
Ich lebe in einer permanenten Auseinandersetzung zwischen dem, was ich lese, und meinen eigenen Gedanken. Es ist ein nie endender, immer wieder durch neue Impulse gespeister Prozess, in dem die Bücher und Texte, die sich in meiner Wohnung stapel, obwohl ich sie doch gelesen und ihr Argument aufgesogen habe, eine Spiegelfunktion haben. Nicht nur im intellektuellen Sinne. Sie spiegeln die Gedanken, die ich mit ihnen und aus ihnen heraus entwickelt habe, und die Augenblicke, in denen diese entstanden sind. Die Texte spiegeln Momente meiner gedanklichen und realen Lebenswelt. Sie sind wie geschriebene Schnappschüsse meines Lebens. Also behalte ich sie und ordne sie ein, nicht in ein Album, sondern in einen Themenzusammenhang, auf den ich immer wieder zurückkommen kann. Und dann erinnere ich mich nicht nur an den Gedanken, den ich daraus entwickelt habe, sondern an den Moment, in dem er entstanden ist.
Um jedes Wort rankt sich eine kleine Erfahrungs- und Lebenswelt, die mit dem Text fortgeschrieben wird. Ich möchte diese Welten für mich und in mir behalten, also behalte ich die Bücher und Texte. Und manchmal liest ein anderer Mensch etwas davon, denkt über einen kleinen Bruchteil davon nach (wie zum Beispiel hier in diesem Weblog). Dann entsteht ein reales oder virtuelles Gespräch, ein gemeinsames Nach- und Weiterdenken. Das sind die schönsten Momente, in denen ein Text nicht nur ein Bild von mir selbst, sondern auch eines des anderen entstehen lässt. Die Texturen unserer sozialen Beziehungswelten.
Damit die einen lesen und am Gelesenen entlang weiterdenken können, müssen andere schreiben. Sie müssen Geschichten erzählen und Gedanken entwickeln, die uns als Denk- und Fühlimpulse anregen und als Fäden durch Denk- und Gefühlswelten leiten können. Nicht jeder hat die Lust oder die Befähigung zum Schreiben. Aber manche haben sie. Und dann beglücken sie uns mit dem Geschriebenen. Kafka zum Beispiel. Peter von Matt beschreibt in der NZZ, wie Kafkas Texte „die Vollkommenheit des Unfertigen spiegeln“, und dass man nicht verstehen, sondern erleben muss. „Kafka lebte einzig auf diesen Vorgang hin, den Vorgang der Verwandlung seiner Existenz in das Schreibwesen – den Schreibengel oder das Schreibtier.“
Und dabei ist es ganz egal, ob ein Text fertig oder unfertig ist. Es ist die Bedeutung für den Schreibenden, die zählt und die den Engelsschein um den Text hervorbringt, der uns gelegentlich als Strahl der Aufladung oder Erleuchtung trifft. Nicht im Sinne des allgemeingültigen Verstehens. Vielmehr im Sinne des Gefühls, als sei der Text für uns geschrieben, weil er uns etwas bedeutet. Jedem einzelnen oft etwas gänzlich anderes. Aber wenn er uns etwas bedeutet, dann ist es, „als ob der Text nur für uns geschrieben worden wäre. Was er dann tatsächlich ist.“
Wenn Advent schon etwas mit Ankommen zu tun hat, dann könnten es doch auch ein paar Schreibengel sein, die in den kommenden Tagen und Wochen sanft und leise bei uns landen und unsere Gedanken anstupsen. Manche waren schon einmal da und wir haben sie nur nicht erkannt oder wieder vergessen. Manche sind auch zum ersten Mal im Anflug. Aber immer haben sie etwas dabei, was sie uns da lassen. Wir müssen es nur aufgreifen, sehen, erkennen – und lesen.
Mal sehen, was die Schreibengel in der nächsten Zeit bei mir hinterlassen …







“Damit die einen lesen und am Gelesenen entlang weiterdenken können, müssen andere schreiben.”
