MM_Marx
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20. November 2009, 16:20 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Symbolische Selbstverleugnung

sarah palin newsweek

Es ist eine interessante Frage, ob Sarah Palin als role model für die Frauenfrage taugt. Newsweek findet nach dem neuesten Titelbild zu urteilen eindeutig: nein! Damit hat das Magazin vermutlich Recht, denn Palin tut viel für die eigene Sache, aber wenig für die der Frauen. Wenn das schon “going rogue” ist, dann war die Frauenbewegung immer eine Tsunami gesellschaftlicher Unangepasstheit. Dennoch: Was geschehen ist, hat Frauen gestärkt, aber es reicht nicht. Wir müssen noch mehr tun für eine echte Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen gesellschaftlichen Bereichen. Und die Frauen müssen wieder mutiger sein, ihre Interessen klar und unzweideutig zu vertreten.

Rede zum Jahrestreffen der ARD-/ZDF-/ORF-Medienfrauen, November 2009, Baden-Baden

Es war irgendwann im Frühsommer 2002, dass ich das Vergnügen hatte, bei einem Mittagessen in Düsseldorf neben dem damaligen schwedischen Botschafter in Deutschland, Carl Tham, platziert zu werden. Wir haben uns gut über Gott und die Welt unterhalten – und schliesslich auch über die Frauen. Carl Tham lehnte sich nämlich plötzlich zu mir und sagte: “Sie haben doch da diese Talk-Show am Sonntagabend. So etwas wäre bei uns unvorstellbar.”

“Wieso unvorstellbar?” fragte ich irritiert nach, hatte ich doch im ersten Anlauf verstanden, das Talk-Show-Format an sich sei in Schweden unvorstellbar. “Die Männerriege, die dort jeden Sonntag Platz nimmt und eine einzige Frau, die Moderatorin, umrundet, das wäre in Schweden heute unvorstellbar. Die Menschen würden lauthals protestieren.”

Ich fand diesen Einwurf bemerkenswert. Zum einen, weil der Botschafter natürlich auf das noch immer währende Defizit von Frauenvorbildern in Medien und Gesellschaft anspielte. Zum anderen, weil es offenbar Gesellschaften gibt, die diese Tatsache nicht einfach als gottgegeben hinnehmen, sondern dagegen aufbegehren. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass wir bei der Frage nach der Gleichberechtigung von Frauen und Männern mit Blick auf die skandinavischen Länder ein etwas anderes Bild erhalten, als es sich noch heute im Jahr 2009 in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern offenbart.

Nun leben wir nicht mehr im Jahr 2002  sondern im Jahr 2009, und inzwischen hat sich durchaus Einiges getan. Wenn ich heute die Sonntagabend-Talk Show von Anne Will anschaue, dann sehe ich ziemlich regelmässig Frauen als Gäste dort sitzen. Aber ich weiss auch, wie schwierig es immer wieder ist, Frauen für dieses Format zu gewinnen. Zum einen, weil sie tatsächlich noch immer in der Gesellschaft unterrepräsentiert sind und man deshalb bei vielen thematischen Schwerpunkten nicht naheliegend auf eine Frau als Repräsentantin eines gewissen Standpunkts kommt. Zum anderen, weil natürlich immer noch in vielen Köpfen von Journalisten und sogar Journalistinnen der Suchmodus “Frau” immer noch nicht richtig verankert ist. Und dann gibt es einen dritten Grund: Tatsächlich sind viele Frauen noch immer zögerlich, sich der öffentlichen Diskussion auszusetzen, sich zu präsentieren in einem medialen Umfeld, in dem ihnen die Aufmerksamkeit und damit womöglich auch die kritische Auseinandersetzung sicher ist.

Eine Talk-Show, wie das Format am Sonntagabend, sei es bei Sabine Christiansen, sei es bei Anne Will, ist ein Spiegel der Gesellschaft. Gelegentlich ist sie auch ein Zerrspiegel der Gesellschaft. Nicht alles, was wir dort sehen, können wir 1:1 als Realität interpretieren. Aber vieles gibt uns doch einen Hinweis darauf, wie es um die soziale Ordnung unserer Gesellschaft, und dazu gehört wesentlich die “Geschlechterfrage”, heute bestellt ist. Und dort zeigen sich auch immer wieder die Defizite, die in der Gleichberechtigung der Geschlechter noch immer auszumachen sind. Drei Aspekte sind aus meiner Betrachtung dabei besonders auffällig:

1. Es gibt noch immer zu wenig Frauen, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine Führungsrolle übernehmen;

2. Es gibt zwar viele Frauen in den Medien, aber viele von ihnen übernehmen noch immer ganz bestimmte, nämlich Repräsentationsrollen;

3. Es ist schwer, Frauen zu finden und sie zur aktiveren gesellschaftlichen Teilnahme zu ermutigen, weil viele sich weniger zutrauen als Männer und weniger machtbewusst ihren Weg gehen.

1. Frauen und Führungsrollen

Wir haben eine Bundeskanzlerin. Das hat in Deutschland viel verändert, wenngleich es lange gedauert hat, bis diese Veränderungen in den Köpfen der Menschen angekommen sind. Welche Wirkung das hatte, zeigt sich zum Beispiel an der Wahl von Christine Lieberknecht zur Ministerpräsidentin Thüringens. Die Wahl hat in Hinblick auf den Frauenfaktor kaum noch Aufsehen erregt. Eine Frau in einer politischen Spitzenposition ist also ein Stück Normalität geworden.

Ich erinnere mich aber sehr gut, wie lange Angela Merkel gebraucht hat, bis sie ihre Form der politischen Machtrepräsentation gefunden hat, ihre Haltungsfrage, im physischen ebenso wie im übergeordneten Sinne, beantwortet hatte. Das liegt einfach daran, dass unsere Repräsentationsrituale vordringlich männlich besetzt sind und Frauen es daher schwer haben, für sich neue und adäquate Repräsentationsmodi zu entwickeln.

Eine Frau als Bundeskanzlerin kann sich nicht das Jackett vom Leib reissen und mit verschwitztem Hemd oder mit verschwitzter Bluse am Pult stehen, die Arme zum Himmel erhoben und gegen den politischen Gegner wetternd. Es würde als unweiblich, unhöflich und in der Form unangemessen empfunden. Inzwischen hat Angela Merkel diese Herausforderung für sich in ihrer ganz individuellen Art und Weise gelöst, und sie hat damit einige sehr entspannende und doch gleichzeitig durchaus machtbewusste Akzente in der öffentlichen und medialen Repräsentation von Frauen gesetzt. Wenn wir sonst in der Politik uns umschauen, dann ist das neue Bundeskabinett wahrlich kein Ausdruck der Frauenbewegung, die in den Spitzen der Politik angekommen wäre. Gut ein Viertel der Kabinettsposten werden von Frauen besetzt. Ein Viertel der Repräsentation einer Gesellschaft, die zur Hälfte weiblich ist.

In den Parlamenten sieht es nicht sehr viel besser aus. Zwar ist der Anteil der weiblichen Abgeordneten im Deutschen Bundestag seit Einführung der Quotenregelung sichtbar gestiegen. Immerhin, gut 32 Prozent der Parlamentssitze gehören Frauen (das ist ein unfassbarer Anstieg des Frauenanteils um ein Prozent!). Im Europäischen Parlament sieht es noch etwas besser aus, dort sind derzeit 36 Prozent der Abgeordneten Frauen. Etwa ein Drittel der Mandate als Volksvertreter haben also Frauen. Ein Drittel der Mandate für eine Gesellschaft, die zur Hälfte aus Frauen besteht.

Wenn wir uns in der Wirtschaft umschauen, wird es deutlich düsterer. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat kürzlich festgestellt, dass Frauen in den 200 grössten deutschen Unternehmen gerade einmal 2,5 Prozent der Vorstandsposten innehaben. In der Schweiz sieht es übrigens ähnlich aus: Gerade einmal drei Frauen sitzen auf dem Stuhl eines CEO, das sind bei den 100 grössten Firmen in der Schweiz fünf Prozent. Nur 4 von 10 Firmengründern sind Frauen, das vermeldet die KFW-Bankengruppe. Bei uns sitzt genau eine Frau im Vorstand eines DAX-Unternehmens, nämlich Barbara Kux bei Siemens. Und in den deutschen Aufsichtsräten waren 2008 auf Seiten der Kapitalgeber von 2811 Personen 113 Frauen – das sind vier Prozent). Insofern ist es nicht verwunderlich, dass Karrieren wie die von Barbara Kux bei Siemens oder von Simone Bagel-Trah, neue Aufsichtsratsvorsitzende bei Henkel eine enorme mediale Aufmerksamkeit erzielen. Die Ausnahme ist die Berichterstattung wert, das wissen wir aus der Nachrichtenfaktoren-Forschung. Und diese Gesetzmässigkeit funktioniert bei Genderfragen aufgrund der weiterbestehenden Ungleichverhältnisse hervorragend.

Ist das also die Regel, weil es anders nicht geht? Nein, so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Wenn wir beispielsweise beim Thema Aufsichtsrat uns die Arbeitnehmerseite anschauen, dann stellen wir fest, dass der Frauenanteil hier zumindest bei 20 Prozent liegt. Das ist immerhin vier Mal so viel wie auf Arbeitgeberseite. Wenn wir einen Blick in die nordischen Länger, von denen eben schon die Rede war, werfen, dann ergibt sich folgendes Bild: der Frauenanteil in Geschäftsleitungen in europäischen  Topfirmen beträgt in Finnland 19 Prozent, in Litauen 21 Prozent, in Schweden 24 Prozent und in Norwegen 32 Prozent.

Gehen wir einmal davon aus, dass weder auf Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsräten noch im nordischen Europa die Frauen grundsätzlich klüger, selbstbewusster oder in grösserer Zahl vorhanden sind, dann sind diese Zahlen schon erstaunlich. Dann muss es einen anderen Grund für diese Diskrepanz geben. Meine These lautet: In den klassischen Wirtschafts- und Politikzirkeln der deutschen Gesellschaft herrscht noch immer ein defizitärer Diskurs, der nach den Regeln des meist männlich geprägten Establishments verläuft, die damit verbundenen Machtstrukturen und -positionen fortschreibt und es so Frauen schwermacht, sich zu behaupten.

Für dieses Argument spricht beispielsweise, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt noch immer für dieselbe Arbeit 23 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Eine ähnliche Statistik können wir in verschiedenen anderen europäischen Ländern auftun. Europaweit werden Frauen um 17 Prozent schlechter bezahlt als Männer. Leider ist Deutschland in diesem Zusammenhang also auch noch negativer Spitzenreiter: Bei uns werden Frauen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern weit überdurchschnittlich unterdurchschnittlich bezahlt. Und während sich in vielen europäischen Ländern die Gehaltsschere in den neunziger Jahren wenigstens um einige Prozentpunkte geschlossen hat, ist sie in Deutschland sogar noch weiter auseinander gegangen.

Das ist Retro-Sciene-Fiction: Wir schreiben das Jahr 2009. In einer Gesellschaft, die zur Hälfte aus Frauen besteht, haben wir nicht mal ein Viertel der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Dafür verdienen die aber fast ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen.

Noch wilder wird es, wenn wir zur Kenntnis nehmen, dass empirische Forschungsergebnisse uns längst zeigen, wie wichtig Frauen in Führungspositionen sind. So lässt sich feststellen, dass heterogen geführte Teams erfolgreicher sind. Nicht allein im Sinne eines besseren Arbeitsklimas (Frauen haben ja diese sozialen und kommunikativen Kompetenzen, die immer sofort angeführt werden, wenn Mann Frauen loben und hervorheben möchte),. Erfolgreicher heisst: ökonomisch erfolgreicher. Die amerikanische Nonprofitagentur Catalyst hat in einer Untersuchung der 500 grössten Aktiengesellschaften der USA festgestellt, dass Firmen mit Frauen im Vorstand eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite erzielen als solche Firmen, die keine Frauen in ihrer Führungsetage aufweisen. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat herausgefunden: Firmen, die mindestens drei Frauen im Vorstand haben, können ihre Erträge nachweislich steigern.

Man muss schon blind und taub sein, um angesichts solcher Ergebnisse noch immer zu behaupten, die Situation in deutschen Führungsetagen sei gleichberechtigt oder es gäbe einen guten Grund dafür, dass sie eben nicht gleichberechtigt sei. Vorübergehend sprachlos wird man angesichts der Tatsache, dass wir bei diesen Zahlen über das Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends sprechen. Ich muss ganz offen gestehen: Frauen, die heute im Brustton der Überzeugung behaupten, sie lebten in einer vollständig durch Gleichberechtigung gekennzeichneten Gesellschaft, lösen bei mir nicht nur Kopfschütteln aus. Ich kann darüber gelegentlich auch wirklich wütend werden.

2. Die Frauenfrage und die Medien

Warum spielen diese Daten und Fakten, diese noch immer kritikwürdigen Zusammenhänge in unserer öffentlichen Diskussion, auch in den Medien, nur noch eine untergeordnete Rolle? Weil es gerade in den Medien so scheint, als hätten Frauen den Zustand der vollkommenen Gleichberechtigung längst erreicht. In Deutschland liegt der Anteil der Frauen im Journalismus bei 37 Prozent, in Österreich sogar bei mehr als 40 Prozent. Immer mehr Frauen steigen in den Beruf “Journalismus” ein – und dann steigen sie wieder aus, bevor sie auf die echten Entscheiderpositionen kommen.

Wie die jüngste repräsentative Journalistenstudie der Universität Hamburg zeigt, sind Journalistinnen in der Altersgruppe ab Mitte 30 wieder auf dem Rückzug. Offenkundig passen dann Familienmodelle und berufliche Karriere nicht mehr recht zusammen. Diese Erkenntnis wird konterkariert, dass wir im Fernsehen immer mehr Frauen sehen, die Sendungen moderieren und uns dabei als Rolemodels für die Gleichberechtigung der Frau im Journalismus ins Wohnzimmer gesendet werden. Natürlich ist das eine Form von Gleichberechtigung und es liegt mir absolut fern, die Moderatorinnen wichtiger Sendungen im deutschen Fernsehen, wie Maybrit Illner, Sandra Maischberger oder Anne Will als Sprechpuppen zu denunzieren. Sie sind es nicht, weil sie ihre Sendung redaktionell gestalten, ihre Moderation schreiben, ja oft sogar gleichzeitig in einer Managementfunktion das produzierende Unternehmen leiten. Dass wir die Vorurteile über eine Talkshow als „Sendung mit der Maus“, wie Sabine Christiansen sie sich immer wieder anhören musste, auch heute noch in veränderter Form in der Medienkritik finden, zeigt alleine eins: Die Betrachtung von „Vorzeigefrauen“ in den Medien löst Kritikerreflexe aus, die oft sehr viel stärker durch Geschlechtervorurteile geprägt sind als durch Kriterien einer professionellen Medienkritik.

