MM_Jaspers
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1. Dezember 2009, 8:23 Uhr, Geschrieben von Miriam Meckel

Advent (1) Suchen

foer

Dieses Buch beginnt für mich am Ende. Auf den letzten Seiten, auf denen das Bild des fallenden Menschen – „Falling Man“ – abgebildet ist. Eines der Menschen, die am 11. September 2001 vom World Trade Center gesprungen sind. Die nicht sterben wollten in den brennenden Türmen und doch wussten, dass sie sterben müssen. Die vielleicht lieber fallen wollten, als von den Türmen begraben zu werden. Was wissen wir?

Ich war knapp drei Wochen nach dem Anschlag in New York. Ich habe es nicht geschafft, zu Ground Zero zu gehen. Aber ich habe versucht, mich der Stelle zu nähern, diesem klaffenden Loch im Herzen der Stadt. Auf dem Weg durch Soho habe ich eine kleine Kunstgalerie entdeckt, zwei verbundene Räume, deren Wände vollkommen mit Fotos bedeckt waren. Laienfotos, allesamt gemacht am 11. September. Ich bin in die Galerie gegangen und habe mir die Fotos angesehen. Bilder, die echte Menschen zeigen. Darunter auch von den „Falling Men“. Vor einem dieser Bilder bin ich lange stehen geblieben, ich habe mich einfach nicht abwenden können. Dann trat ein alter Mann neben mich und betrachtete mit mir das Foto. Bevor er sich wieder zum Gehen wandte, sagte er: „They look like birds. But they’re not. Isn’t that something.“

Auf den letzten Seiten dieses Buches fällt der Mensch den Himmel hinauf. Wie ein Vogel, der in die Höhe steigt. Das bemerkt man erst, wenn man die Seiten wie ein Daumenkino schnell durch die Finger blättern lässt. Tatsächlich … Er fällt nicht nach unten. Er fällt nach oben.

Vielleicht hätte sich das der neunjährige Oskar Schell gewünscht, der seinen Vater am 11. September 2001 verloren hat. Er ist sozusagen live dabei, als sein Vater zwischen den Türmen verloren geht. Alleine zuhause, neben dem Telefon, an dem soeben ein Anrufbeantworter anspringt, auf dessen Band sein Vater eine Nachricht hinterlässt. „Es war 10:26:47 Uhr. Ich schaute auf die Nummer des Anrufers und sah, dass er es war.“ „Bist du da?“ sagt der Vater. Elf Mal. Und Oskar kann nicht abnehmen. Er kann einfach nicht.

Das Buch nimmt uns in Text, Bildern, Fragmenten und Bearbeitungen mit bei seiner wilden, wundersamen, verschlungenen Schnitzeljagd auf der Suche nach dem Grund. Warum musste sein Vater sterben? Auf Seite 23 hat Oscar einen Satz rot umkringelt. „Wir hören nicht auf zu suchen.“

Jonathan Safran Foer: Extrem laut und unendlich nah.

Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2005.

37 Reaktionen

  1. 1. Dezember 2009, 8:26 Uhr, von Dowanda Gefällt 2 Lesern
    01

    Oh, wieder ein Kalender!! Vielen Dank! Das ist ein Luxus.

    Es war seltsam in diesem September am Ground Zero zu stehen und in das Loch zu starren, aus dem wieder ein Gebäude zu wachsen beginnt.

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  2. 1. Dezember 2009, 11:01 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    02

    “Wir hören nicht auf zu suchen.”

    Dies verbindet alle Menschen. Wir suchen nach einem Bild der Welt, das wir festhalten können und an dem wir uns festhalten.
    Mit dem 11. September 2001 ist dieses Bild für viele Menschen in den USA und darüber hinaus zerbrochen. Die Ereignisse haben uns gezeigt wie vergänglich und zerbrechlich auch die mächtigsten Türme sind und wie wertvoll dagegen eine Menschenleben. In der Konfrontation mit dem Schrecklichen erhält die Würde des Menschen einen neuen tieferen Sinn.