“The Lion, the Unicorn, and Me”
Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte von Jeanette Winterson mit unglaublich schönen Illustrationen!
Dieses Buch sollte Ihnen ein Engel für die Adventszeit in die Wohnung werfen…
mir hat es ein Lese-Engel eben sogar vorgelesen;-)
Absolutes Must have,
Hier ein kleiner Einblick
http://tinyurl.com/ybaexz6
Es tut gut und “zündet mich an” an diesem “Tag der scheinbaren Unversöhnlichkeit”, wie es sich abzeichnet. Und es freut mich, dass es auch diese Seite in Ihnen gibt und Sie sie aufdecken. Auf dieser Ebene können wir uns begegnen und es versöhnt mit vielen anderen Äusserungen im Blog,nicht von Ihnen, vielleicht auch, die zeigen, wie ambivalent Menschen sind, selbst wenn sie meinen, Engelscharakter zu verdeutlichen. Nun, sie, die Engel, sind halt nicht ganz von dieser Welt, manchmal, ein wenig doch.
So, hier nun der Einblick:
http://tinyurl.com/ybaexz6
…da hatte sich der Engel erst noch geweigert…
Bin schon Curiosissima über:
Mal sehen, was die Schreibengel in der nächsten Zeit bei mir hinterlassen …
weil wie sie sagen: Nicht jeder hat die Lust oder die Befähigung zum Schreiben. Aber manche haben sie…
und viele(ich)freuen sie sehr wenn lesen dürfen.
“Man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”
(Kafka, Brief an Oskar Pollak, 1904)
“Mal sehen, was die Schreibengel in der nächsten Zeit bei mir hinterlassen…”
Hoffen wir, dass die Schreibengel nicht im kommerziellen Adventskubus irrlichtern, sondern ihre Gedanken hier in diesem Blog lassen.
Ich, als bisher fast ausschließliche Leserin, wünsche es mir und werde versuchen, mein Bestes zu “hinterlassen”.
In diesem Sinne:
@allen einen schönen 1. Advent!!!
Das Buch “Der blaue Himmel” von Galsan Tschinag hat immer einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal, da es bei mir nicht nur inhaltich einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Es erinnert mich an Pflichtbewußtsein, U-30 Jugendsünden, jede Menge Spaß und an eine bittere 1:5 Niederlage Deutschland gegen England!
Am 1. September 2001 wurde Galsan Tschinag mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet. Für den Festakt im Historischen Rathaus zu Köln hatte ich eine Einladung und mußte beruflich bedingt zusammen mit einer Mitarbeiterin teilnehmen.
Am gleichen Abend spielte Deutschland gegen England in der WM Qualifikation!
Wie sich rausstellte, war meine Kollegin genauso großer Fußballfan wie ich und dementsprechend gelaunt.
Nach etlichen Reden und mongolischen Musikklängen haben wir uns nach kurzem Blickwechsel unauffällig und nacheinander aus unserer Sitzreihe entfernt, sind mit Abendkleidung und Stöckelschuhen in die nächstbeste Kneipe mit Fußballübertragung eingefallen und haben uns bei Kölsch voll und ganz dem Spiel hingegeben. Das schlechte Gewissen stellte sich erst später ein, so ungefähr gleichzeitig mit der 1:5 Niederlage.
“Der blaue Himmel” hatte ich im Vorfeld gelesen, um mich pflichtbewußt mit dem Preisträger zu beschäftigen.
Heute blättere ich manchmal drin rum, wenn ich das Gefühl habe, ich bräuchte mal wieder mehr unbedachte Momente in meinem Leben, die mit der Zeit verloren gegangen sind und träume davon, in der nächsten unproduktiven Sitzung einfach aufzustehen, nach hause zu fahren und Galsan Tschinag zu lesen!
Der Schreibengel Galsan Tschinag ist sozusagen mein Synonym für Jugend, Konventionslosigkeit, Spaß und Kölsch! ;-)
Ein sehr schöner Text!
Impulsgeber und ‘Schreibengel’ für die laufende reflexive Durchdringung vermeintlicher Begriffssysteme.