Ich will aber auch hier wieder auf die Machtstrukturen in den Führungsetagen deutscher Medien hinaus. Die ARD hat inzwischen immerhin zwei Intendantinnen vorzuweisen, das hat lange genug gedauert. In den Entscheiderposten sind Frauen dennoch weiterhin vollständig unterrepräsentiert. Und wenn ich mich daran erinnere, dass ich vor wenigen Wochen auf dem Printgipfel der Münchner Medientage wieder als einzige Frau in einer Runde älterer Herren mitdiskutiert habe, dann zeigt das: es sind nicht nur die Fernsehanstalten, die hier noch immer ein Defizit haben.

Frauen können also einsteigen und ein bisschen aufsteigen, aber bitte nicht ganz. Und dann steigen sie oft wieder aus dem beruflichen Karriereweg aus, weil die private Lebensplanung seine Weiterverfolgung nicht zulässt. Das ist nicht nur individuell für jede Frau sehr schade, sondern hindert eben auch den Prozess der gesellschaftlichen Gleichberechtigung in einer wichtigen Branche, der Medienbranche, die Multiplikatoren- und Vorbildfunktion hat.

Und schliesslich hat es Konsequenzen, die zwei Forscherinnen der Warthon-School an der Universität Pennsylvania gerade in einer Studie umfänglich untersucht haben und unter dem Titel “The paradox of declining female happiness” veröffentlicht haben. Das Ergebnis: Seit 35 Jahren hat das Glücklichsein der Frauen kontinuierlich abgenommen. Das subjektive Gefühl, glücklich zu sein, hat sich von den Frauen weg hin zu den Männern verlagert. Das gilt unabhängig davon, ob beide Geschlechter sich insgesamt eher glücklicher, weniger glücklich oder gleich glücklich fühlen. Wie kann das bloss sein? Seit Jahren bemühen sich viele Menschen, Frauen wie Männer, in dieser Gesellschaft um mehr Gleichberechtigung. Seit Jahren diskutiert diese Gesellschaft Sinn und Zweck von Gleichberechtigung sowie ihre Notwendigkeit intensiv, sie macht dabei Fortschritte, auch wenn sie manchmal eher klein sind. Und bei alledem werden Frauen nicht glücklicher, sondern unglücklicher.

Ich glaube, das lässt sich durchaus erklären, wenn man Emanzipation nicht allein als Gleichberechtigungsprozess, sondern als Prozess der Selbstwahrnehmung, Selbstreflektion und eines sich verändernden Selbstverständnisses von Frauen, aber auch von Männern, begreift. Dann bedeutet der Gleichberechtigungsprozess der vergangenen Jahrzehnte nämlich auch, dass Frauen sich ihrer Rolle immer bewusster werden, ebenso wie der Rolle ihrer Lebensgefährten, Partner, Ehemänner. Und dann sind sie auch immer stärker in der Lage und willens, festzustellen, wie schwer feministische Ideale mit klassischen Familienbildern zu vereinbaren sind, wie oft sie Rückschläge im eigentlich gewünschten Emanzipationsprozess hinnehmen müssen, wie viele Abstriche das wirkliche Leben am eigenen Selbstverwirklichungsideal verlangt, ja, wie wenig Freiheit und Glück einander eigentlich bedingen.

Dieses Phänomen spielt natürlich auch all den Reaktionären in die Hände, die allemal glauben, Gleichberechtigung mache Frauen nicht glücklich, sondern unglücklich und Frauen seien ehe mit ihren Kindern zuhause am besten aufgehoben.

Vor diesem Hintergrund ist es dann auch fast ein bisschen tragisch, wie wenig Frauen selber wirklich aktiv und provokativ dazu beitragen, das Anliegen einer Gleichberechtigung der Geschlechter auf der politischen Agenda zu halten und wie viele gerade jüngere Frauen Emanzipation statt dessen zum grossen Spassprojekt der Moderne machen.

Grundsätzlich gilt natürlich: je mehr Frauen sich überhaupt bei diesem Thema engagieren, desto besser. Je grösser der Varianten- und Facettenreichtum in der öffentlichen Diskussion ist, desto anregender und anschlussfähiger ist die Diskussion für viele Menschen, über diese Fragen weiter nachzudenken und sie zu einem Lebensthema zu machen, das auch den eigenen Alltag und das eigene Handeln betrifft. Und natürlich haben sich auch die Themen der Frauenbewegung verändert.

Während wir – zumindest in Westdeutschland – in den 70-iger Jahren über sexuelle Selbstbestimmung, zum Beispiel über den Paragraphen 218 diskutiert und für ihn protestiert haben, während es in den Anfängen um konkrete Rechtsgleichsetzungen von Frauen und Männern ging, die erst einmal zu erreichen waren, so geht es heute um das konkrete Zusammenleben der Geschlechter, zum Beispiel in Familie und Beruf. Das allerdings ist nicht allein ein privates, sondern es bleibt ein politisches Thema. Die Autorin Maria Sveland hat das in ihrem Buch “Bitterfotze” sehr schön in dieser Frage formuliert: “Wie sollen wir jemals zu einer gleichberechtigten Gesellschaft kommen, wenn es uns nicht einmal gelingt, mit demjenigen gleichberechtigt zu leben, den wir lieben?”

Maria Sveland ist 1974 geboren. Sie gehört also zu den jüngeren Vertreterinnen des Feminismus und ist damit ein Hoffnungsschimmer dafür, dass es auch in dieser Generation noch politische Denkerinnen gibt. Wenn ich an die “Alpha-Mädchen” denke oder an die neuen Eroberungen eines Handlungsspielraumes namens “Feuchtgebiete”, dann frage ich mich gelegentlich schon, ob das eigentlich der Feminismus ist, den wir heute haben wollen, und ob das eigentlich das politische Denken ist, zudem junge Frauen heute fähig und entschlossen sind? Ich finde den weiblichen Orgasmus auch wichtig und möchte nicht auf ihn verzichten. Aber ich bin ziemlich sicher, dass er nicht automatisch in eine Führungsposition führt.

Natürlich gibt es den Feminismus auch nicht nur in westdeutscher Sicht, wie ich sie hier aus Mangel an eigener Erfahrung anwende. Frauen aus dem Osten Deutschlands haben sich über manche Frauenfragen im Westen kaputtgelacht. Man kann durchaus die Frage stellen, ob es in Sachen Gleichberechtigung nicht der Westen ist, der vom Osten eine Menge hätte lernen können. So zeigt zum Beispiel der „Sozialreport“ Anfang dieses Jahrtausends, dass 75 Prozent der befragten ostdeutschen Frauen der Auffassung sind, sie seien in der DDR den Männern gegenüber gleichgestellt gewesen. Nur 10 Prozent meinen, dass sie benachteiligt waren. Demgegenüber glaubten 72 Prozent, dass Frauen im vereinigten Deutschland gegenüber Männern benachteiligt seien; nur 18 Prozent waren überzeugt, gleichgestellt zu sein.

Und natürlich ist Feminismus auch nicht mehr allein Alice Schwarzer, auch wenn man gelegentlich in den Medien den Eindruck bekommen kann. Und natürlich mögen heute manche Fragestellungen, mit denen sich Alice Schwarzer weiterhin beschäftigt, für junge Frauen nicht vordringlich scheinen. Aber auch in diesem Zusammenhang finde ich: Ein wenig kontextuelle Einordnung und Reflexion wäre hier angemessen. Wer die vergangenen Jahrzehnte einmal Revue passieren lässt und dabei bedenkt, was Alice Schwarzer für die Gleichberechtigung der Frau in Deutschland erreicht hat, der muss zu dem Ergebnis kommen: das war sehr, sehr viel. Und wer sich darüber hinaus einmal anschaut, was sie in diesem Zusammenhang hat ertragen müssen, der kommt weiterhin zu dem Ergebnis: das war eine sehr, sehr grosse Zumutung.

Wer in den 70-iger Jahren im Westen für den Feminismus an die Öffentlichkeit und auf die Strasse gegangen ist, hat sich im Establishment der Gesellschaft zur Persona non grata gemacht. Und so ist Alice Schwarzer auch behandelt worden. Die Berichterstattung über sie ist gelegentlich zur modernen Form der Hexenverbrennung geworden. Der Scheiterhaufen wird nicht mehr auf dem Marktplatz vorm Rathaus errichtet, sondern auf dem virtuellen Marktplatz der öffentlichen Meinung.

3. Mehr Selbstbewusstsein von Frauen für Frauen

Es bleibt ein dritter Aspekt, der uns Frauen den Weg Richtung Gleichberechtigung nicht leicht macht. Und das sind wir selbst. Frauen sind noch immer nicht bereit oder in der Lage, sich mit Volldampf auf die Chefetagen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zuzubewegen. Sie sind zuweilen nicht bereit, das für sich einzufordern, was Männer für das eigene Geschlecht als selbstverständlich betrachten. Sie sind noch immer nicht bereit, die gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit zu verlangen.

Das sind keine losen Annahmen, die ich hier formuliere, sondern ebenfalls durch empirische Studien gestützte Erkenntnisse. Das Unternehmen Hewlett Packard hat zum Beispiel festgestellt, dass Frauen sich nur auf Stellenausschreibungen bewerben, wenn sie glauben, dem ausgeschriebenen Stellenprofil zu 100 Prozent zu entsprechen. Männern reichen auch 60 Prozent. Frauen tendieren dazu, ihre Leistungen eher klein zu reden. 70 Prozent der Frauen geben in einer Umfrage unter MBA-Studentinnen und Studenten in der Schweiz an, ihr Anteil an der Gruppenarbeit sei gleichwertig wie jener der anderen Kollegen. Bei den Männern glauben 70 Prozent, sie hätten mehr geleistet als die anderen. Wenn wir also einen Aufruf wie den des CEO von Siemens, Peter Löscher, hören, die Welt müsse weiblicher werden, dann ist damit ganz sicher nicht gemeint, dass wir alle jetzt beginnen sollen, diese Selbstunterschätzung der Frauen in unserer Gesellschaft um- und durchzusetzen. Vielmehr braucht unsere Gesellschaft die Diversität im Denken und Handeln, die Frauen einbringen. Dabei dürfen sie selbstbewusster sein, denn sie leisten viel, sind hervorragend ausgebildet, oft sogar besser als Männer.

Vor dem Hintergrund dieser drei Aspekte – immer noch zu wenig Frauen an Führungspositionen in wichtigen, gesellschaftlichen Bereichen, eine zuweilen falsch geführte öffentliche und mediale Diskussion über den Feminismus und die Gleichberechtigung von Frauen sowie die Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten und Leistungen von Frauen – ist es erstaunlich, dass viele Frauen auf die Frage nach ihrer eigenen Situation eine positive Antwort geben. Gerade jüngere Frauen beschreiben ihre Lebenssituation oft als gleichberechtigt, als angemessen und unproblematisch. Es mag sein, dass diese Wahrnehmung einfach stimmt. Dann ist vieles von dem, was ich hier gesagt habe, einfach falsch und dann nehme ich das auch gerne zur Kenntnis. Das glaube ich aber nicht. Ich glaube, aus eigener Erfahrung, aber auch aus intensiven Gesprächen mit Frauen, die irgendwann aus ihrer Selbstrepräsentationsrolle heraus fallen und in eine wahre, offene Diskussion übergehen, dass es anders aussieht. Ich glaube, dass viele Frauen sich sehr bewusst sind, wie weit der Weg bis zur echten Gleichberechtigung unserer Gesellschaft noch immer ist, wie viel Arbeit, wie viel Kampf und wie viel Unbehagen auf der Strecke auf sie wartet.

Ich will diese Feststellung daher auch gar nicht als Vorwurf formulieren, sondern wieder versuchen, herauszufinden, woran das liegt. Und ich glaube, auch diese Erscheinungsform von Selbstverleugnung der Defizite in der eigenen Gleichberechtigung hat eine Ursache. Leon Festinger hat sie uns theoretisch mit seinem Ansatz der kognitiven Dissonanz erklärt. Danach empfinden Menschen dissonante Wahrnehmungen als unangenehm. Sie lösen Spannungszustände und Druck aus. Daher neigen Menschen in solchen Situationen zu selektiver Wahrnehmung: Sie nehmen eher die Informationen zur Kenntnis, die den Druck reduzieren, und meiden solche Informationen, die den Druck weiter erhöhen.

Im Marketing können wir das am Beispiel von Autokauf-Situationen verdeutlichen. Wenn man ein Auto gekauft hat, verschmäht man alle weiteren Prospekte und Informationen über alternative Modelle, um ja nicht in die Situation zu geraten, die eigene Entscheidung neu reflektieren oder gar in Frage stellen zu müssen. Der Mensch neigt also dazu, kognitive Dissonanzen, die er nicht aushalten kann, einfach wegzudenken und wegzureden. Wenn das beim Autokauf schon so ist, wie stark muss dieses Moment bei einer der wichtigsten und weitreichendsten Lebenssituationen des Menschen gelten – der Gleichberechtigung?

Will eine Frau wirklich zugeben, dass sie immer noch nicht gleichberechtigt mit ihrem Partner lebt? Will sie zur Kenntnis nehmen, dass sie selbst als Teil der weiblichen Hälfte unserer Gesellschaft nur im niedrigen Prozentbereich durch Führungsfrauen repräsentiert wird? Will sie akzeptieren, dass sie etwa ein Viertel weniger verdient für die gleiche Arbeit, die Männer machen? Ich finde es eine grosse und schwierige Zumutung, diese Fakten vor sich selber einzugestehen. Noch schwieriger wird es in der öffentlichen Diskussion.

Ich erinnere mich an viele Situationen, zum Beispiel in meiner Zeit als Staatssekretärin in der Düsseldorfer Landesregierung, als die Begrüßungsfomel lautete: „Sehr geehrte Frau Meckel, meine sehr geehrten Herren.“ Was habe ich da gemacht? Ich habe gelächelt, gute Miene zur schlechten Situation gemacht. Die Situation als junge Frau allein unter Männern war manchmal schon unangenehm genug. Es braucht enorme Kraft, das auch noch zum Thema zu machen. Stellen Sie sich vor, ich wäre am Tisch aufgestanden und hätte gesagt: „Meine Herren, wir sind mit der Gleichberichtigung wirklich noch nicht weit gekommen. Guten Appetit!“ Man kann eine solche Situation natürlich auch aus dem Alleinstellungsmerkmal in einen Vorteil verwandeln. Aber das Alleinstellungsmerkmal zeigt, dass eben keine Gleichheit herrscht.

Ich kann deshalb verstehen, dass Frauen zurückhaltend sind und andere Wege suchen, das Thema Feminismus und Gleichberechtigung umzusetzen. Politisch werden wir damit allerdings irgendwann in eine Zeitschleife hineingeraten, die immer nur das reproduziert, was wir schon erreicht haben, aber keine neuen Akzente mehr setzt. Ich glaube, es muss und es kann Einiges geschehen, um Frauen den Weg zu echter, vollendeter Gleichberechtigung zu eröffnen.

