehen gibt’s ab und zu auch recht gute Informationsreiche und Spannende Programmen. Wichtigstes sehr aktuelles Thema im Fernsehen nur über das Internet, die Codex Alimentarius ( expergiscinews.wordpress.com/2009/06/18/dr-gottfried-lange-uber-den-codex-alimentarius/) die ab 31 Dezember 2009 Weltweit eingehen soll, was das Ende bedeutet von Natur und Homeopatische Medizin und Biologische/Ecologische Landwirtschaft. Biologisch oder Ecologisch zu produzieren im Markt wird nicht mehr möglich sein also Bioladen werden kein Bioladen mehr sein können weil unbestrahlte oder unbespritzte Gemüse und Kräuter zum Beispiel nicht verkauft werden dürfen. Bestrahlte Kräuter verlieren ihre essentielle spezifische und sogar medizinische gesundheit schützende Qualitäten. Folgens CA sind Nährungssubstanzen Giften. ( doppeldenk.at/2009/07/codex-alimentarius-die-globale-monopolisierung-der-grundnahrungsmittel/ )
    Noch können wir unser Recht laut machen mittels eine Petition: http://www.eliant.eu/new/lang/en/?p=4 oder einen E-mail an unsere Euro-Abgeordnete. Viel Glück also.

    Antworten
  26. 30. Oktober 2009, 20:45 Uhr, von Miranda Gefällt 4 Lesern
    026

    Bin ziemlich sauer dass mein Beitrag nicht veröffentlicht wurde,dachte nicht dass hier Zensur herrscht!!!!

    Antworten
  27. 30. Oktober 2009, 23:19 Uhr, von Larah Gefällt einem Leser
    027

    Haben ARD und ZDF nicht mal damit geworben: „Bei ARD und ZDF sitzen Sie in der ersten Reihe“? Wie ist das mit der politischen Berichterstattung? Da saßen ja wohl die Phoenix-Empfänger ganz vorne … Ich finde auch, dass die öffentlich rechtlichen Sender mehr über Politik bringen sollte (ich will auch mal in der ersten Reihe sitzen :-))

    Antworten
    • 31. Oktober 2009, 16:01 Uhr, von US
      027.1

      Hallo LARAH,
      also, wenn ich bei ARD/ZDF in der ersten Reihe sitze und da nix besonderes mehr rüber kommt, dann setz ich mich immer in die erste Reihe bei Phönix, denn ARD/ZDF sind Phönix.
      MfG

      Antworten
      • 31. Oktober 2009, 16:18 Uhr, von Noisa
        027.1.1

        @US, darf es denn sein, dass andere öffentlich-rechtliche Sender aus dem Boden gestampft werden und die Hauptsender ARD und ZDF überwiegend Sendungen bringen, die genauso gut im Privatfernsehen ausgestrahlt werden könnten? ARD und ZDF können ja teilweise unterhalten, aber vorwiegend müssen sie den Auftrag gem. § 11 Absatz 1 RStV erfüllen, also kein Boulevard-TV mit seichten Serien für fast Süchtige. ;)

    • 31. Oktober 2009, 16:53 Uhr, von US Gefällt einem Leser
      027.2

      Hallo NOISA,
      meinst du die dritten Programme wie HR,BR,WDR,RBB,3sat,MDR usw. die haben manchmal auch gute Programme, wobei ich mich nicht nur auf Unterhaltung konzentriere sondern gute Dokumentationen und Wissensprogramme mag. Es gibt da ein paar Kochsendungen die könnte man rüber schieben, ach ich weiß nicht, ich hab eh nicht viel Zeit, aber am Wochenende da sehe ich mir gerne Sonntags mal den Presseclub an.
      MfG

      Antworten
  28. 31. Oktober 2009, 16:40 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
    028

    Ein Gedanke noch:
    Für Änderungen beim Verwaltungsfernsehen wären die Politiker vorrangig zuständig. Änderungen sind nach meiner Einschätzung wegen der engen Verzahnung zwischen Politik und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gar nicht gewünscht. Das Fernsehen beim ÖR ist – so wie es ist – den Politikern genehm, es nutzt ihnen. Und wenn Einigen was nicht genehm sein sollte, wird mit der Nichtverlängerung eines Vertrags gedroht. Insoweit ist der Anstoß, die Kritik von Herrn Lammert eher ein idealistischer, leider unrealistischer Vorstoß, etwas im Verhältnis Politik/Medien/Bürger ändern zu wollen. Die Gewählten wollen nicht und diejenigen, die ihre Brötchen mit dem ÖR verdienen auch nicht. Und wir Bürger können faktisch nichts ausrichten, die GEZ-Gebühr können die meisten bezahlen und diejenigen, die dies nicht können, werden davon befreit. Das System ÖR funktioniert! Und es geht sogar so weit, dass sich kaum einer daran stört, wenn Kernaufgaben an Phönix übertragen werden. Alles mit fremden Geldern – manche könnten das, was mit dem Geld der Bürger passiert, als Untreue bezeichnen.

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  29. 3. November 2009, 13:08 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    029

    Merkel redet vor Kongress und Senat und alle berichten.
    Personen und Geschichte treffen zusammen. Abgesehen davon, dass die ÖR- Sender aus der Lammert-Schelte gelernt haben könnten- was unterscheidet das heutige Ereignis von der konstituierenden Bundestagssitzung letzte Woche?
    Vielleicht die Hoffnung, dass sich etwas tun könnte zwischen Deutschland und den USA, sich wieder eine Freundschaft entwicklen könnte, wo vorher zweckbestimmte strategische Partnerschaft herrschte? Deutschland ist aus der Rolle des dankbaren Schuldners und Schuldigen nach dem zweiten Weltkrieg herausgetreten, die Kriegsgeneration in Rente oder tot.
    Es könnte spannend werden nicht nur deswegen was gesagt wird, sondern auch was nicht gesagt wird.

    Spannung als Mischaung aus Ungewissheit und Hoffnung fehlt der schwarzgelben Regierung von Anfang an. Bisher hat sie noch wenig unternommen, dieser eher pessimistischen Erwartungshaltung zu widersprechen und die Menschen im Land- auch zunehmend desillusionierte Wähler- zu überraschen.
    Vielleicht kommt noch etwas, eine echte Überraschung? Nächsten Monat ist Weihnachten.
    Nur, wer glaubt noch ans Christkind?

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© Miriam Meckel 2002 bis 2017