“Um jedes Wort rankt sich eine kleine Erfahrungs-und Lebenswelt,die mit dem Text fortgeschrieben wird.”
Freue mich auf das neue Buch von Frau Meckel mit dem Titel :” BRIEF AN MEIN LEBEN.”
Zwischen den Zeilen gelesen zu haben…
…hat auch was mit Reflexivität zu tun.
Ein wirklich schöner Text! :)
Oh ja, die Schreibengel, deren Bücher und Texte berühren.
Ich habe mich heute zum 1. Advent in ein Hörbuch ‚fallen‘ lassen. Die wunderschöne Vorweihnachtsgeschichte von Friedrich Wolf: „Die Weihnachtsgans Auguste“.
Eine Geschichte, die ich immer sehr geliebt habe. Unglaublich wie schnell Kindheitserinnerungen und Emotionen in mir wachgerufen wurden.
…ich weiß nicht ob es Auguste war – aber die Gans bei meiner Schwiegermutter war heute ganz lecker…:-)))
@Ingo, sie war es ganz sicher nicht!:-)))
Auguste ist letztlich an Altersschwäche gestorben und war garantiert ungenießbar:-)))
Dem Engel raucht der Kopf?
Giorgio Agamben nennt Franz Kafka den größten Theologen des 20. Jahrhunderts. Er spricht von den Engeln als “Beamten des Himmels”. Diese Wesensgleichheit von Engeln und Bürokraten habe Kafka mit traumwandlerischer Genauigkeit erfasst, als er “seine Beamten, Boten und Gehilfen als verkleidete Engel auftreten ließ.”
Es ist eine Glaubensfrage, an einen Schöpfergott, Deus otuosus, zu glauben, der die Welt zwar erschaffen hat, sich um sie aber nicht mehr weiter kümmert, oder an den Deus actuosus, der unsere Geschichte bestimmt.
Zur Einstimmung eignet sich die Schrift Agambens mit einer anschließenden umfangreichen Darstellung der Engelskunde- Angelologie- des Thomas von Aquin. (tinyurl.com/yc2pkq6)
Frisch zum Download bereit steht die Predigt von Bishop Richard Chartres, die einen weiten Bogen vom Urknall bis zur Klimakatastrophe spannt und uns sehr beeindruckt hat. (tinyurl.com/y8u94eq)
Eine gesegneten Advent für alle irdischen Engel.
…ich mußte gerade etwas schmunzeln – da ist er nämlich wieder: der Unterschied zwischen Wort/Rede und Schrift/Geschriebenem…
So las ich statt SCHREIB-ENGEL zuerst SCHREI-BENGEL… was ein paar spielende Kinder der Nachbarschaft (nicht dass mich das “Geschrei” stören würde) doch für Assoziationen und Gedanken auslösen können…!
Hätte jemand eine Rede gehalten, wäre dies sicher nicht passiert!
Außerdem:
Mal wieder ein Beweis, dass der Unterschied zwischen einem Engel und einem Bengel nur einen kleinen Buchstaben groß ist. :-)))
Einen schönen Abend und eine schöne Vorweihnachtszeit @ all
… und bei der “wilden Frisur” des Engelchens auf dem Bild, könnte es ja auch fast ein Bengelchen sein… oder!?
:-)))
„Die Texturen unserer sozialen Beziehungswelten.“ Wow!
Mich erinnert das Posting an die Essais von Michel de Montaigne. Unter Wikipedia heißt es: „Mit seinem Hauptwerk, den Essais, begründete der unorthodoxe Humanist Montaigne die literarische Kunstform des Essay, zu Deutsch in etwa „Versuch“. Damit distanzierte er sich bewusst von der klassischen Wissenschaft, seine „Versuche“ sind vielmehr von subjektiver Erfahrung und Reflexion geprägte Erörterungen.“
Es geht laufend um die reflexive Durchdringung vermeintlicher Begriffssysteme in der realen Welt.* Die Virtualität kann dabei helfen.