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  3. 1. Dezember 2009, 11:25 Uhr, von Urs Bürgi Gefällt 3 Lesern
    03

    “Er kann ein Großer werden – oder scheitern
    Denn Obamas Doppelbeschluss, gefunden nach Wochen oft solitären Grübelns im elften Monat seines ersten Amtsjahres, wird die amerikanische Nation aufwühlen. Die militärische Aufrüstung am Hindukusch, aber auch die ökologische Umrüstung daheim – beide Missionen bestimmen vielleicht über das Schicksal dieses Präsidenten. Er kann ein ganz Großer werden. Oder scheitern.” (Zitiert aus SZ, Meinung, “Es wird einsam um Obama”.)
    Da sucht auch jemand seinen Weg. Wieder sind es die USA, die Gefahr laufen,zu scheitern mit ihrer vermeintlichen Grösse, Macht und Stärke, glauben, den Weg für sich und andere bestimmen zu können und übersehen, dass das Weiche siegt, das Flexible, das Wasser, nicht der Fels, nicht die Härte, nicht der Krieg. Nichts kann man festhalten, nur ständig sich anpassen an die Veränderung, an der man mitwirkt und von der man bewegt wird. Andere wiederum suchen nach ihrer Indentität und übersehen, dass auch sie keine feste Grösse, kein “tower”, keine Statue ist, sondern derselben Gesetzmässigkeit unterliegt, sich stets neu zu finden in der Vernetzung mit jenen, die anders sind.

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    • 1. Dezember 2009, 12:13 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
      03.1

      Schön formuliert Urs Bürgi.
      Barack Obama traue ich zu beides zu sein, Härte und Weichheit. Er geht seinen schweren Weg, für den er hart kämpfen musste, mit dem Selbstauftrag, sein Land und die ganze Welt zu verändern. Dazu will er Hoffnung wecken und erfüllen, Hope und Change waren und sind seine Botschaften. Den Friedensnobelpreis hat er für sein großes Projekt teilweise auch als Vorschuss erhalten, da allein die Hoffnung auf einen Wandel zum Besseren, bereits Menschen in ihrem Reden und Handeln verändern kann. Wir leben auch und nicht zuletzt von der Hoffnung.
      Barack Obama ist kein Messias, seine Suche nach einer besseren und friedlicheren Welt nehem ich ihm allerdings ab. Sein Dilemma liegt darin, dass er glaubt, nur mit einem Krieg in Afghanistan den Terrorismus entscheidend schwächen zu können. Es wird keinen Frieden geben, wenn die gewaltbereiten Taliban ihn nicht wollen. Eine der beiden Seiten wird anfangen müssen abzurüsten und aufzuhören mit dem Kämpfen und Töten. Andernfalls werden wir wie bisher vergeblich nach dem Frieden suchen.

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  4. 1. Dezember 2009, 12:19 Uhr, von Fabian Gefällt 18 Lesern
    04

    Entschuldigung, aber ich finde diesen Text ebenso dispektierlich wie die Fotos und die Nahaufnahmen der Videokameras die von den “Falling Men” gemacht worden sind. Kenne jemanden, der dort oben qualvoll umgekommen ist. Ich weiß nicht, wie ich dort oben – bar jeder Hoffnung – reagiert hätte, aber ich wäre sicherlich nicht gerne bei meinem Sprung gefilmt oder fotografiert worden und sicherlich nicht gerne als “Vogel” tituliert worden. Nun ja, aber alles Leid muss ja heutzutage irgendwie medial “verarbeitet” werden. Ich finde man sollte zu manchen Dingen auch einfach mal schweigen.

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    • 1. Dezember 2009, 14:16 Uhr, von Ela Gefällt 7 Lesern
      04.1

      @ FABIAN
      Offen die Wunden und Tag um Tag neu aufgerissen. Das Menschenbild zerfetzt von den Tätern, erlitten von den Opfern und in beiden der Atem der Welt erstickt. Würde Schweigen denn heilen?