Dafür müssen Frauen mutiger werden. Sie müssen NEIN sagen lernen und lernen, Forderungen zu stellen. Dazu müssen Frauen konsequenter werden und den Finger in die Wunde legen. Ich erlebe immer wieder Situationen – auch solche, zu denen ich selber eingeladen oder aufgefordert werde -  wo ich als Frau Moderatorin spielen soll in einer reinen Männerrunde. Und ich finde immer wieder Beispiele, bei denen auch Kolleginnen die gleiche Problematik erleben (zum Beispiel Tissy Bruns bei den Schönhauser Gesprächen des Bankenverbands). Solche Anfragen lehne ich ab. Ich sitze gerne als einzige Frau auf dem Podium, wenn es denn sein muss, weil ich dort inhaltliche Positionen vertreten kann, aber ich lasse mich nicht mehr als Frau auf die Vermittlerrolle reduzieren, während die inhaltlichen Positionen von Männern vertreten werden.

Frauen müssen sich besser und stärker vernetzen. Das tun Männer sehr konsequent, viel konsequenter als Frauen, aber Frauen können es auch. Und hierbei spielen die neuen, sozialen Medien eine wesentliche Rolle. Ich bin in verschiedenen Frauennetzwerken aktiv, die sich zum Teil international zusammensetzen und über Facebook eine Möglichkeit der regelmässigen Information und Kommunikation, des Austauschs von wichtigen Ideen und Dokumenten ermöglichen. Man muss nicht jede Nacht bis zwei Uhr Uhr in einer verrauchten Kneipe sitzen und sich betrinken, um das Networking zu betreiben, was uns in Politik und zuweilen auch in Wirtschaft von Männern vorgelebt wird. Wir können das anders machen und dafür gibt es die Instrumente, die wir nutzen können. Aber wir müssen uns vernetzen. Wir müssen lernen, einander noch stärker zu unterstützen. Wir müssen auch lernen, den “Zicken-Faktor” aus unserem Verhalten möglichst weitgehend auszublenden. Wenn Frauen Frauen nicht unterstützen, wie sollen sie dann von Männern verlangen, dies zu tun?

Und ein letzter Aspekt: wir müssen auch etwas kreativer werden, unser eigenes Anliegen in ansprechender Form zu kommunizieren und für weite Bereiche der Gesellschaft anschlussfähig zu machen. Das heißt eben nicht, die Frauenfrage leicht zu nehmen und als Spaßfaktor zu kommunizieren. Aber es heißt schon, neue kreative Wege zu finden, auf die immer noch bestehenden Ungleichheiten hinzuweisen. Wenn ich mir beispielsweise die alljährliche Verleihung der “Sauren Gurke” anschaue, dann finde ich es grundsätzlich eine gute Idee, auch medial auf die Frage der Gleichberechtigung und ihrer Vermittlung zu achten und diesen Umgang öffentlich zu thematisieren. Ob das aber über das vermeintlich schlimmste Negativbeispiel sein muss, weiss ich nicht. Möglicherweise sind positive Vorbilder anschlussfähiger und werden freundlicher aufgenommen und wahrgenommen. Die “Saure Gurke” bleibt in der öffentlichen Wahrnehmung meiner Beobachtung nach immer eher als „Spaßverderberaktion“ an den Frauen selber hängen, als dass sie denjenigen trifft, der sie entgegennehmen muss.

Es ist mehr als dreißig Jahre her, dass die amerikanische Wissenschaftlerin Gaye Tuchman einen international viel beachteten Aufsatz über „the symbolic annihilation of women by the mass media“ schrieb, über die „symbolische Verleugnung“ von Frauen in den Medien. Missachtung, Trivialisierung und Ausgrenzung, so die Soziologin, prägten den Umgang mit Frauen in der Öffentlichkeit. „From children’s shows to commercials to prime-time adventures and situation comedies, television proclaims that women don’t count for much.â€?

Das ist heute anders. Und damit ist viel erreicht. Frauen zählen in den Medien und sie zählen in unserer Gesellschaft. Aber sie sind noch immer in der Unterzahl, wenn es um Führungs- und Entscheidungspositionen geht. Um das zu ändern, brauchen wir einen zeitgemäßen Genderdiskurs, der die aktuellen Fragen der Gleichberechtigung mit aktuellen Themen und Stilmitteln der öffentlichen Diskussion verbindet. Wir brauchen mehr rolemodels für junge Mädchen, die als nächste Generation vielleicht noch selbstverständlicher ihren Anteil an gesellschaftlicher Entscheidung und Macht einfordern. Vor allem aber brauchen wir Frauen, die diesen öffentlichen Diskurs hartnäckig und dabei nicht humorlos vorantreiben.

Die größte Gefahr ist heute nicht mehr die symbolische Verleugnung der Frauen durch die Medien. Die größte Gefahr liegt in der symbolischen Selbstverleugnung ihrer Situation durch die Frauen selbst. Daran können vor allem Medienfrauen, Journalistinnen und Publizistinnen etwas ändern, indem sie Akzente in der Diskussion setzen.

In diesem Sinne bedanke ich mich sehr herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!

173 Reaktionen

  1. 22. November 2009, 11:03 Uhr, von Larah Gefällt 8 Lesern
    01

    In unserem internationalen weltweit renomierten Unternehmen mit ca. 30.000 Mitarbeitern kann man die Zahl der Frauen, die eine Führungsposition inne halten, an zwei Händen abzählen. Bei der Auswahl eines männlichen oder einer weiblichen Führungskraft gewinnen oft die Männer. Als Begründung gegen die Frau folgt oft das Argument, dass Bewerberinnen bald schwanger werden und dadurch – zumindest vorübergehend – aus dem Unternehmen ausscheiden könnten. Aber heutzutage ist es doch so, dass viele gut ausgebildete Frauen erst sehr spät Kinder – oder gleich gar keine mehr bekommen. Hier spielen auch die zum Teil ungünstigen Rahmenbedingungen, wie ungenügende Kinderbetreuung und mangelnde Integration von Beruf und Privatleben eine große Rolle. Es ist verdammt schwer als Frau aufzusteigen…

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    • 25. November 2009, 10:43 Uhr, von Fabian Gefällt 5 Lesern
      01.1

      Ja, Kinder sind immer noch ein großes Problem, wenn es um Gleichstellung geht. Sie bedeuten für Frauen definitv einen Karriereknick. Strukturell, aber vor allem auch in den Köpfen. Ich habe es in meinem privaten Umfeld einfach zu oft erlebt. Selbst bei Unternehmen, die Auszeichnungen wegen ihrer Familenfreundlichkeit bekommen haben. Man muss sich als Frau entscheiden: Kind oder Karriere, allein schon aus Kraftgründen, die Doppel- und Dreifachbelastungen sind enorm.

      Mich würde interessieren: wie hoch der Prozensatz an erfolgreichen Medienfrauen mit Kindern ist, im Vergleich zu denen ohne Kinder. Ich bin überzeugt, dass insbesondere die Medienbranche in der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf extrem hart ist. Medienforen, Medientage, ich sehe dort nur Männer, Männer, Männer. Die jetten fröhlich und unbekümmert von Termin zu Termin, machen wie selbstverständlich weiter Karriere, rufen zwischendurch von ihrem iPhone mal kurz durch, beschränken ihren Erziehungsauftrag darauf, sich zu erkundigen was heute in der Schule gebastelt wurde, während die Frauen zu Hause die Kinder hüten und dafür sorgen, dass im Haus alles okay ist und die Kinder behütet groß werden – was ich persönlich extrem wichtig finde. Sollten sie doch berufstätig sein, bekommen sie vor jeder Dienstreise ein schlechtes Gewissen, was sie ohnehin schon haben, wenn sie ihre Kinder viel abgeben. Insofern sind solche Reden zwar lobenswert, aber es sind eben auch nur Reden.

      Das Männerbild muss sich ändern, die müssen viel mehr eingebunden sein, in häusliche und erzieherische Pflichten. Ich persönlich lebe ein komplett geteiltes Modell: beide in gleichen Teilen Berufstätig (halbe Stelle), beide ergo in gleichen Teilen zu Hause, die Kinder werden abwechselnd betreut, ein gutes Netzwerk um uns herum – so ist es wirklich das Beste für alle, nur: In den meisten Unternehmen funktioniert das nicht, zumindest nicht, wenn man Karriere machen will. Unternehmen müssen sozialer denken.

      Was können wir also tun? Uns konsequent gegen alte Rollenbilder wehren. Momentan noch einen Schritt zurücktreten, Verzicht üben zugunsten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ein gleichberechtigtes Rollenmodell (vor-)leben – das für mich – wie die Abkehr von der Konsumgesellschaft – absolut zukunftsweisend ist. Als Konsument und Wähler können wir Unternehmen und Regierungen honorieren, die sich sozial und umweltbewusst Verhalten, die Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Karriere gut ermöglichen.

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  2. 22. November 2009, 13:06 Uhr, von Dowanda Gefällt 3 Lesern
    02

    Wenn ich mich, bei dem bescheidenen Einblick den ich habe, in unserer Branche umgucke, dann fällt mir auf das Frauen in den obersten Ebenen faktisch komplett fehlen. Gerade bei uns kleineren Regionalbanken. Im mittleren und unteren Management jedoch haben Frauen in den letzten jahren zahlenmässig eindeutig aufgeholt und sind, im Durchschnitt jedenfalls, länger an ihren Positionen als männliche Pendants. Die wechseln häufiger – oft genug, um woanders eine höhere Stellung anzunehmen. Bewahrheiten sich hier die evolutionsmässig zugeschriebenen Klischees: Männer erobern, Frauen bewahren?

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  3. 22. November 2009, 13:26 Uhr, von Noisa Gefällt 15 Lesern
    03

    Ich muss ja sagen, die gedruckten Reden von Frau Meckel gefallen mir hier am besten. Kompliment!

    In der Rede wurden unglaublich viele Aspekte vertiefend angesprochen, einen kleinen will ich noch ergänzen:

    Bei Verheirateten greift automatisch der Splittingtarif bei der Einkommensteuerveranlagung, dann lebt man in einer sog. Zugewinngemeinschaft. Beides ist für die Gleichberechtigung nicht förderlich, denn „Nutznießergemeinschaften“ werden hierbei gestärkt, bei welchen der finanziell schwächere Partner – meistens die Frau – vom Gesetzgeber geschützt wird. Warum muss das eigentlich so sein? Und wie wäre es, wenn dieser Schutz wegfallen würde? Würden Frauen dann nicht mehr fordern? An alle Verlobten: Wenn Ihr heiraten wollt, vereinbart Gütertrennung (nachträglich ist es aufwendig), das macht den Kopf frei, wirtschaftlich unabhängig – zwar in beide Richtungen, das macht aber nichts.
    These: Der Gesetzgeber schwächt mit Splittingtarif und Zugewinngemeinschaft mittelbar die Gleichberechtigung von Frau und Mann in unserer Gesellschaft. Ich weiß, dass das eine komische These ist, aber ich denke, dass der gesetzliche Schutz auch bequem machen kann.

    Jaja: „Die Situation als junge Frau allein unter Männern war manchmal schon unangenehm genug.“
    Das kenne ich von früher auch noch als oft einzige weibliche Person auf irgendwelchen Businessclubveranstaltungen. Es war aber eine interessante Erfahrung, allerdings ausgesprochen anstrengend, denn die männlichen Mitglieder erwarteten stets eine gute Unterhaltung, weniger i.S.v. gutem Gespräch. Heute schenke ich mir solche Meetings.

    Antworten
    • 22. November 2009, 13:50 Uhr, von Katja Owl Gefällt 4 Lesern
      03.1

      Steuerliche Veranlagung und Güterstand eines Ehepaares haben nichts miteinander zu tun. Jedes Ehepaar kann frei wählen, ob es sich steuerlich zusammen oder getrennt veranlagen läßt. Bei etwa gleich hohen Einkünften wird es egal sein, welche Variante gewählt wird, bei unterschiedlich hohen Einkünften – und zwar unabhängig davon, wer von beiden mehr verdient – ist die gemeinsame Veranlagung idR günstiger.

      Pauschal zur Gütertrennung zu raten, freut nur den Notar, der – da eine solche Regelung nur notariell vereinbart werden kann – daran verdient. Kann im übrigen nur empfehlen, sich im Falle eines Falles rechtzeitig konkreten fachkundigen Rat einzuholen. Gute anwaltliche Erstberatung kommt meistens kostengünstiger als billiger Rat aus dem Netz…;->

      Antworten
      • 22. November 2009, 14:02 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
        03.1.1

        „Kann im übrigen nur empfehlen, sich im Falle eines Falles rechtzeitig konkreten fachkundigen Rat einzuholen.“
        „Im Falle eines Falles“ – dann ist es meistens zu spät. Eine Beratung vor der Ehe wäre nicht verkehrt, aber wer macht das denn, wenn die Brille rosa ist, hm? ;)

      • 22. November 2009, 14:23 Uhr, von Noisa Gefällt 4 Lesern
        03.1.2

        Ob die Zusammenveranlagung oder die getrennte Veranlagung günstiger ist, wird berechnet. Dann wird per Kreuzchen gewählt: formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=0

        Das mit dem Kreuzchen ist nicht immer so einfach, Katja Owl: „Beantragt einer der Ehepartner eine getrennte Veranlagung, ist diese durchzuführen. Hiergegen kann der andere Ehepartner nur vorgehen, wenn die getrennte Veranlagung willkürlich beantragt wurde. Willkür kann gegeben sein, falls der beantragende Partner über keine oder nur geringe Einkünfte bzw. über keine oder nur geringe Verluste verfügt.“ Dieser Fall kommt in der Praxis nicht selten vor, Katja. Katja, ich bin auch für gute Beratung von Fachleuten. :)

      • 22. November 2009, 15:53 Uhr, von Katja Owl Gefällt 4 Lesern
        03.1.3

        Gute fachliche Beratung beginnt bei der konkreten Erfassung des Sachverhalts, Noisa. In Deinem Ausgangsposting stelltest Du es so dar, daß Verlobte für den Fall der Heirat die Gütertrennung wählen sollten, um das Ehegattensplittung zu vermeiden, was nun wirklich nichts miteinander zu tun hat. Die Form der steuerlichen Veranlagung können die Eheleute gemeinsam wählen. In Deinem weiteren Beitrag unterstellst Du den Fall, daß die Eheleute sich nicht einig sind, welche Form der Veranlagung sie wählen wollen. In diesem Fall hast Du recht, daß sich der andere Ehegatte nicht so ohne weiteres dagegen wehren kann. Sofern er selbst dadurch finanzielle Nachteile hat, kann er vom anderen unter Umständen verlangen, daß dieser ihm den Nachteil ausgleicht. Ob eine Ehe, in der sich die Eheleute insoweit schon nicht einigen können,überhaupt eingegangen werden sollte oder weiter Bestand haben wird, wage ich zu bezweifeln. Nix für ungut, Noisa, aber bei dem Thema kenne ich mich im Gegenstaz zu vielen anderen Themen, die hier oft besprochen werden aus ;) allerdings ist das ja eigentlich auch wieder gar nicht das Thema hier…

      • 22. November 2009, 16:05 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
        03.1.4

        „In Deinem Ausgangsposting stelltest Du es so dar, daß Verlobte für den Fall der Heirat die Gütertrennung wählen sollten, um das Ehegattensplittung zu vermeiden…“ Es ist mir fast schon zu blöd, hier zu erwidern. Trotz Gütertrennung kann die Zusammenveranlagung selbstverständlich gewählt werden. Lass mal besser, kauf `Dir´ ein Buch, so gut ich das Posting ja finde. ;))

      • 22. November 2009, 16:08 Uhr, von Noisa Gefällt 6 Lesern
        03.1.5

        … Ein paar Semester Jura neben dem Hauptstudium helfen nicht. :)))

  4. 22. November 2009, 13:36 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
    04

    Noch was: Zur Frage ob Sarah Palin als Role-Model taugt. Für mich nicht. Aber es liegt wohl in der Natur der Sache das es genauso viele Arten von Menschen wie Role-Models gibt. Erstere können sich diese nicht immer aussuchen und letztere nicht immer ihre Claqueure.
    Zu den familienpolitischen Ansichten Palins finde ich weitgehend keinen Zugang, ihre politischen Meriten – abseits gesellschaftspolitscher Positionen – werden wir wohl erst in einigen Jahren beurteilen können. Ich denke, wir sollten diese auch erst dann einer Einschätzung unterziehen. Immerhin hat sie etwas geschafft, zu dem nur wenige vor ihr (und wohl auch nach ihr) den Mut hatten: Sie hat vor und während ihrer Amtszeit als Gouverneurin Korruption und Vetternwirtschaft in ihrer eigenen Partei angesprochen und publik gemacht. Die meisten fischen lieber in den trüben Teichen farbfremder politischer Mitbewerber, um es sich mit den eigenen Granden – so zweifelhaft sie auch sein mögen – nicht zu verscherzen.