(*abgeleitet von Horkheimer) ;)
Wenn ich ein gutes Buch lese, entstehen Bilder in meinen Gedanken. Wenn also beispielsweise Kafka schreibt „Ich schaute aus dem Fenster.” regt das auch meine Phantasie an. Denn ich stelle mir vor, wie er aus dem Fenster schaut (Gesichtsausdruck) und was er dort wohl sehen wird. Der Autor wollte damit vielleicht die Gedanken des Lesers fördern, er wollte, dass uns das zum Denken und zu neuen Bildern im Kopf inspiriert.
Manchmal denkt man schneller, als man schreiben kann. Mir geht es oft so, dass ich einen Gedanken gerne festhalten, sprich aufschreiben, möchte und dann, wenn ich die Zeit habe und es anfangen möchte, hab ich den Gedanken schon fast wieder vergessen oder umgeworfen. Man sollte sich viel öfter in Ruhe Gedanken machen und diese einfach aufschreiben. Wenn man sie dann später wieder liest, kommen einem bestimmt neue Ideen, die sich dann ausformulieren liessen … und dann evtl. auch reif wären, aufzuschreiben.
… da hast Du Recht, indem was Du schreibst…
wenn es immer “nur” das Problem wäre, schneller denken als schreiben…
ab und zu rede ich schneller als ich denken kann… dann kommt entweder “Müll” raus oder ich lache dann lauthals selber über mich…
ab und zu passiert’s auch anders herum: da sind in einem Moment so viele Gedanken auf einmal da und die Lippen sind nicht in der Lage den Gedanken schnell genug folgen zu können…
aber passt jetzt eigentlich nicht zum Thema – fiel mir eben nur bei Deinem Beitrag ein!
einen schönen und erfolgreichen Start in die neue Woche @ all
Das Schönste an einem früh dämmernden, mit brummendem Kopfe erlebten Tage, ist die emotionale Auseinandersetzung mit diesen wohl gewählten und feinfühligen Zeilen. Danke!
Es wäre schön wenn wir das wichtige Gedanken schreiben können, es wäre schön danach sich die Zeit zu nehmen um zu analisieren, ich glaube wir wurden dann tiefer leben, nachdenken werden wir noch mehr aber werden wir vielleicht anders reagieren. Das tägliche leben leuft aber ‘leider’ (für mich zumindest) oft wie ein Zug die schnell Fährt und mir bleibt dann nur das carpe diem Prinzip.
@alle buonanotte.
P.S. Morgen habe eine besonders Carpe Diem termine,grrr!
Danke für den Beitrag, Frau Meckel. Wunderbar. Von der ersten Zeile bis zur letzten.Schön dazu auch die Erkenntnis, dass die Gedanken durch Inspiration in Büchern und Texten nie die kritische Masse erreichen. Sondern die Membran dehnt sich immer wieder von selber weiter.
Oh ja, wirklich wahr und schön und vielleicht die Ankündigung eines neuen Blog- Adventskalenders, der letztes Jahr wirklich beglückend und anregend war?! Hoffentlich!!
Das Posting hat mich an Pessoas “Buch der Unruhe” erinnert, das ich Anfang der 90er Jahre gelesen habe (http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/dasbuchderunruhe-r.htm), und das die über 20 Jahre gesammelten und zu Papier gebrachten Gedanken, Assoziationen und Reflexionen des Hilfsbuchhalters Soares bzw. des Autors und seiner verschiedenen Alter Egos (sagt man das so?) wiedergibt. In dem Buch spielt das Schreiben die zentrale Rolle des Lebens für den Schreibenden. Aber es zeigt auch, daß die Kunst oder Sucht, Gedanken zu Papier zu bringen, auch isolieren und bedrücken kann, wenn es nämlich verhindert, daß der Schreibende auch aufnahmefähig für das Leben und die Welt außerhalb der eigenen Person bleibt, ohne ständig in Selbstreflexionen zu verfallen.