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      • 1. Dezember 2009, 15:16 Uhr, von Fabian Gefällt 6 Lesern
        04.1.1

        Nein, aber es geht hier um die Art und Weise der Anteilnahme, die Form des Daumenkino-Erlebnisberichts empfinde ich als unpassend.

  5. 1. Dezember 2009, 12:22 Uhr, von Fabian Gefällt 5 Lesern
    05

    Entschuldigung, despektierlich. Würde dem Mann auch gerne antworten: “Isn’t that disrespectful?”

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  6. 1. Dezember 2009, 12:35 Uhr, von Urs Bürgi Gefällt einem Leser
    06

    Danke für’s Lob, Walter. Die Briten haben in Afghanistan verloren, die Sowjetunion musste nach 15’000 Toten und gleicher Anzahl Verwundeter mit 115’000 Soldaten Besatzung, dem Vernehmen nach,abziehen, die Franzosen hatten in Algerien zuletzt 600’000 Soldaten stehen, wer wird demnach anfangen müssen, aufzuhören? Die Auffassung, Frieden herbei”kriegen” zu können, wird scheitern. Japan konnte “gezwungen” werden, zu kapitulieren, aber nicht eine Guerilla, zumal dort die “Freiheit”, aus deren Sicht, und ein “Gottesauftrag” Motiv sind. Welche Motive haben westliche Soldaten? Der Friede muss nicht gesucht,er muss gewollt werden, dann findet man ihn, auch als Nobelpreisträger in spe.

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  7. 1. Dezember 2009, 13:18 Uhr, von Ramona Gefällt 5 Lesern
    07

    Hier will eine Schreibengel unsere Gedanken anregen und etwas bei uns hinterlassen. Vielen Dank dafür:-)

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  8. 1. Dezember 2009, 14:40 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
    08

    Der 11. September 2001 ist laufend ein Thema, für meinen Geschmack auch manchmal zu häufig. Mit dem „Falling Man“ möchte ich mich nicht befassen, das ist alles tragisch genug, was damals passiert ist. Und er hätte es – da schließe ich mich @Fabian an – möglicherweise gar nicht gewollt, wenn sein Schicksal und das seiner Familie dermaßen verbraten worden wäre.

    Ich mag Schicksalsgeschichten nicht, die auf dem Rücken anderer, die sich nicht mehr äußern/wehren können, ausgetragen werden. Wenn jemand für sich entscheidet, persönliche Ereignisse/Schicksalsschläge zum Thema machen zu wollen, dann ist das ok; für die Leser kann es eine Bereicherung sein. Aber bitte nicht mehr hier bei 9/11.

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  9. 1. Dezember 2009, 15:31 Uhr, von Noisa Gefällt 3 Lesern
    09

    „Wir hören nicht auf zu suchen.“ ist für sich betrachtet ein toller Satz. Der hätte auch gut zu dem vorherigen Posting gepasst. :)

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  10. 1. Dezember 2009, 16:11 Uhr, von Urs Bürgi Gefällt einem Leser
    010

    Verhältnismässig lustig ist noch das Ostereiersuchen, schon weniger entspannend das Suchen nach Weihnachtsgeschenken und mehr als fragwürdig die Suche einer Antwort auf die Frage des Herrn Sarkozy: was ist ein Franzose? Oder ist das unklar? Offensichtlich. Zieht in den Köpfen mancher Zeitgenossen ein Hauch von Philosophie ein, oder stellen sie sich selbst in Frage, wer bin ich? Weder, noch. Es ist wohl mehr der verkappte Beginn, dort wieder anzufangen, worunter Europa so gelitten hat. Es ist nicht die Suche nach dem Verbindenden, sondern der Versuch, Gräben und Mauern zu errichten, Kolonialismus im eigenen Land, in der “Grande Nation” zu “restaurieren”. Die Identitätskrise scheint auf- und auszubrechen, nachdem die Finanzkrise die Suche und das Finden des “ewigen Glücks” als Irrtum decouvrierte. Es wird höchste Zeit, ein paar Lichter anzuzünden, um den richtigen, nicht den rechten Weg zu finden. Früher gab’s den Stern von Betlehem, aber der scheint verglüht zu sein, oder?