    Antworten
  5. 22. November 2009, 14:07 Uhr, von Miranda Gefällt 8 Lesern
    05

    Ausgezeichnete Rede, Frau Meckel…

    ich gehöre leider zu einer Minderheit, da ich überwiegend mit Frauen gearbeitet habe, in unserer fünfjährigen Ausbildung, hatte ich mit drei Männern zu tun.
    Mein Bruder der BWL studiert hat, hat mir vor 20 Jahren zu Antwort gegeben, er würde sich eigentlich auch für den Beruf des Erziehers interessieren aber damit hätte man keine Perspektiven…
    Über die Männder damals wurde gelacht, bzw haben sie heute noch als Minderheit Probleme in der Wahrnehmung der Eltern, wahrgenommen werden sie dann oft erst wieder in der Leitung oder in der Fachbereichsleitung sozialer Träger.
    Was sagt uns dass? Die Wahrnehmung im öffentlichen Bild geht immer noch ganz klar davon aus, wo Männer eher hingehören.
    Habe mich viel mit Rollenbilder kleiner Jungen beschäftigt und sie werden oft noch mehr in engmaschige Rollenmuster hineingepackt.
    Und wer erzieht diese kleinen Jungs, die später in die Führungsriege gehen, dass sind oft noch zu großen Anteilen in unserer Gesellschaft Frauen.
    Frauen die ihr eigenes Rollenbild gerade in der Mutter Rolle nicht hinterfragen, erlebe immer wieder bei Müttern die unsinnige Fixierung auf ihre Söhne…Also hat dass auf was sie hier hinweisen, doch feste Wurzeln in unserem Gesellschaftsbild.Ich glaube die Frauen tragen einen großen Teil dazu bei, da viele Frauen Emanzipation zu sehr mit der radikalen Frauenbewegung in Kontext setzen.
    Dass Frauen immer noch minimaler vertreten sind in unseren Führungsriegen wirtschaftlicher Natur finde ich nicht so schlimm, denn die Frauen die dort inzwischen vertreten sind empfinde ich subjektiv gefärbt als Abziehbilder einer Lesitungsgesellschaft zu der ich nur ungern dazugehöre.
    Von Individualität und Sozialer Gerechtigkeit ist da ganz wenig zu spüren, im Gegenteil, aus Erzählungen weiß ich dass es dort in der Führungsriege ein kanllharter Wettbewerb läuft.

    Verstehen sie mich nicht falsch, finde ihre Rede wirklich wichtig und bemerkenswert.

    War bei Politkern wirklich der äußere Eindruck immer so entscheidend? Was hat sich Frau Merkel für Spott anhören müssen, und nur mit Stilberatung so verändert dass sie jetzt einigermassen in die öffentliche Wahrnehmungsschere passt.
    Aber auch da wieder bestimmen die Frauen mit, sie spielen dass Spiel gnadenlos mit indem sie die weiblichen Attribute da offen auf den Roulette Tisch legen oder warum zählt bei Einstellungskriterien bei öffentlich rechtlichen Sendern immer noch, dass Frauen neben Kompetenz immer noch vor allen Dingen äußerlich attraktiv sein müssen wir aber immer wieder äußerst unattraktive Männer sehen bei denen dann Kompetenz als einziges Merkmal reicht.

    Und ist es wirklich dass Ziel immer oben mitzuspielen oder gibt es nicht andere Leitbilder die erstrebenswerter wären?
    Oder dass Frauen Ihren Führungsstil dann auch deutlicher zeichnen könnten ohne etwas kopieren zu wollen wäre schon der Anfang…

    Antworten
  6. 22. November 2009, 14:26 Uhr, von Katja Owl
    06

    @Noisa 14:02 (mit iPhone kann man nicht zum jeweiligen Post antworten). Mit dem Falle eines Falles meinte ich den, wenn die Verlobten planen, in den Hafen der Ehe zu steuern. Nicht zuletzt deswegen mein Hinweis auf die ERSTberatung… :) So, die frische Luft ruft.

    P.S.: da wir gerade die Sphären der Justiz streifen: in bundesdeutschen Gerichten haben die Frauen in den letzten Jahren eindeutig die Lufthoheit übernommen… Angeblich soll das dort manchmal ganz schön zickig zugehen…. Selber habe ich das aber selbstverständlich noch nie so empfunden… ;o)

    Antworten
    • 22. November 2009, 14:57 Uhr, von Anja Gefällt 2 Lesern
      06.1

      Stelle einfach den Button “mobile theme” auf off, dann wechselt dein iPhone auf die reguläre Seite. Dann kannst Du wie gewohnt auch antworten!
      (geantwortet von meinem iPhone;-))

      Antworten
    • 22. November 2009, 15:27 Uhr, von Katja Owl Gefällt 2 Lesern
      06.2

      an, vielen Dank :)

      wenn es doch im Leben auch so einfach wäre… Schalter umlegen und schon funktioniert es wieder… :)

      Antworten
  7. 22. November 2009, 15:56 Uhr, von Noisa Gefällt 5 Lesern
    07

    Noch eine Ergänzung:
    Das Posting bezieht sich vorwiegend auf die Probleme von angestellten Frauen (in möglichen Führungspositionen).

    These: Selbständige Frauen, ob Unternehmerinnen oder Freiberuflerinnen, haben gleich gute, wenn nicht sogar bessere Chancen, erfolgreich zu sein wie die männlichen Mitstreiter.

    Das Wort „Karriere“ oder „Karrierechancen“ passt hier weniger, weil bei einer Selbständigkeit hierarchische Ebenen – wie wir sie bei abhängig Beschäftigten kennen – nicht existieren; „frau ist direkt Chefin“. Auch hier gibt es Verdienstmöglichkeiten, die Managergehälter überschreiten. „Selbständigkeit bei Frauen“ sollte in der öffentlichen Wahrnehmung gefördert werden. Je mehr Frauen sich trauen, sich selbständig zu machen, desto mehr kann gezeigt werden, was geleistet werden kann. Und einige der im Posting Genannten sind auch selbständig – mit gutem Vertrag. ;)

    Antworten
  8. 22. November 2009, 16:11 Uhr, von Ramona Gefällt 11 Lesern
    08

    Tolles Posting, vielen Dank!
    MM ich stimme Ihnen zu, nach der Wende hätte der Westen in Fragen Gleichberechtigung eine Menge vom Osten lernen können.
    20 Jahre nach der Wende scheint es noch immer einen wesentlichen Unterschied im Selbstverständnis der Frauen Ost und West zu geben.
    Typisch für die weibliche “Normalbiografie” der Ost-Frauen waren: über die Lebensspanne kontinuierliche Vollzeit-Erwerbsarbeit ohne längere “Familienpause”, relativ schnelles Erreichen ökonomischer Selbstständigkeit sowie frühe Familiengründung, hoher Anteil und breite gesellschaftliche Akzeptanz der allein erziehenden erwerbstätigen Mutter und die historische Ausmusterung der Hausfrauenehe. Aber auch eine vergleichsweise hohe Scheidungsrate, auf Grund der ökonomischen Unabhängigkeit vom Ehemann.
    Das von der Mehrheit der Ost-Frauen vertretene (und von Männern akzeptierte) Gleichstellungsmodell, wirkt bis heute nach und wird offensichtlich an die nachwachsende Generation weitergegeben. Besonders leistungsstarke weibliche Jugendliche sind in hohem Maße entschlossen, ihr Ausbildungs- und Berufsziel zu verwirklichen, auch wenn dies gleichbedeutend mit Ortswechsel und Zurückstellung der Familiengründung ist.
    Trotz schlechterer Gesamtlage der ostdeutschen Wirtschaft, lag die Erwerbsquote der Frauen in den neuen Bundesländern 2006 mit 73,4 % wieder knapp auf dem vor der Wende erreichten Niveau, während in den alten Bundesländern lediglich 67,1 Prozent der Frauen im Berufsleben stehen.

    Auch das unternehmerisches Engagement der Frauen in den neuen Bundesländern ist im innerdeutschen Vergleich hervorragen. Der hohe Bildungsgrad und die sehr guten Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bieten beste Voraussetzungen für Frauen, die ein eigenes Unternehmen gründen möchten und sich mit dem Gedanken an eine berufliche Selbstständigkeit tragen. Die hohe Beteiligung der Ost-Frauen am Erwerbsleben hat zu einem starken Selbstbewusstsein im Hinblick auf ihre berufliche Orientierung geführt. Frauen aus den neuen Ländern verstehen sich als Macherinnen, die keine Scheu davor haben, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen.

    Antworten
    • 23. November 2009, 9:01 Uhr, von Dowanda
      08.1

      Danke für Dein Posting. Als aussenstehende Beobachterin empfinde ich das ähnlich. Was mich aber auch interessieren würde: Wie ist die Rollenaufteilung abseits des Erwerbslebens? Also beispielsweise wie beobachtest Du sie in den Familien, zwischen den beiden Partnern etc.?

      Antworten
      • 23. November 2009, 11:20 Uhr, von Ramona
        08.1.1

        @Dowanda, ich glaube dieser Drang nach Unabhängigkeit vom Partner und nach Gleichberechtigung in der Partnerschaft hat sich mehrheitlich im Osten erhalten. Vor allem, weil es in den Ostfamilien bzw. Lebensgemeinschaften, 20 Jahre nach der Wende, noch aktiv vorgelebt wird.

  9. 22. November 2009, 16:16 Uhr, von Katja Owl Gefällt einem Leser
    09

    “Bei Verheirateten greift automatisch der Splittingtarif bei der Einkommensteuerveranlagung, dann lebt man in einer sog. Zugewinngemeinschaft”…meinte ich in Deinem Posting gelesen zu haben. Mmmh, ich kann wohl nicht richtig lesen, insofern ist Dein nett gemeinter Rat mit dem Buch nicht so passend für mich… (so langsam glaube ich’s mit der Zickigkeit unter Frauen…;->)

    Antworten
  10. 22. November 2009, 17:11 Uhr, von Anja Gefällt 10 Lesern
    010

    Klasse Rede… gab’s Applaus von den Herren?

    Gleichberechtigung wird in unserer Gesellschaft oft mit Gleichmacherei verwechselt. Ich möchte, dass Männer und Frauen die gleichen Rechte und Voraussetzungen haben, auch wenn es natürlich Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt und auch geben soll. Und damit meine ich nicht nur die biologischen Unterschiede.
    Frauen sind, in jeglicher Hinsicht, eher zielorientiert und nicht machtorientiert. Selbst wenn sie Verantwortung übernehmen. So, jetzt frage ich, was ist daran schlecht? Das bedeutet ja durchaus bessere Ergebnisse, wie ihre Studie ja auch belegt, aber weniger Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Karrierechancen und letztendlich auch Gehalt. Muss ich als Frau jetzt zum besseren Mann mutieren, damit sich dies ändert? Das kann es doch auch nicht sein!

    Ich kann auch nicht akzeptieren, dass sich ständig nur wir Frauen ändern sollen. „Symbolische Selbstverleugnung“ ist schon ziemlich schwere Kost.
    Unsere Eigenschaften sind, glaube ich, im Großen und Ganzen doch sehr positiv und ich möchte nicht, dass diese verloren gehen, nur damit wir bald zur Hälfte in den Führungsebenen vertreten sind. Unsere Gesellschaft muss wahrnehmen, dass es nicht immer auf lautes Gepolter und Gockelverhalten ankommt, sondern auf das, was dahintersteckt. Und vielleicht haben Sie recht, wir Frauen verstecken uns allzu oft gerne hinter den Gockeln, um in Ruhe unsere Arbeit machen zu können. Frauen reicht es oftmals, zu wissen, dass sie gut sind, auch wenn ihre Position dies nicht zum Ausdruck bringt. Und das ist gleichzeitig auch das Dilemma.

    Wichtig finde ich, wie die Geschlechterrollen in den Familien gelebt werden und wie sie von Kindern wahrgenommen werden. Ich habe z.B. in unserer Familie niemals Unterschiede in Erziehung und Umgang zwischen mir und meinen Brüdern erlebt, die aufs Geschlecht reduziert waren, höchstens auf unterschiedliche Charaktere, Interessen oder Zukunftspläne. Dementsprechend habe ich auch als Mädel immer das gemacht, was ich wollte. Ich wäre sogar niemals auf die Idee gekommen, dass ich etwas nicht erreichen kann, nur weil ich eine Frau bin.

    Und natürlich kotzt es mich an, wenn Frauen darauf reduziert werden, die “Apothekenzeitung” zu lesen, damit sie ihre kränkelnden Männer zu hause gesund pflegen können. Bei solch dämlicher Werbung geht auch mir der Hut hoch und gleichzeitig habe ich die Befürchtung, dass bei der Entwicklung dieser Werbung auch Frauen dabei waren…

    Antworten
  11. 22. November 2009, 17:47 Uhr, von Noisa Gefällt 5 Lesern
    011

    Guter Beitrag, @Anja.