Sie schreiben: “Und manchmal liest ein anderer Mensch etwas davon, denkt über einen kleinen Bruchteil davon nach (wie zum Beispiel hier in diesem Weblog). Dann entsteht ein reales oder virtuelles Gespräch, ein gemeinsames Nach- und Weiterdenken. Das sind die schönsten Momente, in denen ein Text nicht nur ein Bild von mir selbst, sondern auch eines des anderen entstehen lässt. Die Texturen unserer sozialen Beziehungswelten.” Absolut! Das ist wirklich das größte Glück! Umso enttäuschender mitunter, wenn man dann merken muß, daß manches, was geschrieben wird und manches, was gelesen wird, tasächlich die eigene Gedankenwelt des Gegenübers nicht verläßt bzw. dort nicht ankommt, daß also ein wirklicher Austausch der Gedanken nicht stattfindet. Oder daß das Schreiben des Gegenübers nicht wahrhaftig ist. Mir als sachlicher Krämerseele geht es dann schnell so, daß ich mich, um es mal böse auszudrücken, als Auffangeimer für Wortdiarrhoe mißbraucht fühle. Aber dann merke ich wieder, daß man keinen Anspruch auf Geschenke der Kreativität hat, und so das Glück genießen darf, wenn man sich verstanden fühlt und dabei hinnehmen muß, oft vieles nicht zu verstehen und auch nicht verstanden zu werden. Vermutlich so wie jetzt… :)
P.S.: Wünsche allen, die heute offenbar vor wichtigen Aufgaben stehen, viel Erfolg! In bocca al lupo!
Eigentlich sind Worte wie Musik und Sprache getanzte Gedanken!
Da ich nahezu den ganzen Tag spreche, finde ich es abends eine schöne Vorstellung, ich hätte den ganzen Tag getanzt
;-)
So, jetzt muß ich zurück auf die Tanzfläche…
E chliner Gruss vum Schrieb-Ängeli, könnte auch von einem Delfin sein. Als gewünschter Denkanstoss. Er lautet: “Durch unsere Entscheidungen definieren wir uns selbst. Allein durch sie können wir unseren Worten und Träumen Leben und Bedeutung verleihen. Allein durch sie können wir aus dem, was wir sind, das machen, was wir sein wollen.”
“Es kommt eine Zeit im Leben, da bleibt einem nichts anderes übrig, als seinen Weg zu gehen…” Sergio Bambaren Der träumende Delfin
@urs
für mich ein sehr berührendes Buch
der Delphin der erkennt dass Freiheit des Geistes dass größte Gut ist nach dem man streben kann
Wellen schäumen an den Strand, Harfenklänge mischen sich in die sprühende Gischt und dann sind sie da, diese unerklärlich anziehenden, so fremden und doch so vertrauten Geräusche: Ein lang gezogenes Quäken, ein Keckern und Quieken. Delphine! In die Geräuschkulisse, die auf Meer, Wellen und ihre faszinierenden Bewohner einstimmt, mischt sich die dunkle, sonore Stimme von Markus Hoffmann. Der Schauspieler und Sprecher, der auf dieser CD auch Regie und Aufnahmeleitung übernommen hat, liest die ungekürzte Fassung Der träumende Delphin von Sergio Bambaren. Der peruanische Autor ist selbst begeisterter Surfer und die Hauptfigur seiner Erzählung teilt diese Leidenschaft.
Daniel Alexander Delphin liebt es, sich in salzige Fluten zu stürzen, das perfekte Timing zu finden, den Wellentunnel zu erwischen — Traum aller Surfer. Doch ist es keineswegs nur die Lust am sportlichen Geschick, welche hier einen übermütigen jungen Delphin zu immer kühneren Taten treibt. Es ist vielmehr eine magische Reise zu sich selbst, die ihn bewegt. Wenn er auf den Wellen reitet, kommuniziert er auf ganz besondere Weise mit dem Meer, erfährt von seiner Weisheit und erkennt den eigentlichen, den wahren Sinn seines Seins.