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  11. 1. Dezember 2009, 16:12 Uhr, von Cate Gefällt 3 Lesern
    011

    Es ist ein seltsamer Zug von uns Menschen. Wir können nicht aufhören hinzustarren, das Elend anzuglotzen, gleichwohl es uns im nächsten Moment beschämt. Ich finde es schwierig, das moralisch zu bewerten. Es ist nicht so leicht, schon gar nicht in einem Fall wie dem des 11. September, dieses Verhalten zu kontrollieren. Es ist so irrational. Es schert sich nicht um rationale Moralbegriffe. Es ist vielleicht ein Instinkt, der sicher auch nicht die Erfindung der Medien ist, die ihn eher nur aufgreifen. Vielleicht hat es etwas mit der Anziehungskraft zu tun, die gleichsam von Dingen ausgeht, die wir fürchten. Warum ziehen sie uns an? Warum wenden wir uns nicht einfach von ihnen ab? Warum starre ich auf Bilder von verunglückten Flugzeugen, lese Absturzstatistiken und sehe mir abstruse Katastrophenfilme an, wenn ich gleichzeitig schreckliche Flugangst habe? Was verspreche ich mir denn davon? Hoffe ich darin ein Geheimnis zu entdecken, mit dessen Hilfe ich mich für immer von diesem Unheil fernhalten kann? Ein rationaler Ansatz für etwas so irrationales wie der unglückliche Zufall, der zum Tode von Menschen führt?
    Oder vielleicht will man sich nur vergewissern und etwas Unvorstellbarem, für das man in der eigenen Phantasie keine Bilder findet, ein Gesicht zu geben. Ich sage nicht, das ist legitim oder zu verachten. Ich bewerte es gar nicht. Dazu ist es doch zu komplex, finde ich.
    Ich habe mir auch Bilder und Videos angesehen. Und die sind jetzt da. Die gehen nicht wieder weg. Das ist dann eben der Preis, den man zahlt.

    Warum Menschen im WTC aus dem Fenster gesprungen sind? Vielleicht deswegen:

    “Sometimes I wish for falling
    Wish for the release
    Wish for falling through the air
    To give me some relief
    Because falling’s not the problem
    When I’m falling I’m in peace
    It’s only when I hit the ground
    It causes all the grief”
    (Florence and the Machine: Falling)

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    • 1. Dezember 2009, 17:40 Uhr, von Walter Gefällt 3 Lesern
      011.1

      Es ist wohl eher Schrecken als Scham, der uns abhält diese Bilder anzuschauen. Sobald wir einen Menschen in tödlicher Bedrohung erkennen, beziehen wir diese Bedrohung auf uns selbst. Eine durch Spiegelneurone vermittelte, dem Menschen angeborenen Eigenart zwingt uns, uns selbst in dieser Lage zu sehen.
      Der Esquire hat acht jahre nach dem 11. September noch einmal an diese Ereignisse mit diesem Foto und dessen Beschreibung erinnert. (esquire.com/features/ESQ0903-SEP_FALLINGMAN)

      Ich finde wir sollten selbst entscheiden, wie sehr wir uns dieser Situation aussetzen. Diese Ereignisse waren keine Privatsache und diese Tode waren öffentliche Tode. So schrecklich die Bilder sind, sind sie vor allem eine Mahnung und eine Erinnerung an die Wirkung des Terrors.