    Ich hatte erst Organismus gelesen…

    Antworten
    • 22. November 2009, 18:28 Uhr, von Noisa Gefällt 8 Lesern
      011.1

      Gibt es zum Abschnitt „Alpha-Mädchen“ eine Tonbandaufnahme mit Publikumsreaktionen – auch der männlichen Gäste? Ich finde diesen Passus ziemlich gelungen. So, ich weiß jetzt gar nicht, ob meine Beiträge hier angemessen sind und verabschiede mich besser für heute, wünsche noch ein nettes/gutes Restwochenende! :))

      Antworten
  12. 22. November 2009, 17:48 Uhr, von Charlotte Gefällt 15 Lesern
    012

    „Die größte Gefahr ist heute nicht mehr die symbolische Verleugnung der Frauen durch die Medien. Die größte Gefahr liegt in der symbolischen Selbstverleugnung ihrer Situation durch die Frauen selbst.“ (MM, 20.11.2009) Das ist ein kluges Fazit – und leider nur allzu wahr.
    Mein Eindruck ist, dass jüngere Frauen ihre Situation so lange als gleichberechtigt, angemessen und unproblematisch empfinden, bis sie zum ersten Mal gegensätzliche Erfahrungen machen. In der Schule passiert das in der Regel noch nicht, dort sind die Mädchen ja inzwischen den Jungen oft überlegen und schneiden im Durchschnitt deutlich besser ab (über die Gründe dafür könnte man lange diskutieren). Im Studium hängt es ein wenig vom Studienfach ab, wann einem dämmert, dass es die gläserne Decke wirklich gibt. Wenn in den Sprach- und Literaturwissenschaften eine übergroße Mehrheit der Studierenden Frauen sind, 80:20 mindestens, mancherorts 90:10, fängt man spätestens dann an, sich zu wundern, wenn den Kolloquien der Promotionskandidaten die Verhältnisse plötzlich 50:50 sind (bei einem gefühlten Redeanteil von 80:20 zugunsten der Männer). Dann auch noch zu beobachten, wie auf dem Weg zur Professur der Anteil sich nochmals zuungunsten der Frauen verschiebt, muss einen wütend machen. Auch, weil es desillusionierend ist, sich klar zu machen, was das in fachlicher Hinsicht über die Elitenauswahl innerhalb dieser Wissenschaften aussagt: Um Leistung geht es dabei nicht.
    Als ich vor einiger Zeit einen Wissenschaftspreis einer renommierten Akademie erhielt, fühlte ich mich sowohl beim Festakt als auch beim Abendessen mit den Mitgliedern der Akademie ein wenig wie MM auf dem Printgipfel – in einer unangenehm herausgehobenen, exotischen Rolle, in einer Außenseiterrolle. Zwei weitere Frauen waren da, unter etwa sechzig Männern. Wir saßen getrennt voneinander an jeweils unterschiedlichen Tischen und konnten erst am Morgen danach beim Frühstück im Hotel unsere Erfahrungen austauschen. Obwohl wir in unterschiedlichen Disziplinen tätig sind, waren sie verblüffend ähnlich: Ob in den Natur-, Sozial- oder Geisteswissenschaften, immer landen Habilitandinnen bevorzugt auf weniger aussichtsreichen und kürzer befristeten drittmittelfinanzierten Stellen, die mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu einer Professur führen werden. Attraktive Juniorprofessuren mit tenure track oder aussichtsreiche Oberassistentenstellen direkt in der Uni-Hierarchie sind überwiegend mit Männern besetzt. Die Mechanismen, die zu diesen Ungerechtigkeiten führen, sind unsichtbar und informell. Die richtigen Netzwerke entscheiden. Mehr rolemodels für Mädchen und junge Frauen werden sicher helfen, doch es braucht auch mehr Bereitschaft dieser rolemodels, sich konkret für Mädchen und junge Frauen in ihren Branchen einzusetzen und an entsprechenden Netzwerken zu spinnen.
    Ein wichtiger Beitrag der Medien könnte es jedenfalls sein, öfter vom Kopfschütteln unserer Nachbarländer über die deutsche Debatte um die Gleichberechtigung zu berichten. Die Aussage des schwedischen Botschafters von 2002 ist entlarvend: Ich bin mir sicher, dass in vielen unserer Nachbarländer, insbesondere in Skandinavien und Frankreich, die Menschen nur den Kopf schütteln können über das, was sich Frauen in Deutschland immer noch bieten lassen. In Deutschland selbst fehlt das Bewusstsein dafür – insbesondere bei den Frauen.

    Antworten
    • 23. November 2009, 19:50 Uhr, von Anja Gefällt 2 Lesern
      012.1

      Die Geschlechterungerechtigkeit zeigt sich deutlich, wenn man sich die Daten und Fakten einzelner Unis mal ansieht. In der Uni Münster z. B. beträgt der Anteil an Studentinnen 51%, der Promovendinnen 37% und der Habilitandinnen gerade mal 18%. Der Frauenanteil beim wissenschaftlichen Personal liegt bei 30% und es gibt in der Tat nur 12% Professorinnenstellen.
      In diesen gelebten patriarchalischen Strukturen ist die Gleichberechtigung noch nicht angekommen, auch wenn man die großen Fortschritte nicht leugnen kann. Die Männernetzwerke sind aber gerade an Unis noch sehr aktiv!

      Antworten
  13. 22. November 2009, 20:12 Uhr, von Susa Gefällt einem Leser
    013

    Es scheint mir,dass dieses Thema momentan so manch eine hitzige Debatte auslöst. An der RWTH wurde letzten Freitag die 100jährige Zulassungen der Frauen zum Studium gefeiert http://www.frauenstudium.rwth-aachen.de/ .

    In der Podiumsdiskussion u.a. mit Dr. Adelheid Ehmke, Prof. Dr. Heather Hofmeister und Prof. Dr. Ursula Nelles ist genau dieselbe Frage nach den fehlenden Vorbildern für Frauen aufgekommen und deren Auswirkungen. Frau Prof. Dr Nelles beschrieb, wie sie kurz nach ihrer angetretenen Professorenstelle von ihren männlichen Kollegen klagen darüber hörte,dass keine “fähige” Frau bei ihnen habilitieren wollten. Dennoch hatten sie innerhalb kürzester Zeit 4 Anfragen von Frauen, die habilitieren wollten. Obwohl ja zuvor angeblich keine wollte. Komisch!
    An dem Gentalmansclub auf den frau stößt,wenn sie höher hinaus möchte, wird es garantiert nicht gelegen haben!

    Vorbilder sind wichtig! Anschließend an diese Erkenntnis wurde die Diskussion über die Quoten-Einführen von Frauen gesprochen http://www.nuernberger-resolution.de/
    Sie endete mit der Frage, ob man sie nicht in Männer-Quote umtaufen sollte, da der Name “Frauen-Quote” Frauen abschrecken würde…..

    Antworten
    • 25. November 2009, 1:11 Uhr, von Mafalda
      013.1

      Na, reden wir doch darüber mit Frau Prof.Dr.Wintermantel. Nein, sie war nicht erwünscht in Saarbrücken. Elisabeth Beck-Gernsheim Wunschkandidatin von “Mittelbau” und “studentischer Vertretung”. Nou ja, Wintermantel kam,: C4-Professur, sah,: Unipräsidentin der Umi d. Saarlandes, und wurde: HRK-Präsidentin.

      Antworten
  14. 22. November 2009, 20:47 Uhr, von Anja Gefällt 6 Lesern
    014

    Ich glaube, dass sich viele Menschen für das klassische Lebens- und Liebesmodell entscheiden, weil es einfacher und unkomplizierter ist, da sämtliche gesellschaftliche Strukturen darauf ausgerichtet sind. Man muss sich nicht täglich neu erfinden, um den Alltag zu bewältigen. 
    Ich wette, wenn ein Hetero Pärchen mit dem Auto unterwegs ist, ist sicherlich zu 80% der Mann der Fahrer, auch wenn davon auszugehen ist, dass auch die Frau einen Führerschein hat. 
    Wenn meine Freundin und ich gemeinsam zum Auto gehen, stoßen wir regelmäßig vor der Fahrertür mit den Köpfen zusammen…;-)
    Es ist nur ein kleines und sicherlich unbedeutenes Beispiel, davon gibt es in der klassischen Rollenverteilung aber so einige mehr. Auch das prägt die Wahrnehmung von Frauen in unserer Gesellschaft! (verdammt;-)) 
     

    Antworten
    • 23. November 2009, 8:24 Uhr, von Petra
      014.1

      Ich denke, du hast Recht. Die Begründung: Frauen sind einfach die besseren Beifahrer!

      Antworten
      • 23. November 2009, 13:53 Uhr, von Dowanda Gefällt 3 Lesern
        014.1.1

        Ich bestreite, dass Frauen die besseren Beifahrer sind.
        Wenn sie nerven, dann nur auf andere Art als ihre männlichen Pendants:
        Während Männer zu gebellten Kommentaren, wie “Da wärst Du doch noch locker durchgekommen” neigen Frauen dazu, sich schon mal vorsorglich zu Tode fürchten wenn man nicht schon 150 Meter vor einer grünen Ampel zu bremsen beginnt. Eine Freundin von mir habe ich nach kilometerlangem Genörgel einmal an einer Tankstelle ausgesetzt. Wir waren dann auch nicht mehr lange zusammen … Das Auto hab ich dann noch gefahren bis es auseinander fiel. War offenbar die richtige Entscheidung …
        Kalauernde Grüsse, Dowanda

    • 23. November 2009, 10:58 Uhr, von Arlette Gefällt einem Leser
      014.2

      Liebe Anja :) ich weiss zwar nicht wie viele Hetero-Paare Du kennst, aber ich kann Deine 80% These keinesfalls bestätigen. Das Gegenteil ist eher der Fall, und hin und wieder lasse ich mich auch gerne mal chauffieren… da habe ich absolut kein Problem damit. :)
      Mir gefällt es auch, wenn Mann Frau die Türe aufhält. Nicht, dass das zwingend wäre, aber angenehm ist es dennoch ;)

      Antworten
      • 23. November 2009, 11:28 Uhr, von Anja
        014.2.1

        Hallo Arlette,
        überwiegend Hetero Pärchen.
        Aber es würde mich natürlich sehr freuen, wenn mein Eindruck täuscht! ;-)

    • 23. November 2009, 11:44 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
      014.3

      Jeppa, der Eindruck täuscht – es sind mindestens 90 %. Ein besonderes Schauspiel ist dann auch, wenn ER mit IHR zu SEINER Arbeisstätte fährt. D.h. ER sitzt am Steuer, dann steigt ER aus, SIE läuft ums Auto rum und darf dann hinters Lenkrad um zu IHRER Arbeitsstätte weiterzufahren. Da könnte ich mich kringeln vor Lachen, wenn ich das beobachte. Und ich beobachte das oft genug um aussschliessen zu können, das es sich dabei um eine vernachlässigbare Minderheitenerscheinung handelt.

      Antworten
      • 23. November 2009, 13:08 Uhr, von Arlette
        014.3.1

        @Dowanda und Anja, da kennt ihr vermutlich einfach die falschen Männer …hust! :-)))

      • 23. November 2009, 13:21 Uhr, von Noisa Gefällt einem Leser
        014.3.2

        Hm, ich sitze grundsätzlich lieber rechts im PKW. Ob ein Mann oder eine Frau fährt, ist mir ziemlich egal. Da ich mich lieber auf Gespräche konzentriere, wäre es nicht gut, wenn ich fahren würde. ;)

      • 23. November 2009, 15:22 Uhr, von Ingo Gefällt 2 Lesern
        014.3.3

        @ Dowanda…
        Vielleicht hat der Mann aber auch seiner Frau den “morgendlichen langen Fussmarsch” zum Auto durch Sturm und Kälte erspart…? Kannst Du das mit Sicherheit ausschließen?
        Dann sitzt Mann eben schon mal am Steuer und steigt erst wieder aus, wenn er es das nächste Mal muss, nämlich an seiner Arbeitsstelle… und Frau steigt hinters Steuer…
        Im Übrigen: wenn meine Nachbarn gemeinsam wegfahren, dann kann ich gut und gerne behaupten, dass in 50% der Fälle mal er und mal sie fährt…
        … und sie fährt immer öfter “seinen BMW”, während er ihr zuliebe den “alten klapprigen Suzukui Jeap” fährt…
        Also nicht immer nur auf den Männern rum hacken…!

      • 23. November 2009, 15:37 Uhr, von Dowanda
        014.3.4

        @Ingo
        In den konkreten beiden Fällen, die ich auch persönlich kenne, haben beide Pärchen Tiefgaragenplätze. Und ER fährt zuerst, weil es SEIN Auto ist. Es ist zwar auch SEINE Wohnung, die aber SIE dann putzt. Von dem her ists nicht bis ins letzte logisch, dieses Verhalten.
        However, man denkt sich als Beobachterin seinen Teil in der Gewissheit, das einer alleine nie so deppert sein kann ;-)

  15. 22. November 2009, 22:44 Uhr, von Martina Gefällt 6 Lesern
    015

    Eine sinnvolles Beitrag, Frau Meckel! wie auch immer alle, aber manche ins besonders ;)
    Vielleicht wirkt aber mehr wenn in eine Zeitung/Zeitschrift publiziert wird, ich bin sicher dass sie und Ihre Idee werden noch mehr Frauen inspirieren.
    Diese Satz (aber auch das komplett Beitrag) “Wir müssen lernen, einander noch stärker zu unterstützen. Wir müssen auch lernen, den “Zicken-Faktorâ€? aus unserem Verhalten möglichst weitgehend auszublenden. Wenn Frauen Frauen nicht unterstützen, wie sollen sie dann von Männern verlangen, dies zu tun?â€? verdient von mehrere Frauen gelesen zu werden, vielleicht ein paar davon werden sich überlegen und an sich selbst wert zu geben statt immer an dem Mann in alle Generation (Vater+Mann+Sohn+Neffe+Enkelkind) zu verschenken.

    P.S. Deutschland ist aber immer noch sehr weit als Italien, zu mindestens die TV Moderatorinnen brauchen nicht zum dem selber Chirurgen zu gehen ;)

    Ich schliesse mich an noch auf @Noisa Kompliment für @Anja :)))

    Antworten
  16. 23. November 2009, 1:02 Uhr, von alexandra Gefällt 2 Lesern
    016
    Antworten
    • 24. November 2009, 16:38 Uhr, von Mafalda
      016.1

      Tja, “quid pro quo” war und ist nicht der Punkt. Da beißt sich die Katze tatsächlich in den Schwanz und die TAZ schubst zwar nett an, doch springt mal wieder ein wenig kurz.

      Vorurteile sind leichter zu revidieren als soziale Stereotypen. Doch bis dorthin sprang der Artikel nicht, drehte vermeintliche “Vorurteile” lediglich um.

      Antworten
  17. 23. November 2009, 9:57 Uhr, von Mafalda Gefällt 3 Lesern
    017

    Die Sache mit der “kognitiven Dissonanz”. Hab da inzwischen den Eindruck, daß in punkto “Gleichberechtigungsdiskurs” dieses Phänomen ein männliches ist. Frauen “auf Augenhöhe” werden als ungewohnt, unbequem und unwillkommene Herausforderung gesehen, da sie in ihrem Selbst-Bewußstsein auf Grund der Reflektion ihrer Rolle(n) selbiges auch implizit vom männlichen Gegenüber erwarten.