Sein Schwarm steht diesem scheinbar eitlen Tun skeptisch gegenüber. Daniel Alexander soll lieber sinnvolle Dinge tun. Fischen statt Träumen! Doch ihn zieht es fort in die Welt. Zu Hai, Wal und Sonnenfisch. Auf der Suche nach der perfekten Welle. Er will seine Träume leben.
“Wenn er auf den Wellen reitet, kommuniziert er auf ganz besondere Weise mit dem Meer, erfährt von seiner Weisheit und erkennt den eigentlichen, den wahren Sinn seines Seins.”. Ist es nicht das, was es jetzt braucht, indem wir auf Wellen reiten, denen des Lebens, und von dort die Weisheit erfahren, die wir brauchen, um den Sinn zu erkennen, nachdem alle anderen Angebote sich als Talmi erwiesen haben? Verlassen wir damit nicht diese Ängstlichkeit, wie sie in der gestrigen Abstimmung Ausdruck fand? Ist der Rückgriff auf sich selbst und das Vertrauen in die Texte, “Denk- und Gefühlsweltfäden”, die aus der gedanklichen Verschränkung entstehen und somit ein Netz spinnen, dessen Stärke uns hilft, die Unsicherheit auszuklammern und an die Tragkraft jener Ideenwelt zu glauben, die Möglichkeit, die Annahme des “anders-sein” als Bereicherung zu erleben? Ist jenes Eintauchen in das Unbekannte, die Sinnhaftigkeit der Zeit zwischen Geburt und Tod, um das Erlebte mitzuteilen, als Angebot, gleiches zu tun? Denkanstösse, um sie weiterzuspinnen für den “Stapel” in der Wohnung?
Wer das Christkind am Heiligen Abend (2008) blitzen lässt http://www.miriammeckel.de/2008/12/24/advent-advent-was-zeit-erkennt-24/ , der darf sich über Schreibengel nicht wundern („Und wenn man einmal sein Blitzen erkannt hat, sieht man es gelegentlich wieder im Auge eines anderen“).
Wer von sich gibt, läuft Gefahr, viel zu verlieren. Aber manchmal bekommt man viel mehr zurück als man begreifen kann.
Im Moment ist mir das Lesen wichtiger als das Schreiben. Diese Phase wird dann abgeschlossen, wenn ich meinen Büchervorrat abgearbeitet habe, also ungefähr in 3 Jahren und 2 Monaten(vorausgesetzt, es kommen keine neuen Bücher hinzu). Naja, vielleicht mache ich auch eine kleine Lesepause, so in einem Jahr ….
“Ohne Abhängigkeit gibt es kein Glück. Man muß eine große Liebe auch ertragen lernen.”
Connie Palmen
Mein Beitrag fürs 1. Adventstürchen steht ganz unter dem Motto “Toleranz und Miteinander”.
Ein Text aus einem der schönsten Bilderbücher, die ich kenne. Und meinen Neffen und Nichten habe ich es stets in die Wiege gelegt;-)
Irgendwie anders
http://tinyurl.com/yjspqm3
Auf einem hohen Berg, wo der Wind pfiff, lebte ganz allein und ohne einen einzigen Freund. Irgendwie Anders.
Er wusste, dass er irgendwie anders war, denn alle fanden das. Wenn er sich zu ihnen setzen wollte. Oder mit ihnen spazieren gehen. Oder mit ihnen spielen wollte, dann sagten sie immer: “Tut uns leid, du bist nicht wie wir. Du bist irgendwie anders. Du gehörst nicht dazu.”
Irgendwie Anders tat alles, um wie die anderen zu sein.
Er lächelte wie sie und sagte “hallo”.
Er malte Bilder.
Er spielte, was sie spielten (wenn er durfte).
Er brachte sein Mittagessen auch in einer Papiertüte mit.
Aber es half nichts.
Er sah nicht so aus wie die anderen und er sprach nicht wie sie.
Er malte nicht so wie sie.
Und er spielte nicht so wie sie.
Und was er für komische Sachen aß!
“Du gehörst nicht hierher”, sagten alle. “Du bist nicht wie wir, du bist irgendwie anders!”