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      • 1. Dezember 2009, 18:28 Uhr, von Katja Owl Gefällt einem Leser
        011.1.1

        Mmh, ich weiß nicht, ob es die durch Spiegelneurone, mir angeborene Eigenart war, die mich heute morgen, als ich das Posting las, das fühlen ließ, was ich fühlte und was kein glückliches Gefühl war… ich glaube man nennt es Empathie, die mich mitfühlen ließ….:) Mit dem in Panik Sterbenden und noch mehr mit dem kleinen Sohn und all den anderen Angehörigen. Ich war traurig und auch ein bißchen wütend, daß uns MM nach den hoffnungsvoll und positiv stimmenden Türchen des letzten Jahres heute mit so einem Posting konfrontiert, obwohl ich doch wieder so Schönes wie letztes Jahr erhofft hatte.

        Ich hätte solch ein Posting nicht geschrieben, auch hätte ich weder solche Fotos gemacht noch veröffentlicht, wenngleich ich weiß, daß Fotografen, schauen sie durch die Linse, gewissermaßen einen Tunnelblick bekommen und bekommen müssen. Ja, die Ereignisse waren öffentlich, ich selber würde der Veröfftlichung von Fotos meines Todes oder der öffentlichen Nennung meines Namens in entsprechenden Trauerfeier nie zustimmen und habe meine Angehörigen entsprechend informiert.

      • 1. Dezember 2009, 21:42 Uhr, von Fabian Gefällt 12 Lesern
        011.1.2

        “diese Tode waren öffentliche Tode” – wenn du das sagst Walter…

        Ich habe eine andere Meinung: Nicht alles, was in der Öffentlichkeit stattfindet, ist gleich öffentlich – und das ist gut so.

      • 1. Dezember 2009, 23:10 Uhr, von Walter Gefällt 3 Lesern
        011.1.3

        Öffentliche Tode- weniger weil diese Menschen in der Öffentlichkeit auf schreckliche Weise gestorben sind, sondern weil sie öffentlich getötet wurden, stellvertretend für alle anderen Menschen in den Vereinigten Staaten und in der westlichen Welt.
        Die Anschläge in Madrid und London in der Folge zeigten, dass alle Menschen gemeint waren, in den Vorortzügen, der U-Bahn, Bussen, überall und zu jeder Zeit. Wir sollten uns nicht mehr sicher fühlen können. Die Selbstmordattentäter nahmen auch in Kauf, dass Muslime unter den Opfern waren. Der Terror pervertiert seine Ziele.
        Es hätte damals jeden und jede treffen können. Dies Anonymität und Wahllosigkeit lässt uns sprachlos zurück, wenn wir versuchen nach nach Gründen zu fragen. Es gibt keine Gründe, nur Motive wie Hass und Fanatismus, wenn Menschen außer sich geraten.

    • 1. Dezember 2009, 18:43 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
      011.2

      Spiegelneurone sind sehr wahrscheinlich die neurobiologische Grundlage für Empathie Katja Owl.

      Antworten
  12. 1. Dezember 2009, 17:50 Uhr, von Spätzly
    012

    Warum springt ein Mensch in den Tod? Weil er Angst vor einem qualvolleren Tod hat? Kann man in so einer Situation überhaupt eine begründete Entscheidung treffen?

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  13. 1. Dezember 2009, 18:19 Uhr, von MESM Gefällt einem Leser
    013

    I visited New York a year after 9/11 and didn’t go to “Ground Zero� either, it was just too much. I did what I always do, I went to the cinema. It always takes at while before Hollywood and the American film industry can cope with national disasters, 9/11 is no exception, so up to this point not many movies about the subject have been made.
    For those of you who want to watch a movie and at the same time would like to get different perspective on why the “Twin Towers� became symbols of prosperity and adventure I can recommend this .