    Dies “rettet” sich häufig genug noch in Ignoranz, Flucht zu “bequemeren” weiblichen Gegenüber oder, wie ich das im Interview Miriam Meckel-Peer Steinbrück wahrnahm, zunächts mal in “Flattering” um irgendwie doch in der gewohnten Rolle zu bleiben. Steinbrück griff am Ende in seiner “Verzweiflung” zum “Kleinmachretouschierstift” mit seinem Zitat “Schau mir in die Augen Kleines”. Deutlicher ging´s nun wirklich nicht…

    Antworten
    • 23. November 2009, 10:26 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
      017.1

      Steinbrück kann übrigens weiter üben. Mit der Wirtschaftsweisen Beatrice Weder die Mauro soll im Januar neben ihm und Hans-Peter Keitel (Präsident des Industrieverbands BDI) zum ersten Mal eine Frau in den Aufsichtsrat des ThyssenKrupp-Konzerns gewählt werden. “Daumendrück”, daß sie so agiert, wie es ihre Eigen-Art ist und sich nicht nach Merkel´s Role-Model in die Moderatorinnenrolle flüchtet oder drängen lässt…

      Antworten
  18. 23. November 2009, 11:24 Uhr, von Arlette Gefällt einem Leser
    018

    Die Rede ist genial! Werde sie mir ausdrucken und an die Wand pinnen, sodass ich sie stets vor Augen habe! Yes! :)

    Was die hohe Frauenquote in den Geschäftsleitungen der skandinavischen Länder betrifft, kann ich mir nur so erklären, dass die Berufs- und Familienstruktur dort fortschrittlicher geprägt ist als unsere. Nicht nur (!), aber auch.

    Frauen haben dort die Möglichkeit nach der Geburt des Kindes weiter zu arbeiten, während der Mann zuhause bleibt und das Kind erzieht. Sofern die Frau mehr verdient als ihr Partner, klappt das auch ganz gut. Von Arbeitgeber-Seite her scheint dies kein Problem zu sein.

    Antworten
  19. 23. November 2009, 13:33 Uhr, von Claudia Gefällt 2 Lesern
    019

    Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag zum Gender-Diskurs.

    Um der Gefahr der – wie Sie es nennen – symbolischen Selbstverleugnung von Frauen zu entgehen, leisten Projekte wie http://www.abqueer.de Arbeit in 1. Reihe und fördern so die Auseinandersetzung mit Geschlechtsidentitäten.

    Ebenfalls dem Gender-Diskurs (vielmehr rassistischen und heteronormativen Diskursen) widmet sich andersdeutsch.blogger.de

    Viele Grüße aus Neukölln.

    Claudia

    Antworten
  20. 23. November 2009, 14:08 Uhr, von Arlette Gefällt einem Leser
    020

    … was ich noch sagen wollte:

    In der Schweizer Politik werden neu die drei höchsten Ämter durch Frauen besetzt. :-)

    - Und dies in einem Land wo das Frauenstimmrecht erst 1971 eingeführt wurde (what a shame) -

    Wünsche allen eine schöne Woche!

    Antworten
  21. 23. November 2009, 14:28 Uhr, von Steffi Gefällt 4 Lesern
    021

    Eine sehr sehr gute Rede! Ich musste sie mehrmals durchlesen und ich werde sie wohl noch öfters lesen. Ich wünsche mir sehr, dass Ihre Rede nicht nur gedrucktes Papiert bleibt, sondern Mitten ins Leben umgesetzt wird.
    Ein Aspekt fällt mir noch auf.Frauen in der Politik müssen v.a. gut aussehen; so höre ich sogar von FDP-Politiker hinter vorgehaltener Hand”wenn Du blond, gutaussehen und in der FDP bist, hast Du tolle Aufstiegschancen.” Bei mir in Bayern wird in letzter Zeit immer wieder von CSU-Seiten Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner als DIE “Vorzeigefrau” vorgestellt… .

    Ein weiteren Aspekt der Gelichberechtigung wurde nicht erwähnt, weil es da auch nicht viel zu erzählen gibt: die Gleichberechtigung in der katholischen Kirche; aber auch -wenn man die Hintergründe genauer kennt, auch in der evangelischen Kirche. Ich habe, wenn das so sagen kann, eine “Führungspsoisition” in der Kirche, die ich mich sehr sehr hart erarbeiten musste und auch immer wieder den Männern und v.a. den Frauen (!) zeigen muss – in der kath. Kirche!

    Antworten
  22. 23. November 2009, 15:04 Uhr, von Ingo
    022

    Ich finde die “Geschlechterfrage” immer sehr anstrengend, u. a. deshalb, weil ich das Gefühl habe, dass sich Frauen IMMER ungerecht behandelt fühlen…
    Es obliegt jeder Person selbst, was er oder sie werden will und welche Laufbahn sie oder er einschlägt…
    Wenn es nach wie vor viele (vielleicht sogar mehrheitlich) Frauen gibt, die sich selbst in der “Hausfrau- und Mutterrolle” besser wieder finden als auf einer “Karriereleiter”, dann finde ich es ungerecht, den Männern dafür die Schuld zu geben…
    Allein deshalb sind Vergleiche und Statistiken, wie viele Frauen wann und wo in Führungspositionen sind wohl kaum repräsentativ – hier müsste allenfalls unterstellt sein, dass ein gleicher Anspruch auf gleiche Postionen beider Geschlechter GLEICHZEITIG besteht…

    In einem der oberen Postings habe ich gelesen, dass es bei Frauen unter Frauen öfter mal “ganz zickig” zugeht… hm…!?

    Warum muss es Frauenparkplätze geben?
    Warum “müssen” Männer den Damen die Tür aufhalten?
    Stil und Etikette ist eine Sache! Wo bleibt aber hier die Gleichberechtigung, wenn es sogar nur um solche Kleinigkeiten geht?

    Ich bin mir nicht sicher, ob sich “Frau” manchmal nicht selbst “ein Ei legt” – sich “einfach nur” selbst im Wege steht…!

    Antworten
    • 23. November 2009, 15:18 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
      022.1

      Ich gehe mit Dir weitgehend konform.

      Zwei Punkte allerdings:
      Warum gibt es Frauenparkplätze? Glaube mir: es ist, je nach Publikum, kein schönes Gefühl in einem dunkeln, hinteren Winkel einer Tiefgarage des nächtens sein Auto suchen zu müssen.

      Sind manche Frauen zickig? Ja, kommt vor. Manche Männer hingegen gockeln. Belauscht man sie unvermutet, sind sie kein bisschen weniger intrigant. Nur ist man daran eben mehr gewöhnt.

      Antworten
      • 24. November 2009, 9:19 Uhr, von Ingo
        022.1.1

        :-))) Männer gockeln… das muss ich mir merken :-)))

        P.S. Das “Unwohle Gefühl” in dunklen Parkhäusern, von denen ich in der letzten Zeit allerdings auch nicht mehr all zuviele in meiner Gegend gesehen habe, kenne ich durchaus! Auch als Mann kann man sich da durchaus “schlecht fühlen”…
        und wenn man bedenkt, dass bei körperlichen Übergriffen in der jüngsten Zeit eigentlich fast ausschließlich Männer zu Schaden kamen (vergl. Münchener UBahn, Hamburger UBahn), weiß ich nicht, ob dies auf die Tatsache zurückzuführen sein wird, dass es Frauenparkplätze gibt und dies Geschlecht daher “besser geschützt” ist…
        Vielmehr beobachte ich immer, dass Frauen, insb. wenn zu zweit unterwegs, gerne “Mutter-Kind-Parkplätze”, nutzen um möglichst nahe am Einkaufsparadies zu stehen um wenig weit laufen zu müssen… aber “drinnen” dann von Shop zu Shop tingeln…
        (Gleiches Phänomen auch in Fitnessstudios – direkt vor der Haustür in den kleinsten Parkplatz noch quetschen, damit man nicht weit laufen muss und dann eine 3/4 Stunde auf’s Laufband…)

        Ich will die Diskussion allerdings jetzt auch nicht auf Parkplätze reduzieren…
        Ich glaube vielleicht aber, dass es genügend Frauen gibt, die einfach in Karrierefragen etwas “zu bequem” sind, später dann aber glauben, es hätte was mit dem Geschlecht zu tun gehabt…

    • 24. November 2009, 9:21 Uhr, von Susa
      022.2

      Nun ja, dein Einwand, warum nur Männer Frauen in die Jacke helfen sollten, ist berechtigt.
      In meiner Gender&Sex-Vorlesung haben wir es mal aufs Exempel ankommen lassen. Ergebnis,der Mann hat sich wirklich nicht wohlgefühlt, dass die Frau ihm in die Jacke half.
      Abgesehen davon,dass es ein komischer Anblick war.
      Dafür sind unsere Rollenverständnisse einfach NOCH nicht ausgelegt! Diese zu ändern wird wohl einige Zeit brauchen….

      Antworten
  23. 23. November 2009, 15:28 Uhr, von irgendeine Userin Gefällt einem Leser
    023

    B-E-E-I-N-D-R-U-C-K-E-N-D !
    Echt, ne schöne Überraschung die gebloggte Rede.
    Danke. :-)

    Das fand ich passend für die Gegenwart vieler Frauen:

    “Sklave ist, wer darauf wartet, dass jemand kommt und ihn befreit.”
    - Ezra Pound, amerikanischer Dichter

    [OT]
    Journalistinnen ärgern mich manchmal in bestimmten Berichterstattungen. Nämlich, wenn es um CSD, alternative Altersheime und Co geht. Da wird gerne nur das Schwule angesprochen. Die Frauen, resp. Lesben sind einfach nicht vorhanden.
    Ist ein anderes Thema. Ich weiß.
    Ist mir nur aufgefallen, dass sie da einfach nicht besser als ihre männlichen Kollegen sind.
    [/OT]

    Antworten
  24. 23. November 2009, 15:39 Uhr, von Nicole Gefällt 2 Lesern
    024

    Ich habe den Text gerade erst einmal “überflogen”. Ich werde mir heute Abend einmal die Zeit nehmen dies durchzulesen. Aber auf jeden Fall bin ich schon einmal ganz gespannt und freue mich darüber, dass Sie über dieses Thema so ausführlich hier schreiben! Es gibt leider zu wenig Frauen die hierzu Stellung beziehen. Vielen Dank dafür! Für mich ist das Thema besonders interessant, da meine Freundin selbst über dieses Thema ihre Diplomarbeit geschrieben hat mit dem Thema: Kinder, Küche, Kirche, Karriere, Gleichstellung-Eine Bestandsaufnahme zwischen den Zielen der Frauenemanzipationsbewegung mit den Vorstellungen ihrer gewollten und ungewollten Erbinnen

    Ich habe hierzu noch ein ganz interessanten Einwurf von Helene Lange http://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Lange und http://www1.bpb.de/themen/MSUPRL,0,Helene_Lange.html aus dem Jahr 1920, welches meine Freundin als Einleitung für Ihre Arbeit genommen hat “„Mann und Weib sind eben kein zufälliger Witz der Natur; sie sind nicht nur zum körperlichen, sondern auch zum gemeinsamen geistigen Aufbau des menschli-chen Geschlechts notwendig. Das Volk, das diese Wahrheit zuerst innerlich er-fasst und in die Tat umsetzt, wird einen neuen Kulturabschnitt einleiten. Die Deutschen werden es voraussichtlich
    n i c h t sein…”

    Das zu dem Thema für heute..;o)

    Antworten
    • 23. November 2009, 15:45 Uhr, von Nicole Gefällt 3 Lesern
      024.1

      …kann in diesem Kontext auch eine Buchempfehlung geben von Thea Dorn – die neue F-Klasse. Habe sie letztes Jahr in Hannover erlebt und ich fand sie klasse!

      Antworten
      • 23. November 2009, 15:53 Uhr, von irgendeine Userin Gefällt 2 Lesern
        024.1.1

        :-)
        Ich musste beim Lesen des Artikels spontan an Affidamento aus dem Buch “Wie weibliche Freiheit entsteht.” denken.
        Aber irgendwie scheint das Thema des Buches vielen Frauen Angst zu machen.

      • 23. November 2009, 19:36 Uhr, von Mafalda
        0

        Das ist anscheinend leider so, irgeneine userin. Doch es gibt auch viele, denen “Affidamento” Inspiration war und ist. Das ist ermutigend und hilft beim “langen Atem” auch nach 20 Jahren.

        Robin Morgan´s “Anatomie der Freiheit” dto. sehr empfehlenswert.

      • 24. November 2009, 12:14 Uhr, von irgendeine Userin
        0

        Ja, mir ist es eine Inspiration. :-)

      • 24. November 2009, 9:23 Uhr, von Susa
        024.1.2

        Kann das Buch auch nur wärmestens empfehlen!

  25. 23. November 2009, 15:59 Uhr, von Nicole Gefällt 3 Lesern
    025

    Der Soziologe Pierre Bourdieu erklärt den Ausschluss von Frauen aus Füh-rungspositionen in der Politik, Wissenschaft und Wirtschaft „(…) weil sie maßgeschneidert sind für die Männer. Um eine Position wirklich erfolgreich beklei-den zu können, müsste eine Frau nicht nur über das verfügen, was in deren Beschreibung explizit verlangt wird. Sie müsste überdies eine ganze Reihe von Eigenschaften besitzen, die ihre männlichen Inhaber gemeinhin mitbringen, eine bestimmte körperliche Statur, Stimme oder Dispositionen wie Aggressivität, Sicherheit im Auftreten, ‘Rollendistanz’, so genannte natürliche Autorität usw., auf deren Ausbildung die Männer als Männer stillschweigend präpariert und trainiert worden sind. Zusammenfassend lässt sich für das Jahr 2006 weiterhin festhalten: „Je ‘zentra-ler’ ein Bereich für die Gesellschaft (definiert) ist, je ‘mächtiger’ eine Gruppe, desto weniger sind Frauen vertreten; und umgekehrt: also je ‘randständiger’ ein Aufgabenbereich gilt, je weniger ‘einflussreich’ eine Gruppe, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen sich in diesen Feldern Beschäftigungsmög-lichkeiten erobert haben.“ Somit gilt festzuhalten, dass noch in den Jahren 2006 gravierende Differenzen zwischen den beruflichen Qualifikationen von Frauen und deren Etablierung in dem deutschen Beschäftigungssystem vorliegen.

    Antworten
  26. 23. November 2009, 17:11 Uhr, von ap
    026

    Letztes Jahr gabs die “Saure Gurke”, ein Preis, der echt nach hinten losgeht, für “frauenaffine Stoffe” im deutschen Fernsehen
    (www.tagesspiegel.de/medien-news/Guenter-Struve-ARD;art15532,2610346).
    Und so viele möchten es sehen.

    Antworten
  27. 23. November 2009, 18:47 Uhr, von Mia Gefällt 3 Lesern
    027

    Ich bin eine Frau, habe Elektrotechnik studiert und bin in einer Partei aktiv. Leider entschließen sich viel zu wenige Frauen dazu in Männerdomänen einzudringen, trotz gleicher Eignung.
    In meinem Jahrgang (2004 Studienbeginn) gibt es nur 3 Frauen unter 100 Männern, in der Mitarbeit in den Parteigremien ist mir aufgefallen, dass die Frauen von den Männern geradezu genötgt werden müssen, sich für ein Amt wählen zu lassen.
    Frauen warten oft zu lange ab und sind zu reserviert. Sie fordern nicht aktiv, sondern wollen lieber vorgeschlagen werden auf Grund von Kenntnissse, anstatt den Platzhirsch zu markieren.
    Ich bin nicht dafür, dass Frauen Männer kopieren, aber erfolgreiche Modelle sollten durchaus übernommen werden dürfen, wenn sie sich als Erfolgsgarant in Punkto Karriere herausstellen.
    Also: Frauen versteckt euch nicht!