Irgendwie Anders ging traurig nach Hause. Er wollte gerade schlafen gehen, da klopfte es an der Tür. Draußen stand jemand – oder etwas.
“Hallo!” sagte es. “Nett, dich kennen zu lernen. Darf ich bitte reinkommen?”
“Wie bitte?”, sagte Irgendwie Anders.
“Guten Tag!”, sagte das Etwas und hielt ihm die Pfote hin – das heißt, eigentlich sah sie mehr wie eine Flosse aus.
Irgendwie Anders starrte auf die Pfote. “Du hast dich wohl in der Tür geirrt”, sagte er.
Das Etwas schüttelte den Kopf. “Überhaupt nicht, hier gefällt’s mir. Siehst du…”
Und ehe Irgendwie Anders auch nur bis drei zählen konnte, war es schon im Zimmer…
… und setzte sich auf die Papiertüte. “Kenn ich dich?”, fragte Irgendwie Anders verwirrt.
“Ob du mich kennst?”, fragte das Etwas und lachte. “Natürlich! Guck mich doch mal ganz genau an, na los doch!”
Und Irgendwie Anders guckte. Er lief um das Etwas herum, guckte vorn, guckte hinten.
Und weil er nicht wußte, was er sagen sollte, sagte er nichts.
“Verstehst du denn nicht!”, rief das Etwas. “Ich bin genau wie du! Du bist irgendwie anders – und ich auch.”
Und es streckte wieder seine Pfote aus und lächelte. Irgendwie anders war so verblüfft,
dass er weder lächelte noch die Pfote schüttelte.
“Wie bin ich?” sagte er. “Du bist doch nicht wie ich! Du bist überhaupt nicht wie irgendwas, das ich kenne. Tut mir leid, aber jedenfalls bist du nicht genauso irgendwie anders wie ich!” Und er ging zur Tür und öffnete sie. “Gute Nacht!”
Das Etwas ließ langsam die Pfote sinken. “Oh!”, machte es und sah sehr klein und sehr traurig aus. Es erinnerte Irgendwie Anders an irgendwas, aber er wusste einfach nicht, woran. Das Etwas war gerade gegangen, da fiel es ihm plötzlich ein.
“Warte!”, rief Irgendwie Anders. “Geh nicht weg!” Er rannte hinterher, so schnell er konnte. Als er das Etwas eingeholt hatte, griff er nach seiner Pfote und hielt sie ganz, ganz fest. “Du bist nicht wie ich, aber das ist mir egal. Wenn du Lust hast, kannst du bei mir bleiben.”
Und das Etwas hatte Lust. Seitdem hatte Irgendwie Anders einen Freund.
Sie lächelten und sagten “hallo”.
Sie malten zusammen Bilder.
Sie spielten das Lieblingsspiel des anderen – jedenfalls probierten sie es…
Sie aßen zusammen.
Sie waren verschieden, aber sie vertrugen sich.
Und wenn einmal jemand an die Tür klopfte, der wirklich sehr merkwürdig aussah, dann sagten sie nicht “Du bist nicht wie wir” oder “Du gehörst nicht dazu”. Sie rückten einfach ein bisschen zusammen.
Von den Schreibengeln Kathryn Cave und Chris Riddel
… wenn die Realität nur immer so einfach wäre, wie es in einer Geschichte sein kann…
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Nie war ICH ein Schreibengel. Nie wollte ich intime und meine Gedanken preisgeben. Jetzt habe ich einen blog, meinen blog. Er vermischt meine Träume, meine Gefühle, meine Gedanken, mein Leben… zu mir. Vielen Dank für diesen wundervollen blog und seine Intimität, die mir gefällt.
Maya.
[...] Die Schreibengel: Miriam Meckel über Lesen und Schreiben, Gedanken und Erinnerungen. «Wenn Advent schon etwas mit Ankommen zu tun hat, dann könnten es doch auch ein paar Schreibengel sein, die in den kommenden Tagen und Wochen sanft und leise bei uns landen und unsere Gedanken anstupsen.» [via: Blogbibliothek] [...]