    Antworten
  14. 1. Dezember 2009, 18:21 Uhr, von MESM
    014
    Antworten
  15. 1. Dezember 2009, 18:42 Uhr, von Noisa
    015

    „Twin Towers“, was einem alles dazu einfällt. Ich hab Salz- und Pfeffersteuer, die so heißen. Die Design-Teile werden wohl schon weit vor September 2001 nicht mehr produziert. Jedes Mal, wenn mir die in die Hände fallen, muss ich an das schlimme Ereignis denken und auch daran, dass mich fremde Menschen über den Terroranschlag damals informiert hatten, mit denen ich dann an dem Vormittag sprachlos vor deren Fernseher stand…

    Jetzt aber genug gebloggt, ich wünsche einen netten Abend! :)

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  16. 1. Dezember 2009, 19:16 Uhr, von Larah Gefällt einem Leser
    016

    Ich glaube wir suchen immer noch nach dem Grund, wieso ausgerechnet unsere Freunde or who ever bei diesem Anschlag draufgehen mussten. Für mich war es der bisher schlimmste Tag in meinem Leben. Ich hatte ein Jahr in den Staaten verbracht und kurz danach eine neue Stelle in unserer Firma angetreten und war stolz wie Oskar (nicht wie der oben im Text) :-), als ich eine Mail einer Freundin bekam, in der stand, dass die Towers brennen würden…. Über den Rest möchte ich mich hier nicht weiter auslassen. Hierüber ein Buch zu schreiben mit Bildern finde ich disgusting. Da wird mal wieder aus einer Tragödige Profit geschlagen …

    Antworten
    • 1. Dezember 2009, 21:51 Uhr, von MPF
      016.1

      Kennst du das Buch denn? Glaub net, oder? ;-)

      Antworten
      • 1. Dezember 2009, 22:15 Uhr, von Larah
        016.1.1

        Klar kenn ich es! Was ich total konfus fand: Der Autor schreibt fast nur in den “erâ€? oder “sieâ€?-Formen, statt die Namen der Figuren zu nennen. Mir war da oft “net” (ist das schwäbisch??) klar, wer jetzt was sagt oder was denkt. :-)

    • 1. Dezember 2009, 23:17 Uhr, von Miriam Meckel Gefällt 6 Lesern
      016.2

      also … wenn man dem buch eines nicht vorwerfen kann, dann dass es aus der tragödie profit schlägt. ich glaube auch nicht, dass es wirklich möglich ist, das buch so misszuverstehen. es sei denn, man möchte das.

      Antworten
  17. 1. Dezember 2009, 23:04 Uhr, von Martina Gefällt einem Leser
    017

    …Bildern, Fragmenten und Bearbeitungen mit bei seiner wilden, wundersamen, verschlungenen Schnitzeljagd auf der Suche nach dem Grund.

    “Tears of a child”

    (www.nibis.de/nli1/chaplin/materialien/kriege_2/plaed.html)

    @alle buonanotte

    Antworten
  18. 2. Dezember 2009, 8:52 Uhr, von Martina Gefällt 4 Lesern
    018

    Das schlimmste Gefühl, wenn ich jemand sterben sehen wurden ist: dass ich nichts tuen könnte um das zu vermeiden.
    Dem Tot hat sein Gesicht und in die schlimmste Fälle lasst und ohne Worte und einsam, jeder kann interpretieren wie er möchte, immer aber mit Respekt.  

    Antworten
  19. 2. Dezember 2009, 16:08 Uhr, von Maya
    019

    Dieses Buch. Es bewegt. Es haftet. Nicht nur der Inhalt. Das Layout. Die Sprache. Die Fotos. Es stand 1 Jahr in meinem Regal. Vor ca. 2 Wochen las ich es. Und fühle jetzt noch meine Gefühle während des Lesens.

    Das Buch hat meine Seele berührt…

    Maya.

    Antworten
  20. 2. Dezember 2009, 16:16 Uhr, von Maya
    020

    Das Buch nochmal. Wie kann man als kleiner Hosenscheisser nur solch quer-denkende-rotzfreche Gedanken haben?

    Problem ist, quer-denken macht einsam.