    Antworten
  28. 23. November 2009, 19:12 Uhr, von Larah Gefällt 2 Lesern
    028

    Männer setzen sich durch, in dem sie mit der Faust auf den Tisch hauen und die Verbalkeule schwingen. Frauen meckern, nerven oder heulen solange rum, bis kriegen was sie wollen :-) Das ist alles doch nur eine Frage der Taktik! Frauen können sehr wohl stärker sein als Männer, sie müssen es nur wollen und richtig anstellen.

    Antworten
  29. 23. November 2009, 19:34 Uhr, von Nicole
    029

    irgendwie scheint mein kommentar, der über meiner buchempfehlung stand, weg zu sein…;o( Zensur? aber wofür?

    Antworten
  30. 23. November 2009, 20:08 Uhr, von Mafalda Gefällt 2 Lesern
    030

    Ein Begriff, der mir in letzter Zeit häufiger in die Synapsen springt, ist der Begriff “Deutungshoheit”. So wie ich ihn verstehe, geht es darum, wer letztendlich die Beschreibungs- und Interpretationsmacht zu welchem Thema/Themenkomplex auch immer hat bzw. die Macht, Kriterien dafür zu entwickeln/bestimmen.

    “Medien” spielen naturgemäß eine große Rolle, geht es um Beschreibungen und Deutungen. Es gibt, entgegen anderslautender, unbestätigter Gerüchte, keinen “objektiven” Blick. Das ist kein böser Wille sondern es ist schlicht so, daß die jeweilige Person nicht zuletzt auch auf Grund genderspezifischer Prägungen beschreibt, deutet und Schlüsse zieht. Diesen Fakt berücksichtigend ist es um so mehr erforderlich, daß die Repräsentation von Frauen in Medien anteilig ihrer Präsenz im “richtigen Leben” entspricht, und zwar durchgängig auf allen Hierarchieebenen. Analog gilt das für andere Entscheidungs- und Einflußbereiche im “öffentlichen Leben”.

    Es gilt ebenso für die Definitionsmacht, was denn überhaupt wichtig sei für ein gelingendes soziales Zusammenleben. Wenn Bildung, Gesundheit, Gleichberechtigung, Kinder, Senioren als “Gedöns” kolportiert werden, die hinter so “Wichtigem” wie Verteidigung, innere Sicherheit, Außenpolitik, Finanzen zurückzustehen haben und es erhebt sich kein Grummeln, sind wir grundsätzlich noch nicht viel weiter als seinerzeit Elisabeth Selbert, die immerhin ziemlichen Gegenwind für ihre “Aussaat” des Art.3 Abs.2 GG, einer angeblichen “Marginalie” erntete.

    Ich muß nicht alles toll finden, was Frauen tun. Im Gegenteil, nehme ich sie ernst, übe ich konstruktive Kritik. Das kann gerne auch mal Krachen. (Umgekehrt erwarte ich das dto., weil es mich weiterbringen kann). Der Reflex “Zickenkrieg” diskreditiert diese notwendige(n) Auseinandersetzung(en). Manchmal hab ich den Eindruck, wie im Mittelalter sind Kämpfe allein Mannen vorbehalten und nur deren Auseinandersetzungen “wichtig”; Frauen dürfen entscheiden, wann, wo und für wen sie das Taschentuch fallen lassen (hierzu insprierte mich ein Interview Mit dem schweizerischen Schriftsteller Martin Suter im aktuellen SPIEGEL, der u.a. über die Rolle der Frauen in der Business-Class spricht.) Insofern ist auch Kritik Unterstützung. Im Gegenteil, kritiklose Unterstützung verdient den Namen nicht.

    Antworten
  31. 23. November 2009, 20:13 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
    031

    @ Nicole 19:34: der Zähler spielt mal wieder verrückt. Offenbar kommt er ab einer bestimmten Unterpunkt-Ebene ins Schleudern. Er verteilt auch wieder Nullen. Wollte auf IRGENDEINE USERIN um 15:53 antworten auf der dazugehörigen Unterebene und “Patsch” setze der Zähler die 0.

    Huhu Administration, sehr ärgerlich das!

    Antworten
  32. 23. November 2009, 21:55 Uhr, von Mafalda
    032

    Das ist anscheinend leider so, irgeneine userin. Doch es gibt auch viele, denen “Affidamento� Inspiration war und ist. Das ist ermutigend und hilft beim “langen Atem� auch nach 20 Jahren.
    Robin Morgan´s “Anatomie der Freiheit� dto. sehr empfehlenswer

    Antworten
  33. 23. November 2009, 22:20 Uhr, von Seymour
    033

    ?

    Antworten
  34. 24. November 2009, 9:24 Uhr, von Susa
    034

    http://www.youtube.com/watch?v=7PiZXmJ_t_w

    Liebe Grüße aus Düsseldorf zu diesem Thema!

    Antworten
  35. 24. November 2009, 10:01 Uhr, von Lotta Gefällt einem Leser
    035

    Ich lese schon ziemlich lange still mit, aber zum Thema ‘role-model’ kann ich die Füße diesmal nicht stillhalten, äh die Finger. Hier mal ein Link:
    http://fraeuleinzucker.blogspot.com/2009/03/germanys-next-role-model.html

    Ein sehr junge, begabte, kreative Frau, die sich Gedanken um die weiblichen Vorbilder macht und ihre Alters- und Geschlechtsgenossinnen ebenfalls dazu aufruft. Deadline ist, glaube ich, Ende des Jahres. :-)

    Antworten
  36. 24. November 2009, 10:14 Uhr, von Walter Gefällt 6 Lesern
    036

    In den letzten vier Jahren hat sich fast nichts geändert, gerade auch Angela Merkel gilt als Ausnahme, nicht als Regel.
    Ambivalenz und Ambiguität?
    Die Geschäftswelt ist in weiten Teilen eine Männerwelt. Auf Frauen, die etwas werden wollen liegt ein großer Erwartungsdruck an Aggressivität und Durchsetzungsvermögen, empathisches und ausgleichendes Denken und Handeln werden zunehmend, aber immer noch zögernd anerkannt. Diese “männliche” Welt ist eine Dystopie, im Extrem Härte auch gegen sich selbst bis zur Selbstzerstörung. Diese Leben auf den Burnout hin wollen viele Menschen nicht mehr leben- Frauen und Männer.
    Die Sozialisation der Geschlechter mit Ausbildung einer jeweils eigenen Identität zeigt in unserem Land noch große Unterschiede, im Westen mehr noch als im Osten. Gerade auch in bürgerlichen Familien kehren die alten Rollenmuster ein, sobald Kinder zu versorgen sind. Dies betrifft auch diejenigen, die mit anderen Ideen und Vorsätzen in ihre Partnerschaft gestartet sind. Die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf ist allzu oft schwierig und Sache der Frauen. Besonders trifft dies Alleinerziehende, für die dieser Spagat zur täglichen Quadratur des Kreises gerät. Andres als in Skandinavien oder auch in Frankreich entscheiden sich viele Frauen auf dem Karriereweg gegen Kinder- nicht dass sie sich als Mutter nicht vorstellen könnten, sondern weil sie für sich keinen Weg sehen, beides menschenwürdig zusammen zu bringen. Die Rollenbilder berufstätiger Mütter und mütterlicher Aufsteigerfrauen sind in den deutschsprachigen Ländern noch nicht gefestigt und verbreitet. Die Diskussion um das Betreuungsgeld spricht eine klare Sprache.
    Dabei können Frauen und Männer nur gemeinsam unsere Welt, nicht nur die der Arbeit menschlicher und freundlicher gestalten.
    Männer hinken in ihrer Emanzipation den Frauen oft hinterher. Viele haben das “Hotel Mama” verinnerlicht und tragen dieses Bild ihr Leben lang in sich. Für diese Männer bedarf es anderer Rollenbilder für sich und ihre Partnerin. Daran können und sollten die Geschlechter gemeinsam arbeiten und nicht gegeneinander.
    In den Familien fängt es an und dort hört es auf.

    Antworten
  37. 24. November 2009, 10:15 Uhr, von Lizzy Gefällt 4 Lesern
    037

    @ Ingo, 9:19 Uhr
    Im Grunde gebe ich Dir Recht. Hast Du aber auch schon bemerkt, wieviel Männer auf Frauenparkplätzen stehen? Über die Behindertenparkplätze in großen Einkaufszentren reden wir lieber gar nicht. Da parkt dann aber beiderlei Geschlecht.

    Antworten
  38. 24. November 2009, 10:36 Uhr, von Ramona Gefällt 7 Lesern
    038

    Hier mal noch einige ganz subjektive Gedanken von mir:
    Ich, Ostfrau und voll berufstätig, verfolge die Diskussion sehr amüsiert und auch schon mal mit Unverständnis.
    Da wird sich an Frauenparkplätzen festgebissen oder ob die Frau links oder rechts im Auto sitzt. Versteht mich nicht falsch, aber das ist doch pillepalle! Ich bin sehr gerne Beifahrerin, wenn mein Partner im Haushalt zufasst, sich um die Kindererziehung kümmert und mich wo immer es geht, im Alltag entlastet!
    Auch dieses ewige Emanzenthema, wie schlecht doch die Männer sind und die Frauen an der beruflichen Karriere hindern, stößt bei mir auf Unverständnis. Hat sich da im Westen tatsächlich in den letzten 30 Jahren nichts bewegt?
    Wir Ostfrauen stehen mit unseren Männern auf Augenhöhe, wir setzen auf Gleichberechtigung und wollen “mit den Männern” etwas bewegen. In dieser Diskussion fällt auf mir wieder auf, Westfrauen grenzen Männer aus. Das werde ich nie verstehen!
    Oder liegt es daran, dass sich hier mehrheitlich lesbisch lebende Frauen zu Wort melden? Streiten die Frauen mal nicht über den Nachwuchs, zerfetzen sie sich über den Sinn und Unsinn von Quoten, über die Frage, ob eine Frau ein Lehrer oder eine Lehrerin ist. Die Ostfrauen verweigern sich dem weiblichen Suffix, nicht aus Trotz, sondern aus einem DDR-typischen Gefühl der Emanzipiertheit heraus. Wir sehen uns als gleichgestellt und glauben, eine sprachliche Sonderstellung ist Nebensache und unnötig.
    Hier ein noch Beitrag aus der EMMA, der das Lebensgefühl hier im Osten ganz gut wiederspiegelt:
    http://www.emma.de/fuer_mich_ist_der_osten_ein_paradies_2009_6.html

    So, jetzt könnt Ihr mich verhauen:-)))))

    Antworten
    • 24. November 2009, 10:45 Uhr, von Katja Owl
      038.1

      :) Endlich!

      Antworten
      • 24. November 2009, 10:57 Uhr, von Noisa Gefällt 2 Lesern
        038.1.1

        Gut, ja endlich (@Ramona). :))
        So ähnlich denken aber auch mitunter im Westen lebende Frauen. Im Posting stand was von “wirklich wütend werden”… Puh. ;) Unser Denken bestimmt immer noch unser Handeln. Einen schönen Tag, auch Dir @Katja Owl. :)

      • 24. November 2009, 11:04 Uhr, von Ramona Gefällt 3 Lesern
        038.1.2

        Danke!:-))))

    • 24. November 2009, 11:51 Uhr, von Mafalda Gefällt 3 Lesern
      038.2

      “Westfrauen grenzen Männer aus”…”…liegt es daran, daß sich hier mehrheitlich lesbisch lebende Frauen zu Wort melden.”

      Hmmm, unter “Ausgrenzung” verstehe ich aktive Ignoranz, Marginalisierung, Abwehr und Diskriminierung. Lesbisch leben bedeutet nicht automatisch “Diskriminierung von Männern”, obgleich es auch dieses Phänomen gibt.

      Habe in der EMMA ebenfalls das Dossier “Ost-Frauen” gelesen und denke noch stets darüber nach. Grundsätzlich hat in beiden deutschen Teilen eine Sozialisierung beider Geschlechter unter deutlich unterschiedlichen Bedingungen stattgefunden. Ob “besser” oder “schlechter” bedarf es der Einzelprüfung der sozialen Lebensfacetten. Aus meiner westlichen Sicht: ich konnte und kann nicht nachvollziehen, daß nach der “Wende” in Bausch und Bogen alles, was “DDR” war, verurteilt und verworfen worden ist.

      Was “Feminismus” betrifft: gab es in der “DDR” vergleichbare soziale/sozialpolitische Entwicklungen? Z.B. in der Linguistik jemand wie Luise F.Pusch, die sehr wohl die Nachhaltigkeit der Wirkung des weiblichen Suffix für Wahrnehmung des weiblichen Teils der Gesellschaft feststellt.

      Ich kann mit Generalisierungen wie “DIE Westfrauen” und “DIE Ostfrauen” wenig anfangen. Denn DIE gibt es so nicht. Der kleinste gemeinsame Nenner ist die biologische Tatsache. Und dann geht es los mit den “Vielfachen”: Erziehung, soziales Umfeld, Bildung, Gesundheit, Status der Eltern, Entwicklung des Selbst-Wertes und – Bewußtseins, erster prägender Wertekanon etc.etc.

      Möglicherweise ist die vermeintlich allein “westliche” Kritik an männlich geprägten Strukturen (guckt in 100 Jahren ein Kind im Museum auf die Bilder der Bundesrepublik von 1945 bis heute, finden sich überwiegend Anzugträger auf den politischen Bildberichten; in der DDR war das bis zum Ende der Existenz nicht anders. Was wird sich das Kind denken?)ebenso berechtigt wie die vermeintlich allein östlich geprägte Einschätzung, daß es selbstverständlich gelebte Gleichberechtigung der Geschlechter gibt. Und möglicherweise, wenn das Kaleidoskop beider Akteurinnen jeweils denselben Blickwinkel einnimmt stellen sie fest, daß jede “Recht hat”. :-))

      P.S.: Übrigens, warum sollte ich Dich verhauen wollen ;-)

      Antworten
      • 24. November 2009, 12:21 Uhr, von irgendeine Userin Gefällt einem Leser
        038.2.1

        @Mafalda 24. November 2009, 11:51 Uhr

        Genau das. :-)

      • 24. November 2009, 13:23 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
        038.2.2

        Gut auf den Punkt gebracht, Mafalda. Da gebe ich Dir recht.
        Auch das Beispiel mit Bildern als Zeitzeugen. Oder die Werbung. “Mein Mann ist Zahnarzt” … die lief bis in die weiten 90er rein. Wunderbares Beispiel.

        ABER, da geh ich schon mit Ramona konform, es gehören zwei dazu. Viele Frauen ruhen sich auf den Errungenschaften der Suffragetten und ihrer Erbinnen aus. Und dann gibts noch die Frauen, die glauben seit 1974 sei nix geschehen und die seit 35 Jahren die gleichen Phrasen dreschen. Das Phänomen gibts aber – leider – in jeder Emanzipationsbewegung. Volker Beck tut ja heute auch noch als würden am Kirchplatz Schwule oder Lesben nach dem 10Uhr-Gottesdienst verbrannt.

      • 24. November 2009, 14:45 Uhr, von Mafalda
        038.2.3

        Nou @Dowanda, ausruhen ist mein Ding nicht :-)). Um das “Du kannst alles werden…” von Irgendeine Userin aufzugreifen: ich warte nicht mehr auf das “Du darfst” dafür. Und “ich will so bleiben wie ich bin” gehört da nicht hin ;-)))

    • 24. November 2009, 12:12 Uhr, von irgendeine Userin Gefällt einem Leser
      038.3

      Ach nö, schlagen ist nicht.
      Die Ost-Frauen sind echt tough. *yes*

      Und ich sage mir, so können sich Frauen entwickeln, wenn strukturelle Gewalt zum größten Teil nicht vorhanden ist.
      Weiß grad nicht, wie es in den oberen Parteiebenen war, da ich nur Männer, resp. Honecker da rumhopsen sehe.
      Auch in China sehe ich nur Jungs in den oberen Politetagen. Eigentlich in allen sozialisten Ländern. Irgendwo hakt’s dann auch dort.

      Im Westen wurde immer so getan und gesagt zu den Frauen: “Ihr könnt doch alles erreichen. Was habt ihr denn eigentlich?”
      Naja, sie hätten besser fragen sollen: was habt ihr nicht? Kindergartenplätze, Jungs, die sich auch um Haushalt kümmern, gleiches Gehalt, bei gleicher Arbeit…

      Und das Ergebnis haben wir nun: ““kognitive Dissonanzâ€? der Frauen.

      Wobei es schon schwierig war, eine Schule zu überleben, in der Mädchen mangelnde Vorstellungskraft, ein Unvermögen in Mathe und nur sprachliche Hochleistungen bescheinigt wurde.
      Dann tritt sie in die Welt: “Du kannst doch alles… etc.”

      Ich glaube, dass die Gesellschaft ein ganz schönes Stück dazu beiträgt, wozu eine Frau fähig sein kann. :-)

      Deswegen freue ich mich auch so über jede feministische Hetera.
      Ja. :-)

      Antworten
    • 24. November 2009, 20:50 Uhr, von Larah Gefällt 5 Lesern
      038.4

      Also bei uns Zuhause läuft das so, dass mein Mann die Elternzeit angetreten ist, weil ich mehr verdiene und auch den besseren Job habe. Das fällt bei mir auch unter den Aspekt Gleichberechtigung. :-)

      Antworten
      • 24. November 2009, 22:14 Uhr, von Miriam Meckel Gefällt 6 Lesern
        038.4.1

        … aber ganz sicher! Dafür gibt es noch immer sehr wenig Beispiele. Glückwunsch! :-)

      • 24. November 2009, 22:44 Uhr, von Anja Gefällt einem Leser
        038.4.2

        Durchschnittlich verdienen Frauen 23% weniger als Männer. Unter diesen Voraussetzungen bleiben natürlich eher die Frauen zu hause!
        Außerdem werden in Firmen Männer, die in Elternzeit gehen wollen, immer noch mächtig unter Druck gesetzt, leider. Da muss sich auch einiges ändern…

  39. 24. November 2009, 13:20 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    039

    Menschen sollen sich in einer freien Gesellschaft mehr und überwiegend über ihr Wissen, Können und Wollen- einschließlich des Begehrens- definieren dürfen als über ihre Rasse, den Grad ihres körperlichen Handicaps oder ihr Geschlecht.

    Antworten
  40. 24. November 2009, 14:26 Uhr, von Dowanda Gefällt einem Leser
    040
    Antworten
    • 24. November 2009, 20:18 Uhr, von Anja Gefällt 10 Lesern
      040.1

      Na, der taz Artikel passt ja zum Thema! Zufälle gibt’s…
      Ich denke, es wird deutlich, dass man nicht gegen “die Männer” sein muss, um für die Rechte der Frauen zu sein. 
      Und ich glaube auch nicht, dass die persönliche Haltung zur Gleichberechtigung von der sexuellen Orientierung von Frauen und Männern abhängt (@Ramona)
      Ich koche gerade das Abendessen, weil meine Freundin heute später nach hause  kommt als ich.  Oder wäre es emanzipierter jetzt besser Pizza zu bestellen? ;-)
      Natürlich sind die meisten Wahrnehmungen zwischen den Geschlechtern klischeebehaftet und wer Auto fährt oder beisitzt ist tatsächlich völlig wurscht. Ich bin im Westen geboren und aufgewachsen, in einer eher männlich dominierten Gesellschaft, aber eigentlich war es mir egal, weil ich nicht andere benötige, um mir meiner Fähigkeiten bewusst zu sein. 
      Der Großteil meiner Kollegen ist männlich, ich schaue lieber Männerfußball als Frauenfußball, ich halte gerne anderen Menschen die Türe auf, egal ob Frau oder Mann, ich kann nicht backen, hasse bügeln, fahre ein Auto, nachdem eher Männer lechzen, trage gerne hohe Schuhe, lache heimlich  über Blondinenwitze und stelle fest, dass es kaum Eigenschaften gibt, die glasklar den verschiedenen Geschlechtern zuzuordnen sind, sondern einfach nur verschiedenen “Menschen”!!
      Und gerade deshalb muss man die Fakten, die für die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen sprechen wahrnehmen und gegensteuern. Und das geht nur gemeinsam! 

      Antworten
      • 24. November 2009, 21:36 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
        040.1.1

        Maaaaa, beim Fußball… @Anja ;-)

      • 25. November 2009, 9:06 Uhr, von Ramona Gefällt 2 Lesern
        040.1.2

        Danke @Anja, ich bin mit Dir völlig dakor!:-))
        Und meine Bemerkung zur gleichgeschlechtlichen Lebensform war nur als Frage in den Raum gestellt und gibt nicht meine Überzeugung wieder.
        Ich hoffe, Deiner Freundin hat das Abendessen gemundet.:-))

  41. 24. November 2009, 17:13 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
    041

    “Ich sitze gerne als einzige Frau auf dem Podium, wenn es denn sein muss, weil ich dort inhaltliche Positionen vertreten kann, aber ich lasse mich nicht mehr als Frau auf die Vermittlerrolle reduzieren, während die inhaltlichen Positionen von Männern vertreten werden.”

    Selbstwahrnehmung versus Fremdwahrnehmung?
    Wie sind diese Vermittlerrollen definiert, was sind die Spielregen?
    Zählt das Aussehen mehr als Verstand und Wissen? Wenn ja, wie soll sich etwas daran ändern?
    Durch Verweigerung als Position?

    Antworten
    • 24. November 2009, 18:40 Uhr, von Mafalda
      041.1

      @Walter. Hmmm. Ich bin sicher, Männer fanden sich in ähnlichen Positionen wieder. Kann allerdings grad kein Beispiel finden. Du?

      Antworten
      • 25. November 2009, 12:57 Uhr, von Walter Gefällt 2 Lesern
        041.1.1

        Die Moderatorenrolle ist nicht über das biologische Geschlecht definiert.
        Die Asymmetrie der Situation liegt mit in der Vorstellung begründet, dass Frauen untereinander anders kommunizieren als Männer. Ein Mann als Moderator unter lauter Frauen täte sich mittlerweile nicht mehr schwer, sich zwischen der Rolle eines soften Frauenverstehers und der eines Macho zu entscheiden, denn es gibt einen dritten Weg: Es ist durchaus möglich, sich sachlich zu unterhalten und die Genderebene stillschweigend zu akzeptieren- ein möglicher Weg von Geschlechteremanzipation in beiden Richtungen. Dass sich auch Frauen im Gespräch mit Frauen schwer tun, wenn die eine etwas wissen will, was die andere nicht sagen möchte, haben wir erlebt. Frauen können ausweichend reden, wie es gelegentlich Angela Merkel angelastet wird, die angeblich mehr moderiert als regiert, müssen es aber nicht. Auch Gerhard Schröder konnte gut um den Brei herum reden, hat es aber immer vermieden als Softie oder Moderator wahrgenommen zu werden.
        Die Erwartungshaltung angesichts des Rollenbildes Moderatorin unterscheidet sich nicht allzu sehr von der männlichen Variante.
        Der Unterschied liegt doch mehr in der Selbstwahrnehmung(?)

      • 25. November 2009, 14:59 Uhr, von Mafalda Gefällt einem Leser
        041.1.2

        Sure, honey?

  42. 24. November 2009, 18:36 Uhr, von Steffi Gefällt 4 Lesern
    042

    Ich habe heute wieder die o.g. Rede von Ihnen mehrmals gelesen, weil es mich so fasziniert hat und noch immer fasziniert. 1000 Dank Frau Dr. Meckel!

    Antworten
  43. 25. November 2009, 1:05 Uhr, von lizz Gefällt 3 Lesern
    043

    warum, genau, sollten sich jetzt vornehmlich lesbische leserinnen über die benachteiligung ihrer männer beim autofahren beklagen?

    irgendwas hab ich nicht verstanden.

    Antworten
  44. 25. November 2009, 8:44 Uhr, von Martina Gefällt 4 Lesern
    044

    Meine Glückwünsche an alle Frauen wie: Larah, Noisa und Ramona!
    Schön wäre wenn ihr viele mehr Frauen mit demselben Glück sich melden würden.

    Der Punkt ist nicht: „existieren nette Mann oder nicht“ (bin sicher existieren welche, kenne sogar besonders welche) aber der Punkt ist: Frauen bitte glaub mehr in euch selbst!

    @alle eine schönen Tag.

    Antworten
    • 25. November 2009, 9:16 Uhr, von Noisa Gefällt 4 Lesern
      044.1

      Danke gleichfalls, @Martina. :)) Stimme Dir zu.

      Es gibt auch Männer, die gerne Kochen, sich mehr um Kinder kümmern als die Mütter. Oder Jungs, die Fußball nicht mögen, aber Pferde. Problematisch ist dann eher das Verhältnis dieser Frauen zu der älteren Generation, die oftmals kein Verständnis für eine “andere Arbeitseinteilung” innerhalb der Familie hat. Nur Wäsche machen, das ist Frauensache in Heterobeziehungen. Oder kennt jemand ein Gegenbeispiel? Würd mich echt interessieren. ;)

      Antworten
      • 25. November 2009, 9:33 Uhr, von Noisa
        044.1.1

        Sorry für die Tippfehler.

      • 25. November 2009, 17:38 Uhr, von Susa Gefällt einem Leser
        044.1.2

        Hey Nosia,

        mein Dad wäscht genau so die Wäsche, wie seine Freundin auch. Es gibt diese Männer, die auch im Haushalt mit anpacken^^

        Vielleicht habe ich nicht so das Problem mir Männer bei der Hausarbeit vorzustellen, da mein Dad immer aktiver Part war. Egal, ob es ums Kochen, Wäsche waschen oder Staubsaugen geht.
        Ich habe selber Freunde in meinem Alter (+/-22), die gerne Bügeln und auch so im Haushalt mit anpacken.
        Es scheint sich was zu tun…..

    • 25. November 2009, 18:35 Uhr, von Noisa
      044.2

      @Suse, wie gut. :)))

      Antworten
    • 25. November 2009, 21:33 Uhr, von Larah
      044.3

      Man muss nicht nur an sich selbst glauben, es ist auch sehr wichtig, dass andere an einen glauben (vor allem der eigene Partner!). Diese Unterstützung ist Gold wert. Sonst wäre vieles für mich nicht machbar. Aber es gibt wie bei allem Vor- und Nachteile …

      Antworten
  45. 25. November 2009, 9:13 Uhr, von Andreas Gefällt einem Leser
    045

    Zur Gefahr der symbolischen Selbstverleugnung ihrer Situation durch die Frauen selbst und der weiterhin bestehenden Gefahr der Verleugnung durch einen Teil der Medien kommt eine weitere hinzu, die mir fast genauso wichtig erscheint:

    Die Gefahr der Verleugnung von gesellschaftlichen Realitäten selbst durch die Männer, die im Privatleben zwar progressiv sein mögen und versuchen, Gleichberechtigung in ihrer Beziehung alltäglich werden zu lassen – die aber darüber hinaus genauso in einem “hübschen Teufelskreis der Vorurteilsstrukturen” gefangen sind, wie Heide Oestreich das im taz-Kommentar zur Studie des Sinus-Instituts “Brücken und Barrieren für Frauen zu Führungspositionen” so treffend genannt hat.

    Es braucht einfach mehr Männer, die der Versuchung widerstehen, die Welt ausserhalb der eigenen Beziehung mit rosaroten Brillen zu sehen, weil sie zu Hause immerhin einen Teil der Elternzeit übernehmen. In Wirtschaft und Politik wird sich weiterhin der üblichen dümmlichen Vorurteile bedient, um Komplexität zu reduzieren und Frauen aussen vor zu halten.

    Antworten
  46. 25. November 2009, 13:15 Uhr, von Martina Gefällt 4 Lesern
    046

    Es gibt tiefen Grunde warum ‘The General Assembly designated 25 November as the International Day for the Elimination of Violence against Women’. 

    Sollen wir nicht nur so oberflächlig an diese Thema schauen nur weil uns gut geht. Oder denken das eine Parkplatz für Frauen nur dafür gamacht worden ist weil sonst beim regen die Friseur nicht hält.
       
    (3w.un.org/Depts/dhl/violence/)

    Antworten
  47. 25. November 2009, 16:09 Uhr, von Nicole
    047

    Eine Mitarbeiterin aus unserem Unternehmen hat einen Kollegen vor einigen Wochen am Telefon A**** genannt; sie hat, nachdem sich über 10 Jahre im UNternehmen ist, eine sofortige Kündigung erhalten.

    Hätte ein Mann eine Frau telefonisch beleidigt, hätte er wahrscheinlich nur eine Abmahnung oder Ermahnung erhalten.

    Nichts desto trotz, es ist kein Kavaliersdelikt, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Mann anders behandelt worden wäre…

    Antworten
    • 25. November 2009, 16:50 Uhr, von Mafalda
      047.1

      Inzwischen scheint jedes Mittel recht… frappierend finde ich in punkto Pfandzettel, Maultaschen, Chefmeetingbrötchen, Leberwurststücke und nun eben auch Kraftausdruck: alles Frauen.

      Antworten
    • 25. November 2009, 21:27 Uhr, von Larah
      047.2

      Ehrlich gesagt, kann ich mir das nicht vorstellen. Warst du dabei oder wurde das erzählt? Nur weil man einen Kollegen beschimpft, wird einem doch nicht gleich gekündigt. Da ist bestimmt noch was anderes vorgefallen oder der Mitarbeiterin “rutscht” öfter sowas raus.

      Antworten
  48. 25. November 2009, 17:28 Uhr, von G
    048

    Unfortunately her political base wouldn’t be able to discern what a positive female role model is if it hit them.

    http://www.youtube.com/watch?v=mKKKgua7wQk&feature=player_embedded

    Antworten
  49. 25. November 2009, 18:57 Uhr, von lizz
    049

    WOFÜR hat sie ihn denn ein arschloch genannt?
    scheint mir doch eigentlich die entscheidende frage zu sein.

    Antworten
  50. 25. November 2009, 19:15 Uhr, von MPf
    050

    @ Lara H. (got ya!)
    Du bringst hier immer ganz nette Beiträge, kannste die auch etwas mehr erläutern?
    ;-)

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2012