    Den würde ich trotzdem gerne REAL kennen lernen.

    Antworten
  21. 2. Dezember 2009, 22:29 Uhr, von karin
    021

    :)

    Antworten
  22. 3. Dezember 2009, 12:30 Uhr, von Walter Gefällt einem Leser
    022

    Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.
    Ingeborg Bachmann

    Die grobgerasterten Fotos auf den letzten Seiten zeigen im Daumenkino wie ein vogelähnliches Wesen nach oben fällt oder eben fliegt, als sei die Schwerkraft umgekehrt. In Richtung des Himmels als Zeichen eines geschlossenen Friedens mit der Erinnerung und ihren Zweifeln. Im christlichen Sinn als Hoffnung auf die Überwindung des Todes in der Auferstehung. Dies ist einem Neunjährigen, der aus lauter Angst nicht mehr wagte seinem vom Tode bedrohten Vater zu antworten durchaus zuzutrauen und sogar zu wünschen.

    Antworten
  23. 3. Dezember 2009, 17:35 Uhr, von Charlotte Gefällt 4 Lesern
    023

    Ich habe den Roman 2005 bei Erscheinen gelesen. Interessanterweise – und das spricht für das Buch – war nach dem Lesen des Postings mein Leseeindruck wieder so lebendig, als hätte ich die Lektüre eben erst abgeschlossen. Für mich war es formal und inhaltlich eindrucksvoller Roman; ich denke nicht, dass man Foer unterstellen kann, er würde mit diesem sehr reflektierten Buch Profit aus der Katastrophe ziehen.

    Dem ganzen Roman merkt man an, dass den Autor zwei Fragen umtreiben: Ist es moralisch erlaubt, über ein solches Ereignis einen fiktiven Text zu schreiben? Und wenn ja: Wie kann man ein solches Grauen mit den Mitteln der Fiktion beschreiben?

    Foer verzichtet darauf, das eigentliche Ereignis zu schildern. Er nimmt sich Zeit für die Schilderung der Trauer in all ihren Nuancen. Und er wählt bewusst den Blick eines kindlichen Erzählers, mit all den Möglichkeiten und Grenzen die diese Perspektive für sein Erzählen bedeutet.

    Das erwähnte “Daumenkino”, das dem Roman hier in der Diskussion im Blog einige Vorwürfe eingebracht hat, wird im Roman übrigens ganz behutsam und schlüssig als Trauerarbeit des kleinen Oscar eingeführt: Er will verstehen, was passiert ist, lädt sich Bilder der fallenden Türme aus dem Netz, vergrößert sie, druckt sie aus, sieht sie wieder und wieder an. Durch die Rückwärtsanordnung der ausgedruckten und in sein Tagebuch eingeklebten Bilder gelingt es dem Kind, den Gedanken festzuhalten, der es die ganze Zeit beschäftigt: Was wäre, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte? Diese Frage steht im Zentrum des Romans. Die entgegen der tatsächlichen Reihenfolge gestellten Bilder illustrieren also ein ganz zentrales Moment und sind keineswegs bloße Effekthascherei.

    Überhaupt ist sich Jonathan Safran Foer sehr bewusst, dass er mit diesem Roman eine große Frage berührt: Darf und kann man ein solches Ereignis wie den 11. September beschreiben? Sie erinnert an Debatten, die Jahrzehnte zuvor geführt worden sind: Darf und kann es fiktive Literatur über den Holocaust geben? Kann es neue Gedichte nach Auschwitz?

    Jorge Semprun hat sich gegen die Position gewandt, es gäbe ein Grauen, das man nicht schildern könne: “Man kann immer alles sagen, die Sprache enthält alles. Man kann die irrsinnigste Liebe sagen, die schrecklichste Grausamkeit.”

    Ich denke, dass er recht hat. Zumindest wünsche ich es mir sehr.

    Antworten


© Miriam Meckel 2002 bis 2012